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Coco Montoya – SONGS FROM THE ROAD

Coco MontoyaEr absolvierte seine Lehrzeit in der Band von Albert Collins, der ihn lehrte, „icy hot“ Gitarre zu spielen. In den frühen 80er Jahren schied er für einige Zeit aus dem Musikgeschäft aus und verdingte sich als Barkeeper. 1984 hörte John Mayall Montoya in einer Bar und holte ihn in seine legendären Bluesbreakers, für die bereits Walter Trout in die Saiten griff. Montoya und Trout bildeten ein grandioses Gitarristen-Duo. Seit 1995 verfolgt der Mann aus Santa Monica, Kalifornien, seine Solo-Karriere, bislang hat er sieben Studioalben veröffentlicht. So wurde es Zeit für ein Live-Album, SONGS FROM THE ROAD ist mit seinen 14 Tracks sogar ein dicker Doppeldecker geworden. Coco Montoya intoniert kräftigen Rock’n’Roll, der in verschiedene Richtungen marschiert: R’n’B, Latino, Rock und sanfte Balladen, der Linkshänger beherrscht alles. Sein exzellentes Begleitquartett – inklusive eines sensibel agierenden Keyboarders – sorgt für warme Temperaturen. Heraus kommt dabei blue eyed Blues der besseren Sorte.

Smoove & Turrell – BROKEN TOYS

jal178cdEine eindrucksvolle Demonstration für die Vielseitigkeit des Blues liefert dieses findige Duo aus Newcastle. Es reichert seinen Mix aus Northern Soul, Funk, Jazz und Blues mit zuckenden Beats an, es ist unmöglich, zu ihren temperamentvollen Tracks still zu sitzen. Bei Smoove & Turrell lassen sich Einflüsse von Stax, Curtis Mayfield, Temptations und Fatboy Slim aufspüren. Die gefühlvolle Stimme von John Turrell (einem gelernten Zimmermann) kann man gar nicht genug preisen, sie ist so vielseitig wie leidenschaftlich. Die Instru-mentierung stammt von Smoove (alias Jonathan Scott Watson), einem langjährigen DJ mit Faible für klassische Black Music. 2009 veröffentlichten sie ANTIQUE SOUL, gefolgt von ECCENTRIC AUDIO (2011), besonders Festival-Veranstalter wurden auf den Zweier aufmerksam. Album Num-mer Drei ist keinen Deut schlechter, es ist eine Reise in die Welt der Grooves. Bringt jeden Popo zum Swingen – garantiert!

Will Stratton – GRAY LODGE WISDOM

Stratton, WillLeidgeprüfter New Yorker Folkie auf Nick Drakes Spuren.

Letzten Sommer kamen New Yorker Musikerkollegen zusammen, um mit der Benefiz-Compilation IF YOU WAIT LONG ENOUGH Geld für die Behandlung von Will Strattons Krebserkrankung aufzubringen. Inzwischen hat sich der bärtige Singer/Songwriter aus Brooklyn zum Glück wieder berappelt und kann auf seinem handgemachten, aber nie rustikal klingenden fünften Album selbst in Songform von seinem Leidensweg erzählen. Doch trotz Zeilen wie „Why sing about death when I just almost died?/Why sing about life when I’m still alive?“ versinkt er dabei nie in Depressionen. Lieber entführt er uns nach Big Sur in Kalifornien oder ins Hudson River Valley im Norden des Staates New York, erinnert aber mit seinen behutsamen, oft nur wie hingetupft wirkenden Fingerpicking-Liedern eher an die britischen Folkies der 70er-Jahre, allen voran an Melancholie-Großmeister Nick Drake. Dessen Intensität erreicht Stratton auf GRAY LODGE WISDOM trotz stilvoller Streicherbegleitung zwar nicht vollends, dennoch weiß er mit dieser Gratwanderung zwischen Unaufdring-lichkeit und Eindringlichkeit durchaus zu gefallen.

Tesla – SIMPLICITY

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TeslaDas Feuer ist gelöscht. Jetzt heißt es: Achtung, Ohrwurmgefahr!

Sechs Jahre mussten Anhänger der Sacramento-Rocker Tesla auf ein neues Studioalbum des Quintetts warten. Verzögert wurde die Arbeit an SIMPLICITY durch einen Studio-brand und die Interimsscheibe TWISTED WIRES & THE ACOUSTIC SESSIONS. Doch SIMPLICITY klingt, als wäre kaum Zeit vergangen seit dem Vorgänger FOREVER MORE (2008), denn es ist wieder ein typisches Tesla-Album, das alle Trademarks der Hard-Rocker vereint. Dominiert von teils bluesigem, teils akustischem und teils geradeaus rockendem Gitarrenspiel sowie der Reibeisenstimme von Jeff Keith, entwickeln sich viele Stücke schnell zu Ohrwürmern – allen voran ›Flip Side‹, ›Ricochet‹ und der Opener ›MP3‹. SIMPLICITY ist abwechslungsreich, gefühlvoll und von großen Melodien geprägt. Die Produktion klingt nach klassischem Hard Rock, lässt aber auch den nötigen Druck nicht vermissen. So ist das Album weder zeitgemäß noch altbacken, sondern eher zeitlos. Und auch wenn nicht jeder Schuss sitzt, ist SIMPLICITY doch eine überzeugende Scheibe, die sich in der Tesla-Diskografie nicht verstecken muss.

Tri State Corner – HOME

18198_0originalDas neue Europa.

