Zwischen der Bandgründung und der Veröffentlichung des Mason-Hill-Debüts AGAINST THE WALL liegen geschlagene acht Jahre. Was das Quartett um Scott Taylor (Gesang) und James Bird (Leadgitarre) in dieser Zeit im Musikbusiness an Rückschlägen und Enttäuschungen erlebt hat, lässt sich nur erahnen. Umso erstaunlicher ist es, dass die Combo vor der Aufnahme ihres Erstlings 16.000 Britische Pfund von ihren live erspielten Fans in einer Kickstarter-Kampagne sammeln konnte, um das Bandgaspedal richtig durchzutreten. Schon während des ersten Durchlaufs wird klar, dass sich das Durchhaltevermögen des Vierers aus Glasgow mehr als nur gelohnt hat.
AGAINST THE WALL ist auf der kompletten Distanz eingängig komponierter Rock, der mit einer tadellosen Performance und allerlei durchdachten, vielschichtigen Arrangements aufwartet. Mason Hill machen dabei auch nicht den Fehler, sich zu sehr an Subgenres zu binden und mischen ruhige, transparente Passagen mit messerscharfen Riffs und Soli. Unterm Strich also eine starke Einstiegsduftmarke, die Lust auf mehr macht.
7 von 10 Punkten
Mason Hill, AGAINST THE WALL, 7HZ RECORDINGS/WARNER ADA
Auf seinem achten Studiowerk kommt der Followill-Clan wieder in die Spur!
Es heißt zwar, Selbsterkenntnis sei der erste Schritt zur Besserung, aber zumeist dürfte der Akt, mit sich selbst hart ins Gericht zu gehen, weder angenehm noch leicht umzusetzen sein. Zu erkennen, wer man wirklich ist, offenbart sich häufig als ein langer, teils schmerzhafter Prozess. Nicht selten bedeutet es, den schwierigen Abgleich zwischen Selbst- und Fremdbild vorzunehmen. Kings Of Leon thematisieren die Sachlage sowohl im LP-Titel als auch auf dem Opener ›When You See Yourself, Are You Far Away‹. Zumal sich die Herrschaften auf dem Cover lediglich als Schattenspiel aus Silhouetten präsentieren. Folglich dürfte dem Followill-Clan aus Nashville, Tennessee, bestehend aus Caleb (Vokalist, Rhythmusgitarre), Jared (Bass, Keyboards, Gesang), Matthew (Sologitarre, Keyboards, Gesang) und Nathan (Schlagzeug, Percussion, Gesang), das Thema auf den Nägel brennen. Ob da einer oder gleich mehrere an Persönlichkeitsbild und Charakter arbeiten müssen, diese Frage beantwortet der ziemlich stromli-nienförmige, ohrwurmartige erste von insgesamt elf Tracks nicht.
Es könnte Damenschwarm Caleb gemeint sein, auf den im schicken Eigenheim Model-Gattin Lily Aldridge mit den Kids Winston Roy und Dixie Pearl warten. Sicher ist das zwar keinesfalls, aber dass der Frontmann zumindest zeitweise ein handfestes Suchtproblem mit Hochprozentigem oder gar Ärgerem im Laufe der Märchenkarriere der Followills entwickelte, gilt als gesichert. Mitunter sah es gar so aus, als würden Calebs Eigensinnigkeiten das komplette Unternehmen gefährden. Zumal der anfänglich so frische Ansatz der Followills nach dem künstlerischen wie kommerziellen Zenit, den sie mit den Alben ONLY BY THE NIGHT (2008) und COME AROUND SUNDOWN (2010) erreichten, ein wenig zu wünschen übrig ließ. Also könnte sich der Titel des achten Studiowerks WHEN YOU SEE YOURSELF auch auf die komplette Band beziehen. Doch wie auch immer: Die Kings Of Leon kommen hier wieder in die Spur. ›Echoing‹, ›The Bandit‹ und ›Golden Restless Age‹ kombinieren allesamt kraft-volle Harmonien mit druckvollem Uptempo-Esprit. Verhalten balladesk mit Sogwirkung präsentieren sich ›Supermarket‹, ›A Wave‹ und ›100,000 People‹. ›Stormy Weather‹ entpuppt sich, ohne dabei zum lauen Lüftchen zu geraten, als ausge-prägter Pop-Ohrwurm. Gleiches gilt für ›Time In Disguise‹. Schwelgerisch akustische Americana in Reinkultur liefern das stark verhallte ›Fairytale‹ in Sepia-Molltönen sowie das erdige ›Claire And Eddie‹.
