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Start Blog Seite 523

Neil Young + Stray Gators – TUSCALOOSA


Eine Live-Show aus den 70ern mit vielen Klassikern

Das dritte Young-Live-Album mit Aufnahmen aus den Siebzigern in kurzer Zeit. Langweilig wird’s dennoch nicht, denn dafür war es einfach zu gut, was der große Songwriter damals machte. Auf der im vergangenen Jahr veröffentlichten ROXY-Platte standen ihm Crazy Horse zur Seite, auf dem folgenden SONGS FOR JUDY spielte er allein, jetzt sind die Stray Gators dran. Mit dieser vielleicht nicht so vielen Fans geläufigen Begleitgruppe, bestehend aus den doch relativ bekannten Musikern Tim Drummond, Kenny Buttrey, Jack Nitzsche und Ben Keith, hatte Young sein Meisterwerk HARVEST und den Konzertmitschnitt TIME FADES AWAY aufgenommen – zwischen seinen Soloauftritten und denen mit Crazy Horse diente sie ihm als Tourband. TUSCALOOSA ist im Februar 1973 in der University Of Alabama in eben Tuscaloosa entstanden. Und dort hagelte es Klassiker. Von ›After The Gold Rush‹ über ›Old Man‹, ›Heart Of Gold‹ und ›Time Fades Away‹ bis ›Alabama‹. Vom Solodebüt kommt ›Here We Are In The Years‹, vom erst später erschienenen TONIGHT’S THE NIGHT die Titel ›New Mama‹ und ›Lookout Joe‹, und am Ende stehen acht Minuten ›Don’t Be Denied‹. Die Songs sind relativ nah an den Studiofassungen, Überraschungen gibt es wenig. Famos ist das Ganze trotzdem.

9 von 10 Punkten

Neil Young + Stray Gatora
TUSCALOOSA
WARNER

Dr. John: Das Konzert seines Lebens

Keiner weiß genau, wie viele Konzerte Dr. John in den vergangenen 60 Jahren gegeben hat – man darf annehmen, dass es mehr als 5000 sind. Darunter waren viele besondere Auftritte, doch einer, der noch gar nicht so lange her ist, sticht heraus: Es war ein Abend, an dem seine Musik von einigen der größten zeitgenössischen US-Musiker live mit ihm zusammen performt wurde. Die im November 2016 erschienene Doppel-CD THE MUSICAL MOJO OF DR. JOHN: CELEBRATING MAC AND HIS MUSIC ist damit ein Zeitdokument von höchster Güte.

Text: Sascha Krüger

Es geht gleich formidabel los bei diesem wohl einzigartigen Konzert, mitgeschnitten im Saenger Theatre in New Orleans im Sommer 2014: Mit Dr. John und seinen Musikern steht der Boss höchstselbst auf der Bühne, um ›Right Place Wrong Time‹ darzubieten, ein Stück, das erstmals 1973 auf Dr. Johns Album IN THE RIGHT PLACE er­­schien und durch zahlreiche Interpretationen – darunter von Bonnie Raitt, Tom Jones oder auch der Jon Spencer Blues Explosion – immer wieder neue Meriten erhielt. Es ist kaum zu glauben (erst recht angesichts des Umstands, dass sich Bruce Springsteen bereits vor mehr als drei Jahrzehnten als beinharter Dr. John-Fan outete), dass diese beiden Granden der US-amerikanischen Musiktradition noch nie gemeinsam auf der Bühne standen – und doch: So ist es. Beziehungsweise: So war es, bis zu diesem Abend. Umso beachtlicher, wie die beiden sich mit Worten und Instrumenten duellieren und dem Song-Klassiker noch einmal ein ganz neues, ebenso zeitgemäßes wie geschichtsverbundenes Gewand umlegen. Das geht gut los, denkt man – egal, ob man den Mitschnitt nur auf CD hört oder sich die in der Deluxe-Version des Al­­bums zusätzlich befindliche DVD des Konzertes anschaut. Und man denkt: Wie soll das noch zu toppen sein?

Doch dann geht es eben Schlag auf Schlag, und zwar ebenso, was die Dichte an prominenten Musikern anbetrifft, als auch in Bezug auf die vielen Genres, Stile und Instrumentierungen, die sich hier wie viele kaleidoskopisch schillernde Perlen auf eine Schnur aufziehen. Denn direkt auf den Boss folgt eine von dem Jung-Americana-Star Jason Isbell intonierte Version von ›Blow Wind Blow‹, die sozusagen das andere, juvenile Ende der zeitgenössischen US-Musiktraditionen widerspiegelt.

