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Noel Gallagher: „Oasis sind vorbei“

noel gallagherJüngst hat der einstige Gitarrist und Chef von Oasis, der mit seiner neuen Band Noel Gallagher’s High Flying Birds jetzt sein zweites Album seit dem großen Trennungsdrama mit Bruder Liam veröffentlicht, noch behauptet, er würde lieber Benzin direkt aus dem Zapfhahn trinken, als sich ein Interview mit dem vermeintlichen Langweiler Alex Turner von den Arctic Monkeys durchzulesen. An dieser Aussage möge der 47-Jährige gemessen werden, als wir ihn zum Gespräch über die im Übrigen vorzügliche Platte CHASING YESTERDAY im nagelneuen und noch nach frischer Farbe stinkenden „Hotel Zoo“ am Berliner Kudamm treffen.

Bringen wir es gleich hinter uns. Wie geht es mit Oasis weiter?
Gar nicht. Es ist nicht realistisch, dass wir wieder zusammenkommen. Ich denke, das würde nicht funktionieren. Scheint vorbei zu sein.

Dein neues Album heißt CHASING YESTERDAY. Wie oft jammerst du der Vergangenheit hinterher und denkst: „Alter, wo sind nur die Jahre geblieben?“
Gar nicht, das wäre doch blöd. Ich blicke nicht zurück auf meine glorreichen Jahre. Wie stellst du dir das vor? Dass ich am offenen Fenster sitze, traurig rausgucke und denke „Mensch, Britpop, was war das doch für eine tolle Zeit“?

Womöglich.
Mach ich nicht. Schwachsinn.

Eine tolle Zeit war es ja wirklich.
War es auch. Es war fantastisch, keine Frage. Die Jahre, in denen ich mit Oasis quasi die Welt regierte, waren überwältigend und toll, ein gewaltiges Erlebnis. Aber das ist vorbei. Das Album, das ich jetzt rausbringe, ist meiner bescheidenen Meinung nach besser als DEFINITELY MAYBE und besser als (WHAT’S THE STORY) MORNING GLORY.

Ob die Leute, die nicht Noel Gallagher sind, das auch so sehen?
Bestimmt nicht. Ich werde von CHASING YESTERDAY weniger Platten verkaufen, es wird weniger Menschen geben, die dieses Album so lieben werden wie DEFINITELY MAYBE. Die Songs werden auch nicht den gesellschaftlichen Donnerhall auslösen wie ›Don’t Look Back In Anger‹ oder ›Wonderwall‹. Dennoch: Die neue Platte ist besser! Außerdem: Die alten Songs gehen ja nicht weg.

„Apple hat die ganze Welt zerstört und ist schuld daran, dass so etwas wie Jugendkultur gar nicht mehr existiert.“

Das ist wahr. Dennoch: Man wartet schon recht lange auf ein ähnliches kulturelles Erdbeben, wie es der Britpop vor rund 20 Jahren war. Was ist los?
Es sieht tatsächlich so aus, als sei Britpop die letzte große Sache gewesen, auf die alle standen oder zu der alle eine Meinung hatten. Kurz darauf kamen Mobiltelefone und das Internet. Apple hat die ganze Welt zerstört und ist schuld daran, dass so etwas wie Jugendkultur gar nicht mehr existiert.

Als vor drei Jahren dein erstes Soloalbum erschien, hast du gesagt, wie schwer es dir fällt, plötzlich der Frontmann zu sein. Hast du dich an die Rolle gewöhnt?
Geht so. Wahnsinnig wohl fühle ich mich als Rampensau immer noch nicht, aber ich muss wohl ganz gut gewesen sein. Jedenfalls waren die Karten meiner kommenden Tour in zehn Minuten ausverkauft. Ich will einfach meine Songs zu den Leuten bringen. Ob ich jetzt ein guter Frontmann bin oder ob es bessere gibt, darüber denke ich schon lange nicht mehr nach.

Manche Stücke, etwa ›Lock All The Doors‹, klingen ziemlich vertraut und nach Oasis…
Das ist doch normal, oder? Ich habe eine Vollbremsung hingelegt am Ende von Oasis, und danach fuhr ich langsam wieder hoch. Ich schreibe ja auch immer noch so, wie ich damals geschrieben habe. Doch es gibt auch Songs, die sind ewig weit davon entfernt. ›Riverman‹ zum Beispiel.

