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Rose Tattoo: Angry Management

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Rose Tattoo Assault and BatteryAngry Anderson ist ein kleiner Mann mit einer großen Stimme und der letzte Überlebende des originalen Line-ups von Rose Tattoo. Nach einem Ausflug in die Politik fungiert er nun wieder als Frontmann der wiederbelebten Aussie-Rocker. Und ja, er ist immer noch „angry“!

Eineinhalb Stunden in der Ge­­sellschaft von Gary, besser bekannt als Angry Anderson sind nie langweilig. Mit 1,55 m ist der kein Blatt vor den Mund nehmende Sänger von Rose Tattoo ein kleiner Typ mit vielen Meinungen, und bei unserem Gespräch in London kommt von Leben, Tod, Politik, Gewalt und political correctness über Loyalität, Religion und Ehre bis hin zu Pädophilie alles zur Sprache.

Rose Tattoo teilten sich nicht nur das Produktionsteam Vanda und Young und das Label Albert Productions mit ihren Landsmännern von AC/DC, sondern waren ihnen auch sonst tief verbunden. Und das Quintett aus Sydney war mit seinem bluesgetränkten, dreckigen Rock’n’Roll die perfekte Verkörperung der brutalen, kompromisslosen Persönlichkeit des Frontmanns.

Anderson ist nach wie vor einer der faszinierendsten Charaktere in der Rockmusik, und der Auftritt von Rose Tattoo beim Reading Festival 1981 ist bis heute ein Teil des Mythos dieses Events. An jenem Tag schockierte Anderson das Publikum, indem er sich selbst mit dem Mikrofon ins Gesicht schlug, dann blutüberströmt den Mikroständer in die Luft hob, um ihn dann durch den Holzboden der Bühne zu rammen und einen Abgang zu machen.

Jahre später wurde der Einfluss von Rose Tattoo bestätigt, als Guns N’ Roses ihren Song ›Nice Boys‹ auf LIVE ?!*@ LIKE A SUICIDE coverten und sie später einluden, sich wieder zu vereinen, damit sie als Special Guests auf der Australien-Tour zu USE YOUR ILLUSION auftreten konnten.

Doch es gab noch eine andere Seite. 1987 landete Anderson einen völlig untypischen Solo-Pophit mit ›Suddenly‹, das die Produzenten der Daily-Soap „Neighbours“ als Soundtrack für die Hochzeit von Charlene Robinson (Kylie Minogue) und Scott Robinson (Jason Donovan) ausgesucht hatten. Dieser unerwartete Top-5-Erfolg brachte Angry dazu, sich wie „ein echter Songwriter“ zu fühlen. Beim Weihnachts-Special von „Top Of The Pops“ bekam er dann auch noch von Cliff Richard gesagt, dass er den Song liebte.

Doch an allererster Stelle sind Rose Tattoo als eine unberechenbare Gang von biersaufenden, prügelnden Straßenkötern bekannt. Die Zeit holt uns aber alle ein, weshalb der Kern der Band nach und nach das Zeitliche segnete. Schlagzeuger Dallas „Digger“ Royall starb 1991, gefolgt 2006 von Gründungsmitglied und Slide-Gitarrist Pete Wells und Bassist Ian Rilen. Lobby Loyde, ein weiterer Bassist, ging 2007 von uns, zwei Jahre darauf dann Gitarrist Mick Cocks. Kein Wunder also, dass Andersons unerwünschter Status als letztes überlebendes Mitglied der Urbesetzung ihm schwer auf den Schultern lastet. Ihm ist auch bewusst, mit welchem Argwohn jegliches Line-up ohne den Dreh- und Angelpunkt Pete Wells unweigerlich betrachtet wird.

