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Flashback: Slade landen mit ›Cum On Feel The Noize‹ auf Platz 1

Ende Februar 1973 veröffentlichten Slade ihre Single ›Cum On Feel The Noize‹ , mit der sie am 03.03.1973 schließlich auf die Nummer 1 der UK-Charts kletterten. Es war die vierte Top-Single der Band aus den Midlands.

Frontmann Noddy Holder über den wilden Ritt, den Slade Anfang der 70er erlebten:

„Wir sollten jährlich ein Album herausbringen, dazu noch mindestens drei Singles. Und auch wir selbst wollten immer weitermachen, unser Ego beflügelte uns. Wir wollten diesen Erfolg nicht loslassen. Das einzige Problem war wirklich die Koordination zwischen den Aufnahmen und dem Touren. Die Hits waren für Slade das Tüpfelchen auf dem i, aber unsere Live-Shows waren immer am wichtigsten.“

https://youtube.com/watch?v=Qu_ozjAu_vM

Metallica: Happy Birthday MASTER OF PUPPETS!

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Das Kultalbum MASTER OF PUPPETS von Metallica wird heute 36 Jahre alt. Grund genug, das Meisterwerk gleich mal wieder auf den Plattenteller zu werfen!

Happy Birthday MASTER OF PUPPETS! Heute vor genau 36 Jahren brachten Metallica ihr drittes Studioalbum auf den Markt und knüpften damit nahtlos an den Vorgänger RIDE THE LIGHTNING an. Die Strippenzieher des Thrash setzten so im Jahre 1986 neue Maßstäbe in puncto Metal und sich selbst an die Spitze der „Big Four“. MASTER OF PUPPETS ist bis heute ein Meilenstein in der Musikgeschichte und das wohl beliebteste Metallica-Album vieler Fans.

Leider war es auch die letzte Aufnahme mit Bassist Cliff Burton, der nur wenige Monate später in einem tragischen Busunfall ums Leben kommen sollte.

Wem der Sinn noch nach etwas Lustigem stehen sollte, der sollte sich hier die lustige Sock Puppet Parody von ›Master Of Puppets‹ ansehen. Zerfledderte Sockenpuppen bangen sich durch ihre eigene Version namens ›Master of Sock Puppets‹.

Snowy White im Interview: Gegen den Zerfall | uncut

Es gibt so Gespräche, da entzündet sich plötzlich ganz unerwartet ein Funke der Verbindung. Das Interview mit Snowy White anlässlich seines neuen Albums SOMETHING ON ME rangiert in dieser Kategorie ganz weit vorne. Der zurückhaltende Virtuose, der beispielsweise Thin Lizzy nach seinem Mitwirken auf CHINATOWN und RENEGADE auf eigenen Wunsch wieder verließ, um sich weiter dem Blues zu widmen, erwies sich einmal mehr als wundervoller Gesprächspartner und Hüter so mancher auf den ersten Blick unscheinbar wirkender Weisheiten.

Ich habe mich sehr gefreut, als ich gesehen habe, dass du so schnell wieder eine neue Platte rausbringst.

Naja, weißt du, ich muss mich beschäftigt halten, ansonsten werde ich bloß alt und roste ein.

Bei unserem letzten Interview hast du mir von einem anstehenden Gig in Russland erzählt. Wie lief das so ab?

(lacht) Das lief tatsächlich recht gut und das war mein letzter Gig, seitdem bin ich nicht mehr aufgetreten. Ich habe mich entschieden, keine weiteren Live-Shows mehr zu spielen. Aber ja, wir waren dort und wurden sehr gut behandelt und bezahlt und es war sehr schön, wieder mit den Jungs zusammenzukommen. Schon damals spürte ich irgendwie, dass ich wahrscheinlich nicht mehr auftreten würde, also war es gut, nach so einem schönen Gig in Russland auszusteigen.

War Putin auch da?

