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Plattensammlerin: Doro Pesch

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Doro Pesch feiert mittlerweile 40 Jahre im Rockbusiness und erzählt uns hier vom Mixtape ihres Lebens. Als Kleinkind hörte sie Little Richard, mit ihrer ersten Gruppe Snakebite überlebte sie die Punkokalypse, bevor sie mit Warlock und schließlich als Solokünstlerin zur Hohepriesterin des Heavy Metal wurde. (Text: Jo Kendall)

DIE ERSTE MUSIK, AN DIE ICH MICH ERINNERE: Als ich drei war, hörte ich ›Lucille‹ von Little Richard. Da wusste ich, dass ich mal Sängerin werden wollte.

DER ERSTE SONG, DEN ICH LIVE SPIELTE: Meine erste Band hieß Snakebite und unser erster Gig fand in einem Punkclub in Düsseldorf statt. Da kamen 30 Metalheads und etwa 120 Punks. Damals verstanden sie sich nicht, also herrschte totales Chaos. Der erste Song, den ich sang, hieß ›Shakedown‹. Ich tat mein Bestes …Dann hatten die Punks genug von uns, weil sie Punkrock hören wollten, also kamen sie auf die Bühne und zerstörten unsere Verstärker und Instrumente. So lief mein erster Gig! Harte Arbeit.

DAS BESTE ALBUM ALLER ZEITEN: In meinen Teeniejahren, als ich noch zur Schule ging, stand ich auf WISH YOU WERE HERE von Pink Floyd. Meine beste Freundin hieß Angie, wirgingen immer zu ihr in die Wohnung, zogen die Vorhänge zu und hörten es uns an. Wir wurden high, ohne Alkohol oder sonst etwas. Es ist eine Platte, die mich auch heute noch in andere Sphären transportiert.

DER GITARRENHELD: Ich liebe das Spiel von Randy Rhoads so sehr, aber ich hatte nie die Chance, ihn kennenzulernen. 2019 nahm ich an einem Tribute teil undsang ›Goodbye To Romance‹, neben einigen anderen hervorragenden Gitarristen. Randy war wundervoll, er hatte diese unglaubliche Aura, und wann immer man ihn sah, lächelte er.

DIE STIMME: Darf ich drei nennen? Mein erstes Konzert war David Coverdale, und er überwältigte mich mit seiner Stimme, seiner Performance, seiner Sexyness. Rob Halford war mein zweites Konzert, er konnte so hoch singen und war so Metal! Und dann ist da Ronnie Dio, den ich viele Male gesehen habe. Ich liebte die Verbindung, die er zu den Fans hatte.

DER SONGWRITER: Ich wuchs mit Glamrock auf: Suzi Quatro, Sweet, Slade, T. Rex. Mein Lieblings-Songwriter-Team waren Chapman und Chinn. Ich dachte immer: „Oh, ich würde gern mal mit ihnen zusammenarbeiten“, doch dann trennten sie sich. Für ›Ballroom Blitz‹ werde ich sie für immer lieben.

DER KULTHELD: Lemmy! Er bleibt total einzigartig. Eine tolle Stimme, und er spielte den Bass mit so viel Wucht. Wir wurden Freunde. Er sah zwar ziemlich rau und furchteinflößend aus, doch er war eine so liebe, sensible Seele, sehr intelligent, und ihm war nicht einfach alles egal. Als ich ihn kennenlernte, wurde ich ein noch größerer Fan von ihm.

DIE BESTE PLATTE, DIE ICH JE GEMACHT HABE: Aus der Zeit mit Warlock wäre es TRIUMPH AND AGONY, das bringt die Leute immer noch zum Durchdrehen, wenn sie es hören. Aus der Doro-Ära möchte ich die neue nennen (lacht), aber auch CALLING THE WILD [2000]. Darauf sind meine ersten beiden Duette überhaupt, und zwar mit Lemmy: ›Love Me Forever‹ und eine Akustiknummer, ›Alone Again‹, die sehr emotional ist.

