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Whitesnake – FLESH & BLOOD

Whitesnake Flesh And Blood

Rock’n’Sex-Protz Coverdale verabreicht seiner Band eine erneute Testosteronspritze.

Die beste Nachricht zuerst: Whitesnake haben auch ohne den zu The Dead Daisies abgewanderten Doug Aldrich ein erstklassiges Gitarrenduo. Das erinnert auf FLESH & BLOOD an ihre großartigen Saitenak­­ro­baten wie Micky Moody, Mel Galley, John Sy­­kes oder Adrian Vandenberg. Da ist zum einen Joel Hoekstra, der 2014 für den kurz zuvor ausgestiegenen Aldrich gekommen ist und dessen rassiges Slide-Spiel die Riff-Kanonade seines Kollegen Reb Beach (ehemals Winger, Dokken) veredelt. Dennoch ist Beach, der be­­reits seit 15 Jahren zu Whitesnake gehört, aber erst jetzt von Oberschlange David Co­­verdale zu seinem MC ernannt wurde, der neue Gitarrenstar der Band. Das Erstaunlichste daran: Beach und Hoekstra verbinden modernen, klassischen Hardrock auf subtile Weise mit den frühen Blues-Einflüssen der Gruppe. Auch deshalb fühlt sich ihr dauergewellter Frontmann pudelwohl, brüllt wie ein Tiger, schnurrt wie ein Kätzchen und platziert seine stets ein wenig delikaten Texte über Liebe, Lust und Libido mit einem besonders breiten Grinsen. In diesem Fall schließen wir uns so­­gar an.

8/10

Whitesnake
FLESH & BLOOD
FRONTIERS/SOULFOOD

CJ Ramone – THE HOLY SPELL…

CJ Ramone The Holy Spell

Go go go!

„Come on baby, let’s go go go …“ lautet die Aufforderung im Opener ›One High One Low‹. Das erinnert zwangsläufig an den Klassiker ›Hey Ho, Let’s Go‹. Aber auch anderweitig versprüht THE HOLY SPELL den Spirit der Ramones. Sein Name ist aber auch Verpflichtung und Programm zugleich! CJ Ramone, einer der letzten Überlebenden der legendären Truppe, wird mit seinem neuen Album – der Titel be­­zieht sich auf die Liebe zur Musik – beidem gerecht. Bei aller Punkigkeit bekommt das Werk aber auch durch ein leichtes 50er-Flair, das schon die Ramones auszeichnete, eine ganz besondere Note. Und das nicht nur, weil CJ ›There Stands The Glass‹ von Country-Legende Webb Pierce aus dem Jahr 1953 covert. Überhaupt wird die Country-Vorliebe des Sängers und Bassisten deutlich, wenn er mit ›Movin’ On‹ so etwas wie „I Shot A Man In Reno“ punkig lässig runterrockt. So ist neben all dem Rock’n’Roll und Punk auch gerade die Country-Ballade ›Hands Of Mine‹ einer der bewegenden Momente des Albums, in dem die Liebe zur Musik besonders deutlich wird. Am Schluss noch die aussage- und klangkräftige Hommage ›Rock On‹ an Steve Soto von den Adoles­cents, und CJ Ramone hat ein würdiges Werk im Geiste seiner „Brüder“ geschaffen. Das hat aber auch ohne den berühmten Namen seinen Reiz und seine volle Be­­rechtigung.

6/10

CJ Ramone
THE HOLY SPELL…
FAT WRECK/EDEL

The Whiskey Hell – BITCHHIKER

Whiskey Hell Bitchhiker

Die Cowboys von der Reeperbahn.

Ein größeres Kompliment für eine deutsche Southern-Rock-Band kann es kaum geben, als dass man sie für eine amerikanische hält. BITCHHIKER wirkt wie ein Sound­track aus den Südstaaten der USA: dreckig, verschwitzt und direkt. Das dritte Album der Ham­burger Band um Ex-Doc-Eisenhauer-Gitarrist Olly Wallenberg ist ein angenehmes Statement in Sachen bluesbasiertem Hardrock mit Biker-Komponente. Kernige Riffs, maskuline fette Grooves, eine geschmeidige Reibeisenstimme – die Zutaten sind altbekannt, aber stimmen. Über dem ganzen Album hängt das zuvor erwähnte Südstaatflair, weshalb gerade die langsameren Songs wie ›Keep On Searching‹, ›Memphis 97‹ und ›Cocaine Cowboy‹ die Ohrwürmer des Al­­bums sind. Mit dem Opener ›Bad Ass Boogie‹ liefert man die Hymne des Albums gleich zu Beginn, einen funky Untergroove gibt es dann bei ›Trailer Park Queen‹. BITCHHIKER bedient natürlich Klischees, liefert gut abgehangene Songs, die Spaß machen – mit dem Nachteil, dass einem all das ziemlich bekannt vorkommt.