Weiter geht es – um nur einige Auszüge zu nennen – mit Mavis Staples, die dem Song ›Lay My Burden Down‹ eine gewaltige Portion Gospel mitgibt; Widespread Panic mit einer kraftvollen Performance von ›Familiar Reality‹; der ebenfalls noch zur jüngeren Musiker-Generation zählende Ryan Bingham mit einer bewegenden, tief der Roots-Music verschriebenen Version von ›Back By The River‹; der Soul-Grandezza des Songs ›Please Find Me Someone To Love‹, auf dem Dr. John mit den Neville-Brüdern Aaron und Charles schier um sein Leben singt; einer zutiefst sehnenden Version von ›Since I Fell For You‹, gemeinsam mit der ebenfalls aus New Orleans stammenden Sängerin Irma Thomas; oder John Fogerty, der die laute Crescent-City-Hymne ›New Orleans‹ so performt, dass man schnell spürt: Dr. John, der Voodoo-Meister zwischen Blues, Rock, Boogie-Woogie, Jazz, Zydeco und den klassischen Mardi-Gras-Klängen aus New Orleans hätte es auch in den Mainstream geschafft – wenn er dies nur je gewollt hätte.

Wollte er aber nicht. Viel wichtiger sei es ihm stets gewesen, sagt er im – leider recht kurz angebundenen – Interview, dass „ich immer stolz sein kann auf alles, was dabei hilft, New Orleans in der Welt zu repräsentieren. Dieser Abend war hierfür eine ganz besondere Gelegenheit, die ich deshalb tief in meinem Herzen trage.“ Ihm falle es auch sehr schwer, einzelne Duette hervor zu heben, denn „letztlich bin ich froh und stolz auf jeden einzelnen Beitrag. Aber mit Bruce Springsteen und den Neville Brothers zu performen, das waren schon zwei besondere Momente. Denn mit diesen Musikern wollte ich schon so lange einmal zusammenarbeiten.“ Dass es dem 1940 als Malcolm John Rebennack geborenen Künstler immer vor allem um die Musik sowie die Traditionen seiner Heimat New Orleans ging, sieht man schon an seiner Karriere.

Denn durch die Vermittlung seines Vaters, seinerzeit Inhaber eines Plattengeschäfts in New Orleans, war Dr. John bereits Mitte der 50er Jahre ein regelmäßiger Gast in den lokalen Tonstudios und konnte damaligen Größen wie Little Richard und Guitar Slim bei der Arbeit zu­­sehen. Es folgten viele Jahre als gefragter Sessionmusiker, unter anderem an der Seite von James Booker, Earl King und Professor Longhair (der, so will es die Legende, auch für die Etablierung des Namens Dr. John verantwortlich zeichnete), bevor 1968 – mithin: mehr als ein Jahrzehnt nach Beginn seiner musikalischen Laufbahn – mit GRIS-GRIS das erste Album von Dr. John erschien, das viele bis heute für sein Bestes und Wichtigstes halten.

Über diesen frühen Weg sagt Dr. John lapidar: „Als mein Vater mir damals riet, mit den ganzen al­­ten Männern durch den Chitlin Circuit (eine damals bekannte und angesehene Reihe von Theatern im Süden der USA, Anm. d. Verf.) zu touren, war es genau das, was ich tat. Denn es war ein genialer Hinweis – so lernte ich alles, was es zu wissen gibt über Musiker und ihre Live-Perfomances.“ Bis heute ist Dr. John weitaus mehr Live- als Studio-Musiker, trotz seiner rund 25 mittlerweile aufgenommenen Studioalben. Insbesondere seine exaltierten, in manchen Phasen auch drogeninduziert exzessiven Konzerte gingen in die Geschichte der amerikanischen Musik ein – und brachten ihm neben sechs Grammys auch einen Platz in der „Rock’n’Roll Hall of Fame“ ein. Im Rahmen dieser mit allerlei Voodoo-Kram spielenden Shows entstand auch der einzigartig eklektische Stil dieses Mannes, der sich später auch „The Night Tripper“ taufte – ein selten treffender Name für einen Künstler, der stets seinen ganz eigenen Weg ging.

