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Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

Ob Coveralbum, psychedelische Klänge oder kernig-agressiv: Diese Woche ist in den Plattenregalen für viele Geschmäcker etwas dabei.

Pop Evil: VERSATILE

„So bleibt der Sound stilistisch frisch und unberechenbar, ohne sich komplett vom bisherigen Material zu entfernen und die treuen Fans zu verwirren oder gar vor den Kopf zu stoßen.“

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Monster Magnet: A BETTER DYSTOPIA

„Mit 64 scheint der Maestro noch mal richtig Fahrt aufzunehmen, krakeelt wie besessen und beschwört aus wild tosenden Gitarrentsunamis, Wabereffekten und Wah-wah-Infernos ein brodelndes Gebräu, das Großteilen der Stoner-Rock-Gemeinde den Angstschweiß auf die Stirn treten ließe.“

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Ayron Jones: CHILD OF THE STATE

„Fans der 90er Crossover-Schiene werden sehr angetan sein, hört man doch statt langweiliger Rockgitarre kantige, unvorhersehbare Fragmente in seinem riffbetonten Spiel mit wenigen, intensiven Solos, die auch mal ein bisschen Tom Morello von Rage Against The Machine durchschimmern lassen.“

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Jess And The Ancient Ones: VERTIGO

„Auch die Texte präsentieren sich mysteriös, geht es doch um Ouija Boards (›Talking Board‹), das eigene Schicksal (›Born To Kill‹) und den Zustand der Welt (›Strange Earth Illusions‹).“

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Chrissie Hynde – STANDING IN THE DOORWAY: CHRISSIE HYNDE SINGS DYLAN

Gospel und Liebeslieder: Die Pretenders-Sängerin covert Dylan

Weil Dylans 17-Minuten-Song ›Murder Most Foul‹ sie so beeindruckt hat, beschloss Chrissie Hynde, ein Album mit Coverversionen aufzunehmen. Zumal der Nobel-Songwriter jetzt ja gerade auch 80 geworden ist. Es sind neun Stücke drauf, das erste und letzte (›In The Summertime‹ und ›Every Grain Of Sand‹) vom Album SHOT OF LOVE. Und tatsächlich haben es mehrere (mehr und weniger nette) Liebeslieder auf die Platte geschafft. Dazu hat das Ganze mit dem schönen schweren Klavier und der Orgel einen Gospel-Einschlag – SHOT OF LOVE ist ja auch der letzte Teil von Dylans christlicher Trilogie. Zwischen diesen beiden Fixpunkten spielen die Songs. Da passt natürlich auch ›Love Minus Zero/No Limit‹ rein, oder das beschwingte ›Don’t Fall Apart On Me Tonight‹.

Die Lieder sind zurückhaltend instrumentiert, akustische Gitarre, klar, Klavier eben, atmosphärisches Keyboard, manchmal rasselt es, zumindest einmal spielt auch ein Akkordeon. Nummer zwei und drei sind zwei der größten Dylan-Stücke überhaupt: ›You’re A Big Girl Now‹ und ›Standing In The Doorway‹. Hier kämpft Hynde ein bisschen mit der Phrasierung. Das fällt vor allem auf, wenn man weiß, wie gnadenlos grandios Dylan die Originale singt. Aber klar, daran wird man gemessen.

8 von 10 Punkten

Chrissie Hynde, STANDING IN THE DOORWAY: CHRISSIE HYNDE SINGS DYLAN, BMG RIGHTS/WARNER

Pop Evil – VERSATILE

Kernig-aggressiv und dabei immer warm und positiv

Druckvolle Songs, voller fetter Riffs, bulliger Grooves, mit großen, eingängigen Melodien sowie hier und dort einigen ruhigeren Passagen zum Nachdenken und/oder Luftholen: Wirklich viel hat sich nicht geändert am Konzept, nach dem die Amerikaner auch auf ihrem sechsten Studio-Longplayer verfahren. Und warum auch? Hat sich das Ganze bei den prima verkauften Vorgängern doch bestens bewährt und funktioniert hier ebenfalls erstklassig. In den harten, modernen Heavy-Rock mit Post-Grunge-Wurzeln werden ganz homogen mal Nu-Metal-Elemente (›Let The Chaos Reign‹), mal Industrial-Anleihen (›Work‹), peppige 80er-Stimmungen (›Survivor‹) oder Songwriter-Anklänge (›Inferno‹) eingebaut.

So bleibt der Sound stilistisch frisch und unberechenbar, ohne sich komplett vom bisherigen Material zu entfernen und die treuen Fans zu verwirren oder gar vor den Kopf zu stoßen. Über allem thront Frontmann Leigh Kakaty mit seinem kernigen, schon mal aggressiven, aber immer warm und positiv aus den Boxen schallenden Gesang. Das interessanteste Stück des Lieder-Dutzends ist – längst nicht nur in Bezug auf die Vocals – wohl ›Worst In Me‹, das Ergebnis einer etwas schizophren anmutenden (und deshalb so attraktiven?) Interpretation des Powerballaden-Genres.

