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Die wahren 100 besten Alben der 70er (Top 20)

Hier sind sie, die Top 20 der wahren 100 besten Alben der 70er. Geschafft haben das unter anderem Van Halen, Alice Cooper, Iggy Pop und AC/DC.

20-halen20 VAN HALEN 2
Van Halen
WARNER, 1979
Wie toppt man ein Debüt, das allgemein als Klassiker gilt? Gar nicht. Van Halen hatten dieses Problem, weshalb ihr Zweitling als Enttäuschung angesehen wurde. Doch wenn man die ganzen Superlative über den Vorgänger ausklammert, war dies dennoch eine gute Platte. Eigentlich etablierte es sogar den VH-Stil, denn die Band fühlte sich hier sehr wohl in ihrer Haut. Stücke wie ›Dance The Night Away‹ und ›Light Up The Sky‹ waren knackig und selbstbewusst, und über die gesamte Länge war eine charismatische Breitbeinigkeit zu hören.
Malcolm Dome

Zeitzeugen:
„Nach fast einem ganzen sorgfältigen Hördurchlauf bin ich absolut überzeugt, dass Van Halen die halbe Nacht wach gewesen sein müssen, um diese Platte zu machen.“ Rolling Stone

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19-iggy19 THE IDIOT
Iggy Pop
RCA, 1977
Taktisch geschickt nach seinem eigenen LOW veröffentlicht, hatte David Bowie tatsächlich zuerst angefangen, Iggy Pops Solodebüt zu produzieren. So gesehen ist THE IDIOT also der Beginn von Bowies Berlin-Phase. Dementsprechend ist es auch voll dunkler, gothischer Erhabenheit. Die Welt lernte hier einen neuen Iggy kennen: Bowie ermutigte ihn, seine tieferen Stimmlagen zu erkunden, und seine schallenden Gesänge akzentuierten die unverwechselbar europäischen Klanglandschaften, die den Hansa Studios entwichen. Im Jahr des Punk war dies der Sound der Zukunft.
Ian Fortnum

Zeitzeugen:
„Dies ist kein giftiger Punkrock wie etwa RAW POWER aus dem Jahr 1973. Dies ist Zombie-Rock – mit Herz.“ Creem

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18-lynuyrd18 SECOND HELPING
Lynyrd Skynyrd
MCA, 1974
Auf ihrem Debüt gab es das epische ›Free Bird‹, auch bekannt als das ›Stairway To Heaven‹ des Southern Rock. Beim Nachfolger versuchten Lynyrd Skynyrd erst gar nicht, es zu toppen. Sie fanden einfach ihren Groove mit ›Sweet Home Alabama‹ und blieben dort – ein Song, der sich als genauso prägend für sie erweisen sollte wie ›Free Bird‹. Aber auf SECOND HELPING gab es genauso viele Juwelen, von erdigem Hardrock wie ›Working For MCA‹ (eine beißende Kritik am Musikbusiness) zum tiefenentspannten Blues von ›The Ballad Of Curtis Loew‹.
Paul Elliott

Zeitzeugen:
„Diese Band hat das Können, die Jugend und das Selbstbewusstsein, um die Dinge noch sehr lange auf ihre eigenen Art zu tun.“ Crawdaddy!

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17-zztop17 DEGÜELLO
ZZ Top
WARNER BROS, 1979
1977 zogen sich ZZ Top ganze zwei Jahre lang aus der Öffentlichkeit zurück – eine Ewigkeit in einer Zeit, als die großen Rockacts in einem jährlichen Album/Tour-Zyklus gefangen waren. Das Mysterium um das texanische Trio verdichtete sich, als Gitarrist Billy Gibbons und Bassist Dusty Hill mit 30 cm langen Bärten zurückkehrten. Ihr Comeback DEGÜELLO war das Warten jedenfalls wert: funky Rock‘n‘Roll, Blues und Southern Soul, die Exaltiertheit von Captain Beefheart auf ›Manic Mechanic‹, und das enthusiastische Hupen auf dem freudigen ›She Loves My Automobile‹. Auch wenn der Titel warnte „Keine Gnade“, ist dies doch ZZs wärmstes, beseeltestes Album.
Paul Elliott