In typisch roher und überdeutlicher Manier rechtfertigt er die Gründe für die jüngste Rose-Tattoo-Reunion: „Ich sah Pete in seinen letzten Wochen im Krankenhaus“, erzählt er traurig. „Wir saßen ein paar Stunden beisammen, während er immer wieder das Bewusstsein verlor. Ich hielt seine Hand und fragte: ‚Was soll ich [mit der Band] tun?‘ Pete konnte nur durch ein Augenrollen oder eine Fingerbewegung antworten. Ich suchte seinen Rat, denn Rose Tattoo waren immer seine Band gewesen – er war der Boss. Und er war gerade so wach genug, um zu sagen: ‚Fuck ’em.‘ Alle erwarteten von uns, dass wir einfach das Handtuch werfen und verschwinden, doch hier war Pete, der mir sagte, dass die Band weiterleben musste.“

Wells hatte vergeblich darum gekämpft, auf dem bislang letzten Album BLOOD BROTHERS spielen zu können, das dann 2007 ein Jahr nach seinem Tod erschien. „Wir versuchten mehrmals, ihn aus dem Krankenhaus zu kriegen, damit er einige Soli spielen konnte, selbst wenn er an Maschinen hing“, so Ander­son. „Ich weiß, dass das übermäßig dramatisch klingt, aber er wollte der Platte seinen Stempel aufdrücken. Leider kam es nicht mehr dazu.“

Es folgte der Tod von Mick Cocks, der es jedoch schaffte, trotz seiner schweren Krankheit an BLOOD BROTHERS mitzuwirken. „Wir wussten alle, dass er im Sterben lag. Uns war klar, dass die nächste Tour Micks letzte sein würde. So kam es dann auch. Neben mir war er das letzte verbliebene Mitglied des ur­­sprünglichen Line-ups und sein Tod nahm mir wirklich den Wind aus den Segeln. Ich kam nach Hause und fragte mich, was ich mit mir anfangen sollte.“

Nachdem er im Blockbuster „Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“ von 1985 die Figur Ironbar gespielt hatte, hätte er durchaus eine Schauspielkarriere in Erwägung ziehen können. Stattdessen trotzte er seiner Geschichte, die nicht minder bunt war als seine Tätowierungen, und wandte sich der Politik zu. Unter seinem Geburtsnamen Gary Anderson kandidierte er für die konservative National Party für den Senat. Als Enkel eines Gewerkschaftsfunktionärs der Post und Sprössling einer traditionell links wählenden Familie war das eine enorme Kehrtwende.

„Als ich diesen voreingenommenen Sichtweisen entkam und selbst in den Ar­­beitsmarkt eintrat, änderten sich die Dinge“, erklärt er. „Zwei Jahre lang machte ich eine Lehre als Schlosser und Dreher, und als alles den Bach runterging, tat die Gewerkschaft absolut nichts, um uns schützen. Je mehr ich las und je mehr Erfahrung ich im Leben sammelte, reifte meine Weltsicht.“ Und indem er sich hinter die Australian Liberty Alliance Party stellte, die sich auf die Fahnen schreibt, „die Islamisierung Australiens verhindern“ zu wollen, machte er sich für ein ganz neues Publikum zur kontroversen Figur.

2012 erschien er in einer Dokuserie namens „Go Back To Where You Came From“. Er reiste ins kriegsgebeutelte Afghanistan, um einige der Menschen kennenzulernen, die ihrer Heimat auf der Suche nach Sicherheit entkommen wollten. Vor der Reise bekräftigte er: „Ich akzeptiere die Bootsflüchtlinge überhaupt nicht. Erzählt mir nicht, was für eine schwere Zeit ihr gehabt habt. Das erste, was ihr mir zeigt, ist ein Mangel an Respekt. Ende der Geschichte. Gebt euch keine Mühe.“ Doch nachdem er sich in eine Position brachte, wo er ihre verzweifelte Lage verstehen konnte, milderte sich diese Sichtweise ab. „Ich wollte, dass die Leute die echte Geschichte durch die Augen eines Skeptikers sehen“, erklärt er heute.

