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Status Quo: „Riding in a three grand Deutsche car“

Francis Rossi ist bei Gott nicht auf den Mund gefallen! Als man den Status-Quo-Mann an einem Montagnachmittag anruft, um über sein Verhältnis zu Deutschland und den deutschen Fans zu sprechen, plaudert der 74-Jährige munter drauf los, zeigt sich wie immer ungefiltert ehrlich und schweift auch mal ab. Nicht nur einmal meinte der mit britischem Humor durchtränkte Musiker während des Gesprächs scherzhaft: „Wenn du das in England abdruckst, komme ich ins Gefängnis.“

Francis, wir wollen heute ein bisschen über dich, Status Quo und Deutschland plaudern!

Meine Beziehung zu Deutschland geht ja bis auf die späten 60er Jahre zurück. Damals spielten wir zum ersten Mal hier und waren im „Central Hotel“ in Bielefeld untergebracht. Bei meinem nächsten Besuch muss ich dringend wieder ins „Block House“ gehen. Eigentlich esse ich nicht viel Fleisch, doch letztes Jahr war ich dreimal dort und hatte jedes Mal, ganz altmodisch, ein Steak mit Ofenkartoffel und Beilagensalat. Ach, Deutschland! Hier habe ich das Kickern gelernt. Hier habe ich gelernt, dass es nicht unhöflich ist, wenn jemand sagt „Gib mir eine Zigarette!“. Anfangs dachte ich mir: ‚Gleich geb ich dir eine mit!‘, bis mir aufgefallen ist, dass es nicht böse gemeint ist. Wir Engländer sprechen ja andersrum, ihr Deutschen habt einen sehr zielgerichteten Ton.

Im Großen und Ganzen klingst du trotz der punktuellen Missverständnisse sehr überschwänglich!

Ich weiß schon, wenn Bands daherkommen und Zeug reden wie ‚Oh, ihr seid unser Lieblingspublikum‘, denkt man sich schnell: ‚Blablabla.‘ Aber es stimmt wirklich. In England dürfen wir uns das nicht so raushängen lassen, sonst werden wir gleich wieder als Verräter abgestempelt. (lacht)

Erinnerst du dich an deine erste Tour in Deutschland?

Wir waren mit den Small Faces unterwegs, spielten in Hamburg und mussten natürlich auf die Reeperbahn. Steve Mariott verirrte sich irgendwo hinein. Am nächsten Morgen ging es ihm nicht sonderlich gut. Er brachte „es“ mit nachhause, äh, sagen wir mal, er hatte sich eine Grippe eingefangen. (lacht schelmisch) Außerdem erinnere ich mich an unseren ersten Manager, ein echter Brite. Er sagte immer „Beilfeld“ statt Bielefeld. Dort lernten wir Bratkartoffeln und Gulaschsuppe kennen. Aus dieser Zeit stammt der Song ›Gerdundula‹. Die zwei waren unsere Freunde, ein tolles Paar. Jeder kannte und liebte sie. Wir bauten immer wieder Deutschland-Referenzen in unsere Songs ein. In ›Paper Plane‹ singe ich ja „riding in a three grand Deutsche car“, weil wir uns damals für 3000 Pfund, einen Haufen Geld, einen Mercedes in London kauften. Ich liebe deutsche Autos.

Was hat sich besonders eingebrannt?

Das klingt jetzt komisch, aber ihr habt überall richtig gute Eisdielen. Früher hatten die auch Sonntags auf und in so einer kleinen Bude aß ich den 70ern mal die besten Spaghetti aglio e olio meines Lebens. Am schlimmsten war es damals in Frankreich. Die Venues waren schmutzig, es gab keine Toiletten oder Duschen, der Strom fiel ständig aus… Doch die Franzosen haben sich gewehrt und heute gibt es dort tolle Konzert-Locations. Auch in jeder deutschen Stadthalle ist der Sound heute großartig. Anders in England. Wir bauten Wembley für die Olympischen Spiele. Und weil wir Briten uns von niemandem etwas sagen lassen, bauten wir es versehentlich zu kurz. Das Ding konnte also nie für seinen eigentlichen Zweck genutzt werden. Um ehrlich zu sein: Die Wembley Arena ist ein Scheiß-Gebäude!

Na, legendär wurde es ja trotzdem als Konzert-Location!

Schon. Aber unter der Arena sind Aufbewahrungsräume und ein Schwimmbecken. Wenn du dort spielst, klingt es, als würde ein Bassist irgendwo unter dem Boden spielen. Wenn du dieses Interview in Groß Britannien abdruckst, sperren sie mich ins Gefängnis, das ist dir hoffentlich klar! (lacht)

Wie hast du die frühe Musik-Szene erlebt? Viele Bands aus dem UK haben sich damals ihre Sporen in Deutschland verdient.