Einem dramatischen Zwischenfall früh in seiner Karriere – bereits rund um den Wechsel von den 50er- zu den 60er Jahren – verdankte der ur­­sprünglich einzig der Gitarre zugewandte Musiker eine radikale Kehrtwende: Bei einer Schießerei in New Orleans, wo Rebennack seinen Keyboard­er Ronnie Barron verteidigte, wurde ein Teil seines linken Ringfingers zerfetzt; fortan konnte er keine vernünftigen Akkorde mehr greifen und wechselte notgedrungen zum Piano als Hauptinstrument. Was für ein Gewinn dies für die roots-basierte amerikanische Musik war, zeigte sich in den Folgejahren – und nun auch wieder auf der hier angesprochenen Liveplatte THE MUSICAL MOJO OF DR. JOHN. Denn so wie er bedient niemand das Piano – stets mit einem ausgeprägten Gefühl für den alten Blues und Boogie-Woogie, gleichzeitig aber tief verwurzelt im drückenden Rock’n’Roll der späteren Jahre.

Auf die Frage, was für einen wie ihn noch zu entdecken bleibt, antwortet Dr. John gelassen: „Ich werde weiterhin das absolute Maximonium“ – ja, das ist das Wort, das er benutzt – „an Musik in die Welt bringen mit meiner Band. Dies weiterhin tun zu können, ist eine eineinhalbfache Segnung. Mindestens.“

The Sheepdogs: Sei seltsamer!

Sheepdogs Video Saturday NightMit ihrem üppigen und reich mit Referenzen gefütterten Bluesrock spielten sich die Kanadier
The Sheepdogs in den letzten Jahren vor allem in die Herzen Nordamerikas. Dabei zeigt auch ihr wunderbar harmonisches sechstes Album CHANGING COLOURS, dass ihr Zusammenschluss von Crosby, Stills & Nash mit Creedence Clearwater Revival auch die europäischen Geschmäcker erfreut. Und überhaupt: Eine Band, in der ein Frontsänger zugleich Gitarre, Klarinette und Schlagzeug spielt, trifft man auch nicht alle Tage. Bei den Sheepdogs heißt der Ewan Currie, ist gebürtiger Australier und bei allem Erfolg seiner Band ein entspannter, beruhigender Typ geblieben

Beginnen wir philosophisch: Was war zu­­erst da? Der Titel CHANGING COLOURS oder das Bestreben, euren Sound um weitere Farben wie Soul oder Jazz zu erweitern? Du weißt schon, wie die Sache mit der Henne und dem Ei…
Weder noch, um ehrlich zu sein. Wir hatten einfach ein paar Songs. Als wir sie gemeinsam ausgehfertig machten, merkten wir alle, dass wir ihnen gern eine etwas breitere Palette an Einflüssen zugestehen wollten. Wenn man Typen wie Shamus Currie mit seinen Keyboards und der Posaune oder einen Jimmy Bowskill, der Mandoline oder Banjo spielt, in der Band hat, gibt es einfach viel mehr Optionen.

Die Frage ist ja: Woher kommt denn eure Vorliebe für solch verschiedene Stile links und rechts des klassischen Rock’n’Roll?
Da hat jeder sicherlich seine eigene Geschichte zu erzählen. Was mich angeht, so wurde mir eine unglaubliche Musikvielfalt in die Wiege gelegt. Mein Dad war ein klassischer Komponist, der sein Herz an Frank Sinatra, Stevie Wonder und CCR verloren hatte. In der Band verbindet uns eine Liebe zur klassischen Rock-Gitarre, zu Soul-Grooves und zum Country mit seinen Steel-Gitarren oder Jazz mit diesen typischen Bläsern. The Sheepdogs pflücken sich ein wenig aus jedem Genre und betten es dann in einen Rock’n’Roll-Hintergrund ein. Funktioniert eigentlich ganz gut.

Was muss ein bestimmtes Genre denn haben, um eure Aufmerksamkeit zu erlangen?
Wenn es gut klingt, schnappen wir es uns! Ich möchte, dass unsere Musik wie ein Gericht ist: Deine Geschmacksnerven werden dir schon sagen, ob es gut ist oder nicht. Nachdenken musst du eigentlich gar nicht. Vertrau doch einfach mal auf deine Ohren.

