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Marilyn Manson: Johnny Depp und viel nackte Haut im ›KILL4ME‹-Video

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Johnny Depp spielt im neuen Video von Marilyn Manson mit.Es gibt ein neues Musikvideo zur Single ›KILL4ME‹ von Marilyn Manson. Neben viel nackter Haut ist darin ein unersättlicher Johnny Depp zu sehen.

Nicht ganz so provokant wie gewohnt, dafür aber explizit wie eh und je: Im neuen Musikvideo zu ›KILL4ME‹ lässt Marilyn Manson tief in die sexuellen Abgründe eines doch sehr unkeuschen Johnny Depp und seiner Spielgefährtinnen blicken.

Zum zweiten Mal in Folge tritt Depp in einem von Mansons Werken auf. Bereits vor einem Monat erschien der Clip zu ›SAY10‹ vom aktuellen Album HEAVEN UPSIDE DOWN und zeigte den Schauspieler in der Hauptrolle.

Zum Titel des Songs meinte Mansons gegenüber Loudwire: „Manche würden behaupten: ‚Würdest du für mich töten?‘ ist eine Frage. Aber es ist mehr eine unterschwellige Drohung als eine Frage. Es ist ein Ultimatum, denke ich.“

Explicit Content… Hier den Clip zu ›KILL4ME‹ sehen:

Im Sommer 2018 konzentriert sich Johnny Depp wieder vermehrt auf seine musikalische Karriere und geht mit seinen Kollegen Alice Cooper und Joe Perry von Aerosmith – besser bekannt als The Hollywood Vampires – auf Tour.

Guns N‘ Roses: ›Paradise City‹ zusammen mit Dave Grohl

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Guns N' Roses spielen ›Paradise City‹ zusammen mit Dave Grohl von den Foo Fighters.In Tulsa, Oklahoma holten sich Guns N‘ Roses am 14. November keinen Geringeren als Dave Grohl von den Foo Fighters auf die Bühne.

Guns N‘ Roses geizen auf ihrer aktuellen „Not In This Lifetime“-Tour nicht mit berühmten Kooperationspartnern: In diesem Jahr holte die Truppe Größen wie Pink, Angus Young von AC/DC oder Billy Gibbons von ZZ Top zu sich auf die Bühne.

Auch beim gestrigen Auftritt in Tulsa, Oklahoma ließen sich die Gunners nicht lumpen: Für ›Paradise City‹ erschien Dave Grohl von den Foo Fighters.

Nachdem Axl Rose ihn als „lifesaver“ angekündigt hatte – schließlich hatte Grohl dem 2016 am Fuß verletzten Axl zu Beginn der Guns N‘ Roses-Tour mit seinem Thron ausgeholfen – unterstützte er die Band freundschaftlich und tatkräftig an Gitarre und Mikrofon.

Hier Guns N‘ Roses mit Dave Grohl sehen:

Ganz so gut war das Verhältnis zwischen Grohl und Guns N‘ Roses jedoch nicht immer. Im Laufe seiner Karriere hat sich der Frontmann der Foo Fighters und ehemaliger Schlagzeuger von Nirvana nicht nur einmal über die „gefährlichste Band der Welt“ lustig gemacht.

Vor allem in den 90er Jahren kam es immer wieder zu Eklats zwischen Nirvana und Guns N‘ Roses. Kurt Cobain und Axl Rose konnten sich nicht ausstehen.

Drei fiese Kommentare zu Guns N‘ Roses von Dave Grohl:

Dave Grohl macht sich in einem Interview über Slash lustig:

Bei den MTV Video Music Awards 1992 herrscht dicke Luft zwischen den beiden Bands. Dave Grohl veräppelt Axl Rose auf der Bühne:

Bei Rock In Rio 2004 dankt Grohl Guns N‘ Roses für ihre Absage mit dem Song ›Stacked Actors‹:

Song-Premiere: Television Personalities mit ›If You Fly Too High‹

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Television Personalities Beautiful DespairMit BEAUTIFUL DESPAIR erscheint im Januar ein bisher unveröffentlichtes Album der Television Personalities. Jetzt gibt’s mit ›If You Fly Too High‹ einen der Songs daraus zu hören.

