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Buckcherry: Die Dämonen schlafen nur

Buckcherry Press 2018Neun Uhr morgens in einem amerikanischen Klischee-Diner in Los Angeles. Müde schlurft man durch die Tür – was soll das auch für eine Uhrzeit sein? – und trifft sogleich auf das Subjekt der Begierde: Josh Todd hat gerade seinen Sohn in die Schule gebracht und sitzt nun an einem abgelegenen Tisch, um mit mir bei Omelette und dünnem Filterkaffee über das neue, kraftvolle Buckcherry-Album WARPAINT zu sprechen. Der Titel kann mit Fug und Recht als Anspielung auf die Farbe verstanden werden, die Joshs Haut flächendeckend, heute nur sichtbar an Hals und Händen unter dem brav wirkenden Langarmshirt ziert und seine sexy Rockstar-Rolle hinter der legeren Familienvater-Fassade erahnen lässt.

Kriegsbemalung kann viele Funktionen erfüllen: Was bedeutet sie für dich?
Zelebration. Als Kind war ich von Indianern fasziniert. Sie tätowieren sich, wenn Jungs zu Männern werden oder Frauen schwanger sind. Es geht mir um das Feiern des Lebens und um Körperkunst. Außerdem bietet der Albumtitel künstlerisch gesehen viel. Symbolismus und so.

Haben all deine Tattoos eine Bedeutung?
Nicht alle, aber viele. Ich wollte einfach schon immer so aussehen, viel tiefer geht’s nicht.

Wenn morgen plötzlich all deine Tattoos weg wären, wie würdest du dich fühlen?
Seltsam, weißt du. Für manche meiner Filmrollen müssen sie abgedeckt werden und das fühlt sich komisch an, nicht mehr nach mir selbst.

Euer Line-up-Wechsel liegt ja schon ein wenig zurück, fühlst du dich immer noch wohl?
Nach 20 Jahren kann es schwer werden, sich auf dieselbe Sache zu konzentrieren. Wir waren einfach keine richtige Band mehr, alle konnten es spüren. Mit den zwei neuen Jungs ist da wieder diese Verbindung und ein gemeinsames Ziel. Jeder ist hingebungsvoll seinem Handwerk gegenüber.

Wie nah beieinander liegen für dich das Schreiben von Texten und Poesie?
Oh, sehr nah. Bevor ich mit 16 meine erste Band hatte, schrieb ich viele Gedichte, das war ein Ventil für mich, um mich auszudrücken. Dann war ich erst ein Songwriter, bevor ich zum Sänger wurde. Auch wenn die Anfänge nicht hochtrabend waren, so wusste ich: Das ist es, was ich tun will. Schreiben hat einen total therapeutischen Effekt, es tut gut. Stevie und ich arbeiten auch schon an den nächsten Songs. Ich liebe unseren gemeinsamen Flow.

Wie schafft man es als Songwriter, aus der Begrenztheit menschlicher Emotionen immer wieder neu zu schöpfen?
Für mich liegt der Schlüssel darin, den Kreativitätsfluss nie versiegen zu lassen. Außerdem lese ich viel und sammle auf meinem Handy alles, was mir ins Auge fällt: Worte, Titel etc. Manchmal habe ich sogar Blackouts beim Schreiben… Für WARPAINT alleine hatte ich 30 Tracks geschrieben, einige emotionale Lieder wie ›Radio Song‹ sind mir in der Dusche eingefallen. (lacht) Ich lese außerdem viel über die Kraft des Geistes und meditiere täglich.

Welchen Vorteil ziehst du daraus?
Es hilft mir, ruhig zu werden. Seit meiner Kindheit wache ich mit viel Lärm im Kopf auf. Bei meiner Art von Meditation versuche ich, einfach nichts zu sein. Sie konzentriert sich darauf, dass es weder eine Zukunft noch eine Vergangenheit gibt. Das ist schwere Kost, befreit aber ungemein.

Das ist ja auch eine Thematik auf WARPAINT…
Genau. Ich versuche, nichts zu bereuen, weil es nichts bringt. Alle Ge­­schehnisse sind lehrreiche Erfahrungen. Reue führt zu Groll, Wut und Angst und an diesen giftigen Ort möchte ich nie mehr gehen müssen. Ich bin ja auch seit 20 Jahren trocken, und durch solch negative Gefühle…

…könnten die Dämonen wieder geweckt werden?
Ja, und zwar sofort.

