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Start Blog Seite 376

The Black Crowes – SHAKE YOUR MONEY MAKER (30th Anniversary)

Geschwisterliebe

Als die Black Crowes 1990 ihren Erstling SHAKE YOUR MONEY MAKER auf die Fans losließen, stand die Rockgitarre insbesondere in den USA noch ganz im Zeichen der
Hair-Metal-Welle. SHAKE YOUR MONEY MAKER ist ein klarer Mittelfinger in ebendiese Richtung und bis heute das erfolgreichste, wenn auch nicht beste Werk des Quintetts. Formiert 1984 in Marietta, Georgia, noch als Mr. Crowe’s Garden, absolviert die Band 1987 für A&M eine Session, der daraus resultierende Demo-Deal wird von der Band abgelehnt.
Im Folgejahr sieht ein gewisser George Drakoulias die Gebrüder Chris (Gesang) und Rich Robinson (Gitarre) vervollständigt durch Drummer Steve Gorman, Bassist Johnny Colt und Gitarrist Jeff Cease in New York spielen und verpflichtet sie vom Fleck weg für Rick Rubins Def American Label.

Drakoulias bringt der Truppe sowohl The Faces als auch Humble Pie nahe, woraufhin die Krähen ihren unverwechselbaren Sound aus ebenjenen Faces und Humble Pie, verflochten mit den Rolling Stones, den frühen Aerosmith und traditioneller Südstaaten-Musik, kreierten. Drakoulias, ein Protegé von Rubin und eigentlich im A&R-Bereich des Labels tätig, übernimmt erstmals die Produzenten-Rolle und steht später noch mit den Jayhawks, Primal Scream, Screaming Trees, Reef, Tom Petty & The Heartbreakers und Madrugada im Studio. Zum 30-jährigen Jubiläum hat Drakoulias mit den Robinsons in der Mottenkiste gekramt und einiges spannendes zu Tage gefördert.

SHAKE YOUR MONEY MAKER schlägt recht schnell ein wie eine Bombe, klettert bis auf Rang 4 der US-Billboard-Charts und wechselt über fünf Millionen Mal allein in den USA den Besitzer. Angefüttert durch insgesamt fünf Singles (der Opener ›Twice As Hard‹, der Kracher ›Jealous Again‹, das Otis-Redding-Cover ›Hard To Handle‹, die wundertolle Soul-Country-Ballade ›She Talks To Angels‹ sowie abschließend ›Seeing Things‹) bedient SHAKE YOUR MONEY MAKER exakt jene Hörer, die während der vergangenen Jahre viel zu kurz kamen. Neben dem neu gemasterten Original-Album dürfte für Fans insbesondere das Bonusmaterial von Interesse sein. Mit ›Charming Mess‹ gibt es einen bislang unveröffentlichten Song zu hören, der ursprünglich die erste Single des Albums werden sollte, dann aber überhaupt keinen Platz fand und erst jetzt auf MORE MONEY MAKER erscheint.

Dazu steht neben den beiden Covern ›30 Days In The Hole‹ (Humble Pie) und
›Jealous Guy‹ (John Lennon) noch der flotte Uptempo-Blueser ›Don’t Wake Me‹ und ›Waitin’ Guilty‹ auf der Haben-wollen-Liste. ›Hard To Handle‹ kommt im Horns Remix, in akustischer Form stehen ›Jealous Again‹ und ›She Talks To Angels‹ parat, das es auch in Demo-Version von Mr. Crowe’s Garden nebst ›Front Porch Sermon‹ zu hören gibt. Das Wir-sind-wieder-zu-Hause-Konzert der Krähen vom Dezember 1990 ist neben den damals aktuellen Hits fast selbstverständlich mit einigen Raritäten wie ›You’re Wrong‹ (das wie ein kleiner Bruder von ›Jealous Again‹ anmutet), dem 13-minütigen Mega-Bonus ›Words You Throw Away‹ nebst ›Get ’Em On Down‹ (von Delta Blueser Bukka White)/›Get Back‹ (The
Beatles) gespickt. Schon hier wird deutlich, dass die Black Crowes an einem guten Tag live kaum zu schlagen sind. Kommt als 4-LP sowie 3-CD-Deluxe-Version, ist aber auch in abgespeckten Ausgaben zu beziehen. Die dicken Dinger haben ferner noch die Reproduktion eines frühen Mr. Crowe’s Garden Flyers, eine Setlist, einen TourPass, ein Crowes-Patch und ein 20-seitiges Buch mit Liner Notes von David Fricke parat.

