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The Sweet: Das letzte Wort mit Andy Scott

Sweet Live 2019Mit über 70 Jahren denkt Sweet-Mastermind Andy Scott noch lange nicht ans Aufhören…

Nicht mehr. Vor wenigen Jahren sah es so aus, als würde sich der Mann aus dem Geschäft zurückziehen wollen, aufgrund seiner Krebserkrankung standen Abschiedstourneen auf dem Plan. Doch heute kann sich der Gitarrist, Produzent und Songschreiber definitiv kein Leben nach Sweet vorstellen. Am Strand liegen und Bücher lesen? Nicht mit Mr. Scott. Wie es nach der aktuellen „Still Got The Rock“-Tour ohne Sänger Pete Lincoln weitergeht, wann dem Musiker zuletzt ein „verfickte Hölle“ über die Lippen gekommen ist und wie man den Rock’n’Roll-Zirkus überleben kann, diese Themen resümiert er im Interview und blickt gleichzeitig tatenfroh in die Zukunft.

Steckt irgendein Geheimnis hinter deiner 50-jährigen Karriere?
Alles, was ich dazu sagen kann: Wir müssen wohl gute Musik gemacht ha­­ben, das ist die Basis von alldem. Wäre die Musik scheiße gewesen, würden wir beide uns heute nicht unterhalten. Aber die Musik und die Haltung der Band und der Fakt, dass wir live immer gut spielen, das Publikum immer kriegen, das macht schon etwas aus.

Was denkst du, warum gerade die Rockmusik oft fähig ist, eine gewisse Zeitlosigkeit darzustellen?
Auch wegen der Qualität, es gab einfach unfassbar gute Bands damals. Ich mag auch einige moderne Gruppen, viele Künstler schreiben ja noch immer Songs und nicht nur irgendwelche Drum-Computer-Muster. Musik muss dich antreiben, dich berühren, etwas an sich haben. Bei den Galla­gher-Brüdern und Oasis damals wusste ich beispielsweise, dass aus dieser Band etwas werden würde. Klar trugen sie ihre Einflüsse aus den 60ern offensichtlich zur Schau, aber die hatten einfach etwas. Dieses Gefühl habe ich heute nicht mehr oft, Bands bestehen nicht mehr lange, sie lösen sich nach zwei Platten wieder auf. Außerdem ist Musik viel zu frei verfügbar, du streamst sie auf der Teufelsplattform Spotify und denkst nicht darüber nach, früher wollte man das ganze Album, man wollte aktiv hinhören.

Eine gewisse Fast-Food-Mentalität also?
Ich habe es noch nie aus diesem Blickwinkel be­­trachtet, aber das fasst es tatsächlich sehr gut zusammen. Die Musik wird heute leider nicht mehr als Kunstform gefeiert…

Was verschafft dir da auch heute noch die größte Befriedigung als Künstler?
Erst mal: Wenn ich keinen Bock mehr auf all das hier hätte, könnte ich nicht seit über 50 Jahren auf der Bühne stehen und ›The Ballroom Blitz‹ spielen. Bei Sweet-Gigs gibt es diese magischen Momente, wenn du eins wirst mit dem Publikum. Ich möchte, dass die Leute rumspringen und mitsingen. Ich erinnere mich, als Doro Pesch uns kürzlich einlud, mit ihr bei Wacken zu spielen: Da rutschten mir mal eben die Worte „verfickte Hölle“ raus, als ich die Menschenmenge sah und alle hüpften herum wie die Wilden. Das genieße ich nach wie vor.

Wie hast du es geschafft, den Rock’n’Roll-Zirkus zu überleben?
Ich habe zwei Bandmitglieder an diesen Lebensstil verloren. Ich denke, ich hatte schon immer diesen imaginären Stop-Knopf. Ich habe viele Leute gesehen, die diesen Knopf einfach nicht drücken konnten, aber man braucht diese Fä­­higkeit, einfach mal „Halt“ sagen zu können, auch wenn man im Musik-Business in einer Art Paralleluniversum lebt.

Hättest du als junger Musiker gern irgendwas gewusst, das du heute weißt?
Bereuen bringt natürlich nie etwas, aber manchmal wünsche ich mir, ich hätte mich in den 80ern mehr darauf konzentriert, die Band zusammenzuhalten, anstatt zu produzieren. Irgendwie hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich gerade nicht erfolgreich war. Schwer zu beschreiben. Na ja. Hätten wir weitergemacht, wären wir einfach stark geblieben, statt unsere Stärke erst wieder finden zu müssen. Aber auch hier ist es wieder so: Am Ende lernst du et­­was daraus.

