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Start Blog Seite 1378

Meat Loaf – HANG COOL TEDDY BEAR

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MeatLoafKeine neue Null-Diät, aber eben leider auch keine Haute Cuisine.

Dass Meat Loaf-Alben ohne seinen zweiteiligen BAT OUT OF HELL-Songwriter und -Arrangeur Jim Steinman immer nur die halbe Miete sind, ist eine durchaus berechtigte Einschätzung. Noch fürchterlicher aber wird es, wenn andere versuchen, Steinmans Genius nachzuahmen. Daran ist sogar Hard Rock-Hofkomponist Desmond Child gescheitert: Trotz einiger echter Steinman-Songs hat er als Produzent des unsäglichen BAT OUT OF HELL III: THE MONSTER IS LOOSE komplett versagt.

Insofern ist das elfte Meat Loaf-Album fast schon wieder eine Wohltat. Soundschrauber Rob Cavallo (Green Day) befreit das füllige Oktavenwunder mit frischem Wind aus seinem historischen Klang-Korsett, ohne dabei aber auf den pompösen Produktionsperfektionismus zu verzichten oder typische Meat Loaf-Merkmale gänzlich auszumerzen. Das (überwiegend gute) Songwriting ist gleich mehreren Musiker-Köpfen zuzuschreiben, und als Gaststars dürfen auf HANG COOL TEDDY BEAR mitunter Jack Black, Justin Hawkins (Ex-The Darkness), Brian May und Steve Vai ran. Sogar der symphatischste Doktor der TV-Geschichte hat einen Kurzauftritt: Hugh Laurie haut auf ›If I Can’t Have You‹ ausnahmsweise mal nicht verbal rein, sondern stattdessen in die Pianotasten. Und der alte Meat? Singt für Ü-60 immer noch wie ein junger Hackbraten-Gott. Kein neues Festmahl, aber es macht Spaß und trotzdem satt.

13th Floor Elevators – 7TH HEAVEN: MUSIC OF THE SPHERES – COMPLETE SINGLES COLLECTION

0f13233dada518ffaeb143eff2c0edb3Definitive Singles-Kollektion der Garagenrocker.

Drei Studioal­ben und ein Konzertmit­schnitt in zwei Jahren genüg­ten, um das texanische Garagen-Quintett um Sänger, Gitarrist und Komponist Roky Erickson in den Annalen der Rock-Historie zu verewigen. Mit 7TH HEAVEN: MUSIC OF THE SPHERES liegen endlich jene raren Mono-Mixe vor, die auf Börsen und Auktionen als 7-Inch-Singles schon seit Jahrzehnten absolute Höchst­preise erzielen. Mehr als 45 Jahre nach ihrer Entstehung zünden Garagenrocker wie ›You’re Gonna Miss Me‹, ›Reverberation (Doubt)‹, ›She Lives (In A Time Of Her Own)‹, ›Slip Inside This House‹ und ›May The Circle Remain Unbroken‹ noch immer ganz hervorragend.

Ihr Urheber Roky Erickson, der gerne als das amerikanische Gegenstück zu Pink-Floyd-Gründer Syd Barrett betrachtet wird, genießt seitdem Kultstatus, der durch zeitweilige Inhaftierungen und Zwangsaufenthalte in der Psychiatrie nur noch gesteigert wurde. Eigenwillige Cover von Bob Dylans ›It’s All Over Now Baby Blue‹ und Bo Diddleys ›Before You Accuse Me‹ sowie vier extrem rare Stereo-Mixe (drei echt, einer gefälscht!) der FRENCH RIVIERA EP machen die Kollektion zum Muss.

The Stooges – YOU DON’T WANT MY NAME… YOU WANT MY ACTION, EASY ACTION

stooges coverRare Artefakte, nur für Diehard-Fans geeignet.

Aufmerksamen Stooges-Fans dürfte nicht entgangen sein, dass zwischen THE STOOGES (1969) und FUN HOUSE (1970) einerseits sowie RAW POWER (1973) andererseits eine rund dreijährige Kreativpause liegt. In jener Phase stieg nicht nur der Konsum von Heroin, Alkohol und Tabletten, es veränderte sich auch die klassische Vierer-Besetzung: Für Bassist Dave Alexander kam Jimmy Recca, und Ron Asheton arrangierte sich mit James Williamson zum unschlagbaren Gitarren-Duo. Überlebt haben aus dieser Ära des Umbruchs keinerlei Studioproduktion, aber es existieren einige Konzertmitschnitte.

Vier dieser obskuren Artefakte finden sich nun inklusive Buch sowie Repliken von Polaroids und Tickets auf der auf 1000 Stück limitierten Box YOU DON’T WANT MY NAME… YOU WANT MY ACTION. Aufgezeichnet in Detroit, New York und St. Louis im April und Mai 1971, rackerte sich das Quintett jeden Abend durch die immer gleiche Set-Liste, von der lediglich ›I Got A Right‹ im Langzeit-Repertoire überlebte. Ein optisch schon ganz auf den Glam-Rock eingeschworener Iggy Pop tauchte öfter mal minutenlang im Publikum ab oder verzog sich wegen offensichtlich massiver Entzugserscheinungen gleich ganz in die Garderobe. Derweil rotierte die Rest-Band durch instrumentalen Prä-Punk wie ›Fresh Rag‹, ›Children Of The Night‹ oder das von ›Big Time Bum‹ in die Impotenzklage umgetitelte ›Over My Dead Cock‹.