Ja war er. Auch der japanische Premierminister und einige andere wichtige Leute, sie saßen an Tischen herum, ich war jedoch zu beschäftigt mit meinem Spiel, um wirklich aufzupassen. Wir spielten nur 20 Minuten und nach uns spielten noch zwei Bands, obwohl die Leute schon nach unserem Gig aufbrachen, weil es schon sehr spät war. Aber wir hatten einen schönen Abend. Der Promoter lud die Band auf einen Bootstrip ein, wo ich zwar nicht dabei war, aber es hat ihnen gut gefallen, so die Kanäle in St. Petersburg auszukundschaften.

Auf dem Coverartwork deines neuen Albums hältst du deine Gitarre Goldie hoch…

Ja, aber das Foto ist schon älter und ich wollte es immer mal für ein Cover benutzen, also dachte ich: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Also hast du sie nicht zurückgekauft?

Nein, das will ich auch nicht. Ein paar mal beim Aufnehmen dachte ich schon, dass meine neue Gitarre nicht so singt wie die alte und mir ist aufgefallen, wie gut meine alte wirklich war. Aber irgendwie habe ich das hinter mir gelassen…

Und du spielst noch immer diese Replica, die dir ein Fan gebaut hat?

Das war kein Fan, sondern ein Japaner, der einen Amerikaner beauftragt hatte, eine Kopie meiner Gitarre anzufertigen. Eines Tages übergab er sie an mich und ich habe bis heute nicht genau verstanden, warum. Nach einem Gig in London kam der Typ zu mir ins Hotel, zeigte mir die Gitarre und fragte mich: Willst du sie haben? Und ich meinte nur: Naja, klar, das ist ein schönes Modell. Ich wollte wissen, was er dafür haben wolle. Einen Endorsement-Vertrag oder ein Foto von mir und der Gitarre und er beantwortete alles mit nein. (lacht)

Ich weiß, du machst dir nicht viel aus Gitarren und Technik und so. Aber gibt es eine berühmte Gitarre, die du mal gern spielen würdest?

Nein, so etwas interessiert mich einfach nicht. Einmal fragte mich Peter Green, ob ich seine Gitarre kaufen wollte. Ich dachte etwas darüber nach, aber ich entschied mich dagegen, denn die andere wäre doch immer Greenies gewesen. Im Grunde sind das doch einfach nur Gitarren. Meine war zwar wirklich schön, aber auch nur eine Gitarre. (lacht) Ein Stück Holz mit ein paar Saiten und elektrischem Zeug dran. Das zumindest rede ich mir ein.

Wann hast du angefangen, an SOMETHING ON ME zu arbeiten?

Angefangen habe ich vor einem Jahr, die Aufnahmen fanden dann im Januar statt. Also genau noch vor dem Lockdown.

In was für einer Stimmung warst du, als du diese Platte gemacht hast?

(lacht) Ich war nicht gerade übermäßig gut drauf… Das ist tatsächlich eine gute Frage, wobei ich sie nicht wirklich beantworten kann. Es ist ja auch schwer zu sagen, weil das natürlich Tagesform-abhängig ist. Irgendwie habe ich jedenfalls während des Prozesses gespürt, dass das wahrscheinlich mein letztes Album sein wird. Andererseits dachte ich das von der letzten Platte auch schon. Trotzdem wird irgendwann der Punkt kommen, wenn es wirklich mein letztes Werk sein wird. Meine Finger machen nicht mehr ganz das, was ihnen mein Gehirn zu sagen versucht. Das kann manchmal sehr frustrierend sein. Ich höre Melodien in meinem Kopf und kann sie plötzlich nicht mehr spielen. Ich möchte nicht so jemand sein, der mit Gewalt weitermacht, obwohl es eigentlich nicht mehr wirklich geht. Aber sage niemals nie. Wer weiß, wie sich die Dinge entwickeln, wenn ich nächstes Jahr wieder mit meiner Band zusammenkommen kann. Ich möchte einfach nicht mehr monatelang alleine im Studio rumsitzen, ich brauche andere Musiker um mich herum. Angesichts der aktuellen Situation jedoch kann ich mir nicht vorstellen, woher ich nochmal Inspiration beziehen soll.

