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Start Blog Seite 1159

Hong Faux – HELLO NEPTUNE

hong fauxPop-Grunge aus schwedischen Garagen.

Schon das 2012-er Debüt THE CROWN THAT WEARS THE HEAD der Band um Mulitinstrumentalist Johan Bergqist (spielt hier Bass) und Sänger Niklas Serén war ein Kleinod in der wenig aufregenden Alternativ-Szene der letzten Jahre. Der Nachfolger ist auch wieder kurz und knackig: In einer knappen halben Stunde zeigen die vier Schweden, wie sehr der Einfluss der Grunge-Revolution vor über 20 Jahren noch immer nachhallt. Die Mischung aus Garagen-Rock und popaffinen Melodien (vor allem bei der Single ›Coming Through The Rye‹ und ›Dream Machine‹) hat nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Bei Hong Faux ist der leichte Doom-Einschlag des Erstlings verschwunden, dafür dominieren viele Strukturen und Rhythmen, die sich an den Queens Of The Stone Age orientieren (Titelsong), allerdings mit einem deutlicheren, typisch schwedischen Faible für Melodie. ›Valar Morghulius‹ ist eigentlich genau in der Alice-In-Chains-Düster-Kategorie, macht aber durch seinen poppigen Chorus deutlich mehr Laune. So lässt sich eine Depression wesentlich besser ertragen. Demnächst auf Tour mit D.A.D.

High Spirits – YOU ARE HERE

HRR_350_Cover.inddIron Tygers Of Praying Head.

Lars Ulrich muss High Spirits aus Chicago lieben! Es sei denn, er hat seine Vorlieben aus Pubertätszeiten inzwischen verdrängt, als er den Jungs von Diamond Head selbst in deren Proberaum in England auf den Wecker ging. Ob Chris Black, der Boss von High Spirits, auch Stalker-Qualitäten hat, weiß man nicht, aber er dürfte den 1990 erschienenen und vom Metallica-Schlagzeuger zusammen mit Geoff Barton vom englischen Kerrang! zusammengestellten Sampler NEW WAVE OF BRITISH HEAVY METAL ´79 REVISITED ziemlich oft gehört haben. Oder wenigstens die Essenz aufgesogen haben. Denn alle neun Songs des dritten High-Spirits-Albums lassen die frühen 80er und die sogenannte NWOBHM–Zeit wieder aufleben. Als Fan von Praying Mantis, Tygers Of Pan Tang, Demon oder Diamond Head bekommt man fast feuchte Augen, so authentisch bringt Black den Sound einer ganzen Generation rüber. Das einzige Manko dieser musikalischen Zeitreise: Black hat im Studio alle Instrumente selbst eingespielt, irgendwie rockandrollt das Ganze nicht ganz so flüssig. Trotzdem: Ein Muss für jeden, der weiß, bei welcher Band John Sykes (später Thin Lizzy und Whitesnake) seine Karriere begann…

Her Name Is Calla – NAVIGATOR

her name is callaIhr Name ist egal.

Der dieser Musik nämlich, denn gibt es unter all den dämlichen Genrebezeichnungen dieser Welt eine dämlichere als „Post-Rock“? Rock ist gestern, heute, morgen, das Davor unbestreitbar, das Danach jedoch erleben wir hoffentlich nie. Diese Briten werden jedenfalls mit diesem Begriff belegt, dabei schwebt ihr drittes Album NAVIGATOR weit über allem Schubladendenken. Man kann hier Spuren von Prog, Psychedelic oder gar Wave finden, doch wie nur noch ganz wenigen Bands gelingt es Her Name Is Calla, aus Gitarren, entrückten Vocals und spärlichen, aber perfekt dosierten Klangeffekten einen ganz eigenen Kosmos zu zaubern, der auch leise Töne zu monumental epischen Momenten anwachsen lässt und selbst in den zartesten, langsamsten Passagen noch eine andachtsartige emotionale Wucht versteckt. Ein Album für den vierten, fünften, sechsten Durchgang – und vermutlich fürs Leben.