In den Jahren von 1989 bis 1990, zwischen den Aufnahmen zu ihren Platten PRIVILEGE und CLOSER TO GOD spielten die Post-Punker und Psychedelic-Rocker von den Television Personalities mehrere Songs für ein Album ein, das am 26. Januar unter dem Namen BEAUTIFUL DESPAIR heraus kommt.

Das jetzt veröffentlichte ›If You Fly Too High‹ wurde laut Bassist und Gitarrist Jow Head von einer Begegnung mit Lemonheads-Frontmann Evan Dando in Berlin inspiriert: „Wir spielten mit ihnen zusammen einen denkwürdigen Gig im Ecstasy Madhouse im Dezember 1989, als die Mauer gefallen war. Aufregende Zeiten.“

Die Television Personalities mit ›If You Fly Too High‹:

Kadavar im Interview: Neukölln über alles

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„Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch, Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen, wo man geht und steht – aber mir tun alle Menschen leid, die nicht hier leben können!“ (Anneliese Bödecker)

Der Aufstieg einer der besten jungen Rock-Bands dieses Landes ist untrennbar mit Berlin verbunden. Mit Licht und Schatten der Hauptstadt, mit den ungeahnten Möglichkeiten und klaffenden Abgründen. Auf ihrem vierten Album ROUGH TIMES drehen Kadavar Bass und Schlagzeug besorgniserregend stark auf, adressieren die Lage der Nation – und schreiben die erfolgreichste deutsche Classic-Rock-Geschichte der Neuzeit laut, dröhnend und mit dem richtigen Quäntchen „Fuck off!“-Attitüde fort. Woher die kommt, fand CLASSIC ROCK bei einem exklusiven Besuch in ihrer Neuköllner Heimat heraus.

Sie ist eine Welt für sich, die Sonnenallee. Von ihren knapp fünf Kilometern Länge durchschneidet sie auf glatten viereinhalb den Bezirk Neukölln, der Rest liegt in Treptow-Köpenick. Nicht zuletzt durch Leander Haußmanns gleichnamige Komödie von 1999, in der sich einige Abiturienten zwischen NVA und den Stones entscheiden müssen, wurde die Sonnenallee zur wohl berühmtesten geteilten Straße der deutsch-deutschen Vergangenheit. Von der DDR ist hier nicht mehr viel zu spüren. Heute nennt man die Sonnenallee schon mal arabische Straße, es gibt orientalische Backwaren, Shisha-Bars, syrische Restaurants. 4.500 Meter, die Berlin als das zeigen, was es ist: Ein vor Leben überschäumender Ort, ein Schmelztiegel der Nationen, Kulturen, Stände und fragwürdigen Modeentscheidungen. Nicht immer schön, manchmal dreckig, oft laut, immer aber herzlich und echt.

Kein Wunder, dass sich eine Band wie Kadavar hier wohlfühlt. Seit die erfolgreichsten deutschen Vertreter der Classic-Rock-Renaissance ihren Aufstieg 2012 mit dem selbstbetitelten Debüt begannen, ist eine Menge passiert. Mit drei Alben tourte das Trio um die Welt, spielte in den Staaten, auf dem Wacken, in ganz Europa. Die beiden Christophs der Band, Sänger und Gitarrist Christoph „Lupus“ Lindemann sowie Schlagzeuger Christoph „Tiger“ Bartelt stehen unter einer Unterführung, gekleidet, als würde es gleich auf die Bühne gehen. Bartelt, ohnehin auffällig groß, mit extrem enger Hose, Hosenträgern und kurzer Weste, Lindemann ge­­schmacksicher mit Electric-Wizard-Shirt. Beide kamen vor über zehn Jahren in die Hauptstadt, Lindemann aus Thüringen und Bartelt aus Münster. „In Thüringen habe ich mich schon an einem Fließband in einer Fabrik enden sehen“, so der Sänger. „Ich wusste, dass ich früher oder später weg musste.“ Bei Bartelt war es nicht ganz so ernst, dennoch hielt er die westfälische Provinz irgendwann nicht mehr aus.