6/10

The Whiskey Hell
BITCHHIKER
KEILER/SOULFOOD

Per Wiberg – HEAD WITHOUT EYES

Per Wiberg Head Without Eyes

Glanzstück zwischen Prog und Stoner.

Dass Per Wiberg etwas kann, ist hinlänglich bekannt. Bei Bands wie Opeth, Candlemass oder Spiritual Beggars war er an Gitarre, Bass oder Keyboard tätig, verdingte sich die letzten drei Jahrzehnte in den Sphären des Prog, Rock und Metal. Mit HEAD WITHOUT EYES legt er sein erstes Soloalbum vor – und verblüfft ebenso wie er begeistert. Irgendwie hat es der talentierte Schwe­de geschafft, eine ganz eigene musikalische Sprache zu erschaffen, die dennoch vertraut klingt. In einem dunklen, bombastischen Rahmen lebt er sich nach allen Regeln der Kunst aus, erinnert mal an die distanzierte Schönheit eines Steven Wilson, mal an die Industrial-Unterkühltheit von Nine Inch Nails und mal an schlichtweg nichts, was es vor ihm gab. Das steigert sich dann schon mal in einen schroffen Doom-Moloch, mal verliert es sich in ruhigen Piano-Melodien, mal bläst es in bester Sto­ner-Manier den Staub von den Lautsprechern. Klar, hier kulminieren über drei Jahrzehnte Expertise in einem ganz und gar eigenständigen Kosmos, weshalb Wiberg mit Ausnahme der Drums gleich für alle Instrumente verantwortlich zeichnet. Was die letzten Jahre indes nicht zeigten, war der charismatische, lässige Sänger, der in dem Schweden schlummert. Passt zu der ohnehin schon gewaltigen Überraschung, die dieses Debüt geworden ist.

8/10

Per Wiberg
HEAD WITHOUT EYES
DESPOTZ RECORDS/CARGO

CLASSIC ROCK präsentiert: Triple-Rock am Giessener Kultursommer

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(c) @Wincent Weiss

Am Gießener Kultursommer werden sich dieses Jahr Krokus, Gotthard und The New Roses an einem Abend die Ehre geben.

Vom 22.08. bis zum 01.09. findet dieses Jahr bereits zum vierten Mal der Giessener Kultursommer statt. In den knapp eineinhalb Wochen werden hochkarätige Acts aus den Bereichen Rock und Pop (wie z.B. Avantasia oder Revolverheld) in Giessen Halt machen.

Am 28.08. kommt es auf der malerischen Bühne rund um das Kloster Schiffenberg zu einem Rock-Event der Extraklasse: Die Schweizer von Krokus werden im Zuge ihrer „Adios Amigos“-Abschiedstournee zum letzten Mal ihre größten Hard-Rock-Hits spielen und dabei von ihren Landsmannen von Gotthard unterstützt werden.

Mit dabei (vielleicht sogar mit neuem Album im Gepäck) sind außerdem The New Roses aus Wiesbaden, die nicht nur bereits im Vorprogramm von ZZ Top, Joe Bonamassa oder Blackfoot ihr Können unter Beweis stellen konnten, sondern letztes Jahr auch auf der legendären KISS-Kruise dabei waren.

So schön ist es am Giessener Kultursommer bei Sonnenuntergang:
Kloster Schiffenberg

Patti Smith – Hingabe

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Patti Smith Hingabe

Call to action.

„Hingabe“ ist ein hybrides Werk, so wie Patti Smith selbst eine Allround­künstlerin mit einer humanistischen Ader ist. Ihr neues Buch bedeutet eine Rückkehr nach Paris für sie, eine nostalgisch schimmernde Hommage an vergangene Liebe. Bei Smith verschränken sich die Stile der von ihr verehrten Künstler, sie hört die Stimmen von Rimbaud, Baudelaire, Modiano. Sie ist nochmal zwanzig, sie kehrt mit ihrer Schwester zu den Orten der ersten Erinnerung in dieser Stadt zurück, lässt sich in die Ein­­samkeit sinken und kommt so der Vergangenheit und auch ihrer Schwester näher. Sie reist in das Haus von Camus im Süden Frankreichs und sucht das Grab Simone Veils in England auf. Sie staunt und nimmt alles auf, dekonstruiert und setzt neu zusammen, um auf ihre Art ihre Wahr­nehmung neu zu fokussieren – so wie „eine Vielzahl unterschiedlicher Auslöser sich zu einem eigenen Organismus verbinden“, wie sie schreibt. Auf diese Weise ist „Hingabe“ entstanden, die Erzählung, die Smiths Buch den Namen gab. Gerade sie geht unter die Haut, diese merkwürdige Geschichte einer einsamen Eiskunstläuferin, die Geist und Körper komplett ihrer Kunst verschreibt – eine zerstörerische Passion, die ihre Freiheit und Unschuld in Ge­­fahr bringen wird.

