0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Start Blog Seite 251

Scorpions: ROCK BELIEVER

Raus aus der Komfortzone

ROCK BELIEVER ist die erste Scorpions-LP seit SAVAGE AMUSEMENT (1988), die bis auf das hervorragende ›Seventh Sun‹ gänzlich ohne externe Songwritingbeiträge und im kompletten Bandgefüge aufgenommen wurde. Mit dem überraschenden Abschied von der in den letzten drei Jahrzehnten erfolgreich praktizierten Arbeitsweise katapultiert sich die Hannoveraner Rocklegende postwendend zurück in die prägendste Epoche ihrer Karriere. Bereits die ersten Sekunden des Openers ›Gas In The Tank‹ versprühen das Vintage-Scorpions-Feeling einer klassischen 80er-Schenker/Meine-Komposition. Schenkers fette Arena-Riffs und Meines charmante Lyrics klingen dabei über die komplette Distanz von ROCK BELIEVER so frisch, als wären Marty McFly und Doc Brown mit einem zwischen LOVEDRIVE (1979) und LOVE AT FIRST STING (1984) entstandenen „Lost Album“ im Jahr 2022 gelandet. Ein weiteres Highlight von ROCK BELIEVER sind Matthias Jabs’ Soloeinlagen. Jabs beweist dabei erneut sein besonderes Gespür für virtuose und gleichzeitig songdienliche Saitenakrobatik. Gemeinsam mit der tighten Performance der Rhythmussektion, bestehend aus Mickey Dee (u. a. Ex-Motörhead, Ex-King-Diamond) an den Drums und Paweł Mąciwoda am Bass, avanciert ROCK BELIEVER zu einer rundum gelungenen, erdigen Scheibe, die so von einer Band mit über 100.000.000 verkaufter Platten nicht selbstverständlich ist.

8 von 10

Scorpions/ROCK BELIEVER/VERTIGO/UNIVERSAL

Gang Of Youths: ANGEL IN REALTIME

0

Neuanfang in Europa

In der australischen Heimat haben Gang Of Youths schon zwei Longplayer plus ein MTV UNPLUGGED draußen, in der alten Welt sind sie ein noch nahezu unbeschriebenes Blatt. 2011 in Sydney gegründet (das zweite Album GO FARTHER IN LIGHTNESS wurde mit mehreren ARIA-Awards ausgezeichnet), zog die Band um Sänger/Gitarrist Dave Le’aupepe 2017 in die britische Metropole, wo sie praktisch wieder bei null anfangen musste. Innerhalb nur eines Jahres hat sich das Quartett – vervollständigt durch Max Dunn (Bass), Jung Kim (Gitarre, Keyboards), Donnie Borzestowski (Schlagzeug) und Tom Hobden (Keyboards, Gitarre, Violine) – am neuen Standort eine zweite Karriere erspielt und das trotz des herben Verlustes von Gründungsmitglied und Leadgitarrist Joji Malani, der vor drei Jahren ausstieg. Textlich beschäftigt sich ANGEL IN REAL TIME mit dem Tod von Le’aupepes Vater, der 2018 verstarb und von dessen Geist die Platte mal unterschwellig, mal ganz offensichtlich durchdrungen ist, etwa wenn es um die konkreten persönlichen Erfahrungen von Verlust geht. „Our father had a lot of painful memories, a bunch of shit he never shared, but when he died I went out looking for them, for all the things he never said“ heißt es etwa in ›Brothers‹, dem wohl besten von 13 ausgezeichneten Tracks. Zu ›Angel Of 8th Ave.‹ muss man sich bewegen, stillsitzen ausgeschlossen. ›The Returner‹, ›The Kingdom Is Within You‹ und auch die dritte Single, ›Tend The Garden‹, schlagen in eine ähnlicher Kerbe. Eine emotionale, tiefgründige, positive Vibes versprühende Melange aus Jeff Buckley, James (›Unison‹), Hothouse Flowers (›In The Wake Of Your Leave‹), Rufus Wainwright (›You In Everything‹), dEUS, Elbow (›Spirit Boy‹) und einer Nuance U2 (als sie nochimstande waren, gute Songs zu komponieren, was auch schon wieder zwei Dekaden her ist). Schon jetzt ein Highlight im noch sehr jungen Jahr.

9 von 10 Punkten

Gang Of Youths/ANGEL IN REAL TIME/WARNER

Spiritualized: EVERYTHING WAS BEAUTIFUL

0

Unvergleichlicher Spacemen-Rock, neu geerdet

Mit dem Kopf in den Wolken feilt Jason Pierce schon seit Jahrzehnten an seiner einzigartigen Vision eines allumfassenden Sounds zwischen epischem Space-Rock, süßem Country, herzergreifendem Soul und wildem Free-Jazz, der immer wieder neue Blüten treibt. Auf der neuen LP seiner Band mag eine Crooner-Ballade wie ›Crazy‹ dafür sorgen, dass die wohlige Melancholie und der detailverliebte Perfektionismus der Vergangenheit nicht vollends verschwinden, trotzdem verschiebt sich der klangliche Fokus spürbar. Als Reaktion auf die zermürbende Akribie, die vor drei Jahren mit AND NOTHING HURT ihren Höhepunkt fand, rückt der Brite nun verstärkt pulsierende Nummern wie ›Best Thing You Never Had‹ oder ›The A Song‹ in den Fokus, die vertraute psychedelische Opulenz mit der elektrisierenden Energie der Live-Auftritte Spiritualizeds brillant vereinen. Dass beim LP-Titel erneut Kurt Vonneguts berühmter Antikriegs-Roman „Slaughterhouse Five“ Pate stand, unterstreicht aber auch: EVERYTHING WAS BEAUTIFUL ist keine echte Abkehr von den AND-NOTHING-HURT-Tugenden, sondern viel- mehr die Kehrseite derselben Medaille.

8 von 10 Punkten

Spiritualized, EVERYTHING WAS BEAUTIFUL, BELLA UNION/PIAS/ROUGH TRADE

Hammerfall: HAMMER OF DAWN

0

Schwedische Wertarbeit

Mitte der 90er war es eine Sensation, als junge Musiker nach dem Abflauen der Grunge-Welle plötzlich wieder klassischen Heavy Metal spielten. Allen voran HammerFall. Zwölf Alben und 25 Jahre später hat sich der Musikmarkt extrem verändert, doch HammerFall sind immer noch sehr erfolgreich und haben sich musikalisch im Grunde kaum verändert. Auch auf HAMMER OF DAWN gibt es zehn Mal hymnischen Heavy Metal mit großen Melodien, einprägsamen Chorussen, Mitgrölparts, harmonischen Twin Guitars und flotten Double-Bass-Drums sowie groovigen Mid-Tempo-Parts. Auch der hohe Gesang von Joacim Cans klingt immer noch, als wäre dieser ein junger Hüne, auch wenn er dieser Tage singt, er sei ›Too Old To Die Young‹. Nicht zu vergessen, die klischeebeladenen Lyrics, die wohl eher nichts für den Pulitzerpreis wären, zu einem klassischen Heavy-Metal-
Album aber wie die Faust aufs Auge passen. Machen wir’s kurz: Wer HammerFall liebt, dürfte auch mit HAMMER OF DAWN schnell warm werden. Wer mit der Band bislang nichts anfangen konnte, wird wohl auch hier nicht mehr bekehrt werden.

7 von 10 Punkten

Hammerfall, HAMMER OF DAWN, NAPALM/UNIVERSAL

D’Virgilio, Morse & Jennings: TROIKA

Akustischer Leckerbissen und ein Rocker

Die Geschichte von TROIKA startet 2020, als Neal Morse (Spock’s Beard, Transatlantic) während des ersten Lockdowns ein paar Stücke schreibt, die so gar nicht zu seinen Stammkapellen passen wollen. Um die
Weihnachtszeit denkt er darüber nach, mit wem er die Songs am besten im Studio zum Leben erweckt. Spontan fallen ihm Ross Jennings (Haken) und sein ehemaliger Spock’s-Beard-Kollege Nick D’Virgilio ein. Nach ein paar Mails ist das Projekt beschlossene Sache. Es wird gemeinsam fleißig komponiert und der Weg für TROIKA ist geebnet. Am Ende stehen neun relaxte, auf Akustikgitarren basierende Tracks, mit ›Second Hand Sons‹ eine waschechte 70er-Classic-Rock-Nummer und der Hybrid aus den beiden Extremen mit ›My Guardian‹ auf der Habenseite des Trios. D’Virgilio, Morse und Jennings liefern dabei am Mikro herrliche Harmoniegesänge und packende Solopassagen zu den reduzierten Arrangements ab. Nach mehreren Durchläufen keimt unweigerlich die Hoffnung auf, dass TROIKA kein Einzelwerk bleibt und die Drei dieses Projekt mit weiteren Veröffentlichungen und Konzerten fortführen.

D’Virgilio, Morse & Jennings, TROIKA, INSIDE OUT/SONY

Was machen eigentlich 38 Special?

0

Namenlos übte man in einer alten Lagerhalle im Wald. Aus Angst vor Diebstahl war die Location gut verriegelt und vernagelt. Bis eines Nachts die örtlichen Cops auftauchten. „Vorab sei gesagt, dass wir den Schlüssel für die Kette an der Tür verloren hatten, sodass wir alle durch das Fenster hineinklettern mussten – und wir hörten, wie einer der Jungs da draußen sagte, er müsse das Schloss abschießen, wie in den alten Western. Er hatte eine 38er Spezial, die das für ihn erledigen sollte. Als wir in unserem ersten Club spielten, hatten wir noch keinen Namen für die Band und dachten an diese lustige Geschichte zurück“, erzählt Sänger, Gitarrist und letztes aktives Originalmitglied Don Barnes die Story hinter dem Namen. Apropos Name: Die Geschichte von 38 Special ist eng mit dem im Southern Rock berühmten Nimbus Van Zant verbunden.

Sänger Donnie Van Zant, Bruder des früheren Lynyrd-Skynyrd-Sängers Ronnie und des heutigen-Frontmanns Johnny, gründete die Truppe 1975 zusammen mit Barnes und anderen in Jacksonville, Florida. Da man zu Beginn eher typisch südlich klang, gab Ronnie den Ratschlag, mit dem Kopieren aufzuhören. Nach zwei Southern-Alben ging es Ende der 70er hin zu AOR- und Mainstreamrock. Der neue Weg und ROCKIN’ INTO THE NIGHT mit der von Jim Peterik von Survivor geschriebenen Titelnummer brachten erste Erfolge, WILD EYED SOUTHERN BOYS mit der Peterik-Komposition ›Hold On Loosely‹ schließlich den Durchbruch und SPECIAL FORCES von 1982 Platin. Die 80er sorgten für Hits wie ›Teacher, Teacher‹ und ›Second Chance‹, erfolgreiche Tourneen, aber auch den Abschied von Barnes aus der Band. In den 90s kehrte er zurück und seitdem befindet sich auch der ehemalige Cactus-Drummer Gary Moffatt mit an Bord.

RESOLUTION schlug sich 1997 dank ›Fade To Blue‹ gut in den Mainstreamrock-Charts. Die 00er Jahre waren stark von Liveauftritten und Tourneen geprägt. Und von Abschieden. 2012 starb Original-Bassist Ken Lyons, ein Jahr später ging Donnie Van Zant aufgrund gesundheitlicher Probleme wie einem fortschreitenden Hörverlust in Rente. Er ist aber bis heute der Band als Songwriter verbunden und besitzt zusammen mit Barnes die Rechte am Namen. Dieser ist seit 2019 mit Keyboar- der Bobby Capps, Bassist Barry Dunaway, der lange Zeit mit Yngwie Malmsteen zusammenspielte, und Gitarrist Jerry Riggs unterwegs. Und zwar ausgiebig an der Konzert Front, das letzte Album, LIVE FROM TEXAS, – bezeichnenderweise ein Mitschnitt – stammt von 2011. Mit jährlich annähernd 100 Shows in Amerika ist die Band, die über 20 Millionen Plattenverkäufe auf der Habenseite hat, beliebt und gebucht wie nie zuvor. Termine stehen schon bis in den Frühling des nächsten Jahres fest. Eine Rückkehr ins Studio aber wohl leider nicht.

Mark Lanegan: Künstler im Alter von 57 Jahren gestorben

0

Mark Lanegan ist mit nur 57 Jahren gestorben. Der Künstler wurde als Frontman der Screaming Trees in den 90er Jahren berühmt. Über die Todesursache wurde bisher nichts bekannt gegeben. Einer Meldung auf seinem offiziellen Twitterkanal zufolge starb er in seinem Haus in Killarney, Irland.

Robert Plant & Alison Kraus: RAISE THE ROOF

0

Das Duo hat 2021 RAISE THE ROOF veröffentlicht, den Nachfolger zu dem äußerst erfolgreichen Album RAISING SAND. Und das Warten hat sich absolut gelohnt.

An einem Zeitpunkt im Lockdown, als Robert Plant das Aufräumen zu einem neuen Hobby erkoren hatte, tauchte seine Ex-Frau mit einer riesigen Truhe vor seiner Haustür auf, in der sich all seine Bühnenklamotten ab 1971 befanden. Diese Sammlung, die vermutlich zahllose Schlaghosen der Größe XS und gemusterte Hemden enthielt, die noch nie zugeknöpft worden waren, schickte den einstigen Frontmann von Led Zeppelin auf eine Reise durch die Windmühlen in seinem Kopf. „Die Verrücktheit meines Lebens wurde mir so gewissermaßen vor die Füße gelegt“, erinnert er sich. „Da stellte ich fest, dass ich tatsächlich mein Dasein und all meine Abenteuer über die gesamte Zeit nachverfolgen konnte, im Guten wie im Schlechten.“ Es war eine willkommene Abwechslung für Plant, der ein viel jüngeres Artefakt feiern wollte, aber nicht wusste, wann es das Licht der Welt erblicken würde. Die Sessions zu RAISE THE ROOF, seiner lang ersehnten Reunion mit Bluegrass Superstar Alison Krauss und dem Nachfolger ihres gemeinsamen, Grammy-prämierten Albums RAISING SAND von 2007, waren in Nashville abgeschlossen worden – kurz, bevor die ganze Welt zu Hause eingesperrt wurde.

Plant, der stets unbeirrt vorwärts schreitet, war vor den Kopf gestoßen davon, dass sein neuestes Werk im Regal verstaubte. „Wir waren nicht die Einzigen, die in diese Falle tappten, so begeistert und aufgekratzt über das Ganze zu sein, es auflegen, abspielen zu wollen – und plötzlich waren sechs Monate verstrichen“, sagt er. Vor kurzem legte er die Platte dann noch mal für eine letzte Kontrolle auf und sie bestand die Prüfung. „Ich war ganz verzaubert von ihrem Klang.“ RAISE THE ROOF erschien schließlich im November und war das Warten wert. Unter der Ägide des amerikanischen Produzenten-Gurus T Bone Burnett, der schon den Vorgänger betreut hatte, wurde daraus eine perfekte Mischung aus Country-Soul, Americana-Grooves und bluesigen Balladen. „Ein bisschen dunkler Shuffle ist auch darauf zu hören“, so Plant. „Deshalb trägt T Bone dunkel getönte Brillengläser – diese Augäpfel sollte man besser nicht sehen.“ „Ich finde, da steckt auch viel Freude drin“, fügt Krauss hinzu, die es als ein sehr glückliches Wiedersehen bezeichnet. „Viel Freude und viel geheimnisvolle Faszination.“


Wie schon bei RAISING SAND ist das dynamische Zusammenspiel der beiden Stimmen die Basis für den Triumph, was Krauss auf ihre gegensätzlichen Wurzeln zurückführt: „Ich denke, die Tatsache, dass wir musikalisch aus so verschiedenartigen Umfeldern stammen, lässt etwas sehr Einzigartiges entstehen. Da hast du Leute, die zusammenarbeiten, aber keine Kompromisse eingehen, was ihr Wesen betrifft. Ich wuchs mit traditioneller Musik auf, ebenso wie Robert, aber es war einfach ein völlig anderer Weg. Ich wuchs auf der Seite von Jimmy Rogers auf, er auf der Seite von Robert Johnson. Das ist ein wundervoller Kontrast, und den hört man auf den Platten.“ Burnett sagt, wenn Plant und Krauss zusammen singen, entstehe daraus ein magisches neues Selbst, ein Zauber der Alchemie, der aus der Verbindung ihrer Tonfälle erwachse. „Das kann man nicht planen“, strahlt er, „das ist etwas, das einfach passiert. Ich denke, wir drei haben alle sehr viel musikalische Archäologie betrieben. Es ist so faszinierend, wenn Robert etwas aus dem Nichts zieht, und Alison lag viel daran, dass wir dem Ganzen eine positive Stimmung verleihen. Sie hat ein großartiges Gespür dafür, wofür die Band stehen und wie sie klingen sollte.“

Seit RAISING SAND hatte das Duo oft darüber gesprochen, einen Nachfolger zu machen, es musste nur die Zeit dafür gefunden werden. „Es fühlte sich an, als sei es nicht einen Moment zu früh passiert“, sagt Krauss. „Man will, dass etwas inspiriert ist, nicht erzwungen oder konstruiert. Diese Platte ergab sich fast wie von selbst. Es war der richtige Zeitpunkt.“ Plant erinnert sich, dass die Sessions zunächst nur provisorisch waren, bis beide zu dem Schluss kamen: „Was haben wir zu verlieren?“ „Das ist ein toller Urlaub, den wir miteinander verbringen“, sagt er, „und etwas, auf das wir uns freuen, aber immer mit einer gewissen Nervosität – wir haben beide ziemlich ausgeprägte Meinungen.“ Jetzt, wo das Album endlich das Licht der Welt erblickt hat, wäre der nächste logische Schritt, damit auf Tour zu gehen. Alle, die das Glück hatten, die umjubelte Tournee
zu RAISING SAND zu erleben, erinnern sich mit größter Freude daran, und es war ein Triumphzug, den sie gerne wiederholen würden. „Ich denke, das wäre grandios“, sagt Krauss. „Das letzte Mal war es ein fantastisches Erlebnis, und ich habe keinerlei Zweifel, dass wir wieder sehr viel Spaß hätten. Es war eine wirklich tolle, spontane Liveshow, wir hatten unglaubliche Musiker dabei und es entwickelte ein richtiges Eigenleben.“ Die Entstehung von RAISE THE ROOF war eine große Freude. Nun ist es an der Zeit für das Duo, diese Freude auch unter die Leute zu bringen. (Niall Doherty)