7 von 10 Punkten

Pop Evil, VERSATILE, EONE/SPV

Monster Magnet – A BETTER DYSTOPIA

Psychosomagnetisch

Dass der Flirt mit dem Mainstream nun schon ein Vierteljahrhundert zurückliegt, mag schlecht für Dave Wyndorfs Bankkonto sein, doch kreativ befindet er sich seit LAST PATROL von 2013 wieder auf einem Höhenflug. Da mag es manche Fans mit Sorgen erfüllen, dass er nun sein erstes Covers-Album veröffentlicht – bei vielen Künstlern ziemlich unnötiges Füllwerk, um mit relativ wenig Einsatz Schaffenspausen zu überbrücken. A BETTER DYSTOPIA ist jedoch kein zynischer Versuch, mit fremden Federn zu alter Bekanntheit zurückzukehren. Allein schon deswegen, weil die hier gecoverten Acts außer vielleicht Hawkwind nur absoluten Spezialisten ein Begriff sind. Poobah? Table Scraps? Dust? The Scientists? Eben. Was er aus diesen verborgenen Schätzen aus einer sehr fernen Psych-Vergangenheit herausholt, ist außerdem alles andere als lahm. Mit 64 scheint der Maestro noch mal richtig Fahrt aufzunehmen, krakeelt wie besessen und beschwört aus wild tosenden Gitarrentsunamis, Wabereffekten und Wah-wah-Infernos ein brodelndes Gebräu, das Großteilen der Stoner-Rock-Gemeinde den Angstschweiß auf die Stirn treten ließe.

Der Mainstream wird weiterhin mit den Schultern zucken, doch die Eingeweihten feiern einfach mit und freuen sich, dass Monster Magnet nichts von ihrem Punch verloren haben. Womöglich ist er nur ein paar Glasscherbenexzesse davon entfernt, als so cool wie Iggy Pop zu gelten.

7 von 10 Punkten

Monster Magnet, A BETTER DYSTOPIA, NAPALM/UNIVERSAL

Ayron Jones – CHILD OF THE STATE

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Black rock music matters!

Hoppla, wie geil ist das denn? Der aus Seattle stammende Gitarrist Ayron Jones zelebriert ein derbes Gitarrenbrett und hält sich auf seinem am 21. Mai erscheinenden Majordebüt nicht mit „Guitar Hero“-Gefrickel auf, sondern zeigt vielfältiges Potenzial. Als wenn Prince Heavyrock gemacht hätte. Jones’ zweite Single, ›Mercy‹, klingt nach groovigem Noiserock à la Helmet.

Das Lead Riff von ›Take Me Away‹ hätte Adam Jones von Tool nicht besser machen können, und dass Ayron Jones auch Ballade kann, hört man auf ›Spinning Circles‹. Diese „Ballade“ hat aber eine ziemlich derbe Bridge, wie wir es von Soundgarden her kannten. Dynamische Ausbrüche sind sein Markenzeichen und ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album. Fans der 90er Crossover-Schiene werden sehr angetan sein, hört man doch statt langweiliger Rockgitarre kantige, unvorhersehbare Fragmente in seinem riffbetonten Spiel mit wenigen, intensiven Solos, die auch mal ein bisschen Tom Morello von Rage Against The Machine durchschimmern lassen. Energiegeladener Heavyrock mit politisch engagierten Texten, Hendrix wäre stolz auf ihn!

8 von 10 Punkten

Ayron Jones, CHILD OF THE STATE, BIG MACHINE/UNIVERSAL

Jess And The Ancient Ones – VERTIGO

Ominös psychedelisch

Auch auf ihrem vierten Album bleiben Jess And The Ancient Ones sich und ihrer psychedelischen Richtung treu. Vor allem Sprechintros und -outros scheinen es den Finnen angetan zu haben und tragen kräftig zur unheilvollen Stimmung bei. Auch die Texte präsentieren sich mysteriös, geht es doch um Ouija Boards (›Talking Board‹), das eigene Schicksal (›Born To Kill‹) und den Zustand der Welt (›Strange Earth Illusions‹). Doch neben den fast schon verträumten 70er-Klängen, wie man sie erwarten durfte, gibt es auch frischen Wind wie in ›Love Zombi‹, das durch das Keyboard und das Tempo sehr viel moderner klingt. Die Entscheidung vom Vorgängeralbum THE HORSE AND OTHER WEIRD TALES, sich von drei Gitarren auf eine zu reduzieren, wirkt sich auch auf VERTIGO positiv aus. Das unterstützt bewusst Sängerin Jess und ihre eindringliche Stimme, die nun noch stärker im Zentrum der Arrangements steht – zu Recht. Stimmlich heavier wird es bei ›Born To Kill‹, das viel Energie mitbringt, die auch in ›What’s On Your Mind‹ weiterwirkt, bis die Platte schließlich mit dem elfeinhalbminütigen ›Strange Earth Illusions‹ langsam zu Ende getragen wird.