„Nachdem ich in Afghanistan ge­­wesen war, wo ich mit diesen Leuten gelebt habe, an ihren Tischen gesessen bin, ihr Essen gegessen, ihre Kinder kennengelernt und mir ihre Geschichten angehört habe, verstehe ich es jetzt. Ich verstehe, warum Menschen, die von Extremisten verfolgt werden, diese Dinge tun. Ich wünschte nur, sie müssten das nicht tun. Meine Motivation, als ich in die Politik ging, war es, dabei zu helfen, eine Reihe von Dingen besser zu machen, darunter die schlechte Bezahlung von Lehrern und Krankenpflegern“, fährt er fort.

„Mir wurde bald klar, dass man diesen Leuten nicht das zahlen kann, was sie verdient hätten, denn diese Themen sind einfach ein Spielball. Also lässt man die Lehrer arm bleiben und die Krankenpfleger lange arbeiten. Was die Leute nicht begreifen, ist dass die Labour-Partei in der Regierung daran auch nichts ändern würde. Ich kandidierte für einen Sitz im Bund, dann für einen im Bundesstaat und schließlich für den Senat, und mir wurde schnell klar, dass beide Parteien so schlimm wie die jeweils andere sind. The Who brachten es perfekt auf den Punkt: ‚Meet the new boss, the same as the old boss‘ [aus ›Won’t Get Fooled Again‹]. Ich werde bis ans Ende meiner Tage ein Konservativer bleiben, aber ich stehe mit einem Fuß in beiden Lagern. Macht bedeutet vor allem, den Leuten gegenüber misstrauisch zu bleiben.“

2015 zog Anderson aus „persönlichen Gründen“ seine Kandidatur zurück. Ist seine Karriere als Politiker nun endgültig vorbei? „Oh, abso-fucking-lut“, antwortet er lapidar. „Ich sage bei den Gigs immer noch das eine oder andere, aber damit will ich die Leute nur zum Denken anregen.“

Nach seinem „Flirt“, wie er es nennt, mit der Staatslenkung war Anderson bereit, „ein Haus im Outback zu kaufen, Gemüse zu züchten, wilde Tiere abzuschießen und zum Einsiedler zu werden“. Doch dann, während Rose Tattoo scheinbar für immer auf Eis lagen, buchten die Veranstalter des Bang Your Head Festivals in Baden-Württemberg die Angry Anderson Band. „Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, die Musik komplett an den Nagel zu hängen, doch Bang Your Head gab mir den Tritt in den Arsch, den ich brauchte“, gibt er sich begeistert.

„Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich es noch mal versuchen musste. Und es gab mir einen Grund, wieder zu trainieren, auf meine Ernährung zu achten und zu versuchen, vielleicht doch etwas länger zu leben. Letztlich dreht sich aber alles nur um das eine: diese verdammte Besessenheit von der Musik. Auf der Bühne zu stehen und zu hören, wie das Publikum lauter singt als die Band, ist ein unglaubliches Gefühl. Auf dieser Tournee [mit Rose Tattoo] sind jüngere Leute gekommen – auch Mädels, was wir nie zu­­vor hatten. Jungs und Mädchen zusammen machen die Sache wesentlich interessanter. Ich habe die Rolle von Frauen immer anerkannt, auch wenn ich es nicht darauf abgesehen habe, politisch korrekt zu sein. Aber meine Mutter war eine Frau. Ebenso wie jede Freundin, die ich je hatte. Allerdings hatte ich eine Beziehung mit… nun, das ist eine andere Geschichte, die ich mir vielleicht besser für meine Memoiren aufhebe.“

Uriah Heep: Wacken, Louder Stage (03.08.2019)

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Uriah Heep live in Wacken 2019

50 Jahre, 25 Alben und eine Premiere

Undank sei der Welten Lohn, schrieb einst Shakespeare – und könnte damit auch an das Wacken Open Air 2019 gedacht haben. Denn während Demons And Wizards, die sich nach dem gleichnamigen Uriah-Heep-Album von 1972 benannt haben, am Freitagabend zur besten Headliner-Zeit auf der Mainstage auftraten, mussten sich Uriah Heep selber mit einer Show am Samstagnachmittag auf der zweitgrößten Bühne begnügen.