Was ist bisher deine Lieblings-Ära von Sweet.
Ich fühle mich aktuell sehr wohl, aber dieses Anfangsgefühl, wenn alles gerade so richtig durchstartet, das kann dir keiner nehmen. Diese Erfahrung ist etwas ganz Einzigartiges.

Wie würdest du die Quintessenz des Spirits von Sweet beschreiben?
Früher waren wir wie eine Armee, auch unter den schlechtesten Umständen hielten wir zusammen. Wir spielten mal zwischen Kiss und Alice Cooper, wir hatten keinen Platz, keinen Soundcheck, konnten uns selbst nicht hören. Solche Situationen können wirklich zur Zerreißprobe werden, aber man wird auch stärker. Seitdem wäre es mir nie mehr in den Sinn gekommen, eine Support-Band schlecht zu behandeln. Du weißt ja nie, vielleicht sind sie die nächsten Headliner!

Bei dir wurde vor einigen Jahren Krebs diagnostiziert. Wie hat dich diese Diagnose verändert?

Na ja, es geht mir gerade gut, aber so eine Krankheit besiegst du nie, sie lauert immer irgendwo. Seitdem mache ich eigentlich nur noch, was ich machen will. Wie eine neue Sweet-Platte zum Beispiel, die ist gerade schon im Gespräch und ich habe Lust darauf, auch wenn Pete Lincoln leider nicht mehr genug Zeit für uns haben wird. Wir sind beide sehr traurig über diesen Umstand, aber unsere Band muss einfach Nummer 1 bleiben. Ich schätze die Dinge heute mehr und ich werde nicht aufhören, zu touren und zu arbeiten. Vor wenigen Jahren dachte ich, dass es vielleicht bald an der Zeit wäre, es gut sein zu lassen. Aber ich habe mich mal mit Mick Box von Uriah Heep unterhalten und wir waren uns einig: Warum aufhören? Was sollen wir denn ohne das hier tun? Vielleicht ist es das, worauf es hinausläuft: Wie alte Soldaten werden wir in unseren Rock’n’Roll-Stiefeln abtreten.

Scott Weiland: Autobiographie soll verfilmt werden

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Das bewegte Leben von Scott Weiland, Sänger von den Stone Temple Pilots und Velvet Revolver, soll auf die große Leinwand.

2011 brachte Scott Weiland seine Autobiographie mit dem Titel „Not Dead And Not For Sale“ heraus. Jetzt soll das Buch verfilmt werden, der Streifen wird „Paper Heart“ heißen. Die Produktionsfirma „Dark Pictures“ und Produzent Orian Williams haben die Rechte an dem Film erworben, letzterer ist vor allem bekannt für seine Arbeit am Streifen „Control“, der das Leben von Ian Curtis von Joy Division behandelt.

Scott Weiland starb 2015 im Alter von nur 48 Jahren an den Folgen eines toxischen Drogencocktails. Er wurde tot in seinem Tourbus aufgefunden.

Toto: Keine Studioalben mehr

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Obwohl Toto weiterhin fleißig live spielen, soll es keine Rückkehr ins Studio mehr geben.

Steve Lukather äußerte sich in einem jüngsten Interview folgendermaßen: „Es wird kein Toto-Album mehr geben. Wir machen einfach weiter das, was wir gerade tun.“ Das was Toto im Moment tun, ist live spielen – sofern es die Pandemie erlaubt. Denn die neue Live-Platte WITH A LITTLE HELP FROM MY FRIENDS, die im November letzten Jahres aufgenommen wurde, erschien vor drei Tagen.

Mit dabei waren unter anderem Bassist John Pierce (Huey Lewis and the News), Drummer Robert ‚Sput‘ Searight (Ghost-Note & Snarky Puppy), Keyboarder Dominique ‚Xavier‘ Taplin (Prince & Ghost-Note) und Steve Maggiora (Robert Jon & The Wreck).

Das mittlerweile 15. Line-Up plant deshalb jedoch nicht, in Rente zu gehen. So stehen auch für nächstes Jahr noch Tourdaten an, auch in Deutschland.

