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Will Stratton – GRAY LODGE WISDOM

Stratton, WillLeidgeprüfter New Yorker Folkie auf Nick Drakes Spuren.

Letzten Sommer kamen New Yorker Musikerkollegen zusammen, um mit der Benefiz-Compilation IF YOU WAIT LONG ENOUGH Geld für die Behandlung von Will Strattons Krebserkrankung aufzubringen. Inzwischen hat sich der bärtige Singer/Songwriter aus Brooklyn zum Glück wieder berappelt und kann auf seinem handgemachten, aber nie rustikal klingenden fünften Album selbst in Songform von seinem Leidensweg erzählen. Doch trotz Zeilen wie „Why sing about death when I just almost died?/Why sing about life when I’m still alive?“ versinkt er dabei nie in Depressionen. Lieber entführt er uns nach Big Sur in Kalifornien oder ins Hudson River Valley im Norden des Staates New York, erinnert aber mit seinen behutsamen, oft nur wie hingetupft wirkenden Fingerpicking-Liedern eher an die britischen Folkies der 70er-Jahre, allen voran an Melancholie-Großmeister Nick Drake. Dessen Intensität erreicht Stratton auf GRAY LODGE WISDOM trotz stilvoller Streicherbegleitung zwar nicht vollends, dennoch weiß er mit dieser Gratwanderung zwischen Unaufdring-lichkeit und Eindringlichkeit durchaus zu gefallen.

Smoove & Turrell – BROKEN TOYS

jal178cdEine eindrucksvolle Demonstration für die Vielseitigkeit des Blues liefert dieses findige Duo aus Newcastle. Es reichert seinen Mix aus Northern Soul, Funk, Jazz und Blues mit zuckenden Beats an, es ist unmöglich, zu ihren temperamentvollen Tracks still zu sitzen. Bei Smoove & Turrell lassen sich Einflüsse von Stax, Curtis Mayfield, Temptations und Fatboy Slim aufspüren. Die gefühlvolle Stimme von John Turrell (einem gelernten Zimmermann) kann man gar nicht genug preisen, sie ist so vielseitig wie leidenschaftlich. Die Instru-mentierung stammt von Smoove (alias Jonathan Scott Watson), einem langjährigen DJ mit Faible für klassische Black Music. 2009 veröffentlichten sie ANTIQUE SOUL, gefolgt von ECCENTRIC AUDIO (2011), besonders Festival-Veranstalter wurden auf den Zweier aufmerksam. Album Num-mer Drei ist keinen Deut schlechter, es ist eine Reise in die Welt der Grooves. Bringt jeden Popo zum Swingen – garantiert!

Coco Montoya – SONGS FROM THE ROAD

Coco MontoyaEr absolvierte seine Lehrzeit in der Band von Albert Collins, der ihn lehrte, „icy hot“ Gitarre zu spielen. In den frühen 80er Jahren schied er für einige Zeit aus dem Musikgeschäft aus und verdingte sich als Barkeeper. 1984 hörte John Mayall Montoya in einer Bar und holte ihn in seine legendären Bluesbreakers, für die bereits Walter Trout in die Saiten griff. Montoya und Trout bildeten ein grandioses Gitarristen-Duo. Seit 1995 verfolgt der Mann aus Santa Monica, Kalifornien, seine Solo-Karriere, bislang hat er sieben Studioalben veröffentlicht. So wurde es Zeit für ein Live-Album, SONGS FROM THE ROAD ist mit seinen 14 Tracks sogar ein dicker Doppeldecker geworden. Coco Montoya intoniert kräftigen Rock’n’Roll, der in verschiedene Richtungen marschiert: R’n’B, Latino, Rock und sanfte Balladen, der Linkshänger beherrscht alles. Sein exzellentes Begleitquartett – inklusive eines sensibel agierenden Keyboarders – sorgt für warme Temperaturen. Heraus kommt dabei blue eyed Blues der besseren Sorte.

Paul Weller – WAKE UP THE NATION!

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WAKECD1_Weller_Wallet2Piece_FRONT_V2.inddDer „Changing Man“ bleibt sich treu – und unvorhersehbar.

