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Seven Spires – GODS OF DEBAUCHERY

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Außen zart, innen bretthart

Wie hinterhältig! Mit dem nachdenklich-verträumten, wenig später episch, fast schon sakral anmutenden Beginn ihres dritten Longplayers lullen uns die Bostoner sehr effektiv ein. Allein die etwas nervöse Schlagzeugarbeit lässt die Misstrauischen vielleicht vermuten, dass gleich etwas komplett anderes passieren könnte. Und genau so kommt es dann auch, wenn die bereits schon mit Avantasia aufgetretene Adrienne Cowan ans Mikro tritt. Plötzlich bekommen wir nicht nur fiese Screams und Growls, sondern zwar immer noch breitwandigen, aber doch brettharten Sound um die Ohren gehauen. Mit seiner erstaunlich homogenen Melange aus progressivem Symphonic Rock mit melodischen Death- und düsteren Black-Metal-Elementen verleiht das Quartett Tracks wie dem Titellied oder ›Gods Amongst Men‹ eine beeindruckende Dynamik.

7 von 10 Punkten

Seven Spires, GODS OF DEBAUCHERY, FRONTIERS/SOULFOOD

Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

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Zwischen einem Südstaaten-Feeling der 50er, einer musikalischen Weltreise, stilsicheren Songperlen und purer Lebensfreude fällt auch diesen Freitag die Wahl schwer.

Chris Jagger: MIXING UP THE MEDICINE

„MIXING UP THE MEDICINE, dessen Titel sich einer Zeile von Bob Dylans Songklassiker ›Subterranean Homesick Blues‹ entlehnt, vermittelt dabei eine stets absolut stilsichere Atmosphäre, als wäre die Platte in den US-Südstaaten in den 50ern entstanden.“

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Steve Hackett: SURRENDER OF SILENCE

„Stilistisch vollzieht auch die neue Hackett-Scheibe eine Reise durch unterschiedlichste Regionen unseres Planeten, vom Nahen Osten (seit je her Hacketts Faible) bis nach Afrika (›Wingbeats‹), mit den großartigen Stimmen von Amanda Lehmann und den Pink-Floyd-erfahrenen Schwestern Durga und Lorelei McBroom.“

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Samantha Fish: FASTER

„Überhaupt sprüht das Album vor Abwechslung und musikalischer Ideen. Jeder Song ist ausgereift und ausproduziert.“

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The Bevis Frond: LITTLE EDEN

„LITTLE EDEN, der Nachfolger von WE’RE YOUR FRIENDS, MAN (2018), umfasst 20 Songperlen in exakt dieser Klangmixtur mit einmal mehr sehr persönlichen Innenansichten.“

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The Bevis Frond – LITTLE EDEN

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20 zeitlose Songperlen vom Londoner DIY-Unikum Nick Saloman

Seit seinen künstlerischen Anfängen in den 70ern mit The Oddsocks, Von Trap Family und Room 13 saß der Londoner Nick Saloman – Exzentriker, Unikum, Multiinstrumentalist und Lebenskünstler – stets zwischen sämtlichen Genre-Stühlen. Ein Autodidakt mit wagemutig radikaler Do-It-Yourself-Attitüde (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboards, Gesang) zur Selbstverwirklichung. Aufgewachsen im Pop-Mekka London in all seiner stilistischen Widersprüchlichkeit. Mit einer vom Magistrat der Stadt vor Gericht erstrittenen hohen Summe für einen schweren Motorradunfall an einer unbeleuchteten Baustelle zahlte der 1953 Geborene nicht nur die Hypothek seines Hauses ab, sondern richtete sich auch ein Tonstudio ein. Weit mehr als zwei Dutzend Alben veröffentlichte der Selfmade-Guru mit The Bevis Frond seit dem Debüt MIASMA (1987) auf seinem anfangs selbstvertriebenen Label mit kategorischen Stilüberblendungen, die er mal stoisch so kategorisierte: „I wanted a sound between Jimi Hendrix, The Wipers, Love and The Byrds but with a distinctly british feel!“

LITTLE EDEN, der Nachfolger von WE’RE YOUR FRIENDS, MAN (2018), umfasst 20 Songperlen in exakt dieser Klangmixtur mit einmal mehr sehr persönlichen Innenansichten. Nach wie vor grenzt Salomans Stimmtimbre an die von Roger McGuinn und Arthur Lee. Gleichermaßen von Hendrix (ohne dessen Virtuosität!) und The Wipers zehrt der dicht gewebte E-Gitarren-Wall-Of-Sound. Kurz vor Salomans Siebzigsten klingt das Song-Sammelsurium mit hinreißend Hörenswertem wie ›Cherry Gardens‹, ›My Own Hollywood‹, ›Here Come The Flies‹, ›Numb In The Head‹, ›As I Lay Down To Die‹ und ›Never Knew What Hit Me‹, als wäre es schon vor Dekaden entstanden – ein zeitloses Singer-Songwriting aus dem ewigen Londoner Urban Jungle.

