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Siena Root – THE SECRET OF OUR TIME

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Heavy-Blues und Psych-Rock mit ökologischem Gewissen

Siena Root ist eine Gemeinschaftssache: Auf dem Bandfoto drängeln sich neun Leute, es dominieren Jeans und lange Haare, die Männer tragen in der Regel Bärte, die drei Frauen in der Band schauen sehr selbstbewusst in die Linse: Bei Siena Root weiß jede und jeder, was es zu tun gibt. Das Kollektiv kommt aus Schweden, ist aber auch für den deutschen Stoner-Rock-Gitarristen Stefan Koglek von Colour Haze zu einer Heimat geworden. Das Grundprinzip der Gruppe ist streng analog: THE SECRET OF OUR TIME klingt, wie Rockmusik in den frühen 70ern geklungen hat. Der dominierende Einfluss ist Heavy Blues, der die Gräben freischlägt, in denen die sehr gute Sängerin Lisa Lystam ihre Psychedelic-Parts einfließen lässt. ›Mender‹ ist in dieser Hinsicht besonders gelungen, auch ›Organic Intelligence‹ wandelt sich sehr stimmig von einem Stampfer in einen atmosphärischen Song: das Schlagzeug wirbelt, die Stimmen doppeln sich, die Gitarre hat Spaß am Freispiel. In ihren Texten sparen die Schweden nicht an Kritik, es geht um die Zerstörung der Ökosysteme durch das Handeln des Menschen sowie um die Dumpfbackigkeit der Politik. Ein Song heißt ›When A Fool Wears A Crown‹ – und drei Mal darf man raten, wer damit gemeint sein könnte.

7/10

Siena Root
THE SECRET OF OUR TIME
MIG/INDIGO

Hällas – CONUNDRUM

Retrofuturistisch wunderbar

Wirft man CONUNDRUM auf den Plattenteller, fühlt man sich sogleich in eine Tropfsteinhöhle mitten im Weltraum versetzt. Wohlig ambivalente Empfindungen begleiten einen durch den gesamten Synthie-geschwängerten Hörgenuss jenes dritten Hällas-Werkes, das gleichzeitig das Ende der bisher eingeschlagenen Konzepttrilogie markieren soll. Ist das nun SciFi oder Mittelalter, Weltraum oder Schwertkampf? CONUNDRUM ist alles auf einmal, ein musikalischer Meteorschauer aus Prog, Artrock und Retro-Futuristik, dabei jedoch nicht überladen oder unangenehm bombastisch. Die schwedischen Macher selbst bezeichnen ihren multiversen Stil lose als „Adventure Rock“ und obwohl man Vergleichbares durchaus schon in den 70ern z. B. bei Genesis, etwas später auch bei Rush oder in gesteigerter Form bei Ayreon gehört hat, so hebt sich CONUNDRUM in seiner fast schon unschuldigen und dabei doch bravourösen Umsetzung in diesem Jahr von vielen Release-Kollegen ab. Auch wenn kein Song ganz an die Hitqualitäten von ›Starrider‹ von EXCERPTS FROM A FUTURE PAST heranreichen kann, so finden sich mit ›Tear Of A Traitor‹ und ›Carry On‹ doch mindestens zwei wirklich eingängige Nummern inmitten dieses musikalischen Sternschnuppensturms, der einen völlig abtauchen lässt in ein sagenhaftes Paralleluniversum.

8/10

Hällas
CONUNDRUM
NAPALM/UNIVERSAL

Waltari – GLOBAL ROCK

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World Wide Wack

„Die spinnen, die Finnen!“ – das war ein Satz, den man in den 90ern öfter mal in Verbindung mit dieser Band las. Kärtsy Hattaka & Co. schwammen zwar auf der Crossover-Welle nach oben und entsprachen mit jenem seltsamen, klinisch-elektronischen Diät-Industrial-Sound, der auch Clawfinger etwa zehn Minuten lang zu A-Listen-Anwärtern machte, stellenweise der gängigen Blaupause dieses Genres. Doch anders als die meisten Acts jener Szene beließen sie es längst nicht bei dieser blutleeren Kombination, sondern schlugen alle möglichen Haken in diverse faszinierende Richtungen, gekrönt 1996 von dem durchgeknallten Meisterwerk YEAH! YEAH! DIE! DIE! DEATH METAL SYMPHONY IN DEEP C.