Skid Row: Johnny Solinger gestorben

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Der ehemalige Frontmann von Skid Row ist im Alter von 55 Jahren verstorben.

Am 27. Juni gab die Schauspielerin Paul Marcenaro auf Social Media bekannt, dass ihr Mann Johnny Solinger an Leberversagen gestorben ist. Der Sänger war 1999 bei Skid Row eingestiegen, um Frontmann Sebastian Bach zu ersetzen.

Zusammen mit der Band veröffentlichte er die Alben THICKSKIN und REVOLUTIONS PER MINUTE, sowie zwei EPs mit den Titeln UNITED WORLD REBELLION: CHAPTER ONE und RISE OF THE DAMNATION ARMY – UNITED WORLD REBELLION: CHAPTER TWO. 2014 gingen Solinger und Skid Row dann getrennte Wege.

Bei Faceboook äußerte sich die Band zum Tod ihres ehemaligen Kollegen mit den Worten: „Wir betrauern den Tod unseres Bruders Johnny Solinger. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, seinen Freunden und Fans.“

Rückblende: The Who – Up, Up And Away

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the who my generationZwischen 1971 und 1973 machten The Who vor dem Hintergrund von Alkohol, Drogen, Schlägereien und finanziellem Missmanagement zwei ihrer besten Alben: WHO‘S NEXT und QUADROPHENIA. Doch es war LIFEHOUSE, an dem die Band beinahe zerbrach.

Pete Townshend, Songwriter und Gitarrist von The Who, hatte schon viele schlechte Tage ertragen. Aber nur wenige waren so schlecht wie der im März 1971, als er versuchte, sich im zehnten Stock eines New Yorker Hotels aus dem Fenster zu stürzen. Der Grund? „Alle im Raum“, sagte er, „hatten sich in riesige Frösche verwandelt.“ An jenem Nachmittag führte ihn der Assistent seines Managers vom Fenster weg und beruhigte ihn. Townshend behauptete, er habe eine alkoholinduzierte Angstattacke gehabt. Der Hauptsongwriter und denker der Band ertrank sich in Rémy Martin und wurde verrückt bei dem Versuch, seine Vision für das nächste The-Who-Projekt zu erklären – eine Geschichte, die er „Lifehouse“ nannte.

Sie fand in der Zukunft statt, vielleicht 1990, so Townshend, und alle Menschen auf dem Planeten trugen Anzüge, die mit Drähten an ein zentrales „Netz“ angeschlossen waren, das sie mit Unterhaltung „fütterte“. Ein Roadie fand dann einen Weg, die Leute stattdessen mit Musik zu „füttern“… Es sollte ein Film und ein Album werden. Das einzige Problem dabei: Niemand verstand, wovon er da sprach. Zu dem Zeitpunkt, als Townshend jenes offene Fenster im zehnten Stock betrachtete, ist fraglich, ob er es selbst noch verstand. Irgendetwas musste passieren.

Statt LIFEHOUSE machten The Who das „Nicht-Konzept“-Album WHO‘S NEXT. Es wurde zum bis dato erfolgreichsten Werk ihrer Karriere und machte diese überaus dysfunktionale englische Popgruppe zu einer der berühmtesten Rockbands der Welt. Doch WHO‘S NEXT war nicht LIFEHOUSE. Über die nächsten zwei Jahre kämpfte Townshend darum, seine wahnhaft komplexen Ideen endlich in die Realität umzusetzen und es noch dazu all jenen recht zu machen, die wollten, dass The Who einfach nur eine laute, gewalttätige Arena-Rockband bleiben. Was fast ihr Ende bedeutet hätte. „Wir standen nie so kurz davor, uns aufzulösen“, sagte Sänger Roger Daltrey.

Das Dilemma, in dem sich The Who befanden, war Anfang der 70er Jahre offensichtlich. Auf der einen Seite stand TOMMY von 1969, ihre „ernste“ Rockoper über einen taubstummen und blinden Jungen, der als Messias vergöttert wird. In Großbritannien war die Band damit vom Rand der Versenkung zurückgekehrt, in den USA verhalf es ihnen sogar zum Durchbruch.