Was ich damals über Hamburg gehört hatte, war großartig. Als wir dann dort waren, war es eigentlich eher lahm. Selbiges gilt für den Cavern Club. So läuft das nun mal im Show-Business. Ich hab ja schon von den Small Faces erzählt, ich kannte die Jungs, weil sie als Kids immer beim Eiswagen meines Vaters einkauften. Wir rauchten einen Joint mit ihnen, danach wanderten Rick [Parfitt. Anm. d. Red.] und ich dumm grinsend durchs Hotel, voll auf Haschisch. Ohje, ich schweife wieder ab. Was wolltest du eigentlich wissen?

Wie die Musik-Szene so war damals.

Wir wurden Ende eines Jahrzehntes berühmt, was Selbstmord ist. Eigentlich schaffst du es nicht rüber in das nächste Jahrzehnt. Das passierte uns auch, aber wir haben uns zurückgekämpft. Damals gab es Bands, die Singles verkauften und Bands, die Alben verkauften. Jeder wollte Alben verkaufen, das war „groovy“. Die einzigen, die beides hatten, waren Fleetwood Mac. Das hat uns inspiriert. Wir wurden wieder etwas rockiger, weniger Pop-lastig. Wobei ich bis heute sage, dass Status Quo eine Pop-Rock-Country-Blues-Band ist. Wir schafften es in den 70ern, der Übergang in die 80er war wieder schwierig, aber auch das bekamen wir hin. Wir waren dem Band-Tod oft sehr nah, aber wir zogen es durch. Die Jahre zwischen 1971 und 1981 bilden das Fundament der europäischen Rockmusik. Auch junge Kids hören das heute noch! Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so etwas nochmal geben wird.

Kannst du dich noch an euer Bravo-Starschnitt-Foto erinnern?

Das war immer lustig mit denen! Die machten Fotos von uns und meinten ‚Nein, das gelbe Shirt kannst du nicht anziehen, das hat Jimi Hendrix letzte Woche schon getragen‘, weil wir Engländer damals alle in denselben Läden in London einkauften. Einmal interviewten sie uns und der Typ fragte mich nach meinen Lieblingsbands. Ich zählte ein paar auf und nannte auch ABBA. Der Typ total perplex: ‚Wie, was? ABBA?‘ Danach kam die Plattenfirma zu mir und meinte: ‚Wir denken, du solltest nicht laut über deine Liebe zu ABBA reden!‘ (lacht) So ein Bullshit!

Auf dem Starschnitt-Bild tragt ihr übrigens alle Denim und schlichte Oberteile.

Jetzt mag das vielleicht nicht spektakulär wirken, aber damals kamst du in Jeans nirgends rein, vor allem in England nicht. Nicht mal ins Kino! Das war also richtig wild von uns! Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Plötzlich wollten alle Denim!

Auf was freust du dich am meisten, wenn ihr im Sommer nach Deutschland zurückkehrt?

Neben den Shows, den Fans und dem „Block House“ vor allem auf die Sonntage! Alles ist so ruhig hier am Sonntag, das ist echt wunderbar!

Gewinnspiel: Debüt von Connor Selby im Lostopf

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Eines der hellsten Talente in der britischen Blues-Szene. Bei den UK Blues Awards wurde er in den letzten drei Jahren zum „Young Artist of the Year“ gewählt. 2023 hat der neue helle Stern am Himmel des Blues sein selbstbetiteltes Debütalbum CONNOR SELBY veröffentlicht, welches wir zweimal auf CD verlosen.

Jetzt mitmachen und gewinnen:

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Teilnahmeschluss ist der 19.01.2024

Video der Woche: Jeff Lynne’s ELO live mit ›Evil Woman‹

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Jeff Lynne wird heute 76 Jahre alt. Wir gratulieren dem ELO-Mann herzlich und blicken zu diesem Anlass auf das Jahr 2017, als er live im Wembley Stadion spielte und diesen Abend danach unter dem Titel WEMBLEY OR BUST veröffentlichte.

Gespielt wird der Track ›Evil Woman‹ vom Album FACE THE Music aus dem Jahr 1975. Der Song wurde zum ersten weltweiten Hit des Electric Light Orchestras.

Patti Smith: Alles Gute zum 77. Geburtstag, Punkpoetin!

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patti smithDie unvergleichliche Patti Smith wird 77 Jahre alt. Wir gratulieren mit einer kleinen Auswahl an großen Live-Videos der Sängerin und Autorin.

Sie kann ganz zart sein, und sie kann furchtbar wild sein. Immer aber wirkt sie echt und unverstellt. Patti Smith ist die perfekte Mischung aus wortmächtiger Dichterin und energetischer Rockerin. Das war in den 70ern so und das ist heute so.

