Bryan Adams wird heute 64 Jahre alt. Zum Ehrentag des kanadischen Megastars blicken wir heute auf die 80er Jahre und sein fulminantes Duett mit Tina Turner zurück. ›It’s Only Love‹ stammt von Adams Überalbum RECKLESS von 1984, welches dem Künstler den großen Durchbruch bescherte.
Das Video wurde 1985 während Tina Turners „Privat Dancer“ Tournee gedreht. Es war das erste Video, für dessen Mitschnitt eine Skycam genutzt wurde. 1986 gewann der Clip bei den MTV Video Music Awards den Preis für „Best Stage Performance“.
Uriah Heep gehören zu den stilprägendsten und erfolgreichsten Vertretern des Hardrock, die mit Alben wie SALISBURY (1971) oder DEMONS AND WIZARDS (1972) das Genre neu definiert haben. Ihre Bandgeschichte ist neben Superhits wie ›Lady In Black‹, ›Look At Yourself‹ oder ›Easy Livin’‹ auch geprägt von einem rotierenden Band-Karussell mit vielen musikalischen Differenzen, diversen Drogenproblemen und Todesfällen. Ken Hensley war von 1970 bis 1980 Keyboarder, Gitarrist, Sänger und Songschreiber bei Uriah Heep. In unserem letzten Interview mit ihm (2020) kramte er in seinen Erinnerungen – und gab uns ein Update, was er in nächster Zeit plant.
Ken, eigentlich sollte in diesem Jahr eine riesige Party steigen: Du bist 75 Jahre alt geworden und Uriah Heep ganze 50 Jahre – dann kam Corona und machte einen dicken Strich durch die Rechnung. Wie geht es dir damit? Das ist alles halb so schlimm. Wenn heute noch David Byron oder Gary Thain leben würden, wäre eine Party ein schöner Anlass gewesen, ein paar Songs zusammen zu spielen. Für mich sind diese beiden runden Geburtstage natürlich eine schöne Sache. Ich bin 75 und gesund, was will ich mehr? Und wenn ich dann noch weiß, dass vor 50 Jahren das erste UriahHeep-Album erschienen ist, denke ich: Ich hätte nie gedacht so alt zu werden. Mit 25 glaubte ich, dass mit 35 das Leben vorbei ist. Und wir haben damals so gelebt, dass das durchaus möglich gewesen wäre. Es ist schon eine traurige Geschichte, dass so viele meiner alten Freunde nicht mehr da sind.
Seit nunmehr 18 Jahren wohnst du in Spanien, was gefällt dir an Land und Leuten? Ich wohne hier ziemlich weit im Süden – quasi in der Nähe von Alicante, was noch etwa 50 Kilometer entfernt liegt. Wir unterhalten und bewirtschaften einen großen Bauernhof – meine Frau ist ja Spanierin. Die Mentalität ist schon anders, als man es von England oder Deutschland her kennt. Die Leute haben eine „kuriose“ Mentalität. Wenn wir Erntehelfer brauchen, stehen sie auf der Matte und bewerben sich für den Job, weil sie das Geld brauchen. Nur in der tatsächlichen Arbeitsumsetzung sieht es dann doch etwas anders aus, die meisten bevorzugen den „Siesta-Modus“. Aber die Landschaft hier ist traumhaft, es gibt herrliche und vor allem bezahlbare Weine – und ich verbringe viel Zeit in unserem Garten. Wir haben auch ein paar Tiere, zum Beispiel Hühner, Ziegen und Schafe. Ich führe ein zufriedenes Leben in einer schönen Umgebung – besser geht es nicht.