Bezieht sich die Ausweitung eurer Einflüsse nur auf die musikalische Seite? Oder geht es auch inhaltlich vielfältiger zu?
Jeder Song nimmt den Hörer mit in eine andere Ecke meiner Welt. Auf diesem Album geht es oft darum, niemals stillzusitzen, stets unterwegs zu sein. Immer auf der Reise, sozusagen. Gerne nutze ich meine Songs aber auch dazu, mich an gewisse Dinge zu erinnern oder sie zu beherzigen. Wie eines dieser Selbsthilfebücher, nur in Liedform.

CHANGING COLOURS verströmt eine wunderbare Leichtigkeit. War die Entstehung des Albums denn auch so mühelos, wie es klingt?
Gewiss nicht! Es hat eine ganze Menge Zeit ge­­kostet und führte zu einigen frustrierenden Tagen, die wir mit Streit oder den vergeblichen Versuchen zubrachten, uns auf gewisse Songs zu einigen. Loslassen ist eben schwer, das kann sicherlich jeder verstehen. Wichtig ist nur, dass man fair bleibt und sein Bestes gibt. Uns sind solche Tage nicht fremd. Manchmal kostet es einfach eine Menge Blut und Schweiß, etwas Gutes hervorzubringen. Aber solange am Ende ein fertiges Album steht, hat es sich gelohnt.

Ihr ließt im Vorfeld verlauten, dass ihr im Studio so lange an den Songs gearbeitet habt, bis ihr entweder müde oder gelangweilt wart. Was kam eher?
Die Müdigkeit. Nach fünf Stunden sind meine Ohren einfach durch. Dann kann ich keine guten Entscheidungen mehr treffen, weil ich einfach nicht mehr gut genug höre. Das ist wie beim Parfum testen: Irgendwann riechen alle gleich. Was mich angeht, bin ich im Studio aber nie gelangweilt. Für mich gibt es keinen spaßigeren Ort auf der Welt!

Inwiefern?
Weil wir uns bewusst viel Zeit für Experimente und Merkwürdigkeiten nehmen. Merkwürdigkeiten sind im Studio lebenswichtig! Rock­’n’Roll darf nicht immer nur ernst sein, er muss auch genügend Raum für Spaß und Seltsamkeiten bieten. Besonders gut sieht man das ja an den Beatles.

Die taten irgendwann nur noch das, was sie wollten. Wie ist das bei euch? Du hast eure Philosophie ja mal als „Mach das, worauf du Bock hast, und man wird dich finden“ umschrieben. Stehst du bis heute dazu?
Im Grunde ja, doch ich muss gestehen, dass man wohl auch ein bisschen Glück braucht, um entdeckt zu werden. So oder so zählt für mich aber nur, mein eigenes Ding zu machen, und das, so gut es geht. Alles andere kommt – oder eben nicht.

Bei euch kam es relativ schnell. Schon 2011 wart ihr auf dem Cover des „Rolling Stone“ – als erste Band überhaupt ohne Plattenvertrag. Hat das alles verändert?
Das würde ich schon sagen. Wir bekamen eine Menge Aufmerksamkeit, wurden plötzlich im Radio gespielt und verkauften in Kanada eine große Menge Konzerttickets. Ich habe nur manchmal das Gefühl, dass wir die Leute seither überzeugen müssen, nicht einfach nur ein „American Idol“-Sieger zu sein, sondern eine verdammt gute Rock’n’Roll-Band! (lacht)

Wie hat sich eigentlich euer Verhältnis zu eurer Heimatstadt Saskatoon verändert, seit ihr so viel live unterwegs seid?
Die Stadt wurde plötzlich sehr klein. Ich wusste plötzlich, dass ich woanders leben wollte, dass ich mehr von all diesen wundervollen Dingen sehen wollte, die die Welt bereithielt.

Die Stadt spielt also keine großartige Rolle für die Sheepdogs?
Saskatoon ist eine bodenständige, bequeme Stadt. Sie ermöglichte uns einen großartigen Start, weil wir uns einfach auf unseren eigenen Stil konzentrieren konnten. Es gab keine grelle Szene, die dir einen Sound diktierte, sondern einfach nur ein paar Bands und ein paar Clubs, in denen wir auftreten konnten. Etwas Besseres hätte uns damals nicht passieren können.

Aktuelle Ausgabe: Das erwartet euch im neuen CLASSIC ROCK Magazin!

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Classic Rock AC/DC

Made in 1979 – Das Jahr der Mega-Alben: Mit AC/DC, Motörhead, Whitesnake und vielen mehr!