Doch die Hardrock-Truppe, die ihrerseits den Bandnamen von einer Romanfigur von Charles Dickens übernommen hat, machte das Beste aus ihren 75 Minuten. Trotz eines nicht idealen Sounds begeisterte das Quintett bei seinem tatsächlich allerersten Wacken-Auftritt mit Songs aus seinem 25. Studioalbum, LIVING THE DREAM, und natürlich mit einer scheinbar endlosen Folge an Hits.

Dabei profitierte die perfekt eingespielte Band von den dezent aufgefrischten Arrangements der alten Schlachtrösser wie ›Easy Livin’‹ oder ›Look At Yourself‹, die viel Platz ließen für lange Soli aller Mitglieder – allen voran Mick Box, Gitarrist und einzig verbliebenes Gründungsmitglied der seit 50 Jahren aktiven Band. Sein Können an den sechs Saiten, wie er virtuos mit Wah-Wah-Pedal und Tremolo-Arm hantiert, und dabei – ganz der alte Showman – mit der linken Hand die Töne herbeizuzaubern scheint, wird viel zu selten gewürdigt.

Und Humor hat Mick Box auch, als er dann den All-Time-Klassiker ›Lady In Black‹ als ›Heavy Metal Folksong‹ ankündigt. Wer es schafft, dass der Refrain des mit zwei Akkorden auskommenden Geniestreiches von allen – vom Altfan mit Rollator bis zum Metalkid mit Slipknot-Aufnäher – mitgesungen wird, der hat als Band alles richtig gemacht. Um noch einmal Shakespeare zu bemühen: Ende gut, alles gut.

Setlist:

1. Crazed By Heaven
2. Too Scared To Run
3. Take Away My Soul
4. Knocking At My Door
5 Rainbow Demon, Gypsy
6. Look At Yourself
7. July Morning
8. Lady In Black
9. Sunrise
10. Easy Livin’

Little Steven im Interview: „Null Bock, der Boss zu sein!“

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Little Steven InterviewSUMMER OF SORCERY heißt das neue Soloalbum, das Springsteen-Sidekick Little Steven Van Zandt kürzlich bei zunächst zwei Konzerten in Deutschland live vorstellte. Im Interview mit CLASSIC ROCK spricht der 68-jährige Vollblutmusiker über die Anfänge in New Jersey, seine Ausflüge in die Schauspielerei und seinen besten Freund, „Boss“ Springsteen.

Steven, SUMMER OF SORCERY heißt dein neues Soloalbum, das erste von dir mit ausschließlich neuem Material in 20 Jahren. Warum war es bis SOULFIRE, dem Vorgänger von 2017, musikalisch so lange still um dich?
Die Schauspielerei hat mich all die Jahre nicht dazu kommen lassen, neue Musik aufzunehmen. Ich hatte, wie man weiß, eine Rolle bei den „Sopranos“, danach in „Lilyhammer“ und dann hat Bruce die E Street Band reaktiviert. Jetzt endlich habe ich zum ersten Mal in meiner Karriere zwei eigene Alben hintereinander mit derselben Band aufgenommen. Fühlt sich gut an!

Du bist Musiker, Songwriter, Produzent, Regisseur, Drehbuchautor, Radio-DJ, Aktivist und zählst sicher zu den „hardest-working men“ im Showbusiness…  
Man muss eben immer am Ball bleiben. (lacht) Es hat mir schon immer Spaß gemacht, möglichst viele verschiedene Dinge auszuprobieren. Oft ergab sich eine Sache aus einer anderen. Langweilig wird es mir jedenfalls nie.