Wie ist deine Einstellung zur modernen Technologie? Mit dem Internet stehe ich nicht auf Kriegsfuß, Zoom-Konferenzen nutze ich oft und schreibe auch viele Kurznachrichten vom Handy aus. Alle meine Freunde kann ich in jedem entlegenen Winkel der Welt erreichen. Spotify zum Beispiel nutze ich nicht so oft. Ich habe da zwar einen Account und meine Songs kann man sich da auch anhören. Die können sogar in Ländern wie Russland angehört werden und das empfinde ich als große Ehre. Bei Facebook bin ich ungefähr nur einmal die Woche, um die Nachrichten zu checken, die mich erreicht haben. Die Klatschund Tratsch-Geschichten, die immer wieder in den sozialen Medien rumgeistern, interessieren mich nicht: Wer nutzt welche Zahnpasta, welche Farbe haben die neuen Schuhe von XY und diese ganzen manipulativen Fake-News-Geschichten – das ist nicht meine Welt. Aber ich informiere mich natürlich über das Weltgeschehen und so schaue ich mir gelegentlich auch an, was auf meiner Timeline zu sehen ist.
Wenn du dir politische Gestalten wie Donald Trump oder Boris Johnson anschaust – das sind schon gute Gründe, den Computer schnell wieder auszuschalten, oder? Wenn du der Überzeugung bist, nicht ganz auf den Kopf gefallen zu sein, und dann deine Einschätzung der Lage mit dem vergleichst, wie diese Personen „probieren“, das Weltgeschehen mitzugestalten, dann kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass ich viele Leute kenne, die das erheblich besser machen würden. Sogar ich als Ex-Rockstar und ehemaliger Drogensüchtiger glaube, dass ich den Job des US Präsidenten, was ja ein Amt mit hoher, globaler Bedeutung ist, weitaus besser machen würde. Und das ist doch zum Verzweifeln. Aber generell bin ich sehr interessiert am Tagesgeschehen, ich verbringe viel Zeit mit Zeitunglesen und verfolge die Nachrichten.
Was steht aktuell bei dir auf dem Zeitplan? Im Januar 2021 wird ein neues Soloalbum von mir erscheinen, ich arbeite da gerade viel an den Texten, es soll ein extra Booklet dazu geben. Zudem schreibe ich an dem zweiten Teil meiner Autobiografie. Dann gibt es noch ein Album, das ich zusammen mit einem russischen Dichter erarbeitete, das auch Anfang nächsten Jahres herauskommen soll. Außerdem gibt es ein Projekt mit Richard Evans, einem Musiker und Tontechniker aus dem direkten Umfeld von Peter Gabriel, das wir zusammen in England in einem Studio in Sumerset aufgenommen haben. Und ein paar Dinge, die noch nicht ganz spruchreif sind, habe ich auch noch in der Schublade liegen. Ich probiere jeden Tag aufs Neue, fleißig zu sein – und das Schreiben von Songs nimmt dabei eine sehr zentrale Stellung ein.
Das ist eine ganze Menge. Würdest du dich selbst als Workaholic bezeichnen, der immer in Bewegung bleiben muss? Ich glaube nicht, denn ich arbeite schon sehr konzentriert. Und es gibt auch immer wieder Auszeiten, was ja auch gesund ist. Es ist nicht so, dass ich wie ein Besessener aufstehe und dann den ganzen Tag etwas produzieren muss, bis ich mich abends wieder hinlege. Ich kann meine Zeit genießen, lege mich auch gerne an den Pool oder gehe spazieren, wenn ich eine Auszeit brauche.
Blackie Lawless von W.A.S.P. sagte mal, dass du quasi die Bibel für Heavy-MetalKeyboards geschrieben hättest. Ein besseres Kompliment ist kaum vorstellbar, oder? Nun, ich habe sehr lange an diesem Instrument erprobt, fast mein ganzes Leben lang. Ganz am Anfang war ich froh, dass überhaupt irgendwelche Tonfolgen rauskamen, die nicht krumm und schief klangen. Später habe ich mir eine sehr aggressive Spielweise angeeignet. Danke an Blackie für das schöne Kompliment. Aber ich bin nicht ganz sicher ob es auch tatsächlich so stimmt. Denn ich bin ja nicht der einzige Keyboarder auf der Welt, der seine Fußspuren in der Rockmusik hinterlassen hat.
November 1969: Gitarrenvirtuose Jan Akkerman schließt sich der Formation The Rebaptised an, wenig später umbenannt in Focus.
