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Start Blog Seite 379

James Dean Bradfield: Protestsongs 2.0

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Ein ermordeter chilenischer Protestsänger, ein gefeierter walisischer Dichter, Prog Rock und Nylongitarre – ungewöhnliche Zutaten machen aus der zweiten Soloplatte von Manic-Street-Preachers-Sänger James Dean Bradfield ein höchst bemerkenswertes Album.

Die erste Frage in diesen Tagen muss immer lauten: Geht es dir gut? Wie kamst du bisher klar in diesen Zeiten der Pandemie?
Danke, grundsätzlich lief’s gut. Sicher, man ist irgendwie nicht im Gleichgewicht. Aber ich habe zwei junge Kinder zuhause, die mich immer beschäftigten. Die vier Monate flogen regelrecht vorbei. Jetzt bin ich trotzdem froh, mal wieder „normal zu arbeiten“, wenn man so will.

Dein Album EVEN IN EXILE dreht sich ganz um den chilenischen Protestsänger
Victor Jara (1932–1973). Er war ein Freund und Unterstützer von Salvador Allende und wurde in den ersten Tagen des Mililtärputsches von den Truppen des Generals Pinochet ermordet. Eine faszinierende Persönlichkeit – und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich seine Geschichte nicht kannte. Aber es war sicher dein Ziel, Jara Leuten wie mir vorzustellen und ihm ein Denkmal zu setzen, oder?

Vor dem Album war Jara auch mir nicht viel mehr als ein Begriff. Ich kannte seinen Namen, denn vor mir haben ihm schon Bands wie U2, Simple Minds oder Calexico Tribut gezollt. Ich wusste, welchen enormen Status er in der Spanisch sprechenden Welt besitzt. Es war ein Freund von mir, der sich zuerst in die Sache reinsteigerte: mein Nachbar Patrick Jones. Pat ist Poet und Dramatiker – und der große Bruder von meinem ManicStreet-Preachers-Bandkollegen Nicky Wire. Patrick sammelte alles von Jara, Lieder, Texte, Biografien, Berichte, Fotos. Diese Unterlagen inspirierten ihn, eigene Gedichte und Kurztexte zu Jara zu verfassen. Eine ganze Mappe voll hatte er schon. Er sah das Ganze aber eher als eine Fingerübung. Für eine Veröffentlichung würden sich die Texte nicht eignen, sagte er. Auch nicht für einen Gedichtband oder eine Dokumentation. Als ich seine Texte las, lösten sie echt was in mir aus. Und dann kam mir die Idee. Ich fragte Pat: Was hältst du davon, wenn ich aus deinen Texten Songs machen würde? Zuerst war er skeptisch. Aber es klappte auf Anhieb. Ich habe also quasi Patricks Projekt für mich gekapert, haha. Klar ist aber, dass ich mich dabei auch voll in die Materie vertieft habe. Ich habe endlich Jaras Lieder gehört – in Zeiten des Internets geht das ja, in den 80ern hatte man natürlich viel schwerer Zugang dazu. Die Songs haben mich echt umgehauen. Sie sind so viel friedlicher, sanfter und wehmütiger, als man sich einen Protestsänger gemeinhin vorstellt. Jara sucht immer den Diskurs und will überzeugen – ganz anders als heute, wo jeder seinen politischen Gegner sofort niederschreit. Er ist eine Stimme der Vergangenheit, die auch heute noch absolut Sinn macht.


Hast du auch Jara-Songs gecovert oder zitiert? Ich bilde mir ein, einen südamerikanischen Einfluss auf diesem Rockalbum zu hören.

