Wacken: Uli Jon Roth live (31.07.)

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Wacken: Uli Jon Roth live (31.07.)

Frank Dünnhaupt Uli John Roth live in Kirche

Spaced Out in der Kirche

Die Zeiten, in denen in Norwegen Musiker aus der Death-Metal-Szene Kirchen angezündet haben, sind lange vorbei. Heute sind Gotteshäuser eine gern genutzte Spielstätte für besondere Konzerte – so auch beim Wacken Open Air, wo in der Dorfkirche (die während des Festivals natürlich Metal Church heißt) bereits am Wacken-Mittwoch der einstige Scorpions-Gitarrist auftrat.

Der weltweit verehrte Alt-Meister, wie immer mit wallendem Haar und Stirnband sowie der einen oder anderen esoterischen Ansage (›Ich war schon immer spaced out, deswegen bin ich ja auch Gitarrist geworden‹), spielte im ersten Teil der Show seine beeindruckende Interpretation von Vivaldis ›Frühling‹ und ›Winter‹ aus den ›Vier Jahreszeiten‹; direkt im Anschluss folgte sein Gitarrenorchesterwerk ›Metamorphosis‹, bei dem er Vivaldis Motive aufgriff, sie umspielte,  mit seinen unvergleichlich flüssigen Läufen über den Gitarrenhals gleichsam kommentierte und fortführte.

Das Problem war jedoch, dass das Orchester vom Band kam, nur der 64-Jährige spielte live, was womöglich zu einer Reaktion führte, mit der die Hausherren der Kirche außerhalb des Festivals auch zu kämpfen haben: die Reihen lichteten sich bedenklich. Das war schade, denn im zweiten Teil des eine Stunde und 45 Minuten langen Konzerts holte Roth nicht nur vier Musiker auf die Bühne, sondern auch mit ›We’ll Burn The Sky‹ und ›In Trance‹ zwei von ihm geprägte Scorpions-Klassiker aus der Kiste, die er auf seiner achtsaitigen Flamencogitarre bearbeitete.

Als Zugabe jammte er hochmelodisch über die Hendrix-Fassung von Dylans ›All Along The Watchtower‹, eine Leistung, die man angesichts der Jesus-Figur direkt hinter ihm wohl nur als ›göttlich‹ beschreiben kann.

Setlist:

1. Vivaldis Vier Jahreszeiten (Frühling, Winter)
2. Metamorphosis
3. Passage To India
4. Drifting Sun
5. Firewind
6. Don’t Tell The Wind
7. We’ll Burn The Sky
8. In Trance
9. All Along The Watchtower

Foto: Frank C. Dünnhaupt

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