In purer Jazz-Rock-Begeisterung musizierten Keyboarder, Flötist und Vokalist Thijs van Leer, Bassist Martijn Dresden und Drummer Hans Cleuver als The Rebaptised. Im November 1969, während Theaterproben, in denen van Leer und Co. als Teil von Ramses Shaffys Theatertruppe agierten, trafen sie auf Gitarrenvirtuose Jan Akkerman von der schon weit über Hollands Grenzen hinaus populären Jazz-Blues-Rock-Formation Brainbox. Thijs van Leer erinnert sich an diese erste Begegnung: „Shaffy lud Jan zum Jammen ein – wir spielten über Stunden!“ Zum Verdruss von Brainbox stieg Akkerman bei The Rebaptised ein, rasch umbenannt in Focus. Seine Premiere feierte das Quartett im Bird‘s Club in Rembrandtplein. Um sich über Wasser zu halten, fungierten Focus als Backingband in der holländischen Produktion des Musicals „Hair“. Das LP-Debüt FOCUS PLAYS FOCUS (1970) – eine instrumentale Stilüberblendung aus Jazz, Rock, Klassik, Pop und Folk – entstand parallel für das Label Imperial. Auf Wunsch von Akkerman mussten wenig später Dresden und Cleuver gehen, ersetzt durch Bassist Cyril Havermans und Brainbox-Drummer Pierre van der Linden. FOCUS II/MOVING WAVES entstand unter der Ägide von Produzent Mike Vernon in London und brachte den internationalen Durchbruch, inklusive USA.
Lobhudeleien gab es für Akkermans hyperschnelle Fingerfertigkeit sowie Thijs van Leers exzessive Keyboard- und Querflöten-Einlagen. Im Ohr blieben auch van Leers bizarr-groteske Vokalbeiträge aus urigem Gepfeife, Gejodel und Falsettüberschlägen – prinzipiell mehr Not als Tugend, da sich kein geeigneter Sänger fand. 1971 ging Havermans auf Solokurs – Bert Ruiter stieg ein. Mit den weltweit in den LP-Charts vertretenen FOCUS 3 (1972) sowie HAMBURGER CONCERTO (1974) und MOTHER FOCUS (1975) für Polydor zementierte sich die globale Akzeptanz. Unterfüttert durch die Singlehits ›House Of The King‹, ›Hocus Pocus‹, ›Tommy‹, ›Sylvia‹, ›Hocus Pocus II‹ und ›Harem Sca- rem‹. Im Sommer 1973 stieg Pierre van der Linden aus, für ihn kam der Brite Colin Allen von den implodierten Stone The Crows. Trotz Erfolgskurs rumorte in Focus ein konstanter Unruheherd – was zur Destabilisierung beitrug. Allen schied 1975 im Streit aus, für ihn kam Steve Smith. Akkerman ging 1976, ersetzt zuerst von Philip Catherine, dann Eef Albers. P. J. Proby übernahm 1977 als Vokalist. Mehrmalige spontane Trennungen mit raschen Reunions erlebte das Quartett auch nach der ersten Auflösung 1978. Seit 2001 sind Focus, trotz weiterer Musikerwechsel, als Band wieder einigermaßen stabil.
Zusammen mit Peter Jackson, dem Regisseur der gefeierten Beatles-Doku „Get Back“, und dessen Know-How im Bereich KI haben Paul McCartney und Ringo Starr den „letzten Beatles-Song“ fertig gestellt, der heute erscheint. Mithilfe von künstlicher Intelligenz wurde John Lennons Stimme von einer alten Demo-Kassette extrahiert, so dass McCartney die Einzelspur nutzen konnte, um ein “bereits fertig geschriebens Musikstück zu komplettieren.”
Das Demo hatte John Lennon vor seinem Tod an seinem Klavier in seinem Zuhause in New York aufgenommen. Nach dessen Ermordung im Jahr 1980 hatte seine Frau Yoko Ono das Demo an die drei anderen Beatles übergeben. Paul, George und Ringo hatten dann ihre Ideen zu Johns Vorlage ausgearbeitet und eingespielt. Erst dank der jüngsten Technologien war es McCartney und Starr nun möglich, Lennons Stimme isoliert zu extrahieren und in den Song einzubauen.