Mag ja sein, dass Paul Weller auch schon fast 53 Jahre auf dem Buckel hat. Aber erstens ist es noch immer der Buckel von Paul Weller, fein in ein Polohemd von Fred Perry gehüllt. Und zweitens zählt Clem Cattini, der legendäre Gastschlagzeuger auf ›No Tears To Cry‹, satte 72 Lenze. Nehmt das, Dad Rock-Verächter! Bei diesem Mann haben schließlich Spätgeborene wie Oasis ihre Tricks gelernt, und er unterrichtet noch heute.

Tatsächlich ist Wake Up The Nation! alles andere als abgehangen. Schon die druckvoll-verspulte Single ›7&3 Is The Strikers Name‹ kündet von Großem, ohne die psychedelische Katze ganz aus dem Sack zu lassen: Harfe, Mellotron, verschleppte Rhythmen, Feedback-Gebratzel, Loops, wie aus dem Handgelenk programmierte Beats, Drone, Funk, Samples, Echo, Rrrrock und sogar ein wenig Disco aus der Zeit, als Disco noch jung war. Alles drin, und alles schön fiebrig.

Manchmal scheint es, als sei ein Captain Beefheart für die ganzen Samples und Störgeräusche im Hintergrund zuständig gewesen. Mal klingt Weller dabei wie die Small Faces, mal wie er selbst zu Zeiten von Wild Wood, meistens wie die Beatles auf Speed. Und mählich dämmert, warum sie diesen Mann den „Modfather“ nennen. Weil alles, was er tut, wie ein authentisches Amalgam dessen klingt, was Musik von der Insel in den letzten 30, 40 Jahren so relevant gemacht hat.

Zwar hängt Wake Up The Nation! textlich ein wenig durch, aber ein großer Musiker muss kein großer Lyriker sein. Sein politisches Engagement nimmt man dem linken Radikalpazifisten auch dann ab, wenn er es nicht in so hübsche Worte kleidet wie im Titelstück: „Get your face off of Facebook and turn off your phone“, so seine väterliche Kulturkritik, vorgetragen zu rollenden Bässen, quietschendem Harmonium und handkantenscharfen Bläsersätzen.

Es ist ein Album der Gegensätze. Das Instrumental ›In Amsterdam‹ verwöhnt mit gestreicheltem Schlagzeug und Dub-Gestus, bei einem Zwei-Minuten-Rocker ›Fast Car/Slow Traffic‹ aber schreit er sich wie ein gehetzter Taxifahrer die Lunge aus dem Hals, während die Band im Hintergrund beeindruckt zwischen The Jam und den Kinks schwankt. Wir schwanken nicht: So gut war Paul Weller seit STANLEY ROAD nicht mehr, und das ist auch schon 15 Jahre her.

Year Long Disaster – BLACK MAGIC: ALL MYSTERIES REVEALED

YLD_blackmagic_coverGeniale Gene im Bunde.

Wenn der Bassist einer Stoner Band sich mit dem Schlagzeuger einer Alternative Rock-Gruppe zusammentut und an Gesang und Gitarre noch ein Rock-Berühmtheiten-Spross steht, kann dies eine interessante Kombination ergeben. Tut es im Fall von Year Long Disaster auch. Die Band um Rich Mullins (Karma To Burn), Brad Hargreaves (Three Days Grace) und Daniel Davies, dem Sohn von Dave Davies (The Kinks), ist vom Stil her klar dem Hard Rock der Siebziger verpflichtet.

BLACK MAGIC: ALL MYSTERIES REVEALED bietet alles, was das Retro-Herz begehrt. Der Referenzrahmen ist zunächst einmal Led Zeppelin, insbesondere was eine lebendige Produktion, satte Riffs und packende Grooves betrifft. Das Songwriting geht jedoch nicht immer den direkten Weg in den Gehörgang, sondern schafft den Spagat zwischen sofortigem Hit-Potenzial und vielschichtigeren Strukturen, die auch auf Dauer spannend bleiben. Ein rundum gelungenes Rock-Album ohne jegliche Spur von Mief.

