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Start Blog Seite 228

The Bros. Landreth: COME MORNING

Americana mit Wohlfühl-Garantie

Nun also Album Nummer drei: COME MORNING. Wieder darf man gespannt sein, was Joey und David Landreth – besser bekannt als The Bros. Landreth – anzubieten haben. Schließlich prägt den Sound des, sagen wir mal Alternative-Country- und Americana-Acts seit jeher das Tourleben. Die Liveauftritte. Doch von denen gab es in den letzten zwei Jahren aus bekannten Gründen ja eher wenig. Hat sich diese ungewollte Unterbrechung der Band-Routine auf das neue Werk ausgewirkt? Der Single-Vorbote ›Stay‹ macht klar: absolut! Prägten früher eher ruppige Rhythmen und eine sägende Slide-Gitarre das Klanggeschehen der aus dem kanadischen
Winnipeg stammenden Band, schlägt diese jetzt – Surprise! Surprise! – soulige, kuschelige, R’n’B-hafte, mit reichlich Orgelschmalz ausstaffierte Sounds an. Das ist alles andere als übel – aber eben auch nicht typisch The Bros. Landreth. Fans der Formation können aber beruhigt sein: Im Verlauf der elf Tracks servieren sie neben spacigen Rock (›Drive All Night‹) und introvertierten Folksongs (›Back To Thee‹) immer wieder hochkarätige Americana-Kost. Nur: etwas ruhiger, melodiöser, entspannter – und mit weniger Slide-Gitarren-Riffs gewürzt.

8 von 10 Punkten

The Bros. Landreth/COME MORNING/BIRTHDAY CAKE RECORDS/THE ORCHARD

Junkyard Drive: ELECTRIC LOVE

Rock-Huldigungen

Who are you, Mr. Rock’n’Roll“, fragen Junkyard Drive in ihrem (fast) gleichnamigen Song. Dabei scheinen die fünf Herren aus Roskilde die Rockhistorie bereits mit der Muttermilch aufgesogen zu haben und wissen
offensichtlich bestens über besagten Mr. Bescheid. Mit einer satten Produktion, tonnenweise fetten Riffs, einer stilechten Reibeisenstimme und einem erstaunlich ausgewogenen Mix aus flotten Groovern, Mid-tempo-Nummern und unpeinlichen Balladen gehen die Dänen selbstsicher auf Fan-Fang. Moderner Hardrock mit Sleaze- und Hair-Metal-Elementen lautet die Devise und im Laufe von zehn Tracks muss man an die unterschiedlichsten Bands der Rockgeschichte denken – von Skid Row, L.A. Guns über D-A-D bis hin zu den Rival Sons, nur eben teleportiert ins Jahr 2022. Nicht die schlechtesten Referenzen, allerdings müsste man es einmal darauf ankommen lassen, ob man Junkyard Drive bei einem Blindtest wiedererkennen würde. Wer
damit jedoch keinerlei Probleme hat, der bekommt qualitativ ordentliche, eingängige Rock’n’Roll-Kost serviert, die mit gehöriger Lautstärke sehr viel Spaß machen kann.

7 von 10 Punkten

Junkyard Drive/ELECTRIC LOVE/MIGHTY MUSIC/SPV

Grobschnitt: ACOUSTIC ALBUM

Die deutsche Krautrock-Legende spielt ihre Klassiker diesmal ohne Strom

Ein neues Unplugged-Album einer Band, bei der das visuelle Livespektakel – inklusive Froschmänner, überdimensionale Drachen, Trockennebel und Pyrokrachern – stets elementarer Bestandteil ihrer Popularität war – kann das funktionieren? Ja, es funktioniert, dank der Grobschnitt-Gründungsmitglieder Stefan Danielak (Künstlername „Willi Wildschwein“) und Gerd Otto Kühn („Lupo“) sowie Danielaks Sohn Stefan („Nuki“), die sich vor allem gesanglich verblüffend eng an den Originalvorlagen orientieren. Zudem wurden sämtliche Studioalben der Blütejahre 1972 bis 1987 durch mindestens einen Song berücksichtigt, darunter mit ›Vater Schmidt’s Wandertag‹, ›Traum und Wirklichkeit‹ und ›Anywhere‹ drei Hits ihrer Klassiker JUMBO (deutschsprachige Version) und ROCK- POMMEL’S LAND aus den Jahren 1976 und 1977. Macht summa summarum 13 Songs mit einer Gesamtlänge von fast 75 Minuten und einem Hörgenuss, den so mancher Grobschnitt-Fan in diesem Format wohl nicht erwartet hätte.