„… und da war sie plötzlich: Johns Stimme. Absolut klar. Ein echt emotionaler Moment war das“, berichtet Paul McCartney über die Entstehung der neuen Single. „Wir alle sind drauf zu hören, also ist es eine echte Beatles-Aufnahme. Dass wir im Jahr 2023 immer noch an Musik der Beatles arbeiten…, dass wir einen neuen Song veröffentlichen können, den die Leute noch nicht gehört haben – ich finde das einfach wahnsinnig spannend!“
Der Track heißt ›Now And Then‹ und ist gerade auf diversen Streaming-Plattformen erschienen:
In einer knapp 20-minütigen Mini-Dokumentation erklären alle Beteiligten, wie der finale Song schließlich über Jahrzehnte hinweg zustande kam.
Am 03. November erscheint ein passendes Musikvideo zum Song, bei dem Peter Jackson Regie führt. Außerdem kann man die Single dann in verschiedenen Formaten (7“, 12“ und CD) erwerben. Ab dem 10. November gibt es außerdem die neu abgemischten Neuauflagen der Compilations 1962-1966 („rotes Album“) und 1967-1970 („blaues Album“) auf dem Markt.
2023 feiern wir 50 Jahre AC/DC. Und die Stars feiern mit! Musiker und Kollegen der australischen Legenden erzählen von ihren Lieblings Accadacca-Platten:
AC/DC haben so viele tolle Platten gemacht, aber für mich ist POWERAGE unschlagbar. HIGHWAY TO HELL ist großartig. BACK IN BLACK ist unglaublich. Aber auf den Alben war die Produktion anders. Das waren Studioplatten, während POWERAGE wirklich einf ing, wie die Band live spielte. Außerdem klingt sie am besten unter denen, die sie mit Harry Vanda und George Young als Produzenten gemacht haben. Es hat dieses Live-im-Studio-Gefühl, aber ist auch kraftvoller als LET THERE BE ROCK oder DIRTY DEEDS DONE DIRT CHEAP. Und im Gegensatz zu LET THERE BE ROCK ist auf POWERAGE alles richtig gestimmt! Da sind so viele fantastische Lieder drauf. ›Rock And Roll Damnation‹ – oder „Rock And Roll Dalmatian“, wie wir es immer nannten – ist ein genialer Opener. Dann sind da noch ›Riff Raff‹, ›Sin City‹, ›Gimme A Bullet‹, ›Down Payment Blues‹ … Ich würde meine eigene Mutter erschießen … okay, nein, das würde ich nicht tun, aber ich würde etwas sehr Drastisches tun, um solche Songs schreiben zu können. Umwerfend, absolut umwerfend – die ganze Platte. Das Intro zu ›Down Payment Blues‹ ist unfassbar. Für AC/DC ziemlich subtil, und wunderschön umgesetzt. Ich würde sagen, es ist genauso gut wie ›Live Wire‹, und das ist ziemlich schwer zu überbieten. Einer der richtigen Deep Cuts, die ich total liebe, ist ›What’s Next To The Moon‹.
Wie Bon singt: „I tied my baby to the railroad tracks …“ Niemand schrieb Texte wie Bon. Der Mann hatte die beste raue, beseelte Stimme und den besten Sinn für Humor aller Zeiten. Er war einer der Jungs und man wollte unbedingt mit einem solchen Typen abhängen. Und Gott sei Dank durfte ich das auch drei Wochen lang, als Def Leppard 1979 die Vorgruppe von AC/DC waren. Bon lieh mir zehn Pfund und ich hatte nie die Gelegenheit, sie ihm zurückzuzahlen. Als wir mal in Australien spielten, besuchte ich seine Heimatstadt, wo eine Statue von ihm steht. Ich fand, das war ich dem Gedenken an ihn schuldig. Einige von Bons besten Sachen sind auf POWERAGE: die Geschichte von der Junkie-Freundin in ›Gone Shootin’‹, die Sachen über die Arbeitslosigkeit in ›Down Payment Blues‹ und all die tollen Zeilen in ›Sin City‹: „Bring on the dancing girls and put the champagne on ice!“ Fantastisch. Als wir unsere ersten Gigs bekamen, spielten wir oft ›Sin City‹. Das und ›Problem Child‹. Und auch da ist es das Intro von ›Sin City‹, das richtig einschlägt. Dieser Richtungswechsel in vier Akkorden – bang, bang, bang, bang! So fucking cool. Viele haben versucht, AC/DC zu kopieren, aber niemandem ist es auch nur annähernd gelungen. Was man auf POWERAGE hört, ist einfach eine großartige Band mit einer großartigen Dynamik. Phil Rudd ist einer der besten Rockschlagzeuger aller Zeiten.