Dein neues Album heißt wörtlich übersetzt „Sommer der Zauberei“. Was hat es mit dem Titel auf sich?
Das, was ich mache, bezeichne ich gern als „Zauberei“. Musik und Kunst im Allgemeinen sind für mich sowas wie Magie. Man versucht etwas zu gestalten, man hat eine Vorstellung von dem, was man rüberbringen möchte, aber man erreicht sein Ziel nie hundertprozentig. Wenn man ihm möglichst nahe kommt, ist das Magie. Das gilt im Übrigen nicht nur für Musik, sondern auch für die Liebe. Wenn wir uns verlieben, hat das immer mit zwischenmenschlicher Chemie und auch ein bisschen mit einem gewissen Zauber zu tun. Dieses Gefühl wollte ich mit meiner Musik auf diesem Album einfangen. Die Gefühle, die der Sommer in uns auslöst. Das ist es.

„Wenn der Boss ruft, bin ich da. Er hat bei mir immer oberste Priorität.“

SUMMER OF SORCERY ist überraschend unpolitisch ausgefallen. Bist du mittlerweile politikverdrossen?
Es stimmt, ich habe mich in den letzten Jahren aus der Politik komplett rausgehalten, habe weder Obama unterstützt noch Trump kritisiert. Obwohl beides wahrscheinlich angebracht gewesen wäre. Wir leben momentan in düsteren Zeiten, da braucht der Mensch etwas, das ihn aufbaut. Optimismus, Hoffnung, das sind urmenschliche Instinkte. Vielleicht versuche ich ja, mit meiner Musik menschliche Sorgen wegzuzaubern – ohne Politik zu machen. Unsere Situation ist drastisch: Bis vor Kurzem haben wir Mauern eingerissen, sind Handelspartnerschaften mit anderen Ländern eingegangen, haben für mehr Toleranz und Respekt untereinander gekämpft – aber all das scheint sich momentan wieder zu ändern. Wir entwickeln uns zurück. Die Globalisierung, das friedliche Miteinander der Völker scheint nicht zu funktionieren wegen einiger Politiker, die eine andere Agenda verfolgen. Plötzlich will man wieder Mauern hochziehen an der Grenze zu Mexiko, Partnerschaften und Verab­redungen werden nicht eingehalten, der Brexit steht vor der Tür, in Europa kocht der Faschismus wieder hoch, Rassismus nimmt wieder zu. Es gab auch unter Präsident Obama Diverses zu kritisieren, besser als Trump war er aber allemal.

Du hast statt politischer Texte und Aktionen das „Rock and Roll Fo­rever Education Programme“ gegründet. Um was geht es da?
Das ist ein Bildungsprogramm. „TeachRock“ soll Kids in Sachen Politik aufklären und ihnen Geschichte, aber auch Kunst, Geografie und Sprachen nahebringen – immer in Verbindung mit Musik. Ich habe Spring­steen, Bono, Martin Scorsese und viele andere namhafte Künstler dafür gewinnen können. Online gibt es bereits gut 200 Dossiers zu verschiedenen Themen, 25.000 Lehrer sind bei uns registriert, alle helfen mit. Wir wollen vermitteln, dass Lernen Spaß machen kann.

Du stammst von der Ostküste, wurdest in Massachusetts geboren, bist in New Jersey aufgewachsen und gehörst zu den Mitbegründern des „Sound of Asbury Park“…
Ja, zusammen mit Bruce Spring­steen und Southside Johnny. Mit Bruce bin ich seit Jugendtagen befreundet, für Johnny und seine Band Asbury Jukes habe ich Songs geschrieben, Alben produziert. Coole Jungs. Aus unserem Club, dem „Stone Pony“ in Asbury Park, ist dann diese Live-Szene entstanden. Ich weiß aber nicht, ob sich New Jersey und die Szene dort so sehr von anderen Ecken der USA unterscheiden. Wir haben einfach die Vergangenheit und ihre Traditionen immer in Ehren gehalten und darauf aufgebaut. Dabei hatten wir stets einen klaren Blick dafür, wo wir in Zukunft hinwollten. Wir sind unseren Working-Class-Wurzeln treu geblieben, haben den traditionellen Rock’n’Roll weitergeführt und uns nie an Trends orientiert wie etwa die Popmusik. Trends kommen und gehen. Rock bleibt! Rock’n’Roll ist näher am Blues und Jazz und muss auf der Bühne gelebt und erlebt werden. Wir wollen die Leute zum Tanzen bringen und zum Zuhören. Live-Auftritte waren uns immer viel wichtiger als Platten, Fernsehshows oder Videoclips. Nur live gibt es Interaktion mit dem Publikum. Von der leben wir. Bruce Springsteen hat mit seinem Erfolg die Tür für uns alle aufgestoßen. Das brachte viel Aufmerksamkeit. Wir haben übrigens gerade einen Dokufilm abgedreht. In „Asbury Park: Riot, Redemption & Rock’n’Roll“ erzählen wir über unsere Anfangstage in New Jersey in den 70ern.