Aber du wirst nie ganz aufhören mit dem Spielen, weil es dich frustriert?

Ich werde immer mal die Gitarre nehmen und ein wenig für mich selbst spielen. Das ist, was ich schon immer getan habe. Aber ich werde einfach langsamer und langsamer und langsamer… (lacht)

Es fühlt sich einfach nicht richtig an, dass ein rastlos wirkender Künstler wie du davon spricht, das alles an den Nagel zu hängen.

Auch für mich fühlt sich das seltsam an. Ich muss mich da einfach nach meiner eigenen Gefühlswelt richten. Ich treffe keine fixen Entscheidungen, denn vielleicht stehe ich ja eines Tages wieder da, spiele ein paar Akkorde und denke mir ‚Oh, ja, das klingt gut‘.

Man kann ja nie wissen…

Man kann ja nie wissen. Genau meine Rede. (lacht)

Textlich sprichst du eine große Bandbreite an Themen an: Denkst du, dass Menschen jemals Verantwortung übernehmen werden?

Nein, das liegt nicht in der Natur des Menschen. Jedes Individuum schaut am Ende auf sich selbst, auch gute Leute, die sich der Probleme auf diesem Planeten bewusst sind. Aber im Alltag muss man auf sich schauen. Das ist wohl der natürliche Lauf der Dinge. Wahrscheinlich werden wir uns bald selbst auslöschen. (lacht) Aber der Erde wird das nichts ausmachen, eher im Gegenteil. Wir sind einfach nur eine weitere Spezies, da brauchen wir uns nichts vormachen. Wir sind überhaupt nichts besonderes.

Wenn du ein anderes Leben hättest, würdest du etwas anderes machen? Viele Leute, denen ich diese Frage stellen, sagen, dass sie nichts bereuen.

Das ist Quatsch, es ist halt die einfachste Antwort auf diese Frage. Ich würde wahrscheinlich tausend Dinge ändern, vor allem die Art und Weise, wie ich früher über mich und mein Gitarrenspiel dachte. Es dauerte sehr lang, bis ich irgendwann etwas Selbstvertrauen in mich als Gitarristen entwickelte. Wenn ich das ändern könnte, wäre ich ganz anders an die Welt der Musik herangetreten. Aber vielleicht wäre das ja auch wieder schlecht ausgegangen. Ich bin ein recht sensibler Mensch, wahrscheinlich bin ich auch sensibel im Umgang mit der Gitarre. Viele andere sind das nicht, die schnappen sich eine Gitarre und schreddern drauf los, was auch sehr gut sein kann, sehr energiegeladen, aber aus meiner Sicht wirkt das manchmal etwas unbedacht. Das wäre nichts für mich.

Ohne deine sensible Art wärst du wohl nie zu dem Gitarristen geworden, der du heute bist.

Das muss fast eine Rolle spielen, die Art, wie jemand Musik spielt, spiegelt die Persönlichkeit des Künstlers wieder. Oder die Geschichte, die Gefühlswelt.

Blues Boom: Rory Gallagher

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Von seinen Zeitgenossen hoch verehrt, verkörperte der irische Gitarrist die bodenständige Musikalität des Bluesrock.

Wenn je ein Mann die Musik für sich sprechen ließ, dann Rory Gallagher. Auf der Bühne trug er dieselben alten Hemden und Jeans, die er auch im Pub anhatte. Seine Lieblingsgitarre, eine ziemlich lädierte Stratocaster von 1961, sah aus, als hätte er sie auf einem Flohmarkt gekauft, ihre Sunburst-Lackierung war längst von all dem Schweiß und der Abnutzung verblichen. Doch Rory interessierte nicht, wie man aussah, sondern wie man spielte. Und Rory Gallagher war schlicht und einfach einer der besten Gitarristen, die jemals existierten. Er war so gut, dass die Rolling Stones ihm 1975 einen Job anboten, bevor die Wahl schließlich auf Ronnie Wood als Ersatz für Mick Taylor fiel.

