Wie großartig die Ära des Southern Soul mit ihren Zentren Memphis (Stax) und New York (Atlantic) wirklich war, wird angesichts dieses Albums einmal mehr deutlich. 60er-Jahre-Soul und Rhythm and Blues ist, was Wirkung und Wumms anbelangt, eine so verflixt zeitlose Angelegenheit, dass auch eine aktuelle Band damit zeitgemäß klingen kann. Dabei, und das ist wichtig zu erwähnen, sind The Teskey Brothers keine am Reißbrett zusammengebastelte Revival-Band. Sänger Josh Teskey, sein Bruder Sam (Gitarre) sowie die Schulfreunde Brendon Love (Bass) und Liam Gough (Schlagzeug) zelebrieren das Erbe von Otis Redding, Sam Cooke oder Booker T., weil es ihnen Spaß macht – seit zwölf Jahren. Gut möglich, dass man ohne das im Kellerstudio aufgenommene Debüt HALF MILE HARVEST nie auf diese fabelhafte Band aufmerksam geworden wäre, die seither sogar im Heimatland des Soul auf ausverkaufte Hallen blicken darf. Mit diesem Nachfolger zwischen Gospel, Soul und Folk, der genauso gut den Muscle-Shoals-Studios in den 60ern entsprungen sein könnte, kommt hoffentlich auch der Rest der Welt in diesen Genuss.
Als Songwriter, Gitarrist und Sänger war Tommy Bolin mit reichlich Talent gesegnet. Doch vor langer Zeit schon checkte er leider in den Rock‘n‘Roll-Himmel ein, was seinen „nasty habits“ geschuldet war.
Mal ehrlich: Das Recht auf Rausch ist ja schön und gut, doch wenn man sich vor Augen führt, wer der Musikwelt so alles abhanden kam, weil aus dem Recht ein Zwang wurde, dann kann man nur noch heulen. Etwa Tommy Bolin. Er stammte aus der US-Provinz, geboren (am 01. August) und aufgewachsen in Sioux City, Iowa, bevor er in Boulder, Colorado, eine Karriere als Profimusiker anstrebte.
Mit 18 Jahren nahm er das Debütalbum seiner Band Zephyr auf, dem zwar wenig Erfolg beschieden war, das jedoch etablierte Musikerkollegen aufhorchen ließ: Wer war dieser Gitarrist, der elegant solierend die Grenzen zwischen Blues, Rock und Jazz überschritt und noch dazu als Co-Autor in Erscheinung trat? Joe Walsh, gerade mit seinem neuen Projekt Barnstorm beschäftigt und zukünftiger Gitarrist der Eagles, empfahl ihn seiner ehemaligen Band James Gang, mit der Bolin zwei Alben aufnehmen sollte. Und Billy Cobham, Schlagzeug-Maestro im noch neuen Fusion-Metier, engagierte ihn für seinen Meilenstein in spe SPECTRUM.
Bolin nahm jede Chance wahr, wohlwollend formuliert. Weniger positiv ausgedrückt: Er war ein rastloser Charakter, den es nirgendwo lange hielt. Zwischen Zephyr und der James Gang hatte er noch die eigene Formation Energy am Start, später nahm er ein Album mit der kanadischen Proto-Metal-Band Moxy auf – und mit dem Jazz-Schlagzeuger Alphonse Mouzon.
1975 schien er endlich das große Los gezogen zu haben: Deep Purple, von Ritchie Blackmore jäh verlassen, entschieden sich für den jungen Amerikaner als Ersatzmann. Aus guten Gründen: Mit dem Zugang von David Coverdale und Glenn Hughes hatte die Band ihren Stil verändert, weg vom reinen Hard-Rock, hin zu mehr Funk und Soul. Bolin, vielseitig begabt, schien die richtige Wahl. Und noch etwas dürfte ausschlaggebend gewesen sein: Auf eine allzu selbstbewusste Diva der Sorte Blackmore hatten Deep Purple keine Lust. Bolin war erst 24 Jahre alt, schien also „formbar“ – und zu allem bereit. Über das Ergebnis, das 1975 in München aufgenommene COME TASTE THE BAND, kann man bis heute trefflich streiten: Die einen mosern, es sei kein „richtiges“ Purple-Album, die anderen rühmen einen Soul-Rocker wie ›You Keep On Moving‹.
Fakt ist: Nach der Tour zum Album brachen Deep Purple auseinander. Zuvor hatte Bolin noch sein beachtliches Solo-Debüt TEASER veröffentlicht, nach dem Split erschien der Nachfolger PRIVATE EYES. Alben, die Bolins Vielseitigkeit als Komponist und Gitarrist auf den Punkt brachten – und auch als Sänger machte er eine gute Figur. Am 3. Dezember 1976 war er als Support-Act für Jeff Beck engagiert, es schien wieder aufwärts zu gehen. Stunden später war er tot. Gestorben an einer Mixtur aus Heroin, Kokain, Barbituraten und Alkohol. Er wurde nur 25 Jahre alt.
