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Start Blog Seite 326

Blues Boom: Crown Lands

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Zwei Freunde machen neue, funky, freakige Dinge mit uralten Zutaten.

Man hat die White Stripes und die Black Keys gehört. Und wenn man diese Art von Musik mag, hat man aller Wahrscheinlichkeit auch die vielen, vielen weiteren bluesigen Duos gehört, die seit der Jahrtausendwende aufgekommen sind. Das Bluesrock-Duo wurde in der jüngeren Vergangenheit noch mal groß als Bandformat aufgegriffen und hatte seinen letzten größeren Mainstream-Erfolg mit Royal Blood. Da könnte man schon denken, dass das mittlerweile alles ein bisschen, na ja, vorbei ist. Oder doch nicht? Zwei Typen aus Oshawa, Kanada, widersetzen sich dieser These gerade mit viel Stil, unterfüttert von elektrischen Wurzeln, die Blues, Prog, die Geschichte der Ureinwohner und sogar ein Engagement in einer Reggaeband umfassen.

Alles begann vor fünf Jahren, als Gitarrist/Keyboarder Kevin Comeau aus Los Angeles zurückkehrte (nachdem er auf der Schule Klassik studiert hatte, war er per Anhalter dorthin gefahren, um besagter Reggaeband beizutreten). Er und Sänger/Schlagzeuger Cody Bowles lernten einander kennen und wurden „sofort beste Freunde“, verbunden durch ihre gemeinsame Nerdiness und Liebe zu Rush. Seitdem haben sie einen Sound entwickelt, der Prog-Tendenzen mit dem Klang von Wolfmother verbindet, die es mit den White Stripes treiben – lauter, benebelter Bluesrock mit Gitarren, die wie Schwerter schneiden, garniert mit Schreien direkt aus der trippigsten Ecke der Hölle. Ihre Einflüsse reichen von Elmore James über Duane Allman und Rush bis hin zu Jack White. Das ist sicher kein klassischer 12-Bar-Blues, doch man kann sich vorstellen, dass die frühen Meister sich gewünscht hätten, dass ihr Vermächtnis genau so weitergeführt werden würde.

„Blues ist ein Form von Musik, die die Menschen tiefer berührt, während Prog sich wie eine intellektualisierte Form des Rock anfühlt“, hält die Band fest. „Beides hat seinen Platz, und wir versuchen, das Gleichgewicht zwischen dem denkenden und dem fühlenden Teil unserer Musik zu finden. Das Konzept ist, unsere Wurzeln zu ehren, ohne uns jedoch zu sehr darin zu verfangen, die Vergangenheit wiederzubeleben.“

„›Tombstone Blues‹ von Bob Dylan ist ein so großartiges Destillat der Chicago-Blues-Form“, sagt Gitarrist Kevin Comeau. „Mike Bloomfields Gitarre ist brandheiß im Mix. Als ich etwa 14 war, holte ich mir das Album HARD AGAIN von Muddy Waters aus der örtlichen Bücherei. Muddy nannte Mike Bloomfield immer seinen Sohn ehrenhalber. Ich hatte den Blues also durch Dylan, Bloomfield und Muddy Waters entdeckt. Und dann stieß ich auf B.B. King durch sein LIVE AT THE REGAL und war besessen.“ Bislang sind Crown Lands noch ziemlich unbekannt, doch mit dem neuen Album SPIT IT OUT, produziert von Dave Cobb (Hausproduzent der Rival Sons), könnte sich das ändern. „Es war großartig, mit Dave Cobb zu arbeiten“, so Comeau. „Am wichtigsten war ihm, die Spontanität unserer Konzerte einzufangen, und wir finden, dass es sehr gut repräsentiert, wer wir als Künstler sind.“

