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Start Blog Seite 1142

Molly Hatchet – JUSTICE

Molly Hatchet_cdFeurige Gitarren, rauer Gesang: So funktioniert Molly Hatchets neues Album.

Die Southern Community muss sich ranhalten, wenn sie der Welt noch Nachhaltiges überliefern will: Die Sterberate in der Szene ist erschreckend hoch. Molly Hatchet wissen, dass jedes neue Album das Letzte sein könnte, also legte sich ihr Chef Bobby Ingram für JUSTICE wieder ganz besonders ins Zeug und überwachte die Produktion bis ins letzte Detail.

Zum Glück hat dieser Perfektionismus keine Negativauswirkungen, sondern rundet ab, was Ingram sorgfältig komponiert und arrangiert hat. JUSTICE bietet lupenreinen Southern Rock, der Dank des Whisky-geölten Organs von Sänger Phil McCormack eine raue Liaison zwischen Gitarren, Groove und Gesang eingeht. Hinter jedem Track verbirgt sich eine Botschaft: In ›Pride Of America‹ singen Molly Hatchet über das nationale Trauma nach 09/11, ›Fly On Wings Of Angels‹ erzählt die wahre Geschichte einer bestialischen Kindstötung. Und zeitgleich sammelt die Band Gelder, um die Fahndung nach dem Täter zu forcieren. Bei Molly Hatchet gibt es also nicht nur Lippenbekenntnisse.

Moke – THE LONG AND DANGEROUS SEA

Moke_cdHollands Antwort auf Echo & The Bunnymen.

Ums gleich vorweg zu nehmen: Das Beste am zweiten Album der Amsterdamer ist das Cover-Artwork – ein stimmungsvolles Schwarzweißfoto von Anton Corbijn, das an seine Arbeiten für Joy Division bzw. Echo & The Bunnymen erinnert. Was allein deshalb passend ist, weil das auch die Eckdaten für das musikalische Schaffen von Moke sind: Düsterer Wave-Pop trifft sinfonisches Melodrama. Ein Sound, der sich ganz klar an OCEAN RAIN, dem Meilenstein der Bunnymen, orientiert. Und auch Sänger Felix Maginn erinnert immer mehr an Ian McCulloch.

Woran grundsätzlich nichts verkehrt ist. Würde THE LONG AND DANGEROUS SEA nur nicht so sehr auf schwülstige Keyboards setzen und mit ›Switch‹ in den aktuellen Dance-Rock vorstoßen. Da klang die Bodenständigkeit ihres Debüts wesentlich überzeugender. Und den Betroffen­heitstext über die Schrecken des Krieges im Gazastreifen (›Ghost‹) hätte man sich auch sparen können.

Melissa auf der Maur – OUT OF OUR MINDS

MAdM_ooomLP-091204Das zweite Solowerk der prominenten Nebendar­stellerin.

Die Erwar­tungen sind hoch, schließ­lich stand sie mit zwei der größeren Rockbands der Neunziger auf der Bühne und veröffentlichte bereits ein gelungenes Solodebüt. Sechs Jahre nach diesem Album legt Melissa auf der Maur, die von 1994 bis 1999 für Hole den Bass zupfte und danach die Smashing Pumpkins auf deren Abschieds­tournee begleitete, mit Out Of Our Minds ihr zweites Werk vor. Über drei Jahre arbeitete die 38-jährige Kanadierin an diesem Projekt, das neben dem Album auch einen Comic sowie einen halbstündigen Kurzfilm umfasst.

Musikalisch ist sie ihren Wurzeln treu geblieben. Die zwölf neuen Songs erinnern an den rotzigen Rock von Hole und die schwelgerischen Hymnen der Smashing Pumpkins, überraschen aber auch mit elektronischen Spielereien. Für den satten Sound zeichnet unter anderem Alan Moulder verantwortlich, der bereits für Marilyn Manson und die Nine Inch Nails an den Reglern saß.

Die Songs entfalten ihr Potenzial zwar nicht auf Anhieb, aber ein zweites Anhören lohnt sich. Höhepunkt ist der düstere Blues-Song ›Father’s Grave‹, ein schaurig-schönes Duett mit Rock-Legende Glenn Danzig. So macht sogar das Neunziger-Revival Spaß!

Krokus – HOODOO

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1000x1000Im hohen Hard Rock-Alter noch mal aufgeblüht.

