Am 11. November erscheint die neue Dokumentation „Somewhere You Feel Free“, die den Schaffensprozess von Tom Pettys Album WILDFLOWERS beleuchtet.
Der 90 minütige Film wurde in den Staaten bereits in einigen ausgewählten Kinos gezeigt, am 11. November wird er dann für alle zugänglich bei Youtube ausgestrahlt.
Der Anlass ist traurig, aber es ist der angemessene Zeitpunkt, wieder einmal GOODBYE CREAM aufzulegen. Das leicht verkratzte Exemplar mit dem Aufklappcover und den Illustrationen von Alan Aldridge, erstanden in grauer Vorzeit auf dem Flohmarkt, als Vinyl-LPs niemand mehr haben wollte. Die Nadel senkt sich kurz vor ›I’m So Glad‹, und dann ist er da: dieser druckvolle, pumpende, knorrige Bass von Jack Bruce. In den folgenden neun Minuten wird der Schotte mit seinem Gibson EB-3 und eloquenter Virtuosität zum atemberaubenden Höhenflug ansetzen, elegant landen und irgendwann, wenn der Improvisationsteil seiner Meinung nach zu einem Ende kommen sollte, genau dies seinen Mitstreitern Eric Clapton und Ginger Baker mitteilen. Mit einer satten Disharmonie als kleinem Weckruf.
Was uns das sagt? Clapton mochte zum Superstar aufsteigen, Baker als trommelnder Exzentriker geliebt und gefürchtet werden, aber es war John Symon Asher Bruce, genannt Jack, der bei Cream die Fäden in der Hand hielt. Als Instrumentalist, als Songwriter und nicht zuletzt als Sänger, der mit schwerölgetriebener Bluesstimme für die nötige Atmosphäre sorgte.
„Clapton mochte zum Superstar aufsteigen, Baker als trommelnder Exzentriker geliebt und gefürchtet werden, aber es war Jack Bruce, der bei Cream die Fäden in der Hand hielt.“
Sein Cello-Studium an der „Royal Scottish Academy Of Music And Drama“ hatte er hingeschmissen, denn im Jazz war für ein Cello kein Platz. Und Jazz war die heiße Musik der späten 50er, bis Alexis Korner und der Blues kamen. Bruce spielte bei ihm Kontrabass, lernte Organist Graham Bond, Saxophonist Dick Heckstall-Smith und seinen kommenden Sparringspartner Ginger Baker kennen. Noch war er Sideman, doch als beseelter Sänger des archaischen Worksongs ›Early In The Morning‹ stellte er Bandboss Bond locker in den Schatten. Ein Jahr später, 1966, folgte dann die große Selbstverwirklichung mit Cream, die zwar nur zwei Jahre währte, aber grundlegend neue Perspektiven eröffnete.
Etwa, dass lange Improvisationen, vormals nur im Jazz zuhause, auch im Rock realisierbar waren. Und dass der Bass, im Jazz seit den 50ern als Soloinstrument geduldet, diese Rolle auch im Rock’n’Roll spielen konnte. Jack Bruce und John Entwistle von The Who waren es, die den Tieftöner aus seinem Schattendasein als notwendiges, aber unglamouröses Begleitinstrument befreiten – und die damit den Weg ebneten für spätere Virtuosen.
Als Solokünstler lieferte der ruhelose Freigeist ab 1969 hörenswerte Werke, deren Stilvielfalt zwischen Blues, Jazz, Rock und World Music faszinierte, aber auch verwirren konnte. Bruce kollaborierte mit Jazzern wie John McLaughlin, Tony Williams und Carla Bley, spielte im Trio mit Leslie West und Corky Laing Hardrock, experimentierte Anfang der 80er gar mit kubanischen Rhythmen. Kritiker waren oft voll des Lobes, Musiker zollten Respekt, doch der kommerzielle Erfolg seines ehemaligen Weggefährten Eric Clapton blieb ihm verwehrt.
2003 wurde bei Jack Bruce Leberkrebs diagnostiziert, die folgende Transplantation kostete ihn fast das Leben. Wieder halbwegs gesundet, absolvierte er 2005 mit Cream einige Reunion-Shows. Jack Bruce starb am 25. Oktober 2014 an Leberversagen. Er wurde 71 Jahre alt.