Noch immer gibt Smith Konzerte, so etwa vor einigen Jahren auf dem Tollwood in München, wo sie ihr erstes Album HORSES von 1975 in voller Länge spielte. Es gab fantastische Songs wie ›Gloria‹, ›Redondo Beach‹ oder ›Free Money‹ zu hören, dargeboten mit derselben Energie, Wut, Liebe und Leidenschaft wie vor Jahrzehnten.

Als Autorin glänzte Smith zuletzt 2015 mit ihrem autobiografischen Buch „M Train: Erinnerungen“, in dem sie auf überwältigende Art von ihrem heutigen Schreiberleben in New York erzählte. Es war eines der besten Bücher des Jahres, ganz klar. Dass sie auch ihren musikalischen Kollegen deren Ruhm gönnt, zeigte Smith, als sie ›A Hard Rain’s A-Gonna Fall‹ zu Ehren von Bob Dylan spielte, als der als erster Songschreiber den Literaturnobelpreis erhielt.

Zuletzt musste Smith am 12.12. ein Konzert ihrer Italien-Tournee in Bologna aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Smith wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Wir wünschen ihr eine schnelle und vollständige Genesung.

Das erste Lied auf Patti Smiths erstem Album: ›Gloria‹, hier live im Rockpalast 1979:

Ebenfalls auf HORSES findet sich das federnde, Reggae-infizierte ›Redondo Beach‹:

Die Springsteen-Koproduktion ›Because The Night‹ war 1978 der größte Hit der Songpoetin:

Als sie ihren Kollegen Bob Dylan bei der feierlichen Nobelpreisverleihung vertrat, war selbst die große Patti ein klein wenig nervös:

Drummer-Götter: Die 20 besten Schlagzeuger

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keith moon the who

Auch die besten Schlagzeuger stehen selten im Rampenlicht, von ihnen gibt es keine Poster (außerhalb von Drum Magazinen), nur Nerds wollen ihre Autogramme. Drummer und Bassisten arbeiten im Maschinenraum des Rock’n’Roll. Doch ohne die Maschine rollt der Rock nun mal nicht, deswegen widmen wir die kommenden Seiten den begabtesten Söhnen Thors. Sicher gibt es noch viele weitere wichtige Schlagzeuger, stellvertretend haben wir uns zwanzig besonders leuchtende Beispiele der Spezies Rockdrummer ausgesucht.

GINGER BAKER

Über wenige Schlagzeuger wurde bereits zu Lebzeiten ein Dokumentarfilm gedreht, „Beware Of Mr. Baker“ zeigt das verrückte Genie mitsamt seinen Licht- und Schattenseiten. Zu Recht klebt ihm das Etikett „Teufelstrommler“ an. Seinen Karriere-Höhepunkt hatte Ginger Baker mit dem Trio Cream, es folgten weitere großartige Bands wie Blind Faith und die Baker Gurvitz Army. Geprägt vom Jazz der frühen 60er, war der britische Trommler Phil Seamen sein Vorbild und Freund, der ihn leider auch mit Heroin bekannt machte. Vor allem afrikanische Rhythmen faszinierten Baker, was seine Vorliebe für Tom Toms erklärt. Zudem war er ein Vorreiter des Double-Bass-Drum-Spiels. Nach den Swinging Sixties zog er nach Nigeria und spielte mit Nationalheld Fela Kuti. Mehrfach verlor er sein Vermögen infolge seiner Drogenabhängigkeit und kostspieliger Hobbys wie der Polopferde-Zucht. Große Beachtung fanden auch seine Drum Battles mit Jazz-Stars wie Elvin Jones und Art Blakey. Mittlerweile ist der ewig klamme Trommler mit seiner Ginger Baker Jazz Confusion wieder auf Tour.

Größter Moment: sein Solo ›Toad‹ auf FRESH CREAM (1966):

JOHN BONHAM
John Bonham

Vermutlich der wichtigste Schlagzeuger des Hard Rock, inzwischen gibt es einen nach ihm benannten Talentwettbewerb („Bonzo Bash“) sowie ein Rhythmus-Effektgerät namens „Bonhamizer“. Berühmt wurde sein druckvoller rechter Fuß auf dem Pedal der übergroßen Bass Drum, mit dem er auch Triolen hinlegte. Stets nutzte er die dicksten Trommelstöcke („trees“). Bereits im Alter von 5 hämmerte er auf Kartons und Dosen herum, die erste Snare Drum bekam er mit 10. Seine Vorbilder waren Max Roach, Gene Krupa und Buddy Rich. Bonham nahm nie Unterricht, holte aber die Ratschläge befreundeter Trommler ein. Im Alter von 15 spielte John Bonham bereits parallel in zwei Bands. Mit dem späteren Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant rockte er in der Band Of Joy und heuerte später bei Tim Rose an. Als Jimmy Page ihn mit Rose sah, wollte er ihn auf der Stelle engagieren. Es folgte ein heftiges Werben, dem Bonham am Ende nachgab. Sein früher Tod 1980 ließ Bonzo zum Mythos werden. Sohn Jason Bonham zeigt sich als höchst talentierter Erbe.

