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Slash – SLASH

600x600Besser als Axl Rose.

Die Masche ist altbekannt: Wie Dave Grohl bei Probot und Tony Iommi auf seinem 2000er-Alleingang verlässt sich auch Slash auf Gastsänger. Einfach, weil er seine Fähigkeiten auf diesem Gebiet für eingeschränkt hält und sich lieber auf die Saiten konzentriert. Hinterm Mikro stehen stattdessen alte Bekannte wie Ian Astbury (The Cult), Ozzy Osbourne, Chris Cornell, Iggy Pop und Lemmy, der in ›Doctor Alibi‹ an der Kompetenz sämtlicher Mediziner zweifelt. Kein Wunder: Nach deren Diagnosen wäre er längst unter der Erde.

Aber auch den Nachwuchs hat Slash auf dem Schirm – und beweist mit M. Shadows (Avenged Sevenfold), Andrew Stockdale (Wolfmother), Myles Kennedy (Alter Bridge) und Fergie (Black Eyed Peas) ein glückliches Händchen. Was besonders für Letztere gilt: Im wahren Leben R&B-Diva, ist sie hier eine richtige Rockröhre, die dem 13-Song-Parcours aus bleiernem Doom, Southern Rock, Latin-Pop, Balladen und Biker-Mucke ein echtes Überrasch­ungsmoment verleiht. Genau darauf wartet man auf Chinese Democracy vergebens.

Scouting For Girls – EVERYBODY WANTS TO BE ON TV

scouting for girls_cdDas Trio weiß nicht, was es will.

Zugegeben: Roy Stride mag ja ein guter Pianist und Sänger sein. Aber es gibt ein paar Dinge, die der Mann an sich und seiner Musik verbessern könnte. Angefangen bei der matschigen Produktion seines zweiten Albums, über den Umgang mit Autotune nebst billigen Synthie-Sounds bis hin zum peinlichen Versuch, gesellschaftskritische Botschaften mit der lyrischen Brechstange zu vermitteln. Etwa über die Sucht der Jugend nach schnellem Ruhm. Oder die Arroganz der heutigen Damenwelt, die sich vor allem für Glitzer, Glamour und Hollywood-Stars interessiert – aber eben nicht mit beiden Beinen im Leben steht.

Wobei Scouting For Girls mit ihrem Zynismus vorsichtig sein sollten. Denn wer so ungeniert bei Coldplay, Keane, The Fray, Take That und sogar The Jam klaut (›Posh Girls‹), sollte vielleicht nicht so große Töne spucken. Zumal Zeilen wie „You were a naughty girl, the best I’ve ever had” eher zu Mötley Crüe, Poison, Skid Row & Co. passen.

Stone Temple Pilots – STONE TEMPLE PILOTS

STP_FINALCOVERRückkehr zu alter Topform.

Neun Jahre sind seit SHANGRILA DEE DA verstrichen – eine lange Zeit, in der im Grunde nur Scott Weiland mit Velvet Revolver, Drogen-Geschichten und seinem letzten Solo-Album öffentlich präsent war. Dies wird sich mit dem Comeback-Album der Truppe aus San Diego ändern. Die Platte ist nämlich ein klassisches Bandalbum, das auf musikalischem Zusammenspiel basiert. Gespickt mit geschmackvollen Beatles-Anleihen, Pop-Psychedelic-Elementen und entspannten Rock-Tönen, klingen die Grunge-Außenseiter so stark wie schon seit PURPLE nicht mehr. STONE TEMPLE PILOTS ist daher nicht nur eine überaus gelungene Rückkehr, sondern zugleich auch die Band-Neudefinition des Jahres.

Axel Rudi Pell – THE CREST

1000x1000Pell trägt erneut die Hard Rock-Krone.

Axel Rudi Pell ist wie der ARD-„Tatort” an einem Sonntagabend, wie der FC Bayern München als Deutscher Meister oder Dill in Herings­häppchen: absolut berechenbar. Nicht nur der zeitliche Ablauf seiner Albumveröffentlichungen läuft nach einem genau vorgegebenen Muster (nämlich regelmäßig alle zwei Jahre), auch in Form und Inhalt ist man bei ihm vor unliebsamen Überraschungen sicher.

Sein neues Album THE CREST präsentiert den Fans erneut die Essenz eines tiefmelodischen Hard Rocks, wie er einst von Deep Purple oder – mehr noch – Rainbow erfunden wurde. Doch während Deep Purple mit Steve Morse ihre Tugenden aus den Augen verloren zu haben scheinen und Rainbow aufgrund der chronischen Unlust von Ritchie Blackmore bereits seit langer Zeit nicht mehr existieren, gibt es bei Pell die Erfüllung. Ohne Hektik, ohne Krimskrams oder halbherzige Trendmeierei findet man hier die Sorte Songs, die einen schon seit den Siebzigern verzücken. Wer behauptet da noch, dass sich die Welt immer schneller dreht?

The New Pornographers – TOGETHER

music-The-New-Pornographers-TogetherPower-Pop mit Luft nach oben – Neko Case & Co. schöpfen ihr Potenzial nicht aus.

Seit dem bislang ungeschlagenen Debüt, MASS ROMANTIC, das durchweg druckvollen Powerpop bereit hielt, leiden neue Alben der New Pornographers immer an den gleichen Schwächen: Zuerst fahren die Kanadier mächtig auf, doch zum Ende lässt die Band um das Songwriter-Duo Carl Newman und Dan Bejar sowie Sängerin Neko Case mächtig nach. So auch auf TOGETHER. Anfangs deutet das Oktett an, wozu es in der Lage ist: mitreißende und Haken schlagende Ohrwürmer. Ein neues Element im New-Pornographers-Kosmos, das hier und da aufblitzt, sind die Streicher, die teilweise sogar knackige Riffs spielen. Darüber hinaus hat die Band aus Vancouver aber nur Standard-Ware im Angebot, die ein bisschen zu lau dahin plätschert.