Zum Song ›Life Eternal‹ vom 2018 erschienenen Album PREQUELLE haben Ghost um Mastermind Tobias Forge nun einen neuen Clip veröffentlicht. Im Video sind Mitschnitte aus der finalen Show der „Prequelle“-Tour aus Mexico Stadt aus dem Jahr 2020 zu sehen. An diesem Abend führte die Band auch ihren neuen Front-Charakter Papa Emeritus IV ein, den Nachfolger von Cardinal Copia.
Eigentlich wollten Ghost an einem neuen Album arbeiten, der Release solle laut Forge jedoch unbedingt an eine anschließende Tour gekoppelt sein.
Neben Livesongs des neuen Albums ALL THE RIGHT NOISES werden auch die brennenden Fragen der Fans beantwortet.
Die Veröffentlichung ihres neuen Albums feiern Thunder mit einem Livestream am 13. März. ALL THE RIGHT NOISES, das dann gerade einmal einen Tag alt ist, wird entsprechend vorgeführt, doch selbstverständlich kommen auch die alten Hits nicht zu kurz.
Schließlich gibt es auch sonst nicht viel anderes zu tun und so kann man sich den Stream 48 Stunden lang so oft anschauen, wie man möchte. Tickets für den gemütlichen Fernsehabend gibt es hier.
Lord Bishop Rocks hat vor kurzem eine Coverversion von ›Where Did You Sleep Last Night‹ veröffentlicht. Das Original stammt von Leadbelly, bekannt wurde der Song vor allem durch Nirvanas Performance bei der „MTV Unplugged“-Reihe im Jahr 1993.
Wer das Video aufmerksam bis zum Schluss schaut, wird auch noch einen kleinen Gruß an CLASSIC ROCK herauslesen.
Wir haben unsere Hirne zermartert, Experten befragt und das Internet leergesogen,um euch 20 Fakten zu präsentieren, die ihr wirklich noch nicht über das drittmeistverkaufte Album aller Zeiten wusstet.
1. Sie spielten es fast 100 mal live, bevor es veröffentlicht wurde
Wir wissen alle, wie heutzutage alle stöhnen, wenn Bands neues Material spielen. Nun, Pink Floyd spielten THE DARK SIDE OF THE MOON in seiner Gänze 87 mal, bevor es am 10. März 1973 in den USA erschien, und insgesamt 171 mal. Das Line-up, das es aufgenommen hatte, spielte es zum ersten Mal komplett am 21. Januar 1972 in Portsmouth und zum letzten Mal am 5. Juli 1975 in Knebworth. Pink Floyd (ohne Roger Waters) kramten es 1994 wieder für ihre Tour zu THE DIVISION BELL hervor, wo sie es 20 mal darboten. Waters wiederum performte es auf seinen Solotourneen zwischen 2006 und 2008 119 mal.
2. Es war voller recycleter Ideen
Floyd waren nie zu schüchtern, um brauchbares Material wiederzuverwerten, das sie noch nicht verwendet hatten. ›Us And Them‹ entstand aus einem Stück namens ›The Violet Sequence‹, das sie 1969 für den Soundtrack zu Michelangelo Antonionis Film „Zabriskie Point“ aufgenommen hatten. ›Breathe‹ basierte auf einer Kollaboration von Roger Waters und Ron Geesin für die Musik zum Film „The Body“ von 1970. Die Musik zu ›Brain Damage‹ war ein Outtake vom 1971er Floyd-Album MEDDLE.
3. Es erreichte nie Platz 1 der britischen Albumcharts
Bis Ende 1973 hatte sich THE DARK SIDE OF THE MOON alleine in Großbritannien über 700.000 mal verkauft. In den USA blieb es 741 Wochen lang in den Charts. Heute gilt es als drittmeistverkauftes Album aller Zeiten, nach Michael Jacksons THRILLER und BACK IN BLACK von AC/DC. Aber trotz dieser gigantischen Verkaufszahlen erklomm es nie die Spitze der britischen Albumcharts, sondern wurde von Alice Coopers Nr. 1 BILLION DOLLAR BABIES auf Platz 2 verwiesen.
