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Scorpions: Ehemaliger Drummer James Kottak verstorben

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Schlagzeuger James Kottak ist im Alter von 61 Jahren verstorben. Zwischen 1996 und 2016 spielte er bei den Scorpions. Die Band hatte die traurige Nachricht vom Tod ihres ehemaligen Drummers auf Social Media geteilt:

„Sehr traurige Neuigkeiten. Unser lieber Freund und Schlagzeuger für 20 Jahre, James Kottak, ist im Alter von 61 Jahren gestorben. James war ein wunderbarer Mensch, ein großartiger Musiker und ein liebevoller Familienmensch. Er war unser „Bruder einer anderen Mutter“ und wird schmerzlich vermisst werden. Rock’n’Roll Forever RIP James.“

Die Scorpions musste Kottak, gebürtig aus Kentucky, damals aufgrund seiner Alkoholprobleme verlassen. Über die Todesursache des Musikers ist bisher nichts bekannt. RIP, James Kottak.

Magnum: Tony Clarkin verstorben

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Mitte Dezember hatten Magnum ihre anstehende Tour aufgrund einer unheilbaren Rückenmarkserkrankung von Gründungsmitglied Tony Clarkin abgesagt. Jetzt wurde die traurige Nachricht veröffentlicht, dass der Gitarrist und Songwriter im Alter von 77 Jahren verstorben ist.

Im Namen der Familie erklärte seine Tochter Dionne Clarkin heute, dass Tony Clarkin am Sonntag, den 7. Januar 2024 nach kurzer Krankheit im Kreise seiner Töchter verstarb. 

„Ich weiß, dass Tony unzählige Menschen mit seiner Musik auf ganz unterschiedliche Arten berührt hat. Mir fehlen die Worte, um das auszudrücken, was er mir in diesem Moment bedeutet, denn die Trauer ist noch zu frisch. Wie viele wissen, hatte Tony eine besonders enge Beziehung zu Tieren. Die Familie beabsichtigt, in seinem Namen eine wohltätige Stiftung zu gründen, um in diesem Bereich zu unterstützen. Weitere Details hierzu folgen in Kürze. Wir bitten, von Blumen oder Karten abzusehen, da Tony es lieber gehabt hätte, für wohltätige Zwecke zu spenden. Es war eine Ehre, Tony meinen Vater nennen zu dürfen.“

Olly Hahn, Labelmanager von Steamhammer und langjähriger Wegbegleiter des Künstlers, äußert sich folgendermaßen zu Tony Clarkins Tod.

„Wir bei SPV/Steamhammer sind tief getroffen angesichts des Todes von Tony. Wir können nicht glauben, dass er nicht mehr unter uns ist. Mein gesamtes Team und ich hatten 22 Jahre lang das große Vergnügen, mit ihm arbeiten zu dürfen. Es waren 22 Jahre mit fantastischer Musik, gegenseitigem Vertrauen und tiefer Loyalität. Dafür sind wir ihm für immer dankbar. Ruhe in Frieden, Tony!“

Judas Priest: Neues Video zum Song ›Panic Attack‹

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INVINCIBLE SHIELD, das neue Album von Judas Priest und gleichzeitig der Nachfolger von FIREPOWER aus dem Jahr 2018, wird am 8. März 2024 erscheinen. Bereits am 13. Oktober gab es die erste Singleauskopplung namens ›Panic Attack‹ zu hören, jetzt haben die Metal Gods ein neues Video zu eben jenem Song veröffentlicht:

Judas Priest mit ›Panic Attack‹:

Jimmy Page: Der Gitarrenhexer im Interview

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Von seinem „Excalibur-Moment“ mit der Gitarre über die Yardbirds bis zur (Neu-)Erfindung des Hardrock mit Led Zeppelin und darüber hinaus gab es im Leben von Jimmy Page gute Zeiten, schlechte Zeiten und alles dazwischen. Wir führten ein sehr persönliches Gespräch mit dem Mann, der die Musik, wie wir sie heute kennen, entscheidend mitgeformt hat.