Scorpions – STING IN THE TAIL

scorpions_CDWer hätte das gedacht? Die Scorpions rocken tatsächlich so gut und erdig wie seit über 20 Jahren nicht mehr!

Eine lange Karriere mit vielen Höhe- und nur wenigen Tiefpunkten neigt sich also ihrem Ende entgegen, nun soll endgültig Schluss sein. Nur noch dieses eine Album, dazu eine zweijährige Abschiedstournee rund um die Welt – Freunde, es ist Zeit, wehmütig mit den Taschentüchern zu winken! Die Scorpions sind, so können Historiker bereits heute konstatieren, in Ehren alt geworden. Mit Ausnahme des schrecklichen Albums EYE II EYE haben Klaus Meine, Rudolf Schenker und Matthias Jabs ihr Niveau kaum einmal unterschritten.

Die Frage nun: Was beschert uns Deutschlands einstiger Rock-Exportschlager Nummer 1 auf seinem Abschiedswerk? Auf jeden Fall gute Unterhaltung, dazu alle typischen Trademarks der Band und tatsächlich einige Songs, die man in dieser Güte nicht unbedingt mehr erwartet hatte. Zwar sticht nicht jeder Stachel wirklich tief. Die Schmonzette ›Lorelei‹ etwa schrammt haarscharf am Schnulzenabgrund vorbei, ›Spirit Of Rock‹ und der bei Led Zeppelin (›Rock’n’ Roll‹) abgekupferte Titeltrack erreichen nur Konfektionsgröße.

Doch demgegenüber stehen einige zweifellos rassige Tracks (›Only The Good Die Young‹, ›Turn You On‹, ›Raised On Rock‹). Zudem zeigt die Band in ›Rock Zone‹ den abgehalfterten Mötley Crüe, wie Rock’n’Roll heute noch funktioniert – und beweist im ruhigen ›Sly‹, dass sie immer noch die weltbesten Hardrock-Balladen schreiben kann. Man hat unwillkürlich das Gefühl, als ob sich die Scorpions auf ihrem finalen Album aller Fesseln entledigen wollten und so befreit rocken, wie sie es sich seit über 20 Jahren nicht mehr getraut haben.

Haben die Hannoveraner also wirklich noch einmal einen Klassiker gelandet? Ich lege mich fest: Es ist zumindest ihr bestes Werk seit SAVADGE AMUSEMENT von 1988. Der abschließende Track heißt übrigens ›The Best Is Yet To Come‹, zu Deutsch: Das Beste kommt noch. Die Gerüchteküche sei hiermit eröffnet!

Serj Tankian – ELECT THE DEAD SYMPHONY

tankian, serj_cdDer System Of A Down-Sänger mag’s sinfonisch.

System Of A Down-Sänger Serj Tankian gönnt sich mit dieser Live-Version seines 2007er Solo-Albums den sinfonischen Traum eines jeden Ausnahme-Talents. Zusammen mit dem Auckland Philharmonia Orchestra – und auch auf neuseeländischem Territorium in der feierlich-schmucken „Auckland Town Hall“ aufgenommen – toppt Serj seinen Solo-Ausflug mit einer zusätz­lichen orchestralen Inszenierung – und sorgt damit für pure Gänsehaut. Die an sich schon kraftvollen Kompositionen erstrahlen im edlen Klassik-Lack noch heller und machen dieses Live-Album – ausnahmsweise – zu einer Platte, die der nüchternen Studio-Variante letztlich vorzuziehen ist. Extrem lebendig, beseelt und stimmstark gibt Tankian hier den klassischen Maestro, den er bei System Of A Down wohl nur im Ansatz ausleben konnte.

Die vom Studio-Album abweichende Song-Reihenfolge sorgt in Kombination mit bislang ungehörtem Solo-Material für einen gepflegten orchestrierten Ohrenschmaus zwischen Pink Floyd, Frank Zappa und Rick Wakeman. Daher: erste Wahl.

Murmansk – ELEVEN EYES TO SHADE

murmansk_cdIndie-Rock aus dem Land der Mücken und Metal-Monster.

Wer Finnland  mit HIM, Lordi und The Ras­mus assoziiert, hat was verpasst. Etwa Murmansk, die mit Eleven Eyes To Shade ein bemerkens­wertes zweites Album vorlegen – und sei es nur, weil es an Naivität und Coolness kaum zu überbieten ist. Da wäre zum einen die arrivierte Musikalität des Quartetts, das ganz locker zwischen Progrock der Marke Pink Floyd, Noise-Attacken im Sinne von My Bloody Valentine und der schaurig-schönen Schwarzmalerei von The Cure pendelt. Alles mit infernalischen Gitarrensalven, mystischem Düstersound und dem gewöhnungsbedürftigen Gesang von Laura Soininen unterlegt. Die geht anfangs gnadenlos unter, weil sie zu mädchenhaft und brav wirkt. Sie gewinnt aber im mehrstimmigen Wech­selgesang deutlich an Volumen und Schärfe – etwa im finalen ›Before Kitchen Knives‹.

Ein tolles Indie-Rock-Drama, das geschickt zwischen laut und leise, wütend und verspielt variiert. Die Pixies hätten es nicht besser hinbekommen.