Video der Woche: Muddy Waters feat. The Rolling Stones

The Rolling Stones feat Muddy WatersEine Jamsession der ganz besonderen Sorte trug sich 1981 in Chicago zu…

In Gedenken an Blues-Legende Muddy Waters blicken wir heute zurück auf einen Abend, an dem der große Meister seine eifrigen Schüler zu sich auf die Bühne holte.

1981 spielte Muddy Waters ein Konzert in der Checkerboard Lounge. Der Bluesclub in Chicago gehörte damals niemand geringerem als Buddy Guy. Im Publikum befanden sich „zufälligerweise “ auch die Rolling Stones und so holte Muddy seine berühmten Bewunderer zu sich auf die Bühne für eine gemeinsame Session.

Neben ›Mannish Boy‹, ›Hoochie Coochie Man‹ und vielen weiteren Klassikern gab die Truppe bei ihrem „Live At The Checkerboardlounge, Chicago 1981“-Konzert auch das berühmte Delta-Blues-Stück ›Baby Please Don’t Go‹ zum Besten.

The Wild: Konzert im Live-Stream

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The Wild im Live-StreamSchon auf Konzertentzug? The Wild würden da heute Abend eins im Live-Stream geben…

Kreativ sein in Krisenzeiten, das ist für Musiker gerade das A und O. Um ihre Fans trotz abgesagter Konzerte ein wenig aufzumuntern, setzen viele Bands derzeit auf Live-Streams.

Auch die Rock’n’Roller von The Wild aus Kanada wollen wegen des Corona-Virus nicht gänzlich auf ihre musikalischen Tätigkeiten verzichten und spielen heute Abend im Live-Stream auf ihrer Facebookseite ab 21 Uhr auf.

Bill Withers: Soul-Sänger verstorben

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Bill WhitersBereits am Montag sei der Sänger verstorben, so teilten seine Angehörigen heute mit.

Mit immerwährenden Songs wie ›Ain’t No Sunshine‹ oder ›Lean On Me‹ hat sich Bill Withers trotz seiner eher kurzen Zeit im Business für immer in der Musikgeschichte verewigt.

Nun ist der Sänger am Montag im Alter von 81 Jahren in Los Angeles an den Folgen von Herzkomplikationen gestorben.

Testament – TITANS OF CREATION

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Das beste Line-up der Bandhistorie

Auf Testament ist Verlass. Ein wirklich schwaches Album haben die Mannen aus der Bay Area noch nie veröffentlicht (Fans, die nun LOW oder DEMONIC schreien, mögen schweigen). Doch zuletzt haben die Thrash-Metal-Urgesteine noch mal richtig aufgedreht und mit DARK ROOTS OF THE EARTH (2012) sowie BROTHERHOOD OF THE SNAKE (2016) bärenstarke Platten kredenzt. Wieder vier Jahre später machen sie mit TITANS OF CREATION genau dort weiter und veröffentlichen ein Album, das den klassischen Bandsound der 80er mit modernem Metal vereint.

Zwar sind die Songs etwas weniger eingängig als früher, dafür ist das musikalische Niveau höher, denn seit 2014 spielen hier die wohl besten Musiker der Bandgeschichte zusammen. Drummer Gene Hoglan (Death, Strapping Young Lad) und Bassist Steve DiGiorgio (Sadus, Death, Iced Earth) sind einfach eine exzellente Ergänzung zum Kern der Band, bestehend aus Sänger Chuck Billy und den Gitarristen Eric Peterson und Alex Skolnick, und sorgen für eine progressivere, anspruchsvollere Ausrichtung. Das Ergebnis ist ein wahres Feuerwerk aus mächtigen Riffs, Double-Bass-Attacken und virtuosen (leider etwas zu leise gemischten) Bassläufen, das angenehm bissig ist, aber stets genug Platz für große Melodien lässt.

8 von 10 Punkten

Tesla, TITANS OF CREATION, NUCLEAR BLAST/WARNER

Bonfire – FISTFUL OF FIRE

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Hoch die Faust!

Die letzten Jahre waren für Chef-Gitarrist Hans Ziller eine harte Zeit, doch er hat sich allem Anschein nach von den finanziellen sowie gesundheitlichen Strapazen erholt. Fast wirkt es sogar so, als hätte der Gitarrist mit FISTFUL OF FIRE ein gutes Ventil zum Abreagieren und Genesen gefunden, da die Platte im Vergleich zu den letzten Werken einen deutlich härteren Anstrich verpasst bekommen hat. Selbiger Ansatz tut den Ingolstädtern spürbar gut. Vor allem der charismatisch, energiegeladene Gesang von Wunderknabe Alexx Stahl harmoniert in dieser Ausrichtung so eindrucksvoll wie noch nie mit den griffigen Riffs und Hooks der Gitarren.