Warrior Soul – DESTROY THE WAR MACHINE

warrior soul_cdAnti-Kriegs-Kampfgeist für geschundene Rocker-Seelen.

Obwohl er mit Trouble durchaus gut beschäftigt ist, hat Kory Clarke die Zeit gefunden, nach langer Auszeit seine Stammband zu reaktivieren und dabei gleich rundum zu erneuern. Und, Line-up-Wechsel hin oder her: Das neue Album DESTROY THE WAR MACHINE beweist ein weiteres Mal, dass die Truppe schon immer völlig zu Unrecht unterbewertet worden ist.

Kory & Co. mischen Punk, Drogen und Politik und servieren nebenbei noch markigen Mittelfinger-Rock’n’Roll, der sich einen räudigen Dreck um gängige Kommerz-Konventionen schert. Gut so. Denn heutzutage gibt es zwar jede Menge geschniegelte Freizeit-Rebellen, aber nicht mehr allzu viele Vertreter der unangepassten und unangenehmen Schmuddel-Spezies. Daher reiht sich auch die abschließende Iggy Pop-Cover-Version ›Knocking ‘Em Down (In The City)‹ perfekt neben den exzellenten, Kampfgeist versprühenden Eigenkompositionen ein. Lediglich die mit insgesamt acht Songs recht kurze Spielzeit bietet ansatzweise Grund zur Klage. Andererseits: Dafür muss man auch keinen Füller beklagen.

Treat – COUP DE GRACE

TREAT_cdDie alten Schweden wagen einen neuen Angriff.

Die Geschichte von Treat reicht zurück bis ins Jahr 1981. Im Windschatten von Europe wurde ihnen immer wieder der Durchbruch prognostiziert, doch leider reichte es nur zum ewigen Geheimtipp. Frust machte sich breit, die Szene und insbesondere die musikalischen Vorlieben veränderten sich, weshalb die Neunziger keine gute Zeit für ein fünftes Album waren. Das erschien 1997 dennoch – und enttäuschte.

Nun, 13 Jahre später, wagen die Skandinavier in reifem Alter einen neuen Anlauf, dem man durchaus skeptisch gegenüber stehen darf. Doch bereits nach den ersten Klängen weicht der Argwohn, denn COUP DE GRACE ist ein wuchtig und voluminös produziertes Comeback, vollgepackt mit überwiegend hochklassigem Material. Bandboss Anders Wickström, der während der letzten Jahre als Komponist und Produzent für A-Teens, N’ Sync und Backyard Babies seine Brötchen verdiente, rifft spielfreudig, reif und melodisch, während Sänger Robert Ernlund immer noch über eine souveräne, kraftvolle Stimme verfügt. Treat stehen nach wie vor für eine Mischung aus AOR und Melodic Metal ohne unnötigen Firlefanz.

Tarot – GRAVITY OF LIGHT

Tarot_cdFeine finnische Riffs.

Bevor im Jahr 2007 CROWS FLY BLACK erschien, waren Tarot außerhalb ihrer finnischen Heimat nicht mehr als ein Geheimtipp. Dabei existiert die Band bereits seit 1985, veröffentlichte vor besagtem Album schon sechs Studiowerke und erreichte damit in der Heimat hohe Chartplatzierungen.

Die Chancen stehen hervorragend, dass die Truppe aus Helsinki nun endlich auch weiter südlich durchstarten wird. Warum? Weil GRAVITY OF LIGHT ein starkes Album geworden ist. Und weil Tarot die Band von Nightwish-Basser Marco Hietala ist, was das Interesse sicher anheizt. Vor vielen Jahren studierte er Bass, Gesang und Musiktheorie. Kein Wunder also, dass er bei Tarot deutlich mehr Facetten seines Könnens demonstriert als bei Nightwish. Vor allem seine melodisch-raue Stimme beeindruckt, sie lenkt die überwiegend melancholischen, klar und spannend strukturierten Lieder. Parallelen zu Astral Doors, Axel Rudi Pell oder Dio sind durchaus auszumachen. GRAVITY OF LIGHT ist das ausgewogene Werk einer selbstbewussten, spieltechnisch exzellenten und kompositorisch ausgereiften Kapelle.