Sprechen wir über die dortige Clubszene. Bist du damals Mafiosi begegnet, die u.a. auch die Musikclubs kontrolliert haben sollen?
Mafiosi haben nicht jeden Club dort kontrolliert, aber es gab sie natürlich, sie hingen dort rum. Bei manchen war man sich nicht sicher, ob sie zum Mob gehörten oder nicht. Da gab es auch Poser, wir nannten sie Wannabe-Gangster. Ich denke, die Clubs, in denen wir auftraten, waren zu klein und nicht lukrativ genug für sie. Es gab jedenfalls nie Ärger.

In der TV-Serie „Die Sopranos“ spielst du selbst einen Mafioso, den „Bada Bing!“-Nachtclub-Besitzer Silvio Dante. Wie kamst du als Musiker an diese Rolle?
Das war verrückt, denn mit Schauspielerei hatte ich ja nie etwas am Hut. 1997 durfte ich bei der Rock And Roll Hall Of Fame eine Laudatio auf eine alte amerikanische Rock’n’Roll-Kapelle halten, The Rascals. In meiner Jugend war ich Fan von denen. David Chase, der spätere Autor und Produzent der „Sopranos“, sah das und sprach mich an. Er sah schauspielerisches und humoristisches Talent in meiner Rede und bot mir eine Rolle in der Serie an, die gerade in Planung war. Ich lehnte erst mal höflich ab, denn ich bin nun mal kein Schauspieler und wollte auch keinem anderen den Job wegnehmen. Chase meinte aber, ich sei ein Schauspieler, ich wüsste es nur noch nicht. Allen Ernstes sah er mich als Tony Soprano, den Hauptdarsteller, aber HBO, der TV-Sender, erhob Einspruch. Schließlich bekam James Gandolfini den Part. Das ging für mich absolut in Ordnung, denn James war in meinen Augen einer der besten Schauspieler und wie gemacht für diese Rolle. Ich war dann mehr als zufrieden mit der Rolle des Silvio Dante, übrigens der Einzige in der Serie, der nie der Boss sein wollte – so wie ich im richtigen Leben auch.

Apropos „Boss“: Wie geht’s deinem Freund Bruce Springsteen?
Ich denke gut. Er hat gerade 15 Monate am Broadway hinter sich, mit Shows an fünf Tagen die Woche, alle ausverkauft. Im Witz habe ich zu ihm gesagt, dass das der erste regelmäßige, konstante Job war, den er in seinem Leben je hatte. Jetzt hat er gerade ein neues Soloalbum rausgebracht, WESTERN STARS.

Wie steht es um die E Street Band? Wirst du wieder mit Bruce zusammenarbeiten?
Wir haben verabredet, dass wir Ende des Jahres alles besprechen. Die E Street Band wird wieder aktiv sein. Wenn der Boss ruft, bin ich da. Er hat bei mir immer oberste Priorität.