7 von 10 Punkten

Jess And The Ancient Ones, VERTIGO, SVART/CARGO

Mr. Bungle: Cover von Van Halens ›Loss Of Control‹

Demnächst erscheint ein Mitschnitt von Mr. Bungles Halloween-Livestream „The Night They Came Home“ von 2020. In diesem Zuge veröffentlichte die Supergroup jetzt ein Cover von Van Halens ›Loss Of Control‹ als ersten Teaser.

Das Original stammt vom Album WOMEN AND CHILDRED FIRST aus dem Jahr 1980 und wird hier von Mike Patton, Scott Ian, Dave Lombardo, Trevor Dunn und Trey Spruance interpretiert:

Zeitzeichen: The Police – ›Every Breath You Take‹

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Wer die Dynamik des Trios The Police etwas genauer ansieht, wird gerade in der Endphase ein ziemliches Chaos mit zu vielen Ego-Befindlichkeiten bemerken. Stewart Copeland, Andy Summers und Sting waren zwar auf dem Papier eine Band, aber hinter den Kulissen herrschte ein unbändiger Kleinkrieg, der von drei zickigen Charakterköpfen geführt wurde. Gegenseitige Standpunkte wurden allerdings schon in den Anfangstagen der Band ständig in die Länge gezogen und einfache Gespräche endeten zu oft in hitzigen Debatten. Selbst bei der Gründung der Band im Jahr 1977 gab es Meinungsverschiedenheiten, die jedoch nie offen ausgesprochen wurden: „Stewart wollte die Band unbedingt The Police nennen. Ich hasste den Namen, sagte dazu aber nichts weiter“, schrieb Sting in seiner Biographie. Doch natürlich gärte die Unzufriedenheit und köchelte langsam in ihm, wie in einem Vulkan. Copeland und Summers waren oftmals frustriert über Stings Alleingänge und dass er wie ein Gutsherr die Kontrolle über das Songwriting an sich riss – und dabei die beiden anderen fast wie Knechte behandelte.

Ganz besonders giftig war die Beziehung zwischen Schlagzeuger und Sänger. Beim Aufnahmeprozess von ›Every Breath You Take‹ konnte keiner der beiden den anderen im Studio ertragen. Es folgte ein hässlicher Kleinkrieg: Am Morgen fügte Copeland dem Song Schlagzeugparts hinzu. Am Nachmittag löschte Sting sie. So mar-kierte dieser Single-Hit sowohl den Höhepunkt als auch das Ende von The Police. Im Mai 1983 erschien er als erste Auskopplung von SYNCHRONICITY und wurde in der Folgezeit ihr größter Hit. Einen Monat später erschien das Album und verkaufte allein in den USA mehr als acht Millionen Exemplare. Nachdem die drei auf Tournee gegangen waren, um das Album zu promoten, konnten sie sich ab 1984 endgültig nicht mehr ausstehen. Die Band zerbrach und jeder suchte sich einen neuen Weg. Trotz späterer Wiedervereinigungen waren sie als Schöpfer von Songs, die zwischen spannenden Improvisationsparts, Rock- und Pop-Fragmenten schwankten, komplett erledigt.

In der Retrospektive konnte Sting für sich selbst analysieren, dass die dynamische Mischung aus menschlichen Schwächen, Ego-Film, Stänkereien und beruflichem Erfolg in der Endphase von The Police die Antriebsfeder für sein Leben war. Dazu schlitterte der Frontmann auch auf privater Ebene in eine Sackgasse, denn seine Ehe mit Frances Tomelty war ebenfalls gescheitert. Sie und Sting heirateten im Jahr 1976, zwei Jahre, nachdem sie sich kennengelernt hatten. Sting verließ Frances, nachdem er mit der Schauspielerin Trudie Styler eine Affäre begonnen hatte. Eigentlich wollte Sting die Trennung mit ›Every Breath You Take‹ verarbeiteten, in dem sich sein lyrisches Ich im Songtext als Stalker stilisiert. Doch viel mehr steht sein fanatisches und fast pathologisches Kontrollfreak-Syndrom für das Ende von The Police.

Sting sagt aus heutiger Perspektive über ›Every Breath You Take‹: „Nachdem ich diesen Song geschrieben hatte, war mir zuerst nicht so richtig klar, in welch düsteren Zuständen ich mich damals befand. Meine ursprüngliche Absicht war es eigentlich, ein romantisches Lied zu schreiben. Der Text sollte verführerisch, packend und warm sein. Viel später bemerkte ich erst, wie sehr die dunkle Seite meiner Persönlichkeit unbewusst in diese Zeilen kam. Mir war damals nicht bewusst, was ich für ein eifersüchtiger Kontrollfreak sein kann, der absolut falsch mit Werten wie Macht und Würde umgeht. Mir wurde erst viel später klar, in welch einer schwierigen Zeit ich diesen Song geschrieben hatte.“