Bill Wyman wird heute 85 Jahre alt. Bis 1993 war Wyman Bassist der Rolling Stones, dann entschloss er sich dazu, die Band zu verlassen.
Schon lange vor seinem Ausstieg, ab 1974, veröffentlichte Wyman immer wieder Soloalben. Zu seinem heutigen Ehrentag blicken wir zurück auf das Jahr 1981 und den Release seiner eigentümlich betitelten Single ›(Si Si) Je Suis Un Rock Star‹ vom Album BILL WYMAN, das 1982 erschien.
Der Großteil des Songs ist auf Englisch, im Chorus singt Wyman in einer Mischung aus Englisch und Französisch. Ursprünglich war der Track für Ian Dury gedacht, der zeigte jedoch keinerlei Interesse an dem frenglischen (oder wie Wyman es nannte, „Cockney French“) Disco-Erguss.
Bei seinem Auftritt bei „Top Of The Pops“ 1981 scheint es so, als müsste sich Wyman stellenweise zusammenreißen, um nicht in Lachen auszubrechen. Zwischendurch wechselt er vom Keyboard zum Bass, das Playback ist nicht immer ganz synchron mit seinen Lippenbewegungen. Ein herrliches Stück Musikgeschichte:
Am 11. Februar 2022 erscheint das neue Album 4 von Slash feat. Myles Kennedy And The Conspirators bei Gibson Records. Es ist das fünfte Solowerk von Slash und die vierte Platte, die der Gitarrist mit seiner Kombo veröffentlicht.
Eine erste Single ›The River Is Rising‹ gibt es seit heute zu hören, ein Video gibt es auch zu sehen.
Slash beschreibt die Entstehung von ›The River Is Rising‹ wie folgt: „Es gibt zwei oder drei Songs auf der Platte, die während der Pandemie geschrieben wurden; alle anderen waren vorher fertig. ‚The River is Rising‘ war einer der letzten Songs, die ich geschrieben habe, bevor wir mit der Vorproduktion begannen. Und weil er so fresh ist und einen gewissen Groove und Energie hat, war er der erste Song, den wir im Studio in Angriff nahmen. Er ist also der neueste Song auf der Platte. Den Double-Time-Part wollte ich ursprünglich an das Ende des Arrangements hängen. Als wir dann bei RCA waren, schlug Dave Cobb vor, den Part bereits hinter den ersten Breakdown zu stellen. Wir gingen also direkt in den schnellen Teil über und ich fing einfach an, das Gitarrensolo darüber zu spielen. Es war einer dieser Momente, in denen wir herumjammten und nach dem besten Arrangement suchten. Dann passierte es einfach.“
Myles Kennedy fügt hinzu: „Der Text handelt davon, wie Menschen einer Gehirnwäsche unterzogen oder von einer gefährlichen Idee indoktriniert werden. Nachdem wir das Demo ein paar Mal hin- und hergeschossen hatten, war ich persönlich davon überzeugt, dass wir den Album-Opener hatten. Für mich ist es ein wichtiger Track.“
Laut der amerikanischen Zeitschrift Variety ist gerade ein neues Biopic über Ozzy und Sharon Osbourne in der Mache. Entwickelt wird der Film von Polygram Entertainment.
Die Produktion des Streifens übernehmen Sharon selbst sowie ihre Kinder Jack und Aimée. Sowohl Ozzys Solowerke als auch Songs von Black Sabbath sollen in dem Biopic untergebracht werden.
Welch Schauspieler die Rollen übernehmen werden oder wann der Film veröffentlicht werden soll, ist bisher nicht bekannt. Dass das bewegte Leben der Osbournes voller Drama, Exzesse und Ehestreitigkeiten jedoch genug Stoff bieten dürfte für eine ganze Serienstaffel, ist wohl unumstritten.