Zeitzeugen:
„Autos, Mädchen und Blues. Sie sind immer noch ein Powertrio. Und sie haben einen Draht zur Masse.“ Creem

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16-faces16 A NOD IS AS GOOD AS A WINK… TO A BLIND HORSE
The Faces
WARNER, 1971
Leider war dies, der größte Moment der Faces auf Platte, der Anfang vom Ende. Die Band hatte es endlich geschafft, die bluesige Jovialität ihrer Konzerte ins Studio zu übertragen, und lieferte unwiderstehliche Leckerbissen wie ›Miss Judy‘s Farm‹ und das gewissermaßen prophetische ›Last Orders Please‹ ab. Am besten waren Ronnie Lanes wunderschöne Ballade ›Debris‹ und das wilde ›Stay With Me‹, das ihnen zu ihrem ersten Hit verhalf. Nur leider wurde das alles überschattet von Rod Stewarts aufblühender Solokarriere – ›Maggie May‹ hatte nur wenige Wochen zuvor Platz 1 der britischen Charts erreicht.
Rob Hughes

Zeitzeugen:
„Bei A NOD… geht es um Entertainment, Ficken, Feiern, Nostalgie und das Konzept von Spaß als solchem.“ Creem

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15-buzzcocks15 SINGLES GOING STEADY
Buzzcocks
IRS, 1979
Ursprünglich nur für einen US-Re­­lease zusammengestellt, verkaufte sich das Album als Import gut genug in Großbritannien, um dort schließlich 1981 offiziell von United Artists veröffentlicht zu werden – kurz nach der Auflösung der Band aus Lancashire. Und es floppte, obwohl sich hier intensiv fokussierte, vor Liebeskummer vergehende Punk-Pop-Songs fanden. Wenn die Pistols und The Clash für die Wut ihrer Zeit standen, brachten die Buzzcocks durch Pete Shelleys gewitzte, leidvolle Texte die (verdrehte, verhinderte) Romantik mit. Laserscharfe Beobachtungen wie ›What Do I Get?‹ und ›I Don‘t Mind‹ brachten perfekt auf den Punkt, wie es ist, sich in jemanden zu verlieben, von dem man besser die Finger lassen sollte.
Chris Roberts

Zeitzeugen:
„Diese Platte als wunderbar zu bezeichnen, würde diesen Jungs nicht gerecht. Schnell, witzig und denkwürdig.“ Melody Maker

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14-genesis14 A TRICK OF THE TAIL
Genesis
CHARISMA, 1975
Viele glaubten, Peter Gabriels Ausstieg würde das Ende für Genesis bedeuten, doch sie kamen auch ohne ihn bestens klar. Phil Collins übernahm den Posten des Frontmanns. Das war ein bisschen, als hätte der Kaminkehrer die Hauptrolle in einer Schultheater-Produktion bekommen. Doch das Ergebnis ist mehr als charmant und Songs wie ›Squonk‹ ›Entangled‹ und diverse andere wehmütige Stücke über Kindheitsträume und Liebeleien glänzen mit tollen Refrains. Dies war der Klang von Genesis, die langsam ihren Weg in die Realität finden.
Mark Blake

Zeitzeugen:
„Ist es künstlerisch wertvoll? Keine Ahnung. Aber Genesis-Fans werden A TRICK OF THE TAIL lieben.“ NME

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13-alice13 KILLER
Alice Cooper
WARNER, 1971
Nach vier Alben lernten Alice Cooper (die Band), wie man kommerzielle Instinkte in ihre Horrormasche wob, ohne ihre Seltsamkeit oder düstere Stimmung zu beeinträchtigen. ›Under My Wheels‹ und ›Be My Lover‹ führten sie in eine schockierte Hitliste, aber KILLER baute mit dem kontroversen ›Dead Babies‹ auf einen wachsenden Ruf für Makabres auf – obwohl der Song eigentlich als Aufforderung an Eltern gedacht war, sich besser um ihren Nachwuchs zu kümmern. Die Garage-Rock-Wurzeln wurden hingegen mit ›You Drive Me Nervous‹ und ›Yeah, Yeah, Yeah‹ gepflegt.
Dave Ling

Zeitzeugen:
„Eine starke und wichtige Band, die noch sehr, sehr lange dabei sein wird.“ Rolling Stone