Dank der unerwarteten Intervention durch eine ausgemusterte Akustikgitarre fand sich James Patrick Page perfekt vorbereitet, als die „Jugendexplosion“ des Rock’n’Roll in den 50ern seine prägenden Jahre so unwiderstehlich infizierte. Indem er die Riffs von Platten nachspielte, entwickelte er sich vom Skiffle über Rockabilly zum Blues, brachte sich das Improvisieren bei und verpasste seinem Handwerk bei The Paramounts und Red E. Lewis And The Redcaps einigen Feinschliff, bevor er in der florierenden Session-Szene der 60er zum heißesten jungen Gitarrenhelden avancierte. Als er dann 1966 bei The Yardbirds einstieg, verließ Jimmy Page die Anonymität des Studios in Richtung Popstar-Ruhm. Zwei Jahre später, nach der endgültigen Auflösung dieser Band, gründete er dann Led Zeppelin, mit denen er im Eiltempo die Welt eroberte. Seit einem halben Jahr befindet sich Jimmy Page, der wohl großartigste und verehrteste Rockgitarrist aller Zeiten, in Isolation. Genau wie wir alle. Doch er war beschäftigt: Er schloss die Arbeit an seiner zweiten Autobiografie „Jimmy Page: The Anthology“ ab, einem wuchtigen Werk von Genesis Publications, das sich auf die „Details hinter den Details“ seines außergewöhnlichen Lebens konzentriert.

Und natürlich hat er wieder Musik gemacht. Der Lockdown „hat mir die Gelegenheit gegeben, mich wieder richtig mit der Gitarre vertraut zu machen“, sagt Page am Telefon. Kein Treffen in
einer Hotelsuite in dieser neuen Normalität, nur 105 Minuten aufschlussreicher Konversation, während der er zugibt, dass er „ein ziemlich gesegnetes Leben“ geführt hat, „ohne Zweifel“, und sich heiser redet. Hier folgt, was er zu sagen hatte.

Das erste Foto in „Anthology“ ist ein Bild von dir als Chorknabe in der St. Barnabas Church in Epsom, vermutlich deine erste Erfahrung mit einem Auftritt vor Publikum. Warst du freiwillig dabei oder hatten dich deine Eltern dazu gedrängt?
Nein, das hatte überhaupt nichts mit meinen Eltern zu tun. Ich ging aus freien Stücken in die Kirche und
trat dem Chor bei, denn ich verspürte selbst den Drang dazu. Ein Grund dafür war, dass in jener Zeit
der Rock’n’Roll im Radio auftauchte, und dann verbannte ihn die BBC und so weiter, also musste man Wege finden, um tatsächlich Musik hören zu können. Wir hatten Glück in Epsom, denn es gab dieses Freibad mit einem Amüsierbereich – Flipper und eine Jukebox. Das war wie eine Pilgerfahrt zu dieser Jukebox, doch die großen Jungs gingen da hin und ich war zu der Zeit noch recht jung. In der Kirche gab es einen Jugendclub mit Tanzabenden, wo sie Platten auflegten, aber um Mitglied des Jugendclubs zu sein, musste man in den Chor eintreten. Aber es machte mir auch tatsächlich Spaß, ein Chorknabe zu sein, im Ernst.

Und du durftest den Chorrock tragen. Das war wohl deine erste Chance, ein Bühnenkostüm anzuziehen.
Absolut, da hast du recht. Du siehst die Verbindung, oder? Sich auftakeln für den Auftritt. (lacht)

Als Kind hast du Hi-Fi-Klang erstmals auf der Stereoanlage deines Nachbarn erlebt. Von Anfang an scheint dich nicht nur die Musik selbst fasziniert zu haben, sondern auch der Prozess, Geräusche einzufangen, weil darin in vielerlei Hinsicht die Magie liegt.
Ja. Bei der Arbeit an dem Buch dachte ich an Schlüsselerlebnisse. Und als ich noch in Feltham lebte [sein Zuhause, bevor er nach Epsom zog], wurden meine Eltern und ich zu jemandem in der Nähe eingeladen, der diese Stereoanlage hatte. Er spielte damals Platten mit Klangeffekten ab, der Klassiker war eine Aufnahme eines Zugs, der von einem Lautsprecher zum anderen fuhr, solche Sachen. Für einen kleinen Jungen war das ziemlich beeindruckend. Ich war wahrscheinlich etwa acht. Er spielte auch Klassik, und da hörte man wirklich die Tiefe. Es gibt keinerlei Zweifel, dass mich das sehr beeinflusst hat. Interessant ist aber, dass niemand in meiner Familie Gitarre spielte. Ich hatte einen Onkel, der im Pub Klavier spielte. Er beherrschte verschiedene Songs, aber er brachte mir nie irgendwas bei. Er wollte nicht lehren, aber als wir dann von Feltham in die Miles Road in Epsom zogen, war da in unserem neuen Haus von den Vorbesitzern eine Gitarre zurückgelassen worden. Das war wie eine wirklich seltsame Intervention, als hätte die Gitarre quasi mich gefunden.

