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Start Blog Seite 262

Kiefer Sutherland: BLOOR STREET

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Herzensangelegenheiten

Vielen wird Kiefer Sutherland als Schauspieler aus der TV-Serie „24“, aus „Stand By Me“ oder der schwarzen Horror-Vampir-Komödie „The Lost Boys“ bekannt sein. Ach, und mit Julia Roberts war er ebenfalls liiert. Soviel zu den Yellow-Press-Meldungen. Seit einigen Jahren macht der Kanadier (der in London geboren wurde) aber auch sehr erfolgreich Musik und BLOOR STREET ist bereits sein drittes
Album. Die ersten beiden, DOWN IN A HOLE (2016) und RECKLESS & ME (2019), erschienen beide auf seinem eigenen Label Ironworks, das er zusammen mit seinem Buddy und Musiker Jude Cole (der Anfang der 90er einige recht gute Singer/Songwriter-Platten aufgenommen hat) ins Leben gerufen hat. Für BLOOR STREET zieht es ihn zu anderen Ufern, auch musikalisch gesehen. BLOOR STREET ist weniger Country-inspiriert, etwas geringer Americana-gefärbt. Der mehrfache Grammy-Preisträger Chris Lord-Alge (Green Day, Pat Benatar) hat sich um die Produktion gekümmert und hievt BLOOR STREET oftmals ins Heartland-Rock-Territorium. Steht Sutherland sehr gut zu Gesicht, der Schritt in diese Richtung. Mit der Single ›Bloor Street‹ erzählt er seine eigene Jugend, aufgewachsen im kanadischen Toronto, das Video liefert dazu charmante Bilder seiner Kindheit, gepaart mit Momentaufnahmen aus der Geschichte der Stadt, „I can feel the wind coming off the lake; It cuts right to the bone; A crooked smile grows on my face; ’Cause now I know I’m home“. In ›Two Stepping In Time‹ zieht Sutherland das Tempo merklich an, eine sehr willkommene Abwechslung in Richtung Pop-Komposition. ›So Full Of Love‹ führt das fort,
›County Jail Gate‹ ist eine Herzschmerz-Ballade und ›Goodbye‹ hat einen Stax-R’n’B-Groove. Beendet wird BLOOR STREET mit dem – dann doch noch ein wenig Country – Duett ›Down The Line‹.

7 von 10 Punkten

Kiefer Sutherland/BLOOR STREET/COOKING VINYL/INDIGO

Silvershark: BURN TO BOOGIE

Den Tanzboden schrubben

Steve Burner ist in der Berliner Rockszene verwurzelt und frönt mit seinem Projekt Silvershark, dessen
Federführung er zusammen mit Richard Behrens übernimmt, seinen musikalischen „guilty pleasures“, namentlich dem Disco, Soul, Funk und Yacht Rock. BURN TO BOOGIE ist eine Platte, bei der jede Discokugel in der Umgebung automatisch anspringt und die den Geist von Größen wie den Bee Gees oder Untergrund-Perlen à la The Jimmy Castor Bunch heraufbeschwört. Ein Sound, wie er aus Dave Chapelles „Charlie Murphy’s True Hollywood Stories“, gekreuzt mit dem Studio 54, stammen könnte, solide produziert und mit einem Augenzwinkern (wie möchte man sich sonst Textzeilen wie „friday night my pants are tight and I feel alright“ erklären?) BURN TO BOOGIE fegt wie ein Glitzerschleier durch die Gehörgänge, fährt direkt in die Hüftknochen und lässt einen von rauschenden Partys mit leuchtenden Dancefloors träumen.

7 von 10 Punkten

Silvershark/BURN TO BOOGIE/NOISOLUTION

Kissin‘ Dynamite: NOT THE END OF THE ROAD

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Heute ist nicht alle Tage

Dass Kissin’ Dynamite wieder eine Platte machen würden, war keine Frage. Nach sechs Studioalben und
diversen Charterfolgen steht die Kombo nun bereit, ihr Napalm-Records-Debüt NOT THE END OF THE ROAD auf den Musikmarkt zu bringen. In gewohnt guter Power/Heavy-Metal-Manier bilden die 12 Stücke ein unterhaltsames Gesamtbild. Von Partynummern wie dem Titeltrack ›Not The End Of The Road‹, dem gewollt kitschigen ›Yoko Ono‹ bis hin zu eher sanfteren Nummern wie ›Good Life‹ (das aufgrund der
Gastmusiker schon fast als „Gospel-Rock“ bezeichnet werden könnte) oder ›Gone For Good‹, das zugegebenermaßen ein echt gutes Titellied für eine Telenovela wäre, kommt hier keineswegs
Langeweile auf. Persönliches Highlight ist jedoch der laut gewordenen Meme-Song ›No One Dies A Virgin‹, bei dessen Refrain „No one dies a virgin, in the very end life fucks us all“ mir doch glatt ein breites Grinsen entfloh. Die Jungs beweisen also auch mit NOT THE END OF THE ROAD ihr Händchen für
moderne Sounds, wuchtige Hymnen und eingängige Hooks, gepaart mit 80er-Jahre-Stadionrock-Attitüde.

