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Start Blog Seite 377

Nick Cave & Warren Ellis – CARNAGE

Götter des Gemetzels, zwischen Himmel und Hölle

In groben Zügen standen die acht Songs laut Warren Ellis, Mitglied der Bad Seeds, „in zweieinhalb Tagen“, die Wochen danach wurden genutzt, um daraus ein Album zu machen – man hatte in Zeiten des öffentlichen Stillstands ohnehin nichts Besseres vor. CARNAGE sei, laut Cave, also „einfach vom Himmel gefallen“. Das klingt zwar nach relativem Schnellschuss und spontaner Leichtigkeit, versprüht in der Praxis aber eine gravitätische Tiefe und Intensität, die von Ellis’ zurückhaltender Instrumentierung zusätzlich profitiert. Die impressionistischen Klänge sorgen vor allem für das passende Ambiente, die tragenden Säulen sind jedoch Caves Texte, um die herum viel Raum entsteht, der mal hymnenhaft (›Albuquerque‹), mal repetitiv (›Lavender Fields‹), mal deutlich rhythmischer und mit psychedelischer Färbung (›Old Time‹) gefüllt wird. „Carnage“ bedeutet „Gemetzel“, und wenn sich Cave in ›White Elephant‹ manischen Gewaltphantasien hingibt, hat das zunächst wenig Erbauliches – bis der Song schließlich zum harmonischen Gospel-Singalong mutiert: eine Reise zwischen Himmel und Hölle, die exakt sechs Minuten und acht Sekunden dauert. Easy Listening geht natürlich anders, doch Cave & Ellis halten die Spannung trotz all der Reduktion – zumindest die meiste Zeit – erfreulich hoch.

7 von 10 Punkten

Nick Cave & Warren Ellis, CARNAGE, GOLIATH RECORDS/ROUGH TRADE

Bonnie Tyler – THE BEST IS YET TO COME

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Das Beste: hier nur bedingt zu finden

Bonnie Tyler feierte 1976 mit ›Lost in France‹ ihren ersten großen Hit, war damit 33 Wochen in den deutschen Charts vertreten. Die damals 25-jährige Waliserin mit der besonderen Stimme, die stets zwischen leichter Halskrankheit und morgendlichem Whiskey-Gurgeln liegt, startete mit dem Song eine bis heute anhaltende, eindrucksvolle Karriere, die ihr in jedem Jahrzehnt Hits, ausverkaufte Tourneen und weltweite Plattenverkäufe von über 100 Millionen Stück bescherte. Schon im letzten Jahr sollte es wieder auf große Tour gehen, die Termine 2021 sind noch nicht abgesagt, Hallen für die 2022-Tour schon gebucht. Alles unsicher. Sicher aber liegt nun das neue Album THE BEST IS YET TO COME vor. Bonnie Tyler, die in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiern wird, vertraute bei den zwölf neuen Songs einmal mehr auf ihren langjährigen Produzenten David Mackay. Der Titelsong und die zweite Nummer, ›Dreams Are Not Enough‹, sind makellose Bonnie-Mainstream-Nummern, Bon Jovi würde sich freuen. Mit ›Stronger Than A Man‹ und ›Call Me Thunder‹ gibt es weitere Highlights, auch mit der Coverversion des Megahits ›I’m Not In Love‹ (10cc) kann man leben, ›I’m Only Guilty (Of Loving You)‹ und ›You’re The One‹ sind schöne Balladen. ›When The Lights Go Down‹ erinnert anfänglich an Bostons Megahit ›More Than A Feeling‹, kommt aber irgendwie nicht aus dem Quark, biegt kompliziert nochmals ab, bevor es der Refrain auch nicht mehr rausreißt. Leider herrscht hier und bei anderen Titeln eine gewisse Belanglosigkeit vor – da muss man den Albumtitel wörtlich nehmen.