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12-bush12 THE KICK INSIDE
Kate Bush
EMI, 1978
Mit dem eröffnenden Walgesang, einem Haufen literarischer Referenzen und diesem unheimlichen Purzelbaum von einer Stimme awar das Debüt der 19-jährigen Kate Bush schwer zu ignorieren (vor allem nachdem sie mit ›Wuthering Heights‹ die erste selbstverfasste UK-Nr.-1 einer Frau überhaupt gelandet hatte). Bevor die Erbsenzähler und Image-Berater den Fuß in der Tür hatten („Ich hatte Glück, mich in diesem Maße ausdrücken zu können“, erinnerte sie sich später), klang das kunstvolle Gebräu auf THE KICK INSIDE unglaublich frei. Doch so sehr ihre Fans es auch lieben, steht es doch in weit weniger Regalen als HOUNDS OF LOVE von 1985.
Henry Yates

Zeitzeugen:
„Eine verblüffende Platte. Wo sie einerseits bemitleidenswert gekünstelt klingt, merkt man andererseits, dass hier ein Talent ist, das sich freischwimmen will.“ NME

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11-tele11 MARQUEE MOON
Television
ELEKTRA, 1977
Nach HORSES von Patti Smith und dem Debüt der Ramones war dies die erste Platte aus New Yorks CBGB-Explosion, die sowohl von den Kritikern gelobt, als auch zum kommerziellen Erfolg wurde. Tom Verlaine und Richard Lloyd, stark beeinflusst von ekstatischem Jazz, französischen Dichtern und Jam-Bands von der Westküste, bildeten eine umwerfende Doppel-Gitarrenspitze, die auf dem monumentalen Titelstück besonders gut zur Geltung kam. Wunderschöne Reflexionen wie ›Venus De Milo‹ sorgten für subtile Elemente neben kratzigen Live-Faves wie ›Friction‹. Leider verschwand die Band nach dem unterbewerteten ADVENTURE von 1978 in ihrem eigenen Mythos.
Kris Needs

Zeitzeugen:
„Ein Album für alle, egal welche musikalischen Vorlieben oder Eigenheiten sie pflegen … leidenschaftlich, vollblütig, erstaunlich gut gemacht, genial konzipiert und absolut zugänglich.“ NME
(Weiter geht es auf Seite 02)

Clarence Clemons: Springsteen-Saxofonist bekommt eigene Doku

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Bruce Springsteen mit Clarence ClemonsSeit den 70ern spielte Clarence Clemons (auf dem Bild in der Mitte) in Bruce Springsteens E Street Band. Jetzt kommt mit „Who Do I Think I Am?“ ein Film über den 2011 verstorbenen Musiker.

Es gibt unzählige Dokus und Konzertfilme über Bruce Springsteen. Seine Kollegen in der E Street Band sehen im Vergleich dazu blass aus. Irgendwie auch verständlich, schließlich ist er der „Boss“.

Eine neue Dokumentation stellt nun einen seiner „Angestellten“ ins Zentrum: Clarence Clemons. Seit Mitte der 70er war der hünenhafte Saxofonist in der E Street Band, bis er 2011 an einem Schlaganfall gestorben ist.

„Who Do I Think I Am?“ soll im Juli in US-Kinos laufen und im August auf Streaming-Plattformen. Der Film beschäftigt sich laut englischsprachigen Medien mit Clemons‘ Zeit in der E Street Band sowie seiner „spirituellen Reise“ und enthält u.a. Interviews mit Bill Clinton, Nils Lofgren, Joe Walsh und Clemons‘ Neffe Jake.

Clarence Clemons auf der Bühne mit Bruce Springsteen:

Snowy White: Abseits der Scheinwerfer

Snowy White ist einer dieser Gitarristen, die jenen ganz besonderen Ton beim Spielen haben. Seiner fast einzigen Gitarre, einer 57er Les Paul Goldtop – technischer Schnickschnack und Sammelwahn interessieren ihn nicht –, entlockt er einen ganz eigenen, völlig klaren, sauberen und herzberührenden Gesang.

