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Flashback: ALICE COOPER GOES TO HELL

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Vor 45 Jahren erschien ALICE COOPER GOES TO HELL: Nachdem der König des Schockrock 1975 alles auf eine Karte gesetzt und sein ganzes Geld in die Produktion der aufwändigen „Welcome-To-My-Nightmare-Tour“ gesteckt hatte, waren die Erwartungen für das Folgealbum hoch.

Die Geschichte des kleinen Jungen Steven und seinen Albträumen, die auf WELCOME TO MY NIGHTMARE angefangen wurde, sollte hier fortgeführt werden. Die Gitarristen Steve Hunter und Dick Wagner, sowie Produzent Bob Ezrin waren wieder mit an Bord. Eigentlich waren alle Weichen für den Erfolg gestellt. Doch während der erste Schritt in die Selbstständigkeit ein voller Erfolg war, konnte ALICE COOPER GOES TO HELL daran nicht anschließen.

In den amerikanischen Billboard Charts erreichte die Platte nur Platz 27 – und landete damit 22 Plätze hinter dem Vorgänger. Der Titeltrack wird jedoch bis heute häufig bei den Konzerten gespielt. Cooper selbst witzelt mittlerweile, es hätte eine Bananenschale auf der Rückseite des Covers gebraucht, die zeigt wie seine Bühnenfigur auf dem Weg in die Hölle ausrutscht.

alice cooper goes to hell backcover 1976

Erste Hinweise auf die Supergroup Hollywood Vampires, die Cooper 2015 gemeinsam mit Joe Perry und Johnny Depp gründete und die auf dem gleichnamigen Trinkclub aus den 70ern beruht, finden sich auch hier auf der Rückseite der Platte – ein Hinweis auf den Alkoholkonsum, der für Cooper noch zum großen Stolperstein werden sollte.

Denn hinter dem Album steht auch eine traurige Wahrheit: Die massive Tour für WELCOME TO MY NIGHTMARE hatte den Sänger nicht nur jegliche Kraft gekostet, sondern auch sein Alkoholproblem verstärkt. Der Track ›I Never Cry‹ beschreibt seine Gefühle zur damaligen Zeit, Cooper selbst nennt ihn ein „Alkoholgeständnis“.

Es sollte noch einige Jahre und Alben dauern bis Cooper endgültig die Reißleine gegenüber den Drogen und dem Alkohol ziehen sollte. Sein erster Entzug im Jahr 1977 blieb nicht lange erfolgreich: Bereits auf der „Madhouserock-Tour“ von 1979 trank er wieder und während der Aufnahmen für FROM THE INSIDE, das 1978 erschien, hatte sich zudem ein Kokainproblem eingeschlichen. 1983 drohte schließlich seine Ehefrau Sheryl, die er im März 1976 heiratete, nachdem sich die Beiden bei seiner „Welcome-To-My-Nightmare-Tour“ kennengelernt hatten, sich von ihm scheiden zu lassen und die gemeinsame zweijährige Tochter Calico mitzunehmen. Ein Weckruf für den Sänger, der sich in einen zweiten Entzug begab – diesmal erfolgreich. Bis heute ist der mittlerweile 73-Jährige trocken.

Devin Townsend – DEVOLUTION SERIES #2 – GALACTIC QUARANTINE

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Poozer unterwegs

Nachdem er vor ein paar Monaten sein Alle-Mann-von-Deck-Projekt mit einem Live-Akustikalbum, das einige frische Einblicke in seine bisher laute Karriere gewährte, eingeläutet hat, dreht Devin Townsend wieder auf elf mit seiner zweiten Veröffentlichung, einem Livemitschnitt seiner eingeschränkten Tour aus dem letzten Jahr. Mit ein paar Dutzend Platten verschiedenster Facetten streift Townsend vieles, aber es ist offensichtlich, dass er den Industrial-Sound seiner Band Strapping Young Lad aus den späten 90ern noch immer schätzt: Der Opener, ›Velvet Kekorvian/All Hail The New Flesh‹, und die letzte Nummer, ›Detox‹, stammen beide von CITY aus dem Jahr 1997. Um seinen Standpunkt ganz deutlich zu machen, wirft er noch ›Almost Again‹, ›Aftermath‹ und ›Love?‹ in den Mix. ZILTOID THE OMNISCIENT ist das einzige andere Album, von dem er mehr Songs spielt. Von seiner jüngsten Platte, EMPATH (2019), fand kein einziger Track in die Setlist. Aber die DEVOLUTION-Serie ist ja auch noch nicht zu Ende …

7 von 10 Punkten

Devin Townsend, DEVOLUTION SERIES #2 – GALACTIC QUARANTINE, INSIDE OUT/SONY

John Murry – THE STARS ARE GOD’S BULLET HOLES

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Americana einmal anders: quergebürstet, literarisch, philosophisch

John Murrys Debütalbum THE GRACELESS AGE kam 2013 als Meisterwerk daher: Eine so literarische und tiefgründige Americana hatte man lange nicht mehr gehört. Die zweite Platte, A SHORT HISTORY OF DECAY, war nicht viel schwächer und etablierte Murry als Singer/Songwriter, der neue Worte für uralte Phänomene findet.