Das ist eine tolle Excalibur-Story.
Ja, nicht wahr? Als ob es bestimmt war, dass ich Musiker werden würde, ob ich das nun wollte oder nicht. Aber ja, ich war fasziniert von dem ganzen Prozess, von Klang umschlossen zu werden und ein Teil davon zu sein. Außerdem hast du in einem Chor diese ganze Atmosphäre, die dazugehört. Komisch, wie ich das schon als Kind bemerkte. Und als ich dann an den Punkt kam, wo man Rock’n’Roll aus Amerika hörte, war das einfach nur eine Jugendexplosion der Musik. Ich habe solches Glück, zu jener Zeit geboren worden zu sein, um diesen Moment zu erleben. Das war wie eine Grenze: Auf der einen Seite ist alles spießig und altmodisch, und dann passiert da plötzlich diese Explosion aus Adrenalin, Musik und Attitüde. Da hörte man all dieses Zeug und es war, als käme es von einem anderen Planeten. Und da stand nun also diese Gitarre im Haus – ungestimmt, niemand hatte sie je gespielt. Ich hatte diesen Schulfreund Rod, der mir ein paar Akkorde zeigte, und das war’s dann. Als ich erst mal den Rock’n’Roll gehört hatte, war ich infiziert davon und wusste, ich würde nie wieder davon geheilt werden. Das wollte ich auch gar nicht.

Als deine „Excalibur“-Gitarre dann ihren Zweck erfüllt hatte, kauften dir deine Eltern deine erste richtige Gitarre, eine Hofner. Sie scheinen deine musikalischen Ambitionen von Anfang an unterstützt zu haben.
Ja, auf jeden Fall. Ich musste immer auch meine Hausaufgaben machen, aber sie konnten sehen, dass ich den gesamten Rest der Zeit von der Gitarre besessen war. Als ich dann anfing, Songs zu spielen, die sie im Radio gehört hatten, sagten sie: „Moment mal, der macht da wirklich Ernst!“ Ich weiß nicht, was mit ihr passierte, aber diese erste Gitarre war nicht sehr leicht zu spielen. Die Saiten waren meilenweit vom Griffbrett entfernt – nicht so weit, dass man sie deswegen nicht hätte spielen wollen, aber meine Eltern sagten: „Wir möchten dir eine bessere Gitarre besorgen“, und einigten sich auf diese Hofner. Mein Vater kombinierte gut: Sein Sohn spielte plötzlich diese Gitarre, die im Haus hinterlassen worden war, Weihnachten stand vor der Tür und mein Geburtstag [Page kam am 8. Januar 1944 auf die Welt] war bald darauf, also war die Hofner ein mehrfaches Geschenk. Und Mann, ich kann dir sagen, ich war wirklich begeistert davon! Doch dann kam der Punkt, wo all die Musik, die ich hörte, auf Solidbody-Gitarren gespielt wurde, also sagte ich: „Ich muss meine Gitarre wechseln“. Ihre Einstellung war: „Das kannst du tun, aber du wirst es bezahlen müssen“. Damals brauchte man bis 21 eine Unterschrift der Eltern, um in Raten zahlen zu können. Also sagte mein Dad: „Ich werde dein Bürge sein, aber du musst bezahlen“. Und das war in Ordnung.

Gewinnspiel: Freikarten für “The Rock’n’Roll Wrestling Bash” in Hamburg

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“The Rock n Roll Wrestling Bash” präsentiert eine einzigartige Mischung aus Mexican Wrestling und Rock’n’Roll. Auf der aktuell noch laufenden Tour, bei der einige Zwischenstopps in Deutschland eingelegt wurden, wurde das 20. Jubiläum gebührend gefeiert.

Am 13. Januar macht das Spektakel in Hamburg im Gruenspan Halt: CLASSIC ROCK verlost 5×2 Freikarten für das WrestlingEvent.