Eine Gabe, die nicht viele besitzen. Dazu ist der britische Blues-Virtuose gut mit Peter Green befreundet, spielte von 1980 bis 1983 bei Thin Lizzy, bis ihm deren überdimensionierte Rock­star-Egos zu bunt wurden, und begleitete sowohl Pink Floyd auf deren ANIMALS-Tour als auch Roger Waters bei seinen diversen „The Wall“-Spektakeln: „Das Angebot von Pink Floyd lehnte ich erst mal ab, weil sie keinen Blues spielten. Ich war wohl der einzige Mensch in England, der noch niemals THE DARK SIDE OF THE MOON gehört hatte“, so der sympathische Künstler am Telefon.

Vorzugsweise lebt der 71-Jährige ohnehin lieber im Halbschatten der ganz Großen: „Wann immer auf der Bühne ein Scheinwerfer leuchtet, ist mein erster Impuls, sofort wegzugehen.“ Deshalb und aufgrund der für ihn so wichtigen Autarkie fühlt er sich mit Soloprojekten wie seinem jüngsten Album THE SITUATION um ein vielfaches wohler. Dass es Selbiges bald zu hören gibt, ist fast schon eine Überraschung, schien es vor wenigen Jahren doch eher so, als würde White seine Karriere an den Nagel hängen müssen: Er versteigerte seine jahrzehntelange, goldene Wegbegleiterin und klagte über starke Schmerzen im Ellbogen.

Erst nach intensiver Physiotherapie kann er heute wieder auf einer Nachbildung seiner alten Liebe spielen: „Damals wurde meine Gitarre wirklich zum Folterinstrument, ich hatte sie über zwölf Monate lang nicht mehr angefasst, weswegen ich sie schließlich auch verkaufte. Meine Replika singt leider nicht mehr ganz so schön“, so White beherrscht wehmütig. „Letztes Jahr musste ich zudem akzeptieren lernen, dass ich nicht mehr so gut spielen kann wie früher. Meine Finger machen nicht mehr alles, was mein Hirn ihnen sagt.“

Ein herber Rückschlag für jemanden, der nie etwas anderes tun wollte, als den Blues in Händen und Seele zu spüren. Deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Grundtenor auf THE SITUATION eher melancholischer Natur ist: Die Texte erzählen von Rastlosigkeit, von Aufgewühltheit und versäumter Liebe, die Gi­­tarre bohrt sich in das Sehnsuchtszentrum des Herzens wie durch Butter: „Mir sind viele Dinge passiert, die ich hier verarbeitet habe. Persönliches Zeug. Wenn ich Songs schreibe, lasse ich die Ideen einfach fließen, völlig ohne Kontrolle. Im Nachhinein musste ich aber etwas nachbessern, ich wollte das Album nicht ganz so schwer werden lassen“, so Snowy schmunzelnd. „Und trotzdem ist dieses Rastlose schon immer ein Teil von mir gewesen. Früher dachte ich, das würde im Alter aufhören, aber das tut es nicht. (lacht) Ich bin immer auf dem Weg irgendwohin, für mich gibt es wohl kein Ankommen. Daraus speist sich jedoch auch mein Antrieb.“

Live wird Snowy Whites Weg ihn in absehbarer Zeit nicht um die ganze Welt führen, lediglich eine Show in Sankt Petersburg hat der Gitarrist zugesagt: „Da spiele ich bei einer Veranstaltung eines internationalen Wirtschaftsforums vor Putin. Ich habe erst abgesagt, aber weißt du Jacky, jeder Mann hat seinen Preis. Irgendwann war die Summe einfach zu hoch, um nochmal abzulehnen. Und da wir das Geld fair unter allen Beteiligten aufteilen, dachte ich mir, es wäre auch eine gute Sache für meine Bandkollegen.“

Das letzte Wort: Gene Simmons (KISS)

Gene Simmons – Bassist und Sänger von Kiss, Fernsehstar und millionenschwerer Unternehmer – ist die lebende Verkörperung des American Dream. Das Einzelkind wurde als Chaim Witz am 25. August 1949 in Haifa, Israel geboren. Acht Jahre später nahm ihn seine Mutter Flora nach der Trennung der Eltern nach New York City mit, wo er 1973 mit Paul Stanley Kiss gründete, mit denen er über 100 Millionen Alben verkauft hat.