1979 war ein Jahr voller Veröffentlichungen wichtiger Werke von Bands, die es in der damaligen Form in den 80ern nicht mehr geben würde. Unter ihnen feiern dieses 40-jährige Jubiläum bis heute bedeutende Bands wie Motörhead, Whitesnake, Foreigner oder Van Halen, Cheap Trick, Saxon und auch Aerosmith.

Doch keine von ihnen sollte so groß werden wie AC/DC, die spätestens mit ihrem 79er Jahrhundertalbum HIGHWAY TO HELL ihren Anspruch auf den Rockgruppen-Thron endgültig ausformulierten und lauthals herausposaunten. Und gleichzeitig sollte keine der zuvor genannten Bands im darauffolgenden Jahrzehnt einen dermaßen markerschütternden Wandel verkraften müssen wie Angus, Malcolm, Cliff und Phil: den Tod ihres sie so sehr auszeichnenden Bad-Boy-Frontmannes Bon Scott.

Und so ist die Entstehungsgeschichte von HIGHWAY TO HELL auch die Erzählung eines 1979 noch ausstehenden, unausweichlichen Abschieds für immer. CLASSIC ROCK verneigt sich auf 30 Seiten
vor dem Ende einer Dekade, dem Ende des ersten großen Kapitels von AC/DC.

Das neue Heft ist ab dem 12. Juni im Handel erhältlich. Hier könnt ihr die neue Ausgabe schon jetzt versandkostenfrei bestellen…

Stray Cats: Slim Jim erinnert sich an 40 Jahre auf den Spuren von Gene Vincent

Straycats Press

Vor genau 40 Jahren waren die Stray Cats die Speerspitze des Rockabilly-Revivals und stürmten kurz darauf mit jugendlichem Leichtsinn und einer unbändigen Liebe zum Sound des frühen Rock’n’Roll weltweit die Charts. Jetzt sind Gitarrist und Sänger Brian Setzer, Kontrabassist Lee Rocker und Standschlagzeuger Slim Jim Phantom zurück – mit einem vor Energie sprühenden neuen Album namens 40 und einer Comeback-Tournee, die im Juli auch in Deutschland Station macht.

Zuvor beantwortete Slim Jim unsere Fragen mit der heiteren Gelassenheit eines Mannes, der seit inzwischen vier Jahrzehnten niemandem außer sich selbst etwas zu beweisen hat.

Little Steven im Interview: „Null Bock, der Boss zu sein“

Little Steven live 2019
SUMMER OF SORCERY heißt das neue Soloalbum, das Springsteen-Sidekick Little Steven Van Zandt kürzlich bei zunächst zwei Konzerten in Deutschland live vorstellte. Im Interview mit CLASSIC ROCK spricht der 68-jährige Vollblutmusiker über die Anfänge in New Jersey, seine Ausflüge in die Schauspielerei und seinen besten Freund, „Boss“ Springsteen.

Duff McKagan: Ein Gespräch über Guns N‘ Roses, Nahtoderfahrungen, Alkoholismus und Versöhnung


Der Mann, den man vor allem als Bassisten der „gefährlichsten Band der Welt“ kennt, spricht im Interview über Guns N’ Roses, sein Leben als Musiker, Nahtoderfahrungen, Trennungen, Versöhnungen, seine Reise vom Alkoholismus zur Trockenheit und sein bald erscheinendes Soloalbum. Ach, und über eine neue Guns-N’-Roses-Platte.

Das letzte Wort: Sting im Interview – „Ich mag es gemächlich“

Sting Interview

Sechs erwachsene Kinder, seit 1982 mit Trudie Styler liiert, Besitzer von sechs Luxusimmobilien sowie 18 Grammys, und viele Millionen schwer. Und dazu hat Sting, 67, auch noch einen Job, der ihm selbst nach mehr als 40 Jahren noch geradezu unverschämt viel Freude macht. Nun veröffentlicht der Engländer, der 1977 mit The Police seine Weltkarriere begründete und seit Mitte der 80er solo unterwegs ist, mit MY SONGS seine größten Hits in neuer, zeitgemäßer Interpretation.

Lieder wie ›Fields Of Gold‹, ›Brand New Day‹, ›So Lonely‹ oder ›Walking On The Moon‹ klingen in der Neubearbeitung frisch wie nie, Stings Stimme ist in Hochform, weder sieht noch hört man ihm das Erreichen des Rentenalters an.

Außerdem im Heft: Bruce Springsteen, D-A-D, Perry Farrell, UFO, Steve Vai, Foreigner, The Boxmasters, Axel Rudi Pell, Lukas Nelson u.v.m.