Fieberhaft komponiert Smith ihre Textpassagen mit unbändigen Wellen an Worten, Bildern, Rhythmen und Tönen. In einem organischen Duktus beschreibt sie den Moment als „die Zeit anhält und sich dennoch beeilt, indem sie Bilder aus Worten zieht“. So verarbeitet sie innere, strapaziöse und euphorische Kämpfe und berichtet vom Streben nach Kreativität, in dem sie sich lebendig fühlt.

7/10

Text: Sarah Soheyli-Schaffner

Patti Smith Hingabe Buch

Hingabe
Von Patti Smith
Kiepenheuer & Witsch

Led Zeppelin: Neue Doku über Frühphase

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Regisseur Bernard MacMahon arbeitet an einem Film über Led Zeppelin – samt neuen Interviews mit Robert Plant, Jimmy Page und John Paul Jones.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum von Led Zeppelin entsteht gerade eine Dokumentation über die frühen Jahre der Band. Im Zentrum stehen die Wege der vier Gründungsmitglieder in den 60ern, das Zusammentreffen 1968 und die Veröffentlichung von LED ZEPPELIN II.

Regie führt Bernard MacMahon, der für die Musik-Dokuserie „American Epic“ bekannt ist. Einen Titel hat der Film noch nicht, momentan befindet man sich in der Postproduktion.

Robert Plant, Jimmy Page und John Paul Jones gaben Interviews für die Doku, John Bonham wird in Archivaufnahmen zu Wort kommen.

„Als ich sah, was Bernhard (MacMahon) bei „American Epic“ visuell und klanglich alles auf die Beine stellte, wusste ich, dass er der Richtige ist, um unsere Story zu erzählen“, erklärt Jimmy Page.

Werkschau: Joe Bonamassa

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Joe Bonamassa liveSeit er die Lunte des Blues-Booms entzündete, stand der Superstar wider Willen nie wieder still. Hier ist unser Leitfaden zu seinem luxuriösen Blues-Output.

Die Jahrtausendwende war ein überraschender Schlüsselmoment des Blues-Revivals, doch Joe Bonamassa galt damals nicht gerade als Führungspersönlichkeit. Aber während die Hipster-Medien der sehnig-verschrobenen Coolness von Jack White und seinem Lo-Fi-Getöse zu Füßen lagen, baute Bonamassa seinen Stand auf: ein Blues-Forscher aus dem Bundesstaat New York, gänzlich ohne Ego, dessen Vorstellung eines Supermodels eine ’59er Les Paul war. Technisch war er unfehlbar, doch dieser etwas knittrige, großgewachsene Saitenheld war zunächst nicht leicht zu vermitteln.

„Ich dachte wirklich nicht, dass jemand mit dem Nachnamen Bonamassa jemals berühmt sein würde“, erinnert sich Produzent Kevin Shirley an seinen ersten Eindruck. „Ich weiß noch, wie ich ihm eine E-Mail schickte: ‚Joe, du siehst aus wie ein verdammter Penner‘.“

Es sollte der Beginn einer wundervollen Beziehung werden. Als Shirley 2006 für YOU & ME ins Boot geholt wurde, hatte er ein paar Vorschläge parat und ermutigte den Gitarristen, seine Band zu feuern, seine Schuhe zu polieren und vor allem seine unnahbare Selbstdarstellung aufzugeben. Stattdessen sollte er seine Stimme als Songwriter finden. „Ich dachte, wenn er etwas Besonderes sein wollte, dann musste er die Regeln brechen.“

Und so fingen sie an. Passend für einen Mann, dessen neues Anzug-und-Sonnenbrillen-Bühnenimage wie ein Bluesrock-Terminator wirkte, war Bonamassa in den 00er-Jahren absolut gnadenlos. Er tourte mit masochistischem Eifer, war bei endlosen Nebenprojekten als Gast zu hören und lieferte jedes Jahr Alben ab, deren Verkaufszahlen ebenso stiegen wie ihre Qualität. Als am 4. Mai 2009 Eric Clapton in der Royal Albert Hall auf die Bühne kam, um sich mit dem Mittdreißiger auf ›Further On Up The Road‹ zu duellieren, konnte man ganz klischeefrei davon sprechen, dass hier ein Staffelholz übergeben wurde.