Nein, die Texte sind ausschließlich von Patrick. Ein südamerikanischer Einfluss? Also eigentlich habe ich sogar absichtlich NICHT mit chilenischen Musikern oder Instrumenten gespielt. Denn ich wollte mir nicht vorwerfen lassen, ich würde „cultural appropriation“ betreiben. Bei der Platte handelt es sich ganz ausdrücklich um den Blick auf Jara von außen. Aus einer westlichen Perspektive. Aber gut, ich hatte im Studio einen neuen Double Bass stehen, der auf der Platte viel zu hören ist. Und ich besitze eine Gitarre mit Nylon-Saiten. Letztlich ist es eine spanische Gitarre. Songs schreibe ich auf dem guten Stück schon seit Jahren. Aber erst jetzt habe ich sie zum ersten Mal auch im Studio aufgenommen. Vielleicht geben diese zwei Elemente dem Album ein gewisses Folk-Flair? Grundsätzlich jedenfalls ist das Album elektrischer Rock’n’Roll. Es ist auch stark von Prog Rock beeinflusst. Keine Ahnung, warum und ob das dem Thema angemessen ist – ich habe zuletzt einfach sehr viel die walisische 70er-Jahre-Band Man gehört und das hat zweifellos auf das Album abgefärbt. Das Instrumental ›Seeking The Room With The Three Windows‹
wiederum ist unverkennbar ein Tribut an Rush. Dann wiederum waren aber auch die
ganz frühen R.E.M. und die US-Early-PunkBand Death Einflüsse. Na ja, ich bin nun mal jetzt seit 30 Jahren Musiker, da suche ich nach neuen Kombinationen, damit es für mich spannend bleibt. Auch Patricks Texte pushen mich natürlich, etwas zu wagen.

Erstaunlich ist jedenfalls, wie es dir immer wieder gelingt, aus der Poesie anderer Autoren Lieder zu formen. Das geht ja schon seit GENERATION TERRORISTS (1992) so, dem Debüt der Manic Street Preachers. Aber es ist ja auch so: Ich habe Manics-Bassist bzw. -Texter Nicky Wire in der Vorschule kennengelernt. Wir waren vier Jahre alt! Wir zwei kennen uns so gut, dass wir untereinander fast in einer Geheimsprache sprechen. [Der an Depressionen und Anorexie leidende, seit 1995 verschollene und inzwischen für tot erklärte Gitarrist der ersten Bandjahre] Richey Edwards stieß nicht viel später zu uns. Wir waren Freunde, lange bevor wir eine Band gründeten. Und wenn die zwei mir ihre Texte gaben – Richeys waren sehr wortreich, Nickys sehr analytisch –, da hatte ich nie das Gefühl, etwas hinterfragen zu müssen. Ich spürte einfach immer, was sie sagen wollten. Deshalb fand ich es nie schwer, die Texte in Songs zu übertragen. Selbst Richeys ausuferndste Texte haben mich nie eingeschüchtert. Im Gegenteil, ich fand sogar, dass sie mich dazu einluden, Melodien für sie zu suchen. Bei Patrick jetzt ist es ähnlich. Er ist vier Jahre älter als Nicky. Als wir kleiner waren, schauten wir auf zu Pat. Er war der, der schon in den USA studiert hatte, er zeigte uns die spannenden Bands und die Beat-Autoren. Heute bin ich mit ihm so eng wie mit Nicky, also kann ich mich in seine Texte genauso einfühlen. Mir ist aber natürlich klar, dass ich ein Riesenglück habe, mein Leben lang von so intellektuellen Schreibern umgeben gewesen zu sein.


Aber trotzdem: So einfach ist das doch nicht, für solche komplexen Texte mal eben eine Melodie zu finden, die auch noch ins Ohr geht.

Ich will mich jetzt nicht als jemand aufspielen, der anderen Musiktipps gibt, aber ich mache
es so: Ich suche mir stimmige Akkorde und wenn ich die gefunden habe, dann probiere ich einfach. So: (wimmert) „AAAAOOUUHH!“ Natürlich darf mir niemand zuhören, ich muss alleine sein dabei. Denn zuerst klingt’s fürchterlich, immer. Aber über kurz oder lang stößt man auf eine Tonfolge, bei der man sagt: Hey, das hat was!

Xixa – GENESIS

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Eine bunte Wundertüte unterschiedlicher Stilmittel

Auf der Suche nach Schubladen, in die man den Stil der aus Tucson, Arizona, stammenden Formation
Xixa einsortieren könnte, kommen einem Namen wie Calexico, Tito & Tarantula oder auch – zumindest peripher – Kyuss oder Santana in den Sinn, sprich: Bands und Genres, die sich nicht auf einen Stil festlegen lassen. Anfangs ordnete man den Xixa-Songs Begriffe wie Psychedelic-, Indie-, Gothic- oder Desert-Rock, Latin, Americana und 70er Western Style zu. Doch selbst dieses bunte Allerlei an Wortschöpfungen reicht nicht aus, um das neue Album GENESIS zu klassifizieren.