Diese Identität wird auch von ihren eigenen Wurzeln geprägt. Comeau ist Jude, während Bowles zur Hälfte Mi’kmaq ist, ein Ureinwohnerstamm aus Nova Scotia. Beides fließt in ihre Texte ein und Crown Lands sagen, ihr Song ›End Of The Road‹ sei ein Paradebeispiel dafür. „In dem Song wird der ‚Highway Of Tears‘ erwähnt“, so Comeau, „eine berüchtigte Autobahn im Norden von British Columbia, wo viele Ureinwohnerinnen verschwinden.“ „Es gibt keinerlei Entschädigung oder Nachforschungen“, fügt Cody hinzu. „Es gibt so viele Hindernisse, die jeglichem Fortschritt oder einer Versöhnung im Wege stehen, damit die Betroffenen es hinter sich lassen können. Also versuchen wir, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass so etwas passiert in einem Land, das sich als progressiv und sicher für bedrohte, gefährdete Minderheiten darstellt.“

Blues Boom: Seasick Steve

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Nicht alle Stars blühen in jungen Jahren auf, wie der Mann bewiesen hat, der als Steven Gene Wold auf die Welt kam.

Seasick Steve ist eine Anomalie in der Welt des Blues, vor allem, weil der Mainstream ihn mit offenen Armen empfangen hat. Leute, die kein besonders ausgeprägtes Interesse am Blues haben, wissen, wer er ist. Seit seinem Durchbruch in der britischen Sendung „Hootenanny“ 2006 hat Steve einen BRIT Award gewonnen, in Glastonbury gespielt und sogar einen Gastauftritt in der Autoshow „Top Gear“ absolviert. Er ist berühmt auf einem Niveau, von dem ein Großteil der heutigen Bluesszene nur träumen kann, doch er hat nie seinen hemdsärmeligen, bodenständigen Charakter verloren, der das Bild eines Typen vermittelt, der als Landstreicher in Eisenbahnwaggons umherreist und in Ladeneingängen als Straßenmusikant spielt. Dabei kann man durchaus sagen, dass der so spät in seinem Leben eingetretene Erfolg und die Turbulenzen, die ihm vorangingen, geholfen haben.

„Niemand sollte Rock’n’Roll-Star werden dürfen, bevor er über 50 ist“, sagte er 2015 in der Zeitschrift Blues. „Nicht wegen der Musik, denn ich finde, die sollte den jungen Leuten gehören, sondern weil das Musikbusiness nicht sehr fair zu ihnen ist. Es sagt ihnen, sie seien dieses oder jenes, und lässt sie dann diesen Nonsens glauben. Wenn allerdings fast dein ganzes Leben vorbei ist und du immer noch nicht weißt, wer du bist, wirst du es auch nie wissen.“

Bevor irgendjemand wusste, wer er war, lebte der Mann aus Oakland eine beeindruckende Liste verschiedener Leben: Backing-Musiker für Lightnin’ Hopkins, John Lee Hooker und andere Bluesvisionäre, Straßenmusikant in Paris, Indie-Produzent, angehender Rettungssanitäter … Dass Teile seiner Vita vielleicht nicht unbedingt wahr sind, ist dabei eigentlich unwichtig. Wold hat eine Art mystischer Aura beibehalten, die man in dieser Ära von 24-Stunden-Kommunikation und Social Media nur noch äußerst selten antrifft. 2004 änderten sich die Dinge abrupt, als er einen Herzinfarkt erlitt – einen schweren. Seine Frau ermutigte ihn, zu Hause Musik zu machen, während er sich erholte. „Ich machte meine erste Platte in der Küche“, erinnert er sich. „Ein Freund aus England rief mich an – und ich war niemand – und fragte, was ich so treibe und wie es mir körperlich gehe. Ich sagte: ‚Oh, ich bin in der Küche‘. Ich machte gerade diese kleine Platte. Er bat mich, sie ihm zu schicken. Und er fand einen Typen, der eine Plattenfirma hatte, auf der nur seine Freundin unter Vertrag war und die er von seinem Schlafzimmer aus betrieb. Er war also der einzige Mensch, der mein Album veröffentlichen wollte.“

Auch auf seinem jüngsten Werk LOVE & PEACE und vor allem der ersten Single, dem Titelstück, dominiert der elektrisierend rohe, reduzierte Vibe. „Ich mag es, wenn die Gitarren nicht so gut sind, denn dadurch sind sie schwerer zu spielen und du musst kämpfen. Ich mag diesen Kampf. Die, die ich baue, sind Biester. Wenn ich auf die Bühne gehe, weiß ich also nicht, was passieren wird. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ich es durch den Song schaffen werde. Ich mag das, denn für mich ist das ein bisschen mehr Rock’n’Roll. Diese Instrumente machen mich ein kleines bisschen verrückt.“