Da kommt sogar ein Saxofon drin vor.
Ja, unglaublich, oder? Und es hört sich geil an. So etwas machst du aber nur, wenn du Selbstvertrauen hast als Songschreiber und Produzent.

Gregg Allman: Southern Rock-Pionier mit 69 Jahren gestorben

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Gregg Allman, Southern Rock-Pionier und Sänger der Allman Brothers Band, ist tot. Er ist am Samstag in seinem Haus in Savanna „friedlich verstorben“.

Zusammen mit seinem Bruder Duane Allman gründete Gregg 1969 The Allman Brothers Band. Mit ihrem Live-Album AT FILLMORE EAST gelang dem Sextett aus Macon, Georgia, 1971 der endgültige Durchbruch. Dieser Erfolg wurde jedoch durch den tragischen Unfalltod von Duane überschattet. Er verunglückte mit seinem Motorrad am 29. Oktober des selben Jahres und wurde nur 24 Jahre alt. Ein Jahr später starb auch Bassist Berry Oakley bei einem Motorradunfall, nicht weit von der Stelle, die Duane zum Verhängnis wurde.

1973 erschien BROTHERS AND SISTERS, das die bis heute bekanntesten Hits der Band ›Ramblin‘ Man‹ und ›Jessica‹ enthält. Danach begann das Bandgefüge weiter zu bröckeln und Gregg Allman startete seine Solokarriere. 1976 gaben die verbliebenen Mitglieder das Ende der Allman Brothers Band bekannt, um sich 1978 bis 1980 wieder zusammen zu schließen. Danach spielten sie immer mal wieder zusammen und veröffentlichten in den 90ern und Anfang der 00er Jahre insgesamt vier Alben. Sie verkauften bis heute mehr als neun Millionen Tonträger. 1995 wurde die Gruppe in die Rock’n’Roll Hall Of Fame aufgenommen, 2012 erhielt sie einen Grammy für ihr Lebenswerk.

1975 heiratete Gregg Allman die Sängerin Cher in Las Vegas, die nach nur neun Tagen die Scheidung einreichte, diese jedoch wieder zurückzog. Beide brachten im selben Jahr zusammen das Album ALLMAN AND WOMEN heraus, zwei Jahre später trennte sich das Musikerpaar jedoch endgültig. Sie haben einen gemeinsamen Sohn, Elijah Blue Allman, der ebenfalls Musiker ist.
Sein zweiter Sohn aus einer anderen Beziehung, Devon Allman, ist auch Musiker und spielt unter anderem bei der Royal Southern Brotherhood.

Gregg Allman war die letzten Jahrzehnte weiterhin erfolgreich als Solomusiker unterwegs und prägte die Southern Rock-Szene ungemein. Sein letztes Studioalbum LOW COUNTRY BLUES erschien 2011 und war das erfolgreichste seiner Karriere mit Platz 5 in den amerikanischen und Platz 89 in den deutschen Albumcharts. Seine größten Single-Hits waren ›Midnight Rider‹ (1973) und ›I’m No Angel‹ (1987).

Gregg Allman kämpfte über Jahre mit Alkohol- und Drogenproblemen, bis er in den 90er Jahren einen Entzug machte. Jahre später litt er an Hepatitis C. Die Krankheit schädigte seine Leber dermaßen, dass ihm 2010 eine transplantiert werden musste. Im letzten Jahr hatte Allman aus gesundheitlichen Gründen mehrere Tourdaten abgesagt, im März cancelte er alle Konzerte für das Jahr 2017. Am Samstag, den 27. Mai 2017, verstarb der Sänger friedlich in seinem Haus in Savannah, Georgia. Er wurde 69 Jahre alt.

Steven Van Zandt: Vom Rocker zum Mafioso

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little stevenEr hat einen Körper wie ein Boxer, spielt seit vier Jahrzehnten Gitarre in Bruce Springsteens E Street Band und macht auch als Mafioso in „Die Sopranos“ und „Lilyhammer“ eine glaubhafte Figur. Die Rede ist natürlich von Little Steven alias Steven van Zandt, dem Mitbegründer des Jersey Shore, einer Mixtur aus Rhythm‘n‘Blues, Soul und Rock‘n‘Roll. In seinem ersten Soloalbum seit 18 Jahren lässt der inzwischen 66-jährige Sänger und Gitarrist Soul-Bläser auf elektrifizierten Rock‘n‘Roll treffen. Wir sprachen mit Little Steven über seinen Kumpel Bruce und die Ge­­schichte des Rock‘n‘Roll.