Größter Moment: Solo in ›Moby Dick‹ von LED ZEPPELIN II, bei dem er auch die bloßen Hände einsetzt:

BILL BRUFORD

Er zog die künstlerische Herausforderung dem Starruhm vor, Bill Bruford spielte in einigen berühmten Rockbands, um dann Richtung Fusion und Jazz weiterzuziehen. Fasziniert von Jazz-Trommlern begann er im Alter von 13, Unterricht zu nehmen. Seine erste größere Band war Savoy Brown, dann wechselte er zu Yes, mit denen er die entscheidenden Alben der 70er aufnahm. Bruford zog weiter zu King Crimson, war Tourtrommler bei Genesis, gründete 1978 die vielbeachtete Fusionband UK. Ende der 80er startete er mit Earthworks eine reine Jazzband. Er nahm Soloalben auf und ist aktuell in zahlreiche Projekte involviert. Auffällig am Stil der jüngeren Werke Brufords ist die scheinbare Mühelosigkeit, mit der er spielt, zudem nutzt er elektronische Elemente und Samples. Bruford ist höchst eloquent und veröffentlichte 2009 sein Buch: „The Autobiography“.

Größter Rockmoment: ›Perpetual Change‹ (vom Live-Album YESSONGS, 1973):

MATT CAMERON
Matt Cameron

Er zählt zu den vielseitigsten Trommlern des Alternative Rock, kein Geringerer als Trommel-Primus Neil Peart preist Camerons Vielschichtigkeit. Momentan ist er Mitglied bei Pearl Jam und Soundgarden, dazu war er immer offen für allerlei Projekte. So machte er beim legendären TEMPLE OF THE -Album (1991) mit, spielte auf dem allerersten Tonträger von Queens Of The Stone Age, hatte mit Hater und Wellwater Conspiracy eigene Seitenprojekte. Geboren in San Diego, spielte er anfangs in einer Kiss-Coverband. Als frühe Einflüsse nennt er Tony Williams, Keith Moon, Steve Gadd und Stewart Copeland. Paradiddles zählen zu seinen Spezialitäten. 1983 zog er nach Seattle, um für Skin Yard zu spielen, drei Jahre später stieg er bei Soundgarden ein, für die er auch Songs schrieb. Seit 1998 ist er bei Pearl Jam.

Größter Moment: ›Unemployable‹ (von PEARL JAM, 2006):

PHIL COLLINS
Phil Collins. Photo Credit: Lorenzo Agius.

Einer der wenigen Schlagzeuger, der als globaler Popstar mit einer Reihe von Hits Karriere machte. Kleingewachsen und kahlköpfig, ist er mit einer bemerkenswerten Stimme gesegnet – und natürlich mit großartigem Rhythmusgefühl. Collins begann seine Showbiz-Karriere als Kinderschauspieler und wurde 1970 als Trommler bei Genesis aufgenommen. Parallel hatte er seine Jazzrock Kapelle Brand X, mit der er sechs Alben einspielte. Buddy Rich und John Bonham zählen zu seinen Vorbildern, 1974 ersetzte er den ausgestiegenen Peter Gabriel am Mikro, nachdem Genesis ergebnislos 400 Sänger getestet hatten. Sein Ersatz an den Drums wurde der respektierte Chester Thompson. Nachdem Collins Genesis mit vereinfachtem Stil zu neuen kommerziellen Höhen geführt hatte, startete er seine Solokarriere und feierte mit ›In The Air Tonight‹ einen rhythmusbetonten Hit. 1996 formte er die Phil Collins Big Band und setzte sich ans Schlagzeug, um Jazzversionen von Genesis- und Solo-Hits aufzuführen.

Größter Moment: Sein Drum-Duett mit Chester Thompson auf der 1991er „We Can’t Walk“-Tour von Genesis:

Lemmy Kilmister: Er spielte Rock’n’Roll

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lemmy wacken 16Der Rock verlor seinen letzten großen Krieger, als Lemmy dem Krebs erlag. Wir dachten, er sei unsterblich, doch das Schicksal hatte andere Pläne für den ›Ace Of Spades‹-Mann. Wir feiern seine ereignisreiche Karriere mit einem Jack Daniel‘s & Cola in der Hand.