Für niederschmetternde Liebesgeschichten zum Beispiel: Das neue Stück ›I Refuse To Believe (You Could Love Me)‹ hebt die Kategorie der Selbstmitleidssongs auf eine neue Ebene, auch ›Oscar Wilde (Came Here To Make Fun Of You)‹ erzählt vom grandiosen Scheitern, das John Murry, wie Elvis geboren in Tupelo, gerne mal einer überirdischen Macht in die Schuhe schiebt: Wenn die Sterne die Einschusslöcher Gottes sind, was hast du dann als Mensch für eine Chance? Den Titelsong hat John Parish als rumpelnden Blues produziert, besser sind die Balladen, die mit Besenschlagzeug und Slide-Guitar der bemerkenswerten Stimme von John Murry Raum für Entfaltung geben. Interessant ist die Coverversion, die Murry sich ausgewählt hat: ›Ordinary World‹ von Duran Duran, gespielt ohne die Eleganz des Originals, wird der philosophische Kern deutlich: Die gewöhnliche Welt als Sehnsuchtsort.

7 von 10 Punkten

John Murry, THE STARS ARE GOD’S BULLET HOLES, SUBMARINE CAT/ROUGH TRADE

Karthago – LIVE AT ROCKPALAST 2004

Keinen Staub angesetzt

Für alle, die jünger als 50 sind, sei erklärt: Karthago gehörten zu den wichtigsten deutschen Rockbands der 70er-Jahre und unterschieden sich von den seinerzeit gängigen Krautrock-Klischees durch eine internationalere Ausrichtung ihrer Songs. Von der Besetzung, die einst deutsche Clubs und Festivals rockte, waren im Dezember 2004 beim Rockpalast-Auftritt in der Bonner Harmonie immerhin noch Frontmann Joey Albrecht, Tastenvirtuose Ingo Bischof (später bei Kraan und leider im Januar 2019 verstorben) sowie Percussionist Tommy Goldschmidt an Bord. Ihre funkigen Rocknummern, bei denen immer auch ein Hauch Motown durchschimmert, zeichnen sich durch eine für die damalige Zeit erstaunliche Leichtigkeit aus, sowie durch ein sicheres Gespür für swingende Grooves, wie sie bis heute Tanzbeine animieren. So gesehen war die Rockpalast-Show zwar schon 2004 eine Reise in die Vergangenheit, sie hat aber auch 17 Jahre später nichts von ihrem Charme eingebüßt.

7 von 10 Punkten

Karthago LIVE AT ROCKPALAST 2004, MIG/INDIGO

Release der Woche: Motörhead – NO SLEEP ‚TIL HAMMERSMITH (40TH ANNIVERSARY)

No sleep ’til Leeds & Newcastle

40 Jahre hat NO SLEEP ’TIL HAMMER­SMITH in diesem Jahr auf dem Buckel, Motörheads erstes und einziges Nummer­-Eins­-Album. Ein Livealbum wie eine Wand, eine Maschine, eine Dampfwalze. Hat man und liebt man NO SLEEP ’TIL HAMMERSMITH, dann braucht man keine Therapie – niemals. Meine erste Live-­Begegnung mit dem Trio Infernale: Hamburg, Markthalle, am 9. März 1980, „Bomber“-­Tour. Motörhead spielen fünf Monate nach der letzten Stippvisite erneut eine Show in Hamburgs bester Location. In der Nähe der Markthalle haben die Teddy Boys eine Pinte namens Elvis (ach was), in der sie sich regelmäßig treffen. Metaller sowie Punks vertragen sich seinerzeit nicht gut mit den Teds. Die wiederum entern eine Stunde vor Showbeginn mit gewaltbereiter Mannschaft die Markthalle und verdreschen planlos und auf übels­te Weise die Metalkids. Bis auf einmal unsere drei Helden plus ein paar Roadies mit Eisenstangen bewaffnet auf der Bühne erscheinen und die Teddy Boys gnadenlos aus der Halle prügeln – die Weichen für einen gelungenen Abend sind also gestellt. Etwas für die Geschichtsbücher. HAMMERSMITH fügt sich nahtlos in die legendäre Reihe an phantastischen Live­Mitschnitten aus den Spätsiebzigern und Frühachtzigern ein und steht in einer Reihe mit Thin Lizzys LIVE AND DANGEROUS, UFOs STRANGERS IN THE NIGHT, Judas Priests UNLEASHED IN THE EAST, Scorpions’ TOKYO TAPES, AC/DCs IF YOU WANT BLOOD und Rushs EXIT… STAGE LEFT.