Bob Dylan – THE ROLLING THUNDER REVUE

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Bob Dylan 1975 live

Paint it white: Boxset mit fünf Shows von der berühmten Tour von 1975

Als Bob Dylan 1974 mit The Band nach fast einem Jahrzehnt ohne Tour wieder auf die Bühne stieg, waren die Erwartungen überlebensgroß. Der Fokus lag mehr auf seinem Comeback an sich als auf den eigentlichen Performances, wie Wesley Stace in den Liner Notes zum vorliegenden Boxset schreibt. „Ich fühlte mich nicht wohl und ich war nicht glücklich“, erinnert sich Dylan. „Ich wollte etwas anderes machen.“ Das Andere wurde die Rolling Thunder Revue: Ein „raggle-taggle Gypsy caravan“, eine bunte Show mit verschiedenen Künstlern, ein Wanderzirkus mit Dylan als Zirkusdirektor.

Das Ganze startete 1975 mit zunächst 31 Shows in 23 Städten (im Jahr darauf sollten weitere Konzerte folgen). Fünf Auftritte daraus wurden mit professionellem Equipment aufgezeichnet, alle fünf finden sich jetzt in der neuen ROLLING THUNDER Box auf 14 CDs. Allerdings nur die Dylan-Perfomances. Das ist erwähnenswert, weil neben dem Meister selbst befreundete Künstler eigene Sets spielten: natürlich Joan Baez, aber auch Bob Neuwirth, Ramblin’ Jack Elliott, Roger McGuinn und Joni Mitchell.

„Dylan war vom quecksilbrigen Rock der mittleren 60er ebenso weit weg wie vom ganz frühen Protest-Folk“

Dylan trat mit weiß geschminktem Gesicht auf, was oft als Anspielung auf den Pantomimen Baptiste im französischen Film „Les Enfants du Paradis“ (1945) gesehen wird. Der Songwriter selbst meinte, er wolle einfach, dass auch die Leute in der letzten Reihe seine Augen sehen können. Ganz egal, der Look ist zur Ikone geworden.

Was die Musik betrifft, war Dylan vom quecksilbrigen Rock der mittleren 60er ebenso weit weg wie vom ganz frühen Protest-Folk. Die neuen Versionen der Songs hatten etwas Folkloristisches, Geigen spielten, Folk mischte sich mit Blues, Rock und Gospel. Der damals 34-Jährige öffnete seinen Sound sogar für orientalische (›One More Cup Of Coffee‹) und Tex-Mex-Einflüsse (›Romance In Durango‹). Und er sang ausgelassen wie selten zuvor. Sein Album DESIRE war jeden Abend mit mehreren Stücken vertreten, ansonsten gehörten ›When I Paint My Masterpiece‹, ›It Ain’t Me, Babe‹, ›I Shall Be Released‹, ›Just Like A Woman‹ oder ›Knockin’ On Heaven’s Door‹ zu den Konstanten. Bei ›Blowin’ In The Wind‹ sang Joan Baez mit, zum abschließenden ›This Land Is Your Land‹ kamen nochmal alle Künstler auf die Bühne.

Es waren orgiastische Auftritte. Und auch die Soundqualität ist famos. Neben den eigentlichen Shows finden sich vier CDs mit teils noch etwas zerschossenen Probeaufnahmen und eine Bonus-Disc mit selten gespielten Liedern, auf der Dylan etwa Hank Williams’ ›Your Cheatin’ Heart‹ covert oder – überraschend – ›The Tracks Of My Tears‹ von Soulgenius Smokey Robinson. Dazu kommt ein Booklet mit Fotos von der Tour und den bereits erwähnten Liner-Notes von Autor und Musiker Wesley Stace. Wer Bewegtbilder will: Auf Netflix läuft die kongeniale gleichnamige Doku von Martin Scorsese.

9/10

Text: David Numberger

Bob Dylan
THE ROLLING THUNDER REVUE
COLUMBIA/SONY

Bob Dylan Rolling Thunder Revue Box

Wacken: So sah es bei der Show von Airbourne aus

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Airbourne live @Wacken 2019Auch in diesem Jahr findet im hohen Norden wieder das legendäre Wacken Metal Open Air statt. Eigentlich muss man zu diesem Fixtermin im Jahr nicht mehr viel erklärten, von 01.-03. August sind aktuell wieder drei Tage Metal Madness geboten. Unser Fotograf ist vor Ort und hat ein paar Einblicke für uns, dieses Mal von der gestern stattfindenden Show von Airbourne.