4. Clare Torry, die Sängerin auf ›The Great Gig In The Sky‹, erhielt 30 Pfund
Torry – ausgewählt, nachdem Toningenieur Alan Parsons sie auf einem Covers-Album zu „Pick Of The Pops“ gehört hatte – erhielt den Standard-Session-Lohn von 30 Pfund (inklusive 100 % Sonntagszuschlag) für ihren Beitrag. 2005 erklagte sie vor dem Obersten Gerichtshof in einem Prozess gegen die Band und EMI die Hälfte der Copyright-Rechte und einen nicht bezifferten Tantiemenausgleich. Seitdem werden die Autoren-Credits auf dem Album mit „Wright/Vocal composition Torry“ statt nur mit Richard Wright angegeben.
Heute hätte Brian Jones, Gründungsmitglied der Rolling Stones, Geburtstag. In Gedenken an den grandiosen und viel zu früh verstorbenen Musiker blicken wir heute zurück auf das Jahr 1965, als die Stones ihren Hit ›Paint It Black‹ performten und Brian Jones verträumt auf seinem Podest sitzend auf seiner Sitar klimpert.
1975.Ein Blutbad bahnt sich an. Lynyrd Skynyrd trinken – und zwar so richtig – an der Hotelbar: Pfefferminzschnaps, eiskalt in gefrorenen Gläsern. Die Südstaatenburschen haben noch nie Schnaps probiert. Whisky und Bourbon sind ihre bevorzugten Getränke, Scotch und Jack Daniel’s, jeden Tag, jeden Abend. Dagegen schmeckt Pfefferminzschnaps so süß wie Eistee. Trinkt sich leicht. Zu leicht. Was nicht so schlimm wäre, wenn sie heute Abend nicht noch ein Konzert spielen müssten. Ronnie Van Zant, ihr äußerst temperamentvoller Sänger, ist schon sturzbetrunken von dem Zeug. Und wenn er betrunken ist, macht er gerne Ärger, normalerweise mit seinen Fäusten. Heute Abend macht er da keine Ausnahme. Im Zimmer der Band geht es los. Ronnie fängt an, sich aufzuregen über irgendjemand, an den sich niemand erinnern kann, wegen irgendetwas, dessen sich niemand mehr sicher ist, und lässt die Fäuste auf die ihm nächste Person zusegeln: Skynyrds Tourmanager. Jemand versucht, ihn wegzuzerren.
Dann versucht es jemand anderes. Dann versuchen es alle. Klappt nur leider nicht. Er wird nur noch wütender, f ieser, aggressiver, ein abgesägter Hulk mit Stetson auf dem Kopf. Ronnie schnappt sich eine Flasche und – boom! – zertrümmert sie am Kopf des Tourmanagers (wofür man ganz schön hart zuschlagen muss). Er blickt um sich und erspäht Gary Rossington, einen der Gitarristen der Band. „Ich werde dir die Hände zerschneiden“, zischt/schreit Ronnie. „Du wirst nie wieder Gitarre spielen.“ Er greift ihn an, sticht mit der zerbrochenen Flasche zu wie mit einem Dolch und tut genau das, was er versprochen hat: Er schneidet Rossingtons Hand einmal, zweimal… neunmal, zehnmal, elfmal. Überall ist Blut. Rossington wird im Krankenhaus landen, wo deutsche Krankenschwestern seine Hände nähen und seine Karriere retten..