Text: Olaf Neumann

Mit den Disciples Of Soul spielst du nach langer Zeit erstmals wieder in Deutschland. Freust du dich darauf?
Ich habe in den späten 70ern und frühen 80er Jahren zwei oder drei Rockpalast-Shows in Deutschland und einige Clubkonzerte gespielt. Ich freue mich darauf, zurückzukehren. Ich glaube, es ist genau der richtige Zeitpunkt und wird sicher abenteuerlich werden.

Wie ist es, mit 15 Musikern auf Tournee zu gehen?
Nun ja, ein bisschen kompliziert. Mit dieser Tournee kehre ich zurück zum Sound meines ersten Albums mit Southside Johnny & The Asbury Jukes. Dafür braucht es einfach solch eine große Band. Packen wir’s an!

Dein Comebackalbum SOULFIRE enthält Neufassungen von Songs, die du im Lauf deiner Karriere für andere Künstler geschrieben, arrangiert oder produziert hast.
Genau, ich covere Songs, die ich ursprünglich für befreundete Künstler geschrieben habe. Ich bin meinen Karriereweg noch einmal zurückgegangen, indem ich Titel herausgepickt habe, die mir persönlich etwas bedeuten. Es war eine schöne Reise zurück zu meinen Wurzeln. Es fühlte sich an wie eine Wiedergeburt, weil diese Platte dort ansetzt, wo ich vor etwa 20 Jahren aufgehört habe, als ich mit der Schauspielerei begann.

›Love On The Wrong Side Of Town‹ ist eine Zusammenarbeit mit Bruce Springsteen und erschien ursprünglich 1977 auf dem ersten Southside-Johnny-Album THIS TIME IT‘S FOR REAL. Wie kam es dazu?
Nun, Bruce hatte die Idee zu dem Eröffungs-Riff, ich griff sie auf und entwickelte daraus einen kompletten Song. Ich wünschte, wir hätten mehr zusammen geschrieben. Damals schickte man noch keine Soundfiles hin und her, alles, was auf meiner Platte zu hören ist, ist in Echtzeit in ein- und dem selben Raum entstanden.

Du kennst Bruce Springsteen wahrscheinlich länger als jeder andere. Was ist das Ge­­heimnis eurer Freundschaft?
Alles, an das wir glauben, hat etwas mit Rock‘n‘Roll zu tun. Rock‘n‘Roll ist unsere Religion. Das war sie schon immer. Wir stammen beide aus einer Zeit, als der Rock‘n‘Roll noch keine Industrie war. Er war in den Sixties noch nicht mal ein Business. Wir waren damals Freaks, Sonderlinge, Außenseiter. Aber wir waren hartnäckig und glaubten an uns. Wir hatten auch gar keine andere Wahl, mit 15 wollte ich nichts anderes als Rock‘n‘Roll spielen. Das hatte ich mit Bruce gemein. Es war schön, einen Kumpel zu haben, der genauso tickte wie ich. Wir haben uns immer gegenseitig bestärkt und sind bis heute Freunde geblieben. Wir kennen uns sehr, sehr gut. Wenn wir nicht gerade zu­­sammen auf Tour sind, sehen wir uns vielleicht einmal im Monat.

Hast du für dein Album auch gänzlich neues Material geschrieben?
Nicht so viel. Meine bisherigen Platten waren Konzeptalben mit sehr spezifischen Themen. Diesmal entschied ich mich, mich selbst zum Konzept einer Platte zu machen. Auf SOULFIRE stelle ich mich mir selbst und jenen Leuten vor, die mich aus dem Fernsehen, von meinen alten Scheiben oder von meinen Radiosendungen kennen. Mir war lange nicht bewusst, dass ich mein eigenes Genre kreiert habe: Rock meets Soul. Dieser Sound begann mit Southside Johnny & The Asbury Jukes und fand seine Fortsetzung auf meinen ersten Soloalben. Später habe ich mich mit meinem Solo-Stoff in verschiedene Richtungen entwickelt. Aber das, was mich am meisten ausmacht, ist eben Rock meets Soul. Auf dem Album sind auch zwei gänzlich neue Songs und zwei Cover-Versionen von Etta James und James Brown drauf.

