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Video der Woche: Pink Floyd ›Wish You Were Here‹ (live)

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Heute feiert eines der bekanntesten Gesichter der klassischen Rockmusik seinen 76. Geburtstag. Alles Gute, David Gilmour!

Gilmours Karriere begann durch einen Freundschaftsdienst. Sein Schulfreund Syd Barrett holte ihn 1968 zu seiner Band Pink Floyd, damit Gilmour ihn bei Live-Auftritten unterstützte. Als Barrett – psychisch mittlerweile schwer erkrankt – im April des selben Jahres die Band verlies, übernahm Gilmour dort seinen Part. Glück im Unglück wie sich in den kommenden Jahren herausstellte.

Gilmours melodisches Gitarrenspiel und sein Gespür für Soundeffekte wurden schnell stilprägende Elemente von Pink Floyds Musik. Als Roger Waters die Band 1985 verließ, übernahm Gilmour auch die Rolle des Bandleaders. Auch solo nahm er vier Alben auf. Vor allem ON AN ISLAND (2006) und RATTLE THAT LOCK (2015) konnten beachtliche Erfolge erzielen. Heute wird David Gilmour 76 Jahre alt.

In unserem Video der Woche zeigt Gilmour sein ganzes melodiöses Können:

https://www.youtube.com/watch?v=tiF-q2h7tSA

Billy Talent: „Wir müssen füreinander einstehen“

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Ben Kowalewicz (45), der Sänger der kanadischen Rockband Billy Talent, sitzt am heimischen Computer, um mit uns über CRISIS OF FAITH zu sprechen, das erste – und qualitativ gewohnt hochwertige – Album seiner Band seit 2016. Aber wir unterhielten uns auch über seine kleine Tochter und die Bedeutung von Musik gegen das Alleinsein.

Ben, geht es dir gut?
Ja, ich kann mich wirklich nicht beklagen. Meine Tochter ist zwei Jahre alt, und sie sorgt dafür, dass sich mein Tagesablauf total verändert hat. Ich stehe morgens nun zwischen 5:30 Uhr und 6:30 Uhr auf und verbringe meine Zeit damit, hinter ihr herzurennen. Manchmal liege ich jetzt abends schon um 21 Uhr im Bett und bin total erledigt.

Dass ihr seit zwei Jahren wegen Corona nicht touren könnt, hat also auch seine Vorteile?
Das ist natürlich eine zweischneidige Geschichte. Sehr wahrscheinlich ist dieses kleine Mädchen das Tollste, das mir je im Leben passiert ist, und ich liebe es abgöttisch. Als Corona losging, war sie gerade mal sechs Monate alt, und wir sind kurzentschlossen mit ihr in den Norden gegangen, um sie dort in der größtmöglichen
Abgeschiedenheit aufzuziehen. Das war so wie ganz früher, Mutter, Vater, Kind, in der totalen Einöde.

Wie hoch im Norden wart ihr denn genau?
Ungefähr anderthalb Stunden nördlich von Toronto, wo wir normalerweise leben. Wir haben dort ein kleines
Häuschen. Die Zeit war auch für uns nicht leicht und von viel Unsicherheit und Angst geprägt, aber es hatte etwas Wunderbares, praktisch permanent zu dritt zu sein. Die Monate dort oben waren sehr ruhig, sehr friedlich.

Dennoch sagst du, die Erfahrung sei zweischneidig.
Die Kehrseite der Medaille ist natürlich, dass ich das Touren schrecklich vermisse. Es wird wirklich höchste Zeit, endlich wieder zu rocken. (lacht) Ich bin einer von den Menschen, die nicht nur wahnsinnig gerne auf der Bühne stehen, sondern tatsächlich auch das ganze Drumherum einer Tournee genießen. Ich liebe es, im Bus zu fahren, neue Orte und neue Leute kennenzulernen und anderen Bands zuzugucken. An freien Tagen latsche ich immer durch die jeweilige Stadt, setzte mich in ein Café, trinke einen Kaffee oder auch mal ein Gläschen Wein und schaue den anderen Menschen bei ihrem Menschsein zu, während ich allein meinen Gedanken nachhänge.