Der Rhythmus in dieser Gruppe ist überragend – Phil, Cliff Williams am Bass und Malcolm Young an der Rhythmusgitarre. Immer wenn ich sie live sah, liebte ich es, wie Malcolm und Cliff auf der Bühne nahe an der Backline blieben, um alles zusammenzuhalten. Da gab es keine Egos. Sie hielten sich einfach im Hintergrund, während Angus seine ganze Show abzog. Und dann stand da Bon, einfach der coolste Typ aller Zeiten. Sie hatten das perfekte Gleichgewicht. Ich glaube nicht, dass Malcolm jemals Soli spielen wollte. Er war glücklich damit, einfach der Typ zu sein, der den Beat am Laufen hält. AC/DC hatten einfach dieses Ding, das andere nicht hatten. Ich hasse diesen Begriff „X factor“, denn diese Castingshow hat ihn ruiniert, doch genau das hatten AC/DC – diese Extraportion Magie, die sich alle wünschen. Aber man hat sie oder hat sie eben nicht. Das kann man nicht erzwingen. UFO hatten das mit Schenker, Thin Lizzy hatten es mit dem klassischen Line-up mit Brian Robertson und Scott Gorham. Und AC/DC hatten es absolut, als sie POWERAGE machten. Aus gutem Grund findet Keith Richards, es sei eine der besten Platten, die je gemacht wurden. Wie es so schön heißt: Das ist keine Astrophysik. Es ist einfach purer Rock’n’Roll.
1969 veröffentlichten CCR gleich drei Alben. Nach BAYOU COUNTRY und GREEN RIVER erschien am 02. November WILLY AND THE POOR BOYS und präsentierte sich in einer lockereren, fröhlicheren Stimmung. Fogerty hatte immer noch einige Hühnchen zu rupfen, warnte auf ›Effigy‹ vor sozialen Unruhen und lieferte einen der größten Protestsongs mit dem flammenden ›Fortunate Son‹.
Aber abgesehen davon verlieh er WILLY AND THE POOR BOYS einen sanfteren Anstrich, was Songs wie ›Down On The Corner‹ und die traditionelle Knastbruder-Ballade ›The Midnight Special‹ im Gospel-Stil beweisen.
Mick Mars, Gründungsmitglied und bis vor kurzem Gitarrist von Mötley Crüe, bringt im Februar 2024 ein Soloalbum namens THE OTHER SIDE OF MARS auf seinem eigenen Label heraus. Mars und seine Bandkollegen waren jüngst im Streit auseinander gegangen, seinen Platz bei Mötley Crüe hat John 5 übernommen.
Jetzt wandelt Mars auf Solopfaden. Eine erste Single ›Loyal To The Lie‹ stimmt schon jetzt auf die kommende Platte ein. Mit an Bord werden u.a. Künstler wie Keyboarder Paul Taylor, Sänger Jacob Bunton, Drummer Ray Luzier und Bassist Chris Collier sein. Außerdem wird Sänger Brion Gamboca auf zwei der neuen Songs am Mikrofon stehen.
Mars selbst über sein neues Werk: „Ich wollte etwas erschaffen, das echt groß und fies ist. Die Leute werden meinen Ton hören, meinen Sound. Ich bin, wer ich bin. Niemand anderes kann das imitieren. Und wie jeder andere auch, habe auch ich nur eine bestimmte Anzahl an Jahren übrig. Also, werde ich versuchen, noch einen Haufen Zeug umzusetzen.“
Schlagzeug-Tausendsassa Mikkey Dee (aktuell bei den Scorpions, zuvor bei Motörhead, King Diamond, u.v.m.) über die Platten, Künstler und musikalischen Credos, die ihn durchs Leben begleiten.
Für Mikkey Dee ist es nicht einfach, die Fragen nach seinen Lieblingsalben und Künstlern mit nur wenigen Sätzen zu beantworten. „Das ist wie mit Essen, klar mag ich Hamburger, aber eben nicht jeden Tag. Mit Musik ist es ähnlich, ich bin sehr offen und finde eine große Bandbreite toll.“, so erklärt der Schlagzeuger einen Tag vor dem Startschuss der Las-Vegas-Shows der Scorpions die nicht immer ganz eindeutigen Ausführungen über seinen Musikgeschmack. Macht nichts, schließlich geht es ja um Mikkeys persönlichen Bewusstseinsstrom.
Die erste Musik, an die ich mich erinnern kann
Die erste Musik, die mich bewegt hat, kam von The Hep Stars aus meiner Heimat Schweden. Da war Benny Andersson von ABBA dabei. Sie hatten einen Song namens ›Cadillac‹ gemacht, von dem meine Eltern die Single zuhause hatten. Den mochte ich damals mit vier oder fünf Jahren sehr gern.
Der erste Song, den ich jemals live gespielt habe
Meine ersten Songs waren vor allem Cover von Cream, Johnny Winter, Jimi Hendrix und den Rolling Stones. Ich war sieben Jahre alt, als ich meinen ersten Auftritt im Jugendtreff hatte. Da standen einige Instrumente herum und ich spielte mit ein paar Älteren zusammen. Die waren damals neun Jahre alt, das war ziemlich cool. (lacht)
Die unterbewertetste Band aller Zeiten
Für mich nur schwer zu sagen. Alle Bands, die ich mag und mochte, hatten an irgendeinem Punkt in der Geschichte ihre Blütezeit, als es ihnen echt gut erging. Sie alle bekamen etwas vom großen Rampenlicht ab. Wenn man sich heute nicht mehr überall an sie erinnert, heißt das automatisch, dass sie unterbewertet sind?
Der Schlagzeugheld
Da gibt es einige. Seit meinem sechsten Lebensjahr bin ich ein großer Fan von Deep Purple, Ian Paice muss in diesem Fall also an erster Stelle stehen. Aber auch Neil Peart von Rush oder Brian Downey von Thin Lizzy finde ich toll. Außerdem liebe ich Journey und somit auch Steve Smith. Dann muss ich noch meinen guten Freund Cozy Powell erwähnen, ich liebte es, wie kräftig er zuschlug.
Der Sänger
Ganz klar Ian Gillan. Ronnie James Dio, Steve Perry, Geddy Lee von Rush mag ich auch, all diese besonderen Typen eben. Und Phil Lynott – was legte er doch für ein großartiges Gefühl in seine Gesangsperformance.
Der Songwriter
Schwierig, sich auf einen festzulegen, es gibt schließlich so viele von ihnen. Viele tolle Songs wurden ja nicht von den Bands selbst geschrieben, so etwas fällt einem aber oft erst später auf. Ich finde das jedoch nicht schlimm, oft fungiert ein Songwriter ja nur als Starthilfe. Ich als Künstler, der Songs schreibt, kenne das selbst. Manchmal befanden wir uns mit Motörhead in einer kreativen Sackgasse, alle drei von uns, Lemmy, Phil und ich. Wir kamen einfach nicht weiter. Vielleicht wäre da manchmal ein bisschen Hilfe von außen gar nicht schlecht gewesen, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. (lacht)
Das beste Album aller Zeiten
Ach was sind das nur für Kategorien! (lacht) Für mich ist es nicht möglich, darauf zu antworten. Das variiert bei mir ständig, wie mit dem Essen auch. Ich kann schließlich nicht den ganzen Tag Hamburger futtern. Aber gut, spontan würden mir gerade die ersten zwei Van-Halen-Platten einfallen, weil sie die Rockmusik nachhaltig verändert haben. Ich höre aber auch sehr viel Soul, Funk, Fusion, da würden mir Level 42 und Mark King einfallen. Klassik mag ich auch, dann wieder sehr schweren Hard Rock, aber nur, wenn ich gerade selbst nicht auf Tour bin.