Ein Herz für den Kiez

An der Universität lernten sie sich kennen, lärmten vor Kadavar noch in einem wüsten Crust-Punk-Moloch. Bis auf den 2013 dazugekommenen Bassisten Simon „Dragon“ Bouteloup wohnen sie alle hier in Neukölln, jetzt haben sie sich auf einem reichlich derangierten und charmant verwahrlosten Gelände auch ein Studio gebaut. Warum ausgerechnet hier? Lindemann muss nicht lange überlegen: „Neukölln ist laut, dreckig, roh. Ein Topf verschiedenster Menschen und Geschichten, der natürlich interessant, aber eben auch teilweise schwierig ist.“ Schwierig sei aber vor allem die Berichterstattung der Boulevardmedien, schränkt Schlagzeuger Bartelt ein. Die stürze sich immer auf die Probleme und missachte dabei, dass Neukölln ein natürlich gewachsener Bezirk sei. „Ich gehe zehnmal lieber in eine der Kiezkneipen hier als für ein Bier das Doppelte in einer der Hipster-Bars hinzublättern“, meint er. „Die wollen doch gar nichts zum Viertel beitragen und machen nur das, was gerade angesagt ist.“

Was ihre Schnauze angeht, sind die beiden schon waschechte Berliner. Sie fühlen sich sichtlich wohl hier, wie sie zwischen all den anderen Gestalten über die unprätentiöse Sonnenallee ziehen. Hier lenken Typen wie diese beiden keine Blicke auf sich. Hier kennt man ganz anderes. Das war in Berlin schon immer so. Bowie und Iggy Pop erfuhren das in Schöneberg, Nick Cave in Kreuzberg. Jetzt eben Kadavar in Neukölln. Mittlerweile haben sie sich eine erstaunliche Karriere aufgebaut, die ohne Rückschläge und größere Katastrophen auskam – auch das geht in Berlin. „Die meisten lassen sich erst mal von Berlin schlucken“, meint Lindemann bei einem kurzen, aber unvermeidlichen Späti-Zwischenstopp. „Erst mal abstürzen, feiern und überall nur noch zu spät kommen.“ Für Kadavar kam das nie in Frage. Ihr Alltag lässt das heute auch gar nicht mehr zu. Das Trio verbringt einen nicht unerheblichen Teil des Jahres auf Tourneen oder Festivals, hat weder die Zeit noch die Muße, sich dazwischen tagelang vom Nachtleben schlucken zu lassen. Lieber kümmern sie sich um ihre Band, machen schon jetzt viel selbst. Zwar bei Nuclear Blast unter Vertrag, sind die drei doch Herr ihrer Entscheidungen geblieben, lassen sich ungern bis gar nicht reinreden. „Langfristig bringt das doch nichts“, stellt Schlagzeuger Bartelt bei einer Einkehr in den Rixdorfer Bierstuben klar. Bier zwei Euro, am Aktionstag eins fünfzig. Dazu Spielautomaten, Memorabilia, rauchschwere Luft. Kiezkneipe eben, kauziger Wirt inklusive. Und weil Kadavar lieber einen Schritt nach dem anderen gehen, natürlich wachsen und nichts überstürzen, überwachen sie die eigene Progression mit Adleraugen.

Hier Rock, nebenan Techno

Zu dieser Einstellung passt auch das neue Studio, das die Band eigenhändig aufgebaut hat. Im ehemaligen Atelier eines verschroben nen Künstlers, mit einem halblegalen Techno-Club direkt nebenan auf derselben Etage und Autoschrauber-Butzen unten an der Straße – archetypischer Berlin geht nun wirklich nicht. Lindemann und Bartelt erklimmen die Treppe in den dritten Stock, seit fast zwei Wochen waren sie nicht mehr hier. Vor dem Studio türmen sich die Überreste der einen oder anderen langen Partynacht im Club gegenüber. Sie räumen nonchalant die Tür frei, hier stört sich niemand daran. „Wir haben sogar schon mal in dem Club gespielt“, meint Lindemann beiläufig, dann betreten wir das neue Reich der Band. Noch bevor eine Note des neuen Albums ROUGH TIMES geschrieben wurde, bauten die drei die Räumlichkeiten ganz nach ihren Vorstellungen um. Lager, Aufnahmestudio mit frei beweglichen Raumteilern, Regieraum, Klo. Eine kleine Küche soll noch folgen, doch schon jetzt lässt es sich hier hervorragend arbeiten.