TOUR DES MONATS: ALICE COOPER
alicecooper.com
Und ein weiteres Mal lässt sich der Meister der Dramatik zusammen mit seiner hochkarätigen Band (u.a. mit Nita „Hurricane“ Strauss und Ryan Roxy) unter dem Motto „Ol‘ Black Eyes Is Back“ höchstpersönlich nach Deutschland bitten. Als Support hat Alice Cooper dieses Mal die Truppe Black Stone Cherry mitgebracht.
BLACK STAR RIDERS
wizpro.com
Die Hard-Rock-Allstars um den ehemaligen Thin-Lizzy-Gitarristen Scott Gorham beehren ein weiteres Mal deutsche Bühnenbretter.
THE BLUE STONES
fkpscorpio.com
Mit ihrem Debüt-Album BLACK HOLES im Gepäck wird dieses kanadische Blues-meets-Psychedelic-Duo so manche (noch) kleinere Bühnen zum Beben bringen.
THE BOUCNING SOULS
fkpscorpio.com
Skatepunk der alten Schule liefern die Bouncing Souls aus New Jersey nun schon seit 30 Jahren. Zeit für ein paar Jubiläums-Shows!
PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS
philcampbell.net
Der ehemalige Motörhead-Gitarrist rockt mit seinen Söhnen und deren bestem Freund und Sänger Neil Starr durch Deutschland. Eine echte Familienangelegenheit.
29.11. Köln, Gebäude 9
30.11. Hamburg, Logo
01.12. Berlin, BiNuu
02.12. Nürnber, Hirsch
04.12. Dresden, Beatpol
05.12. München, Backstage
06.12. Frankfurt, Das Bett
CARL CARLTON
carlcarlton.de
Gespielt hat er schon mit der Manfred Mann’s Earth Band, mit Joe Cocker, Jimmy Barnes, Eric Burdon, Mother’s Finest und Robert Palmer, Peter Maffay und Udo Lindenberg hat er produziert. Auf seiner Tour lässt uns Carl Carlton an seinem reichen Erfahrungsschatz teilhaben.
CATS IN SPACE
catsinspace.co.uk
Mit ihrem Synthie-geschwängerten Sound und den großen Melodien verbinden die Cats in Space Classic Rock mit Disco. Sehr tanzbar!
20.09. Krefeld, Kulturfabrik
ERIK COHEN
starkult.de
Als „New Wave Of German Rockmusic“ bezeichnet der Kieler Solokünstler Daniel Geiger alias Erik Cohen seine dunklen Klänge, die man an sich an folgenden Terminen zu Gemüte führen kann:
COUNTRY 2 COUNTRY
c2c-countrytocountry.de
Die deutsche Edition des berühmten Country2Country-Festivals findet auch nächstes Jahr wieder in der Verti Music Hall statt.
Die Zeiten, in denen in Norwegen Musiker aus der Death-Metal-Szene Kirchen angezündet haben, sind lange vorbei. Heute sind Gotteshäuser eine gern genutzte Spielstätte für besondere Konzerte – so auch beim Wacken Open Air, wo in der Dorfkirche (die während des Festivals natürlich Metal Church heißt) bereits am Wacken-Mittwoch der einstige Scorpions-Gitarrist auftrat.
Der weltweit verehrte Alt-Meister, wie immer mit wallendem Haar und Stirnband sowie der einen oder anderen esoterischen Ansage (›Ich war schon immer spaced out, deswegen bin ich ja auch Gitarrist geworden‹), spielte im ersten Teil der Show seine beeindruckende Interpretation von Vivaldis ›Frühling‹ und ›Winter‹ aus den ›Vier Jahreszeiten‹; direkt im Anschluss folgte sein Gitarrenorchesterwerk ›Metamorphosis‹, bei dem er Vivaldis Motive aufgriff, sie umspielte, mit seinen unvergleichlich flüssigen Läufen über den Gitarrenhals gleichsam kommentierte und fortführte.
Das Problem war jedoch, dass das Orchester vom Band kam, nur der 64-Jährige spielte live, was womöglich zu einer Reaktion führte, mit der die Hausherren der Kirche außerhalb des Festivals auch zu kämpfen haben: die Reihen lichteten sich bedenklich. Das war schade, denn im zweiten Teil des eine Stunde und 45 Minuten langen Konzerts holte Roth nicht nur vier Musiker auf die Bühne, sondern auch mit ›We’ll Burn The Sky‹ und ›In Trance‹ zwei von ihm geprägte Scorpions-Klassiker aus der Kiste, die er auf seiner achtsaitigen Flamencogitarre bearbeitete.