Wie immer inklusive Heft-CD, u.a. mit Songs von den Yawpers, Jade Jackson, Frankie Lee, The Halo Trees, Pretty Wild, BenjRose und Takida!

Das neue Heft ist ab dem 12. Juni im Handel erhältlich. Hier könnt ihr die neue Ausgabe schon jetzt versandkostenfrei bestellen…

Bob Dylan: Hier kommt der Trailer zur neuen Scorsese-Doku

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Bob Dylan 19751975 ging Bob Dylan mit weißer Schminke im Gesicht auf Tour. Jetzt kommt mit „Rolling Thunder Revue: A Bob Dylan Story by Martin Scorsese“ ein Film dazu.

Interviews mit Bob Dylan sind eine ganz rare Angelegenheit. Einer, für den der Songwriter gern eine Ausnahme macht, ist Regisseur Martin Scorsese. Für dessen „No Direction Home“ von 2005 sprach er vor der Kamera, jetzt hat er’s erneut getan.

Diesmal für die Doku „Rolling Thunder Revue: A Bob Dylan Story by Martin Scorsese“. Darin erzählt der Filmemacher von der „Rolling Thunder Revue“-Tour Mitte der 70er. Damals trat Dylan mit weiß geschminktem Gesicht auf, zu den zahlreichen Bühnengästen gehörte Joan Baez.

„It wasn’t a success, not if you measure success in terms of profit“, erinnert sich Dylan im Trailer. Am Ende sagt er: „Life isn’t about finding yourself. Or finding anything. Life is about creating yourself.“

„Rolling Thunder Revue: A Bob Dylan Story by Martin Scorsese“ ist ab dem 12. Juni auf Netflix zu sehen. Schon am 7. Juni erscheint die 14-CD-Box „The Rolling Thunder Revue: The 1975 Live Recordings“ mit Aufnahmen aus den Konzerten und den Proben dazu.

Suzi Quatro: „Ich fürchte nichts und niemanden“

Achtung, Suzi kommt! Susan Kay Quatro aus Detroit bedarf keinerlei Vorstellungsrunde.

Seit ihrem ersten Megahit ›Can The Can‹ von 1973 ist das Energiebündel ein nicht wegzudenkender Teil der Musikgeschichte. Auch mit 68 Jahren streift Suzi noch regelmäßig ihr Leder über und entlockt ihrem Bass selbstbewusst ein mächtiges Donnergrollen. Im Interview spricht die Ikone über ihr neues Album und die kommende Deutschlandtour.

Gehen dir die Fragen über deine Rolle als Frau in der Rockmusik langsam auf die Nerven?
Nein, ich bin wirklich stolz darauf. Ich war nun mal die erste ernstzunehmende Musikerin, die Rock’n’Roll spielte. So schreibt sich die Geschichte nun mal…

Dann frag ich da mal weiter: Du denkst ja irgendwie nicht in Geschlechter-Kategorien…
Das stimmt, ich habe mich auch nie als weibliche Musikerin gesehen. Das ,weiblich‘ hat mich nie interessiert, so wurde ich nicht erzogen. Das Geschlecht spielte keine Rolle, aber retrospektiv war ich natürlich die erste Frau. Ich dachte aber nicht so und das ist der Grund, warum ich die erste war.

Ungewöhnlich für diese Zeit. Deine Familie war da wohl sehr fortschrittlich…
Ja, wir waren anders. Mein Vater wollte wohl einfach keine vier abhängigen Frauen großziehen. Es gab keine Geschlechterunterscheidungen, das existierte in seinem Kopf nicht.

Eine Besonderheit…
Oh ja, das war mir damals nicht bewusst, aber rückblickend wird mir das immer klarer. Ich habe nie über Geschlechterrollen nachgedacht, ansonsten hätte ich wohl nicht diese riesige Bassgitarre in die Hand genommen. Ich wusste nicht, dass Frauen so etwas vielleicht nicht machen. (lacht)

Wann hast du kapiert, dass du eine Vorbildfunktion für andere Musikerinnen hast?
Kurz nach meinen ersten Hits, als das Thema in den Interviews aufkam. Da ist mir das erst aufgefallen. Aber das war jetzt keine Mission oder so. Oft frage ich Musikerkollegen, ob sie damals dachten: Oh, da ist jetzt ein Mädchen, das zeigt, dass sie wie die Jungs sein kann. Und sie antworten immer mit Nein. Und dann will ich wissen: Was habt ihr gesehen? Sie antworten: Wir sahen eine Musikerin. Eine natürliche Person, die sexy wirkt, ohne es darauf anzulegen. Und genau so sehe ich mich selbst auch.