Jetzt mitmachen und gewinnen:

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(Teilnahmeschluss ist der 11.01.2014)

Rückblende: David Bowie: ›Fame‹ & ›Golden Years‹

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Bowie Young Americans AusschnittAls David Bowie am Valentinstag 1973 in New York ankam, um in der Radio City Music Hall zu spielen, war Amors dünner Pfeil schon in Bewegung…

Text: Richard Purden

Am zweiten Abend einer mehrtägigen Schicht traf er auf Ava Cherry – das 17- jährige Mädchen aus Chicago mit der wasserstoffblonden Kurzhaarfrisur, die bald seine Background-Sängerin werden sollte. Ihren ersten Gig hatte sie schließlich beim letzten Auftritt von Ziggy Stardust bei der „The 1980s Floor Show“, die im Oktober desselben Jahres im Londoner Marquee-Club aufgenommen wurde. „Als ich David traf, war er berüchtigt, aber nicht berühmt“, sagt sie. „Ich wusste, wer er war. Ich half da­­mals bei der Organisation einer Party in einem Club namens Genesis. All die ganz Großen waren dort: Stevie (Wonder), Aretha (Franklin) und Gladys (Knight). David betrat die Party in einem umwerfenden An­­zug und mit seinem hellroten Haar. Er meinte: „Ich heiße David. Ich liebe deine Frisur, das ist sehr rebellisch.“ Ich sagte da­­mals: „Ja, so wie du.“ So begann eine Affäre, die schon bald das Feuer von Bowies kreativem Hunger anfachen sollte.

Als die Pläne, Cherry als Sängerin für eine Japantour einzustellen, ins Schwanken gerieten, be­­schloss sie, persönlich nach ihm zu suchen. „Ich folgte ihm nach Europa, wo er mich in einem Hotel unterbrachte. Dann wohnte ich circa zwei Monate lang in seinem Haus in der Oakley Street in Lonon. Angie (Bo­­wie) rastete aus, aber es war ihr Einfall – sie meinte, ich solle einfach im Haus bleiben.“ Cherry war in einer von der Arbeiterklasse geprägten Gegend im Süden Chicagos aufgewachsen und lieferte Bowie eine authentische Verbindung zum Leben, der Sprache, der Mode und Kultur der Schwarzen. „In London hatten wir bereits darüber gesprochen, eine Soulband zu gründen, schon lange bevor Carlos (Alomar, Gitarrist) in­­volviert war. Er redete davon, eine Soul-Platte aufzunehmen, die denen seiner großen Vorbilder wie Aretha Franklin ähnelte. Ich zeigte ihm ein Bild von meinem Vater. Er hatte in den 40er-Jahren Trompete ge­­spielt, seine Gruppe begleitete Count Basie. David fragte: Oh mein Gott, dieser Anzug. Hast du den noch?

Ich lieh ihn von meinem Vater und David ließ das Stück von Freddie Burretti (dem Designer, der die Eleganz von Ziggys Kleidung verantwortete) anpassen. Dann war er „The Gouster“. Der Begriff kommt aus Chicago und beschreibt schwarze Männer, die langsame Tänze mit den Damen vollführen. Sie trugen Anzüge mit wattierten Schultern, Baggy-Hosen und kleine Jäckchen.“ Cherry arbeitete weiter als Backgroundsängerin und nahm in den Sigma Sound Studios in Philadelphia auf, während Bowie mit DIAMOND DOGS quer durch die Staaten tourte. „David umgab sich nur mit den besten Leuten. Luther Vandross (Background-Gesang) würzte den Sound ziemlich geschmackvoll. David Sanborn (Saxophon) war auch einer der Superstars zu der Zeit, er spielte wie der Teufel.“

YOUNG AMERICANS war der Schlüsselmoment seines Durchbruchs und enthielt mit ›Fame‹ Bowies ersten Nummer-1-Hit. Der Song war eine späte Ergänzung und entstand während einer Session mit John Lennon im Electric Lady Studio, welche die gesamte Richtung des Albums verändern sollte. Er wurde von Lennon und Carlos Alomar mitgeschrieben und war das Ergebnis eines gescheiterten Versuches, ›Foot Stompin’‹ von The Flare zu covern. Bowie rettete etwas von Alomars Riff, fügte mehr Gitarre und eine Melodie hinzu, während Lennon akustisch dazu spielte. Bowie gab später zu, dass der Song ein „wütender“ Track war und er nicht damit gerechnet habe, dass daraus ein Hit würde. „Es ging ja um den ganzen Scheiß, der im Business ablief“, erzählt Cherry. „Sein Manager Tony Defries hatte David am Anfang gut getan, aber später gerieten die beiden aneinander. Der hohe Background-Gesang am Schluss kommt von mir, David und John.“