„Irgendwann haben wir endgültig festgestellt, dass unser altes Studio nicht mehr ausreicht“, so Lindemann. „Es war erstens viel zu weit weg von uns, war zweitens viel zu klein und drittens vollgestopft mit Equipment. Uns war klar, dass wir an diesem Ort weder Songs schreiben, noch aufnehmen konnten, also haben wir uns was Neues gesucht.“ Die Feuchte im alten Studio beschleunigte den Entscheidungsprozess, das neue Studio wurde tatsächlich über eine Annonce gefunden. Wie in der guten alten Zeit. „Wir machten aus einem großen Raum vier einzelne Räume, haben Stromleitungen selbst verlegt, Wände eingezogen und waren vier Monate lang täglich als Handwerker unterwegs. Anfang des Jahres sind wir dann umgezogen und haben ROUGH TIMES innerhalb von zwei Monaten geschrieben.“ Der Bau des Studios gehörte zum Prozess der neuen Platte, betont Schlagzeuger Bartelt. „Alles fing mit einem weißen Raum an – und ein halbes Jahr später kam dieses Album dabei heraus.“

Metallica – MASTER OF PUPPETS DELUXE BOX SET

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Metallica Master Of Puppets

Meister der Marionetten: fulminanter Archiv-Rundumschlag auf vier Tonträgerformaten!

Meilensteine entstehen zufällig und nicht geplant. Solo­­gitarrist Kirk Hammett jedenfalls erinnert sich an die Aufnahmen des dritten Studiowerks folgendermaßen: „Wir machten schlicht unser nächstes Album. Dass das Material sich als so einflussreich erweisen sollte, war uns nicht klar. Allerdings war es der erste Songzyklus, bei dem die Bandchemie stimmte und sich ein ureigener Stil definierte.“ MASTER OF PUPPETS (1986), allein in den Staaten für rund fünf Millionen abgesetzte Kopien mit sechsfachem Platin ausgezeichnet, bleibt in der Metal­lica-Folklore bis heute eines unter gleich mehreren Aus­nahme­werken.

Nicht nur wegen diverser Songklassiker (u.a. der mit klassischem Akustikintro versehene Opener ›Battery‹, das majetätisch-düstere ›Welcome Home (Sanitarium)‹, die UFO-Hommage ›Orion‹), seines eindringlichen Konzeptes über Fremdbestimmung bzw. Fernsteuerung des Menschen sowie des von Don Brau­tigam gezeichneten Covers in Anlehnung an eine einst verbotene Plattenhülle der Scorpions (TAKEN BY FORCE). Mit den acht erstklassigen Tracks ist auch der tragische Verlust von Bassist Cliff Burton verbunden, der auf Promotour in Schweden bei einem Tourbusunfall ums Leben kam.

MASTER OF PUPPETS (REMASTERED) DE­­LUXE BOX SET lässt im wahrsten Sinne des Wortes die Puppen tanzen: Zehn CDs, drei Vinylscheiben (inklusive MP3 Download Card), zwei DVDs, eine Kassette, ein Hardcoverbuch mit bislang unveröffentlichten Fotos, ein Folder mit handgeschriebenen Texten, ein Sechs-But­tons-Set sowie eine ›Damage, Inc.‹-Lithographie lassen Fanherzen hektischer schlagen. Sowohl auf Vinyl als auch CD lässt sich dem remasterten Original lauschen. Live-Mitschnitte finden sich auf Doppel-Vinyl (Aragon Ball­room, Chicago), auf Kassette (Solnahallen, Stockholm), auf CD (Meadowlands, East Rutherford/Hampton Coliseum/Grugahalle, Essen, Country Club, Reseda) sowie DVD (Joe Louis Arena, Detroit/Roskilde Festival/Aichi Kinro Kaikan, Nagoya).

Als weitere Zutaten empfehlen sich Interviews (2 CDs), Riffs und Homedemos von Hetfield und Ulrich (2 CDs), Work-In-Progress-Versionen sowie Burton-Ersatz Jason Newsteds Audi­tion. Weitere Interviews (u.a. MTV) runden den Archiv-Rundumschlag ab. Mehr geht wohl wirklich nicht!