Pop Evil: „Ein bisschen weiser, ein bisschen schlauer, ein bisschen witziger“

Nach fünf Platten, die mit einer Mischung aus Hardrock, Alternative Metal und ein bisschen Post-Grunge bestechen, fragt man sich, was Pop Evil auf ihrem sechsten Studioalbum bieten werden. Laut Frontmann Leigh Kakaty gestaltet sich VERSATILE ein bisschen weiser, ein bisschen schlauer, ein bisschen witziger. Die aus Michigan stammende Band, die sich 2001 gründete, hat schon einiges durchgemacht – von Besetzungswechseln bis hin zu Label-Problemen. Ihr neues Werk VERSATILE entstand größtenteils vor den Corona-Beschränkungen und klingt fast schon ein wenig prophetisch, lassen sich doch einige Songs wie ›Breathe Again‹ oder ›Human Nature‹ ganz hervorragend auf die Pandemie beziehen. Der Gesang für letzteren wurde in einem Take aufgenommen, am nächsten Morgen musste der Frontmann das Studio und Los Angeles überraschenderweise aufgrund der Covid-Bestimmungen verlassen. Doch dieser eine Take reichte und schaffte es auf das Album. Glück gehabt, denn es hätte keine Möglichkeit gegeben, das Ganze neu aufzunehmen.

Besonders die Energie der Demoaufnahmen haben es dem Songwriter angetan: „Da ist einfach etwas, wenn du einen Song gebärst, ihn schreibst … es ist aufregend, du stellst dir die Frage ,Mag ich das überhaupt?‘ Es ist Energie, pur und roh“. Und genau diese Energie ist fast unmöglich einzufangen, wenn man etwas wieder und wieder aufnimmt. „Ich habe es einfach satt, Songs immer wieder neu aufzunehmen, ich würde lieber neue schreiben.“ Und so sind für VERSATILE mehr als doppelt so viele Songs geschrieben worden, als es schlussendlich auf das Album geschafft haben: das beste Dutzend. „Der Chorus muss uns kriegen, uns zum Springen bringen, es muss einfach zu unserer Liveshow passen“, erklärt der Sänger. „Wir müssen ›Trenches‹ oder ›Footsteps‹ spielen, die Hits, die die Leute von uns erwarten. Da gibt es begrenzten Platz für neue Songs auf der Setlist.“

Das erzwungene Jahr Pause hat Kakaty genutzt, um sich auszuruhen und seiner Stimme eine Pause zu verschaffen, um aufzuräumen. All die Dinge, die man eben so vor sich herschiebt. Die Musik hat er trotz der Ruhephase sehr vermisst: „Musik war wirklich auf null. Normalerweise hätte ich wenigstens mit Freunden gespielt in Clubs oder Bars“. Um nicht enttäuscht zu werden, ist der Sänger jedoch noch etwas vorsichtig mit seinem Optimismus und freut sich erst, wenn er im August wieder auf der Bühne stehen kann. Dass das ein emotionaler Moment werden wird, da ist er sich sicher – besonders, wenn Pop Evil Songs spielen, die sie noch nie live performt haben. Deshalb ist er bei diesen Nummern noch eine Spur leidenschaftlicher als sonst. Geplant sind Shows mit Shinedown, sowie mehrere Festivals. „Wir waren schon immer Nomaden und Reisende. Ich freue mich, wieder in das kontrollierte Chaos und den Rock einzutauchen“, erzählt der Sänger.

Für den Moment ist er jedoch erst einmal glücklich über die Veröffentlichung von VERSATILE, seinem liebsten Album bisher. „Das ist auch sowas, wenn du älter wirst – es geht immer um den nächsten Song, das nächste Album, die nächste Tour. Du kommst gar nicht dazu, die ganze harte Arbeit zu genießen“, sagt der 44-Jährige.