7 von 10 Punkten

Bonnie Tyler, THE BEST IS YET TO COME, EARMUSIC/EDEL

Steve Hillage – LIVE AT ROCKPALAST 1977

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Wahnwitzige Science-Fiction-Operette

Schon mehrfach ist die Rockpalst-Aufnahme von Steve Hillage veröffentlicht worden, doch diese zeitlose Jazz- und Space-Rock-Session ist einfach unkaputtbar. Der Gig wurde am 20. März 1977 in der Aula des Otto-Hahn-Gymnasiums in Bensberg (Nähe Bergisch Gladbach) aufgezeichnet. Der WDR rückte mit einem TV-Mobil an und ein wenig zeitversetzt wurde diese psychedelische Soundreise im „Rockpalast“ ausgestrahlt. Ganze 44 Jahre später wirken die atmosphärischen Sound-Passagen nicht antiquiert, sondern zeitlos. Die Mannschaft um Steve Hillage (Gitarre, Gesang) bilden seine Lebenspartnerin Miquette Giraudy (Keyboards, Gesang), Ex-Jethro-Tull-Drummer Clive Bunker, der spätere Camel-Bassist Colin Bass, sowie Phil Hodge (Keyboards), Christian Boulé (Gitarre) und Basil Brook (Synthesizer, Flöte). Im Sinne von Jazz improvisiert und groovt das Team auf Rhythmen und Mustern herum, sodass sich ein facettenreiches Wechselspiel zwischen Instrumentalparts von der Gitarre, Laid-Back-Gesangseinlagen und flirrenden Keyboardflächen ergibt. Diese experimentellen Soundreisen sind hoch komplex, groovy und berauschend. Mit ›It’s All Too Much‹ von George Harrison, ›Not Fade Away‹ von Buddy Holly und einer sehr wahnwitzigen Interpretation von Donovans ›Hurdy Gurdy Man‹ wird das Set komplettiert. Zwischen Traumwelt und Realität schwebt diese irre Science-Fiction-Operette in den Gehörgängen – fast wie ein unbekanntes Raumschiff von einem fremden Planeten.

8 von 10 Punkten

Steve Hillage, LIVE AT ROCKPALAST 1977, MIG/INDIGO

Anneke Van Giersbergen – THE DARKEST SKIES ARE THE BRIGHTEST

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Nur Gesang und einige Akustikinstrumente: die Niederländerin ganz privat

Diese Stimme, diese Augen, das Lächeln, diese ansteckende Fröhlichkeit: Anneke van Giersbergen gehört zu jenen Menschen, in die man sich sofort verliebt. Zumal sie scheinbar Wasser in Wein verwandeln beziehungsweise – und schon sind wir beim Titel ihrer neuesten, insgesamt 23. (!) Scheibe THE DARKEST SKIES ARE THE BRIGHTEST – selbst einem schwarzen Himmel noch absolut Erbauliches abgewinnen kann. Wie macht sie das? Indem sie das Instrumentarium aufs Wesentliche begrenzt und, lediglich von Akustikgitarren, Streichern, Bläsern und Percussion begleitet, ihrer Stimme den notwendigen Freiraum einräumt, um aus ihrem Leben zu erzählen. Dabei geht es nicht um Ruhm und Ehre, Siege und Triumphe, sondern speziell um die kleinen Tragödien des irdischen Daseins, den Irrungen und Wirrungen, Chancen und tagtäglichen Herausforderungen.

Und da die Holländerin gar nicht erst versucht, besonders viel Aufhebens um ihre Geschichten zu machen, sondern ganz bei sich und ihrem Gesang bleibt, glänzt diese Scheibe aus jeder einzelnen (fiktiven) Rille.

8 von 10 Punkten

Anneke Van Giersbergen, THE DARKEST SKIES ARE THE BRIGHTEST, INSIDE OUT/SONY

Willie Nelson – THAT’S LIFE

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Willie Nelson huldigt nach MY WAY erneut seinem einstigen Kumpel Frank Sinatra

Eine Country-Legende ehrt eine Jazz-Legende – mehr Crossover geht kaum. Doch im Falle von Willie Nelson war und ist schon immer alles möglich. Und dass der coolste Sänger Nashvilles jetzt – erneut – seinen Cowboyhut vor Frank Sinatra lupft, ist ohnehin keine Überraschung. Schließlich verband die beiden höchst unterschiedlichen Unikate einst eine echte Freundschaft. Diese menschliche Verbundenheit plus einer gehörige Portion Respekt vor der Leistung des anderen schimmern auch in den elf Tracks von THAT’S LIFE durch.