10/10

Metallica
MASTER OF PUPPETS (REMASTERED) DELUXE BOX SET (LIMITED-NUMBERED-EDITION)
MERCURY/UNIVERSAL

Marilyn Manson im Interview: Himmel und Hölle

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marilyn manson 2017Seit über 20 Jahren ist er ein verlässlicher Dorn im Auge des Establishments, legt genüsslich Finger in klaffende Wunden und reißt mit Vorliebe die Fassaden nieder, hinter denen sich unsere Unterdrücker feige verstecken. Doch hinter all der gewollten Hässlichkeit, dem Willen zur Provokation und der plakativen Lust an der Zerstörung steckt nicht nur die kreative Triebfeder einer gepeinigten Seele, sondern tatsächlich ein gesunder, absolut positiver Idealismus.

Dass das neue Album von Marilyn Manson HEAVEN UPSIDE DOWN heißt, erscheint irgendwie programmatisch für den Ort, an dem dieses Interview stattfindet: die Hölle. Oder genauer gesagt: die Hipster-Hölle. In diesem Berliner Etablissement gibt es Speise- und Getränkekarten grundsätzlich nur auf Englisch und Männer nur in zwei Varianten: bärtig, mit standardmäßig graumeliertem 50-Euro-T-Shirt und Fallobst-Notebook unterm Arm, oder aber im zwanghaft andersartigen, gerne aufgesetzt androgynen „Ich bin so ICH!“-Look. Auf hellem Holzboden wandeln sie durch einen großen, luftigen Raum, der scheinbar willkürlich Tische neben Kleiderständer und Regale stellt, die belanglose Klamotten, irgendwie „stylishe“ Bücher, House- und Electro-Vinyls oder krass überteuerte Bio-Kosmetika feilbieten.

Ebenso passend ist, dass der Maestro sich ins Kellerverließ zurückgezogen hat, vom gleißend hellen Schaulaufen der Eitelkeit in einen kaum wahrnehmbar beleuchteten, auf gefühlt 14°C gekühlten Raum, den er statt mit Image­sucht, Selbstdarstellungswahn und prätentiöser Nabelschau mit Charme, Charisma, unvergleichlicher Präsenz, Haken schlagender und gerne mal monologisierender Eloquenz und reichlich Witz (sowie unter Umständen ein paar Promille) füllt. Egal wie viele „Berühmtheiten“ man in diesem Beruf auch schon getroffen haben mag – eine Begegnung mit Brian Warner ist ein Erlebnis.

HEAVEN UPSIDE DOWN ist dein zehntes Album …
Ich war mir dessen nicht bewusst, bis mich jemand darauf hingewiesen hat. Einige Leute glaubten ja auch, der Song ›Say10‹ würde sich darauf beziehen, aber das hat damit gar nichts zu tun. Für mich war es ein bisschen wie bei meinen Helden, Bowie und den Beatles. SCARY MONSTERS war eine der ersten Platten, die ich in meinem Leben gehört habe. Und ich bin jetzt auch an einem Punkt, wo ich absolut keine Angst davor habe, Risiken einzugehen. Was ziemlich genau dieselbe Einstellung ist, die ich damals hatte, als ich ANTICHRIST SUPERSTAR gemacht habe. Und vor allem bei MECHANICAL ANIMALS. Damals dachten nämlich alle, ANTICHRIST SUPERSTAR würde mich definieren. Tja, Überraschung, motherfuckers, nehmt das!

Man hatte nie den Eindruck, dass du Angst vor irgendetwas hast!
Nun … in gewisser Weise war THE PALE EMPEROR [2015] meine Art, mich der Welt wieder vorzustellen. Davor war ich nicht unbedingt das gewesen, was ich sein wollte. Und das muss man sich erst mal selbst eingestehen, um ein Comeback in Angriff zu nehmen. Man muss zu sich selbst sagen: Ich bin nicht so gut, wie ich es sein sollte. Das ist eine ziemlich bittere Pille, die man schlucken muss. Wenn man Pillen schluckt. Womit ich nicht sagen will, dass ich das tue. Aber ich tue es. In diesem Fall war es aber gar nicht so schwer, sie zu schlucken. Dafür war es aber sehr schwer, es auszusprechen. Aber dann hatte ich ein sehr gutes Gefühl dabei, diese Platte zu machen. Und ich liebe diese Platte. Die Neue nun ist ein Nachfolger und ein Vorgänger.