DIE SCHLECHTESTE PLATTE, DIE ICH JE GEMACHT HABE: Ein Track aus TRUE AS STEEL – das ein ziemlich gutes Album ist, aber das Label wollte damals etwas Kommerzielleres als Single. Wir sagten:„No fucking way!“ Doch wir mussten Kompromisse eingehen. Ich schrieb einen Song namens ›Heaven‘s Like Hellfire‹, doch man stellte mir einen Co-Autoren zur Seite, der sagte: „Ich kann ihn noch ein bisschen bessermachen.“ Das drehte mir den Magen um. Es wurde dann ›Igloo On The Moon‹ daraus. Welcher Metalhead sollte diesen Titel verstehen? Ich musste es singen, mit Tränen in den Augen. Aus dieser Erfahrung habe ich gelernt, nichts zu machen, womit ich mich nicht gut fühle.

MEIN GUILTY PLEASURE: Ich wuchs mit klassischer Musik auf. Jahre später ging ich ständig in dieses italienische Restaurant und hörte dort dieses Stück, das mir gefiel. Niemand wusste, was es war, bis es mir eines Tages ein Kellner verriet: ›Caruso‹ von Luciano Pavarotti. Ich musste es mir kaufen, und dann auch selber aufnehmen! Die Version erschien als Bonustrack auf meinem Album FOREVER WARRIORS, FOREVER UNITED [2018].

DIE UNTERBEWERTETSTE BAND ALLER ZEITEN: Rock Goddess und ihre Sängerin Jody Turner haben mich stark beeinflusst. Einer meiner Lieblingstracks war ›My Angel‹. Zum ersten Mal hörte ich das im UK-TV. Daraufhin hörte ich es mir immer und immer wieder an. Diese fantastische Gruppe, komplett aus Frauen, davon zweiSchwestern, hätte viel größer sein müssen.

MEIN SAMSTAGABEND/PARTYSONG: Der ultimative Partysong ist ›Living After Midnight‹ [von Judas Priest]. Denn es macht einen wirklich glücklich. Auf meiner neuen Platte CONQUERESS habe ich ihn jetzt zusammen mit Rob Halfordgecovert!

DER SONG, DER MICH ZUM WEINEN BRINGT: ›Nothing Compares 2 U‹ von Sinéad O‘Connor. Ihre Version ist sowunderschön, so bewegend. Ich habe es mal als Duett mit Xavier Naidoo [2017] gesungen und diese Emotion richtig gespürt.

DER SONG, DER BEI MEINER BEERDIGUNG LAUFEN SOLL: ›Für immer‹ von TRIUMPH AND AGONY. Die Fans sind tief in meinen Gedanken verwurzelt und ich habe diese Tätowierung: „The one who loves the fans … für immer.“ Das Stück würde ihnen sagen: „Seid nicht zu traurig, wir sehen uns auf der anderen Seite wieder.“ Das ist etwas, woran ich fest glaube.

Magnum: Leuchtend & Linientreu

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In der Vergangenheit haben Magnum die Popularität von Kollegen wie Blue Öyster Cult, Kansas, Def Leppard, Judas Priest oder Ozzy Osbourne genutzt und sich dort im Vorprogramm präsentiert. „Als wir in unserer Heimatstadt Birmingham anf ingen, stan den wir mit vielen Bands in einer Art Wettbewerb. Und plötzlich waren wir in einer Szene, zu der auch Black Sabbath und Judas Priest gehörten – schon ein irres Gefühl.“ Gab es auch mal einen richtigen „Spinal Tap“ Moment in ihrer Karriere?

Sänger Bob Catley überlegt kurz und antwortet dann: „Während einer Show in Köln in der Kantine. Tony spielte ein längeres Solo und es war verdammt heiß auf der Bühne. Ich wollte schnell Backstage laufen, um mein TShirt zu wechseln. Ich hatte mein Funkmikro dabei und vergaß, es so lange auszumachen. Also hörte man im Publikum, wie ich unver ständliches Zeug vor mich hin sagte, was in voller Lautstärke über die PA-Boxen ging.

Unser ganzes Interview mit Magnum lest ihr in der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK. Jetzt hier versandkostenfrei bestellen: CLASSIC ROCK #126

Budgie: Auf gut Glück

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Text: Grant Moon

Sie waren nah dran und doch nie an der Spitze. Budgie beeinflussten eine Menge Bands, von denen sie dann überholt wurden. Bassist, Sänger und Hauptantrieb Burke Shelley erinnerte sich 2020 an die 40 Jahre, in denen er mit seiner Band immer wieder hart rockte und daran, wie er sein Leben aufs Spiel setzte und Gott fand. Am 10. Januar 2022 starb der Künstler im Alter von 71 Jahren.