Alice Cooper – DETROIT STORIES

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Unser Interview mit Alice Cooper lest ihr in der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK!

Man kann sich ja bekanntlich neu erfinden, aber kann man sich auch alt erfinden? Wenn ja, hat Alice Cooper mit DETROIT STORIES beides getan. Der mittlerweile 73-Jährige kehrt mit einer Hommage an seine Geburts- und Erfolgsstadt zu seinen Wurzeln zurück, frischt aber seinen doch etwas in die Jahre gekommen Schockrock gleichzeitig auf. Nicht indem er ihn aufhübscht, sondern eher ruppig und rockig reduziert. Allein schon das Eröffnungscover ›Rock & Roll‹ von The Velvet Underground ist An- und Aussage zugleich. 15 knackige Songs und Stories lässt Cooper unter der Ägide des legendären Produzenten Bob Ezrin vom Stapel.

Noise, Garage und Punk bekommt man ebenso geboten wie stellenweise Soul. Nicht umsonst stammt das Kultlabel Motown aus Detroit. Sogar einen fetten und finsteren Blues hat Alice am Start. Der passionierte Golfer atmet und groovt den Klang von Motor City wie kein anderer. Schmutz, Gewalt, aber auch Humor sind allgegenwärtig. Wenn Alice am Ende des Groovers ›Hail Mary‹ einem Mädchen hinterherpfeift und hinzufügt „hier der Gutaussehende“, muss man schon schmunzeln. Apropos Pfeifen – neben krachigen Gitarren kommen eine akzentuierende Mundharmonika oder Bläser an den richtigen Stellen zum Einsatz.

Am schwächsten und irgendwie nicht so richtig ins Konzept passend ist der Corona-Song ›Don’t Give Up‹, den der anschließende fetzige Rock’n’Roller ›Shut Up And Rock‹ aber gleich wieder vergessen lässt. Sehr cool und stimmig auch das an Van Morrisons ›Gloria‹ erinnernde finale ›East Side Story‹, im Original von Bob Seger. Schöne Geschichte(n), das Ganze!

8 von 10 Punkten

Alice Cooper, DETROIT STORIES, EARMUSIC/EDEL

Don Airey – LIVE IN HAMBURG

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Die pure Animation

Man hatte es sich abgewöhnt, doch dann kommt der Tastengott von Deep Purple um die Ecke und vollbringt das Wunder, durch dieses Konzert von 2017 sämtliche Hemmungen zu lösen. Schon beim Opener ›Nuclear Attack‹ fliegt der Staub von der seit langem eingemotteten Luftgitarre. Zu ›Pictures Of Home‹ zieht man das erste Mal seit Jahren wieder eine Schnute, die Augen fest zusammengekniffen. ›All Night Long‹ lässt die Ferse des rechten Fußes vehement auf den Boden stampfen, während der linke nach etwas sucht, auf das er sich stellen kann wie auf eine Monitorbox. Kochlöffel und Salatgurken verwandeln sich umgehend in ein Mikrofon, während man entschlossen aber erfolglos versucht, das messerscharfe Organ von Carl Sentance zu imitieren, das Chris Cornell mit Power Metal verheiratet. Wie Kenner an den erwähnten Titeln erkennen, spielt Airey mit seiner herausragenden Band auf LIVE IN HAMBURG viele Klassiker von Größen wie Deep Purple, Gary Moore oder Rainbow, doch auch Solomaterial wie ›Lost Boys‹ – ein Uptempo-Brett auf warmem Hammondorgel-Bett – animiert durchgehend zur Bewegung. Pures Endorphin in belastenden Zeiten.

