Es gibt eine neue Single von Tenacious D, ein Medley aus ›You Never Give Me Your Money‹ und ›The End‹ von den Beatles.
Im dazugehörigen Video nehmen sich die beiden Gitarristen wie üblich selbst nicht besonders ernst. Der Zweck hinter der ABBEY-ROAD-Hommage von Jack Black und Kyle Gass ist jedoch umso ernster, denn der Erlös der Vinyl-Single soll an Ärzte ohne Grenzen gespendet werden.
Selbst sagt das Duo dazu: „Tenacious D zollen der größten Band der Welt Tribut… Nicht uns selbst, sondern den Beatles!“ Auch das Cover der Single ist eine Verneigung vor dem berühmten ABBEY-ROAD-Album – mit Bigfoot und Satan, die den ersten und letzten Platz auf dem hier höllischen Zebrastreifen einnehmen.
„FIST FULL OF DEVILS ist ein rein instrumentales, sehr gut produziertes und abgemischtes Gitarrenalbum, das ein breites Spektrum von stets songdienlich gespielten Tracks zwischen Blues, Rockabilly-Boogie, melodiösem Rock, Southern und Hardrockballaden bietet.“
„Thematisch decken Red Machete vieles ab, was eine solide Platte braucht: das Rebellische (›Outlaw‹), die Liebe (›Unlimited Love‹) und den eigenen Weg (›Take Me Back‹).“
Kennt jemand Earl Slick? Der Italoamerikaner aus Brook lyn ist weniger als Solokünstler, sondern eher aufgrund seiner Jobs als Gitarrist für u. a. David Bowie, John Lennon/Yoko Ono, die Stray-Cats-Bandversion ohne Brian Setzer und – hoppla – die späten New York Dolls bekannt. FIST FULL OF DEVILS ist ein rein instrumentales, sehr gut produziertes und abgemischtes Gitarrenalbum, das ein breites Spektrum von stets songdienlich gespielten Tracks zwischen Blues, Rockabilly-Boogie, melodiösem Rock, Southern und Hardrockballaden bietet. Mein einziges Problem damit: Jeder Song ist perfekt komponiert und ausarrangiert, doch ohne Gesang irgendwie nur die Hälfte wert. Da Earl sicher über ein unglaublich großes Netzwerk an Musikerfreunden verfügt, für die er oft ins Griffbrett langte, hätte er doch problemlos mit drei oder vier Gastsängern die Tracks auf eine höhere Stufe heben können. So ist FIST FULL OF DEVILS am Ende halt nur ein weiteres Gitarristenalbum … für Rockgitarristen.
Jetzt wird es biblisch. Lord Of The Lost widmen sich dem Judas-Mythos und beleuchten das Motiv des Verräters sowie diverse Aspekte von Gut und Böse in 24 neuen Songs. Das Doppelalbum kredenzt einerseits typische LOTL-Trademarks wie den tief-rauen Gesang von Chris Harms, hymnische Hooklines und den bekannten Mix aus Goth-Metal-Riffs, Elektronik, Sinfonischem und atmosphärischen Keyboards. Jedoch gibt es auch neue Klangfarben auf die Ohren wie vermehrt ruhige und sakrale Elemente – insbesondere Orgeln und üppige Chöre erzeugen Kirchenflair – sowie den verstärkten Einsatz von Fuzz-Gitarren, die für einen massiven, dreckigen Grundsound sorgen. Bisweilen kommt hier durchaus Soundtrack-Stimmung auf.
Dabei geht die Hamburger Dark-Rock-/Metal-Formation songdienlich vor, gewährt der Abwechslung großen Raum und legt Wert auf Eingängigkeit. Zudem gelingt Lord Of The Lost das Kunststück, über beide CDs hinweg die Qualität auf einem konstant hohen Level zu halten. Der biblische Judas hätte an JUDAS sicher seine himmlische Freude gehabt.
Film-Noir-Feeling von zwei strahlkräftigen Frontfiguren
Wenn man so will, hat Bobby Gillespie eine solche Platte vor 19 Jahren schon angedeutet. Damals waren der streitbare Schotte und seine Band Primal Scream, diese schillernden Britrock-Chamäleons, die von Janglepop, Avant Dub, Stones-Blues und Agit-Polit-Noise alles schon meisterten, gerade in einer – echt jetzt! – Schmirgelkraut-Elektrophase. So coverten sie auf dem 2002er Album EVIL HEAT mit Gaststimme Kate Moss den Nancy Sinatra/Lee Hazelwood-Klassiker ›Some Velvet Morning‹ als knarzenden Schwarzlichtdisco-Track. Also nicht als den orchestralen Noir-Schmachtfetzen, als den man das Original kennt. Eben diesen Sound greift Gillespie dafür verspätet auf UTOPIAN ASHES auf. Ein Album, das es freilich nicht gäbe ohne Jehnny Beth. Die charismatische Wahl-Londoner Französin von den Femme-Post-Punks Savages ist für den Veteranen eine Songwriting-und Performance-Partnerin auf Augenhöhe.