Aber ganz ähnlich wie bei Clapton kommt auf jedes „Gott“-Graffiti (oder dessen Online-Äquivalent) jemand, der es auf ihn abgesehen hat. Bonamassa sei der größte Plagiator, sagen einige, während andere bemängeln, er habe den Blues zu weit über die vorgeschriebenen zwölf Takte gedehnt. „Die Gegenreaktion?“, sagte der Gitarrist 2013. „Die gibt es schon. Ich gehöre zu den Musikern, über die man am meisten streitet.“

In dieser überaus produktiven Karriere gab es natürlich auch Fehltritte. Doch in seinem Katalog finden sich auch Momente, in denen er über den Status des reinen Gitarrenhelden hinauswächst und dem Genie gefährlich nahe kommt.

Unverzichtbar

SLOE GIN (2007)

Joe Bonamassa Sloe Gin
Mit Kevin Shirleys Ankunft als Produzent/Lehrmeister wuchs YOU & ME aus dem Vorjahr die Brustbehaarung, doch das aufstachelnde SLOE GIN katapultierte Bonamassa vom Blues-Bar-Klischee zu wahrer Brillanz. Konzeptionell erinnerte es mit harten Stücken wie ›Dirt In My Pocket‹ neben knackigen Lagerfeuer-Tracks der Sorte ›Ball Peen Hammer‹ an LED ZEPPELIN III. Und während das Cover von Bad Companys ›Seagull‹ die Bühne in Brand steckte, waren es vor allem Eigenkompositionen wie ›Around The Bend‹, die den Gitarristen zum echten Rivalen für das Establishment erhoben. Das Album wurde zudem seine dritte Nr. 1 in den Billboard-Blues-Charts.

DIFFERENT SHADES OF BLUE (2014)

Joe Bonamassa Different Shades Of Blue
Als Bonamassa im Januar 2014 nach einer zweijährigen kreativen Durststrecke im Studio war – eine Zeit, in der junge Recken wie Gary Clark Jr. an seinem Thron rüttelten –, fand er sich in der ungewohnten Position, sich beweisen zu müssen. Dem Resultat nach zu urteilen, scheint ihm der Druck gut getan zu haben. Abgesehen von einem Hendrix-Cover ist es ein Klassiker voller Originale, geschrieben mit der Elite von Nashville und mit einer grandiosen Band zur Vollendung gebracht. Höhepunkte wie das bläserunterstützte ›Love Ain’t A Love Song‹ und das Nachtschattengewächs ›So What Would I Do‹ etablierten ihn als Songwriter, der alle Schattierungen beherrscht.

Wunderbar

DUST BOWL (2011)

Joe Bonamassa Dust Bowl
Ausgebrannt nach der Tour mit BCC und ohne neues Material, konnte er, so Kevin Shirley, „seine Finger nicht zum Funktionieren bringen“, als die Sessions begannen. DUST BOWL wurde erst gerettet, als der Produzent Bonamassa unter Hausarrest stellte. Eine Taktik, die den Zündfunken für Joes vermutlich atmosphärischstes Album lieferte. Bei ›Slow Train‹ und dem Rockabilly ›Tennessee Plates‹ kann man förmlich spüren, wie er sich die Trägheit aus den Knochen schüttelt. Beim Outro zu ›Prisoner‹ weiß man dann, dass er ein potenzielles Wrack zu einem Klassiker erhoben hat.

THE BALLAD OF JOHN HENRY (2009)

joe bonamassa Ballad Of John Henry
Jedes seiner Alben hat einen Schlüsselbegriff, der von seinem siebten lautete „sumpfig“. Passend für eine Platte, die nach dem hammerschwingenden US-Volkshelden benannt ist, war sie härter als all seine bisherigen Werke. Der noch größere Wandel lag in der emotionalen Tiefe: Das wehmütige ›Happier Times‹ und das Solo auf ›The Great Flood‹ offenbarten einen Mann, der sich nicht mehr hinter einer Sonnenbrille versteckte. „Während der ersten Hälfte, war ich glücklich wie nie“, sagte er. „Bei der zweiten war ich im entgegengesetzten Zustand.“

DRIVING TOWARDS THE DAYLIGHT (2012)

Joe Bonamassa Driving Towards The Daylight
Die Pressefotos von Bonamassa, der lässig an eine Mauer gelehnt ein altes Comic durchblättert, wiesen auf die Fanboy-Thematik seines 10. Albums hin („Im Prinzip war das BEANO-Album die Blaupause“). Originale wie das sinistre Titelstück und der raue Reisebericht ›Dislocated Boy‹ musste man erst verdauen, das fetzige ›Stones In My Passway‹ und das Cover von ›Who’s Been Talking?‹ mit Howlin‘-Wolf-Sample faszinierten jedoch. Als Belohnung gab’s die bislang höchsten Chartpositionen: Platz 2 in UK, Platz 10 in Deutschland, Platz 23 in den USA.