9 von 10 Punkten

The Bevis Frond, LITTLE EDEN, FIRE RECORDS/CARGO

Chris Jagger – MIXING UP THE MEDICINE

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Absolut stilsicher: Chris Jagger lotet konsequent 50s-Jazz und Rhythm’n’Blues aus

Eine durch eine Pandemie verursachte weltweite Krise mit Lockdowns und allem Pipapo birgt auch Chancen, Chris Jagger verstand es, diese zu nutzen. Nicht nur, dass er eine schon vor Dekaden begonnene Biografie endlich fertigstellte, Micks jüngerer Bruder nahm auch ein neues Solowerk auf. Da durfte dann auch ein ziemlich intimer Song an das weltberühmte Bruderherz, das wie ein Weill’sches Couplet von Streichern umflorte ›Hey Brother‹, nicht fehlen – übrigens die einzige Ballade im 10-Song-Kanon von MIXING UP THE MEDICINE.

Entstanden sowohl in einem Tonstudio im Süden Londons, in Chris Jaggers Bauernhaus in der Nähe von Glastonbury und auch online, wenn staatliche Lockdown-Verhängungen sich rigider zeigten. Als Co-Partner fungierte Pianist Charlie Hart, Jaggers langjähriger Wegbegleiter sowohl bei seinen Soloexkursionen als auch in Band Atcha. Unter der Ägide von Produzentenikone John Porter (u. a. Roxy Music, The Smiths, Buddy Guy, B. B. King, Elvis Costello) trugen auch Olly Blanchflower am Doppelbass, Atcha-Bandkollege Dylan Howe an den Drums, Gitarrist Neil Hubbard (Bryan Ferry, Joe Cocker), das Blechbläserduo Nick Payn und Frank Mead sowie auch Mick himself im Background zum Gelingen bei.

MIXING UP THE MEDICINE, dessen Titel sich einer Zeile von Bob Dylans Songklassiker ›Subterranean Homesick Blues‹ entlehnt, vermittelt dabei eine stets absolut stilsichere Atmosphäre, als wäre die Platte in den US-Südstaaten in den 50ern entstanden: ›Merry Go Round‹, ›Loves Around The Corner‹, ›Happy As A Lamb‹, ›Wee Wee Tailor‹ und ›A Love Like This‹ oszillieren allesamt hochwertig zwischen Jazz und Rhythm’n’Blues, trefflich getragen von Chris’ voluminös gereiftem Stimmtimbre, das mitunter gar an den viel zu früh verstorbenen Stones- und Blues-Mentor Alexis Korner erinnert.

›Loves Horn‹ darf getrost das Prädikat vollerblühter Shanty tragen. Der Opener ›Anyone Seen My Heart‹ trägt ebenso Züge von Blue Beat als auch von Geno Washington und Jackie Wilson. Im finalen ›Too Many Cockerels‹, eine treffliche Cajun-Hommage mit dominanter Blues-Mundharmonika, gackern tatsächlich im Hintergrund Jaggers Hühner. Tja, und das ebenfalls stark 50ies-Jazz und -R’n’B verhaftete ›Talking To Myself‹ lieferte den Titel zu Chris Jaggers parallel erscheinender Autobiografie.