Was sind die besten und schlechtesten Aspekte daran, Gene Simmons zu sein?
Ohne hier zu großkotzig klingen zu wollen – obwohl mir das schon mein ganzes Leben lang vorgeworfen wird: Es gibt nichts Negatives daran, Gene Simmons zu sein. Du musst das im Verhältnis betrachten: entweder das oder Burger wenden. Was ist so schlecht daran, reich und berühmt zu sein? Ich verstehe nicht, warum sich da viele so reinstressen. Die einzigen Menschen, die sich beschweren sollten, sind die Armen auf diesem Planeten. Aber wenn du die Ultra-Reichen sagen hörst: „Oh, es ist so einsam an der Spitze“, ist das ein Haufen Scheiße. Wenn du mit Ruhm nicht umgehen kannst, sei nicht berühmt. Ich habe nichts zu beklagen.

Was sind deine Tipps zum Befriedigen einer Frau?
Nun, der Tipp, den mir Gott gab, ist der wichtigste.

Was ist deine beste textliche Anspielung?
„When love rears its head I wanna get on your case/ I wanna put my log in your fireplace“ (Kiss: ›Burn Bitch Burn‹)

Kannst du dein persönliches Vermögen beziffern?
In etwa, ja. Aber ich erinnere mich daran, wie ich als kleiner Junge las, dass jemand ein Millionär war, und das nicht begreifen konnte. Ich wusste nur, dass sie reich waren. Wenn die Reichen und Mächtigen mit Zahlen um sich werfen, scheint mir das unpassend. Das kommt mir wie übermäßiges Prahlen vor.

Aber du prahlst doch gerne.
Nicht mit meinem Reichtum. Ich prahle gerne mit meiner Intelligenz und meinem Talent, meiner Fähigkeit, Reichtum anzuhäufen, ja.

Hast du schon mal eine Karriere als Politiker in Erwägung gezogen?
Die zahlen nicht gut genug. Und Demokratie ist auf dem Papier zwar eine wunderschöne Idee, aber nicht die effektivste Regierungsform. Am effektivsten ist in erster Linie eine gutmütige Diktatur. Ich will, dass Polizisten Baseballschläger haben, und wenn sie einen Sprayer finden, sollen sie ihn vermöbeln. Wenn ich das Sagen hätte, gäbe es so gut wie keine Drogensüchtigen. Ganz sicher gäbe es keine Drogendealer, denn die wären alle tot.

„Wenn du mit Ruhm nicht umgehen kannst, sei nicht berühmt.“

Gibt es etwas, das du nicht für Geld tun würdest?
Dir vor deiner Tante einen blasen zu lassen. Wenn sie allerdings nicht dabei wäre, nun…

Was war deine größte Geldverschwendung?
Säufer und Alkoholiker zu lange umsorgt zu haben. Selbstzerstörerische Menschen saugen dir jede Lebenskraft aus.

Was ist das beste Gefühl von allen?
Gene Simmons zu sein. Es ist wirklich leicht, wenn man sein eigener größter Fan ist.

Was war der Tiefpunkt in deinem Leben?
Ich bin gesegnet, weil ich in der westlichen Kultur lebe, also gab es keinen Tiefpunkt in meinem Leben. Bei meiner Mutter schon. Sie überlebte die Konzentrationslager der Nazis im Zweiten Weltkrieg. Sowas gibt es für uns nicht. Wenn wir mal einen schlechten Tag haben, sollten wir alle die Klappe halten, uns über unsere drei Mahlzeiten am Tag freuen und darüber, dass wir einen sicheren Schlafplatz haben.

Worauf bist du in deinem Leben am stolzesten?
Du siehst es schon kommen … Gene Simmons! Ich bin auf mich selbst am stolzesten. Warum? Ich kam aus dem Nichts. Ich konnte kein Wort Englisch. Als ich nach Amerika kam, war einer der ersten Sätze, die ich hörte: „Bist du dumm? Sprichst du kein Englisch?“ Viele Jahre später arbeiten diese Leute für mich.

Was bereust du am meisten?
Ich beneide jeden, der etwas Großes vollbracht hat. Bergsteiger, die den Mount Everest erklimmen, Leute, die mehr Sprachen sprechen als ich, Olympioniken, Philosophen, die Erfinder, Nobelpreis-Gewinner. Ich bewundere Größe und sehe es als persönliches Versagen an, dass ich nicht großartiger bin, als ich das tatsächlich glaube.