7 von 10 Punkten

Don Airey – LIVE IN HAMBURG, EARMUSIC/EDEL

Text: Oliver Uschmann

Billy Gibbons: ›Rattlesnake Shake‹ live mit Steven Tyler

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In Gedenken an den verstorbenen Peter Green gaben Steven Tyler und Billy Gibbons vor circa einem Jahr gemeinsam den Fleetwood-Mac-Song ›Rattle Snake Shake‹ vom Album THEN PLAY ON beim „Peter Green Celebration Concert“ in London zum Besten.

Am 30. April erscheint das ganze von Mick Fleetwood initiierte Konzert unter dem Titel „Mick Fleetwood & Friends Celebrate The Music Of Peter Green And The Early Years Of Fleetwood Mac“ auf Blue-Ray, CD und Vinyl.

Exklusive Einblicke hinter die Kulissen bekommt ihr in der Ausgabe von CLASSIC ROCK, die ab dem 07. April im Handel ist. Dort erfahrt ihr, was bei den Proben zur Superstar-Parade vor sich ging!

Maxïmo Park – NATURE ALWAYS WINS

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Während die Gesellschaft kollabiert, finden die Alt.Rock-Hofdichter aus Newcastle Kraft im Persönlichen

Könnte es so etwas wie eine Leithammel-Band geben wären das in jüngerer Vergangenheit wohl Maxïmo Park. Einst war Paul Smith der Purzelbäume schlagende Indiepop-Romantiker unter den Alternative-Rockern, doch auf RISK TO EXIST von 2017 wandte er seine Poesie dem Politischen zu und warnte vor den Auswirkungen von Austerität, Brexit und Trump. Auf diesem synthetisch verstärkten siebten Album porträtieren die Briten, mittlerweile zum Trio geschrumpft, nun ein ausgehöhltes Post-EU-Großbritannien, doch resigniert suchen sie persönliche Wärme angesichts vollendeter Tatsachen. „The libraries are closing down … the island’s revolted“, intoniert Smith auf dem eleganten Zukunfts-Psych von ›Child Of The Flatlands‹, während ›Why Must A Building Burn‹ (… bevor die Mächtigen lernen?) Smiths Erfahrung, seinen einstigen Merchandise-Mann Nick Alexander unter den Toten des Bataclan-Massakers zu sehen, heranzieht, um einen Kommentar zum Brand im Londoner Grenfell Tower und der Kaltschnäuzigkeit der Tory-Partei zu umrahmen. Doch auf trotzig euphorischen Tracks wie ›Versions Of You‹, ›All Of Me‹ und ›Baby, Sleep‹ halten Liebe und Elternschaft in wundersamem Modernismus durch.

Die Referenzen an die Smiths und R.E.M. sind heute durchsetzt mit Spuren von The National, Tame Impala, The Killers und gelegentlich sogar ganz unverblümt Erasure. Wenn irgendetwas 2021 überleben wird, dann die Relevanz von Maxïmo Park.

7 von 10 Punkten

Maxïmo Park, NATURE ALWAYS WINS, PIAS/ROUGH TRADE

Text: Mark Beaumont

Neil Young & Crazy Horse – WAY DOWN IN THE RUST BUCKET

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Epische Clubshow von 1990 –grandios, was sonst!?

Das Studioalbum RAGGED GLORY war draußen, die Tour dazu stand kurz bevor, als Neil Young und Crazy Horse im November 1990 diese Club-­Show in Santa Cruz spielten. Es ging auch darum, die neuen Songs einzustudieren. ›F*!#in’ Up‹, ›Farmer John‹, ›Mansion On The Hill‹: Heute sind das Klassiker, damals waren sie es noch nicht. ›Country Home‹ und ›Over And Over‹ gehören dagegen später nicht zum Standard-­Repertoire bei Young­-Konzerten, hier sind sie mit drauf.