Denn Xixa mit ihren Führungsköpfen Gabriel Sullivan und Brian Lopez haben sich unüberhörbar weiterentwickelt, dehnen ihre Fühler in noch extremeren Gefilde aus und haben durch ihr 2016er Debütalbum BLOODLINE gelernt, nur sich selbst und der eigenen Geschmackssicherheit zu vertrauen. Deshalb scheren sich Sullivan und Lopez einen feuchten Kehricht um Klischees, sondern setzen auf Artenvielfalt, egal, ob mit Latin-, Anglo-, Caribbean- oder Afro-Wurzeln.

7 von 10 Punkten

Xixa, GENESIS, JULIAN/THE ORCHARD

Suzi Quatro: Neue Single ›The Devil In Me‹

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Am 26. März erscheint Suzi Quatros neues Studioalbum THE DEVIL IN ME. Nach ihrem Weihnachtssong ›My Heart And Soul (I Need You Home For Christmas)‹ veröffentlicht Suzi Q jetzt die neue Single ›The Devil In Me‹ inklusive Musikvideo.

Die Songs für THE DEVIL IN ME entstanden in Zusammenarbeit mit Suzis Sohn, der neue Song und Opener der Platte eröffnet mit einemheavy Riff und kulminiert in einem geradlinigen, tanzbaren Chorus. Von Altersschwäche keine Spurt:

Jack McBannon – TRUE STORIES

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Ehrliche Haut

Das Leben schreibt die besten Geschichten. Das weiß auch Jack McBannon, ein deutscher Singer/Songwriter, der jahrelang durch die USA tingelte, dort Platten veröffentlichte und Konzerte gab. Zwischendrin veröffentlichte er unter dem Namen Willer zwei deutschsprachige Platten. Deutsch klingt TRUE STORIES allerdings kein bisschen, nicht nur aufgrund der englischen Texte. Die elf Songs sind so was von „born in the USA“, dass es selbst der Boss kaum checken würde, dass hier ein kein Landsmann performt, da McBannon Americana, Blues, Folk, Country und Rock lässig unter einen Hut bekommt. Über vielen Nummern schwebt eine schwer fassbare Form von Melancholie, die besonders berührend in ruhigeren Stücken wie zum Beispiel der seiner verstorbenen Mutter gewidmeten Ballade ›Dancing In The Rain‹ zum Ausdruck kommt.

Der gute Mann kann aber auch anders und wirkt etwa in der Outlaw-Country-Hymne ›An Outlaw’s Inner Fight‹ (erste Single) oder der Abgehnummer ›Motel 81‹ richtig grantig und kantig. Man merkt, dass jede Zeile auf diesem Album von Herzen kommt, dass hier tatsächlich authentische Geschichten und Emotionen aus den Lautsprechern perlen. Und das unterscheidet echte Künstler von Blendern.

7 von 10 Punkten

Jack McBannon, TRUE STORIES, RODEOSTAR/NAPALM/UNIVERSAL

Siggi Schwarz – THE FIRE INSIDE

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Solider Classic Rock mit Riff-Feuerwerk

Auch Siggi Schwarz, in Heidenheim ansässiger Gitarrenrocker, hat aus der Corona-Not eine CD-Tugend gemacht. Klar doch, Tourneen und Auftritte fielen flach, was bleibt, ist das Studio. Da hat sich der Routinier, der bereits mit ZZ Top, Michael Schenker und Steve Lukather im Aufnahmeraum oder auf der Bühne war, mit Drummer Bene Neuner, Bassist Benni Jud und dem amerikanischen Sänger Dave Schaefer eingenistet, um 15 neue Siggi-Tracks aufzunehmen. Größtenteils live, wie er sagt. Also ohne großen Schnickschnack und ohne viele Overdubs. Kabel in den Amp, Power-on, eingezählt – und los geht die Rock- und Bluesrock-Sause.