Hast du in eurer familiären Isolation auch die Songs für CRISIS OF FAITH geschrieben?
Nein, da konnte ich mich beim besten Willen nicht konzentrieren. Die Aufgaben des Alltags mit einem Baby haben mich komplett ausgefüllt, an Musik war da gar nicht zu denken. Es ging nur ums Überleben und darum,
für die anderen da zu sein. Das Album haben wir im Wesentlichen schon Ende 2019 fertig gehabt, zumindest den Songwriting-Teil.

Geht es in dem epischen ›For You‹ denn um dich und dein Baby?
Ja und nein. Die Idee und die Musik des Songs kommen von Ian D’Sa, unserem Mann mit den tausend Talenten, dem großartigen Gitarristen, Songschreiber und Produzenten von CRISIS OF FAITH. Ian hat das Stück über seine Mutter geschrieben, die zu dem Zeitpunkt sehr krank war und später auch verstarb. Und auch meine Tochter spielte mit hinein. Wir hatten das neugeborene Leben und das Leben, das dabei war, ins nächste Kapitel hinüberzuwechseln, es geht in dem Song letztlich um die Essenz purer, unverfälschter Liebe. Und darum, dass die Liebe immer fortbestehen wird, egal, wo die Menschen hingehen. Am Text haben wir dann zusammen gefeilt, es hat eine Menge Arbeit und ziemlich viel Anstrengung gekostet, bis wir ihn rund hatten.

Überhaupt ist auf CRISIS OF FAITH alles enthalten, was ein Billy-Talent-Album ausmacht, oder?
Hymnische Melodien, auf ›End Of Me‹ ein starkes Duett mit Rivers Cuomo von Weezer, überhaupt eine Menge
Rock’n’Roll-Energie, ernste Stücke, aber auch witzige Songs wie die Funk-Rock-Nummer ›Hanging Out With All The Wrong People‹.

Stimmt es, dass du mit 23 wirklich mal kurz im Gefängnis warst, wie du in dem Lied behauptest?
(lacht) Nein, das ist eine erfundene Geschichte. Der Song handelt von einer fiktiven Person, die sich immer mit den falschen Leuten abgibt und am Ende – wie könnte es anders sein – Politiker wird. Wir hatten sehr viel Spaß mit diesem Stück, das mich an Cake und an die Strokes erinnert. Bei uns muss wirklich nicht immer alles bierernst sein, auch wenn wir uns thematisch natürlich nicht vor der Realität verschließen.

Immerhin ist es euch gelungen, veröffentlichungstechnisch Donald Trump auszusitzen. Euer letztes Album kam 2016, da war Obama noch im Amt.
Das ist korrekt, aber mich verfolgt diese Phase in der Geschichte nach wie vor. Die politische Situation war wirklich abartig und furchteinflößend, zeitweise drohte mich das regelrecht aufzufressen. Ich bin erleichtert,
dass wir fürs Erste darüber hinweg sind, aber wir haben ja noch genug andere Probleme zu bekämpfen.

In ›Reckless Paradise‹ sprecht ihr über ehrlose und manipulative Menschen an der Macht.
Ja, da geht es auch, aber nicht in erster Linie um Trump. Er ist ja auch nur ein Symptom einer „Jeder-für-sich“-Egogesellschaft, die uns alle kaputt macht. Wir müssen alle zusammen füreinander einstehen, um diese Grundeinstellung zu bekämpfen und zu verändern.

Was könnt und wollt ihr diesbezüglich erreichen?
Wir als Band sehen uns in der Verantwortung, gute Menschen zu sein und moralische Werte zu achten. Man muss nicht in allem komplett übereinstimmen, und ich denke, solange Ideologien und Ideen nicht bösartig
oder verletzend sind, dann sind sie in Ordnung. Aber Schluss ist für mich dort, wo Toleranz durch pure Ignoranz ersetzt wird.

Die Menschen hören einander kaum noch zu, oder?
Ja, das ist ein Riesenübel. Jemand schrieb neulich, dass wir aktuell in der einsamsten Zeit in der Geschichte der Menschheit leben. Ich glaube, da ist was dran. Viele Menschen fühlen sich fundamental alleingelassen und einsam. Und obendrauf noch diese verdammte Pandemie. Wir müssen trotz allem interagieren, uns artikulieren und mit mehr Mitgefühl aufeinander zugehen, anstatt uns gegenseitig mit Steinen zu bewerfen.

Geht es in ›I Beg To Differ (Things Will Get Better)‹ nicht eigentlich auch um diese Überlegungen?
Richtig. Alle denken, wir hätten den Song als Aufmunterung in Corona-Zeiten geschrieben, aber er entstand schon vor der Pandemie. Die Botschaften, die Ian und ich formulieren, sind ziemlich zeitlos. Unsere Songs beinhalten oft Dinge, die ich als 16-Jähriger, mit meinen damaligen Ängsten und Depressionen, selbst gerne gehört hätte. Ich weiß, wie es sich anfühlt, am Boden zu sein. Und ich weiß, dass Musik, Kunst überhaupt, dir helfen kann, dass du dich weniger verloren fühlst. Deshalb ist diese „Wir werden das gemeinsam durchstehen“-Komponente ein zentraler Baustein unseres Schaffens.

Werkschau: Red Hot Chili Peppers

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Red Hot Chili Peppers 2016Sie sind nicht nur eine der größten Bands, die je aus Los Angeles kamen. Sie mixten auch Funk mit Rock und allerlei mehr, um ihn so in Höhen zu führen, die er zuvor nie erreicht hatte.

Nur wenige Bands hatten so viele zweite Akte wie die Red Hot Chili Peppers. Oder dritte, vierte und fünfte. Gegründet 1983 von den Schulfreunden Anthony Kiedis und Michael „Flea“ Balzary, folgten die Peppers einem unberechenbaren Pfad, der sie von ihren Anfängen als Funk­Rock­Kasper in Hollywood zu einer einigermaßen unwahrscheinlichen Position als elder statesmen des Alternative führte.

Und der Weg dahin war alles andere als ein­fach. Abgesehen von einem ziemlich hohen Verschleiß an Mitgliedern (bis heute acht Gitarristen und vier Schlagzeuger) wurden sie mehr als ein­mal von der Drogensucht aus der Bahn geworfen. Kiedis wurde 1987 aufgrund eines ernsthaften Heroinproblems kurzzeitig aus seiner eigenen Band geschmissen. John Frusciante verwandelte sich in seiner ersten vierjährigen Zeit an Bord von einem enthusiastischen Wunderkind in einen cracksüchtigen Einsiedler, der sich im berühmt­ berüchtigten Hotel Chateau Marmont verbarrika­dierte und mit seinem eigenen Blut Bilder malte.

Und doch erging es beiden noch wesentlich besser als dem Mitbegründer und Gitarristen Hillel Slovak, der im Juni 1988 an einer Überdosis starb, just als die Band kurz vor ihrem internationalen Durchbruch stand.

Doch die Herren sind viel härter im Nehmen, als es ihr Über­Proleten­Image vermuten ließe, und die Seifenopern der vergangenen drei Jahr­zehnte haben bisweilen ihre musikalischen Qualitäten überschattet. Ihr anfänglicher Mix aus kalifornischem Punkrock, Funk, britischem Postpunk und weißem Rap war fast im Alleingang für die Funk­Rock­Explosion Ende der 80er­Jahre verantwortlich.

Und so tragisch Slovaks Tod für die verbliebe­nen Mitglieder war, gab er ihnen doch den nötigen Weckruf, um endlich professioneller zu werden. MOTHER‘S MILK (1989) und das ausladende BLOOD SUGAR SEX MAGIK (1991) lösten jeden­falls das Versprechen ein, das sie bis dahin gegeben hatten. Vor allem Letzteres wurde ein riesiger Erfolg, angetrieben von den unaufhaltsamen Hitsingles ›Give It Away‹ und ›Under The Bridge‹. Der nächste Stolperstein folgte aber auf dem Fuß: Frusciante stieg während der Tour zu diesem Album aus – der Beginn einer ausgedehnten chao­tischen Phase, die erst sein Wiedereinstieg zu CALIFORNICATION (1999) erneut beenden konnte.

Über das letzte Jahrzehnt haben sie hinge­gen ihren erwachsenen Groove gefunden, der ihre scheinbar unerschöpfliche Energie mit der Weisheit und Experimentierfreude des Alters verbindet. Selbst Frusciantes erneuter Ausstieg 2009 konnte sie dabei nicht aufhal­ten. Mehr als 30 Jahre nach ihrer Entstehung haben die Red Hot Chili Peppers ihren Platz neben den Beach Boys, den Doors, den Eagles, Van Halen und Guns N‘ Roses im Pantheon der klassischen Bands aus Los Angeles gefunden.

Unverzichtbar

MOTHER‘S MILK
EMI, 1989


Auf ihren ersten drei Alben hatten die Peppers ihren Claim als L.A.s größte Partylöwen abgesteckt. Auf diesem, ihrem vierten jedoch fingen sie an, erwachsen zu werden – und musikalisch zuzulegen. Geschrieben und aufgenommen im langen Schatten von Hillel Slovaks Tod, ist dies der Klang einer Band, die ihre Trauer auf die einzige Weise verarbeitet, zu der sie fähig ist: mit einer Party. Doch wo der atemlose Funk und die Hochdruck-Energie auf ›Good Time Boys‹ und ihrem Cover von Stevie Wonders ›Higher Ground‹ erhalten bleiben, kann der euphorische Pop-Rock-Sturm von ›Knock Me Down‹ Kiedis‘ Schmerz über den Verlust seines Freundes kaum verbergen.

CALIFORNICATION
WARNER, 1999


Die Chilis waren schon die „L.A.ste“ aller L.A.-Bands, und dies ist ihr L.A.stes Album. Was genau der Grund dafür ist, warum es so brillant ist. John Frusciantes Rückkehr hatte frischen Wind in die Reihen der Peppers gebracht, wodurch eine Platte entstand, die so dynamisch, weiträumig und komplex ist wie die Stadt, die sie hervorbrachte. Der Funk-Rock vergangener Tage wird hier nicht unbedingt abgehakt, sondern vielmehr zu etwas Reiferem, Intelligenterem geschliffen. ›Around The World‹ und ›Parallel Universe‹ hielten das Energielevel hoch, doch es sind die langsameren Songs wie ›Scar Tissue‹, ›Otherside‹ und der Titeltrack, die eine nachdenklichere, maßvollere Seite zeigen, die den Weg der Jungs in die Zukunft weisen sollte.

Wunderbar

THE UPLIFT MOFO PARTY PLAN
EMI, 1987

Uplift Mofo Party Plan von Red Hot Chili Peppers
Trotz Kiedis‘ zunehmender Heroinsucht war der Drittling das bislang muskulöseste und kohärenteste Werk der Chilis. Ein Verdienst von Pro du zent Michael Beinhorn, der ihren Fokus auf den Rock schärfte. Das Beastie-Boys-eske ›Fight Like A Brave‹ ist ihre erste große Rap-Rock-Hymne, während ›Behind The Sun‹ das machohafte Brusttrommeln zugunsten glückseliger Psychedelic zurückstellt. Je weniger Worte man über ›Special Secret Song In side‹ (aka ›Party On Your Pussy‹) verliert, desto besser. Aber hier wurde die Band zu dem, was wir kennen und lieben.

BLOOD SUGAR SEX MAGIK
WARNER, 1991

Blood Sugar Sex Magic von The Red Hot Chili Peppers
Mit Produzent/Guru/Starmacher Rick Rubin am Steuer ihres fünften Albums wurden die Chilis zu den Megastars, die sie in ihrer Fantasie immer schon waren. Aufgenommen in einem angeblichen Geisterhaus, das einst Harry Houdini gehörte, trifft BLOOD SUGAR SEX MAGIK exakt jenen Punkt, wo Spiritualität und Fleischeslust miteinander kollidieren. ›Give It Away‹, ›Suck My Kiss‹ und ›Sir Psycho Sexy‹ bringen den hibbeligen Funk-Rock auf einen logischen Schlusspunkt. Der herausragende Moment ist zweifellos Kiedis‘ Junkie-Meaculpa ›Under The Bridge‹.

STADIUM ARCADIUM
WARNER, 2006

Red Hot Chili Peppers Stadium Arcadium
Ihr einziges Doppelalbum und ein unterschätztes Werk. Viele taten es als aufgeblasenes Eitelkeitsprojekt ab, doch das ist von der Wahrheit weit entfernt. Der Refrain des gigantischen Openers ›Dani California‹ ist so groß wie das Ballungsgebiet L.A., hinter jeder Ecke findet sich ein Juwel, von ›Snow‹ bis zum Krautrocki-inspirierten ›Animal Bar‹. Vor allem ist es eine Bühne für die Brillanz John Frusciantes, dessen gottgleiche Gitarrenarbeit wie eine passive Übernahme der Band anmutet. Unter den 28 Tracks findet sich nur eine Niete: der stumpfsinnige Funk von ›Hump De Hump‹

BY THE WAY
WARNER, 2002

The Red Hot Chili Peppers By The Way
Wo CALIFORNICATION die triumphale Rückkehr bedeutete, konnte die Band auf diesem Nachfolger wieder durchatmen. Der schwanzwedelnde Machismo von einst ist so gut wie passé, ersetzt durch eine sanftere, fokussiertere Herangehensweise. Was dem Album an knackigem Wumms fehlt, macht es mit Textur wieder wett: das rollende Titelstück, ›Zephyr‹ und der zarte Ska von ›On Mercury‹ erweiterten ihr Klangspektrum noch mal deutlich. BY THE WAY bewies, dass CALIFORNICATION kein Glückstreffer und die Peppers endgültig erwachsen geworden waren.

Anhörbar

THE RED HOT CHILI PEPPERS
EMI, 1984

The Red Hot Chili Peppers Album
In Morgengrauen der Glam-Metal-Ära waren die noch fast kindlichen Chilis eine Anomalie auf dem Sunset Strip neben Acts wie Ratt und Mötley Crüe. Ihre Andersartigkeit wurde auf ihrem Debüt nur
noch unterstrichen. Produzent Andy Gill von den britischen Postpunk-Helden Gang Of Four scheiterte zwar daran, die Energie der Band einzufangen. Doch während das Ergebnis – trocken-funky und seltsam flach – nur stellenweise als RHCP erkennbar ist, sind die Puzzlestücke bereits allesamt vorhanden – sie mussten nur noch richtig zusammengesetzt werden.

FREAKY STYLEY
EMI, 1985

The Red Hot Chili Peppers Freaky Styley
Auf ihrem Zweitling schwang das Pendel ins andere Extrem. Hier saß George Clinton an den Reglern, der abgedrehte Derwisch hinter den Funk-Legenden Parliament. Was auch immer das für ein Zauberpulver war, das er über der Band auskippte – es funktionierte: Sie klangen nie zuvor oder seither so natürlich funky. Die Platte war die Rückkehr für Gitarrist Hillel Slovak, der noch vor dem Debüt ausgestiegen war. Sein mühelos flüssiges Spiel auf Highlights wie ›Jungle Man‹ und ›Catholic School Girls‹ ist nicht minder wichtig für den Chili-Sound als Fleas Bass-Akrobatik oder Kiedis‘ keifende Raps.

I‘M WITH YOU
WARNER, 2011

The Red Hot Chili Peppers I'm With You
Nach dem epischen Statement von STADIUM ARCADIUM gab Frusciantes zweiter, weniger traumatischer Weggang 2009 der Band die Gelegenheit, den Reset-Knopf zu drücken. Das Ergebnis war eines ihrer experimentellsten, vielschichtigsten Alben. Der vormalige Tourgitarrist Josh Klinghoffer kanalisierte die fließende Genialität seines Vorgängers perfekt: ›Monarchy Of Roses‹ und ›The Adventures Of Raindance Maggie‹ klingen wunderbar rund, während das wehklagende ›Brendan‘s Death‹ dem einstigen Mentor Brendan Mullen so herzzerreißend Tribut zollt, wie es für die Band 20 Jahre zuvor völlig undenkbar gewesen wäre.

Sonderbar

ONE HOT MINUTE
WARNER, 1995

Red Hot Chili Peppers One Hot Minute
Auch bekannt als „eine mittelprächtige Stunde“. Auf dem Papier war es vielversprechend, den Ex-Jane‘s-Addiction-Gitarristen Dave Navarro ins Boot zu holen. Doch in Wirklichkeit wurde daraus ein Rohrkrepierer. Beide Seiten kreisten skeptisch umeinander und ließen alle potenziellen Zündfunken im Keim ersticken. ›Warped‹ knistert und zischt noch wie ein psychedelischer Feuerwerkskörper und ›My Friends‹ ist ein gelungenes Wiederaufwärmen der entspannten Atmosphäre, die sie mit ›Under The Bridge‹ perfektioniert hatten. Der Rest ist das müde Sammelsurium einer ausgelaugten Band.

Stereophonics: OOCHYA!

Giganten…

25 Jahre Stereophonics darf man schon mal gebührend feiern. Wie wäre es mit einem neuen Album, das letzte – wahnsinnig gute –, KIND, ist schon ein paar Jahre her. Zwischen-drin gab es von Sänger, Gitarrist und Songwriter Kelly Jones einen sehr tollen Soloausflug (DON’T LET THE DEVIL TAKE ANOTHER DAY). 25 Jahre Stereophonics bedeutet auch sieben Nummer-eins-Alben, zehn Top-10-Alben, 23 Platinauszeichnungen, 8,5 Millionen verkaufte Alben allein in Großbritannien, fünf Brit- Nominierungen und einem Brit-Award-Gewinn. Kommt der Opener ›Hanging On Your Hinges‹ noch vergleichsweise unspektakulär aus dem Startblock, haben die Stereophonics spätestens ab der neuen Single ›Forever‹ alles im Griff. Scheinbar mühelos gelingt Frontmann Kelly Jones abermals ein kompletter Longplayer der Extraklasse. OOCHYA! ist noch einen Tick weniger Rock, weniger Stadion, viel mehr Pop, viel mehr Balladen. Nichts Schlechtes, wenn die Songs so verteufelt gut sind wie ›All I Have Is You‹, eine sich langsam aufbauende Romanze mit dynamischem Ende. Von dem Kaliber hat die Truppe um Jones gleich noch weitere parat: ›Seen That Look Before‹ mit Rod-Stewart-meets-Chris-Robinson-Stimme, die feine Piano-Nummer ›Every Dog Has It’s Day‹ (mit Streichern) sowie das überwiegend akustische ›Leave A Light On‹. Neben den Schnulzen gibt es ein wenig Rock (den tollen Boogie-Rocker ›Running Round My Brain‹ im AC/DC-Terrain und das schon bekannte ›Do You Feel My Love?‹) und ganz ganz viel Pop – ›When You See It‹ mit XXL-Melodie, den feinen Upbeat ›Made A Mess Of Me‹, das feinfühlende Storytelling in ›Right Place Right Time‹, der fast offensichtliche Megahit ›Close Enough To Drive Home‹ und das unglaubliche ›You’re My Soul‹ (was für ein Wohlklang). Die zwei Good- Time-Tracks ›Don’t Know What Ya Got‹ (Mid-Tempo im Stile von Faces) und der fröhliche Spaß von ›Jack In A Box‹ beenden eine Platte, die man sofort wieder umdrehen und noch einmal spielen
will. Erstaunlich, wo Kelly Jones seine Songs immer wieder herzaubert, wenn anderen Musikern schon nach drei Platten nichts mehr einfällt. Dazu diese Stimme – Reibeisen meets Whiskey meets Zaubertrank.

Stereophonics/OOCHYA!/IGNITION/MEMBRAN

Cold Years: Neues Album erscheint am 22.04.

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Am 22. April erscheint das neue Cold-Years-Album mit dem Titel GOODBYE TO MISERY, der Nachfolger zum Debüt PARADISE von 2020. Im Mai kommt die Band nach Deutschland, um die neuen Songs auch live zu performen.

Wie bei allen anderen Künstlern und Künstlerinnen zeigte sich auch die Arbeitsweise der Briten durch den Lockdown und die Pandemie beeinflusst. Anstatt wie früher die Dinge in den Pubs bei einem Bierchen auszuspucken, musste viel per Mail, Zoom und Telefon besprochen werden. Von neuer Energie und neuen Gefühlen durchdrungen, beschloss die Band, sich auszutoben und all ihren Impulsen zu folgen.

Cold Years live erleben:
10.05. Trier, Lucky Luke
11.05. Köln, Blue Shell
16.05. Luzern, Sedel
18.05. Hannover, Mephisto
19.05. Berlin, Frannz
21.05. Hamburg, Headcrash

Videopremiere: Gunwood mit ›Rude Thing‹

2013 gründete Gunnar Ellwanger Gunnwood zusammen mit Bassist Joao Francisco Preto und Schlagzeuger/Perkussionist David Larry Lacombe. Musikalisch sind die Künstler durch ihre Liebe zu Rock, Folk, Grunge und modernem R’n’B, wie die Black Keys ihn präsentieren, verbunden.

Nach einer EP und dem Debütalbum TRAVELING SOUL aus dem Jahr 2017 spielte die von der französischen Presse gefeierte Band über 120 Konzerte, Mastermind Gunnar kooperierte in den letzten Jahren zudem mit zahlreichen anderen Künstlern und Künstlerinnen wie Nina Attal. Am 11. März erscheint nun das zweite Studioalbum, das den Titel DREAM BOAT JANE trägt.

Als Vorgeschmack gibt es heute exklusiv bei CLASSIC ROCK die Single ›Rude Thing‹ zu hören, die im Rahmen der „Dream Boat Sessions“ performt wurde.

Sabaton: THE WAR TO END ALL WARS

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Stählerne Zeitreise

Eine metallische Geschichtsstunde gefällig? Sabaton sind bekanntlich Meister dieses Fachs und das Thema Erster Weltkrieg behandelten sie schon auf ihrem Album THE GREAT WAR von 2019 ausführlich. THE WAR TO END ALL WARS ist thematisch als Fortführung zu sehen, da dieses Kapitel noch nicht zu Ende erzählt war. Die Songs bieten Einblicke in verschiedene Ereignisse und Schlachten dieser Zeit, von der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand bis zum Friedensvertrag von Versailles im Jahr 1919. Auch musikalisch liegen beide Scheiben nah beieinander und bieten klassischen Heavy Metal à la Sabaton: heroisch, eingängig und wuchtig. Dabei zelebrieren die Schweden überwiegend flotte Banger wie ›The Unkillable Soldier‹ oder ›TWTEAW Hellfighter
Master‹, aber auch epische und schleppende Nummern wie ›Dreadnougt‹ oder ›Christmas Truce‹. Unterm Strich steht eine geballte Dreiviertelstunde mit bombigem Sound, die sich äußerst kurzweilig gestaltet – ganz im Gegensatz zu den Geschichtsstunden früher in der Schule.

7 von 10 Punkten

Sabaton/THE WAR TO END ALL WARS/NUCLEAR BLAST/ROUGH TRADE

Mike Campbell & The Dirty Knobs: EXTERNAL COMBUSTION

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Mehr als okaye Rootsrock-Songs vom Tom-Petty-Gitarristen

Zugegeben, das erste Album von Mike Campbell mit den Dirty Knobs vor zwei Jahren ist einigermaßen an mir vorbeigegangen. Zwar wären die Songs von Tom Petty ohne Campbells abgebrüht-pointiertes Gitarrenspiel nicht
dieselben, ganz klar, und auch was er zum Beispiel auf Don Henleys ›The Boys Of Summer‹ macht, ist grandios – aber wenn Begleitmusiker zu Bandleadern werden, geht das oft nicht allzu spannend aus. Innovativ sind die Lieder auf EXTERNAL COMBUSTION jetzt auch nicht geworden, aber, und das ist das Entscheidende, sie sind gut gemacht. In den Texten: klassisch amerikanische Motive – blind vor Liebe im Greyhound-Bus sitzen, Dämonen im
Kopf und im Herzen ein Loch, groß genug, dass ein Sattelschlepper durchfahren könnte. Dazu Heartland-Rock, British Invasion, Anflüge von Heavy-Rock, ein Blues-Shuffle zwischendrin. ›State Of Mind‹ ist eine hübsche Americana-Ballade, bei der Country-Sängerin Margo Price mitsingt und gegen Ende soulige Bläser einsetzen, im verloren suchenden ›In This Lifetime‹ wird das Schlagzeug bloß gestreichelt, dazu hören wir eine Slide-Gitarre.
Die Songs haben etwas, ja, Anrührendes an sich – das unterscheidet Campbell von so vielen jüngeren Americana-Epigonen, die Echtheit und Tiefe nur vorgeben.

7 von 10 Punkten

Mike Campbell & The Dirty Knobs/ EXTERNAL COMBUSTION/BMG/WARNER