Was ist der Sinn des Lebens?
Oh, das geht mir am Arsch vorbei. Es ist doch egal, was wir glauben. Alles was wir wissen, ist: Wir sind da – und dann sind wir’s nicht mehr. Oder um es poetischer zu sagen: Wir sind alle nur auf der Durchreise. Wenn man also in der westlichen Kultur lebt, wo man selbst entscheiden kann, wie man sein Leben lebt, können wir auch genauso gut das Beste draus machen. Versuche, niemand zu verletzen, und genieße dein Leben. Das war’s eigentlich auch schon. Wir haben Glück, in unserem Leben die Wahl zu haben.

Was soll auf deinem Grabstein stehen?
„Danke und gute Nacht.“

Tedeschi Trucks Band: Analoge Herausforderung

Mit ihrem jüngsten Album SIGNS setzte die Tedeschi Trucks Band ihren musikalischen Kurs fort – unter neuen Vorzeichen und mit alten Aufnahmemethoden. Wir sprachen mit Gitarrist Derek Trucks über Bandfeeling, Verlust und Gitarrenhelden.

Eine Formation wie die Tedeschi Trucks Band hat in vielerlei Hinsicht etwas Tröstliches. Zum einen ist das natürlich die Musik: handgemacht, auf höchstem Niveau. Zwischen Blues- und Southernrock pendelnd – aber auch immer offen für musikalische Experimente. Dann die Besetzung. Das Ehepaar Susan Tedeschi und Derek Trucks führen ein insgesamt zwölfköpfiges Ensemble an, selbstverständlich durch die Bank Erste-Sahne-Musiker.

Zum anderen steht die Band für eine eigentlich längst vergessene Haltung. Bei dem Kollektiv – das trifft es vermutlich eher als Band – schwingt immer ein lässiges, unaufgeregtes Hippie- und Kommunen-Feeling mit. Als sture Bewahrer der Traditionen sehen sie sich aber dennoch nicht, wie Derek Trucks beim Telefonat mit CLASSIC ROCK betont. „Es ist zwar immer gut zu wissen, wo etwas herkommt“, sagt er in seinem typischen freundlichen Tonfall am anderen Ende der Leitung, „das hilft. Aber gleichzeitig suchen wir auch immer nach neuen Einflüssen und Inspirationen. Wir leben im Hier und Jetzt. Nicht isoliert, sondern offen für so ziemlich alles.“

Zumindest alles, was ihrer Musik gut tut; was gut für die Vibes, den Groove, für das Zusammenspiel ist. Im Falle ihres neuen Albums SIGNS war die neue Idee ein Gruß aus der Vergangenheit: analoges Recording. Inklusive einem alten Neve-Mischpult und einer Studer-Bandmaschine aus den 70ern. Mehr retro geht nicht. „Wir waren ja noch nie eine Band, die alle Studiomöglichkeiten ausschöpfen wollte“, be­­richtet Trucks, „doch analog mit Bandmaschine war dann doch noch mal was anderes.“ Da man – anders als beim digitalen Recording – nicht unbegrenzt viele Spuren zur Verfügung hat, müsse man sich auf das Wesentliche konzentrieren. „Man muss sich darauf einlassen“, gesteht er, „doch das Fokussieren zahlt sich aus. Man bleibt beim Essenziellen.“

Nüchtern oder gar spartanisch fallen die elf neuen Tracks von SIGNS dennoch nicht aus. Im Gegenteil. Angetrieben von den zwei Drummern Tyler Greenwell und J. J. Johnson sowie Bassist Tim Lefebvre gleitet der Sound der Band dahin wie ein aufgemotzter Ford Mustang auf dem Highway. Satt, dynamisch, kraftvoll. Bei den Soli lässt sich aber erahnen, was Derek mit „Fo­­kussieren“ meint: Im Vergleich zum 2017 erschienenen Konzertmitschnitt LIVE FROM THE FOX OAKLAND nimmt sich der seit seinen frühen 20ern zu den weltbesten Gitarristen zählende Musiker hier zurück.