9 von 10 Punkten

Chris Jagger, MIXING UP THE MEDICINE, BMG RIGHTS MANAGEMENT/WARNER

Metallica – METALLICA (THE BLACK ALBUM)/THE METALLICA BLACKLIST

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Schwärzer als Schwarz

Der schlicht METALLICA betitelte fünfte Longplayer der Bay-Area-Thrash-Könige ist nur mit Superlativen zu beschreiben. Als es im September 1991 veröffentlicht wird, steigt es direkt in zehn Länder auf Nummer-eins der Charts ein (darunter im heimatlichen Amerika, wo es vier Wochen verweilt) und wirft sage und schreibe fünf Hitsingles ab: ›Enter Sandman‹, ›The Unforgiven‹, ›Nothing Else Matters‹, ›Wherever I May Roam‹ und ›Sad But True‹. METALLICA wird mit einem Grammy gekrönt und 16-fach mit Platin zertifiziert, verbringt über 550 Wochen in den Billboard Charts, gilt als erfolgreichstes Album der vergangenen 30 Jahre und die Band tourt für drei Jahre mehrfach um den Globus. Davor lag ein Jahr harter Arbeit mit Produzent Bob Rock, der erstmalig bei Metallica am Mischpult saß und sich etliche Kämpfe mit den Bandmitgliedern liefern musste, bevor das Ding so im Kasten war, wie es sich Band und Rock vorstellten. Metallica verabschieden sich von den komplexen Songstrukturen und dem Thrash der Vergangenheit und setzen auf persönliche Texte, eingängige Refrains und einfache Songs und Rhythmen.

Auch wenn METALLICA ein Album mit unglaublich großer Anziehungskraft ist, das die Jungs in den Mainstream katapultierte, so ist es natürlich weit davon entfernt, der Meilenstein in der Diskographie der Band zu sein. Trotz ebenjener fünf Hitsingles und den Verkäufen. Das beweist das Gros der übrigen Songs, die nicht mal im Ansatz mit Klassikern wie ›Battery‹, ›Master Of Puppets‹, ›Blackened‹, ›Disposable Heroes‹, ›Fade To Black‹ oder ›Creeping Death‹ mithalten können und damit METALLICA zu einer Platte machen, die ich nie auflege. THE METALLICA BLACKLIST, die Fakten: 1 Album. 12 Lieder. 53 Künstler. 100 % der METALLICA-BLACKLIST-Verkäufe kommen 52 Wohltätigkeits-organisationen zugute, zu gleichen Teilen aufgeteilt zwischen Metallicas eigener Foundation All Within My Hands und 50+ Organisationen, die von den Künstlern, die auf dem Album spielen, ausgewählt wurden.

METALLICA übt aber dennoch einen grenzüberschreitenden Einfluss aus, den diese 12 Songs nun mal auf Fans und Musiker aller Couleur haben. Unter den 53 Tracks von THE METALLICA BLACKLIST finden sich Singer/Songwriter, Country-Künstler, Elektronik- und HipHop-Artists, die ihre Liebe zu diesen Songs mit Punkrockern, Indie-Lieblingen, Ikonen der Rock-, Metal und Weltmusik und vielen, vielen mehr teilen und eine unglaublich große Bandbreite an Genres, Generationen und Kulturen abdecken. Und jeder von ihnen steuert seine individuelle Interpretation seines Lieblingsstücks von METALLICA bei. Dass dabei nicht alles gelingt oder gefällt, liegt in der Natur der Sache. Phoebe Bridgers und Chris Stapelton knöpfen sich beide gelungen ›Nothing Else Matters‹ vor. Kamasi Washington, ein US-amerikanischer Tenor-Saxophonist, veredelt ›My Friend Of Misery‹, IDLES zerstören (positiv gemeint) ›The God That Failed‹. Miley Cyrus covert zusammen mit WATT (der das letzte Ozzy-Album produziert hat), Sir Elton John, dem Star-Cellisten Yo-Yo Ma, Metallicas Robert Trujillo und RHCPs Chad Smith wie gewohnt stilsicher ›Nothing Else Matters‹.

Charmant lösen es die wundervollen Schotten Biffy Clyro, die sich ›Holier Than Thou‹ zu eigen machen. Interessant auch ›Sad But True‹ von Ausnahmekünstlerin St. Vincent, Jason Isbell And The 400 Unit, die dieselbe Nummer als Country-Shuffle vertonen, und Sam Fender, der ebenjenen Track sehr lebendig live spielt. Völlig daneben geraten die Beiträge von Weezer (›Enter Sandman‹), ›Sad But True‹ von Royal Blood, Juanes’ ›Enter Sandman‹ und Volbeat, die ›Don’t Tread On Me‹ leider verhunzen. Zur Feier des 30-jährigen Jubiläums wird METALLICA gleich in mehreren Neuauflagen veröffentlicht, darunter eine 180-Gramm-Doppel-Vinyl-LP, eine Standard-CD und eine umfangreiche 3-CD-Edition. Das limitierte Deluxe-Box-Set enthält das Album remastered auf zwei 180-Gramm-LPs, eine Picture Disc, drei Live-LPs, 14 CDs (mit Rough Mixes, Demos, Interviews, Liveshows), 6 DVDs (mit Outtakes, Hinter-den-Kulissen-Einblicken, offiziellen Videos, Liveshows), ein 120-seitiges Hardcover-Buch, vier Tour-Laminates, drei Lithos, drei Gitarren-Plektren, einen Metallica-Schlüsselband, eine Mappe mit Textblättern und eine Download-Card. THE METALLICA BLACKLIST gibt es auf 4 CDs sowie einer limitierten 7-LP-Vinyl-Pressung.