Zugegeben, die Erwartungs­haltung an ein neues Krokus-Werk haben sich in den letzten Jahren in Grenzen gehalten. Dann kam die frohe Kunde, dass die Schweizer sich wieder in ihrer erfolgreichsten Besetzungs-Inkarnation (Marc Storace, Chris Von Rohr, Fernando Van Arb, Mark Keller und Freddy Steady) zusammengerauft hatten. Die Hoffnung auf ein gelungenes Comeback-Album stieg dementsprechend. Und HOODOO hat tatsächlich das Zeug – neben dem hervorragenden HEADHUNTER (1983) – zumindest in die Nähe von Krokus-Klassikern wie METAL RENDEZ-VOUS, Hardware oder ONE VICE AT A TIME gerückt zu werden. Allein die Coverversion von Steppenwolfs ›Born To Be Wild‹ stößt übel auf, was nicht an der Umsetzung der Eidgenossen liegt, sondern an der Wahl des Songs an sich. Den internationalen Anerkennungs-Erfolg, den Korkus einst mit ihrer Variante des The Guess Who–Hits ›American Woman‹ erzielten, erreichen sie damit heutzutage sicherlich nicht mehr.

Davon abgesehen muss man bei den Eigenkompositionen der schweizerischen Antwort auf AC/DC keineswegs neutral bleiben oder gar Abstriche machen, sondern kann deren durchweg gute Qualität nur positiv hervorheben. Mid-Tempo-Rock-Anhänger werden hier also ihre Freude haben. Auch die Produktion gefällt und verleiht dem an einigen Stellen durchscheinenden ZZ Top-Wüsten-Blues und -Hard Rock einen texanischen Anstrich. Hut ab.

Ratt – INFESTATION

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Ratt-Infestation-FrontalDas Werk schlägt die Schwanz-Rock-Konkurrenz um Längen.

Auf die Frage, wie es bei den damals gerade zum zweiten Mal wiedervereinigten Ratt denn um ein neues Studio-Album stehe, antwortete Schlagzeuger Bobby Blotzer dem CLASSIC ROCK im September 2007 unumwunden: „Ich will das mal ganz realistisch sehen – die Welt wartet nicht auf ein neues Ratt-Album.“ Zeiten ändern sich, Meinungen auch. Und wenn man sich INFESTATION so anhört, ist man fast geneigt zu sagen: Der Blotz und die Welt hatten wohl eher unrecht.

Allen Befürchtungen zum Trotz, dass das jüngste Ratt-Werk ein ähnlich dröger und blutleerer Blues-Ausflug wie das Band-betitelte 1999er Album werden würde, rocken Ratt auf INFESTATION nämlich wie nach elf Bahnen im geheimen Jungbrunnen des legendären Andaz West Hollywood Hotels auf dem Sunset Strip. Schon der Eröffnungstrack ›Eat Me Up Alive‹ kontert mit allem, was Ratt Anfang der Achtziger an die Spitze des aufkeimenden Glam Metals katapultierte. Simple, aber effektiv ratternde Riffs, Stephen Pearcys kehliger Kratzbürsten-Gesang und das richtige Hook-Händchen.

Doch die wahre Geheimwaffe offenbart sich im drallen Doppel-Solo des Songs. Denn im ehemaligen Quiet Riot-Axt-Mann Carlos Cavazo an der zweiten Axt hat Saiten-Flitzer Warren DeMartini endlich wieder den ergänzenden Gitarren-Gegenpart gefunden, den er und Ratt seit dem AIDS-Tod von Robbin Crosby im Jahre 2002 so vermissen ließen.

Der gut gewählte Singlekandidat ›Best Of Me‹ ist anschließend genauso klassisch Ratt, wie er eine Van Halen-Verbeugung vor ›Jump‹ ist. Verlockend eingängiger Hit-Stoff – ein Platz in den oberen Rängen sämtlicher US-Rocksender-Playlisten dürfte Ratt somit locker sicher sein. Aber auch ›A Little Too Much‹ atmet diesen süßlichen Haarspray-Duft, während ›Last Call‹ das Zeug hat zur neuen Party-Hymne für durchzechte Junggesellen-Nächte auf Strip Club-Streifzug. ›Girls, Girls, Girls‹ revisited, sozusagen.

Wirkliche Ausfälle gibt es neben ›Lost Weekend‹ nicht zu verzeichnen. Selbst die unvermeidliche Halb-Ballade ›Take Me Home‹ kommt ohne peinliche Über-Schmalzung daher. Und wenn’s zum schönen Schluss dann  ›Don’t Let Go‹ heißt, möchte man dem eigentlich nur Folge leisten und diesem Album sofort eine zweite Runde gönnen.