Doch Gallagher war nie dazu bestimmt, im Schatten von Jagger und Richards zu stehen. Er war ein geborener Anführer, ein Virtuose an seinem Instrument und ein äußerst ausdrucksstarker Sänger. Zudem waren ihm Hitsingles völlig egal, und er wollte nie nach irgendwelchen Regeln außer seinen eigenen spielen.

Für Rory ging es immer ausschließlich um die Musik. Er war ein explosiver Performer, ein fesselnder Entertainer, doch er hatte nicht das geringste Interesse daran, mit seinem Reichtum oder Ruhm zu prahlen oder davon zu profitieren. Er weigerte sich, Singles zu veröffentlichen, machte nie den Führerschein, trug immer Jeans, lebte bescheiden in London, war berühmt für seine sanfte, höfliche Art und nahm sich Zeit für seine Fans – immer. Wie Gary Moore festhielt: „Er war ein echter Purist. Er hätte
sich nie verkauft. Wie viele Leute kennst du in der Musikindustrie, die so auf ihren Prinzipien beharren? Hätten Künstler wie Rory nicht als Vorbild gedient, wäre das vermutlich das Ende von Qualitätsmusik gewesen“.

William Rory Gallagher kam am 2. März 1948 in Ballyshannon, Grafschaft Donegal, auf die Welt und war ein geborener Gitarrist, ein Naturtalent. Doch er hörte nie auf, zuzuhören, zu lernen und die uralten Techniken des Blues in seiner unendlichen Vielfalt, elektrisch wie akustisch, zu perfektionieren und zu individualisieren. Und genauso ernsthaft war sein Verhältnis zu Country, Country & Western, Folk, Jazz, Boogie, Rock’n’Roll und hartem, geradlinigen Riffing. Gallagher verbrachte seine Lehrjahre in einer Reihe mittelmäßiger örtlicher Bands, bevor er seine wahre Berufung als Gitarrist und Sänger beim Bluesrock-Powertrio Taste fand. Zwischen 1966 und 1970 spielte die Gruppe zwei angesehene Alben ein, eröffnete für Cream bei deren Abschiedsshows in der Royal Albert Hall, war als Support für Blind Faith in Amerika unterwegs und trat neben Jimi Hendrix und The Who beim Isle Of Wight Festival auf.


Trotz der Erfolge mit Taste beschloss Gallagher Ende 1970, die Band aufzulösen und unter seinem eigenen Namen aufzunehmen und zu touren. Und als Solokünstler lieferte er seine beste Arbeit ab. Blues war immer der Kern seiner Musik, doch sein Spektrum reichte von hartem Rock’n’Roll bis hin zu Folk. Bis zu seinem Tod 1995 blieb er ein starrhalsiger Purist, doch in 25 Jahren verkaufte er dennoch über 30 Millionen Platten. Seine Liebe zum Blues hatte schon früh begonnen, als er in seiner Jugend in Derry den Radiosender der US-Armee gehört hatte. „Irgendwie war er an das Programm gekommen“, erinnert sich Rorys Bruder und langjähriger Manager Dónal, „denn ich weiß noch, wie er immer für die Sendung ‚Jazz Hour‘ einschaltete. Er war wie besessen davon. In dieser Sendung stellten sie auch immer wieder Blues-Songs vor. Und es gab etwas Ähnliches bei der BBC, den World Service. Das waren Rorys erste Quellen für Blues. Dann zogen wir in die Stadt, nach Cork. Dort lieh er sich in der Bücherei Bücher über den Blues aus … alles, was irgendwie mit dieser Musik zu tun hatte. Er sah wohl Parallelen zur traditionellen Musik in Irland, und mit unserem Hintergrund spielte auch die wachsende Bürgerrechtsbewegung mit hinein. Der Blues wurde für ihn also gewissermaßen zu seiner adoptierten Musik.“


Als Rory am 14. Juni 1995 mit 47 im Krankenhaus an Komplikationen aufgrund einer Lebertransplantation starb, hinterließ er ein Gesamtwerk, das heute in aller Welt verehrt wird. Er war ein Vorbild für irische Musiker sowie eine Inspiration für alle möglichen Arten von Gitarristen. Zu seinen Ehren wurde in Ballyshannon eine Bronzestatue errichtet, und im Dubliner Stadtteil Temple Bar steht eine Skulptur seiner Gitarre in der Rory Gallagher Corner. Er war ein echter irischer Volksheld und wird das auch immer bleiben.