Blues Boom: Inspector Cluzo, The Black Keys, Tedeschi Trucks Band und The Record Company

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Inspector Cluzo

Als wir uns Anfang des Jahres mit diesen Herren unterhielten, bekamen wir nicht nur ein Interview, sondern auch eine Tour durch ihr Studio und ihre Farm. Ja, ihre Farm, inklusive Pflanzen, einer Ziege und jeder Menge Gänse. Dieses französische DIY-Duo, das in Japan vor tausenden Zuschauern spielte und ohne die Hilfe eines Managers (oder Bassisten) um die Welt getourt ist, lebt auf einem Bio-Bauernhof. Man kann sich leicht vorstellen, dass ihre erdige, feurige Mischung aus Rock’n’Roll und Roots-Blues von dort kommt, vor allem auf ihrem Unplugged-Album BROTHERS IN IDEALS – WE THE PEOPLE OF THE SOIL.

The Black Keys

Gegründet im Gitarrenboom Anfang der 00er Jahre, aber erst mit ihrem Album BROTHERS von 2011 zu Mainstream-Erfolg gelangt, haben The Black Keys einen Bekanntheitsgrad erreicht wie sonst nur eine Handvoll Rockbands nach den 90ern. Ihre Songs waren in Werbespots zu hören, sie haben mit Kesha und Missy Elliott zusammengearbeitet, und sie haben den Blues auf die Weltkarte gebracht.

Tedeschi Trucks Band

Der Sound von TTB ist der Klang von Delta-Geschichte, die mit großen Töpfen von Soul, Americana und dem Geist der Jam-Bands aufgekocht wird, und zwar bei einigen der größten Virtuosen im Musikbusiness. „Mein Dad nahm mich zu Konzerten von B.B. King mit“, sagt Gitarrist/Allmans-Sprössling Derek Trucks. „Er bekam Gänsehaut auf dem Arm und sagte: ‚Sieh dir das an!‘ Danach beurteilte er eine Show. Das war also schon in sehr jungen Jahren wichtig für mich.“

The Record Company

Sie spielen Rock’n’Roll, aber das haben wir eigentlich der alten Bluesgarde zu verdanken. Als Jugendlicher hörte Sänger/Gitarrist Chris Vos HARD AGAIN von Muddy Waters und beschloss, die Gitarre auf seinem Schoss zu spielen. Als Erwachsene lernten sich Vos und seine Bandkollegen Alex Stiff (Bass) und Marc Cazorla (Schlagzeug) in Los Angeles kennen und fanden über John Lee Hooker und Canned Heats Album HOOKER ’N HEAT zueinander. Und all das fließt in ihren köstlich wilden, aber tanzbaren Rhythm & Blues ein.

Video der Woche: The Doors live auf dem Isle Of Wight Festival

Zu Jim Morrisons Todestag werfen wir einen Blick zurück auf das letzte vollständig gefilmte Doors-Konzert.

Es war zwei Uhr nachts bis The Doors auf der Bühne standen. Da Sänger Jim Morrison jedoch keine Spotlights wollte, um die Bühne besser auszuleuchten, war ihr Auftritt der wohl dunkelste des Abends. Dunkel war es auch im metaphorischen Sinn, denn Morrison hatte noch einen Prozess ausstehen wegen eines Konzerts in Miami, bei dem er zu viel Haut gezeigt hatte. Rund einen Monat nach den Aufnahmen für das Isle Of Wight Festival wurde er verurteilt zu einer Haftstrafe von sechs Monaten und einer Geldstrafe von 500 Dollar. Morrison widersprach dem Urteil, doch final geklärt werden konnte es nie, da er im Juli 1971 starb.

https://youtube.com/watch?v=BXsfvDyE_c4

Blues Boom: Gary Clark Jr.

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Blues, ja, und noch so viel mehr.

Vieles hat sich verändert, seit Gary Clark Jr. erstmals außerhalb seiner Heimatstadt Austin auf sich aufmerksam machte und die Rufe nach dem „Retter des Blues“ begannen, eine Bezeichnung, die ihm seit nunmehr einem Jahrzehnt anhaftet. Er ist heute Vater von drei Kindern mit seiner Frau, dem australischen Model Nicole Trunfio. Die Familie lebt auf einer wunderschönen 20-Hektar-Ranch in Texas. Letztes Jahr waren Clark, Trunfio und ihre Kinder in einer Kampagne für den Herrenmode-Designer John Varvatos zu sehen. Und doch scheint das künstlerische Ethos des 36-Jährigen erstaunlich unverändert geblieben zu sein, auch wenn sein musikalischer Stil und sein Ansatz sich so kompetent wie faszinierend weiterentwickelt haben. Clark sah schon in jungen Jahren den kreativen Werdegang, der sich vor ihm entfalten sollte, und hat sich seither nicht davon abbringen lassen.