Die Songs klingen zum großen Teil so klassisch nach Classic Rock, dass man sie locker auch in die späten 70er oder frühen 80er Jahre verorten könnte: Mal blitzt Whitesnake durch (›Spend The Night With Me‹), mal Aerosmith (›Badass‹), beim Blues-Shuffle lassen ZZ Top grüßen (›Rockin’ Through The Night‹) und bei dem getragenen Slow-Blues ›B-Boogie‹ zieht der deutsche Rock-Veteran seinen Hut vor Gary Moore. Was vergessen? Klar, Jeff Beck bekommt genauso seine Referenz wie die Doobie Brothers (beim ›Rockin’-Down-The-Highway‹-Klon ›Love Is A Wave‹). Seine Einflüsse verschweigt Schwab auf THE FIRE INSIDE also nicht. Aber er macht daraus, wenn auch nichts Neues, so doch etwas Eigenes: zeitlos starken Classic Rock mit zum Teil grandiosen Riffs.

7 von 10 Punkten

Siggi Schwarz, THE FIRE INSIDE, PRIDE & JOY MUSIC/SOULDFOOD

Austin Meade – BLACK SHEEP

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Der Geist der guten alten Zeit, frisch aufpoliert

Ein wenig sieht Austin Meade so aus, als wäre er geradewegs aus dem 1973er-Plattencover einer Southern-Rock-Band gefallen, und auch musikalisch leuchtet die Glanzzeit des Rock hell auf dem inzwischen dritten Album des Texaners. Doch auch wenn seine Liebe zu Black Sabbath, Judas Priest und Whitesnake in den Songs auf BLACK SHEEP bisweilen genauso durchscheint wie ein Faible für die klassischen Songwritingtalente eines Tom Petty, ist Meade nicht im Klangkorsett der 70er- und 80er-Jahre gefangen. Statt auf Retro-Authentizität zwischen Classic Rock und Americana zu setzen, sucht und findet er auf BLACK SHEEP einen Weg, produktionstechnisch gleichermaßen zeitlos und frisch zu klingen.

Wenn er seine Texte mit einem Schuss nachdenklicher Mittelwesten-Melancholie würzt, hat er die althergebrachten Werte des Red-Dirt-Sounds fest im Blick, offenbart mit dem Breitwand-Feeling vieler Lieder aber auch durchaus größere Ambitionen jenseits der Bars und Spelunken seiner texanischen Heimat. Selbst ohne das ganz große Aha-Erlebnis eine wirklich feine Sache!

7 von 10 Punkten

Austin Meade, BLACK SHEEP, SNAKEFARM/CAROLINE/UNIVERSAL

Gewinnspiel: ADIOS AMIGOS LIVE @WACKEN von Krokus ergattern

Heute erscheint ADIOS AMIGOS LIVE @WACKEN von Krokus. Die Schweizer Rocker hatten zuletzt bekannt gegeben, sich nach einer letzten Tour von ihren Fans zu verabschieden. Eine Hälfte der Abschiedstournee konnte noch gespielt werden, bevor die Pandemie den Live-Betrieb komplett lahm legte. Die ausstehenden Shows werden Krokus nachholen, sobald es wieder möglich ist.

Der so entstandenen Konzertmitschnitt beim „Wacken“-Festival 2019 ist nun als CD/DVD-Set sowie in digitaler Form als Audiostream erhältlich. Chris von Rohr dazu: „Es war ein magischer Tag für uns! Wir spürten vom ersten Song an, dass diesmal Feeling, Connection und Sound stimmten. Fazit: Es war eine einzige Hardrockparty.“

Zur Feier des Tages verlosen CLASSIC ROCK und Krokus fünf Exemplare des neuen Live-Albums unter allen Gewinnspiel-Teilnehmern.

Eine persönliche Nachricht von Krokus:

Jetzt teilnehmen und gewinnen:

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(Teilnahmeschluss ist der 19.03.2021)

Greta Van Fleet: Neues Video zur Single ›Heat Above‹

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Zu ihrer jüngsten Single legen Greta Van Fleet jetzt ein Video nach, in dem sich die junge Band sehr theatralisch und ganz in silber präsentiert.

Die Truppe selbst dazu etwas kryptisch „›Heat Above‹ ist theatralisch, eloquent und übertrieben. Das hier ist ein Traum über den Wolken, ein Moment des Friedens mitten im Sturm. Thematisch sind wir inmitten eines Himmelskultes, surreal, seltsam, lebendig und frei“

Das zugehörige Album THE BATTLE AT GARDEN’S GATE erscheint am 16. April.