Das Waliser Trio hatte bereits 15 Jahre und neun Studioalben auf dem Buckel, als sie im August 1982 den eisernen Vorhang kreuzten, um ihre erste Tour in Polen zu spielen. Zu dieser Zeit war die hart arbeitende Band es gewohnt, im UK in ordentlichen Clubs zu spielen – im Marquee, dem Whiskey oder Hammersmith Odeon. In Polen hingegen spielten sie in Stadien – 17 ausverkaufte Shows vor tausenden von Fans und das jede Nacht. „An einem Abend war die ZOMO (Motorisierte Reserven der Bürgermiliz) mit auf der Bühne“, erzählt Shelley CLASSIC ROCK. „Das waren einfach nur Kriminelle in Uniformen mit Schlagstöcken und Knarren. Die Menschen hassten sie. Die jungen Kids im Publikum spuckten auf sie. Einen davon zogen sie raus, um ihn richtig zusammenzuschlagen. Wir mussten von der Bühne, weil die Situation kurz vorm Eskalieren war. Aber unser Drummer damals, Steve [Williams], war ein mutiger Bursche. Er schnappte sich einen Dolmetscher und schaffte es irgendwie, die Wogen zu glätten. Er meinte: ‚Schaut, wir sind hier, um zu rocken. Das hier ist nichts Politisches, wir wollen einfach nur spielen.‘ Wir gingen wieder auf die Bühne und am Ende war es eine tolle Show.“ Von diesem Zeitpunkt an wurden Budgie wie Helden vom polnischen Publikum empfangen. Vor wenigen Jahren kehrte Shelley dorthin zurück, um einen angesehenen „Open Door Award“ für seine Band anzunehmen. „Das war ein großes Ding. Ich saß in einer Reihe mit all den Helden des Widerstands, berühmten Dichtern, Menschen, die wirklich ihr Leben riskiert hatten, deren Freunde gefoltert oder getötet wurden. Uns wurde gesagt, dass wir die musikalische Untermalung des Widerstands [gegen das kommunistische Regime] waren und das war großartig. Das kann man sich gar nicht vorstellen.“

Wir befinden uns in Cardiff, nur einen Steinwurf von Llanishen entfernt, dem Heimatort von Burke Shelley, einem freundlichen, geistreichen, direkten und irgendwie harten Typen. Er ist groß, hat zerzaustes Haar und einen imposanten Bart, der sein schmales Gesicht vergrößert. Die große Brille, die einst Teil seines Looks war, wurde durch ein cooleres Modell mit dickeren Gläsern ersetzt. Ein Bass steht herum und darauf herumzuspielen scheint ihn während des Gesprächs zu beruhigen. Sein Talent an diesem Instrument, zusammengenommen mit seiner kraftvollen hohen Stimme und seiner geschickten Wortkunst, verhalfen Budgie dazu, hochangesehen zu sein. Von ihren Anfängen in den 60er Jahren bis heute.

Ich habe keine Angst zu sterben, weil ich weiß, wo ich hingehen werde. Ich will mein ewiges Leben mit Jesus Christus im Himmel verbringen.“

Budgie waren nie so richtig in Mode, wurden nie so bekannt wie Sabbath, Priest oder Maiden, aber sie bleiben ein Teil des Gewebes, aus dem Hard Rock und Metal gemacht sind. Rock-Liebhaber sprechen in ehrfürchtigem Ton von dieser Band und ihr großer, abwechslungsreicher Proto-Metal-Sound hinterließ seine Spuren in den meisten Major Acts, die folgten: Van Halen, Metallica, Iron Maiden und Soundgarden sind nur einige wenige der Großen, die ihnen die Ehre erwiesen haben. Zurück in den 1950er Jahren, lange bevor all das geschah, verlebte Shelley eine idyllische Nachkriegs-Kindheit in Wales. Als Zweitältester von sieben Kindern kletterte er auf Bäume, fing Kröten im Bach, stibitzte Rhabarber von den Nachbarsfeldern und gab damit in der Schule an. „Ich hatte eine großartige Kindheit“, erinnert er sich zurück. „Ich schwänzte die Prüfungen und brachte mich in Schwierigkeiten. Doch ich wusste immer, dass ich Hirn besaß. Später las ich sehr viel – Dennis Wheatley und solchen Quatsch. Damals war jeder auf irgendeiner makrobiotischen Diät und las Carlos Castaneda und Aldous Huxley. Ich habe schon immer gerne mit Worten herumgealbert. Ich mag Wortspiele, Metaphern, literarische Querverweise, Dinge, die mich erheitern.

In seinen Teenagerjahren bekam er von seinem Vater eine Gitarre geschenkt und er lernte ›Frankie And Johnny‹ aus Bert Weedon’s Gitarrenkolumne in einer der Sonntagszeitungen. Zusammen mit einem Freund schrieb er seine ersten Songs und war erst 16 Jahre, als er die erste Version von ›Parents‹ schmiedete, ein Lied, das zu einer von Budgies beliebtesten Nummern werden sollte. Wie bei fast allen in seiner Generation wurden auch seine musikalischen Fantasien von den Beatles angefeuert, was die Träumereien jedoch real werden ließ, war das Dave Edmunds Trio, das Mitte der 60er in einem Jugendclub spielte. „Das war die Flower-Power-Zeit“, so Shelley. „Sie hatten die Wände schwarz gestrichen, all ihr Equipment war mit Netzen überzogen, alles war voller leuchtender Blumen. Ich dachte mir nur: `Das ist cool!` Sie eröffneten die Show mit ›River Deep – Mountain High‹, spielten einige Bluesnummern und ›I Am The Walrus‹. Ich war von den Socken. Ich machte gerade eine Ausbildung zum Kostenplaner, aber als ich diesen Club verließ, war mir klar, dass ich eine Band gründen musste.“ Durch einen gemeinsamen Freund fand Shelley Gitarrist Brian Goddard. Schlagzeuger Ray Philipps hatte eine Annonce an das schwarze Brett im Gamlin’s gepinnt, dem wichtigsten Musikladen in Cardiff.

Ein anderer Gitarrist und Kumpel von Shelley erzählte ihm, das er einem gewissen Tony Bourge gerade ein paar Licks beibrachte und dass selbiger sich ziemlich gut anstellte. „Also traf ich Tony zu einem Jam. Er wollte ›All Your Love‹ von den Bluesbreakers spielen und er war echt gut. Später fand ich heraus, dass das der einzige Song war, den er spielen konnte.“ Mit Shelley am Bass erarbeiten sich die vier zwischen ’67 und ’68 ein Set, das Cover von John Mayall, Spooky Tooth und Hendrix enthielt, wie auch ein paar Eigenkompositionen, zum Beispiel eine frühe Version des künftigen Budgie-Klassikers ›You’re The Biggest Thing Since Powdered Milk‹. Und dann hörte Shelley Led Zeppelin zum ersten Mal. „Sie waren an der Spitze all dessen, was man später als Heavy Metal bezeichnen sollte. Ich hörte ›Communication Breakdown‹ in John Peels Radiosendung und dachte: ‚Mann, die klingen wie wir‘. Sie hatten die Riffs, wir hatten die Riffs. Robert Plant sang hoch, ich konnte hoch singen.“

Lebenslinien: Jeff Beck

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Über ein langweiliges Leben konnte sich Jeff Beck wahrlich nicht beschweren: Er hat es geschafft, Sly Stone persönlich zu Gesicht zu bekommen, Eric Clapton in blanke Wut zu versetzen, mit Mick Jagger verwechselt zu werden und vor Frank Zappas Auffahrt die Reifen glühen zu lassen. Und selbst zur Gitarrenlegende zu werden.

Er war mit seiner Jeff Beck Band erfolgreich, ebenso mit den Yardbirds, und als Solokünstler gehörte er zu den letzten Gitarrenlegenden: Jeff Beck. In einem unserer Interviews vor einigen Jahren plauderte er aus dem Rockkästchen: Beck erzählte von seinen Begegnungen mit Weggefährten wie Mick Jagger, Stevie Ray Vaughan, Cozy Powell und vielen mehr. Eines sei dabei schon jetzt verraten: Nicht nur die Gitarre, sondern auch der Schalk war Becks ständiger Begleiter.

JIMI HENDRIX


Als ich ihn das erste Mal sah, das war ganz am Anfang seiner Karriere, bei einer seiner ersten Shows in Großbritannien, wusste ich sofort, dass er es uns in Schwierigkeiten bringen würde. Sein Auftritt? Einfach gigantisch! Er hatte alle Tricks drauf, fackelte seine Gitarre ab, schleuderte sie um seinen Nacken herum und so weiter. Sein Showtalent war quasi der letzte Sargnagel für unsere Band, zumindest für mich und Eric Clapton. In Sachen Temperament stand ich ihm zwar in Nichts nach, aber er bot eindeutig das bessere Paket: Seine Kombination aus Performance und Weltklasse-Songs konnte ich nicht toppen.

Ich kannte ihn zwar nicht wirklich gut, aber es gab eine Zeit, in der ich ihn etliche Male in London besucht habe. Einmal hatte er mich in die Olympic Studios eingeladen. Ich brachte ihm einen Bottleneck mit, den er auf ›Axis: Bold As Love‹ eingesetzt hat. Ein anderes Mal haben wir uns in New York getroffen und gemeinsam in Steve Pauls Club „The Scene“ gejagt.

Am Tag von Jimis Tod bekamen Reporter über Umwege meine Telefonnummer heraus. Sie riefen mich an und fragten, wie ich darüber denke würde. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir verdammt mies. Ich war suizidal, denn meine Freundin hatte mich gerade verlassen. Und dann auch noch das! Zunächst dachte ich, dass sie mich verarschen wollten. Erst als immer mehr Leute anriefen, wurde mir klar, dass es kein Scherz war, sondern eine echte Tra-gödie.

ERIC CLAPTON


Ich weiß, dass er nicht begeistert war, als ich seinen Posten bei den Yardbirds übernahm. Anfangs dachten nämlich alle, dass mit seinem Ausstieg das Ende der Band besiegelt wäre. Doch schon bei meinem ersten Gig mit ihnen im Marquee Club lief alles super, und ich bekam am Ende fetten Applaus. Da war klar, dass die Yardbirds noch lange nicht tot waren.

Zwei Monate nach diesem Auftritt starteten wir plötzlich in den USA durch. Eric war natürlich tierisch wütend darüber. Er hatte sich immer gewünscht, dort zu spielen – wie wir alle. Es war unser größter Traum, der heilige Gral, wenn man so will. Jeder von uns hatte nur ein Ziel: nach Amerika zu fahren und dort all die großartigen Bluesmusiker live zu sehen. Und nun flogen wir hin und hatten schon in der ersten Woche die Gelegenheit, Howling‘ Wolf in Chicago zu bewundern. Logisch, dass sich Eric darüber total ärgerte. Aber wenig später gingen auch Cream durch die Decke – und er zeigte allen, dass er es genauso drauf hatte.

Heute ist er ein völlig anderer Mensch als damals. Viel entspannter und auch glücklicher. Ich glaube, er hat erkannt, dass man mit Neid oder ähnlichem nicht weiterkommt. Man muss sich nicht in den Vordergrund drängen, um erfolgreich zu sein. Das hat er bewiesen. Und er konnte den Menschen mit seiner Musik so viel Freude bereiten. Dass er dafür heute gelobt und verehrt wird, ist mehr als verdient.

SLY STONE

Carmine Appice wusste, dass ich ein großer Fan von Sly war. Daher organisierte er eine Recordingsession für mich. Wir fuhren nach San Francisco, um ein paar Songs aufzunehmen. Das Ende vom Lied: Wir saßen erst einmal zehn Tag lang in einem Hotel fest, ohne ihn je zu Gesicht zu bekommen. Als wir es dann endlich schafften, einen Studiotermin zu ergattern und unseren Kram aufgebaut hatten, kam Sly herein, warf einen Blick auf Carmines Drumkit und sagte: „Du kannst die Hälfte davon gleich wieder abbauen, das ganze Zeug brauchen wir nicht!“

Dann verschwand er in irgendeinem Hinterzimmer und kam nicht mehr heraus. Nach einer gefühlten Ewigkeit nahm er dann schließlich über seine Haussprechanlage Kontakt mit mir auf. Ich saß daraufhin mit verschränkten Beinen in seinem Büro, neben mir hockte Slys Frau und kicherte vor sich hin, und nahm zwei Stunden lang irgendwelche Lieder auf. Das Tape liegt noch bei mir zu Hause in einem Schrank.