Für die Aufnahmen der Songs aus dem Great American Songbook wie ›Luck Be A Lady‹, ›Nice Work If You Can Get It‹, ›I’ve Got You Under My Skin‹ oder von ›I Won’t Dance‹ (mit Diana-Krall als Duett-Partnerin) buchte Nelson die Capitol Studios in Hollywood – ein
legendärer Aufnahmetempel, in dem viele Sinatra-Hits entstanden. Wie in den SongVorlagen statteten Nelson und seine beiden Produzenten Buddy Cannon und Pianist Matt Rollings die Song-Klassiker mit reichlich Brimborium aus. Den aufwändigen Streicherund Bläserarrangements setzt Willie Nelson – und das macht den Reiz dieser Platte aus – perlende Läufe auf seiner altgedienten Akustik-Gitarre „Trigger“ gegenüber. Weitere Akzente setzt Mickey Raphael, Willies langjähriger Junge mit der Mundharmonika.

David Coverdale: Denkt an neue Songs mit Jimmy Page

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In einem jüngsten Radiointerview mit Eddie Trunk erzählte David Coverdale bei SiriusXM davon, eventuell neue Musik mit Jimmy Page aufnehmen zu wollen.

Bereits 1993 hatten die beiden Koryphäen auf der Platte COVERDALE/PAGE kollaboriert. Zum anstehenden Jubiläum wäre es nun vielleicht sogar denkbar, dass neue Songs auf einer Special Edition des Albums integriert würden.

Wann eine solche Songwriting-Session jedoch möglich sei, stünde aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation laut Coverdale noch in den Sternen: „Demnächst setzen wir uns via Zoom zusammen und diskutieren. Ich habe ein paar Ideen, die wirklich gut im Studio umsetzbar wären und zu einer großen, luxuriösen Box zum 30. Jubiläum im Jahr 2023 passen würden. Es gibt da noch vier bisher unveröffentlichte Tracks, die eigentlich nur noch gemischt werden müssen. Aber da wir jetzt wieder in Kontakt stehen, fände ich es schön, ein paar neue Ideen auszutauschen. So wie damals. Wir haben echt mächtige Musik miteinander geschrieben. Angesichts der aktuellen Lage ist Page auf seinem Landsitz, ich glaube nicht, dass er dort ein Studio oder die Lust hat, nach London zu fahren. Wir gehören beide zur Risikogruppe dieses schrecklichen Virus. Es eilt ja auch nicht, dieses Jahr wird nichts passieren.“

https://youtube.com/watch?v=hBbWZ79uP1Y

The Beatles: Fab-Four-Studium an der Uni Liverpool

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Am September 2021 kann man an der Universität Liverpool den Masterstudiengang „The Beatles: Music Industry and Heritage“ binnen zwölf Monaten absolvieren.

Ziel des Studiums sei es, die Bedeutung der Fab Four in einen zeitgenössischen Diskurs einzuflechten und über ihren historischen und musikalischen Stellenwert hinaus in den Kontext des 21. Jahrhunderts einzuordnen. Ab jetzt kann man sich hier für das Studium bewerben.

https://youtube.com/watch?v=iFSrYTSgIRA

So klingt CLASSIC ROCK #97

In unserer immer aktuell zusammengestellten Playlist des Monats hört ihr, wie die aktuelle Ausgabe von CLASSIC ROCK klingt.

Dieses Mal mit dabei: Songs von Steven Wilson, Alice Cooper, Rainbow, The Police, den Foo Fighters, Leslie West, David Bowie, The Pretty Reckless und vielen mehr…

Hört hier die CLASSIC-ROCK-Playlist 03/21 in Hi-Res-Qualität und testet das Angebot unseres Partners Qobuz.