Eine der größten Inspirationen für YOUNG AMERICANS war Aretha Franklin. Ihr Einfluss auf Bowie wird deutlich in der BBC-Dokumentation „Cracked Actor“, die den Künstler zeigt, wie er vor der Grammy-Verleihung auf dem Rücksitz einer Limousine total auf Koks zu ›Natural Woman‹ mitsingt. Auch James Browns LIVE AT THE APOLLO hat seine Spuren hinterlassen. Es schien, dass der Einfluss jedoch langsam wechselwirkend wurde. „James Brown bestand darauf, dass das Riff von ›Fame‹ von ihm stammte“, erzählt Cherry. Am Ende des Jahres würde Brown mit seiner Single ›Hot (I Need To Be Loved, Loved, Loved, Loved)‹ einen Ab­­klatsch davon aufnehmen. Bowie enthüllte einmal, dass er die nachfolgende Single ›Golden Years‹ für Elvis Presley geschrieben hatte. Der Song hatte eine ähnlich funkige Ader wie seine vorhergehende Arbeit, gab jedoch bereits einen kleinen Einblick in die eingeschlagene Richtung des nächsten Al­­bums STATION TO STATION preis. Das Riff war von Earl Slick. „Für diesen Einfall muss ich Eric Clapton danken“, gibt der Gi­­tarrist zu. „Creams ›Outside Woman Blues‹ lieferte die Initialzündung, zusammen mit ein wenig ›Funky Broadway‹ von Wilson Pickett. Carlos Alomar, der dem Track den letzten Schliff verlieh, verwies Bowie darauf, dass er bereits einige Takte auf dem Klavier gespielt hatte, die ihn an den Klassiker ›On Broadway‹ von The Drifters erinnerten, einen Song, den Bowie während der Tour zu DIAMOND DOGS gespielt hatte.

Deswegen wollte er ihn davon abbringen, zweimal einen ähnlichen Klavierpart zu nutzen. Für die Texte schöpfte Bowie aus seinem jüngsten Beziehungsende mit Cherry: „Sobald ich den Song hörte, wusste ich, dass er von mir handelte“, meinte Cherry. „Ich war nicht mehr mit David zusammen, bevor er nach Berlin ging. Er hatte einige schwerwiegende finanzielle Probleme und war ziemlich stark auf Drogen. Ich fühlte mich so kaputt von der ganzen Erfahrung. Ich wusste nicht, wie ich das alles auf die Reihe kriegen sollte und das war dann wirk­lich das Ende unserer Beziehung. Als ich ›Golden Years‹ zum ersten Mal hörte, stand ich gerade in einem Supermarkt und bekam davon einen Zusammenbruch. Ich hatte gerade Probleme damit, meine eigene Karriere voranzutreiben. David war in ein Projekt involviert gewesen, das sich leider als echter Ladenhüter entpuppte. Es schien seine Art und Weise, mir zu sagen: Verliere deinen Glauben nicht und mach weiter, auch wenn wir nicht mehr zusammen sind. Er war ein Wesen, das immer in Bewegung bleiben musste, von Erfahrung zu Erfahrung. Meine Zeit mit ihm war wunderschön und einzigartig. Ich war schlichtweg blind vor Liebe und völlig verloren in seiner Ausstrahlung.“

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Rückblende: Rush – ›Tom Sawyer‹

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Ihre vielleicht bekannteste Hymne entstand aus der ungewöhnlichen Verbindung eines Stücks klassischer amerikanischer Literatur und eines durchgeknallten kanadischen Dichters.

Die lange Karriere von Rush ist sicher nicht arm an wichtigen Liedern: ›Working Man‹ war ihr erstes Stück, das auch außerhalb ihrer kanadischen Heimat wichtiges Radio-Airplay verbuchte und zu einem weltweiten Deal mit Mercury Records führte. Ihr Album 2112 sicherte die Zukunft der Band, als dieser Deal an einem seidenen Faden hing. ›The Spirit Of Radio‹ wiederum verhalf ihnen zu der unwahrscheinlichen Ehre eines Top 20-Hits in Großbritannien. Doch der berühmteste Song von allen im Rush-Katalog ist ›Tom Sawyer‹, der Eröffnungs-Track des Albums MOVING PICTURES von 1981, das als bestes und meistverkauftes der Band gilt. „›Tom Sawyer‹ ist eine wahre Erkennungsmelodie für uns“, bestätigt Rush-Gitarrist Alex Lifeson. „Es ist musikalisch sehr kraftvoll und berührt textlich auch viele Menschen. Es ist so was wie eine Hymne.“