Killer-Track: ›Pistol Slapper Blues‹

Doll Circus: Rock’n’Rollenbilder aufbrechen

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Wer hat gesagt, Mädels können keinen Rock’n’Roll? Oder sind als Musikerinnen nur dann erfolgreich, wenn sie Männerfantasien bedienen? Setzen, sechs! Doll Circus treten euch in den Allerwertesten und befehlen: EAT THIS!

So nämlich lautet der Titel des Debüts der oberbayerischen All-Bad-Girl-Group. EAT THIS! – mit Ausrufezeichen – ist der laute Einstand von fünf Musiknerds, die Ende 2019 aus dem ehrlichsten Grund eine Band gegründet haben, den es nur gibt: aus Spaß. Nicht, um berühmt zu werden, damit das kleine Kind im Inneren in Sachen Selbstwertgefühl endlich wachsen kann. Und auch nicht, um mit Virtuosentum zu prahlen, ihr Ego zu füttern oder ihr defizitäres Sexualleben auf Spur zu bringen, was so viele ihrer männlichen Kollegen antreibt, zu einem Instrument zu greifen. Shake, The Snake (Gesang), Vero Pistolero (Bass), Terry Lee & Spacecat Katharella (beide Gitarre) sowie Mini Vanilli (Schlagzeug) kennen sich schon ewig, entstammen dem gleichen Freundeskreis und sie eint ein Musikfanatismus, in dessen Zentrum nun mal der Sound einer Männerdomäne steht.

Hervorgegangen aus einer Coverband, schmeißen die fünf ihre individuellen Vorlieben in einen Topf und lassen sich von dem überraschen, was bei den mitunter Bier-befeuerten Sessions im Proberaum herauskommt. „Bei uns ist jede am Songwriting beteiligt“, erklärt Sängerin Shake, The Snake das Arbeitsprinzip. „Wir jammen rum und wenn einer eine Idee kommt, probieren aus, ob sie funktioniert.“ Dabei haben sich Doll Circus bei ihrer Gründung nicht von vornherein auf einen klar definierten Sound festgelegt. „Dass wir eine Rock’n’Roll-Band sein wollen, war von Anfang an klar“, so Shake. „Aber da wir noch nie zuvor einen Song geschrieben haben, hat sich alles ziemlich natürlich entwickelt. Auf EAT THIS! findet man den kleinsten gemeinsamen Nenner von uns fünf.“ Gitarristin Katharella ergänzt: „Was unsere Musik ausmacht ist, dass jeder aus einem Song das herausziehen kann, was ihm persönlich gefällt. Dadurch haben wir schon jetzt eine riesige Bandbreite an Leuten begeistern können. Das wollen wir ausnutzen, um vielleicht auch Jüngere wieder zur Rockmusik zu bringen.“ Da die Band vom Alter her eine Spanne von 26 bis 41 Jahren abdeckt, variieren auch die einzelnen musikalischen Präferenzen. So würde man in einer gemeinsamen Playlists unterschiedlichste Genres der Gitarrenmusik finden, von OldSchool Punk, Metal, 90er-Jahre Alternative und Punkrock bis hin zu Vintage und Stoner Rock, Doom und AC/DC.