Auf der anderen Seite stand LIVE AT LEEDS von 1970 mit überdrehten Versionen der frühen Hits ›Substitute‹ und ›My Generation‹ sowie beschleunigten Covers von ›Summertime Blues‹ und ›Shakin‘ All Over‹. Das war genau der Hochspannungspop, den Townshend, Daltrey, Bassist John Entwistle und Schlagzeuger Keith Moon Mitte der 60er in den Pubs und Clubs von Westlondon gespielt hatten. Doch für welche Richtung sollten sie sich entscheiden?

TOMMY hatte The Who in neue Höhen geführt, aber Ende 1970 war es zum Bremsschuh geworden. Townshend sah es als seine Aufgabe an, etwas zu schreiben, das ihre „Rockoper“ ersetzen würde. Eben LIFEHOUSE. „Die Menschheit würde darin eine Umweltkatastrophe überleben, indem sie in kokonartigen Anzügen lebt, unterhalten und abgelenkt von einem ausgeklügelten Programm, das sie von der Regierung bekommen“, erklärte er. „Wegen ihres Potenzials, die schlafende Masse aufzuwecken, würde Rockmusik verboten sein.“

Laut Townshend kam die ursprüngliche Inspiration von den Schriften des Sufi-Musikers Inayat Khan, der glaubte, es gebe eine universelle Note der Musik, „einen Grundton des Akkords, zu dem wir alle gehören“ und der den Zuhörer auf eine Reise entführen könne. Auf LIFEHOUSE würde ein ähnlicher Ton die ganze Bevölkerung derart bewegen. LIFEHOUSE befasst sich auch mit Townshends wachsender Besessenheit von Computern und Synthesizern. Ein Roadie namens Bobby würde den Menschen die Musik vorstellen, indem er mit High-Tech-Ausrüstung Klänge erschaffen würde, die auf jeden einzelnen je nach ihren Sternzeichen – zugeschnitten wäre. Die Entdeckung von Khans „Universalton“ würde dramatische Konsequenzen nach sich ziehen. „Das Publikum findet in immer höhere Bewusstseinszustände“, so Townshend. „Und letztlich wird es zu viel und sie verlassen tatsächlich ihre Körper. Sie verschwinden.“

Townshends Konzept eines zentralen „Netzes“ klingt heute bemerkenswert nach dem, was wir als Internet kennen. Selbst Bobbys fortschrittliche Musiktechnologie war nicht so weit hergeholt. 1970 experimentierten Forscher an einem Synthesizer, der auf den Herzschlag eines Menschen „gestimmt“ werden könnte. Doch als er LIFEHOUSE dem Rest der Band präsentierte, stieß er auf taube Ohren. „Das funktioniert nie“, sagte Daltrey. Der Frontmann war ein praktisch veranlagter Mann, der auf Baustellen und in Stahlwerken gearbeitet hatte. „So viel Draht bekommst du nie“. „Universaltöne“ waren ja schön und gut, aber der Mangel an Kabeln, um Haushalte an das zentrale Netz anzuschließen, war das, was den Pragmatiker Daltrey störte.

„Ich erklärte Roger, John und Keith LIFEHOUSE und sie sagten: ‚Oh, ich verstehe es. Du ziehst diesen Anzug an, wirfst einen Penny ein und kriegst einen runtergeholt‘“, erinnerte sich Townshend. „Und ich sagte, nein, das ist viel größer. ‚Oh, ich verstehe es. Du kriegst einen runtergeholt und einen Mars-Riegel in den Hintern geschoben…‘“ „Das ergab keinen Sinn“, so Daltrey. „Keiner von uns kapierte es. Aber da waren schon gute Ideen dabei. Ich mochte die Vorstellung, dass der Sinn des Lebens in einer Musiknote stecken würde. Ich fand das eine großartige Idee.“

Auch wenn Townshend sich entmutigt fühlte, machte er weiter. Sein erster Schritt in Richtung LIFEHOUSE bestand in einer Veranstaltung im Londoner Theater Young Vic, die er ausrichtete. Anfang 1971 hatte Universal Pictures ihm zwei Millionen Dollar für einen LIFEHOUSE-Film geboten. Zumindest dachte er das. Sein Plan war es, Teile des Events dafür zu filmen. Er wollte, dass es nicht nur ein Konzert wird, sondern eine Gelegenheit, bei der die Band und ihr Publikum interagieren konnten. „Wir wollen sehen, wie weit das mit der Interaktion gehen kann“, erklärte er. „Ich erwarte nicht ernsthaft, dass die Leute ihre Körper verlassen. Aber ich denke, wir könnten weiter gehen, als Rockkonzerte je gegangen sind.“