Kurz nach 23 Uhr erwacht der riesige Bildschirm zum Leben und die Menge johlt. Es ist Samstag, der 9. Januar, und wir befinden uns im Big Red, einer Bar in der Londoner Holloway Road. Hier findet einer von mehreren Events in der britischen Hauptstadt zu Ehren einer der heißgeliebtesten Ikonen der Rockwelt statt.

Über die nächsten zwei Stunden werden wir lachen, weinen und begeistert jubeln, während trauernde Verwandte, Bandkollegen, Hardrock-Superstars, Wrestler, Pressesprecher, Roadies und Leute, die unser Held in Bars getroffen hatte und so zu lebenslangen Freunden wurden – darunter auch sein Schuhmacher, der für seine berühmten weißen Stiefel verantwortlich war –, ans Rednerpult treten und ihre emotionalen Anekdoten zum Besten geben.

Im Hintergrund stehen riesige Wände aus Marshall-Verstärkern, be­­sagte Stiefel und ein Hut sowie genug Blumen, um ein Fußballfeld zu bedecken. Die Kamera zoomt auf zwei Schwarzweißfotos: die legendäre dreiköpfige Inkarnation seiner Band Motörhead und, eingerahmt darüber, das letzte Line-up, das mit unserem Toten starb.

In einem mal heiteren, mal traurigen Meer aus schwarzen T-Shirts, Lederjacken und Frisuren aller Art ver­­gehen die Lobreden von Dave Grohl, Slash, Scott Ian (Anthrax), Rob Halford (Judas Priest), Lars Ulrich und Robert Trujillo von Metallica wie im Flug. Schnell wird klar, dass wir bestenfalls an der Oberfläche dieses einzigartigen Mannes kratzen werden.

Ian Fraser Kilmister (niemand weiß so genau, warum er Lemmy genannt wurde), geboren in Stoke-on-Trent, aufgewachsen in Wales, aber zu Hause in Hollywood, war der atheistische Sohn eines Royal-Air-Force-Kaplans. Sein Humor war trocken und bissig, doch sein Herz viel größer, als er zu­­gab. Er spielte in ohrenbetäubender Lautstärke, aber liebte Bücher und in­­telligente Konversation. Er war eine Masse an Widersprüchen, aber eins ist sicher: Es wird nie wieder einen wie ihn geben.

Er starb am 28. Dezember, nur 48 Stunden, nachdem er erfahren hatte, dass er an einem besonders aggressiven Krebs litt. Wenige Tage zuvor, an Heiligabend, wurde sein 70. Geburtstag mit einer prominent besuchten Party und einem Konzert im Whisky A Go Go gefeiert. Unter den Anwesenden waren einstige und gegenwärtige Mitglieder von Guns N’ Roses, Me­­tallica, Anthrax, The Cult und viele mehr.

Zwar wusste jeder, dass Lemmy krank war, aber niemand dachte, dass er so bald sterben würde. Motörhead hatten Konzerte bis in den kommenden Sommer gebucht, wo sie nach der Tour zum 40. Jubiläum mit Saxon und Girlschool beim Download Festival auftreten sollten. Aber schon die jüngsten Tourneen waren von einigen Ab­­sagen geplagt. Ein paar Konzerte mussten vorzeitig abgebrochen werden, wenn Lemmys Atem und Stehvermögen nicht mehr ausreichten. Doch er gab nie auf und die Fans blieben loyal. Nach vier Jahrzehnten hatte er sich ihre Geduld mehr als verdient.

Lemmy warf einen beinahe allgegenwärtigen Schatten. Man könnte sagen, dass sein Talent, einen so eingängigen wie schroffen, schmutzigen Hardrock-Song zu komponieren, sein überlebensgroßer und exzessfreudiger Charakter, sein messerscharfer Humor und seine unverblümte, durch nichts und niemand einzuschüchternde Art, Klartext zu reden, ihn zur lebenden Personifizierung des Rock’n’Roll-Spirit machten.

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Rival Sons: Ins Licht

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Tag und Nacht, Licht und Schatten, Dunkelheit und Helligkeit – diesen, auf den ersten Blick konträr wirkenden, Themenfeldern haben die Rival Sons im Jahr 2023 gleich zwei Alben gewidmet. Das am 2. Juni erschienene DARKFIGHTER und das neue LIGHTBRINGER mögen vorerst dualistisch konzipiert scheinen, erweisen sich jedoch im Grunde als zwei Seiten derselben Medaille. Denn nur, wer die Dunkelheit bekämpft, kann ins Licht gehen. Nur, wer die Nacht durchsteht, kann dem Tag entgegenblicken. War DARKFIGHTER bereits ein weiteres kleines Meisterwerk in der Diskographie der Band aus Long Beach, so steht LIGHTBRINGER seinem Geschwister in nichts nach. Gitarrist Scott Holiday über die Herausforderung, zwei Platten in so kurzen Abständen zu veröffentlichen: „Wenn man zwei Alben direkt hintereinander macht, gibt es viele Dinge zu bedenken. Die erste Platte muss genug Schlagkraft und haben und einen inhaltlich so abholen, dass man mit dem zweiten Teil einen noch größeren Aufschlag machen kann. In Sachen Energielevel und Bedeutung halten sie sich die Waage, aber mit einem Nachfolger musst du immer noch einen drauflegen. Ich denke, das ist bei LIGHTBRINGER gegeben.“