Zwar lässt sich eine gewisse Orientierung an Judas Priests PAINKILLER nicht verkennen, diese fällt jedoch keinesfalls negativ ins Gewicht. Mit der Single ›Rock’n’Roll Survivors‹ haben die Herren sogar einen späten Hit ans Licht gebracht, der so ähnlich auch Rob Halfords Feder hätte entsprungen sein können. Rundum lässt sich sagen, dass dieses Album durch seine gute Produktion und seinen zeitgemäßen Charakter wieder frischen Wind ins Hause Bonfire bringt.

7 von 10 Punkten

Bonfire, FISTFUL OF FIRE, AFM/SOULFOOD

Aktuelle TV Tipps für Isolationszeiten

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Hier einige Fernseh-Schmankerl aus dem Musikbereich für die immer noch anhaltende Phase der Kontaktbegrenzung.

Ob in Selbstisolation mit Homeoffice, in Quarantäne, mit Kurzarbeit oder „normalem“ Arbeitsalltag: Aufgrund der Corona-Krise und den damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen, die in der aktuellen Art und Weise bis zum 20. April aufrecht erhalten werden sollen, haben viele gerade ziemlich viel Zeit.

Kneipenbesuche, Konzerte, Theater, Kinofilme, Stammtische, Bandproben: All das fällt leider weg. Deswegen hat CLASSIC ROCK das Fernsehprogramm der kommenden Wochen durchforstet und einige Highlights aus aus dem Musikbereich zusammengesucht.

Arte:

03.04. um 22:35 Uhr: Tracks
04.04. um 00:15 Uhr: Berlin Live: The Heavy
08.04. um 13:40 Uhr: Walk The Line
10.04. um 22:40 Uhr: Jesus Christ Superstar – Live in Concert
13.04. um 00:15 Uhr: Stanley Kubricks Filmmusik im Konzertsaal
14.04. um 05:00 Uhr: Berlin Live: The Heavy
17.04. um 23:20 Uhr: Joan Baez „The Fare Thee Well…“-Tour 2018/2019
15.05. um 21:45 Uhr: The Kinks, „Die bösen Jungs des Rock’n’Roll“
15.05. um 23:10 Uhr: Reeperbahnfestival 2019
22.05. um 21:55 Uhr: Chuck Berry

WDR

06.04. um 01:20 Uhr: Rockpalast: Them Crooked Vultures live
20.04. um 01:15 Uhr: Highlights vom Crossroads Festival 2020
27.04. um 01:15 Uhr: Audioslave live 2003
27.04. um 02:25 Uhr: Soundgarden live

ORF

17.04. um 22:50 Uhr: ABBA in Concert

Born Ruffians – JUICE

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Indierock-Selbstvergewisserung

Trump, Brexit, Klimawandel, jetzt auch noch Corona. „What a stinkin’ time to be alive“, konstatieren Sänger Luke Lalonde und seine Born Ruffians denn auch im Song ›Squeaky‹. Alles Mist also? Eben nicht. Und das ist eine Stärke des neuen Albums der Kanadier. Es ist ermutigend, es zieht einen nicht runter oder nervt mit Sarkasmus. „The world can be so big and mean/The beautiful things in between the lines/Blow the dust/Shine the light“, ist sich Lalonde schon im eröffnenden ›I Fall In Love Every Night‹ sicher.

Und wenn diese schönen Dinge auch nur ein Saxophonsolo an der richtigen Stelle oder sanfter Chorgesang sind. Musikalisch bedient sich JUICE bei Indierock in Strokes-Tradition, markante Basslinien schieben das Ganze in Richtung Post-Punk, Lieder wie ›Hey You‹ und ›I’m Fine‹ kommen dagegen leicht und poppig daher. Richtig dringlich wird’s mit erwähntem ›Squeaky‹ kurz vor Schluss, der Refrain erinnert an den Höhepunkt von ›White Rabbit‹. Nach dieser Art Katharsis steht am Ende, im Slacker-mäßigen ›Wavy Haze‹, der selbstvergewissernde Blick zurück in Zeiten von „acne prone anxiety attacks“. Man hat es von dort bis ins Jetzt geschafft, und es wird weitergehen.

7 von 10 Punkten

Born Ruffians, JUICE, YEP ROC/H’ART