Und vor allem die Platte, die ich schon immer machen wollte. Sie hat etwas Filmisches an sich, sie erzählt eine ro­­mantische Geschichte, die ebenso apokalyptisch ist. Sie hat ein offenes Ende, so wie jedes große Gedicht oder Buch, die je geschrieben wurden. Sie beschreibt mich wahrscheinlich besser als alles andere, was ich je gemacht habe. Das ist wohl ziemlich narzisstisch, aber man steckt ja immer etwas von sich selbst in seine Kunst. Wenn ich jemanden male, gebe ich ihm immer meine Nase. Das haben viele Maler getan. Dieser Drang, sich selbst in dem zum Ausdruck zu bringen, was man tut. Damit legt man sich sehr offen. Das bin ich gegen die Welt. Das bin ich, der die Liebe findet. Und wenn ich das tue, gibt es dafür einen Preis zu zahlen. Es ist wie eine Herausforderung. Wenn du sie an­­nimmst, werde ich dich beschützen, bis ans Ende. Das ist vielleicht auf einige Verluste über die Jahre zurückzuführen, von Familienmitgliedern, wie das jeder durchmachen muss. Aber ich werde nicht darüber klagen oder sagen, das sei der Grund für diese Platte.

Wenn mir Menschen wichtig sind, sei es die Familie oder meine Freunde – und ich habe einen sehr engen Freundeskreis –, dann werde ich sie beschützen. Ich werde nicht für sie ins Gefängnis gehen, aber ich bin bereit, furchtbare Dinge zu tun, wenn es nötig ist. Ich werde Leute, die meinen Freunden Unrecht tun, nicht mehr so leicht davon kommen lassen, wie ich das in der Vergangenheit getan habe. Du lässt ihnen was durchgehen und wirst dafür irgendwann bezahlen. Wie ein altes chinesisches Sprichwort besagt: Wenn du nur auf die Schlange trittst, wird sie irgendwann zurückkommen und dich töten. Das ist auf jeden Fall in die Platte eingeflossen.

Sie klingt jedenfalls wieder sehr energetisch, kraftvoller, weniger getragen.
Es ist kein wütendes Album. Es hat auf jeden Fall Eier, aber als wütend würde ich es nicht bezeichnen. Es ist nicht hoffnungslos oder verzweifelt. Es stellt keine Fragen. Ich hasse es, wenn Bands Fragen stellen. Warum liebst du mich nicht? Nein. Ich sage einfach: Ich würde für dich töten, du würdest für mich töten. Daher der Song ›KILL4ME‹. Die Plattenfirma wollte einen Single-Edit und eine „clean version“ von mir. Meine Antwort? Fuck you, das wird nie passieren. Ich habe ihnen den Song ge­­schickt, und es ging „Fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck“. Jedes Wort darin wurde mit „fuck“ ersetzt. Das war ein großer Spaß, aber ich meine es schon ernst: Wenn du eine saubere Version meiner Platte willst, dann will ich dein Geld nicht. Gib es für etwas anderes aus, vielleicht eine Schusswaffe. Aber ich würde gerne neue Schimpfwörter erfinden. Vielleicht bestimmte Zahlenfolgen, aber es sind keine mehr übrig. Das ist traurig. „Fuck“ ist so alt, so vorhersehbar.

Schon erstaunlich, dass manche Leute keine anderen Probleme haben als ein kleines böses Wort …
Wenn du eine Handvoll Scrabble-Teile auf den Boden wirfst und sie ein unanständiges Wort ergeben, ist das dann deine Schuld oder einfach Zufall und Schicksal? So sehe ich mich als Songwriter. Ich weiß zwar, was ich tue, wenn ich Songs schreibe, aber manchmal lasse ich mein Unterbewusstsein das Ruder übernehmen. Und so habe ich schon den ganzen Tag in den Interviews verschiedenen Leuten zugehört, die das alles unterschiedlich interpretieren. Das macht mich glücklich, denn das klingt für mich wie ein Gedicht oder Buch, das ich lesen wollen würde. Womit ich nicht sagen will, dass ich da etwas Großartiges gemacht habe, nur, dass es mich glücklich macht, dass jeder etwas anderes darin sieht, das Ende so offen ist.