In einem kleiner Interviewausschnitt mit „Good Morning Britain“ aus dem Jahr 2020 rekapituliert das Paar nur einige wenige ihrer aufregenden bis tragischen Erfahrungen:
Mit dem Trampolin mitten rein in die Schulterpolster-Kiste – den Spaß darf man sich gönnen
Passen Duran Duran ins CLASSIC ROCK? Heute mögen die Kids sich nicht mehr auf eine Clique festlegen und damit angeben, wie „freigeistig“ (= wahllos) sie Musik aus allen Genres hören. Aber als Duran Duran in den frühen 80ern aus einer Wolke Haarspray auftauchten, da legte man sich noch fest. Für viele Rockfans waren die schnieken Boys aus Birmingham damals das erklärte Feindbild. Im Nachhinein sieht man’s lockerer: So schlimm war’s nie. Eigentlich hatten Simon Le Bon und Co. sogar echt originelle Nummern. „The Reflex“? Come on! War das nachträglich nicht doch einer von einem ganzen Dutzend herrlich spinnerter Ohrwürmer, die die „Durannies“ einst wie nix aus dem Ärmel schüttelten? So etwas war mal Nummer eins? Bessere Zeiten! Das 80er-Revival der letzten Jahre hat den „Durannies“ gut getan. Wie auf dem Highlight ALL YOU NEED IS NOW (2011) greifen sie auch auf FUTURE PAST, bei dem Erol Alkan, Mark Ronson und Giorgio Moroder (!) als Producer mitwirkten, wieder fröhlich in die Kiste mit dem Kajal und den Schulterpolstern, die auch sie so lange verschämt auf dem Speicher versteckt hatten.
Das heißt: Pop-Neon-Bazong-Knaller werden gesucht und oft sogar gefunden: ›More Joy!‹, ›Invisible‹ oder ›Wing‹ werden sich auf einer künftigen Karriere-Best-of nicht verstecken müssen.
Bis dato ambitioniertestes Studioalbum der US-Prog-Metal-Elite
Obwohl vermeintliche Kritiker in den Sozialen Medien gelegentlich glauben, darauf hinweisen zu müssen, dass bei Dream Theater jeder Song gleich klingt, sieht die Wahrheit völlig anders aus. Wer beispielsweise den Progrock-Ansatz von SCENES FROM A MEMORY (1999) mit dem harschen, fast düsteren Sound von TRAIN OF THOUGHT (2003) vergleicht, kann nur zu einem anderen Ergebnis kommen. A VIEW FROM THE TOP OF THE WORLD ist beides nicht, weder moderat noch übermäßig hart. Nein, das Besondere am 15. Studioalbum der New Yorker ist seine Komplexität, das enge Geflecht aus virtuosen Soloparts, vertrackten Rhythmen, harmonischen Besonderheiten und einem Gesang, der selbst bei verschachtelten Strukturen nie seine geordnete Melodieführung einbüßt. Auch deshalb verzeiht man Dream Theater gerne, dass es unter den sechs Songs keinen einzigen komplett ruhigen Track gibt. Wer beim Hören kurz durchschnaufen möchte, muss auf den Mittelteil des finalen Titelsongs warten. Der jedoch ist 20 Minuten lang und quasi der Höhepunkt einer Scheibe, die sich kompositorisch nie wiederholt. Soviel an die Adresse der Nörgler im Netz.
8 von 10 Punkten
Dream Theater, A VIEW FROM THE TOP OF THE WORLD, INSIDE OUT/SONY
Was Dave Hause mit dem Boss verbindet? Vielleicht sind es die Jahre des Malochens, bevor sich der Erfolg einstellte. Oder aber auch die sehr amerikanischen und detaillierten Stimmungsebenen, die er genau wie Bruce Springsteen in seiner Kunst abzubilden weiß. Natürlich ist die musikalische Sozialisation eine andere: Während Springsteen von den Beatles, Van Morrison, Phil Spector und Woody Guthrie beeinflusst war, bezieht sich Hause letztlich auf dessen Epigonen wie beispielsweise Tom Petty & The Heartbreakers. Der Anker einer intakten Familie ist das, was den Reiz der E Street Band immer ausmachte, auf diesem Pfad ist Hause durch das gemeinsame Muszieren mit Bruder Tim ebenfalls unterwegs. Auch spielt mit Bassist Garry Tallent ein Mitglied der E Street Band hier mit. Früher auch mal in härteren musikalischen Gefilden verhaftet, ist die Musik von Hause auf Album Nummer fünf jedenfalls so harmonisch wie nie zu vor: Rockmusik mit hymnischer Tendenz, Lagerfeuerballaden (›Surfboard‹) und Harmonien, die perfekt ineinandergreifen. In Teilen etwas zu formelhaft, aber im Großen und Ganzen eine schöne melancholische Rockplatte.