WAY DOWN IN THE RUST BUCKETist also weniger eine Quasi­-Best­-Of als der 1991 aufgenommene Live­Klassiker WELD, es hat auch weniger rohe Power. Die Songs schieben sich voran, liebevoll und unbarmherzig zugleich. Wie für Young typisch, scheinen sie immer im Entstehen begriffen zu sein, direkt im Moment der Aufführung. Die walzenden Gitarren, der Groove, die freie Sologitarre von Young. Es ist das Gegenteil von mit geometrischer Präzision ausgearbeiteten Popsingles. Am Ende der annä­hernd drei Stunden dann 13 Minuten ›Like AHurricane‹, 13 Minuten ›Love And Only Love‹und gut elf Minuten ›Cortez The Killer‹. Mehr muss man nicht sagen, oder? Schade ist einzig, dass ›Cowgirl In The Sand‹ auf CD und Vinyl fehlt, das wurde für die DVD der Deluxe­-Ausgabe reserviert.

10 von 10 Punkten

Neil Young & Crazy Horse/WAY DOWN IN THE RUST BUCKET/REPRISE/WARNER

Bones Owens – BONES OWENS

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Garage-Gitarren-Rock aus Nashville

Eine Prise frischen Gitarren-Rock gefällig? Ja? Dann bitte hier reinhören! Bones Owens nennt sich dieser in Nashville lebende, ursprünglich aus Missouri stammende Sänger, Songwriter und Gitarrist. Obwohl er sich auf seinem gleichnamigen Debüt mit Stetson und Jeans-Hemd zeigt, sind im Verlauf der zwölf Eigenkompositionen kaum Country-Einflüsse auszumachen. Okay, vielleicht diese countryhafte Coolness und auch der Mut, einen Song simpel zu halten. Trotzdem sind selbst Tracks wie ›Country Man‹ mit tonnenschwerem Beat eindeutig im robusten Garage-Rock verankert. Ohnehin bildet die gute, alte, mal verzerrte, mal wuchtig dröhnende E-Gitarre den Dreh- und Angelpunkt seiner Songs. Erst das Riff – der Rest zieht nach. Diese Art von Songwriting hat Tradition, was Bones Owens im Verlauf seines Album andeutet. So verweist der Opener ›Lightning Strike‹ in Rockabilly-Gefilde, die Kokain-Ode ›White Lines‹ mit scheppernden Overdrive-Salven auf Brit-Rock, das wuchtige ›Come My Way‹ auf die Blues-Rock-Ära der frühen 70er Jahre und das finale ›Keep On Running‹ (nicht das Spencer-Davis-Group-Cover!) in die psychedelischen Sixsties. Aus den 60ern stammt auch seine Live-Recording-Philosophie, die mit wenigen Overdubs auskommt. Mit Drummer Julian Dorio und Bassist Jonathan Draper fand er die dafür geeignete Begleiter.

7 von 10 Punkten

Bones Owens, BONES OWENS, BLACK RANCH RECORDS/THIRTY TIGERS/MEMBRAN

Joanna Connor – 4801 SOUTH INDIANA AVENUE

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Joe Bonamassa, der moderne Säulenheilige des Blues, betreibt ein neues Förderprogramm. Unter seinem Indie-Labelbanner „Keeping The Blues Alive“ hat er sich diesmal um die stimmgewaltige Sängerin und hervorragende Slide-Gitarristin Joanna Connor gekümmert, die tief in der einzigartigen Blueszene von Chicago verwurzelt und etabliert ist. Ich kann nur staunen über dieses Album! Mit einer wahnsinnigen Spielfreude und einem genialen
Studiopersonal in Nashville eingespielt, glänzt die abwechslungsreiche Zusammenstellung mit zehn Tracks, die alle eine Perle für sich geworden sind. Hier stimmt eigentlich alles. Mein Favorit: der Schluss-Song ›It’s My Time‹, ein atmosphärisch-ruhiger Ausklang. Ansonsten wird das Gaspedal – bisweilen auch auf Coversongs – ordentlich durchgedrückt, wie zum Beispiel beim Opener ›Destination‹.

Joanna Connor, 4801 SOUTH INDIANA AVENUE, KTBA RECORDS/IN-AKUSTIK