Gary Rossington hat einen Spruch, denn er von den Beatles oder den Stones aufgeschnappt hat, er weiß nicht mehr, von wem: „Du setzt dich in diesem Geschäft nicht zur Ruhe, es schickt dich aufs Altenteil.“ Über 55 Jahre sind vergangen, seit er Ronnie Van Zant, Allen Collins und Bob Burns aufeinem Baseballfeld kennenlernte. Niemand hätte damals ahnen können, was passieren würde. „Ich habe nie etwas anderes gekannt und wollte nie etwas anderes tun, seit ich 13 war – Gitarre spielen, in einer Band sein und all das“, so Rossington 2019. „Ich bin einfach nur irgendein dummer Gitarrist, der die Schule abbrach, um es in einer Band zu schaffen – ich und Ronnie und Allen und Bob.“
Was war dein größter Erfolg? „Durchhaltevermögen, dass wir immer noch da sind. Die Leute lieben die Musik immer noch. Sie wuchsen auf mit ›Free Bird‹ und diesen Songs… Ronnie, Allen, Stevie und die anderen, sie lebten nicht lang genug, um zu wissen, dass wir noch weitere 30, 40 Jahre durchhalten würden, dass diese Songs immer noch im Radio laufen. Allen sprach darüber. Wir saßen oft im Auto und er sagte: ‚Kannst du es fassen, dass wir unser Zeug im Radio hören?‘ Da war ›Free Bird‹ gerade mal zwei Jahre alt. Wir wussten nicht, dass es so kommen würde. Das wusste niemand.“
Gary Rossington, der einzige Mann, der heute Skynyrds Vergangenheit und ihre Gegenwart verkörpert, der einzige, der über die gesamte verdammte Reise an Bord war. Die Frage ist: Wenn er, aus welchem Grund auch immer, die Band verlassen müsste, könnte sie ohne ihn weitermachen? Johnny Van Zant meint: nein. „Daran würde ich nicht mal denken wollen. Ich glaube nicht, dass einer von uns das wollen würde.“ Rickey Medlocke sieht es ähnlich: „Nein. Das würden wir nicht tun. Und ich würde es nicht wollen. Wenn er nicht mehr da neben mir stünde, würde ich genauso wie Johnny nicht dort sein wollen. Ich würde nicht mal daran denken.“
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Gary Rossington sieht es dagegen anders: „Nun, sie sollten es aus rechtlichen Gründen nicht tun. Aber wenn Johnny und Rickey weitermachen wollen würden, hätte ich nichts dagegen. Sie spielen unsere Musik für die Leute, und die Leute würden kommen, um die Musik der Originalband zu hören. Ich weiß es nicht. Schwer zu sagen. Wenn sie es wollten und das Management dächte, es sei eine gute Idee… Aber es wäre seltsam, weil kein Gründungsmitglied mehr dabei wäre.“
Doch die Sache ist die: Lynyrd Skynyrd sind noch nicht fertig. Nicht, solange Gary Rossington noch einen Atemzug in seinen Lungen und Feuer in seiner Seele hat. Und trotz allem hat er immer noch beides. Man sagt, wenn man Gott zum Lachen bringen will, sollte man ihm seine Pläne erzählen. Vor allem, wenn man Lynyrd Skynyrd ist. Und trotzdem haben sie Pläne. Niemand – weder Rossington noch Van Zant noch Medlocke – hat einen genauen Termin für das Ende verkündet. Sie werden mit dem Touren aufhören, aber das heißt nicht, dass sie nie wieder live spielen werden. Sie könnten bei Benefizkonzerten oder für das Militär auftreten. Es könnte ein Engagement in Vegas geben, vielleicht auch an der Ostküste. Und sie sprechen definitiv darüber, ein neues Album aufzunehmen. Vielleicht mehr.
Doch eines Tages, wann auch immer er kommen mag, wird es Lynyrd Skynyrd nicht mehr geben. Und wenn das passiert, wird da ein großes Loch zurückbleiben. Sie werden nicht die erste Band sein, die aufhört, aber bei ihnen wird das anders sein. Black Sabbath sind Geschichte, aber alle noch am Leben. Led Zeppelin sind Geschichte, aber weilen größtenteils noch unter uns. Doch wenn Lynyrd Skynyrd abtreten – wenn Gary Rossington aus welchem Grund auch immer nicht mehr da draußen unterwegs ist –, nun, dann wird sich das wirklich wie das Ende einer Ära anfühlen. „Wir werden immer noch da sein“, sagt er. Er hält einen Augenblick inne, hoch über den kalten Straßen in Kanada. Ein Hauch von einem Lächeln. „Die MUSIK wird immer noch da sein.“
Falls sich jemand gefragt haben sollte: Ronnie Van Zant entschuldigte sich nie bei Gary Rossington dafür, ihm am Abend des Blutbads in Hamburg mit einer zerbrochenen Flasche die Hände zerschnitten zu haben. „Nee“, sagt der. „Er meinte nur: ‚Steig morgen in den ersten Flieger nach Hause.‘ Ich erwiderte: ‚Nö.‘ Und das war’s. Man muss eben tun, was man tun muss.“ Und so war das immer bei Lynyrd Skynyrd. Sie taten, was sie tun mussten, komme, was wolle. (aus CLASSIC ROCK #93)