Es war dieser Fokus, der ihn in seinen frühen Zwanzigern Plattenverträge ablehnen ließ, wo die meisten seiner Zeitgenossen sofort beim erstbesten zugegriffen hätten. Mit demselben Selbstbewusstsein ging er beim „Crossroads Guitar Festival“ 2010 als völlig Unbekannter mit Eric Claptons All-Star-Line-up auf die Bühne und machte sich umgehend international einen Namen. „Das war der Moment, wo ich dachte: ,Okay, das war all die Mühen wert gewesen‘. Dass diese Typen sagen: ‚Das war ziemlich gut‘. Mehr wollte ich gar nicht. Da rauszugehen und dann von Keb’ Mo’, Eric Clapton, Robert Cray – alles Leute, mit denen ich aufgewachsen bin – gelobt zu werden, das war ein Wendepunkt. Ich begriff, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, dabei zu bleiben.“ Zu jener Zeit unterschrieb Clark einen Major-Vertrag bei Warner. „Das Timing war perfekt. Ich war 26. Zeit, aufzubrechen und dieser Mann zu sein, den mein Vater in mir sah. Raus in die Welt ziehen, etwas erreichen!“

Die meisten Künstler lassen sich nur ungerne in eine Genreschublade stecken, doch der Blues bildet die Ausnahme dieser Regel. Viele Bluesmusiker möchten irgendwie den Wurzeln treu bleiben, selbst wenn sie dafür die Chance verpassen, ihre kreativen Flügel auszubreiten. Und das trotz der Tatsache, dass so viele der großen Blueshelden sich in vielen Genres versuchten, von Claptons Reggae-Exkursionen über B.B. Kings Hang zum Country bis hin zu Jack White, der frühen Blues mit modernsten Klängen verband.

Wenn Clark sich an jemandem orientiert, dann wohl an dem einstigen White-Stripes-Gründer, denn er geht bisweilen so weit über die konventionellen Eckpfeiler des Blues hinaus, dass man es gar nicht mehr als solchen bezeichnen kann. Zumindest nicht aus der Sicht der Puristen. Sein drittes Studiowerk, THIS LAND von 2019, vermischte den Blues mit Garage, Soul, Funk, Pop, R’n’B und mehr zu einem kraftvollen, selbstbewussten Cocktail aus Musik und Politik. „Ich weiß noch, wie ich mich mal mit [dem Südstaaten-Indie-Soul-Rebellen] Cody Chesnutt unterhielt und ihm erzählte, dass ich damit zu kämpfen hatte, geradlinigen Blues zu spielen“, sagte er 2015. „Ich hatte diese Demos, die in Richtung Soul, Funk und R’n’B gingen, you know? Er meinte nur: ‚Du musst es einfach veröffentlichen, Mann. Was nützt es, wenn das in der Schublade verstaubt? Du musst es veröffentlichen und dir treu sein‘. Und das habe ich mir wirklich zu Herzen genommen.“

Blues Boom: Beaux Gris Gris & The Apocalypse

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Die angloamerikanische Band ist inspiriert von New Orleans und macht Musik für die Seele und die Sinne.

Als Greta Valenti und ihr Ehemann/Komplize Robin Davey – vormals bei den britischen Bluesrockern The Hoax – beschlossen, Beaux Gris Gris & The Apocalypse zu gründen, war das nicht die Tat von Puristen. Im Gegenteil. „Ich denke nicht, dass ich behaupten kann, ich wäre ‚der Blues‘“, sagt Sängerin Valenti. „Aber ich war interessiert daran, etwas abzuliefern, das mir entsprach und das meiner Meinung nach noch nicht ausgeschlachtet wurde.“ Und das waren die Klänge und die Kultur ihrer Heimat Louisiana. Nachdem sie jahrelang in Kalifornien gelebt hatte, vermisste sie all das Material aus den Südstaaten. Also begann sie, sich wieder damit zu befassen, was letztlich zur Gründung von Beaux Gris Gris führte (der Name ist eine Hommage an Dr. Johns Album GRIS GRIS).