Du hattest also auch nie Probleme mit Sexismus…
Nein. Ich habe immer an mich geglaubt. Ich nehme mich selbst ernst und wenn du so nach außen auftrittst, respektieren dich die anderen auch. Das ist das einzige, was zählt: Sei du selbst, entfache dein Licht. Das ist mein Ratschlag an alle Menschen.

Ich denke gerade an Joan Jett, deren Gitarrenlehrer sie als Frau ja sehr entmutigte…
Ja, aber sie hatte mich als Vorbild, deswegen hatte sie bessere Voraussetzungen. Sie war mein größter Fan, nach jedem meiner Konzerte in L.A. brachte sie stapelweise Zeug zum Signieren mit. (lacht) Als sie mit ihrer eigenen Band durchstartete, war ich wirklich froh, weil sie diese Anbetung von da an in sich selbst investierte. Ich bin sehr stolz auf sie. Ich meine, sie kopierte mein Image ein wenig, aber das ist völlig okay. Sie nahm sich von mir, was sie brauchte, und schneiderte es sich selbst auf den Leib.

Ja, das Leder beispielsweise…
Genau, nicht den Anzug. Das ist mein Outfit, niemand sonst würde es wagen. (lacht)

Interessiert dich, was aktuell so im Business passiert?
Ich bleibe schon am Ball, vor allem durch meine Kinder und Enkel. Gerade stelle ich mein neues Album fertig, zusammen mit meinem Sohn. Er hat Songs für mich geschrieben und es ist, als wäre die Suzi Quatro von früher wieder zurück. Ich wusste gar nicht, dass er so viel Talent hat. Wir saßen im Studio und ich spielte Bass und irgendwann sah er mich an und meinte: Oh Gott, Mama, plötzlich sitze ich hier vor Suzi Quatro! (lacht)

Wird man auf deiner kommenden Tour schon neue Songs hören?
Ich glaube nicht, aber sag niemals nie. Aber ich spiele zwei Stunden, es gibt keine Vorband: Man kriegt viel für sein Geld. Ich gebe euch das ganze Paket. Einer meiner Agenten meinte mal: Du bist Rock’n’Roll-Entertainment. Und das stimmt genau. Ich liefere einfach eine gute Show.

Erklärst du dir so auch deine Beliebtheit bei einem so breiten Publikum?
Ja, ich bin einfach nicht begrenzt. Klar bin ich Suzi Quatro mit dem Bass, aber ich bin der ganze Regenbogen. Ich spiele Klavier, Percussions, Bass. Es gibt Balladen, Soli, Hits. Der Rock’n’Roll ist der Fels, auf dem ich stehe, aber mich macht noch viel mehr aus.

Bist du eine furchtlose Person?
Ja, absolut. Manchmal ist das gar nicht so klug, aber ich fürchte nichts und niemanden.

Auch nicht das Altern, richtig?
Überhaupt nicht. Ich habe damit kein Problem, das ist alles eine Einstellungssache.

Du beschäftigst dich mit Astrologie. Du bist Zwilling, was sind da Stärken und Schwächen?
Ich bin ungeduldig und schonungslos ehrlich. Wir können sprunghaft sein, aber wenn wir lieben, dann richtig. Wir haben viel Energie und sind sehr sensibel. Wenn es zu einer Tragödie kommt, gehe ich durch den Schmerz und am anderen Ende wieder heraus.

Wenn du dein Leder anziehst, ist das wie ein Schutzanzug?
Ja natürlich. Ich denke, das hat jede berühmte Person. Du ziehst dir dein Image über. Es gibt in mir immer Suzi Quatro und die kleine Susi aus Detroit. Ich erkläre das gerne mit meinem Ego-Zimmer. An der Tür hängt ein Schild: „Pass auf deinen Kopf auf.“ Darin sind alle meine Errungenschaften, ich kann mir alles ansehen und danach schließe ich die Tür wieder. Und so lebe ich auch.