COZY POWELL

Ich war auf der Suche nach einem Drummer und hatte eine Probe mit potenziellen Kandidaten angesetzt. Wie üblich war ich spät dran. Alle hatten schon ihre Kits aufgebaut, als ich endlich ankam. Vor mir standen 15 Schlagzeugsets. Und ein weiteres, gigantisches Kit, das mit rotem Glitzer lackiert war. Ich fragte meine Assistentin, wem das Ding gehören würde.

Sie zeigte auf einen Kerl und sagte: „Das ist genau der Typ, den du suchst.“ Also antwortete ich: „Gut, dann lass uns mit ihm anfangen; wenn er nichts kann, können wir immer noch weitersehen.“ Cozy und ich rockten daraufhin los, und nach circa einer Minute sah ich aus dem Augenwinkel, dass alle anderen Schlagzeuger ihr Equipment zusammenpackten.

Powell sah nicht nur so aus, als ob er zu mir passen würde – er hatte es auch musikalisch total drauf. Sein Image war top, seine Technik ebenso. Seit diesem Zeitpunkt verbindet uns eine tiefe Freundschaft. Cozys Idol ist John Bonham. Und für mich ist er selbst eine Art John Bonham geworden.

KEITH MOON


Ich könnte Hunderte von Geschichten über Keith erzählen. Einmal wollte er mir sein Auto verkaufen. Er fing damit an, als wir nebeneinander am Pissoir des „Speakeasy“ standen. „Jeff, ich habe einen tollen Roadster, den ich dir gerne überlassen würde“, sagte er. Ich entgegnete: „Danke, aber ich will ihn nicht.“ Er darauf: „Okay, komm morgen bei mir zu Hause vorbei, dann gebe ich dir die Schlüssel.“

Also stieg ich am nächsten Tag in meine Karre und fuhr zu ihm. Er bog gerade in einem weißen Roll Royce ums Eck, neben ihm auf dem Beifahrersitz saß eine bildhübsche Blondine. Keith nickte und sagte: „Sie gehört dir. Quasi als Einstandsgeschenk.“

Ich folgte ihm ins Haus und bekam ein Zimmer zugeteilt. Darin befand sich nur eine Matratze und eine Jukebox. Abends legte ich mich hin. Mitten in der Nacht ging plötzlich die Musik an. Mein Song ›Beck’s Bolero‹ dudelte aus der Anlage, immer und immer wieder. Es hörte nicht mehr auf, also zog ich irgendwann den Stecker.

Daraufhin kam das Mädchen vom Nachmittag herein und fragte mich: „Jeff, warum hast du die Musik ausgemacht? Keith und ich mochten sie.“ Und dann setzte sie nach: „Übrigens soll ich nicht mehr zu ihm zurück ins Schlafzimmer kommen. Er möchte, dass ich bei dir bleibe.“ Es wurde noch ein tolles Wochenende.

FRANK ZAPPA

Ich fand Frank immer am coolsten, wenn er sich über politische Themen ereifert hat. Wenn ich es mir recht überlege, hätte er wirklich einen großartigen Präsidenten abgegeben. Er kannte sich gut aus in weltpolitischen Themen und hatte außerdem einen wundervoll zynischen Unterton, wenn er mit Leuten darüber diskutierte.

1969, ich spielte noch mit Ronnie Wood in der Jeff Beck Group, hatten wir beide die grandiose Idee, unbedingt Frank kennen lernen zu müssen. Ich wusste, wo er zu diesem Zeitpunkt wohnte. Also mietete ich einen Camarro, und wir fuhren zum Laurel Canyon, wo sein Haus stand.

Um seine Aufmerksamkeit zu erregen, ließ ich direkt davor die Reifen durchdrehen, bis es nur noch nach verbranntem Gummi stank. Und natürlich bekam Frank alles mit. Er kam raus und sagte: „Jungs, die Nummer könnt ihr euch sparen. Kommt einfach so mit rein!“ Und das taten wir auch – mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht.