7 von 10 Punkten

Grobschnitt/ACOUSTIC ALBUM/BRAIN/UNIVERSAL

The Black Keys: DROPOUT BOOGIE

Bluesrock, gekonnt aufgefrischt – geht also locker als „zeitgenössische Musik“ durch

Wer beim Titel DROPOUT BOOGIE an den gleichnamigen Song von Captain Beefheart & His Magic Band denkt, beweist zwar, eine klassische Rock-Bildung genossen zu haben, liegt aber dennoch falsch: Die Zehn-Song- Sammlung der Black Keys ist von Captains Dada-Lyrik denkbar weit entfernt, stattdessen zeigt das Duo erneut, dass man aus Delta-Blues-Mustern der 30er-Jahre noch heute kernige Rockmusik zaubern kann. Das Geheimnis ihres Erfolges: Eine lebhafte Rhythmik und knorrige Gitarrensounds, die Stücke wie ›Your Team Is Looking Good‹ oder ›Burn The Damn Thing Down‹ vom musealen Staub befreien. Gesellt sich – wie in ›Happiness‹ – ein vergleichsweise poppiger Refrain dazu, wird’s noch unterhaltsamer, und wenn ›Baby I’m Coming Home‹ unterschwellig mit Glam Rock flirtet, hat das wirklich Format. Dass bei ›Good Love‹ Billy Gibbons mit von der Partie ist, erfreut zusätzlich, ein komplett puristisches Bluesrock-Album ist DROPOUT BOOGIE aber dennoch nicht: ›Wild Child‹ und ›It Ain’t Over‹ kommen funky daher, ein wenig unentschlossen wirkt lediglich ›How Long‹, das offenbar Soul sein will, aber irgendwann in Richtung West Coast abbiegt.
Andererseits: Das ist Jammern auf hohem Niveau. Gutes Album.

8 von 10 Punkten

The Black Keys/DROPOUT BOOGIE/NONESUCH/WARNER

The Rolling Stones: LIVE AT THE EL MOCAMBO

Back to the roots: kompletter Club-Gig vom 5. März 1977 samt Bonustracks

Im Rückblick auf nunmehr exakt 60 Jahre Bandinstitution The Rolling Stones überblenden mitunter Verehrung und Verklärung. Als Speerspitze des First British Blues Booms dürfen sich Gründer und Namensgeber Brian Jones, die Dartford Twins Jagger/Richards, Bill Wyman, Charlie Watts sowie die späteren Gitarristen Mick Taylor und Ron Wood gewiss so einige Innovationsorden an die Brust heften. Tatsache bleibt aber auch, dass die Stones als Formation sich auch stets am gängigen Zeitgeist orientierten: AFTERMATH (1966) markierte den
Second British Blues Boom, BETWEEN THE BUTTONS die Swinging-London-Pop-Affinität, THEIR SATANIC MAJESTIES REQUEST den Psychedelik-Zeitgeist und die Platten von BEGGARS BANQUET bis GOATS HEAD SOUP orientierten sich stilistisch am amerikanischen Blues, Soul, R’n’B, Gospel, Folk, Country und Southern Rock. Vor der Auffrischung durch Punk und Disco auf dem in den USA mit sechsfachem Platin prämierten SOME GIRLS (1978) lieferten die Stones auf den Alben IT’S ONLY ROCK’N’ROLL (1974) und BLACK AND BLUE (1976) Querverweise zum Soul, Funk, Jazz und Rock von Bands wie The Meters und Little Feat.