8 von 10 Punkten

Kissin‘ Dynamite/NOT THE END OF THE ROAD/NAPALM/UNIVERSAL

Billy Talent: CRISIS OF FAITH

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Ewig Pause gemacht, wird jetzt wieder mit Hochdruck gequäkt

Sechseinhalb Jahre ließen sich die kanadischen Alternative-Rocker Zeit, um ihrem globalen Millionenpublikum endlich neue Musik zu servieren. Doch nun ist sie wieder da, die so herrlich quäkende
Stimme von Ben Kowalewicz. Mit ihr präsentiert er nicht nur engagiert und erstaunlich stimmig zwischen Nachdenklichkeit und Party-Attitüde changierende Lyrik. Er veredelt auch die cleverer denn je komponierte und arrangierte Musik seiner Kollegen. Gleich das eröffnende, in zwei Segmente unterteilte ›Forgiveness‹ verdeutlicht die künstlerische Reife, die sich die Rotzlöffel mittlerweile erarbeitet haben.

Das durchaus anspruchsvolle, dabei keinesfalls verkopfte, sondern umgehend gute Laune erzeugende Lied verbindet homogen Elemente klassischen Psychedelic-Sounds mit poppigem 90er-Punkrock, klingt aber trotzdem absolut aktuell. Highlights der restlichen, meist ebenso abwechslungsreichen Stücke
sind das kantig-dreckige ›Reckless Paradise‹, das leicht an Green Day erinnernde ›I Beg To Differ‹
und der melancholische Breitwand-Schleicher ›The Wolf‹. Beim frechen Ohrwurm-Kandidaten ›End Of Me‹ hat man mit Weezer-Frontmann Rivers Cuomo sogar erstmals einen Gaststar ins Studio gebeten.

8 von 10 Punkten

Billy Talent/CRISIS OF FAITH/ATLANTIC/WARNER

Meat Loaf: Sänger stirbt mit 74 Jahren

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Zusammen mit Produzent und Songwriter Jim Steinman war der Bombastrocker unschlagbar, jetzt ist Meat Loaf gestorben. Der Künstler, der mit bürgerlichen Namen Marvin Lee Aday hieß, wurde 74 Jahre alt. Das erklärte Meat Loafs Agent Michael Greene gegenüber dem Nachrichtenportal „Deadline“ im Namen der Familie.

Am 27. September 1947 wurde Marvin in Dallas, Texas geboren und zog 1967 nach Los Angeles, um Sänger zu werden. Nach einigen Arrangements in Musicals arbeiteten Jim Steinman und Meat Loaf schließlich an BAT OUT OF HELL, das nach langer Labelsuche 1977 erschien und 1978 richtig abräumte. Die Platte zählt bis heute zu einem der meistverkauften Alben aller Zeiten.

L.A. Guns: Wie Kain und Abel

Statt wie erwartet einen Rockstar auf dem Bildschirm zu sehen, ist das erste, das vor die Zoom-Kamera tritt, ein graues Kätzchen mit einem rosa Schleifchen um den Hals. Dann heben tätowierte Hände das Tier hoch und Phil Lewis erscheint. Nach einem kurzen Geplänkel über feline Themen kommt man zum eigentlichen Grund des Interviews – zum neuen Studioalbum CHECKERED PAST. „Seit der Reunion betiteln wir unsere Platten gerne mit einem Hinweis auf die Beziehung zwischen Tracii und mir. Nach THE DEVIL YOU KNOW – wir beide sind Teufel und der Teufel, den man kennt, ist besser als ein unbekannter – und THE MISSING PEACE bezieht sich CHECKERED PAST auf unsere von Höhen und Tiefen geprägte Vergangenheit.“

Ja, die Geschichte der L.A. Guns ist undurchsichtig: Besetzungswechsel, Streitigkeiten und mehrere Bands unter demselben Namen prägen die Historie der Truppe. Nach einem letzten Rechtsstreit mit Ex-Drummer Steve Riley und Bassist Kelly Nickels haben Tracii und Phil nun die Rechte am Bandnamen, Steve muss fortan unter dem Banner „Riley’s L.A. Guns“ segeln. Alleine, dass Tracii und Phil wieder gemeinsame Sache machen, glich damals einem kleineren Wunder, pickten die beiden doch jahrelang wie wilde Streithähne aufeinander ein. „Wir sind wie Brüder, wir sind uns sehr nah, kämpfen aber auch viel. Ein bisschen wie Kain und Abel. Heute lebt unser Verhältnis von der richtigen Dosis an Distanz. Was jedoch einzigartig an uns ist: Wir bringen das Beste im anderen hervor. Tracii ist so ein grandioser Songwriter und Gitarrist, wenn ich in seiner Nähe bin, möchte ich zur Höchstform auflaufen. Andersrum funktioniert es genauso.“ Doch genug des Klatsches und Tratsches und weiter im Gespräch über die neue Platte: „Vor etwa 15 Monaten haben wir mit den Aufnahmen begonnen. Jeder bei sich zuhause in Isolation. Ich habe einen Laptop, ein Interface und ein halbwegs vernünftiges Mikrofon und konnte meine Vocals je nach Lust, Laune und Tagesform einsingen. Um ehrlich zu sein, gefällt mir diese Art des Produzierens sehr gut.“ Das fehlende, direkte Feedback bei seinen Gesangsaufnahmen vermisste Lewis dabei überhaupt nicht: „Ich weiß, was zu tun ist. Ich weiß auch, wenn ich Grütze singe, denn ich mache das ja schon eine Zeit lang.“, so der Sänger schmunzelnd.