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(Alle Fotos (c) by Markus Werner)

Duff McKagan: Konzerttickets, LP und signierte Li­tho­gra­fie gewinnen!

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Duff McKagan GewinnspielDuff McKagan kommt für drei Shows nach Deutschland! Im Gepäck hat der Guns N‘ Roses-Bassist dann sein neues Soloalbum TENDERNESS. Wir verlosen 2×2 Tickets pro Stadt plus je ein Album und eine von McKagan handsignierte Lithografie!

Um beim Gewinnspiel mitzumachen, schickt uns einfach unter dem Betreff „Duff McKagan“ eine Mail an verlosung@crmag.de und nennt uns darin eure Wunschstadt, eure Telefonnummer und eure Adresse. (Teilnahmeschluss ist der 15. August, Teilnahme ab 18 Jahren)

Duff McKagan live 2019:

23.08. Berlin, Astra
26.08. Köln, Gloria Theater
27.08. Mannheim, Alte Feuerwache

Duff McKagan Lithografie

Videopremiere: Freddy And The Phantoms mit ›First Blood Universe‹

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Seht hier das brandneue Video von Freddy And The Phantoms!

2020 bringen diese Dänen ihr viertes Studioalbum A UNIVERSE FROM NOTHING heraus, schon jetzt gibt es eine erste neue Single von Freddy And The Phantoms zu hören.

›First Blood Universe‹ ist ein treibender Track und erinnert in seinem eher retro-lastigen Auftreten entfernt an skandinavische Musikerkollegen wie Graveyard und Co.

Freddy And The Phantoms mit ›First Blood Universe‹:

Saxon – THE EAGLE HAS LANDED 40 (LIVE)

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Saxon The Eagle Has Landed

40 Jahre im Namen des Heavy Metal: Saxon feiern Geburtstag

40 Songs aus vier Dekaden: Saxon feiern ihren 40. Geburtstag mit einem opulenten Live-Album. Der englische Heavy-Metal-Dino hat nicht wenige Live-Scheiben in seiner beeindruckenden Karriere veröffentlicht. Und jetzt schon wieder? Das neue Werk THE EAGLE HAS LANDED 40 (LIVE) macht durchaus Sinn, für die treuen Fans der NWOBHM-Pioniere wie für Neueinsteiger gleichermaßen. Bandboss Biff Byford hat einen Querschnitt aus einer Zeitspanne von zwölf Jahren ausgesucht, der wenig Wünsche offenlässt. Die stimmungsvolle Konzertreise beginnt 2007 in Berlin, führt über Balingen und Wacken nach London, Los Angeles und Manchester zurück in die britische Hauptstadt. Dabei berücksichtigte der Saxon-Frontmann neben den üblichen Hits wie ›Dallas 1pm‹, ›Denim And Leather‹ und ›Crusader‹ auch bärenstarke Songs der neueren Zeit wie ›Battering Ram‹ und ›Sacrifice‹. Als Tribut an die alte Freundschaft zu Motörhead, mit denen Saxon schon in den goldenen Zeiten beider Bands tourten, spielten die Engländer mit dem mittlerweile verstorbene Fast Eddie Clarke das unvermeidliche ›Ace Of Spades‹. Saxon haben, ausgenommen einer schwachen Phase Mitte der 80er, stets Qualität abgeliefert. Das wird auf THE EAGLE HAS LANDED 40 (LIVE), das in mehreren hochwertigen Special-Editionen erscheint, erneut deutlich.

8/10

Text: Matthias Bossaller

Saxon
THE EAGLE HAS LANDED 40 (LIVE)
SILVER LINING MUSIC/MILITIA GUARD