Auf der im September 1977 erschienenen Doppel-LP LOVE YOU LIVE mit Konzertmitschnitten der US-Tour 1975, der Europa-Tour 1976 sowie zwei Clubgigs von 1977 offerierten die Mitschnitte aus den Großarenen vor allem gepflegte Langeweile von hinlänglich Bekanntem. Andererseits belegten die in der El Mocambo Tavern am 4. und 5. März 1977 getätigten Aufnahmen im kanadischen Toronto, dass Jagger, Richards und Co. doch noch zu einem konsequenten Back-To-The-Roots-Ethos fähig waren. Leider verewigte sich das Toronto-Intermezzo seinerzeit nur auf einer von vier LP-Seiten. LIVE AT THE EL MOCAMBO liefert nun erstmals wahlweise auf zwei Silberlingen oder drei LP-Seiten (nachdem seit 1977 diverse Bootlegs kursierten) zumindest das komplette Konzert vom 5. März sowie drei Bonustracks vom Vortag. Allein schon abenteuerlich, wie dieses zweitägige Club-Abenteuer zustande kam: Eine Radiostation verloste Tickets eines Gigs von Kanadas populärer Rockformation April Wine mit unbekannter Vorband namens The Cockroaches im Schlepptau. Seit den seligen Tagen von Ur-Manager Andrew Loog Oldham gelten die Stones ja als Meister kongenialer Selbstvermarktung. Allerdings brachte der Kanada-Aufenthalt die Steine beinahe auch an den Rand ihrer Existenz: Am 27. Februar 1977 stürmten Beamte der Royal Canadian Mounted Police die Suite von Keith Richards im Harbour Castle Hilton und fanden dabei so viel Heroin, dass es zur Anklage wegen Besitzes und eventuellen Weiterverkaufs reichte, was mit sieben Jahren Haft geahndet wurde.

Letztendlich blieb Master Richards ein Einsitzen dann doch erspart. Bei diesen unter Decknamen annoncierten, von Billy Preston (Piano, Keyboards), Ollie Brown (Percussion) und Ian Stewart (Piano, Keyboards) assistierten beiden Auftritten in der El Mocambo Tavern lief die Truppe erstmals seit Jahren wieder zur Höchstform auf, klangen doch selbst die Stones-Klassiker ›Let’s Spend The Night Together‹, ›Jumpin’ Jack Flash‹, ›Honky Tonk Woman‹, ›Brown Sugar‹, ›Tumbling Dice‹, ›Rip This Joint‹, ›All Down The Line‹ und ›Star Star‹ schon lange nicht mehr so anarchisch frisch. Eingeschobene Rhythm’n’Blues- Standards wie Bobby Troups ›Route 66‹, Muddy Waters’ ›Mannish Boy‹, Chuck Berrys ›Around And Around‹, Willie Dixons ›Little Red Rooster‹, Big Maceos ›Worried Life Blues‹ oder das als Reggae verabreichte ›Crackin’ Up‹ von Bo Diddley sprühten nur so vor Energie. Mit im Gepäck befinden sind auch seltener live gehörte Stones-Nummern wie ›Luxury‹, ›Melody‹, ›Hot Stuff‹, ›Crazy Mama‹, ›Hand Of Fate‹, ›Dance Little Sister‹ und ›Fool To Cry‹. Seine Premiere feierte hier das erst auf TATTOO YOU (1981) offiziell veröffentlichte ›Worried About You‹.

10 von 10 Punkten

The Rolling Stones/LIVE AT THE EL MOCAMBO/UNIVERSAL/POLYDOR

Blind Faith: Steve Winwood über die Supergroup

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Steve Winwood Best Of CoveSie gilt als Mutter aller Supergroups: Blind Faith. Sänger und Keyboarder Steve Winwood erinnert sich daran, wie es zur Gründung der Band kam.

„Im Frühjahr 1969 wollte ich etwas Abstand von meiner Band Traffic gewinnen und traf mich des Öfteren mit Eric Clapton zum Jam in Aston Tirrold, wo unser Proberaum war. Ab und zu besuchte ich ihn auch zu Hause in Surrey. Eines Abends, als ich gerade dort war, klopfte es an der Tür. Ginger Baker war vorbeigekommen, denn er hatte Wind davon bekommen, dass wir gemeinsam ein neues Projekt starten wollten. Ich war sofort Feuer und Flamme, mit ihm zusammen eine Band zu starten. Erst Jahre später, nach Eric sein Buch veröffentlicht hatte, wurde mir bewusst, dass er da gänzlich anderer Meinung war… Ein deutliches Zeichen dafür, dass wir nicht gerade eng befreundet waren und uns auch nicht viel ausgetauscht haben in der Zeit – zumindest nicht über wichtige, ernsthafte Dinge.

Nun ja, das Projekt Blind Faith kam jedenfalls ins Rollen. Und natürlich tauchten sofort eine Menge Probleme auf: mit den Egos der Musiker, den verschiedenen Managements, der Organisation der Proben etc. Das sind unerfreuliche Dinge, mit denen sich bis heute jede Supergroup herumschlagen muss.