Gesangswunder und Songwriter Jay Buchanan, seit jeher das spirituellste Mitglied der Band, erklärt: „DARKFIGHTER hat die neuen Rival Sons eingeführt und LIGHTBRINGER definiert das noch deutlicher. Mit DARKFIGHTER haben wir Neuland betreten, LIGHTBRINGER geht nun noch einen Schritt weiter, über die persönliche Innovation und Erkundung hinaus. Wir haben wirklich alles selbst in die Hand genommen und geschaut, wie weit wir gehen können. Es war eine Selbsterkundung, um herauszufinden, wer wir waren und wer wir nun sein werden. Es gab mehr Reibereien und Kompromisse als je zuvor, weil wir die nackte Essenz dessen herauskristallisiert haben, welchen Weg wir einschlagen müssen – und ihn dann gegangen sind.“ Ihre neu erschlossenen Pfade haben die Rival Sons im Rahmen ihrer anstehenden Tourneen auch mit ihrem deutschem Publikum geteilt. Wer die Rival Sons einmal live erleben durfte, weiß, dass es sich hierbei um übersinnliche Konzertabende der Extraklasse handelt.

Metallica: Männer für alle Jahreszeiten

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In ihren 40 Jahren wurden Metallica von einer Kult-Metalband zu kommerziellen Schwergewichten und einem der größten Acts des Planeten. Doch auch jetzt, wo das neue Album 72 SEASONS in den Startlöchern steht, um weltweit die Charts zu
stürmen, sind sie immer noch wütend, immer noch unsicher.

Vormittags in Lissabon, strahlend blauer Himmel. Es ist der 21. Februar, Faschingsdienstag in der portugiesischen Hauptstadt und ein Feiertag im ganzen Land. Eine Marschkapelle spielt schon einen packenden Samba-Rhythmus an der Praça do Comercio, dem prachtvollen Promenadenplatz am Ufer des Tejo. Die Feierlustigen ziehen in ihren bunten Kostümen die Rua Serpa Pinto entlang, eine geschwungene Straße, die sich vom Platz den steilen Hügel zu den skelettartigen Ruinen des Convento do Carmo hoch windet, dessen gotische Säulen und Bögen über der Stadt aufragen wie der Kadaver eines großen, ausgeweideten Wals. Im Schatten der Klosterruine hat sich eine Menge versammelt. In ihrer Mitte ist ein einziger Musiker, der auf einer abgenutzten akustischen Gitarre eine wehklagende Melodie spielt. Der Song passt besser in die stillen Stunden einer langen, dunklen Nacht als zu einem Straßenfest – und ist sofort als ›Nothing Else Matters‹ erkennbar. Auch in ihrem 42. Jahr genießen Metallica anhaltende Allgegenwart. Ihr schieres Durchhalte- vermögen ist wahrhaft bemerkenswert. Fast 32 Jahre sind verstrichen, seit METALLICA alias das „Schwarze Album“ auf die Welt losgelassen wurde, auf dem sich ›Nothing Else Matters‹ befand, und mehr als sechs, seit sie eine Platte mit neuen Songs veröffentlicht haben. Wirklich weg waren sie jedoch nie. Im vergangenen Sommer spielten sie in ein paar Städten in Europa, darunter auch Lissabon, einige Konzerte – Headliner- Shows bei ihren eigenen Festivals. Gewissermaßen eine Einleitung für den Fanfarenstoß, der im November mit ihrer neuen Single ›Lux Aeterna‹ folgte. Zwei weitere Singles – ›Screaming Suicide‹ und ›If Darkness Had A Son‹ – erschienen dieses Jahr als Vorboten des neuen Albums 72 SEASONS, ihrem ersten seit HARDWIRED… TO SELF-DESTRUCT von 2016. Und als ob das nicht genug wäre, kommt dieser Aktivitätsschub in einer Zeit, in der die Band so angesagt ist, wie sie es in ihrer gesamten, 125 Millionen Plattenverkäufe umfassenden Karriere noch nie war.