Flip Grater – PIGALLE

flip graterZwischen Neuseeland und Europa.

Eigentlich heißt die 32-Jährige Clare Grater und kommt aus Neuseeland. Seit 2006 veröffentlichte sie drei Alben, reiste um die Welt, schrieb Bücher über ihre Eindrücke auf Tour. 2013 hat Flip Grater ihren Lebensmittelpunkt nach Frankreich verlegt und wohnt nun in Paris. PIGALLE heißt ihr viertes Werk und ist gleich nach ihrer neuen Heimat benannt. Pigalle heißt nämlich nicht nur das Studio, in dem die neuen Songs eingespielt wurden, sondern auch ein berühmtes Stadtviertel der französischen Hauptstadt. Um 1900 herum lebten dort berühmte Künstler wie Pablo Picasso und Vincent van Gogh. Heute ist der Stadtteil vor allem durch das Moulin Rouge bekannt, etwas verrucht durch die vielen Bordelle und Sexshops. Diese Gegensätze finden sich auch in Flip Graters Musik. Dezente Zartheit wie die Pinselstriche Van Goghs treffen auf angeraute Klänge. Mal klingt die Neuseeländerin wie Heather Nova (›Exit Sign‹), dann wie ein verführerisches Cowgirl (›Diggin’ For The Devil‹). Musikalisch hat die Sängerin ihre Heimat jedoch nicht völlig hinter sich gelassen. Neben amerikanischen Western- und Folkeinflüssen hört man auch oft Passagen, die ein wenig an Maori-Stammesrhythmen erinnern. PIGALLE ist ein sehr abwechslungsreiches Album, das anfangs vielleicht ein bisschen sperrig wirkt, sich aber auf sympathische Weise immer mehr erschließt.

Go Go Berlin – NEW GOLD

go go berlinTradition verpflichtet.

Die Liste skandinavischer Rockbands mit internationalem Anspruch (und Erfolg) ist in den letzten Jahren immer länger geworden. Nachdem die Schweden Mando Diao den (langweiligen) Weg jeder erfolgreichen Kapelle gehen (MTV Unplugged, künstlerisch wertvolle Alben in der Muttersprache) und The Hives zu lange Pausen zwischen ihren Veröffentlichungen machen, liegt die Verantwortung jetzt in Dänemark. Denn Go Go Berlin aus Aarhus bringen genau das mit, was den Etablierten abgeht: Hunger. Dass der Ehrgeiz umgekehrt proportional zur Höhe des Bankkontos abnimmt, ist keine neue Business-Weisheit, sondern Erfahrungswert. Go Go Berlin haben mit Christian Vium nicht nur einen guten, wiedererkennbaren Sänger, ihre Songs sind auch von der Schärfe und Tiefe, die die erwähnten Schweden seit Jahren vermissen lassen. Ihre Landsleute wissen das schon zu goutieren, dort stieg NEW GOLD auf Platz 5 in die nationalen Charts ein. Und glaubt man den Augenzeugen, soll das Quartett auf der Bühne eine Offenbarung sein. Wir sind gespannt.

Errorhead – EVOLUTION

errorheadLeckerer Rock-Funk-Mix, gewürzt mit dem Gitarrenspiel von Marcus Deml.

Errorhead-Saitenmaestro Marcus Deml zählt zu den renommiertesten Griffbrett-Surfern des Landes, so bekam er 2005 in der Rock’n’Roll Hall Of Fame den „Guitar Hero“ verliehen, auch Gitarren-Oscar genannt. Sein Quartett veröffentlicht dieser Tage das fünfte Album, das Gitarrenfans und Rockhörer gleichermaßen zufrieden stellt. Die meisten Songs von Errorhead (deutsch: Wirrkopf) mischen Rock und Funk. Letzteres geht auf Basser Frank Itt zurück, der ein riesiger Fan von Kapellen wie Level 42, Tower Of Power, Earth, Wind & Fire etc. ist. Sänger Karsten Stiers, seit EVOLUTION neu an Bord, macht eine gute Figur sowohl in den rockigen Tracks, als auch bei ruhigeren Balladen wie ›Tell Me‹. Unter den zwölf Titeln befinden sich acht Songs mit Gesang und vier Instrumentals, in denen Deml sein imposantes Können demonstriert. Sein melancholisches ›Resurrection‹ etwa erinnert an Jeff Beck, ›Find It‹ könnte den Anhängern von Joe Satriani gefallen. Heraus kommt eine spritzige Rockplatte, die erfreulich viele Facetten zeigt.