Rod Stewart: Was ich dich schon immer mal fragen wollte, Rod…

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Sir Rod Stewart erzählt im Zwiegespräch mit unserem Gastautor Bryan Adams von seiner Musik, dem Leben auf Tour, den Schwierigkeiten, bei der Jeff Beck Group bezahlt zu werden, seiner Leidenschaft für Modelleisenbahnen, seinem „großen Glück“ und mehr. (Text: Fraser Lewry)

Als Rod Stewart sich letztes Jahr dabei filmte, wie er ein Schlagloch in der Nähe seines Hauses in Harlow in der Grafschaft Essex selbst auffüllte, ging das Video um die Welt. Die örtlichen Behörden hatten immer wieder Hilfe verweigert, also schritt der einstige Faces-Frontmann kurzerhand selbst zur Tat, zog sich eine reflektierende Schutzweste über und nahm eine Schaufel in die Hand. Dieser Mann-des-Volks-Ansatz hat ihn zu einem Star gemacht – der Junge von nebenan mit der Stimme eines Gottes. Kein Wunder, dass Bryan Adams ihn interviewen will. Adams ist bei sich zu Hause in Vancouver. Stewart ist in seiner Wohnung hoch in den Hügeln von Beverly Hills und spielt Rod Stewart perfekt: das offene Hemd, das sorgsam zerzauste Haar, das Funkeln in den Augen, das allgegenwärtige Kichern. Er sieht sich ein Fußballspiel an, während er das Interview mit Adams führt, und es gibt genauso viel Tratsch und Scherzereien wie Geschichten über Long John Baldry, Jeff Beck und andere. Doch zunächst gibt es da natürlich das extrem wichtige Thema des Kiesschaufelns zu erörtern.

Bryan Adams: Was machen die Schlaglöcher in deiner Gegend?
Rod Stewart: Sie wurden alle repariert. Ich habe die Gemeinde und die Regierung blamiert.
Bryan Adams: Was ist denn nur das Problem der Gemeinden?
Rod Stewart: Wie die meisten Gemeinden – vor allem in Großbritannien, aber auch überall sonst – hat niemand Geld. Hier in Kalifornien ist es genau dasselbe. Schwarzenegger zog los und hat sich darum gekümmert. Hast du das gesehen? [Arnold Schwarzenegger füllte in seinem Stadtviertel Brentwood in Los Angeles Schlaglöcher auf, nachdem die Beschwerden der Anwohner an die Behörden auf taube Ohren stießen]
Bryan Adams: Ja, ich hab’s mitbekommen. Du inspirierst die Leute überall. Ich liebe diese Geschichte. Und ich bin mir sicher, dass ihr in Kalifornien keine Schlaglöcher habt, oder?
Rod Stewart: Doch, natürlich.
Bryan Adams: In deiner Gegend?
Rod Stewart: Nicht in der unmittelbaren Umgebung meines Hauses. Aber ich lebe oben in den Hügeln – in einer Privatenklave, wenn’s recht ist. Aber wenn du runter in die Stadt fährst, wird es ein bisschen holprig. Am schlimmsten war es in Mexico City. Das ist der übelste Ort in Sachen Schlaglöcher. Du kannst tagelang in ihnen verloren gehen.
Bryan Adams: Deshalb mussten sie wohl alle da runter fahren, um ein paar Löcher aufzufüllen … Aber Themawechsel. Rod, als ich Sänger wurde, gab es den Moment, in dem mir bewusst wurde: „Das ist gut. Ich habe eine Stimme.“ Was war für dich der Moment, in dem du dachtest: „Oh, ich kann singen?“
Rod Stewart: Als ich noch klein war, sechs oder sieben, hatten wir riesige Familienfeiern. Meine Eltern, meine Brüder, sie hatten alle gute Stimmen, sie konnten singen. Also war ich umgeben von Menschen, die das alle hätten machen können. Doch in meinen Beatnik-Tagen damals am Strand von Brighton, mit 16 oder 17, baten mich Leute, die Gitarre rauszuholen und dies oder jenes von Woody Guthrie zu spielen. Da dachte ich: „Ich muss wohl etwas haben.

Bryan Adams: Ich liebe die Geschichte, wie du auf einem Bahnsteig gespielt hast. Ist es wahr, dass du da entdeckt wurdest?
Rod Stewart: Yeah. Kennst du Long John Baldry? Er und Cyril Davis brachten den Blues nach Großbritannien und versuchten, Muddy Waters rüberzubringen. Ich hatte gerade seine Band gesehen und stand an Gleis 7 auf dem Weg nach Hause, und er [Baldry] stand an Gleis 6 oder wo auch immer. Ich spielte eine Mundharmonika und sang für mich selbst, einen alten Song von Muddy Waters, da kam er herüber und sagte: (in Oberschicht-Akzent) „Junger Mann, würdest du gerne als Backing-Sänger in die Band einsteigen?“ Das tat ich dann auch und so fing alles an. Ich bekam 35 Pfund die Woche, damals ein Vermögen. Der Durchschnittslohn betrug 20 Pfund die Woche.
Bryan Adams: Long John Baldry spielte vor Jahren in meiner Nähe in Vancouver, aber in einem Restaurant.
Rod Stewart: Ich habe immer noch seine Gitarre. Da steckt seine Asche drin, wenn ich sie ein bisschen schüttle, kann ich ihn also hören. Er ist immer noch bei mir.