Oder anders gesagt: Metallica reiten auf der Welle des „Stranger Things“-Effekts, genauer: jener grandiosen Szene in der letzten Folge der vierten Staffel, in der Hellfire-Club-Metalhead Eddie Munson in der Unterwelt vom Dach seines Wohnwagens ›Master Of Puppets‹ raushaut. Tatsächlich war es Tye Trujillo, der 18-jährige Sohn von Metallica-Bassist Robert, der das neu aufgenommene Riff spielte (seine Lehrerin in der dritten Klasse ist zufällig mit einem der Produzenten der Serie verheiratet). Tye nahm seinen Part in einem winzigen Studio in Venice Beach auf, wovon James Hetfield, Lars Ulrich und Kirk Hammett damals nichts wussten. Seit diese Folge von „Stranger Things“ im vergangenen Juli ausgestrahlt wurde, hat der Song auf Spotify mehr als eine halbe Milliarde Streams angehäuft. Zudem wurde die Band mit einem gewichtigen Porträt-Artikel im illustren Intellektuellen- Magazin The New Yorker gewürdigt (unter den Persönlichkeiten, denen diese Ehre in jüngerer Vergangenheit zuteil wurde, sind Salman Rushdie, die amerikanisch-iranische Konzeptkünstlerin Tala Madani und der Schweizer Entdecker Bertrand Piccard). An einem weiteren Vormittag Mitte Februar sind Lars Ulrich, Kirk Hammett und Rob Trujillo zu Hause in San Francisco respektive Honolulu und Topanga Canyon, westlich von Los Angeles. In Kalifornien ist es der Jahreszeit entsprechend mild, wie Hammett berichtet, in Hawaii dagegen regnet es horizontal.


Alle drei, vor allem Ulrich, sind entspannt und bester Laune. Das dürfen sie auch sein, denn die drei neuen Tracks wurden von den Metallica-Jüngern überwältigend positiv aufgenommen. Ihre Kombination knisternder elektrischer Energie und drangvoller Angriffslust wurde von den begleitenden Videos noch verstärkt – stylish inszenierte, auffällig markante Clips des in New York ansässigen Fotografen und Filmemachers Tim Saccenti, der auch Depeche Mode und Coldplay zu seinen Kunden zählt. Alles in der Welt von Metallica scheint gerade in absoluter Bestform zu sein, wie eine gut geölte Maschinerie. In den vergangenen Wochen hat Ulrich es sich zur Aufgabe gemacht, 72 SEASONS als Ganzes zu bewerten. Er hat es sich meistens angehört, während er aus dem Fenster eines fahrendes Autos schaute, oder beim Training zu Hause. Er mag die Songs, fügt aber den Vorbehalt hinzu: „Mehr als das habe ich noch nicht herausgefunden, um ehrlich zu sein. Ich bereite mich auf das Sperrfeuer verschiedener Meinungen vor. Und jede Meinung hat ihre Berechtigung! Wenn man sechs Jahre keine neue Musik mehr veröffentlicht hat, ist es schön, einfach den Knopf zu drücken und sie gewissermaßen aus dem Haus zu lassen. Das ist eine aufregende Zeit.“

Zumindest in seinen Anfängen nahm 72 SEASONS Gestalt an wie keine Metallica-Platte davor. Ulrich schätzt, dass die Arbeiten offiziell im Spätsommer 2020 begannen, noch mitten in der Pandemie. Alle verschanzten sich zu Hause und kommunizierten per Zoom Bis zu dem Zeitpunkt hatte er die diversen Lockdown-Phasen damit zugebracht, „herumzustolpern und mich zu fragen, ob ich mir diese Woche 40 Folgen von ‚The Crown‘ reinziehen soll“. Hammett „spielte Gitarre, und ich meditierte deutlich mehr. Was sollte ich auch sonst tun? Ach ja, und ich machte ein Soloalbum [die EP PORTALS von 2022]. Den Teil hatte ich vergessen“. Trujillo brachte sich das Kochen bei (seine Spezialität sind mexikanische Enchiladas mit einer Geheimsauce). Unterm Strich, so Ulrich, war dieses Erlebnis „ein totaler Mindfuck“.