Was ist Heimat? Eine Frage, die gerade auf unserem Kontinent, auf dem sich Dutzende Nationalitäten auf kleinstem Raum tummeln, die in der jüngeren Geschichte immer wieder bunt durcheinandergewürfelt, hinter eine Mauer gesperrt oder gegeneinander aufgehetzt wurden, sehr pertinent ist. Denn wo fühlen sich fünf Menschen heimisch, die in NRW ansässig sind, aber deutsche, griechische sowie polnische Wurzeln haben und viel Zeit auf Bühnen in aller Herren Ländern verbringen? Tri State Corner behandeln diese Frage ausführlich auf HOME, das klassischen Rock, traditionellen Metal und moderne Power mit Bouzouki-Klängen und griechischen Gesangsparts zusammenführt. Vor allem in der zweiten Hälfte des Albums laufen sie dabei zu neuer Hochform auf, bemalen die ganz große Leinwand und entwickeln eine Wucht, die von den exotischen Einsprengseln nur noch verstärkt wird. Was vor zwei Jahren Libanons The Kordz so bravourös im Grunge-Rock gelang, gelingt diesem Quintett nun in seinem Bereich, den man gar nicht mehr wirklich kategorisieren will. Na pate sto kaló!

Walter Trout – THE BLUES CAME CALLIN’

album-hrSchwer gezeichnet, gelingt dem Bluesrocker ein erstaunliches Album.

Die Nachrichten waren nicht gut, zum Zeitpunkt der Plattenkritik wartete Walter Trout auf eine Lebertransplantation in Los Angeles, der einst wohlgenährte Gitarrist hatte 50 Kilo verloren. Immerhin waren per Pledge-Kampagne mehr als die benötigten 125.000 Dollar für die Operation zusammen gekommen. Ungeachtet seiner Krankheit war der 63-Jährige davor noch rastlos auf Tour, schrieb, sang und spielte seine Klampfe. In seinem 25. Jahr als Solo-Act erscheint nun THE BLUES CAME CALLIN’, sein 22. Album. Trout hatte sein Handwerk bei Canned Heat gelernt, spielte anschließend vier Jahre bei John Mayall’s Bluesbreakers und startete 1990 seine Solokarriere. 2013 veröffentlichte er LUTHER’S BLUES, sein Tribut an Luther Allison. Auf seinem neuen Wurf empfängt er mit John Mayall einen „special guest“ der außergewöhnlichen Art. Trout bat ihn darum, am Piano Boogie Woogie zu improvisieren. Mayall ließ die Tasten lodern, hinterher spielten Trout und sein Trio die Rhythmusspur dazu ein. Die restlichen Songs haben das Bluesrock-Feuer, das man von ihm gewohnt ist, Trout spielt eine höchst leidenschaftliche Gitarre mit tollem Vibrato. Angesichts seines Elans würde man nie darauf kommen, dass er von Krankheit gezeichnet war. Ganz offensichtlich besitzt der Blues heilende Kräfte…

Unisonic – FOR THE KINGDOM EP

UnisonicVorab-EP des kommenden Studioalbums: melodisch, rassig, hörenswert.

Unisonic waren die Melodic-Metal-Überraschung des vorletzten Jahres und legen in diesem Sommer wohltönend nach. Die Band mit ehemaligen/aktuellen Musikern von Pink Cream 69, Gotthard/Krokus, Helloween und Gamma Ray macht sich das unübersehbare Ausdünnen ihrer Szene zunutze und schmirgelt ihre melodischen Uptempo-Metal-Tracks mit Können und traditioneller Ausrichtung. Mittelpunkt des lustvollen Treibens ist natürlich Sänger Michael Kiske, dem man vor 20 Jahren eine weltumspannende Karriere wie Bruce Dickinson prophezeit hatte und der nun erneut verdeutlicht, dass das Nichtzustande-kommen dieses Erfolgsmärchens eine Schande ist. Denn Kiske macht den Unterschied, er ist das Sahnehäubchen bei Unisonic, die Kirschen auf dem Kuchen, wenn er aus guten bis sehr guten Kompositionen absolute Rassenummern macht. FOR THE KINGDOM ist die Vorab-EP zum zweiten Album, das im Sommer erscheint, und featured zwei neue Nummern plus vier bereits bekannte Live-Tracks. Wer wirklich alles von Unisonic braucht sollte hier zuschlagen, wer auf seinen Geldbeutel achten muss wartet besser bis zur Veröffentlichung des Albums.

Uriah Heep – OUTSIDER

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Uriah HeepDa qualmen die Boxen.

Dass sich Uriah Heep auch nach über 40 Jahren im Business und mehr als 40 Millionen verkauften Einheiten nicht zum alten Eisen zählen lassen müssen, beweisen sie auf ihrem 24. Studioalbum OUTSIDER. Komplettiert durch Bassist Davey Rimmer, der den verstorbenen Trevor Bolder ersetzt, rocken die Briten bereits mit dem Opener ›The Speed Of Sound‹ alles in Grund und Boden. Auch darüber hinaus enthält die Scheibe überwiegend energetische, frisch klingende Geradeaus-Rocker wie z. B. ›The Law‹, ›Looking At You‹ oder ›Can’t Take That Away‹, die ein ordentliches Tempo aufweisen und dennoch den typischen Uriah-Heep-Hard-Rock-Sound ins Hier und Jetzt transportieren. Die mitreißenden Gitarrenriffs, die so anachronistische wie aufregdne Hammond-Orgel, Bernie Shaws rauchig-melodischer Gesang und das überzeugende Songwriting bilden eine charakteristische Einheit, die für Kurzweil sorgt und den Rezipienten nicht still sitzen lässt. Wer die rockige Seite Uriah Heeps mag und damit leben kann, dass progressive und epische Elemente hier eher unterrepräsentiert sind, darf bedenkenlos zugreifen!