Frank Dunlop, Leiter des Young Vic, war hocherfreut darüber, ein Publikum aus Teenagern in seinem Theater zu haben. The Who kündigten ihr „Happening“ bei einer Pressekonferenz am 13. Januar an. „Wir wollen versuchen, durch das Medi- um der Rockmusik geistige und spirituelle Harmonie herbeizuführen“, sagte Townshend den Journalisten. Aber nicht alle waren überzeugt. „Ich erinnere mich an den verwirrten Blick in Rogers Augen“, so Dunlop. „Ich denke, Roger fragte sich wohl: ‚Was hat das alles mit mir zu tun?‘“

Am 14. Februar füllten fast 1000 Who-Fans das Young Vic. Townshend erzählte ihnen von LIFEHOUSE, aber die traditionelle Rollenverteilung blieb bestehen: Die Band spielte, das Publikum hörte zu. Nach dem Konzert nahm Keith Moon ein paar Groupies mit in sein Wohnmobil. Business as usual. Es folgten mehr solche Events im Young Vic, doch das Problem blieb das gleiche. Die Fans erwarteten eine Show. The Who spielten die neuen Lieder, gaben dann nach und spielten die alten Sachen. Townshend: „Das Publikum hüpfte herum, wir sahen einander an und sagten: Nun, offensichtlich ist es eher das, was sie wollen.“

Bei einem der letzten Events im Young Vic im Mai brach Townshends Frust allerdings aus ihm heraus, als ein Hippie immer wieder „Kapitalistenschweine!“ schrie. Irgendwann war es vorbei mit seiner Geduld, er zerrte den Störenfried auf die Bühne „und prügelte ihn windelweich.“ Der höhere Bewusstseinzustand musste noch warten.

Townshends Kampf, den anderen LIFE-HOUSE begreiflich zu machen, wurde noch verschlimmert durch dubiose Machenschaften im Bandlager. Nachdem ihm mitgeteilt worden war, dass Universal Pictures LIFEHOUSE wollte, erfuhr er, dass der Co-Manager Kit Lambert ihnen versprochen hatte, dass sie stattdessen TOMMY verfilmen würden. Der taubstumme, blinde Junge überschattete immer noch alles, was The Who taten. Kit war der adlige Sohn des berühmten englischen Komponisten Constant Lambert. Er hatte Townshend geholfen, TOMMY zu erschaffen, und es entsprach seinem Sinn fürs Pompöse, einen Film daraus zu machen. LIFEHOUSE verwirrte ihn nur. Dann behauptete er, Universal würde beide Projekte finanzieren, während er insgeheim dafür sorgen wollte, dass Townshends futuristische Fantasterei auf Eis gelegt wird. Zwischenzeitlich hatte er ihn überredet, im New Yorker Record-Plant-Studio LIFEHOUSE als Album aufzunehmen. Wie schon bei TOMMY, wollte Lambert die Sessions produzieren. Bald jedoch wurde er aus dem Projekt verdrängt. Die Stücke entstanden, aber die Drogenkultur im Big Apple bot zuviel Ablenkung. Lambert nahm Heroin und Townshend war besorgt, dass der zunehmend unberechenbare Moon es ihm gleichtun würde. Townshend wiederum trank währenddessen „Flasche um Flasche Brandy und ich dachte dabei wahrscheinlich, dass ich mich sehr zurückhielt.“ Als der Gitarrist jedoch in Lamberts Büro lief und hörte, wie der Manager von ihm abfällig als „Townshend“ statt „Pete“ sprach, war es vorbei mit der Zurückhaltung. Sekunden später ging er auf das offene Fenster zu, überzeugt, dass alle im Raum sich in Frösche verwandelt hatten.

Gitarrenhelden: Scotty Moore

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Ein Beitrag aus CLASSIC ROCK #100

Ein Album mit dem Titel THE GUITAR THAT CHANGED THE WORLD zu veröffentlichen, wäre für jeden anderen ein Beispiel grenzenloser Hybris, doch Scotty Moore darf so etwas mit Fug und Recht behaupten. Als Keith Richards erstmals Moores Gitarre auf Elvis Presleys ›Heartbreak Hotel‹ hörte, veränderte sie jedenfalls zweifellos seine Welt. „Alle wollten wie Elvis sein, ich wollte wie Scotty sein“, sagte er. Es war Sam Phillips von Sun Records, der 1954 Presley und den 22-jährigen Moore für eine temporeiche Fassung von ›That’s All Right‹ zusammenbrachte.