Rush standen an einem Scheideweg, als sie ›Tom Sawyer‹ schrieben. In den 70ern waren sie zu den unangefochtenen Meistern des Prog-Hardrock aufgestiegen, berühmt für ihre epischen Konzeptstücke, die sich über komplette Seiten einer Vinylplatte erstreckten. Doch mit dem ersten Album der 80er – PERMANENT WAVES – ging ein bedeutender Wandel einher.

„Wir begannen, kompaktere, sparsamere Stücke zu schreiben.“ Daraus resultierte ebenjene Hitsingle, ›The Spirit Of Radio‹: eine Tour de force des IQ-Rock, eingedampft auf weniger als fünf Minuten. Und der Text passte bestens zu dieser neuen Herangehensweise. Drummer und Bücherwurm Neil Peart, seit 1975 Autor aller Rush-Texte, hatte sich zuvor von antiker Mythologie und Science-Fiction inspirieren lassen, doch für PERMANENT WAVES schrieb er in einfacherem Stil und verlegte sich auf weltlichere Themen. ›Tom Sawyer‹ war das Destillat dieser neuen, modernen Rush: ein kraftvoller, präzise gearbeiteter Hardrocksong mit einer schlagkräftigen, aber höchst philosophischen Botschaft. Und ein Song, den Rush nicht nur einem Titan der amerikanischen Literatur – Mark Twain – zu verdanken hatten, sondern auch einem reichlich sonderbaren Kanadier namens Pye Dubois.

„Geddy Lee nannte es das ‚definierende Stück Musik‘ von Rush in den frühen 80ern.“

Dieser Poet und Lyriker arbeitete mit der Band Max Webster zusammen, die wie Rush aus Ontario stammte. Man war befreundet und nahm für das 1980er Max Webster-Album UNIVERSAL JUVENILES zusammen das Stück ›Battle Scar‹ auf. „Diese Jungs waren dicke Freunde von uns“, erinnert sich Lifeson. „Aber Pye war etwas mysteriös – ein seltsamer Typ! Doch er schrieb großartige Texte. Um 1980 schickte er Neil ein Gedicht mit der Idee, bei einem Lied zu-sammenzuarbeiten. Der ursprüngliche Entwurf hieß ›Louie The Warrior‹.“

Das Gedicht basierte auf Twains Roman „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ von 1876, den alle drei Mitglieder in der Schule durchgenommen hatten. Vor allem Peart identifizierte sich mit den Kernthemen des Buchs von Rebellion und Unabhängigkeit. Von „2112“ bis zu ›Freewill‹ auf PERMANENT WAVES war Individualismus ein immer wiederkehrendes Thema in seinen Texten. Was Dubois in ›Louie The Warrior‹ erschuf, war in Pearts Worten „ein Porträt eines modernen Helden“. Lifeson: „Neil nahm diese Idee und massierte sie, entfernte einige von Pyes Versen und fügte sein eigenes Ding hinzu.“ Peart wählte den einfacheren Titel ›Tom Sawyer‹ und vervollständigte den Text mit einem autobiografischen Element. Wie er es ausdrückte: „die Versöhnung des Jungen und des Mannes in mir.“

Die Musik war ebenfalls ein Neubeginn für Rush. Lifeson: „Die Struktur des Songs entwickelt sich sehr interessant, von diesem ersten Vers zu einer Brücke zu einem Refrain und in das Solo, und dann wieder von vorn. Das war für uns damals kein typischer Aufbau.“ Die Musik war ja auch auf unorthodoxe Art und Weise geschrieben worden – zumindest für Rush. „MOVING PICTURES war sehr anders für uns, weil es eher wie ein Jam entstanden war. Vieles von dem Material wurde bei den Aufnahmen geschrieben. Bei ›Tom Sawyer‹ war das jedenfalls der Fall. Wir probten auf einem kleinen Bauernhof außerhalb von Toronto. Die Hälfte der Scheune war eine Garage, die andere Hälfte ein kleiner Proberaum. Für gewöhnlich jammten wir dort drauflos und entwickelten so die Songs.“