Die beiden schlüpfen in die Rollen eines sich trennenden Paares und singen neun Hassliebe-Duette, sexuell aufgeladen, bittersüß, elegant und dramatisch, untermalt von malerischen Streichern und einer organisch groovenden Band, die aus drei Primal-Scream-Mitgliedern und Jehnnys Partner Johnny Hostile besteht. Für Musik wie diese wurde das Adjektiv „cinematic“ erfunden.
8 von 10 Punkten
Bobby Gillespie and Jenny Beth/ UTOPIAN ASHES/ SONY
Von wegen die 70er sind passé! Red Machete beweisen, dass man das Lebensgefühl von damals auch aufrecht erhalten kann, ohne selbst live dabei gewesen zu sein. Mit genannten musikalischen Einflüssen wie Queen, Led Zeppelin und AC/DC vermengen sich hier AOR und Hardrock zu einer äußerst eingängigen Mischung. Das Powertrio ließ sich fünf Jahre Zeit für sein zweites Album und spielte dann die Songs nicht nur live im Studio ein, sondern nahm das Ganze auch analog auf Tape auf. Dadurch bleibt HIGH TENSION dynamisch, greifbar und authentisch old school. Dass die jungen Österreicher so arbeiten konnten, verdanken sie nicht zuletzt ihrer langjährigen Erfahrung – immerhin gründeten sie sich 2008 und durften live schon für Kaliber wie The Sweet, Deep Purple und Mother’s Finest eröffnen.
Sänger und Gitarrist Marco Hadzic wagt sich oftmals problemlos in höhere Wolfmother-Tonlagen, um dann in Tracks wie ›Take Me Back‹ wiederum mit einem zurückgelehnt-lässigen Riff zu überzeugen. Thematisch decken Red Machete vieles ab, was eine solide Platte braucht: das Rebellische (›Outlaw‹), die Liebe (›Unlimited Love‹) und den eigenen Weg (›Take Me Back‹).
Schon als Teenager in Solihull war sie Bluesfan. Heute ist sie zum größten britischen Star des Genres avanciert.
Der neue Blues hat nicht unbedingt den besten Ruf und wird oft als gesichtslos oder glattpoliert kritisiert. Doch in einer Welt, die sich in so vielfältiger Weise verändert hat – und in der Abermillionen Clips von YouTube-Gitarrenhelden und ihren Hochglanz-Darbietungen von ›They Call It Stormy Monday‹ nie mehr als einen Click entfernt sind –, sind diese bösen Worte bisweilen durchaus gerechtfertigt. Die sklavenhaft puristische Ecke des Blues kann sich schon wirklich ziemlich uninspiriert anfühlen.
Doch es wäre eine große Schande, anzunehmen, dass es da nicht noch viel mehr gibt, denn tatsächlich ist der Blues heute gesünder und vielfältiger als je zuvor. Ob man ihn gesetzt und traditionell bevorzugt oder subversiv und gepfeffert, praktisch jede Vorliebe wird bedient. Da sind die klassischen Fackelträger wie Jonny Lang und Kenny Wayne Shepherd. Rock’n’Soul-Innovatoren wie die Tedeschi Trucks Band und Marcus King. Aktuelle Bluesrock- Schwergewichte wie Joanne Shaw Taylor. Fusionisten von HipHop und Oldschool-Blues wie Fantastic Negrito und Gary Clark Jr. 50s-Fans wie Samantha Fish. R’n’B-Wirbelwinde wie The Record Company … Hier begegnen wir einigen von ihnen, und vielen mehr. Der Virtuose Dan Patlansky aus Südafrika, ein funky Wiedergänger von Stevie Ray Vaughan, sagte: „Dies ist nicht der Blues von deinem Daddy, dies ist Vagabunden-Blues“.