›Down And Out In New York City‹ ist ein Song, der ursprünglich auf James Browns Album BLACK CESAR erschienen ist. Was interessiert dich als weißen Sänger an dieser schwarze Hymne?
(lacht) Meine komplette Karriere ist durchsetzt von schwarzer Musik. James Brown ist für mich ein zentraler Einfluss gewesen neben einem Dutzend weiterer schwarzer Künstler wie Smokey Robinson oder Marvin Gaye. Ich liebe Blaxploitation. Das ist ein Film-Genre: billige B-Movies mit schwarzen Helden während der Black-Power-Ära. In den 70er Jahren wurden et­­wa 50 solcher Streifen gedreht, einige von ihnen hatten fantastische Titelsongs. Zum Beispiel Marvin Gays ›Troubleman‹, Isaac Hayes‘ ›Shaft‹ oder Bobby Womacks ›Across 110th Street‹. ›Down And Out In New York City‹ von James Brown war immer mein Lieblingssong aus dieser Ära. Ich mag das Arrangement so sehr, dass ich ihn jetzt aufgenommen habe.

1985 hast du das Hilfsprojekt Action United Against Apartheid zugunsten politischer Gefangener in Südafrika gegründet. Unterstützt du heute die US-Bürgerrechtsbewegung Black Lives Matter?
Ich engagiere mich politisch nicht mehr so stark wie früher. Ich stecke meine Energie heute hauptsächlich in Projekte zur Bewahrung des echten Rock‘n‘Rolls. Ich habe ein Archiv ge­­gründet und betreibe seit 15 Jahren eine Radioshow zu diesem Thema. Ich möchte sicherstellen, dass die jungen Menschen von heute uneingeschränkten Zugang haben zu der Musik der 50er und 60er Jahre. Mir ist sehr wichtig, diese großartige, starke und emotionale Musik als Quelle der Inspiration lebendig zu halten.

Die Geschichte des Rock steht im Mittelpunkt deiner Rock‘n‘Roll-Forever-Stifung. Sollte dieses Wissen zur Allgemeinbildung ge­­hören?
Ja, auf jeden Fall. Es wird auch heute noch großartige Rockmusik gemacht, aber die Musik, die auch in Zukunft noch Bedeutung haben wird, ist in den 20 Jahren zwischen 1951 und 1971 entstanden. Ich bin mir absolut sicher, dass sie auch zukünftige Generationen noch inspirieren wird. Für mich ist die Musik dieser Ära Klassik, gemacht für die Ewigkeit. Die Kids sollten sich lieber an dem wahren Echten orientieren als an dem mediokren Kram, der die Mainstreamkultur von heute dominiert.

Du hast persönlich miterlebt, wie der Rock‘n‘Roll in den 60er Jahren die Kultur komplett verändert hat. Wie erinnerst du dich daran?
Eine Zeitlang wurde die Mainstreamkultur von cooler Gitarrenmusik dominiert. Das kommt einem rückblickend ein bisschen seltsam vor, aber die 60er Jahre bilden die Grundlage der heutigen Kultur.

Kiss: München, Olympiahalle (18.05.2017)

Alles beim Alten: Pyromanische Megalomanie

Es zählt nicht zu den leichtesten Übungen, der gähnenden Leere einer großen Bühne zu trotzen. Schon gar nicht, wenn man nur zu dritt ist und dieselben Bretter kurz später geradezu überquellen werden vor aberwitzigem Show-Tand. Trotz dieses Gefälles schlagen sich die Briten von RavenEye wacker mit ihrem eingängigen Rock’n‘Alternative und hinterlassen nach An­­stimmen eines Au­­dioslave-Riffs zu Ehren von Chris Cornell ein leicht angeheiztes Publikum. So richtige Bombenstimmung ist an jenem Abend auch gar nicht von der Fangemeinde zu erwarten.

Selbst als die „hottest band in the world“ mit einem großen Knall bei ›Deuce‹ auf die Bühne kommt, ist der Applaus zwar groß, wirklich ausflippen sieht man hingegen nur Wenige. Von wegen ›Flaming Youth‹ und so. Natürlich bieten sowohl Setlist als auch Show keine großen Überraschungen mehr. Bei Kiss geht die Spontaneitätsrate eher gegen Unternull, oder um es mit den Worten eines Freundes zu sagen: „Kiss sind die eifrigsten Fließbandarbeiter der Rockwelt.“ Wobei das mitnichten kritisch gemeint ist. Wo Kiss draufsteht, ist eben auch Kiss drin.