Als Zugabe jammte er hochmelodisch über die Hendrix-Fassung von Dylans ›All Along The Watchtower‹, eine Leistung, die man angesichts der Jesus-Figur direkt hinter ihm wohl nur als ›göttlich‹ beschreiben kann.
Setlist:
1. Vivaldis Vier Jahreszeiten (Frühling, Winter)
2. Metamorphosis
3. Passage To India
4. Drifting Sun
5. Firewind
6. Don’t Tell The Wind
7. We’ll Burn The Sky
8. In Trance
9. All Along The Watchtower
„Ich bin enttäuscht, aber ich war vorbereitet“: Organisator Michael Lang hat bekannt gegeben, dass die Festival-Neuauflage 50 Jahre nach Woodstock nicht stattfindet.
„Woodstock 50“ ist abgesagt. Das bestätigte Michael Lang, nachdem Gerüchte seit Monaten darauf hingedeutet hatten, jetzt endgültig.
„Ich bin enttäuscht, aber ich war irgendwie darauf vorbereitet“, sagte Lang, der bereits beim Original-Woodstock 1969 zu den Organisatoren gehört hatte, dem amerikanischen „Rolling Stone“.
Ursprünglich hätte „Woodstock 50“ vom 16. bis zum 18. August in Watkins Glen im Bundesstaat New York stattfinden sollen. Nach Unstimmigkeiten kam das nahe gelegene Vernon Downs ins Gespräch, allerdings zerschlugen sich auch diese Pläne.
Dass es mit Vernon Downs nicht geklappt habe, sei ein Knackpunkt gewesen, sagt Lang. Ab da sei er nicht mehr überzeugt gewesen, das Festival, so wie er es sich vorgestellt hatte, umsetzen zu können. Am Ende war der Merriweather Post Pavilion in Columbia als Austragungsort geplant. Headliner wie Jay-Z, Miley Cyrus oder John Fogerty hatten da längst abgesagt.
„Wir sind traurig, dass es uns eine Reihe unvorhergesehener Rückschläge unmöglich gemacht hat, das Festival aufzuziehen, das wir uns vorgestellt hatten, mit dem großartigen Line-up, das wir gebucht hatten und dem sozialen Engagement, das uns vorschwebte“, heißt es in einem offiziellen Statement der Festival-Verantwortlichen.
Neben Jay-Z, Cyrus und Fogerty hätten etwa Robert Plant, Santana, David Crosby, die Greateful-Dead-Nachfolgeband Dead and Company, Chance The Rapper, Vince Staples und die Killers bei „Woodstock 50“ dabei sein sollen.
Das Trio High South präsentiert seine warme, neue Single ›Make It Better‹.
Wer die guten alten Zeiten von Crosby, Stills & Nash vermisst, der ist bei diesen Herren an der richtigen Adresse. Das Trio High South aus den Staaten zollt mit seinem Klanggewand den 60er und 70er Jahren mit Bands wie The Byrds, The Eagles oder auch America Tribut.
Drei Köpfe, drei Gitarren und dreistimmige Harmonien, die das Herz bewegen. Wer nicht genug kriegen kann von leicht folkigem Hippie-Flair, dem sollen diese Künstler ans Herz gelegt werden.
Für 2020 ist ein neues Album des Trios angekündigt, schon jetzt gibt es einen ersten Vorgeschmack namens ›Make It Better‹ zu hören. Im Oktober dieses Jahres touren High South außerdem unter dem Banner „A Change In The Wind“ durch Deutschland.
Bald 30 Jahren sind Vibravoid nun schon die deutschen Experten für Psychedelic-Rock. Jetzt zeigt uns die Kultband das hypnotische Video zu ihrer kommenden Single.
Seit ihrer Gründung Anfang der 90er (damals noch als Motley Motion) haben sich Vibravoid an die Spitze der europäischen Psychedelic-Rockszene gespielt. Bis heute veröffentlichen die Düsseldorfer regelmäßig Alben und Singles, zumeist auf limitiertem und liebevoll gestaltetem Vinyl.
Als nächstes erscheint im September die verhältnismäßig poppige, beschwingte 7″ Single ›World Of Pain‹. Auf der B-Seite findet sich die, laut Plattenfirma, „soundgewordene Transzendenz“ ›Plastic Covered Tangerine‹.