Hast du dich eigentlich jemals als Teil der Glam-Bewegung gesehen?
Nein, niemals. Ich meine, alle Typen hatten mehr Make-up drauf als ich. (lacht)

Fühlst du dich mächtig, wenn du Bass spielst? Viele belächeln heute ja Bassisten…
Oh ja, es ist ein mächtiges Instrument. Ich meine, ich erzähle selber Bassisten-Witze, aber im Grunde sind der Bass und die Drums der Motor. Und ich bin eine verdammt gute Bassistin, immer gewesen. Ich habe das ernst genommen, ich wollte einfach gut spielen.

Die Magie ist bis heute ungebrochen und an die Rente denkst du auch noch nicht?
Ja, bis heute. Das ist meine Leidenschaft. Und ich denke, dass ich es spüren werde, wenn die Zeit gekommen ist, um loszulassen. Aber jetzt noch nicht.

The Police – EVERYONE STARES: THE POLICE INSIDE OUT

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Police Everyone Stares

DVD: Strikt chronologisch und stark subjektiv – Stewart Copelands erstaunliches Super-8-Movie-Bandporträt

Völlig entgegengesetzte Charaktere kamen da zusammen: Im November 1976 lernte der Amerikaner Stewart Copeland (24), Schlagzeuger der britischen Progrock-Formation Curved Air und Lebensgefährte von Sängerin Sonja Kristina, auf Tournee in Newcastle upon Tyne einen Briten kennen und tauschte Telefonnummern mit ihm aus: Gordon Matthew Thomas Sumner (25), genannt Sting, Sänger und Bassist des semiprofessionellen Jazz-Rock-Ensembles Last Exit. Januar 1976 zog Ex-Lehrer Sting nach London, im Dezember gleichen Jahres gründete er mit Copeland und Gitarrist Henri Padovani The Police. Wenig später kam als zweiter Gitarrist Andy Summers (34) hinzu, Szene-Veteran der Bands Zoot Money’s Big Roll, Dantalian’s Chariot und Eric Burdon & The Animals.

Als Copeland Padovani kündigte, schloß der sich Wayne County & The Electric Chairs an – The Police verlieb im Trio. Ausgangspunkt von EVERYONE STARES – THE POLICE INSIDE OUT, einer ursprünglich von Bruder Miles Copeland produzierten 74-minütigen Rockumentary von 2006, angereichert um reichlich Bonusmaterial. Streng chronologisch konzipiert von Stewart Copeland aus persönlichem, erstaunlich gutem Foto- und Super-8-Filmmaterial, versehen mit inforeichen Off-Kommentaren im starken US-Slang. Ein Sammelsurium aus höchst subjektiven Eindrücken: Club-, TV- und Festival-Impressionen von der ersten US-Tour als auch in Europa (u.a. Lorelei, Musikladen, Londons Hammersmith Odeon), begleitet von Tourmanager Kim Turner, Copelands Freund aus Kinheitstagen. Absurd der erste Fanmob in Birmingham. Gefolgt vom kometenhaften Aufstieg des Triumvirats. Rasche Entfremdung, als Stings virtuoses Songwritertalent und charakterliche Dominanz die Gruppenbalance außer Kraft setzt.

Als auf Insel Montserrat das Album GHOST IN THE MACHINE (’81) entsteht, zeigen sich schon tiefe Risse. Auf einem US-Festival von 1982 endet die private Werkschau. The Police funktionieren noch bis 1984 weiter, die Freundschaft untereinander endete schon wesentlich früher.

8/10

The Police
EVERYONE STARES –
THE POLICE INSIDE OUT
UNIVERSAL

Video der Woche: The Rolling Stones – ›Doom And Gloom‹

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Wenn an einem Wochenende gleich zwei Stones Geburtstag feiern, dann ist klar, wem das ‚Video der Woche‘ gewidmet wird.

An diesem Wochenende feiern Ronnie Wood und Charlie Watts Geburtstag. Gleich zwei schlagkräftige Gründe dafür, das ‚Video der Woche‘ mal wieder den Rolling Stones zu widmen. Dieses Mal gibt es ein jüngeres Werk der Legenden zu sehen.

2012 veröffentlichten die Stones im Zuge ihrer Best-Of-Kompilation GRRR! die neue Single ›Doom And Gloom‹ inklusive starkem Musikvideo und bewiesen so mal wieder eindeutig, dass sie noch lange nicht an die Rente denken müssen. Im Clip spielt Schauspielerin Noomi Rapace mit, die vor allem durch die Verfilmung der beliebten Stieg-Larsson-Krimis bekannt wurde.

The Rolling Stones mit ›Doom And Gloom‹: