0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Start Blog Seite 229

The Rolling Stones: LIVE AT THE EL MOCAMBO

Back to the roots: kompletter Club-Gig vom 5. März 1977 samt Bonustracks

Im Rückblick auf nunmehr exakt 60 Jahre Bandinstitution The Rolling Stones überblenden mitunter Verehrung und Verklärung. Als Speerspitze des First British Blues Booms dürfen sich Gründer und Namensgeber Brian Jones, die Dartford Twins Jagger/Richards, Bill Wyman, Charlie Watts sowie die späteren Gitarristen Mick Taylor und Ron Wood gewiss so einige Innovationsorden an die Brust heften. Tatsache bleibt aber auch, dass die Stones als Formation sich auch stets am gängigen Zeitgeist orientierten: AFTERMATH (1966) markierte den
Second British Blues Boom, BETWEEN THE BUTTONS die Swinging-London-Pop-Affinität, THEIR SATANIC MAJESTIES REQUEST den Psychedelik-Zeitgeist und die Platten von BEGGARS BANQUET bis GOATS HEAD SOUP orientierten sich stilistisch am amerikanischen Blues, Soul, R’n’B, Gospel, Folk, Country und Southern Rock. Vor der Auffrischung durch Punk und Disco auf dem in den USA mit sechsfachem Platin prämierten SOME GIRLS (1978) lieferten die Stones auf den Alben IT’S ONLY ROCK’N’ROLL (1974) und BLACK AND BLUE (1976) Querverweise zum Soul, Funk, Jazz und Rock von Bands wie The Meters und Little Feat.

Auf der im September 1977 erschienenen Doppel-LP LOVE YOU LIVE mit Konzertmitschnitten der US-Tour 1975, der Europa-Tour 1976 sowie zwei Clubgigs von 1977 offerierten die Mitschnitte aus den Großarenen vor allem gepflegte Langeweile von hinlänglich Bekanntem. Andererseits belegten die in der El Mocambo Tavern am 4. und 5. März 1977 getätigten Aufnahmen im kanadischen Toronto, dass Jagger, Richards und Co. doch noch zu einem konsequenten Back-To-The-Roots-Ethos fähig waren. Leider verewigte sich das Toronto-Intermezzo seinerzeit nur auf einer von vier LP-Seiten. LIVE AT THE EL MOCAMBO liefert nun erstmals wahlweise auf zwei Silberlingen oder drei LP-Seiten (nachdem seit 1977 diverse Bootlegs kursierten) zumindest das komplette Konzert vom 5. März sowie drei Bonustracks vom Vortag. Allein schon abenteuerlich, wie dieses zweitägige Club-Abenteuer zustande kam: Eine Radiostation verloste Tickets eines Gigs von Kanadas populärer Rockformation April Wine mit unbekannter Vorband namens The Cockroaches im Schlepptau. Seit den seligen Tagen von Ur-Manager Andrew Loog Oldham gelten die Stones ja als Meister kongenialer Selbstvermarktung. Allerdings brachte der Kanada-Aufenthalt die Steine beinahe auch an den Rand ihrer Existenz: Am 27. Februar 1977 stürmten Beamte der Royal Canadian Mounted Police die Suite von Keith Richards im Harbour Castle Hilton und fanden dabei so viel Heroin, dass es zur Anklage wegen Besitzes und eventuellen Weiterverkaufs reichte, was mit sieben Jahren Haft geahndet wurde.

Letztendlich blieb Master Richards ein Einsitzen dann doch erspart. Bei diesen unter Decknamen annoncierten, von Billy Preston (Piano, Keyboards), Ollie Brown (Percussion) und Ian Stewart (Piano, Keyboards) assistierten beiden Auftritten in der El Mocambo Tavern lief die Truppe erstmals seit Jahren wieder zur Höchstform auf, klangen doch selbst die Stones-Klassiker ›Let’s Spend The Night Together‹, ›Jumpin’ Jack Flash‹, ›Honky Tonk Woman‹, ›Brown Sugar‹, ›Tumbling Dice‹, ›Rip This Joint‹, ›All Down The Line‹ und ›Star Star‹ schon lange nicht mehr so anarchisch frisch. Eingeschobene Rhythm’n’Blues- Standards wie Bobby Troups ›Route 66‹, Muddy Waters’ ›Mannish Boy‹, Chuck Berrys ›Around And Around‹, Willie Dixons ›Little Red Rooster‹, Big Maceos ›Worried Life Blues‹ oder das als Reggae verabreichte ›Crackin’ Up‹ von Bo Diddley sprühten nur so vor Energie. Mit im Gepäck befinden sind auch seltener live gehörte Stones-Nummern wie ›Luxury‹, ›Melody‹, ›Hot Stuff‹, ›Crazy Mama‹, ›Hand Of Fate‹, ›Dance Little Sister‹ und ›Fool To Cry‹. Seine Premiere feierte hier das erst auf TATTOO YOU (1981) offiziell veröffentlichte ›Worried About You‹.

10 von 10 Punkten

The Rolling Stones/LIVE AT THE EL MOCAMBO/UNIVERSAL/POLYDOR

Blind Faith: Steve Winwood über die Supergroup

0

Steve Winwood Best Of CoveSie gilt als Mutter aller Supergroups: Blind Faith. Sänger und Keyboarder Steve Winwood erinnert sich daran, wie es zur Gründung der Band kam.

„Im Frühjahr 1969 wollte ich etwas Abstand von meiner Band Traffic gewinnen und traf mich des Öfteren mit Eric Clapton zum Jam in Aston Tirrold, wo unser Proberaum war. Ab und zu besuchte ich ihn auch zu Hause in Surrey. Eines Abends, als ich gerade dort war, klopfte es an der Tür. Ginger Baker war vorbeigekommen, denn er hatte Wind davon bekommen, dass wir gemeinsam ein neues Projekt starten wollten. Ich war sofort Feuer und Flamme, mit ihm zusammen eine Band zu starten. Erst Jahre später, nach Eric sein Buch veröffentlicht hatte, wurde mir bewusst, dass er da gänzlich anderer Meinung war… Ein deutliches Zeichen dafür, dass wir nicht gerade eng befreundet waren und uns auch nicht viel ausgetauscht haben in der Zeit – zumindest nicht über wichtige, ernsthafte Dinge.

Nun ja, das Projekt Blind Faith kam jedenfalls ins Rollen. Und natürlich tauchten sofort eine Menge Probleme auf: mit den Egos der Musiker, den verschiedenen Managements, der Organisation der Proben etc. Das sind unerfreuliche Dinge, mit denen sich bis heute jede Supergroup herumschlagen muss.

Wenn ein Musiker seine erste richtige Band gründet, ist das im Grunde eine recht einfache Angelegenheit. Schließlich hatte er sein ganzen Leben Zeit, sich alles genau zurechtzulegen. Wie die Musik klingen soll, welches Image er gerne hätte, wie viel Zeit er investieren kann usw. Doch dann, wenn das Ganze ein Erfolg geworden ist, stellt sich rasch die Frage, wie es weitergehen soll. Also muss etwas Neues her. Und zwar schnell. Außerdem darf das zweite Album auf gar keinen Fall so klingen wie das Debüt, denn das wäre nur ein Abklatsch mit schalem Nachgeschmack. Es geht also darum, sich rasch zu entwickeln – es ist alles eine Frage des Timings.

Als Supergroup hat man es noch schwerer wie eine normale Band. Denn die Erwartungen sind viel höher, vor allem von den Leuten bei den Plattenfirmen. Sie üben einen enormen Druck auf uns Musiker aus, denn sie wollen schnell viel Geld machen. Und das hat fatale Folgen. Wenn man nämlich unter Druck steht, macht man Fehler. Und kein Komponist kann sich einfach so unzählige Hits aus dem Ärmel schütteln.

Im Nachhinein betrachtet bin ich froh, dass Blind Faith nicht lange existiert haben. Denn dadurch konnte ich jede Sekunde genießen, da keine Zeit für Abnutzungserscheinungen war. Und wir haben mit BLIND FAITH ein Album auf den Markt gebracht, das die Jahrzehnte überdauert hat und heute noch ähnlich gut angenommen wird von den Fans wie damals. Obwohl ich der Meinung bin, dass wir vielleicht noch ein bisschen mehr Wert auf Details hätten legen sollen. Doch das sagt sich jetzt natürlich leicht. Aber auf „Presence Of The Lord“ und „Can‘t Find My Way Home“ bin ich noch immer sehr stolz.

Zumindest haben wir kein zweites Album gemacht, das schlechter ausgefallen wäre als das erste. Stattdessen sind wir auf Tour gegangen. Aber das war auch mit etlichen Problemen verbunden. Da wir uns als Musiker bereits einen gewissen Status erarbeitet hatte, Ginger und Eric mit Cream, ich mit Traffic, beschlossen die Verantwortlichen, große Hallen zu buchen. Das passte überhaupt nicht zu unserer Musik, denn wir klangen schließlich nicht wie eine dieser Heavy Rock-Acts, die dort sonst gewöhnlich auftraten. Am 7. Juni spielten wir ein Gratis-Konzert im Hyde Park. 100.000 Leute waren gekommen, aber niemand hatte einen blassen Schimmer von unserem Sound. Der Auftritt war dennoch gigantisch, obwohl wir selbst während der Show noch gar nicht recht wussten, wie wir uns eigentlich den Leuten präsentieren wollten.

Das Schlimmste an Blind Faith war allerdings die Tatsache, dass jeder von uns bei einer anderen Managementfirma unter Vertrag stand. Erst viel später habe ich gecheckt, dass da in unserem Namen einige echt beschissene Entscheidungen getroffen worden sind. Doch ich versuchte, mich da weitgehend rauszuhalten. Der ganze Vertragskram ist nichts für Musiker – er tötet nämlich jegliche Kreativität.

Als wir schließlich in Amerika unterwegs waren, spitzten sich die Dinge zu. Eric hatte schon andere, neue Projekte am Start. Er wollte mit Delaney und Bonnie gemeinsame Sache machen. Also lösten wir Blind Faith auf. Ich stand dann erst einmal mit leeren Händen da, denn obwohl die Band nur wenige Monate existiert hatte, wusste ich plötzlich nicht mehr, welche Richtung ich nach ihrem Ende einschlagen sollte.“

Meilensteine: Alan Price/The Animals

Mai 1965: Alan Price verlässt The Animals im Streit und hinterlässt einen Scherbenhaufen

Einer für alle – alle für einen! Von dem Enthusiasmus und Zusammenhalt, die herrschten, als Vokalist Eric Burdon 1962 in die Alan Price Rhythm’n’Blues Combo einstieg, das Quintett sich in The Animals umbenannte, um Erfolg jenseits des nordostenglischen Newcastle upon Tyne zu erzielen, blieb 1965 nicht allzu viel übrig. Gleich mehrere ungünstige Faktoren torpedierten den ein Jahr zuvor mit dem transatlantischem Nummer-eins-Charthit ›House Of The Rising Sun‹ (eine Coverversion eines jahrhundertealten anglo-amerikanischen Traditionals) gewonnenen Durchbruch von Burdon, Pianist und Keyboarder Price, Gitarrist Hilton Valentine,
Drummer John Steel und Bassist Bryan „Chas“ Chandler: Michael Jeffery, skrupelloser Animals-Manager und Clubbesitzer, der später die Geschäfte von Jimi Hendrix handhabte und auch dort ins Zwielicht geriet, besorgte seinen Klienten einen Vertrag mit dem Label EMI/Columbia und Produzent Mickie Most. Auch schickte er seine Schäfchen im Zuge der British Beat Invasion umgehend auf US-Tour.

Im Nachhinein erhoben sämtliche Animals-Mitglieder gegen Jeffery schwere Vorwürfe, die Band mental wie monetär ausgebeutet und auch Schuld an der Trennung gehabt zu haben. Michael Jeffery kam am 5. März 1973 im Alter von 39 Jahren bei einer Flugzeugkollision über dem französischen Nantes ums Leben. Auch Alan Price selbst spielte beim Niedergang der Ur-Animals, die 1966/67 aus einem außer Burdon komplett neuen Line-up bestanden, eine unrühmliche Rolle, wurmte es den Bandgründer doch immens, dass er nach der Etablierung mehr und mehr ins Abseits geriet und Burdon in den Vordergrund rückte. Extremen internen Stress verursachte zudem die Tatsache, dass die Animals-Version des zuvor schon von zig Künstlern eingespielten ›House Of The Rising Sun‹ zwar einem Gruppen-Arrangement entstammte, aber aus Platzmangel lediglich Alan Price als Arrangeur auf dem Plattenlabel zu lesen stand – Price kassiert bis heute hübsche Summen an Tantiemen für den Millionenhit. Im Mai 1965 verließ er die Band im Streit, um sich mit The Alan Price Set recht erfolgreich auf eigene Füße zu stellen. Auch bei späteren Reunions der Ur-Band flammte der Streit um die von Price eingestrichenen Tantiemen immer wieder neu auf.

Meilensteine: The Gun gründen sich

Mai 1967: Das Brüderpaar Paul & Adrian Gurvitz fusioniert in der Proto-Metal-Gang The Gun

Sam(uel) Gurvitz aus London, langjähriger Road-Manager von u. a. Cliff Richard & The Shadows und The Kinks, verfügte über jede Menge Showbusiness-Kontakte. Seine beiden künstlerisch reichlich talentierten Sprößlinge Paul und Adrian Gurvitz, über Jahre hinweg unter dem Namen Curtis bekannt, sollten davon
profitieren. Adrian Gurvitz, Jahrgang 1949, startete mit dem Gitarrenspiel schon als Achtjähriger. Sieben Jahre später spielte der virtuose Flinkefinger Adrian in den Tourbands von u. a. Screaming Lord Sutch, Billie Davis und Crispian St. Peters, unterhielt mit Rupert’s People auch eine eigene Combo mit der australischen Hitsingle ›Reflections Of Charles Brown‹ von 1967.

Der ältere Paul Gurvitz, geboren 1944, unterhielt wiederum eine eigene R’n’B-Truppe mit starken Bindungen zur Hamburger Club-Szene, die zuerst als The Londoners firmierte (Single auf dem deutschem Label Star-Club: ›That’s My Desire/Bring It On Home To Me‹) und sich dann in The Knack umbenannte (nach Richard Lesters Kinosatire „The Knack … And How To Get It“ von 1965) und diverse Singles auf den Labels Decca und Piccadily veröffentlichte. Als sich der Zeitgeist um 1966/67 dank Cream und der Jimi Hendrix Experience in Richtung Psychedelic und Progressive Underground drehte, beschlossen die Gurvitz-Brüder eine Fusion. Noch einige Zeit parallel zu The Knack und Rupert’s People starteten sie mit The-Knack-Drummer Louie Farrell als Trio im Mai 1967 The Gun. Regelmäßige Auftritte in Londoner Club-In-Spots wie UFO, Marquee und Speakeasy unterfütterten die Reputation von Gun positiv.

Was alsbald zu einem Plattenvertrag mit dem Major CBS/Columbia, der Debüt-LP GUN (mit Roger Deans erstem Cover-Design!) und der UK-Top-10-Single ›Race With The Devil‹ (beide 1968) führte. Album Nummer zwei, GUNSIGHT, ebenfalls im visionärem Proto-Metal-Underground-Modus samt temporeicher Solis von Adrian, legte 1969 zwar qualitativ, aber leider nicht in Sachen Absatz gleichwertig nach. Weitere signifikante Bandstationen folgten mit Three Man Army und Baker Gurvitz Army.

Armin Sabol: Herzensangelegenheit

Armin Sabol hat in seinem Leben viel gemacht und erreicht, doch eines ließ den Sänger, Gitarristen und Produzenten lange nicht los: ein Soloalbum mit seiner alten Liebe Bluesrock. Jetzt hat er es in die Tat umgesetzt.

Gut Ding will Weile haben – auf Armin Sabol und sein neues Solowerk BACK IN BLUE trifft dieser Spruch voll und ganz zu. „Das Material hat sich über längere Zeit angesammelt“, holt der Schwabe aus. „Die ältesten Basic-Tracks sind zehn Jahre alt, ich habe das lange nur auf Sparflamme köcheln lassen. Vor drei Jahren merkte ich dann, dass da – hoppla! – etwas zusammenwächst. Das war noch vor Corona.“ Dennoch begleiteten ihn immer wieder Zweifel, wie er einräumt. „Ich war unsicher, wohin das Ganze führen soll, denn als Solokünstler besitze ich keinen echten Marktwert. Auf der anderen Seite wollte ich einfach ein Statement setzen und ein Album machen mit der Musik, mit der ich aufgewachsen bin. Und ich wollte zeigen, dass ich
mich als Sänger weiterentwickelt habe. Letztlich ist das in erster Linie ein Album für mich selbst.“ Zur Erklärung: Armin Sabol ist bereits seit 45 Jahren im Musikgeschäft tätig und blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück: Los ging es 1977 mit der Hardrock-Band Shiva, Anfang der 80er arbeitete er als
Co-Producer, Co-Autor und Gitarrist mit einem gewissen Peter Schilling zusammen, dessen ›Major Tom (völlig losgelöst)‹ nicht nur in Deutschland wochenlang die Hitparaden anführte. Später arbeitete er als Studiomusiker beispielsweise mit den Fantastischen Vier zusammen, als Produzent betreute er etwa schwere Kaliber wie Rage und Sinner.

Und Instrumentalmusik für TV- und Werbezwecke schreibt der gute Mann nebenbei auch noch, die es sogar in die „Oprah Winfrey Show“ und in Netflix-Serien schaffte. Viel Zeit für den Bluesrock blieb da nicht. „Es hat immer wieder wie ein Wurm in mir gebohrt“, sagt der 61-Jährige. „Irgendwann stellte ich fest: Es ist fertig und gut genug, dass es sich jemand anhören kann. Dann hatte ich das Glück, dass ich mit Yellow Muffin Records hier in der Stuttgarter Gegend ein Label gefunden habe, das es veröffentlichen wollte. Das ist völlig ab vom Modetrend, aber es ist geil und zeitlos.“ Das Multitalent hofft dennoch, dass es für Bluesrock einen Markt in Deutschland gibt und verweist auf eine jüngere Koryphäe des Genres: „Das letzte Bonamassa-Album war in Deutschland in den Top-Ten – dass das geht, hätte ich vor zehn Jahren nie im Leben geglaubt. Ich finde Joe Bonamassa sehr gut, aber das Rad hat er auch nicht neu erfunden. Er macht bodenständigen Bluesrock, wie er auch vor 30, 40 Jahren hätte entstehen können.“ Zu seinen musikalischen Wurzeln sagt Sabol: „Ich hatte das große Glück, dass ich als Teenager, wo man am stärksten beeinflussbar ist, in den 70ern aufgewachsen bin.
Da waren die großen Rockbands wie Cream, Led Zeppelin oder The Who noch aktuell, aber am meisten beeindruckt hat mich Jimi Hendrix – sein Gitarrensound und seine Denkweise haben mich völlig umgehauen!“

Bon Scott: Sein Bruder spricht erstmals über ihn

In einer australischen Dokumentation namens „Australian Story: On The Brink – Bon Scott“ sprach der Bruder des legendären AC/DC-Frontmannes erstmals über ihn.

Derek Scott erzählte unter anderem, wie er damit umging, immer nur als „Bons Bruder“ betrachtet zu werden und dass Bons Familie damals schon länger besorgt war über seinen Lebensstil: „Er langweilte sich sehr schnell. Das war das größte Problem. Und wenn er sich langweilte, trank er. Er dachte nie an morgen. Morgen war ein neuer Tag.“ Außerdem meinte er: „Das ist das erste Interview, das ich jemals gegeben habe. Und es wird auch das letzte sein.“

In der Dokumentation kam unter anderem auch Bruce Howe zu Wort, ein Mitbewohner von Bon Scott und sein ehemaliger Bandkollege bei Fraternity.

Hier gibt es die Doku zu sehen:

Alle Augen auf The Hellacopters

Es ist eine kleine Sensation, dass The Hellacopters sich nach 14 Jahren Albumabstinenz nun zu ihrem achten Streich EYES OF OBLIVION hinreißen haben lassen. Auch wenn die Platte am 1. April erscheint, ist dies beileibe kein schlechter Scherz, sondern eine grandiose Songsammlung, die alle Stärken der schwedischen Rockinstitution vereint. Grund genug, um bei Bandchef Nicke Andersson durchzuklingeln. Zwischen zwei Tourabschnitten mit seiner Band Lucifer befindet sich der Vollblutmusiker zum Zeitpunkt des Interviews gerade zuhause in seinem Häuschen im schwedischen Outback. Gemütlich von der heimischen Sofaecke aus plaudert Andersson entspannt und offen bei einer Tasse Kaffee über die Reunion der Hellacopters, den eher langwierigen Entstehungsweg des neuen Albums und über die Sache mit dem Druck von außen.

Wann habt ihr euch dazu entschieden, eine neue Hellacopters-Platte zu machen?
Das ist nach und nach passiert. Ich war ehrlich gesagt sehr zögerlich, als wir die ganzen Reunion-Show-Angebote erhielten. Die Anfragen häuften sich nur ein Jahr, nachdem wir uns aufgelöst hatten. Natürlich ist das
sehr schmeichelhaft, aber das war ja nicht der Grund für uns, getrennte Wege zu gehen.

Bei manchen Bands scheint da ja manch- mal etwas Kalkül dabei zu sein …
Ja, das stimmt. Wenn ich zurückschaue, mag das auch bei uns so gewirkt haben, aber es war wirklich nicht geplant. Wir trennten uns, die Angebote rissen nicht ab und nach einiger Zeit war dann viel Wasser den Bach
runtergeflossen. Man wird erwachsener und schließlich unterhielten wir uns darüber, ob das für uns als Band infrage käme. Dann feierte 2016 unser Debüt seinen 20. Geburtstag und wir wurden für einen Gig beim Sweden Rock Festival angefragt. Also wollten wir es mal versuchen und sehen, wie es sich anfühlen würde. Außerdem war die Bezahlung ehrlich gut, das muss man ja nicht verschweigen. Trotzdem wollten wir unbedingt gut abliefern, es ging nicht nur darum, die Kohle einzusacken, so sind wir nicht. Die Show lief sehr gut, am selben Tag erhielten wir ein Angebot für ein Festival in Spanien in der darauffolgenden Woche. Dann erhielten wir immer mehr Anfragen für den nächsten Sommer. Damals begannen wir, uns Gedanken über ein neues Album zu machen. Denn wenn wir das weiterführen wollten, sollten wir nicht nur alte Songs runterbeten. Wir sind zwar älter geworden, aber noch nicht alt genug, um ein Nostalgie-Act zu sein. (lacht) Ich war nicht sofort Feuer und Flamme, weil man für ein Album ja Songs braucht und die musste ich erst einmal schreiben. Ich schlug vor, ein paar Tage ins Studio zu gehen und zu schauen, was passiert. Der Ausgang war völlig offen, deshalb war es uns wichtig, das Ganze nicht in die Welt hinauszuposaunen. Der Entstehungsprozess von EYES OF OBLIVION zog sich im Endeffekt über drei Jahre und, um ehrlich zu sein, das war ein Problem für mich. Wenn ich zu lange warten muss, verliere ich das Interesse an einem Projekt und widme mich anderen Dingen. Aber immerhin haben wir unsere Lektion gelernt. Wir sind eher eine Band, die alles zackig am Stück abhaken sollte.

Wie oft musstest du dein verlorenes Interesse für diese Platte reaktivieren?
Einige Male. Vor einem Jahr meinte ich zu den anderen: „Leute, wir müssen dieses Ding jetzt fertig kriegen, sonst wird das nichts mehr“. Klar, wir alle haben viel zu tun, ich vielleicht am meisten, aber es musste zu
einem Abschluss gebracht werden. Das mag sich für andere stressig anhören, für mich funktioniert das gut. Vielleicht liegt der Release von EYES OF OBLIVION ein bisschen nah an unserer letzten Lucifer-Platte, nächstes Mal lassen wir da etwas mehr Abstand.

Wie alt sind die Ideen auf der Platte? Welcher ist der jüngste Song?
Der jüngste Song ist wahrscheinlich ›Reap A Hurricane‹, der älteste ›Tin Foil Soldier‹. Und der zweite auf dem Album ist auch bereits zehn Jahre alt, den habe ich schon lange herumliegen. Die neueren Ideen entstanden dann einfach spontan, ich kann mich nicht hinsetzen und mit Vorsatz einen Hellacopters-Song schreiben. Bei mir passiert das, wenn es passiert.

Du hast so viele Bands am Laufen: Schreibst du irgendwie immer an neuer Musik?
Immer wenn ich fünf Minuten Zeit habe, um mich mit einer Gitarre hinzusetzen, kommt am Ende etwas dabei heraus. Das muss nicht immer gut sein, aber es gibt ein Ergebnis, das ich dann schnell aufnehme, um es nicht zu vergessen. Ich arbeite also nicht phasenweise, sondern kontinuierlich.

Nach 14 Jahren Albumpause schaut ja die ganze Rockwelt auf die kommende Platte. Setzt dich das unter Druck?
Am Anfang stand ich tatsächlich unter Druck, das kannte ich gar nicht von mir. Ich habe mir noch nie dar über Gedanken gemacht, wie die Reaktionen von außen auf meine Musik sein würden. Aber dieses Mal dachte ich darüber nach, dass die neuen Stücke in großer Konkurrenz zu den Lieblings-Songs der Hellacopters-Fans stehen. Schrecklich, ich mochte diese Gedanken gar nicht. Nach einiger Zeit hat sich das wieder normalisiert, dann war alles wie immer. Im Grunde ist es doch so: Nimm drei AC/DC-Fans und sie werden dir drei verschiedene Meinungen zu AC/DC wiedergeben. Man kann und sollte so etwas also nie vorher einplanen. Wenn es den Leuten gefällt, ist das ein schöner Bonus, darf aber nicht die Grundlage des Songwritings sein.

Künstler hören das nicht gerne, aber ›Tin Foil Soldier‹ erinnert mich sehr stark an einen Song einer anderen Band. Kannst du erraten, welchen ich meine?
Ich finde das interessant, tue mich aber schwer, irgendwas zu erraten, weil ich dein Spektrum an Referenzen ja nicht kenne oder einschätzen kann.

Ich dachte sofort an ›Teenage Rampage‹ von Sweet.
Dann hast du ins Schwarze getroffen. (lacht) Ich habe nicht speziell an diesen Song gedacht, aber als ich an ›Tin Foil Soldier‹ arbeitete, wollte ich genau so einen 70s-Glam-Track machen. Die Lyrics habe ich zusammen mit Dregen geschrieben, weil ich eine kleine Blockade hatte. Ich erinnere mich, dass der Arbeitstitel des Demos „Glam, Not Sleaze“ lautete. Dregen hat ja eine kleine Schwäche für Sleaze, deswegen war es mir wichtig, das noch mal zu betonen. (lacht)

Macht ihr das öfter, dass ihr gemeinsam an Texten arbeitet?
Nein, nicht wirklich. Als Kenny noch dabei war, hat er manchmal Lyrics geschrieben, die ich sehr gut fand. Ich mag das Texten schon, aber es fällt mir nicht so leicht wie Musik schreiben.

Wie gehst du vor? Von was lässt du dich inspirieren?
Das ist ja das Problem. Klar wäre man am liebsten so gut wie Bob Dylan, aber man muss sich die Latte halt irgendwo hinlegen, wo man sie auch erreichen kann. Im Grunde mag ich Texte, die unserem Stil entsprechen, aber vielleicht nicht zwingend nach Kiss klingen. Bei Kiss funktioniert das, aber ein Hauch mehr Tiefe ist für uns nicht schlecht. Ich will nicht sagen, dass Lyrics ein notwendiges Übel sind. Vocals funktionieren im Endeffekt wie eine Art Instrument, die Bedeutung muss passen, die Reime müssen in Ordnung sein.

Fragst du deine Frau nach ihrer Meinung zu deinen Texten?
Ja, das tue ich. Manchmal ist es gut, ein bisschen Außenperspektive in deine eigenen Lyrics zu bringen, weil man so erst merkt, ob das, was man im eigenen Kopf zusammenspinnt, für andere auch funktioniert. Wenn
wir für Lucifer schreiben, gehen wir genauso vor. Wir machen uns gemeinsam über Worte und Reime Gedanken, bringen Vorschläge ein.

Hattest du eine klare Vision, wie EYES OF OBLIVION klingen sollte?
Ich habe immer eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie alles werden soll. Die Erfahrung lehrt einen jedoch, dass es meistens nie so wird, wie man es sich ausgemalt hat. Und das ist nicht zwingend etwas Schlechtes. Früher hat es mich genervt, wenn eine Platte nicht genau so geworden ist, wie ich das wollte. Aber inzwischen weiß ich das zu schätzen, wir sind immerhin verschiedene Individuen in dieser Band, erst der Beitrag jedes einzelnen verwandelt die Stücke in Hellacopters-Songs. Ich bin vielleicht der Kapitän des
Schiffs, kann aber nicht alleine segeln. Das ist keine One-Man-Show.

Was ist dein Lieblingssong auf dem Album?
Puh, ich habe die Platte schon lange nicht mehr angehört. (lacht) Das ist immer so: Wenn ein Album fertig ist, höre ich es mir nicht mehr an, außer vielleicht die Testpressung. Ich mag natürlich alle Songs, aber vielleicht gefällt mir ›Positively Not Knowing‹ am besten.

Was macht großartiges Rock’n’Roll-Songwriting aus?
Hm, das ist eine schwierige Frage. Ich habe keine Ahnung, weil ich mir niemals darüber Gedanken gemacht habe. Außerdem weiß ich nicht, ob ich das überhaupt drauf habe. Vielleicht ist es wichtig, dass man viele Referenzen vorweisen kann, viel Musik des Genres konsumiert. Keine Ahnung, ob man ein gutes Buch
schreiben kann, wenn man noch nie ein Buch gelesen hat. Das wäre wohl meine Antwort. Klar kann man sich darüber streiten, wie originell deine Songs dann sind, aber, um ehrlich zu sein, ist mir Originalität egal, denn am Ende muss es gut sein. Ein neues Lied, das noch nicht geschrieben wurde, bleibt ein neues Lied.

Ich stelle diese Frage derzeit vielen Künstlern, weil mich die unterschiedlichen Ansätze interessieren. Tobias Forge von Ghost hat eine sehr lange, analytische Antwort gegeben.
Das glaube ich, das passt zu ihm. (lacht) Interessant zu hören, was die anderen dazu sagen. Klar gibt es Dinge, die immer funktionieren. Vers, Chorus, Vers, Chorus, Mittelteil, Solo, Triple-Chorus. Als Kiss-Fan ist mir erst spät aufgefallen, dass man keinen Zwischenteil braucht, wenn man keinen Bock darauf hat. Am Ende muss es für denjenigen passen, der den Song schreibt. Wie auch immer das aussehen mag.

Neben den Änderungen im Line-up: Wo liegt der größte Unterschied zwischen den Hellacopters von 2008 und heute?
Wir sind etwas älter und in mancher Hinsicht hoffentlich ein bisschen klüger. Das macht vieles einfacher. Ich kann ja nur von mir sprechen, aber ich bin heute entspannter. Wir können über alles reden, alle Fakten liegen auf dem Tisch, wir alle sind aus demselben Grund in der Band. Das fühlt sich gut an. Außerdem sind wir uns darin einig, dass wir uns nicht mehr zu Tode touren werden, sondern unsere Gigs gezielter auswählen.

Wenn du eins von beiden opfern müsstest: nie mehr selbst Musik spielen oder nie mehr Musik hören, was würdest du wählen?
Gut, dass ich mich nicht entscheiden muss. Aber wenn wir das Gedankenspiel mal durchziehen, würde ich lieber nie mehr Musik spielen. Sonst könnte ich ja nur noch das hören, was ich selbst spiele. (lacht) Und da gibt es wirklich einiges mehr, das man sich anhören kann

Van Halen – Woman And Children First

0

Es ist ein denkwürdiges, aber auch hektisches Jahr für Van Halen-Bassist Michael Anthony. Alles scheint sofort passieren zu müssen, es gibt keine Pause. „In den ersten Jahren ging bei uns alles rasend schnell. Bis zu den Aufnahmen fürs 1984-Album hatten wir nie viel Zeit im Studio verbracht. Wir fuhren hin, nahmen die Stücke live auf, und dann ging’s so schnell wie möglich wieder nach Hause. Die Plattenfirma heizte uns zusätzlich ein, denn die Verantwortlichen dort wollten uns so rasch wie möglich wieder auf Tour schicken.

Als wir WOMAN AND CHILDREN FIRST aufnahmen, konnten wir noch auf etliche Ideen aus unseren Demo-Zeiten zurückgreifen. ›Take Your Whiskey Home‹ etwa, eines meiner Lieblingsstücke, stammt noch aus einer Zeit, in der ich noch gar nicht in der Band war. ›In A Simple Rhyme, Fools‹ haben wir während der Demo-Sessions für unser Debüt komponiert. Wir haben oft bestehende Song-Elemente wieder aufgegriffen, sie erweitert und daraus neue Songs geschrieben. ›Romeo Delight‹ mochte ich auch gern. Der Track ist ein richtiges Kraftpaket. Wir haben ihn oft als Opener bei unseren Live-Shows verwendet, denn er eignet sich perfekt dazu, den Leuten direkt einen vor den Latz zu knallen.

Eddie Van Halen war derjenige, der immer mit Experimenten ums Eck kam. Bei ›And The Cradle Will Rock‹ kam plötzlich ein Keyboard ins Spiel. Aber es klang nicht wie ein Keyboard, denn Eddie jagte den Sound seines Wurlitzers einfach durch den Marshall-Verstärker. Wir hörten das Ergebnis und waren begeistert, denn so einen Sound hatten wir noch nie gehört.

Allerdings waren wir nie eine Band, die Hits am laufenden Band produzierte. Was vielleicht auch daran lag, dass wir im Studio immer unnötiger Arbeit aus dem Weg gingen. Ich erinnere mich noch gut an eine Party mit unserem Produzenten Ted Templeman und seiner Freundin Nicolette Larson, die auf ›Could It Be Magic?‹ auch als Sängerin zu hören ist. Nein, in punkto Party waren wir ganz groß…“