Die eingespielten Arbeitsprozesse der Gruppe überlebten diese Qual jedoch. Der Ausgangspunkt war derselbe wie immer: Ulrich wühlte sich durch haufenweise gesammelte Aufnahmen, die bei Jamsessions im Proberaum und Soundchecks, in Hotelzimmern und beim Backstage-Aufwärmen in den Jahren seit HARDWIRED… entstanden waren, und extrahierte daraus das Grundgerüst an Ideen, das die Band dann weiterentwickelte. Ein Fetzen von einem Riff hier, der Anflug einer Gegenmelodie dort. Das alles wurde durch die Linse des Fünf-Sterne-Bewertungssystems des Schlagzeugers analysiert: Alles mit vier oder fünf Sternen bekam größere Aufmerksamkeit geschenkt, die Einser und Zweier hat er verworfen. „Bei Metallica ist es nie so, dass jemand auf der Couch eine Akustische in die Hand nimmt und – boom! – da ist ein Song“, erklärt Ulrich. „Das sind viele Puzzlestücke, die zusammengesetzt werden. Dann hörten wir uns bei unseren Zoom-Sessions die Sachen an, die wir herausgepickt hatten, und jammten darauf, am Bildschirm in unseren Heimstudios oder in provisorisch eingerichteten Musikzimmern. Wir mussten darauf klarkommen, Musik zu machen, auch wenn es eine zweisekündige Verschiebung gibt. Ich spielte einen Beat und James legte ein Riff drüber. Er konnte zumindest in seinen Anfängen nahm 72 SEASONS Gestalt an wie keine Metallica-Platte davor. Ulrich schätzt, dass die Arbeiten offiziell im Spätsommer 2020 begannen, noch mitten in der Pandemie.

Alle verschanzten sich zu Hause und kommunizierten Bis zu dem Zeitpunkt hatte er die diversen Lockdown-Phasen damit zugebracht, „herumzustolpern und mich zu fragen, ob ich mir diese Woche 40 Folgen von ‚The Crown‘ reinziehen soll“. Hammett „spielte Gitarre, und ich meditierte deutlich mehr. Was sollte ich auch sonst tun? Ach ja, und ich machte ein Soloalbum [die EP PORTALS von 2022]. Den Teil hatte ich vergessen“. Trujillo brachte sich das Kochen bei (seine Spezialität sind mexikanische Enchiladas mit einer Geheimsauce). Unterm Strich, so Ulrich, war dieses Erlebnis. Die eingespielten Arbeitsprozesse der Gruppe überlebten diese Qual jedoch. Der Ausgangspunkt war derselbe wie immer: Ulrich wühlte sich durch haufenweise gesammelte Aufnahmen, die bei Jamsessions im Proberaum und Soundchecks, in Hotelzimmern und beim Backstage-Aufwärmen in den Jahren seit HARDWIRED… entstanden waren, und extrahierte daraus das Grundgerüst an Ideen, das die Band dann weiterentwickelte. Ein Fetzen von einem Riff hier, der Anflug einer Gegenmelodie dort. Das alles wurde durch die Linse des Fünf-Sterne-Bewertungssystems des Schlagzeugers analysiert: Alles mit vier oder fünf Sternen bekam größere Aufmerksamkeit geschenkt, die Einser und Zweier „Bei Metallica ist es nie so, dass jemand auf der Couch eine Akustische in die Hand nimmt und – boom! – da ist ein Song“, erklärt Ulrich. „Das sind viele Puzzlestücke, die zusammengesetzt werden. Dann hörten wir uns bei unseren Zoom-Sessions die Sachen an, die wir herausgepickt hatten, und jammten darauf, am Bildschirm in unseren Heimstudios oder in provisorisch eingerichteten Musikzimmern.“

Wir mussten darauf klarkommen, Musik zu machen, auch wenn es eine zweisekündige Verschiebung gibt. Ich spielte einen Beat und James legte ein Riff drüber. Er konnte umgehen“, sagt er. „Wir hören einander mehr zu. Es gibt weniger ‚Fick dich!‘ und mehr ‚Das klingt interessant, lasst es uns auf deine Weise versuchen‘.“ „Als wir über Zoom arbeiteten, verflog viel von dieser seltsamen Energie und Chemie“, fügt Hammett hinzu. „Das war immer noch da, aber nicht so stark. So viele der großartigen Dinge, die uns als Gruppe passieren, sind das Ergebnis von uns vieren in einem Raum. Ideen sind eigentlich keine Herausforderung für uns. Wir vier haben haufenweise fucking großartige Ideen.“ Von Anfang bis Ende nahm 72 SEASONS letztlich zwei Jahre in Anspruch. Das Debüt KILL ‘EM ALL stellte man damals im März 1983 in gut zwei Wochen fertig. „Ein Vorteil des Älterwerdens ist, dass man mehr Erfahrung hat, und ein Nachteil, dass man mehr Optionen hat“, so Ulrich. „Je mehr Optionen man hat, desto länger dauert es, denn man spürt dieses Verlangen, jede einzelne davon durchzugehen. Man kann einen ganzen Tag damit zubringen, neun Alternativen auf eine oder zwei zu reduzieren. Und natürlich gibt es dann einen Teil von dir, der romantisiert, wie du das mit 22 instinktiv gemacht hast, ohne darüber fucking nachdenken zu müssen.“

Das ganze Interview und die ganze Geschichte von Metallica lest ihr in unserem Sonderheft auf 148 Seiten. Jetzt hier versandkostenfrei bestellen!