Würde man Joanne Shaw Taylor eine Schnittwunde zufügen, würde sie den Blues bluten. Und man würde auch viel Northern Soul, Motown und klassisches Rockgitarren-Heldentum finden, die alle in ihre eingängige, vielschichtige Version des modernen Bluesrock einfließen. Doch es fing alles mit den Bluesplatten in der Sammlung ihres Vaters an. „Er spielte Mundharmonika, also wusste ich durch ihn, wer Sonny Terry war, und Brownie McGee und Big Bill Broonzy, solche Leute“, sagt sie. „Aber erst Stevie Ray Vaughan hat mich so richtig dafür begeistert. Es war als junger Mensch wohl einfach leichter, zu verstehen, was er tat. Die Songs waren ziemlich catchy und poppig, und dadurch hörte ich mir dann auch die älteren Künstler an … Für eine 14-Jährige ist es ein großer Sprung, Bukka White oder Robert Johnson zu entdecken. Einige dieser Aufnahmen sind 100 Jahre alt. Fangt erst mal leicht an mit den großen elektrischen Namen.“
Die Aussicht, mit Jim Gaines zusammenzuarbeiten, begeisterte sie also, mehr als wohl jeden britischen Durchschnitts-Teenager. Sie begegnete dem Produzenten erstmals im Alter von 16 Jahren, kurz nachdem Eurythmics-Gitarrist/Songwriter Dave Stewart sie unter Vertrag genommen hatte. „Dave plante ein Album für mich und fragte mich, mit wem ich gerne zusammenarbeiten würde. Ich sagte Jim Gaines. Da hatte ich erst ein paar Jahre gespielt und alles drehte sich noch um Stevie Ray Vaughan, Albert Collins … und Luther Allison. Ich war ein Riesenfan von Luther Allison. Jim hatte mit all diesen Künstlern zusammengearbeitet, also war er eine offensichtliche Wahl.“ Ihre ersten Alben erschienen auf dem deutschen Blueslabel Ruf Records. Heute lebt sie in Detroit und veröffentlichte 2019 ihr kraftvolles, soullastiges Major-Debüt RECKLESS HEART (Sony).
In vielerlei Hinsicht hat sie sich von dem strikteren Bluesfokus ihrer Wurzeln wegentwickelt, auch wenn ihre Auftritte bei diversen „Blues Cruise“-Events in den letzten Jahren nahelegen, dass sie immer mit einem Bein in dieser Welt stehen wird. „Es gibt nichts Besseres, als auf einem Boot mit dem Blues eingesperrt zu sein, um glücklich zu sein“, sagt sie mit einem schrägen Lächeln. „Es ist seltsam, aber das macht so viel Spaß. Ich war ein paar Mal bei den Fahrten mit Joe [Bonamassa] dabei und die Künstler können in der Casino-Bar 24 Stunden am Tag umsonst trinken. Da findet man sich dann also um zwei Uhr morgens mit Marcus King an der Bar wieder … ein schöner Arbeitsurlaub!“
Was ist an diesem Punkt deiner Karriere deine schönste Erinnerung? „Alles, ehrlich. Es ist alles wunderbar gelaufen. Und das Beste daran ist, dass ich alles bis dato Erreichte mehr oder weniger allein geschafft habe. Touren in Amerika, das habe ich alles selber gebucht und die Bands über Freunde und Kontakte gefunden … Für ein 13-jähriges Mädchen aus Solihull, das die Bluesgitarre spielen wollte, war das eher unwahrscheinlich. Aber dass ich es geschafft habe und nach Amerika gezogen bin, wo ich eigentlich schon immer leben wollte, das alleine ist schon etwas, womit ich sehr zufrieden bin. Egal, was ich noch erreiche, es ist mir gelungen, davon zu leben und ein glückliches Leben damit zu führen.“
Am 10. Juli hätte der Mann mit der Riesenstimme seinen 79. Geburtstag gefeiert.
In seinem Gedenken findet jetzt ein virtuelles Fundraiser-Event mit Interviews und Auftritten von unter anderem Rob Halford, Tenacious D, Sammy Hagar, Lzzy Hale und Sebastian Bach statt. Um 23 Uhr deutscher Zeit geht es los, die Einnahmen gehen an den „Ronnie James Dio Stand Up and Shout Cancer Fund.“
Moderiert wird das Ganze von Eddie Trunk und Matt Pinfield und auch seine Witwe Wendy Dio ist mit von der Partie. Ende Juli erscheint schließlich auch „Rainbow In The Dark“, die Autobiografie, welche er selbst begonnen hatte und die schließlich von seiner Frau mithilfe von Mick Wall vervollständigt wurde. In seinem Gedenken hatte diese 2014 das THIS IS YOUR LIFE Tribut-Album initiiert, bei dem Rob Halford, Tenacious D und Halestorm auch schon mitgewirkt hatten.