Jeder Knall sitzt absolut perfekt, jeder Funke sprüht spektakulär und präzise genau. Als Tommy ›Shock Me‹ zum Besten gibt, versengt es den ersten Reihen kollektiv die Haarkränze, bei ›God Of Thunder‹ wird der kunstblutende Demon in „Rekordgeschwindigkeit“ an zwei Schnüren auf sein Podest gezogen. Klassisch. Amüsant. Wunderbar. Neu mit an Bord: Paul Stanleys Fell-Schwänzchen am Po, mit dem er ko­­kett vor des Publikums Nasen wedelt sowie ein leider gestrichenes ›Love Gun‹…diese verdammichten Diva-Stimmbänder wieder! Als krönender Ab­­schluss werden bei ›Rock And Roll All Nite‹ – siehe da! Die Leute wachen auf – sämtliche Konfettivorräte dieses Planeten verpulvert und beim Grande Finale Infernale verpassen Kiss ihren Fans auf den letzten Metern mit ›Detroit Rock City‹ nochmal einen stattlichen Tinnitus. Trotz der stellenweise schläfrigen Kiss Army verlässt man freudestrahlend und völlig befriedigt die volle Halle. Es schepperte an allen Ecken und Enden, die Gehörgänge rauschen immer noch. Das Kiss-Prinzip eben. Beim Hinausgehen summe ich leise „Jacque-Line, make me feel better“. Ich bilde mir ein, Tommy hätte es so gesungen.

Review: Midnight Oil – FULL TANK

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midnight oilDie etwas unbillige Komplettdiskografie.

Midnight Oil. Wo fange ich an? Man muss Australier sein, um den Stellenwert dieser Band im Ganzen zu er­­fassen. Man kann sich auch FULL TANK für knapp 180 Stecken kaufen und zehneinhalb Stunden Peter Garretts Stimme und vor allem Texten lauschen. Midnight Oil sind eine Art australisches Nationalheiligtum, nicht zuletzt durch ihr politisches Engagement. Garrett ist einer der wenigen Rockmusiker, die während ihrer Karriere auch ein politisches Amt an exponierter Stelle am grünen Flügel inne hatten. Das wäre ungefähr so, als wenn hierzulande Wolfgang Niedecken in den Bundestag gewählt und zum Umweltminister ernannt worden wäre, und BAP während einer Legislaturperiode hätten pausieren müssen.

„Midnight Oil sind wie ein kräftiger Rot­­wein. Der erste Schluck ist herb-fruchtig und du bist dir nicht ganz sicher, ob du ihn nun magst oder nicht. Dann nimmst du einen weiteren Schluck und entdeckst neue Facetten, die dir munden. Wir gehen bei unseren politischen Aussagen sehr be­­sonnen vor und wollen die Leute aufrütteln und ihr Bewusstsein schärfen. Manchmal ist unsere Botschaft hässlich, aber sie ist immer echt.“ Das sagte Garrett 2002 in einem Interview zu mir, die Band hatte gerade Album Nr. 11, ihr letztes, CAPRICORNIA vorgelegt. 2017 spielen sie nun wieder zusammen, und deswegen macht so ein opulentes Superdeluxe-hastenichtgesehen-Ölfass der „Oilers“ auch Sinn. Da ist eben noch so viel mehr Vermächtnis neben DIESEL & DUST, dem allseits bekannten Chartbreaker.

Neu, und ebenfalls dabei: Die DVD 40.000 WATT RSL mit allen Mu­­sik­videos der Band. Das Fass ist aus Recyc­lingmaterial, und war zeitlebens eine markante Bühnen­utensilie. Die zwei EPs der Band sind auch dabei, alternative Albumcover, Infomaterial… Vollbedienung.

Ohne Wertung

Midnight Oil
Full Tank
Sony Legacy/Sony

Bad Company – RUN WITH THE PACK/BURNIN‘ SKY

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run with the packLuxus-Behandlung für Paul Rodgers und seine Spießgesellen.

Bad Company wurde die Ehre zuteil, die erste Band zu sein, die auf Led Zeppelins neugegründetem Label Swan Song Records ein Album veröffentlichen durfte – noch vor Led Zep höchstselbst. Nach dem endgültigen Aus von Free formierte Sänger Paul Rodgers zusammen mit Free-Schlagwerker Simon Kirke, Mott-The-Hoople-Gitarrist Mick Ralphs und King-Crimson-Tieftöner Boz Burrell Bad Company: eine waschechte Super­group. Bereits der Erstling von 1974 schlug ein wie eine Bombe und landete auf der Pole-Position der US-Billboard-Charts. Der Nachfolger STRAIGHT SHOOTER (1975) war ebenbürtig und fast genauso erfolgreich.