CLASSIC ROCK präsentiert: Santa Cruz live in Deutschland

Sanat Cruz im Video zu Young Blood Rising.Im Dezember kommen die finnischen Santa Cruz für vier Konzerte nach Deutschland.

Kurz vor Weihnachten präsentiert CLASSIC ROCK vier Deutschlandkonzerte der finnischen Kombo Santa Cruz, die mit ihrem neuen Album BAD BLOOD RISING im Gepäck ein paar hitzköpfige Liveshows abliefern werden.

Das Quartett dürfte vor allem das Blut von Freunden des 80er Jahre-betonten Glam Metal in Wallung bringen und ganz nach dem Motto „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ jede Konzertlocation in eine große Party verwandeln.

Als Vorgeschmack gibt es hier das neue Video zu ›Young Blood Rising‹ zu sehen:

An folgenden Terminen könnt ihr Santa Cruz live erleben:

19.12. Hamburg, Indra
20.12. Köln, MTC
21.12. Bochum, Rockpalast
22.12. Lichtenfels, Paunchy Cats

Deep Purple – A FIRE IN THE SKY – A CAREER-SPANNING COLLECTION

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Deep Purple A Fire In The SkyEine die Gesamtkarriere umfassende, um 13 Tracks abgespeckte Vinylversion.

Wer Mark-II-Frontmann Ian Gillan im Interview danach befragt, warum sich im aktuellen Konzert­repertoire der seit Jahrzehnten nunmehr stabilen Deep-Purple-Besetzung nicht auch mal der eine oder andere Song der Mark-III-Phase findet, erntet vehemente Verdrießlichkeit. Dabei lieferte die von Gillans Nachfolger David Coverdale im Gespann mit dem ebenfalls ausgezeichneten Stimmakrobaten Glenn Hughes angeführte Ära 1974 bis 1976 diverse Klassiker, wie das Triple-LP-Set A FIRE IN THE SKY – A CAREER-SPANNING COLLECTION mit ›Stormbringer‹, ›Soldier Of Fortune‹, ›Might Just Take Your Life‹ sowie den US-Single-Edits von ›Burn‹ und ›You Keep On Moving‹ anschaulich demonstriert. Seltsam auch, dass sich Gillan nie dagegen sträubte, die Joe-South-Cover-Ver­sion ›Hush‹ von Mark I mit Sänger Rod Evans, die sich ebenfalls unter den 27 Tracks findet, bis heute im Konzert zu präsentieren.

Doch genug von den Befindlichkeiten im Inner Sanctum der Langzeitüberlebenden. Geben doch sechs Vinyl­seiten einen recht anschaulichen Einblick in das Kreativwerk, wenn auch nicht ganz klar wird, warum sich auf der 3-CD-Version insgesamt satte 40 Tracks aus 19 Studioalben tummeln. Gegen eine vierte oder gar fünfte schwarze Scheibe hätte sich die eingefleischte Vinyl-Käuferschaft sicherlich auch gegen entsprechenden Aufpreis nicht gesträubt. Zumal sich der Hörer zwar in Chronologie, aber von Seite 1 an rückwärts ins Purple’sche Œuvre einarbeiten muss: ›Hell To Pay (Radio Edit)‹ und ›Vincent Price‹ von NOW WHAT?! (2013), der Titelsong ›Rapture Of The Deep‹ (2005), ›Sun Goes Down‹ von BANANAS (2003) und ›Any Fule Kno That‹ von ABANDON (1998) bestimmen den Auftakt.

Nicht fehlen dürfen auf den Seiten vier und fünf Auszüge aus DEEP PURPLE IN ROCK (1970), FIREBALL (1971)und MACHINE HEAD (1972), darunter auch der amerikanische Album-Edit von ›Speed King‹ sowie die einst nicht auf LPs veröffentlichten Singles ›Black Night‹ und ›Strange Kind Of Woman‹. Am Ende warten dann noch ›Kentucky Woman‹, ›Wring That Neck (a.k.a. Hard Road)‹, ›Mandrake Root‹ und ›Hush‹ der Mark-I-Besetzung.

8/10

Deep Purple
A FIRE IN THE SKY – A CAREER-SPANNING COLLECTION
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