Vibravoid mit ›World Of Pain‹:
NEUE VIBRAVOID-SINGLE „WORLD OF PAIN“ // VÖ: SEPTEMBER 2019
In den 80ern prägten sie den Underground-Rock von Los Angeles, ihr Album MEDICINE SHOW hat Kultstatus. Die Rede ist natürlich von The Dream Syndicate. 2017 brachte die Band nach 29 Jahren Pause wieder eine Platte heraus, jetzt kommt der Nachfolger THESE TIMES. Sänger und Songschreiber Steve Wynn verrät uns, woher er seine Inspiration bezieht.
Aufgezeichnet von: David Numberger
Television
MARQUEE MOON
1977
Das Album, mit dem ich immer starten werde. Sogar nach 40 Jahren höre ich immer wieder neue Sachen darauf. Es ist für mich, als würde man unter die Motorhaube eines perfekt gebauten Autos schauen, oder eine Uhr öffnen, um zu bewundern, wie sie zusammengesetzt wurde. Der Sound von vier Leuten, die zusammen Musik spielen, in der jedes Teil ein anderes nach sich zieht, die nicht anders hätte gemacht werden können. Es hat nichts Überflüssiges an sich und fühlt sich dennoch frei an. Und es ist der Blueprint dafür, wie zwei Gitarren zusammenspielen können. Auch Werke von Neil Young & Crazy Horse fallen in diese Kategorie, oder von Dream Syndicate, aber das beste Beispiel für diese Machart ist MARQUEE MOON.
Miles Davis
JACK JOHNSON
1971
JACK JOHNSON ist in den frühen 70ern entstanden und ich liebe es sehr. Und mal ganz davon abgesehen, dass es von Miles Davis kommt und aus zwei Songs, zwei Stücken besteht, die dich in einen abgedrehten Traumzustand versetzen: Das Gitarrenspiel von John McLaughlin ist fantastisch. Es erinnert mich an Pete Townshend. Als hätte der auf einer Platte von Miles Davis gespielt. Jeder Akkord klingt, als würde er fluchen, als würde er einer unangenehmen Person sagen, was er von ihr hält. Und was wir auch mit Dream Syndicate versucht haben: Das Ganze nimmt dich mit auf eine emotionale psychedelische Reise – ohne Angeberei. Einfach eine Band, die den Augenblick nutzt und der Stimmung folgt, wohin auch immer die sich bewegt.
Spiritualized
LADYS AND GENTLEMEN
WE ARE FLOATING IN SPACE
1997
Ich liebe es. Soweit ich gelesen habe, hat es viel Geld und Zeit gekostet – und es ist einer der Fälle, die klingen, als wäre das alles gerechtfertigt. Ich bin im Allgemeinen kein Fan von großen, aufgeblasenen, pompösen, verschwenderischen, verfetteten, protzigen Alben. Aber hier klingt all das positiv, es ist orchestral und gigantisch, irgendwo zwischen Phil Spector und Vivaldi. Einfach schön. Neben MARQUEE MOON ist es so nah dran an einer perfekten Platte, wie man nur sein kann. Alles ist genau so, wie es sein muss. Sehr emotional, sehr düster, sehr hoffnungsvoll. Sehr verloren und bei sich zugleich.
The Rolling Stones
EXILE ON MAIN STREET
1972
Es gibt Platten, die funktionieren als Ganzes, die nehmen dich auf eine Reise mit. Dazu gehört diese. Ein Klassiker. Die Presse mochte es damals nicht, in der Entstehung war es nicht einfach und nach STICKY FINGERS, einem prägnanten Hit-Album, wurde es als Enttäuschung gesehen. Ich liebe es sehr, denn du tauchst in diese Welt ein: Was immer sie durchmachten, welche Drogen, welche Desillusionen, welche Konflikte untereinander – du bist dort mit ihnen. Du kannst dich gehen lassen. Und das ist schwer heute, wo wir alles nur noch schnell absorbieren und sofort weiterziehen. EXILE rechtfertigt Hingabe: Wenn du rumhängen und Drogen mit Keith Richards nehmen willst, das ist ein sicherer Weg, das zu tun.
J Dilla
DONUTS
2006
2006 entstanden, besteht es aus ich weiß nicht wie vielen kurzen Stücken, als käme es von einem DJ oder Soundtrack-Musiker. J Dilla spielt keine Note selbst, er singt kein Wort, aber indem er die Musik anderer kuratiert, sie zerschneidet, neu zusammensetzt, verkürzt und verlängert, erzählt er seine dunkle Geschichte: Er würde sterben und er wusste es. Er machte dasselbe, wie Bowie mit BLACKSTAR. Oder Mozart und Leonard Cohen. Sie wussten, dass ihre Zeit um war, und versuchten, das irgendwie mithilfe der Kunst zu erfassen. J Dilla hat Angst, er ist traurig, er will es nicht wahrhaben – und er lässt all das raus. Und es ist trotzdem angenehm, sich das anzuhören. Eine mühelose, kleine Reise in sein Bewusstsein.