METALLICA (THE BLACK ALBUM): 8 von 10 Punkten

THE METALLICA BLACKLIST: 4 von 10 Punkten

Metallica, METALLICA (THE BLACK ALBUM)/THE METALLICA BLACKLIST, BLACKENED/UNIVERSAL

Steve Hackett – SURRENDER OF SILENCE

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Hochgeschraubter Härtegrad

Trotz seiner Vergangenheit in einer der wichtigsten Art-Rock-Bands der Musikgeschichte – wir sprechen hier von Yes – ist Steve Hackett vor allem Weltmusiker. Seine Kompositionen sind kulturübergreifend, zeigen faszinierende Ethno-Anteile und bleiben dennoch auf geschickte Art und Weise stets im Rock verwurzelt. Und während der Albumvorgänger, UNDER A MEDITERRANEAN SKY, vergleichsweise sanft ausgerichtet war, greift Hackett auf SURRENDER OF SILENCE wieder deutlich härter in die Saiten. Das drückt sich dann auch entsprechend in den Songtiteln aus (›The Devil’s Cathedral‹, ›Day Of The Dead‹), lässt aber dennoch weder Tiefgang noch Eindringlichkeit vermissen. Spannend ist auch die lange Liste an Gastmusikern, die man in einigen der insgesamt elf Songs antreffen kann, darunter Nad Sylvan, Phil Ehart (Kansas), Jonas Reingold (The Flowerkings), Nick D’Virgilio (Genesis, Spock’s Beard) oder Rob Townsend. Stilistisch vollzieht auch die neue Hackett-Scheibe eine Reise durch unterschiedlichste Regionen unseres Planeten, vom Nahen Osten (seit je her Hacketts Faible) bis nach Afrika (›Wingbeats‹), mit den großartigen Stimmen von Amanda Lehmann und den Pink-Floyd-erfahrenen Schwestern Durga und Lorelei McBroom.

8 von 10 Punkten

Steve Hackett, SURRENDER OF SILENCE, INSIDE OUT/SONY

Samantha Fish – FASTER

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Hardrockbluespop-Mashup à la Kansas City

Samantha ist eine ziemliche Streberin und stellt an sich selbst hohe Ansprüche. Früher oft in der Bluesecke verortet, hören wir auf FASTER simplen Rock, tanzbaren Pop, Balladen mit ganz viel Herzblut und auch Hardrock-Blues. Sie hat weder dieses alles übertönende Organ mancher Chanteusen dieser Tage, noch eine leidgeprüfte, raue Kehle wie z. B. Beth Hart oder gar eine Fistelstimme – aber dafür eine Extraportion Intensität im Gesang. Überhaupt sprüht das Album vor Abwechslung und musikalischer Ideen. Jeder Song ist ausgereift und ausproduziert. Sie litt sehr wohl unter depressiven Phasen während der ersten Monate der Pandemie, dass aber ein solch lebensbejahendes Album dabei herauskommen würde, hätte sie selbst nicht gedacht. Da sind zum einen diese harten Tracks wie ›Loud‹, der Titelsong ›Faster‹ oder das flotte ›So Called Lover‹, denen Samantha Fish tanzbare Nummern für die Spotify-Einzelsonghörer wie ›All Ice No Whisky‹, ›Forever Together‹ oder ›Hypnotic‹ zur Seite stellt.

Zum anderen dürfen aber auch Balladen wie das hochemotionale ›All The Words‹ nicht fehlen, die den Kreis zur Nachdenklichkeit schließen. Einen großen Anteil an der musikalischen Diversität hat ihr neuer Produzent Martin Kierszenbaum, der mitkomponiert und arrangiert hat. Zusammen mit Gastrapper Tech N9ne war da eine kleine Kansas-City-Mafia am Werk, denn alle stammen wie die 32-Jährige aus der größten Stadt Missouris.