Mit den nun dargebotenen RUN WITH THE PACK (1976) und BURNIN‘ SKY (1977) setzt sich die 2015 hochwertig begonnene Deluxe-Serie fort. Das dritte Werk RUN WITH THE PACK kann mit den Vorgängern in Sachen Qualität und Erfolg nahezu mithalten und hat mit dem Titeltrack und dem The-Coasters-Cover ›Young Blood‹ zwei amtliche Hits im Gepäck. BURNIN‘ SKY kann das Erfolgsniveau nicht halten, ist aber kaum schlechter als die Vorläufer. Das Cover ist dem ’69er-Film „The Wild Bunch“ nachempfunden und die fiktive Band Stillwater aus dem Cameron-Crowe-Block­buster „Almost Famous“ klaut das Artwork für ihr erstes Shirt. Neben unzähligen Demos, alternativen Mixen und Edits sind es vor allem die zwei unveröffentlichten Songs ›Let There Be Love‹ und ›Un­­finished Business‹, die hier für reges Interesse sorgen sollten. Verteilt sind sie schlauerweise auf beide Alben…

RUN WITH THE PACK: 8/10
BURNIN‘ SKY: 7/10

Bad Company
RUN WITH THE PACK/BURNIN‘ SKY
RHINO/WARNER

Video der Woche: Aerosmith – ›Sweet Emotion‹

Aerosmith touren endlich wieder durch’s Land! In unserem „Video der Woche“ führen sie uns zurück in eine Zeit, in der es noch „heiße Nummern“ am Telefon gab.

1991 war das. Damals drehten Aerosmith unser aktuelles „Video der Woche“. Irgendwie unschuldig, witzig und am Ende für einige damalige Teenager sicherlich ernüchternd – so war er, der Clip zum Re-release ihres Songs ›Sweet Emotion‹, der ursprünglich 1975 auf TOYS IN THE ATTIC erschienen war.

Gerade gastieren Aerosmith für insgesamt drei Shows in Deutschland. Nach München stehen nun noch Konzerte in Berlin und Köln aus.

Viel Spaß mit Aerosmith und ›Sweet Emotion‹:

Emerson Lake And Palmer – WORKS VOL. 1 + WORKS VOL. 2

emerson lake palmerGelungene Wiederveröffentlichungen aus großen ELP-Tagen.

Nicht erst die tragischen Tode des genialen ELP-Organisten und Pianisten Keith Emerson und seines früheren Bandkollegen Greg Lake im vergangenen Jahr haben allen Musikfans die außerordentliche Bedeutung des wohl besten Progressive-Rock-Trios aller Zeiten ins Bewusstsein zurückgerufen. Hier waren Könner am Werk, als Band wie auch als Solisten. Deutlicher als auf der 1977er-Scheibe WORKS war das nie zuvor kommuniziert worden. Hier durfte Keith Emerson sein Klavierkonzert mit dem London Philharmonic Orchestra realisieren, Greg Lake eine Balladensammlung beisteuern und Carl Palmer seine eigene (musikalische) Sicht der Dinge äußern. Das Finale bestand aus dem hymnischen ›Fanfare For The Common Man‹ und ›Pirates‹, die ELP dann als gewohntes Trio aufnahmen.

Nur wenige Monate später folgte im Herbst 1977 die Veröffentlichung von WORKS VO­­LUME II, unter anderem mit bis dato unbekannten Songs aus der Entstehungsphase von BRAIN SALAD SURGERY (1973), ein im Vergleich zu WORKS I zwar ebenso virtuoses aber dennoch eher konventionelles Werk. Beide nun auf Dop­pel-CD wiederveröffentlichten Scheiben umfassen rare Fotos und Liner-Notes mit neueren Band­­interviews sowie einen den heutigen Hörge­wohnheiten angepassten, remasterten Sound. Dem Material von WORKS II wurden überdies noch die Aufnahmen der 1979er-Konzertscheibe IN CON­CERT hinzugefügt. Für eingefleischte ELP-Fans ist das aller Voraussicht nach nichts wirklich Neues, für alle anderen Prog-Fans aber absolut hörenswert.

(WORKS I): 8/10
(WORKLS II): 7/10

Emerson Lake And Palmer
WORKS VOL. 1 + WORKS VOL. 2
BMG/ADA