PAUL WELLER: München, Circus Krone

Paul_Weller_at_the_No_Cactus_Festival_in_BelgiumWann ist ein Klassiker ein Klassiker?

Ja, okay, klar, dies ist Paul Weller. Nicht The Jam, nicht The Style Council, sondern Paul Weller, der immerhin schon seit 1990 unter eigener Flagge unterwegs ist, der eben erst mit MORE MODERN CLASSICS eine neue Solo-Single-Compilation veröffentlicht hat. Selbstverständlich betont die aktuelle Tour eines Künstlers immer ihr neuestes Album. Trotzdem, ein bisschen hätten Weller und Band dem Publikum entgegen kommen können.

Wenn der „Modfather“ mit seinen immer noch kantigen und zornigen Soloalben auch weiterhin „die Kids“ erreicht, so ist der Beweis hierfür heute im Publikum des Circus Krone nicht zu sehen. Vielleicht sind der Jugend 42 EUR für ein Konzert zu viel? Das ca 2/3 ausverkaufte Rund wird jedenfalls bevölkert von treuen Langzeitfans mit ergrauter Britpopmatte. Da gibt’s Fans, die jung waren, als the Jam UK-No1 waren, Fans, die jung waren, als The Style Council politrockten, sowie zuletzt Fans, die zum Britpop jung waren und Weller als coolen Onkel von Oasis kennenlernten.

Die glattesten Gesichter in der Halle stehen heute auf der Bühne: Keyboarder Andy Crofts und Percussionist Ben Gordelier aus Wellers Backing-Band gehören zu den ganz wenigen hier, die keinesfalls schon Style-Council-Platten sammelten, weil sie da noch nicht geboren waren. Die zwei Mitglieder von The Moons fügen sich prima ein in Pauls Truppe aus Britpop-Veteranen verschiedener Generationen, als da wären: Steve Cradock, Ocean Colour Scene, an der Gitarre, Producer Andy Lewis am Bass, Steve Pilgrim, ehemals The Stands, an den Drums. Absolute Könner, zweifellos.

Entsprechend makellos und kraftvoll geht’s los mit ›Sunflower‹. Weller, 56, wirkt im engen schwarzen T-Shirt regelrecht durchtrainiert, das passt zusammen. Jetzt eine Salve rasanter Burner: ›From The Floorboards Up‹, ›Wake Up The Nation‹, ›Fast Car Slow Traffic‹, ›Come On Let’s Go‹. Stark. Auf das stampfende ›Sea Spray‹ folgt mit dem Style-Council-Klassiker ›My Ever Changing Moods‹ ein willkommenes Zuckerl für die Fans, doch ›Dragonfly‹, ›Peacock Suit‹ und ›The Dangerous Age‹ ziehen dann eher professionell und kompetent vorbei, als mitzureißen. Große Freude kommt dagegen auf beim The-Jam-Evergreen ›Start!‹.

Schon sind 1 ¼ Stunden vorbei, zur Zugabe gibt’s ›He’s The Keeper‹, das unerwartete ›Picking Up Sticks‹ und die feine Ballade ›Be Happy Children‹ – alles starke Stücke aus Wellers immenser Diskographie und zweifellos prima gespielt.
Aber – und auch wenn Weller noch zwei Mal auf die Bühne kommt und mit einem echten Klassiker abschließt (›The Changingman‹) – seien wir ehrlich, wirklich legendär hätte sich dieser Abend angefühlt, hätte Weller halt doch noch mal etwas tiefer in die Kiste gegriffen. Hätte er die Fans mit einem Frühwerk selig gemacht. Klar, es ist nur legitim, dass Weller sich auf seine Solosongs konzentriert. Aber hey, das Publikum wäre so glücklich!

JEFF BECK: OFFENBACH, CAPITOL

Jeff BeckLIEBER SPIELEN ALS REDEN

Ende Juni 2014 vollendet Jeff Beck sein 70. Lebensjahr. Als Nachfolger von Eric Clapton und Vorgänger von Jimmy Page bei den legendären Yardbirds startete der Brite seine Langzeitkarriere.

Mögen Aufstieg und Glanzzeit auch schon lange zurückliegen, bei seiner Stippvisite im gut gefüllten Offenbacher Capitol wirkt der Pionier keine Spur angestaubt. Um einiges frischer, jünger und agiler wirkt Beck im direkten Vergleich mit in etwa gleichaltrigen Weggefährten wie Ron Wood oder Rod Stewart. Durch zeitlose Vielfalt und eine gehörige Portion Virtuosität besticht auch sein nahezu komplett instrumentales Repertoire.

Zum Auftakt verarbeitet ›Loaded‹ Schwermetallisches. ›Egyptian‹ glänzt in arabischen Notenskalen. In den Coverversionen von Mahavishnu Orchestras ›You Know You Know‹ und Billy Cobhams ›Stratus‹ bildet Jazz Fusion das Fundament. Als Ausgangsbasis dient immer wieder der Blues für exzellente Soloexkursionen.

Jeff Beck macht nicht viele Worte. Wenn der schlanke Engländer mit vollem Haupthaar kommunizieren möchte, erledigt er das mittels seines Instruments. Ein weißes Modell der Marke Fender Stratocaster mit Vibratohebel, das er durch diverse Effektgeräte jagt und, abgesehen von einem Bottleneck, ohne Plektrum und nur mittels des Volumenreglers bearbeitet. Von Becks schierer Virtuosität profitiert ›Little Wing‹ von Jimi Hendrix mit Akustikeinlage von Zweitgitarrist Nicolas Meier ebenso wie das bravouröse ›A Day In The Life‹ von den Beatles. Zart Zerbrechliches, wie etwa ›Angel (Footsteps)‹ oder das irische Traditional ›Danny Boy‹, kann der Maestro auch.

Als Kontrast dazu dient das kernige Slap-Spiel von Bassistin Rhonda Smith, ehemals Mitglied in der Band von Prince. Im Funk-Giganten ›Why Give It Away‹ darf Smith, begleitet vom kraftvollen Schlagwerk von Jonathan Joseph, ihre Stimmbänder zum Einsatz bringen. Nochmals stimmlich glänzt Rhonda Smith im urigen Blues-Klassiker ›Rollin’ And Tumblin‹, der ersten von zwei Zugaben Zum Finale hält Veteran Beck Besinnliches bereit: ›’Cause We’ve Ended As Lovers‹.

GARY CLARK JR: HAMBURG, Gruenspan

Gary Clark JrEin Live-Musiker, Durch und durch.

Seit Gary Clark Jr. 2010 beim Crossroads Festival an der Seite von B.B. King und Eric Clapton spielte, kommt keiner mehr an dem Mann vorbei. In den Medien wird er als die „Zukunft des Texas-Blues“, „Der neue Hendrix“ und „Shootingstar Europas“ beschrieben.

Bevor er das unter Beweis stellen kann, betreten zunächst Kill It Kid die Bühne des urigen Gruenspans. Das Quartett überzeugt mit einer Mischung aus Blues, Rock und Grunge. Die Band überrascht mit ihrer Vielfalt an musikalischen Genres: Als würden die White Stripes mit den Black Keys um die Wette spielen und später mit Rival-Sons-Frontmann Jay Buchanan den Joint kreisen lassen. Eine würdige Vorband, die unter großem Zuspruch der knapp 600 Zuschauer ihren Auftritt beendet.

Gary Clark Jr. beginnt darauf mit dem Robert-Petway-Cover ›Catfish Blues‹. Kurz darauf folgt die Temponummer ›Ain’t Messin’ Round‹. Spätestens da ist klar: Der Mann ist ein Live-Musiker. Dass der 30-Jährige aus Austin hier eine One-Man-Show ablegt, wird bei ›When My Train Pull In‹ abermals deutlich. Mit einem Gitarren-Solo bildet dieser Song ein Highlight an diesem Abend.

„Get Nacked“ schreit ein Typ in zweiter Reihe, woraufhin Gary schmunzelnd entgegnet: „Sounds good“. Das erste Mal, dass der eher schüchterne Musiker, der sich stets höflich bedankt, lacht. Ein Bruch folgt mit der schwülstigen Ballade ›Please Come Home‹, für die der Amerikaner einen Grammy einsackte. Die hohen Töne hat er ganz klar drauf, wenngleich die dreckigeren Stücke beim zumeist männlichen Volk besser ankommen.

Aus seinem aktuellen Album BLAK AND BLU spielt er anschließend den gleichnamigen Song, der ins schmissige ›Bright Lights‹ übergeht. Drei Lieder gibt es in der Zugabe obendrauf, darunter das Leroy-Carr-Cover ›In The Evening (When The Sun Goes Down)‹. Nach über 100 Minuten lässt Gary eine begeisterte Meute zurück.

Ein Blueser ist er, ein Shootingstar auch. Und keine Frage, Hendrix blitzte ab und zu mal durch. Aber ihn auf dieselbe Ebene wie den Meister der Gitarre zu heben? Nein. Dazu ist Garys Spiel zu weich, es fehlt ihm der Drive und das rotzig-schrammige. Macht aber nichts.