Aufgezeichnet wird NO SLEEP’ TIL HAMMERSMITH während der gerade mal fünf Termine umfassenden „Short Sharp Pain In The Neck“­-Tour, die ihren Namen trägt, weil Drummer Phil Philthy Animal Taylor während einer Aftershow-­Sause unsanft auf seinem Kopf landete und sich dabei das Genick brach. London steht Ende März 1981 nicht auf dem Tourplan und der Großteil der Aufnahmen entsteht am 29. und 30. März in Newcastle (City Hall), zwei Tracks (›No Class‹ und ›Bomber‹) werden am 28. März in Leeds (Queens Hall) auf Tape gebannt. Insofern ist das Namedropping „Hammersmith“ zwar schön, führt aber zu Missverständnissen. Die Zeit war einfach reif für Lemmy, Fast Eddie Clarke und Philthy, nach­dem ACE OF SPADES ein paar Monate zuvor auf Rang 4 der Charts aufschlug. Schnell musste ein Nachfolge­Release her, was lag also näher als ein paar Shows auf­zuzeichnen, zumal Motörhead eh für die Bühne gebo­ren waren? Ursprünglich sollte HAMMERSMITH eine Doppel-­LP werden, das Material reichte aber nur für drei Seiten, also wurde der Plan schnell wieder verwor­fen.

Die originalen elf Tracks sind Klassiker und somit manifestiert. LP 1 enthält neben den bekannten und verehrten HAMMERSMITH-­Tracks noch eine tolle ›Over The Top‹­-Version (B­-Seite der ›Motörhead‹­-Single, die aus dem HAMMERSMITH­-Album ausge­koppelt wurde, den größten Hit des Trios markierte und sich auf Rang 6 der UK­-Charts festbiss), ein ruppi­ges ›Train Kept A Rollin’‹ sowie drei Soundcheck­Beiträge (›Stay Clean‹, das an den Abenden nicht gespielte ›Limb From Limb‹ sowie ›Iron Horse‹). Interessant wird es für den Die­hard­-Fan mit den drei kompletten Shows, die der Deluxe­-Ausgabe beiliegen. Newcastle am 29. und 30. März sowie Leeds am Tag zuvor gibt es erstmals komplett zu hören (der 30. befindet sich auch komplett auf der Vinyl Edition). Die Setlist ist an allen Tagen nahezu identisch, in Leeds gibt es on top noch ›Iron Horse‹.

Gesetzt im Set auch die allererste Motörhead­-Single, ›Leaving Here‹ vom Songwriter­-Trio Holland­-Dozier­-Holland, bekannt geworden durch The Birds, eine englische Rhythm’n’Blues­Band, in der Ronnie Wood (später unter anderem bei den Faces und den Rolling Stones) sich seine erste Sporen verdiente. Als Bonbon für den Sammler beherbergt die Kiste zur 40­-jährigen ­Party noch die Geschichte zu NO SLEEP mit neuen Interviews damals beteiligter Personen, unveröffentlichten Fotos und Memorabilia, ein doppelseitiges A3-Poster von 1981, eine Reproduktion des US-Tourpasses von 1981, ein Motörhead „England“ Plektrum, ein Faksimile des Newcastle Tickets sowie eine Postkarte vom berühm­ten „Heavy Metal Holocaust“­-Festival im Port Vale Stadion, Stoke­on­ Trent, mit Ozzy, Triumph (eine von insgesamt zwei Europa-­Shows während ihrer gesam­ten Karriere), Frank Marino, Riot und dem Opener Vardis. Eine zwingend notwendige Anschaffung, emp­fohlen vom örtlichen Ohrenarzt.

Motörhead, NO SLEEP ‚TIL HAMMERSMITH (40TH ANNIVERSARY EDITION), SANCTUARY/BMG/WARNER

10 von 10 Punkten

Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

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Ob alter Haudegen im Musikbusiness, Schweizer Perle oder altbekannter Rock’n’Roll-Ansatz, diese Woche ist mit Fargo, Ellis Mano Band und Buckcherry alles dabei.