„Stimmt“, lässt er aus dem Telefonhörer vernehmen, „ich habe mich da etwas zurückgehalten. Ich wollte Soli spielen, die dem Hörer wirklich im Gedächtnis bleiben.“ Nicht selten erinnert er dabei an Eric Clapton – neben Duane Allman ohnehin einer seiner wichtigsten Einflüsse. „Ja, das kann gut sein. Co-Produzent Jim Scott meinte jedenfalls auch ein paar Mal: ,Das fühlt sich ein bisschen nach Eric an‘.“ Neben euphorischen und dynamischen Songs streut die Band auf SIGNS auch mehrere Balladen ein. Gründe dafür gibt es genug: Mit Butch Trucks (Dereks Onkel und einstiges Allman-Brothers-Mitglied), Gregg Allman, Leon Russell und Bruce Hampton verlor die Gruppe in der letzten Zeit gleich mehrere enge Freunde und Verwandte. Die Trauerarbeit führte die Band zu emotional tief gehenden Titeln – aber auch zu Mut machenden, nach vorne blickenden Songs wie ›Signs (High Times)‹, ›Walk Through This Life‹, ›Strengthen What Remains‹ und ›All The World‹.

Hollywood Vampires: Brandneues Video zu ›Heroes‹

Von den Hollywood Vampires gibt es heute ihr brandneues Video zum Cover von ›Heroes‹ zu sehen.

Am 21. Juni erscheint das zweite Album der Hollywood Vampires, schon heute haben die drei Superstars Alice Cooper, Joe Perry und Johnny Depp ein neues Video zu ihrer Cover-Version von David Bowies ›Heroes‹ für uns, gesungen von Depp höchstpersönlich.

Im Clip, der ganz in schwarz-weiß gehalten ist, sieht man die Vampires bei den Aufnahmen in den legendären Hansa-Studios in Berlin, jenem Ort, wo auch Bowie 1977 das Original aufgenommen hatte. Dazwischen sind schöne Live-Szenen der vergangenen Konzerte eingestreut.

›Heroes‹ von den Hollywood Vampires:

Videopremiere: Soren Andersen mit ›City Of Angels‹

CLASSIC ROCK präsentiert das neue Video des Gitarren-Virtuosen Soren Andersen.

Der dänische Gitarrero ist unter anderem dafür bekannt, 10 Jahre lang für und mit Glenn Hughes gespielt zu haben, außerdem hat er schon mit Größen wie Mike Tramp, Marco Mendoza, Joe Lynn Turner oder Dave Mustaine kollaboriert. Jetzt bringt Soren Andersen am vierten Oktober sein neues Soloalbum mit dem Titel GUILTY PLEASURES heraus.

Schon heute gibt es einen ersten Vorgeschmack auf das gute Stück. CLASSIC ROCK präsentiert exklusiv das Video zur brandneuen Single ›City Of Angels‹, das im sonnigen Los Angeles gedreht wurde.

Soren Andersen mit ›City Of Angels‹:

Allusinlove – IT’S OKAY TO TALK

Indie und noch viel mehr

Sieht man sich an, für wen die Produzenten Alan Moulder und Catherine Marks schon tätig waren, versteht man die Freude von Allusinlove über die Zusammenarbeit für IT’S OKAY TO TALK. Während Moulder U2 und The Jesus And Mary Chain auf der Habenseite hat, kann Marks sich unter anderem mit The Killers brüsten. Und irgendwie erinnert der Sound von Allusinlove manchmal an diese Indie-Größen, ist aber wilder und abgefahrener als Bono und Konsorten. Eine Nummer wie ›I’m Your Man‹ hat eher was von ›Love Like Blood‹ von Killing Joke, und die sind ja keine einfache Band. Auf IT’S OKAY TO TALK ist die Marschrichtung zwar Indie, vor allem mit genretypischen Gitarrensounds, aber es geht auch spacig, wavig und rockig zur Sache. Und bei einem eher gebremsten Stück wie ›Lover I Need A Friend‹ wird es ganz schön verspult. Das Titelstück hingegen ist eine lupenreine Indiepop-Hymne, die richtig groß aufgeht und auch Oasis gut zu Gesicht gestanden hätte. Das Album kann also echt einiges und mehr als „nur“ Indie.

6 von 10

Allusinlove
IT’S OKAY TO TALK
GOOD SOLDIER SONGS/AWAL