Das beste Live-Album
Von den 70er Jahren bis Mitte der 80er liebte ich Live-Alben abgöttisch. MADE IN JAPAN ist da ganz weit vorne bei mir, auch ALIVE AND DANGEROUS von Thin Lizzy, CAPTURED von Journey, ON YOUR FEET OR ON YOUR KNEES von Blue Öyster Cult, NO SLEEP ‚TIL HAMMERSMITH von Motörhead oder die TOKYO TAPES der Scorpions. Damals gab es so viele großartige Live-Platten, die kann man gar nicht alle aufzählen.
Die beste Platte, die ich je gemacht habe
In solchen Kategorien denke ich nicht. BASTARDS beispielsweise war ein echter Gamechanger für Motörhead, es trug uns in eine neue Ära. Das Album ist also fantastisch, weil es so viel für uns als Band getan hat, es war sehr wichtig. Ähnliche Gefühle hege ich gegenüber ROCK BELIEVER von den Scorpions, diese Platte führt uns auf einen neuen Pfad. Sie sprüht eine ganz andere Energie aus als die Scorpions-Veröffentlichungen der letzten 20 Jahre, deswegen empfinde ich sie als ähnlich wichtig. Manche der Journalist*innen sagen: ‚Das ist das beste Album seit BLACK OUT.‘ Ich frage mich, wie man so etwas behaupten kann. BLACK OUT hatte schließlich 40 Jahre Zeit, um mit den Hörern zu wachsen. Darüber könnte man wohl stundenlang diskutieren. Manche werden sagen, meine besten Platten habe ich mit Motörhead gemacht, andere wählen das Dokken-Album, wieder andere meine Arbeiten mit King Diamond.
Die schlechte Platte, die ich je gemacht habe
Es gibt keine. Klar, manche Alben haben weniger auf mich eingewirkt als andere, das macht sie aber noch lange nicht schlecht. Ein Beispiel: Als wir HAMMERED mit Motörhead aufnahmen, hatten wir ein bisschen zu wenig Zeit eingeplant. Außerdem geschahen damals die schrecklichen Ereignisse des 11. Septembers. Der Entstehungsprozess wurde also von einem sehr unguten Gefühl begleitet, was das Ergebnis nicht zu meinem absoluten Liebling macht. Trotzdem sind auch dort fantastische Songs zu finden.
Mein Samstagabend-Song
Rockklassiker wie beispielsweise ›Strange Kind Of Woman‹ oder ›Burn‹ von Deep Purple. Wobei es auch hier so viele Antworten gibt. Ich könnte aus dem Stegreif 500 Lieder aufzählen, die mich glücklich machen.
Mein Credo
Als Drummer spiele ich alle Arten von Musik und das ist mir auch besonders wichtig. Früher fühlte ich mich nicht wohl, weil ich nur eine Richtung wirklich drauf hatte, ich war sehr technisch. Also habe ich mir vorgenommen, mich weiterzubilden, ich wollte ein Allround-Schlagzeuger werden, der mit allem und zu allem trommeln kann. Heute könnte ich mit einer Big Band jammen, mit einer Pop-Truppe, mit einer Extreme-Metal-Band – ich will mit meinem Schlagzeug Musik spielen, nicht nur Schlagzeug. Ich liebe das verdammt noch mal. Viele Künstler machen sich selbst klein, weil sie sich in ihrer Blase verstecken. Diese Engstirnigkeit finde ich schrecklich.
Der Song, der bei meiner Beerdigung laufen soll
Das würde ich meinen Liebsten überlassen. Als meine Mutter 1991 sehr früh verstarb, wählte ich den Song ›Wind Beneath My Wings‹ von Bette Midler. Denn genau das war sie für mich, der Wind unter meinen Schwingen. Sie half mir mein ganzes Leben lang, unterstützte mich mit meiner Karriere. Ich denke also, dass diese Wahl wirklich jene Menschen treffen müssen, die dir nahe stehen, die dich begleiten.