Frauen im Rock’n’Roll: Nein, das ist kein Genre. Und auch nicht neu, doch es hat leider selbst 2021 trotz The Runaways, Girlschool, dem Riot-grrrl-Movement und der unzähligen female-fronted Metalbands dieser Tage offenbar noch immer eine exotische Anmutung. Sind Doll Circus mit dem Anspruch angetreten, ein Stachel im Fleisch des Patriarchats zu sein? „Am Anfang nicht, da hatten wir gar keine Agenda. Wir wollten einfach nur Spaß haben“, erläutert Shake. „Es hat sich mit der Zeit automatisch ergeben, da wir nun mal fünf Frauen sind, die in einem von Männern dominierten Genre mitmischen. Erst an den Reaktionen haben wir gemerkt, dass allein der Umstand, dass einige Texte aus einer weiblichen Perspektive geschrieben sind, für manche Männer wohl schon zu viel ist. Ein Song wie ›Masturbator‹ war am Anfang komplett witzig gemeint. Die Idee kam mir beim Autofahren, ich dachte: ,Im Rock’n’Roll singen alle ständig übers Ficken, dann singe ich jetzt mal über Selbstbefriedigung.‘ Ich hab mir dabei wirklich nichts gedacht. Im Nachgang habe ich dann mitgekriegt, dass manche Männer es befremdlich finden oder sich sogar drüber aufregen. Dabei ist ›Masturbator‹ ja überhaupt nicht sexistisch und greift niemanden an. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Nummer etwas auslöst, finde das aber gut.“

Dope Lemon: Entspannt ins Unbekannte

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Dope Lemon nennt sich das lässige Alter Ego von Angus Stone, jenem bärtig-verwuschelten Australier, der hauptberuflich zusammen mit seiner Schwester Julia herzerweichenden Lagerfeuer-Folk macht und sich damit inzwischen in die Herzen von Millionen von Menschen gespielt hat. Bei Dope Lemon geht es etwas weniger sanft zu – auch wenn die auf seiner eigenen Ranch produzierte Musik absolut entspannt vor sich hinfließt und Ansätze aus Psychedelic, Classic Rock und Soul mit dem ruhigen Plätschern von Loungemusik verwebt. Textlich gesehen werden hier jedoch gerne mal Themen wie wilde Feierei, cooles Cruisen, Bier, Schnaps und Koks angepackt, so wie auf dem letzten Werk SMOOTH BIG CAT von 2019, das vom Coolness-Faktor her im untersten Fach des Gefrierschranks angesiedelt werden musste.

Nonchalant wie eh und je geht es auch auf dem neuen ROSE PINK CADILLAC zu, und das, obwohl die Platte im Grunde ein Liebesalbum geworden ist: „Dope Lemon hat mir eine ganz neue Welt eröffnet, hier kann ich mit dem Storytelling auf Abenteuerreise gehen. Liebe ist das Schlüsselthema des Lebens, es bringt Freude, es bringt Menschen zusammen, Geschichten, die man teilen kann.“ Stone dehnt die Silben während des Sprechens, macht viele Pausen, krächzt leise mit rauer Stimme und einem Akzent, so zäh und golden wie Sirup in der Sonne. „Wenn du das erste Mal ein Liebeslied hörst und gerade dabei bist, dich zu verlieben – daraus entstehen diese Verbindungen zur Musik, die du ein Leben lang mit dir trägst. Wenn Menschen zu mir
kommen und mir erzählen, dass sie bei einer meiner Shows oder zu einem meiner Songs jemand ganz besonderes kennengelernt haben, dann ist das das Schönste für mich.“

Warum der ROSE PINK CADILLAC, dieses mystische Vehikel, nicht nur in ›Dead Flowers‹ von den Rolling
Stones vorkommt, sondern auch Dope Lemons neues Amore-Album betitelt, begründet Stone mit einer nächtlichen Begegnung, die ihn nicht mehr losließ. „Ich hatte einen Traum, in dem ich jemanden traf. Ein sehr psychedelischer Traum, in dem auch ein pinker Cadillac vorkam. Als ich aufwachte, ging ich noch am selben Abend ins Studio und die Geschichte schrieb sich fortan ein bisschen von selbst. Manchmal geht es eben so leicht. Ein Gedanke manifestiert sich in deinem Hirn, du träumst davon, etwas entsteht daraus. Der Song dazu ist relativ einfach gestrickt, trägt dich aber in die Weite. Yeah … weniger ist mehr und mehr ist zu viel“, flüstert
Stone jetzt fast schon verschlafen (oder verträumt?) in den Telefonhörer. Die wichtigsten Elemente einer Dope-Lemon-Platte? „Das Gefühl, aufzuwachen, einen neuen Tag zu spüren. Sich auf das Unbekannte zu freuen, das vor einem liegt. Es ist cool, nicht zu wissen, was die Zukunft bereithält. Mit Dope Lemon kann ich meiner Fantasie freien Lauf lassen, außerhalb der Norm agieren. Ich liebe es, musikalisch so frei zu sein, alles loszulassen und zu genießen.“