Wenn ein Musiker seine erste richtige Band gründet, ist das im Grunde eine recht einfache Angelegenheit. Schließlich hatte er sein ganzen Leben Zeit, sich alles genau zurechtzulegen. Wie die Musik klingen soll, welches Image er gerne hätte, wie viel Zeit er investieren kann usw. Doch dann, wenn das Ganze ein Erfolg geworden ist, stellt sich rasch die Frage, wie es weitergehen soll. Also muss etwas Neues her. Und zwar schnell. Außerdem darf das zweite Album auf gar keinen Fall so klingen wie das Debüt, denn das wäre nur ein Abklatsch mit schalem Nachgeschmack. Es geht also darum, sich rasch zu entwickeln – es ist alles eine Frage des Timings.

Als Supergroup hat man es noch schwerer wie eine normale Band. Denn die Erwartungen sind viel höher, vor allem von den Leuten bei den Plattenfirmen. Sie üben einen enormen Druck auf uns Musiker aus, denn sie wollen schnell viel Geld machen. Und das hat fatale Folgen. Wenn man nämlich unter Druck steht, macht man Fehler. Und kein Komponist kann sich einfach so unzählige Hits aus dem Ärmel schütteln.

Im Nachhinein betrachtet bin ich froh, dass Blind Faith nicht lange existiert haben. Denn dadurch konnte ich jede Sekunde genießen, da keine Zeit für Abnutzungserscheinungen war. Und wir haben mit BLIND FAITH ein Album auf den Markt gebracht, das die Jahrzehnte überdauert hat und heute noch ähnlich gut angenommen wird von den Fans wie damals. Obwohl ich der Meinung bin, dass wir vielleicht noch ein bisschen mehr Wert auf Details hätten legen sollen. Doch das sagt sich jetzt natürlich leicht. Aber auf „Presence Of The Lord“ und „Can‘t Find My Way Home“ bin ich noch immer sehr stolz.

Zumindest haben wir kein zweites Album gemacht, das schlechter ausgefallen wäre als das erste. Stattdessen sind wir auf Tour gegangen. Aber das war auch mit etlichen Problemen verbunden. Da wir uns als Musiker bereits einen gewissen Status erarbeitet hatte, Ginger und Eric mit Cream, ich mit Traffic, beschlossen die Verantwortlichen, große Hallen zu buchen. Das passte überhaupt nicht zu unserer Musik, denn wir klangen schließlich nicht wie eine dieser Heavy Rock-Acts, die dort sonst gewöhnlich auftraten. Am 7. Juni spielten wir ein Gratis-Konzert im Hyde Park. 100.000 Leute waren gekommen, aber niemand hatte einen blassen Schimmer von unserem Sound. Der Auftritt war dennoch gigantisch, obwohl wir selbst während der Show noch gar nicht recht wussten, wie wir uns eigentlich den Leuten präsentieren wollten.

Das Schlimmste an Blind Faith war allerdings die Tatsache, dass jeder von uns bei einer anderen Managementfirma unter Vertrag stand. Erst viel später habe ich gecheckt, dass da in unserem Namen einige echt beschissene Entscheidungen getroffen worden sind. Doch ich versuchte, mich da weitgehend rauszuhalten. Der ganze Vertragskram ist nichts für Musiker – er tötet nämlich jegliche Kreativität.

Als wir schließlich in Amerika unterwegs waren, spitzten sich die Dinge zu. Eric hatte schon andere, neue Projekte am Start. Er wollte mit Delaney und Bonnie gemeinsame Sache machen. Also lösten wir Blind Faith auf. Ich stand dann erst einmal mit leeren Händen da, denn obwohl die Band nur wenige Monate existiert hatte, wusste ich plötzlich nicht mehr, welche Richtung ich nach ihrem Ende einschlagen sollte.“

Meilensteine: Alan Price/The Animals

Mai 1965: Alan Price verlässt The Animals im Streit und hinterlässt einen Scherbenhaufen

Einer für alle – alle für einen! Von dem Enthusiasmus und Zusammenhalt, die herrschten, als Vokalist Eric Burdon 1962 in die Alan Price Rhythm’n’Blues Combo einstieg, das Quintett sich in The Animals umbenannte, um Erfolg jenseits des nordostenglischen Newcastle upon Tyne zu erzielen, blieb 1965 nicht allzu viel übrig. Gleich mehrere ungünstige Faktoren torpedierten den ein Jahr zuvor mit dem transatlantischem Nummer-eins-Charthit ›House Of The Rising Sun‹ (eine Coverversion eines jahrhundertealten anglo-amerikanischen Traditionals) gewonnenen Durchbruch von Burdon, Pianist und Keyboarder Price, Gitarrist Hilton Valentine,
Drummer John Steel und Bassist Bryan „Chas“ Chandler: Michael Jeffery, skrupelloser Animals-Manager und Clubbesitzer, der später die Geschäfte von Jimi Hendrix handhabte und auch dort ins Zwielicht geriet, besorgte seinen Klienten einen Vertrag mit dem Label EMI/Columbia und Produzent Mickie Most. Auch schickte er seine Schäfchen im Zuge der British Beat Invasion umgehend auf US-Tour.