CHECKERED PAST ist nun also ein weiteres hochwertiges und vor allem abwechslungsreiches Album der Reunion-Guns mit starken Tracks, die zwischen dreckigstem Straßenköter-Rock’n’Roll, schwerem Heavy Rock und verträumten Anteilen hin- und herspringen. „Tracii ist ein großer Fan von Led Zeppelin, wie die meisten wissen. An ihren Platten liebt er die Dynamik, dass jeder Song komplett anders ist, deswegen versucht er, diesen Spagat auch auf unseren Werken zu schaffen.“, erklärt Lewis. ›Cannonball‹ heißt die erste Singleauskopplung, das Video dazu zeigt Lewis in Piratenklamotte und statt wie gewöhnlich glattrasiert mit Lemmy-Gedächtnis-Bart. „Ich nannte ihn meinen Bürgerkriegs-Gedächtnis-Bart. Das kam so: Mein ganzes Leben lang lebte ich von Gig zu Gig, ich wusste immer, wann die nächste Show stattfinden würde. Bei unserem letzten Konzert vor der Pandemie konnte niemand absehen, wie lange sich das ziehen würde. Damals entschied ich, um einen Referenzpunkt zu schaffen, dass ich mich bis zu unserem nächsten Gig nicht rasieren würde. Über ein Jahr zog ins Land, ich war überwuchert. Immerhin funktionierte es gut im Video.“, erklärte der Sänger seine jetzt wieder entschwundene Gesichtsbehaarung. Dass sich die Welt langsam wieder der vorher bekannten Realität annähert, wirkt beruhigend auf Phil Lewis und seinen Drang, auf der Bühne zu performen. Der Zukunft der L.A. Guns blickt er positiv entgegen: „Die Leute sind immer noch interessiert an uns, weil wir in den letzten fünf Jahren sehr stringent waren. Wir haben konstant gute, interessante Musik veröffentlicht. Man kann sich auf uns verlassen.“

Meine erste Liebe: Paul Stanley über RUBBER SOUL

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Der Frontmann von Kiss über den Klassiker aus den 60ern, mit dem die Beatles neue Maßstäbe setzten.

Die Beatles waren eindeutig beeinflusst von dem, was Bob Dylan tat, und mit RUBBER SOUL fanden sie einen viel eloquenteren und reduzierteren Ansatz für ihre Songs. RUBBER SOUL zeigte nicht nur den Tiefgang und die Bandbreite ihres Songwritings – als ob die nicht schon offensichtlich genug gewesen wären –, sondern legte die Latte noch mal ein ganzes Stück höher. Das war von der Folk-Bewegung beeinflusst, und es gab hier nichts Überflüssiges, keinerlei Verzierungen. Ein Song wie ›In My Life‹ war einfach nur umwerfend, ebenso wie ›Norwegian Wood‹. Die Musik von Dylan, Donovan und Judy Collins hatte eindeutig auf sie abgefärbt, und doch schafften sie es, sie selbst zu bleiben.

Ihre eigene Identität, die sie so großartig machte, war intakt geblieben. Ich fand dieses Album wirklich
sehr beeindruckend. Wenn ich mich mit einer akustischen Gitarre hinsetze, gehört ›In My Life‹ normalerweise zu den ersten Songs, die ich spiele. Es ist einfach so wunderschön und entblößt ihre Seele. Der Text hat dabei bis heute Bestand. Ich glaube, meine erste Ausgabe von RUBBER SOUL kostete damals etwa vier Dollar. Ich war sehr lange ein armer Musiker und musste nach und nach meine Vinylsammlung verkaufen. Doch seither habe ich mir dieses Album viele Male in verschiedenen Formaten zugelegt.

Ghost: Neue Single und Albumankündigung

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„Wir erbauen unser neues Imperium aus der Asche eines alten“ – mit diesen Worten kündigen Ghost ihr kommendes fünftes Studioalbum IMPERA an, das am 11. März erscheint.

Als ersten Vorboten veröffentlichen die schwedischen Okkult- und Konzeptrocker um Mastermind Tobias Forge heute eine erste Single (von insgesamt zwölf neuen Songs) mit dem Titel ›Call Me Little Sunshine‹.
 

Tracklist von IMPERA:

1. Imperium
2. Kaisarion
3. Spillways
4. Call Me Little Sunshine
5. Hunter’s Moon
6. Watcher In The Sky
7. Dominion
8. Twenties
9. Darkness At The Heart Of My Love
10. Grift Wood
11. Bite Of Passage
12. Respite On The Spital Fields