Video der Woche: Johnny Cash ›Hurt‹

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Heute wäre einer der größten Musiker des 20. Jahrhunderts 90 Jahre alt geworden – Happy Birthday Johnny Cash.

Mitte der 90er Jahre erfand sich der Man in Black in seiner gemeinsam mit Rick Rubin aufgenommenen AMERICAN RECORDINGS-Reihe noch einmal neu. Neben ein paar eigenen Songs befinden sich darauf überwiegend Cover-Versionen. Eine der ungewöhnlicheren ist sicher Cashs Version des Nine-Inch-Nails-Hits ›Hurt‹.

Cashs Interpretation des Titels ist außergewöhnlich, so fragil, zart, streckenweise gebrochen. Man merkt, dass er alt und krank ist, jedoch keine Schwäche, sondern die tiefe Kraft, die immer noch in ihm steckte.

Der Song wurde zu einem großen Erfolg, was mitunter auch am außergewöhnlichen Video lag. Trent Reznor, der anfangs nicht wirklich überzeugt von Cashs Version war, wurde letztendlich von diesem überzeugt. Die Gegenüberstellung des in die Jahre gekommenen Man in Black mit seinem lebhaften jungen Selbst berührte Reznor tief. „Es war nicht mehr mein Song“, gab er einmal zu.

Und nicht nur Reznor sah den Clip als großes Kunstwerk an, sondern auch die restliche Musikwelt. Es gewann sowohl einen Preis der Country Music Association wie auch einen Grammy und machte Cash kurz vor seinem Tod am 12. September 2003 auch für die junge Generation zu einer Legende.

Die ausführliche Geschichte über ›Hurt‹ könnt ihr auch in der aktuellen Classic Rock Ausgabe nachlesen.

Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

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Jetzt in den Regalen der Plattenläden: die neuen Alben der Scorpions, von D’Virgilio, Morse & Jennings, Gang Of Youths, Hammerfall und Spiritualized.

Scorpions: ROCK BELIEVER

„ROCK BELIEVER avanciert zu einer rundum gelungenen, erdigen Scheibe, die so von einer Band mit über 100.000.000 verkaufter Platten nicht selbstverständlich ist.“

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D’Virgilio, Morse & Jennings: TROIKA

„Nach mehreren Durchläufen keimt unweigerlich die Hoffnung auf, dass TROIKA kein Einzelwerk bleibt und die Drei dieses Projekt mit weiteren Veröffentlichungen und Konzerten fortführen.“

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Hammerfall: HAMMER OF DAWN

„Auf HAMMER OF DAWN gibt es zehn Mal hymnischen Heavy Metal mit großen Melodien, einprägsamen Chorussen, Mitgrölparts, harmonischen Twin Guitars und flotten Double-Bass-Drums sowie groovigen Mid-Tempo-Parts.“

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Gang Of Youths: ANGEL IN REALTIME

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Spiritualized: EVERYTHING WAS BEAUTIFUL

„Als Reaktion auf die zermürbende Akribie, die vor drei Jahren mit AND NOTHING HURT ihren Höhepunkt fand, rückt der Brite nun verstärkt pulsierende Nummern wie ›Best Thing You Never Had‹ oder ›The A Song‹ in den Fokus, die vertraute psychedelische Opulenz mit der elektrisierenden Energie der Live-Auftritte Spiritualizeds brillant vereinen.“

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