Black Country Communion
BCC 2 (2011)

Black Country Communion 2
Mit drei Songs pro Tag steht 2 nicht nur für den Gipfel dieser Supergroup, sondern auch für den großartigsten Eilauftrag im modernen Rock. Glenn Hughes war zwar der Hauptautor, doch Bonamassa genoss es, „schamlos zu rocken“. Auf monolithischen Harmonie-Riffs wie ›I Can See Your Spirit‹ gab er seine Version von Jimmy Page, während er mit der Mandoline auf ›The Battle For Hadrian’s Wall‹ dem Zep-Stück ›The Battle Of Evermore‹ Tribut zollte. Die Band wurde dafür mit Lorbeer überhäuft, doch erste Risse in der Fassade waren bereits sichtbar.

Anhörbar

Beth Hart & Joe
Bonamassa DON’T EXPLAIN (2011)

Joe Bonamassa Beth Hart Don't Explain
In Glenn Hughes hatte er einen Gegenspieler gefunden, mit der schelmischen Beth Hart aus L.A. gestaltete sich die Zusammenarbeit viel einfacher. Er lud sie für ein Album voller Soul-klassiker ein, von Aretha Franklins ›Ain’t No Way‹ zu Etta James‘ ›I’d Rather Go Blind‹. Innerhalb von nur vier Tagen aufgenommen, war es ein Triumph der yin-yang-artigen Chemie – wenn Harts knorriges Raspeln und Bonamassas seidige Gitarrenarbeit in Juwelen wie ›Sinner’s Prayer‹ aufeinandertreffen, wünscht man sich fast, diese Partnerschaft würde nie wieder aufgelöst.

AN ACOUSTIC EVENING AT THE VIENNA OPERA HOUSE (2013)

Joe Bonamassa An Acoustic Evening At The Vienna Opera House
Was auch immer man von ihm hält, man kann ihm nicht vorwerfen, Routine-Auftritte abzuliefern. 2012 war deutlich spürbar, dass er alles aufs Spiel setzte, als er eine bunte Truppe von Musikern aus aller Welt in Wien versammelte. „Das könnte wirklich gut werden“, gestand er, „oder wir sind total am Arsch“. Doch das Konzept ging auf und bestätigte Bonamassa in seinem größten stilistischen Abenteuer. Neufassungen von ›Dislocated Boy‹ und ›Around The Bend‹ erinnerten daran, dass er einer der besten Songwriter im Business ist..

BLACK ROCK (2010)

Joe Bonamassa Black Rock
BLACK ROCK wurde auf der Insel Santorin aufgenommen. Nach dem düsteren JOHN HENRY wollte JB „das Feelgood-Album des Sommers“ abliefern, doch letztlich geriet sein achtes Studiowerk eher zur Weltmusik-Platte, nachdem er örtliche Bouzouki-Spieler zu den Sessions eingeladen hatte und daraus interkulturelle Nummern wie ›Athens To Athens‹ entstanden waren. BLACK ROCK war umstritten, doch es widerlegte zumindest die Behauptung, Bonamassa sei nur ein karrieregeiler Bluesrock-Roboter. Kevin Shirley: „Wir versuchen immer, neue Fenster zu öffnen in diesem Haus namens Blues.“

Sonderbar

Rock Candy Funk Party
WE WANT GROOVE (2013)

Rock Candy Funk Party We Want Groove
Man muss ihm zugute halten, dass er sich immer wieder häutet, doch die Funk-Improvisation mit der L.A.-Band von Tel Bergman und Ron DeJesus war eine Kollaboration zu viel. Es finden sich darauf durchaus interessante Momente: Wilde, wah-wah-durchtränkte Tracks wie ›Spastastic‹ und ›Octo-pus-E‹ erinnern an Shaft, der einen Zuhälter aus Harlem durch ein Porno-Filmset jagt. Doch sobald das Tempo nachlässt, gerät das Album zu einem Desaster. Ein Songtitel verspricht ›The Best Ten Minutes Of Your Life‹. Wir finden: Das ist glatt gelogen.