Eno & Hyde – SOMEDAY WORLD

eno-hydeSaturiert und ohne Visionen.

Von seinen Anfängen als Glam-Rocker (Roxy Music, die ersten beiden Solo-Alben) abgesehen, war Brian Eno maßgebliche Teile seiner Karriere jene Persönlichkeit der Rock-Geschichte, die am stärksten Anti-Rock-orientiert war. Das reicht von seinem Ego-befreiten Ambient-Konzept über die düsteren Synthie-Teppiche, die er für David Bowies Berlin-Alben schuf bis zu seinen Welt-Funk-Produktionen für Talking Heads oder den Post-Punk-Ansätzen bei Devo und dem NO NEW YORK-Sampler. Alles was ROCK ausmacht – der fette Sound, die Virtuosität, das Ego zumindest der Frontmänner, das Phallische der Gitarrenriffs und -soli –, wird bei Eno negiert. Sogar die selbstgerechten Posen von U2 hat er seinerzeit in ambivalenten Klangozeanen aufgelöst. Karl Hyde, Frontmann von Underworld, wiederum steht für Techno- oder Clubmusik, die auch Rocker goutieren können. Zumindest Rocker, die von Enos Ambivalenzen gekostet haben. Das erste komplette gemeinsame Album der beiden verspricht also durchaus interessant zu sein. Leider fügt es sich aber nahtlos in die ratlos machenden Eno-Alben der ca. letzten 20 Jahre ein. Ein mehlig gekochter Eintopf voller kleiner hübscher Ideen und harmloser Pop-Songs, den man prima ohne Rückstände verdauen kann. Leider fehlt dem Ganzen jegliche Vision. Diese Musik ist komplett saturiert. Sie ist so satt, dass sie fast platzt. Böse Zungen werden jetzt sagen: Natürlich musste sein Anti-Rock-Bemühen genau in dieser Beliebigkeit enden. Ich würde sagen, dass diese Übersaturiertheit das Ergebnis von jahrelanger Tätigkeit als Super-Produzent für nichtige Bands wie Coldplay ist.

Eels – THE CAUTIONARY TALES OF MARK OLIVER EVERETT

eelsGroße Melancholie, gepackt in 13 große Songs.

Nachdem das 2013er-Album WONDERFUL, GLORIOUS für Eels-Verhältnisse erstaunlich fröhlich klang, kehrt Mark Oliver Everett auf seiner elften Platte zu den Wurzeln zurück. Denn was sich zwischen dem Intro ›Where I’m At‹, und dem Schlusslicht ›Where I’m Going‹ tummelt, mutet depressiv bis tieftraurig an: Der von familiären Schicksalsschlägen geplagte Mann ist von Herzschmerz geplagt. So beginnt der Kauz mit der kantigen Stimme die Geschichte einer zerbrochenen Liebe in ›Parallels‹ und klagt in der von Streichern unterlegten ersten Single-Auskopplung ›Agatha Chung‹: „I could make up for everything that I did wrong/But I know it’s just a Song/ And you probably long gone.“ ›Where I’m from‹ und ›Mistakes Of My Youth‹ blicken zurück auf Kindheit und Jugend, während ›Kindred Spirit‹ wieder an seinen Liebeskummer anknüpft. Das sperrige ›Dead Reckoning‹ bildet den Höhepunkt seines Leidens mit der Welt, bevor uns Everett mit dem von Trompeten unterlegten ›Where I’m Going‹ dann doch noch versöhnlich entlässt. Der Mann kann Trauer immer noch am besten transportieren.