Das ganze Interview zwischen Rod Stewart und Bryan Adams lest ihr in CLASSIC ROCK #125. Jetzt hier versandkostenfrei bestellen: CLASSIC ROCK #125.

Scorpions: Ehemaliger Drummer James Kottak verstorben

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Schlagzeuger James Kottak ist im Alter von 61 Jahren verstorben. Zwischen 1996 und 2016 spielte er bei den Scorpions. Die Band hatte die traurige Nachricht vom Tod ihres ehemaligen Drummers auf Social Media geteilt:

„Sehr traurige Neuigkeiten. Unser lieber Freund und Schlagzeuger für 20 Jahre, James Kottak, ist im Alter von 61 Jahren gestorben. James war ein wunderbarer Mensch, ein großartiger Musiker und ein liebevoller Familienmensch. Er war unser „Bruder einer anderen Mutter“ und wird schmerzlich vermisst werden. Rock’n’Roll Forever RIP James.“

Die Scorpions musste Kottak, gebürtig aus Kentucky, damals aufgrund seiner Alkoholprobleme verlassen. Über die Todesursache des Musikers ist bisher nichts bekannt. RIP, James Kottak.

Magnum: Tony Clarkin verstorben

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Mitte Dezember hatten Magnum ihre anstehende Tour aufgrund einer unheilbaren Rückenmarkserkrankung von Gründungsmitglied Tony Clarkin abgesagt. Jetzt wurde die traurige Nachricht veröffentlicht, dass der Gitarrist und Songwriter im Alter von 77 Jahren verstorben ist.

Im Namen der Familie erklärte seine Tochter Dionne Clarkin heute, dass Tony Clarkin am Sonntag, den 7. Januar 2024 nach kurzer Krankheit im Kreise seiner Töchter verstarb. 

„Ich weiß, dass Tony unzählige Menschen mit seiner Musik auf ganz unterschiedliche Arten berührt hat. Mir fehlen die Worte, um das auszudrücken, was er mir in diesem Moment bedeutet, denn die Trauer ist noch zu frisch. Wie viele wissen, hatte Tony eine besonders enge Beziehung zu Tieren. Die Familie beabsichtigt, in seinem Namen eine wohltätige Stiftung zu gründen, um in diesem Bereich zu unterstützen. Weitere Details hierzu folgen in Kürze. Wir bitten, von Blumen oder Karten abzusehen, da Tony es lieber gehabt hätte, für wohltätige Zwecke zu spenden. Es war eine Ehre, Tony meinen Vater nennen zu dürfen.“

Olly Hahn, Labelmanager von Steamhammer und langjähriger Wegbegleiter des Künstlers, äußert sich folgendermaßen zu Tony Clarkins Tod.

„Wir bei SPV/Steamhammer sind tief getroffen angesichts des Todes von Tony. Wir können nicht glauben, dass er nicht mehr unter uns ist. Mein gesamtes Team und ich hatten 22 Jahre lang das große Vergnügen, mit ihm arbeiten zu dürfen. Es waren 22 Jahre mit fantastischer Musik, gegenseitigem Vertrauen und tiefer Loyalität. Dafür sind wir ihm für immer dankbar. Ruhe in Frieden, Tony!“

Judas Priest: Neues Video zum Song ›Panic Attack‹

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INVINCIBLE SHIELD, das neue Album von Judas Priest und gleichzeitig der Nachfolger von FIREPOWER aus dem Jahr 2018, wird am 8. März 2024 erscheinen. Bereits am 13. Oktober gab es die erste Singleauskopplung namens ›Panic Attack‹ zu hören, jetzt haben die Metal Gods ein neues Video zu eben jenem Song veröffentlicht:

Judas Priest mit ›Panic Attack‹: