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Pixies – INDIE CINDY

pixies 2014So gut wie eben möglich.

In sieben perfekten Jahren zwischen 1986 und 1993 waren die Pixies der Terrier am Hosenbein des Rock. Diese räudige, zähnefletschende Aggro, diese bissige Energie, dieser Jagdinstinkt, und dabei wollten sie doch nur spielen! Der Rock, er war nicht mehr derselbe nach dem surrealen Pre-Grunge-Überfall durch den irren Vierer: Black Francis, der kreischende Buddha-Doppelgänger. Joey Santiago, der Filippino, der die Surfgitarre heulen ließ wie eine rollige Katze. David Lovering, die starr dreinblickende Präzisionsmaschine an den Drums. Und natürlich Kim Deal, die bekiffte Eisprinzessin am Bass, unantastbare Herrin der Achtel. Viereinhalb famose Alben, eine Handvoll B-Seiten, die für jede andere Band Karrierehighlights gewesen wären, das war’s. Die Pixies kriegten die Kurve und trennten sich, als sie anfingen, nachzulassen. Ihr überschaubares, makelloses Oeuvre: 72 Songs.
Seit zehn Jahren nun spielen die Pixies diese 72 Songs wieder. Die Reunion 2004 war mehr als erfolgreich, man blieb zusammen, tourt fleißig, ist Stammgast der Festivals. Seit zehn Jahren also leben Francis & Co als Nostalgie-Museumsobjekt von den nur sieben Jahren ihrer Urzeit. Wundert es jemanden, dass sie ihre fortwährende Existenz mit neuen Liedern rechtfertigen wollen? Ausnahme: Kim Deal. Zwischen den Zeilen war heraus zu lesen, dass es ihre Weigerung war, neues Material aufzunehmen und zu spielen, die Mitte 2013 zur Trennung führten. Dabei ist auch die Haltung der Bassistin nachzuvollziehen: Die Pixies haben die Latte so hoch gelegt, dass es quasi unvermeidbar ist, dass sie bei einem neuen Anlauf 20 Jahre später darunter hindurch springen. Zumal: 27 Jahren nach COME ON PILGRIM kann ihr Sound zwangsweise nicht mehr so revolutionär außerirdisch andersartig klingen wie damals – dafür haben die Pixies selbst gesorgt, durch den Einfluss, den sie auf so viele spätere Bands hatten. Ein neues Album könnte also schlicht und einfach peinlich enden.
Deswegen zuerst: Nein, peinlich ist INDIE CINDY nicht. Puh! Erreicht es den Level von SURFER ROSA (’88) und DOOLITTLE (’89)? Wo denkt ihr hin! Das ist unmöglich! Aber: Es klingt wie die Pixies. Wir lernen: Joey Santiagos Gitarrenspinnerei und Dave Loverings Uhrwerk sind immer noch die besten Mittel, um aus Black Francis’ Songwriting das Optimum heraus zu kitzeln. Um ihm die schräge Kante zu geben, die weder Francis solo (aka Frank Black) noch zahllose Pixies-Kopisten in all den Jahren hingekriegt haben. INDIE CINDYs offensichtliches Pendant in der bisherigen Diskographie der Pixies ist BOSSANOVA (’90), denn beide Alben schwingen zwischen Indie-Surfpop mit erstaunlich feinen Melodien auf der einen (›Havalina‹ vs ›Andro Queen‹) und ruppigen Ausbrüchen (›Hangwire‹ vs ›Blue Eyed Hexe‹) auf der anderen Seite. Nun gilt BOSSANOVA als das Pixies-Album, das man nicht haben muss. Das wird die Zukunft auch über INDIE CINDY sagen. Aber die Platte ist voll in Ordnung. Die einzelnen Songs sind okay bis prima. Und auch wenn sie, wie zu erwarten war, die Pixies nirgends hinführen, wo sie nicht schon waren, besudeln sie doch auch ihr Erbe nicht. Das alleine ist ein Sieg.

Pink Mountaintops – GET BACK

pink mountaintopsDer nächste musikalische U-Turn des Black-Mountain-Sideprojects.

Der Albumtitel GET BACK verheißt eine Rückkehr, doch ein klassischer Nachfolger zum hochgelobten letzten Pink-Mountaintops-Album OUTSIDE LOVE aus dem Jahre 2009 ist dies ganz sicher nicht. Bestach die letzte LP des Black-Mountain-Ablegers durch eine üppige Wall-of-Sound-Produktion in bester Phil-Spector-Manier, melancholisch gefärbte Frauenstimmen und eine oft leicht entrückte Grundstimmung, ist GET BACK ein herrlich überdrehtes, spielfreudiges (Retro-)Rock-Album mit viel 70s-Patina geworden, an dem Primal Screams Bobby Gillespie sicherlich seine helle Freude hätte und das im krassen Gegensatz zum betont gebremsten Vorgänger auf ein durchweg rasantes Tempo setzt. Ins Studio eingeladen hat Mastermind Stephen McBean dieses Mal J Mascis, Gregg Foreman (Cat Power, Delta 72), Daniel Allaire (Brian Jonestown Massacre), Stephen Kille (Dead Meadow), Rob Barbato (Darker My Love, The Fall, Cass McCombs) und Randal Dunn (Sunn O))), Earth, SunCity Girls, Boris), und auch wenn es nach journalistischer Faulheit riecht: Das Ergebnis klingt ziemlich genau wie die Schnittmenge aus all diesen Bands.

Pet The Preacher – THE CAVE & THE SUNLIGHT

petthepreacher-albumDie Wüste lebt – ab jetzt auch in Dänemark.

Physisch leben Pet The Preacher in Kopenhagen. Auf geistiger Ebene aber residiert die Band in Arizona. Anders lässt sich nicht erklären, dass ihr zweites Album mit einer Extraportion Wüstensand ausgeliefert wird: Die Riffs wehen zentnerweise Dreck durch die Luft, mörderische Grooves schütteln kräftig durch, feiste Soli und eine whiskeygestählte Stimme verankern das hochprozentige Gebräu im Kleinhirn. Wer bei Songs wie ›Let Your Dragon Fly‹ oder ›Kamikaze Night‹ nicht unkontrolliert mit dem Hinterteil zuckt und den Grölapparat einschaltet, der muss entweder taub, tot oder beides sein. Mit ihrer arschcoolen Lässigkeit sorgen Pet The Preacher aber regelmäßig auch für Tiefenentspannung: Besonders das psychedelische, zweiteilige ›Marching Earth‹ und die neunminütige Lavalampen-Nummer ›The Web‹ verschaffen ein Gefühl der Schwerelosigkeit, das selbst die dickste Sportzigarette nicht hervorrufen kann. Ärgerlich nur, dass die Dänen dazu neigen, ihre teils zu langen Song-Spielzeiten durch Wiederholungen aufzufüllen. Dennoch steht außer Frage: Kopenhagen gilt ab sofort offiziell als Wüste.

Raspberry Park – SCRATCHIN’ THE SURFACE

Raspberry ParkAus Dänemark stammen die vier Musiker der Prog-Rock-Formation Raspberry Park, die auf SCRATCHIN‘ THE SURFACE die Fährte von Asia, Giant und Hardline aufnehmen. Wunderbar die melodischen, oftmals zwei- und dreistimmigen Gesänge, clever die ausgesprochen leichten Arrangements, lobenswert die handwerklichen Fertigkeiten aller Beteiligten. Wenn schon nicht aus dem sonnigen Kalifornien, dann kann eine solche Musik wohl nur aus dem entspannten Skandinavien stammen, wo immer schon einige der besten europäischen Rockbands groß geworden sind. Raspberry Park jedenfalls könnten sich schnell zu everybody’s darling entwickeln.

Brave Black Sea – FRAGMENTS

8717931324915_600Wenn ehemalige Musiker von Queens Of The Stone Age, Kyuss und Slo Burn gemeinsame Sache machen, ist die Richtung gewissermaßen vorbestimmt. Also geht es auch auf FRAGMENTS der Newcomertruppe Brave Black Sea wunderbar staubig, psychedelisch und progressiv zu. Angetrieben von gnadenlos marschierenden Riffgitarren manövriert sich Frontmann Damon Garrison gekonnt durch hochenergetische Rocksongs, deren Groove Arme und Beine in Beschlag nimmt und deren wunderbaren Melodien Ohren und Seele schmeicheln. Das Beste aber an FRAGMENTS: Spontaneität und Erdverbundenheit spürt man in jeder einzelnen Note, aufgesetzt oder gekünstelt klingt hier absolut gar nichts.

Below – ACROSS THE DARK RIVER

belowFür Below ist ihr Debüt ACROSS THE DARK RIVER der Nachfolger von Kultscheiben wie NIGHTFALL von Candlemass, CONSPIRACY von King Diamond und HEADLESS CROSS von Black Sabbath, wobei besonders letztgenannte die stärksten Analogien aufweist, da Below-Frontmann Zeb ein ähnlich bluesiges Timbre wie der temporäre Sabbath-Sänger Tony Martin besitzt. Allerdings gehen die Schweden noch einen Schritt weiter als ihre legendären Vorbilder, würzen ihren Doom Rock mit progressiven Spielereien und wagen auch Querverweise an Psychedelic- und Space-Rock, wie er dereinst von Hawkwind erfunden und salonfähig gemacht wurde. Aufgenommen wurde ACROSS THE DARK RIVER mit Produzent und King-Diamond-Gitarrist Andy La Rocque, ein ausgewiesener Fachmann für saftige Sounds und klangtechnische Besonderheiten. Hier stimmt also vieles: Anspruch, Talent, professionelles Umfeld und geographische Herkunft. Die besten Bands dieser Musikgattung kamen in den zurückliegenden zehn Jahren fast immer aus Skandinavien.

Animals As Leaders – THE JOY OF MOTION

Animals As LeadersFür Chillout-Partys im festlich beleuchteten Garten taucht die Musik von Animals As Leaders ganz und gar nicht. Ihre Musik besticht durch anstrengende Harmoniefolgen, komplexe, bisweilen hektische Grooves und eine Rastlosigkeit, die den Zuhörer bereits nach wenigen Minuten hartnäckig in Beschlag nimmt. Außerdem zwingt Gitarrist und AAL-Kopf Tosin Abasi seinem Auditorium gleich mehrere Musikstile auf: Der Amerikaner verknubbelt auf THE JOY OF MOTION Rock, Jazz, Prog und Metal zu einer anspruchsvollen Mixtur, die mal nach Joe Satriani, dann nach Dream Theater oder nach Alan Holdsworth klingt. Keine leichte Kost, dafür aber mit hohem Sättigungsgrad.

Se Delan – THE FALL

se delanJustin Greaves weiß, wo der Hase läuft. Mit seiner allseits bewunderten Prog-Rock-Gruppe Crippled Black Phoenix gilt der Multiinstrumentalist seit Jahren als sicherer Garant für den guten Geschmack. Mit der aparten Schwedin Belinda Kordic (Killing Mood) geht Greaves jetzt unter dem Namen Se Delan ans Eingemachte, versetzt auf THE FALL seine melancholischen Harmonien mit einem gerüttelten Maß an Tiefgang und Weitenschärfe, um Frau Kordic dazu wunderbar lasziv singen zu lassen. Das alles klingt aufgrund der überwiegend verwendeten analogen Sounds herrlich erdig und authentisch, erzeugt so manch weltentrückte Stimmung und dürfte für die Romantiker unter uns der perfekte Soundtrack für Abende mit feuerrotem Sonnenuntergang sein. Vorausgesetzt, der/die Liebste ist im Arm, der Wein gut gekühlt und das mitgebrachte Obst taufrisch. Viel mehr braucht man im kommenden Sommer nicht.