Anno 2020 trifft GLOBAL ROCK nun ausgerechnet in eine Zeit, in der einerseits ein größeres Bewusstsein denn je dafür herrscht, dass wir alle im selben Boot sitzen, andererseits jedoch die Welt so wenig global ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Album klingt ähnlich disparat und enthält einige Filler, die dem genannten Sound gefährlich nahe kommen. Dafür sind die Highlights wahre Juwelen, etwa das Doom-Folk-Breitwand-Epos ›Going Up The Country‹, das Wuchtrock-Drama ›Had It All‹ und vor allem ein packend-monumentales Stück, das vielleicht die perfekte Hymne für diese seltsame Gegenwart ist: ›Sick’n’Tired‹.

6 von 10 Punkten

Waltari, GLOBAL ROCK, METALVILLE/ROUGH TRADE

Deep Purple: Neue Single ›Throw My Bones‹ ist da – mit Video!

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Deep Purple WhooshIm Juni kommt die erste Platte von Deep Purple im neuen Jahrzehnt. Sie heißt WHOOSH!, ›Throw My Bones‹ ist der erste Song daraus.

Das neue Album von Deep Purple nimmt weiter Gestalt an. Wie jetzt bekannt ist, wird es den Titel WHOOSH! tragen und am 12. Juni rauskommen. Es ist der Nachfolger von INFINITE (2017).

Jetzt gibt’s die erste Single daraus zu hören, und deren erste Strophe passt unheimlich gut in unsichere Corona-Zeiten: „I don’t know what lies ahead/It’s all a mystery man, I heard it said/You do your thing, do your best/I take a guess at what happen next.“

Das Video zum Song sei „eine Einladung, den Planeten und die aktuelle Situation auf der Erde zu beobachten und gleichzeitig ein Aufruf zum Handeln“, wie es im Pressetext heißt.

Deep Purple mit ›Throw My Bones‹:

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Support für Bands: Künstler via Bandcamp unterstützen

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The Beatles Help I'm Down Sampler CoverDurch die Corona-Krise stecken viele Musiker und Künstler in der Klemme: Bandcamp startet eine Hilfsaktion.

Covid-19 hält die Welt weiter in Atem. Konzerte und Veranstaltungen sind abgesagt, auch kleinere Zusammenkünfte in Kneipen, Bars und Clubs sind aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr aktuell nicht erlaubt. Viele Künstler, Veranstalter und Barbesitzer trifft diese unvorhersehbare Entwicklung ziemlich hart.

Um Künstlern und Bands zu helfen, gehen ab jetzt alle Einnahmen aus Verkäufen, die über die Plattform Bandcamp getätigt werden, direkt an die jeweiligen Bands und Labels. Bandcamp verzichtet somit für 24 Stunden auf den Eigenanteil an den Verkäufen.

Die Aktion startet heute, am 20. März, um 08:00 Uhr.

Mötley Crüe: Appell an alle mit ›Home Sweet Home‹

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Mötley Crüe Home Sweet Home Lyric VideoAuch Mötley Crüe appellieren mit dem Hashtag #beatthevirus und einem neuen Lyric-Video an ihre Fans.

Wer hätte gedacht, dass Mötley Crüe irgendwann einmal als Stimme der Vernunft agieren würden. Auf ihrer Facebook-Seite postete die Bands kürzlich folgendes Statement, um ihre Fans zu sozialer Distanz in Covid-19-Zeiten aufzurufen:

„Wir stecken da ALLE gemeinsam drin. Bitte folgt den jeweiligen Richtlinien eurer Wohnorte. Eine kurze Zeit sozialer Distanz heißt, dass wir die Situation so schnell wie möglich in den Griff bekommen. Bleibt gesund, wascht euch die Hände und vor allem: Stay Home Sweet Home. Wir lieben euch, Mötley Crüe.“

Zur Unterstreichung ihrer Message und zur Feier des ersten Geburtstags ihres Films „The Dirt“ haben Mötley Crüe gestern ein neues Lyric-Video zu ihrem Hit ›Home Sweet Home‹ veröffentlicht.

Blues Boom: Free

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Die Band mit der Scheiß-drauf-Einstellung, die sich in der rauen Realität der britischen Blues Clubs ihre Sporen verdiente.

Die Geschichte gehört den Gewinnern, heißt es. Das ist auf jeden Fall wahr im Fall von Free, deren durchwachsene Laufbahn seit jeher vom weitaus größeren Erfolg der Band überschattet wurde, die ihnen folgen sollte: Bad Company. Bassist Andy Fraser sagte 2006: „Free hatten viele Seiten – Blues, Soul, Folk. Wir waren definitiv eine Sixties-Band“. Bad Company, geradlinigere Vertreter der 70er-Rockelite, bedienten sich einfach „der Seite von Free, die man in große Hallen bringen und so verkaufen konnte“.