7 von 10 Punkten

Samantha Fish, FASTER, ROUNDER/UNIVERSAL

Tedeschi Trucks Band: Da war noch Benzin im Tank

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Eigentlich eine irrwitzige Idee, das komplette Derek-&-The-Dominos-Album LAYLA AND OTHER ASSORTED LOVE SONGS live aufzuführen – und dann noch als Livealbum herauszubringen. Nicht jedoch für die Tedeschi Trucks Band. Für die ist es eine logische Sache.

Warum? Aus zwei guten Gründen: Zum einen kam Sängerin und Gitarristin Susan Tedeschi just an jenem Tag zur Welt, als auch LAYLA AND OTHER ASSORTED LOVE SONGS veröffentlicht wurde. Zum anderen, weil Derek Trucks, ihr Mann und Co-Bandleader, seinen Namen der glühenden Verehrung jenes Albums von Derek & The Dominos seitens seiner Eltern verdankt. Ist da also Magie im Spiel? „Ich denke schon“, sagt der wie immer völlig entspannte Derek Trucks im Video-Call, „schließlich sind diese Zufälle doch irgendwie unfassbar. Dieses Album gehört zu meiner und Susans Biografie.“

Dennoch musste erst eine Anfrage nach einem gemeinsamen Gig von dem nicht minder begabten Gitarristen Trey Anastasio kommen, um den Stein ins Rollen und LAYLA AND OTHER ASSORTED LOVE SONGS live auf die Bühne zu bringen. „Wir haben uns mit Trey unterhalten, was wir bei dem Auftritt beim Lockin’-Festival gemeinsam spielen könnten. Zunächst wollten wir Songs aus seinem und unserem Katalog spielen, doch das war’s irgendwie nicht. Irgendwann kam mir die Musik von Derek & The Dominos in den Sinn.“ Sowohl Susan als auch Trey seien sofort Feuer und Flamme gewesen. Zumal Trey Anastasio bereits mit Eric Clapton gearbeitet hat und, so Derek, sehr von dessen Spielweise beeinflusst sei. Darüber hinaus bringe er als Sänger eine ähnliche Verletzlichkeit wie Eric aka Derek mit. Für den prä-Corona-Auftritt beim Lockin’-Festival am 24. August 2019 hatten die Band und Gaststar Anastasio einen vollen Tag für Proben angesetzt. Mehr nicht? „Jeder war top vorbereitet, jeder kannte die Songs. Das hat gereicht“, lächelt Derek in die Kamera. Das passt zu ihm, zur Band, zur lässigen Hippie-Philosophie des großartigen Blues-Acts. Dazu passt natürlich auch, dass man sich nicht penibel an den Vorgaben der zu covernden Songs hält, sondern sich gewisse Freiheiten gestattet. Freiheiten, die sich schon mal in mehrere Minuten langen Gitarrensoli und sessionhafter Zügellosigkeit äußern können.

„Das ist das Schöne an dieser Band“, sagt Derek Trucks, im Garten seines Hauses herumwandernd in die Handy-Kamera, „wir haben diese Chemie untereinander, wir sind auf der gleichen Wellenlänge. Wenn wir in Form sind, wenn alles passt, dann spielt sich die Musik fast von selbst. Du hörst auf zu denken, du fühlst nur noch, wie sich die Energie aufbaut. Irgendwann kommt man natürlich an den Punkt, an dem man sich fragt: Ist noch Benzin im Tank? Und an diesem Abend hatten wir jede Menge Treibstoff getankt.“ Allemal genügend Sprit, um aus den eher kurzen Vorlagen von ›Keep On Growing‹, ›Anyday‹, ›Layla‹ und ›Why Does Love Got To Be So Sad‹ bis zu 13-minütige Blues- und Southern-Rock-Epen zu machen. Es sei eben eine inspirierende Nacht gewesen, sagt Derek. Vermutlich nicht nur für die wie in Trance spielenden Musiker, sondern auch für das Publikum.

Immerhin saß seitlich zur Bühne der vielleicht größte Kenner und Liebhaber des hier interpretierten Songmaterials: Dereks Vater Chris Trucks. „Er ist drei Stunden vor Showtime da gewesen, um sich den bestmöglichen Platz zu sichern. Nach der Show bin ich zu ihm hin und habe ihm nur in die Augen gesehen: Er hat geweint vor Glück. Ein größeres Kompliment hätte er mir nicht machen können.“