„Ich begann, Robin all die Musik vorzuspielen, von der ich umgeben war, als ich in New Orleans aufwuchs, von Louis Armstrong zu Louis Prima, Dr. John zu Hank Williams, Sweet Emma Barrett zu Howlin’ Wolf“, erinnert sie sich. „New Orleans ist eine sexy Stadt, und in den Anfangstagen des Blues und Jazz waren es dieser Swing-Beat, ein Sinn für Humor und die Schlichtheit einer einfachen Melodie, die auf so urtümliche Weise deine Seele erreichen.“ „Greta stammt direkt von dem Architekten ab, der die Infrastruktur von New Orleans entwickelt hatte, ebenso wie von mehreren Generationen emanzipierter Frauen aus dem Süden vor dem Bürgerkrieg“, fügt Davey hinzu. „Man sieht diese intensiv kreative Fusion aus Menschen und Kultur jedes Mal, wenn man die Stadt besucht.“ BBG&TA sind ein sinnlicher, lebendiger Blues-Cocktail, der Welten entfernt ist von der Austauschbarkeit und Verstaubtheit, die man dem Blues (und vor allem dem neuen Blues) manchmal vorwirft, perfekt auf den Punkt gebracht auf dem hervorragenden Album LOVE AND MURDER von 2019.

„Ich finde es schwierig, mich eingehend mit neuen Künstlern zu beschäftigen, die eine farblose Version machen von etwas, das es schon gegeben hat“, so Davey. „Ich verstehe ihre Beliebtheit aufgrund der Vertrautheit, aber wenn ich etwas auflege, entscheide ich mich immer für die Originale.“ „Damit mich Musik berührt, muss ich etwas Authentisches fühlen“, so Valenti. „Neben älterer Musik wie Sweet Emma Barrett oder Lavern Baker habe ich viel Gaby Moreno gehört. Ihre Stimme ist makellos und ich glaube ihr jedes Wort.“ Zukunftspläne? Ein neues Album ist in Arbeit und ein neues Abo-Label, Kind Reserve Records, hat den Betrieb aufgenommen – für 5 Dollar im Monat erhält man Zugang zu den kompletten Archiven, Konzertfilmen, Live-Streams, Dokumentationen etc. der Bands (neben Beaux Gris Gris noch Well Hung Heart).

„Wir haben schon so viel für unsere beiden Bands aufgezeichnet und wollen es mit den Leuten teilen, die uns am meisten unterstützt haben“, sagt Davey. „Wir begrenzen das, was wir über kostenlose Dienste wie Spotify veröffentlichen, und ermutigen die Leute, direkt zu jeder Sammlung von Künstlern zu kommen. Das ist besser für die Fans und besser für die Kreativen. Eine Win-win-SItuation und ein Hoffnungsschimmer für Musiker und Künstler überall.“

At The Gates – THE NIGHTMARE OF BEING

Schwedische Veteranen liefern unkonventionellen Death Metal

Während ihrer über 30-jährigen Karriere haben At The Gates keine Risiken gescheut, gewöhnlicher Death Metal war nie ihr Ding. Es ist also keine Überraschung, dass sich auf diesem Album Momente befinden, die auch auf eine 70er-Progressive-Platte passen würden. ›Garden Of Cyrus‹ klingt nach den frühen Tagen von King Crimson, während ›Touched By The White Hands Of Death‹ sich an Van der Graaf Generator orientiert. Natürlich fehlt aber auch der Death Metal nicht: ›Spectre Of Extinction‹ wird von Tomas Lindberg Redants bedrohlicher Stimme und einem fantastischen Solo von Gastgitarrist Andy La Rocque getrieben. Wenn wie bei ›The Fall Into Time‹ dieser Ansatz mit experimentellen Stücken versehen wird, kann dieses Album wirklich glänzen. THE NIGHTMARE OF BEING ist eines der besten Werke der Schweden.

8 von 10 Punkten

At The Gates, THE NIGHTMARE OF BEING, CENTURY MEDIA/SONY