Es war Hochsommer, als Rush die Stücke für MOVING PICTURES schrieben. Doch bis sie anfingen, das Album im Le Studio in Morin Heights, Quebec aufzunehmen – demselben Anwesen in den Bergen, wo schon PERMANENT WAVES entstanden war –, hatte ein harter kanadischer Winter begonnen. „Mir war in meinem Leben nie so kalt, soviel steht fest!“, lacht Lifeson. „Wir wohnten in einem Haus an einem See, und das Studio war auf der anderen Seite des Sees. Wenn wir tapfer genug waren, gingen wir zu Fuß durch den Wald. Es war wunderschön, aber es herrschten -40°C! Im Ernst!“ Der Videcoclip zu ›Tom Sawyer‹, der dort gedreht wurde, eröffnet mit Aufnahmen dieser verschneiten Landschaft und endet mit einer Kamerafahrt über den zugefrorenen See.

Über die Aufnahmen sagt Lifeson: „Der Synthesizer ist so etwas wie ein Schlüsselelement auf ›Tom Sawyer‹. Die Keyboards und wir drei harmonierten bestens. Wir hatten immer noch dieses Trio-Gefühl. Außerdem wollten wir immer in der Lage sein, unsere Lieder live so originalgetreu wie möglich zu spielen, also wurde ›Tom Sawyer‹ auch so geschrieben. Da ist keine Rhythmusgitarre unter dem Gitarrensolo oder Ähnliches.“

Der Track wurde zum Wendepunkt in der Entwicklung der Band. Geddy Lee nannte es das „definierende Stück Musik“ von Rush in den frühen 80ern. Über einen Großteil jenes Jahrzehnts nahmen Keyboards eine wichtige Stellung im Klangbild der Band ein. Und knapp vier Jahrzehnte später haben das Lied und seine Botschaft nichts von ihrer Kraft verloren. „Das klingt immer noch bemerkenswert frisch“, stellt Lifeson stolz fest. „Und die Leute identifizierten sich schon immer sehr mit dem Text – dieser Geist der Unabhängigkeit und des Abenteuers. Es ist einfach eines dieser besonderen Lieder.“

Die skurrilsten Cover der Rockwelt: GENTLE GIANT von Gentle Giant (1970)

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Wollen wir an dieser Stelle mal gepflegte Fake News verbreiten? Au ja! Drucken wir also dieses Plattencover ab und schreiben dazu: „Crazy neuer Look! Bernhard Hoëcker, beliebter Comedian, Moderator und TV-Raterundenteilnehmer in Festanstellung, hat sich einen hippen Vollbart wachsen lassen.“ Und um das Ganze noch boulevardmäßig menscheln zu lassen: „Was wohl Kollege Elton dazu sagt? Wir sind gespannt!“ Nein, sind wir definitiv nicht, und das Ganze ist natürlich Bullshit hoch zehn. Sagen wir es so: Der gute Mann wäre, wie man so hört, für ein ambitioniertes Basketballteam keine grundsätzliche Verstärkung. Oben links auf dem Bild prangt aber der Schriftzug „Gentle Giant“, übersetzt „Sanfter Riese“. Da kann was nicht stimmen! Aber bevor wir uns endgültig dem Vorwurf des „Bodyshaming“ aussetzen, rudern wir eilig zurück und halten stattdessen pädagogisch wertvoll fest, dass man eben nicht alles glauben sollte, was in der Zeitung steht. Gerade noch die Kurve gekriegt …

Die reine Wahrheit: Gentle Giants Debüt stammt aus einer Ära, als Märchen, Mythen und Fantasy-Literatur eine unglaubliche Renaissance erlebten. Ein Londoner Musik-Club nannte sich etwa „Middle Earth“, John Lennon pries Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“, während Syd Barrett auf Kenneth Grahames „Der Wind in den Weiden“ verwies – und der Druide „Catweazle“ im Fernsehen nicht nur Kinder beglückte. Magier, Kobolde, Feen, Zwerge und Riesen, gerne auch sanfte Vertreter ihrer Art, boomten, und jene Band, die sich Gentle Giant nannte, surfte also tatsächlich auf einer Zeitgeistwelle. Das Gesicht dazu entwarf Illustrator George Underwood, der nicht nur weitere Artworks, etwa für Tyrannosaurus Rex, Procol Harum und David Bowie verantwortete, sondern auch zahlreiche Buchumschläge – spezialisiert auf die Genres Science-Fiction, Horror und Fantasy. Und damit schließt sich der Kreis