Dagegen ging es bei Free laut Fraser „immer um mehr, als nur erfolgreich zu sein. Wir wollen musikalische Barrieren einreißen“. Ein Ziel, das sie nie wirklich erreichten. Stattdessen zerrissen sie sich selbst. Eine hässliche Auflösung, in deren Folge Gitarrist Paul Kossoff mit 26 an einer Drogenüberdosis
starb und Fraser wieder in der Versenkung verschwand (er ging 2015 mit 62 von uns). Die beiden Mitglieder, die dann mit Bad Company zu Stars wurden – Sänger Paul Rodgers und Schlagzeuger Simon Kirke –, waren ironischerweise die „Landeier“ bei Free, die Provinzler, die als weniger weltgewandt galten als ihre in London geborenen Kollegen.

Dass ausgerechnet sie am meisten von ihrer Zeit bei Free profitierten, ist aber absolut typisch für die zweifellos unkonventionelle Karriere dieser Formation. Es hatte nichts damit zu tun, dass die beiden weniger talentiert gewesen wären – alle vier Originalmitglieder waren außerordentlich begabt –, sondern eher damit, dass der riesige Erfolg, den sie dann erzielten, so unerwartet kam. Doch rückblickend könnte man fast alles im Zusammenhang mit Free so beschreiben, vom unglaublich jugendlichen Alter, in dem sie starteten (Fraser war erst 15) bis zu der lächerlich kurzen Zeit, die sie brauchten, um berühmt zu werden – und dann wieder in Vergessenheit zu geraten.

Free waren im selben Jahr wie Led Zeppelin gegründet worden, Zeitgenossen, die auf derselben Bluesrock-Quartett-Blaupause aufbauten, und hätten mindestens genauso groß und wichtig werden können. Dass man sich heute hauptsächlich aufgrund von ein paar Hitsingles wie ›All Right Now‹, ›Wishing Well‹ oder ›My Brother Jake‹ an sie erinnert, ist schlichtweg eine Tragödie. Die vier Teenager, die Free 1968 aus der Taufe hoben, wussten schon, dass sie ihr eigenes Material schreiben mussten, um anerkannt zu werden. Zum Glück hatten sie in Rodgers und Fraser zwei Talente für ein beeindruckendes Songwriting-Team in ihren Reihen.

Zunächst waren sie aber vor allem für ihre Fähigkeit bekannt, den Blues für ein überwiegend weißes Rockpublikum neu zu erfinden, indem sie Standards wie Albert Kings ›The Hunter‹ und Robert Johnsons ›Crossroads‹ mit frühen Rodgers Kompositionen wie ›Walk In My Shadow‹ und ›I’m A Mover‹ kombinierten. „Es war aber nicht nur bluesbasiert“, bekräftigte Fraser, der als Letzter zur Band stieß. „Unser Songwriting war auch von Soul, Motown und den Beatles beeinflusst. Ich fand immer, dass wir das Potenzial hatten, all das und noch viel mehr zu machen.“


Killer-Track: ›The Hunter‹

Bruce Springsteen: Komplettes Hyde-Park-Konzert von 2009 anschauen

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Bruce Springsteen TourBruce Springsteen hat seine London-Show von 2009 online gestellt – mit Klassikern en masse und Gastauftritt von Brian Fallon.

Unser Leben spielt sich grad vor allem in unseren eigenen vier Wänden ab. Auch Bruce Springsteen hat via Facebook und Twitter zum „social distancing“ im Kampf gegen das Corona-Virus aufgerufen.

Um das Ganze erträglicher zu machen, hat der Star-Songwriter jetzt seinen kompletten „London Calling: Live In Hyde Park“-Auftritt auf YouTube und zahlreiche Streaming-Plattformen verfrachtet. Zu hören gibt es Klassiker wie ›Badlands‹, ›Born To Run‹ oder ›The Promised Land‹, zu ›No Surrender‹ kommt Brian Fallon von Gaslight Anthem auf die Bühne, und los gehts mit einem Cover von The Clashs ›London Calling‹.

Wir wünschen viel Vergnügen!! Hier kommt der Streaming-Link: https://bit.ly/2IZuSOg
Und hier gehts zur Playlist auf YouTube: https://bit.ly/2wjU2UT

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