Über einem treibenden Rhythmus verschmolz und vereinfachte Moore geschickt Country- und Blues Methodologie und legte somit das Fundament für den gesamten gitarrenbasierten Rock’n’Roll der Zukunft. Und während seine Gitarre um die Welt hallte und zahllose Musiker inspirierte und beeinflusste, perfektionierte er seine Kunst und spielte auf Welthits wie ›Hound Dog‹ und ›Heartbreak Hotel‹. Andere waren vielleicht lauter, schneller und auffälliger, doch Moore war der Erste.

Anspieltipp: ›Heartbreak Hotel‹ (Elvis Presley, Single, 1956)

Verborgene Schätze: Flower Travellin’ Band – ANYWHERE

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Flower Travellin’ Band sind mit einiger Sicherheit die bekannteste Formation aus der japanischen Underground-Szene der frühen 70er. Die meisten ihrer Mitglieder hatten sich zuvor in diversen Acts der sogenannten Groups-Sounds (GS)-Explosion von Mitte bis Ende der 60er ihre Sporen verdient, beeinflusst von westlichem Hardrock, Psychedelic und progressiven Klängen. Flower Travellin’ Band hatten auch eine einzigartige, traditionell japanische Atmosphäre in ihrem Sound, der auf dem hochgelobten Nachfolger SATORI von 1971 noch mehr in den Vordergrund trat.

Mit seinem „Easy Rider, nackt“-Artwork (das Julian Cope als Titelbild für sein hervorragendes Buch „Japrocksampler“ verwendete) ist ANYWHERE ein gesuchtes Sammlerstück, vor allem mit der so wichtigen Japan-Banderole. Auf dem Papier scheint es nur ein Coversalbum zu sein. Doch dies sind keine gewöhnlichen Coverversionen. King Crimsons ›21st Century Schizoid Man‹ ist auf über 13 Minuten ein reduzierter Freakout, so roh, dass es das Original nicht dezimiert, sondern vielmehr in ein ganz anderes Universum katapultiert.

Ihre neunminütige Interpretation von ›Black Sabbath‹ ist ebenfalls ein Ereignis. Der lysergische Gitarrenklang von Hideki Ishima ist einfach nur faszinierend, während Frontmann Joe Yamanaka wie ein dämonischer asiatischer Ozzy über die gnadenlosen Akkorde der Verdammnis und das Wahwah-Chaos heult. Ach ja, und ihre 15-minütige Fassung von Muddy Waters’ ›Louisiana Blues‹ verbiegt einem glatt das Hirn. Ein ganz großer Spaß!

Text: Lee Dorian

Video der Woche: The Clash live mit ›Train In Vain‹

Mick Jones feiert heute seinen 66. Geburtstag. Zeit, sich einen Track vom wohl erfolgreichsten The-Clash-Album anzuschauen: ›Train In Vain‹.

Fest eingeplant war der Song für LONDON CALLING nicht wirklich. Als er es schließlich auf das Album schaffte, war das Cover der Platte bereits in Auftrag gegeben, weshalb ›Train In Vain‹ nicht mit gelistet und auch in den Teil der Vinyl-Platte gepresst wurde, der eigentlich leer bleibt.

Ohne Anhaltspunkte gingen die meisten Fans davon aus, der Song hieße ›Stand By Me‹, da die Worte „train in vain“ im ganzen Text nicht vorkommen. Doch um einen Urheberrechtsstreit zu entgehen, da es bereits einen gleichnamigen Song von Ben E. King gab, wurde daraus ›Train In Vain‹. Mick Jones selbst erkärte: „Der Song hatte den Rhythmus wie ein Zug und da war wieder einmal dieses Gefühl verloren zu sein.“

Eine weitere Interpretation ist die Beziehung zwischen Gitarrist Mick Jones und The-Slits-Gitarristin Viv Albertine, die kurz zuvor zu Ende ging. Der Song soll eine Antwort auf den The-Slits-Track ›Typical Girls‹ sein.