Im Nachhinein erhoben sämtliche Animals-Mitglieder gegen Jeffery schwere Vorwürfe, die Band mental wie monetär ausgebeutet und auch Schuld an der Trennung gehabt zu haben. Michael Jeffery kam am 5. März 1973 im Alter von 39 Jahren bei einer Flugzeugkollision über dem französischen Nantes ums Leben. Auch Alan Price selbst spielte beim Niedergang der Ur-Animals, die 1966/67 aus einem außer Burdon komplett neuen Line-up bestanden, eine unrühmliche Rolle, wurmte es den Bandgründer doch immens, dass er nach der Etablierung mehr und mehr ins Abseits geriet und Burdon in den Vordergrund rückte. Extremen internen Stress verursachte zudem die Tatsache, dass die Animals-Version des zuvor schon von zig Künstlern eingespielten ›House Of The Rising Sun‹ zwar einem Gruppen-Arrangement entstammte, aber aus Platzmangel lediglich Alan Price als Arrangeur auf dem Plattenlabel zu lesen stand – Price kassiert bis heute hübsche Summen an Tantiemen für den Millionenhit. Im Mai 1965 verließ er die Band im Streit, um sich mit The Alan Price Set recht erfolgreich auf eigene Füße zu stellen. Auch bei späteren Reunions der Ur-Band flammte der Streit um die von Price eingestrichenen Tantiemen immer wieder neu auf.

Meilensteine: The Gun gründen sich

Mai 1967: Das Brüderpaar Paul & Adrian Gurvitz fusioniert in der Proto-Metal-Gang The Gun

Sam(uel) Gurvitz aus London, langjähriger Road-Manager von u. a. Cliff Richard & The Shadows und The Kinks, verfügte über jede Menge Showbusiness-Kontakte. Seine beiden künstlerisch reichlich talentierten Sprößlinge Paul und Adrian Gurvitz, über Jahre hinweg unter dem Namen Curtis bekannt, sollten davon
profitieren. Adrian Gurvitz, Jahrgang 1949, startete mit dem Gitarrenspiel schon als Achtjähriger. Sieben Jahre später spielte der virtuose Flinkefinger Adrian in den Tourbands von u. a. Screaming Lord Sutch, Billie Davis und Crispian St. Peters, unterhielt mit Rupert’s People auch eine eigene Combo mit der australischen Hitsingle ›Reflections Of Charles Brown‹ von 1967.

Der ältere Paul Gurvitz, geboren 1944, unterhielt wiederum eine eigene R’n’B-Truppe mit starken Bindungen zur Hamburger Club-Szene, die zuerst als The Londoners firmierte (Single auf dem deutschem Label Star-Club: ›That’s My Desire/Bring It On Home To Me‹) und sich dann in The Knack umbenannte (nach Richard Lesters Kinosatire „The Knack … And How To Get It“ von 1965) und diverse Singles auf den Labels Decca und Piccadily veröffentlichte. Als sich der Zeitgeist um 1966/67 dank Cream und der Jimi Hendrix Experience in Richtung Psychedelic und Progressive Underground drehte, beschlossen die Gurvitz-Brüder eine Fusion. Noch einige Zeit parallel zu The Knack und Rupert’s People starteten sie mit The-Knack-Drummer Louie Farrell als Trio im Mai 1967 The Gun. Regelmäßige Auftritte in Londoner Club-In-Spots wie UFO, Marquee und Speakeasy unterfütterten die Reputation von Gun positiv.

Was alsbald zu einem Plattenvertrag mit dem Major CBS/Columbia, der Debüt-LP GUN (mit Roger Deans erstem Cover-Design!) und der UK-Top-10-Single ›Race With The Devil‹ (beide 1968) führte. Album Nummer zwei, GUNSIGHT, ebenfalls im visionärem Proto-Metal-Underground-Modus samt temporeicher Solis von Adrian, legte 1969 zwar qualitativ, aber leider nicht in Sachen Absatz gleichwertig nach. Weitere signifikante Bandstationen folgten mit Three Man Army und Baker Gurvitz Army.