Buckcherry: HELLBOUND

„Eigenen Angaben zufolge wollten Buckcherry auf ihrem neuen Album die vielseitige Dynamik einer klassischen Rockplatte einfangen – ambitioniert, zumal auch sie durch Corona ausgebremst wurden.“

Hier geht’s zur Review…

Fargo: STRANGERS D’AMOUR

„Musikalisch setzen „Pedda“, Frontmann Peter Ladwig und der deutlich jüngere Nikolas Fritz an den Drums auf die von der Kombo erwartbare Mischung aus Classic- und Hardrock sowie einer großzügig bemessenen Portion AOR.“

Hier geht’s zur Review…

Ellis Mano Band: AMBEDO

„Die Schweizer Ellis Mano Band hat gleich zehn solcher ausgeruht-perfekten Songperlen auf ihren Zweitling gepackt.“

Hier geht’s zur Review…

Fargo – STRANGERS D’AMOUR

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Sympathisches Urgestein

Zum Trio geschrumpft, präsentieren Fargo um Tausendsassa Peter Knorn mit STRANGERS D’AMOUR nun ihr Nachfolgealbum zur Reunion-Platte CONSTELLATION aus dem Jahr 2018. Musikalisch setzen „Pedda“, Frontmann Peter Ladwig und der deutlich jüngere Nikolas Fritz an den Drums auf die von der Kombo erwartbare Mischung aus Classic- und Hardrock sowie einer großzügig bemessenen Portion AOR. Ladwigs Gesangsperformance ist ruhiger geworden, das sprachlich durchsickernde „Deutsche“ in den englischen Texten lässt ab und zu aufhorchen, wirkt aber sympathisch. Fargo-Peters Text-Inspirationen machen vor nichts halt und so ist mit ›Gimme That Bone‹ beispielsweise ein Lied enthalten, in dem ein Hund ob seines Wunsches nach einem großen Knochen zum Hundegott betet.

Erstaunlicherweise punkten Fargo vor allem mit den ruhigeren Nummern wie ›Dear Miss Donna Vetter‹ oder ›Why Don’t You‹, während die rasanteren Songs à la ›Rain Of Champagne‹ sich zwar durch eingängige Riffs und Melodien hervortun, am Ende aber etwas mehr Biss und weniger Austauschbarkeit gebraucht hätten. Angenehm aus der Reihe tanzt das sechsminütige ›Time‹ mit fast schon progressiven, auf jeden Fall aber sehr atmosphärischen Anleihen und sehnsüchtigen Sologitarren.

7 von 10 Punkten

Fargo, STRANGERS D’AMOUR, SPV/STEAMHAMMER

Buckcherry – HELLBOUND

Die ganze Bandbreite

Eigenen Angaben zufolge wollten Buckcherry auf ihrem neuen Album die vielseitige Dynamik einer klassischen Rockplatte einfangen – ambitioniert, zumal auch sie durch Corona ausgebremst wurden. Aber schließlich schreibt und spielt es sich am besten mit dem Rücken zur Wand. Von etwas Western-Feeling mit Mundharmonika in ›Gun‹ bis hin zu astreinen Balladen wie ›The Way‹ zeigt sich HELLBOUND deshalb abwechslungsreich gestaltet und enthält natürlich auch das Trademark der Gruppe: Von Buckcherry erwartet man sleazige Partytracks, und genau die liefert die Band mit Nummern wie dem vor Energie übersprudelnden Opener ›54321‹, der mit einem entsprechenden Countdown die komplette Platte einleitet, oder auch der ersten Single, ›So Hott‹, die mit sexuell aufgeladenem Text ganz in der Tradition der 80er-Jahre bleibt. Vielleicht nicht besonders tiefgründig, dafür aber mit Vollgas. Der AC/DC-Einfluss wird erneut ganz offen zur Schau gestellt – nicht nur von Sänger Josh Todds T-Shirt im Musik-Clip, sondern auch durch Zeilen wie „make ’em harder than a rock“.

Da kann man auch schwächere Tracks wie ›Junk‹ oder ›No More Lies‹, das so einfach nicht ins Ohr gehen mag, verzeihen. Dafür darf sich Schlagzeuger Francis Ruiz, der seit 2018 mit von der Partie ist, in ›Here I Come‹ richtig profilieren und so mit ganz viel Power für einen kleinen Höhepunkt in der Titelliste sorgen. Gemäßigt und melodisch geht es dann zu Ende mit ›Barricade‹, das den aktuellen Zustand der Welt aus Buckcherry-Sicht beschreibt.

7 von 10 Punkten

Buckcherry, HELLBOUND, EARACHE/EDEL