Spirit – THE BEST OF 1968 – 1977: FRESH FROM THE TIME COAST

61vKBHAnFrLFacettenreicher Stilmix zwischen Post-Psychedelic und Fusions-Futurismus.

„Label­über­greifend“ lautet das Losungs­wort für das hinlänglich dokumentierte Werk der Westcoast-Formation Spirit. Mit ihrem Hang zu Genre-Überblendungen stachen Spirit seinerzeit hervor, die 43 auf zwei CDs verteilten Tracks von THE BEST OF 1968 – 1977: FRESH FROM THE TIME COAST dokumentieren die wechselhafte Geschichte des Quintetts in über 150 Minuten Spielzeit.

Es ist das erste Mal, dass die wichtigsten Tracks der fünf Epic- und vier Mercury-Alben auf einer Werkschau kompiliert wurden. Das Ergebnis ist ein ganz erstaunlicher Stilmix aus Rock, Jazz, Funk, Blues, Folk und Psychedelic. Stücke wie ›I Got A Line On You‹, ›Fresh Garbage‹, ›Dark Eyed Woman‹, ›1984‹ und ›Nature’s Way‹ avancierten zu Un­­derground-Favoriten, nach dem Wechsel ihrer Plattenfirma geriet Spirits Karriere allerdings ein wenig ins Stocken. Doch auch auf späteren Songs wie ›Victim Of Society‹, ›Looking Into Darkness‹ und ›Farther Along‹ musizierte die Band ungebrochen innovativ.

Public Image Limited – METAL BOX / PLASTIC BOX

public1_CD_backJohn Lydons Postpunk-Projekt: Experimente um ihrer selbst Willen.

Die 1978 von Ex- Sex-Pistol John Lydon mit Bassist Jah Wobble und Gitarrist Keith Levene gegründete Band brachte es im Laufe von 14 Jahren auf acht Studioalben – wie die Neuauflage des 1999 schon einmal aufgelegten 4-CD-Sets PLASTIC BOX in großzügigen 60 Songs illustriert: LP-Tracks, 12-Inch Mixes, BBC-Sessions sowie Single-A- und B-Seiten addieren sich zu einer Sammlung, die minutiös nicht nur die Entwicklung der Band,  sondern auch das Stilempfinden der achtziger Jahre seziert. Während das Kollektiv anfangs (›Flowers Of Romance‹) anarchistisch experimentierte, neigte sich die Ausrichtung nach Levenes und Wobbles Abgang zum Kommerziellen (›This Is Not A Love Song‹), und das Spätwerk spiegelte sich wortwörtlich im Titel ›Dissappointed‹ wider.

Mit Sinn fürs Detail wartet der Meilenstein METAL BOX auf: Drei CDs in runder Miniatur-Blechdose ahmen naturgetreu das Original aus dem Jahr 1979 nach: Elf reichlich schräge Klanglandschaften zwischen Dub Reggae, Post Punk und Prog Rock, die von diversen Kraut-Rockern, Captain Beefheart und Arnold Schönberg inspiriert wurden. Ob ›Death Disco‹, ›Poptones‹ oder ›Careering‹ nun als Kunst, Kakophonie oder Kokolores einzustufen sind, weiß wohl selbst John Lydon nicht genau. Der Mann hat jedenfalls Humor.

Mercury Rev – THE PEEL SESSIONS

CS1785102-02A-BIGKompromisslos eigenständiger Post-Punk.

Das amerikanische Quartett um Jonathan Donahue ließ  sich kommerziell nie vereinnahmen. Weshalb John Peel, die mittlerweile verstorbene britische Radio-Ikone und bekennender Indie-Förderer, Mercury Rev gleich mehrmals zu Studiosessions einlud. Zwischen 1991 und 2001 zog es die von der britischen Indie-Kultur inspirierte Combo gleich fünfmal in den Londoner Stadtteil Maida Vale, wie die Doppel-CD THE PEEL SESSIONS im Booklet notiert.

Etwa zur Zeit des punkigen Debüts YERSELF IS STEAM ging die erste Show über den Sender. 1999 folgte dann der Durchbruch mit dem makellosen Album DESERTER’S SONGS. Der Live-Mitschnitt beinhaltet zudem noch vier Songs von ALL IS DREAM sowie geschmackvoll inszenierte Cover-Versionen von so unterschiedlichen Künstlern wie Captain Beefheart, John Lennon, Black Sabbath und Peggy Lee. Was wiederum von Mercury Revs nach allen Seiten offener Experimentierlust zeugt.

The Rolling Stones – EXILE ON MAIN STREET

the_rolling_stones-exile_on_main_st.(3)Der Stones-Meilenstein findet Exil in einem Rundum-glücklich-Paket.

Verglichen mit der vorbildlichen Auswertung des Beatles-Katalogs ist das Gesamtwerk der Rolling Stones bislang nur dürftig aufbereitet. Jahrzehntelang saß der mittlerweile verstorbene Ex-Manager Allen Klein auf den millionenschweren Rechten des Stones-Katalogs der Jahre 1963 bis 1970, ohne dass er der künstlerischen Relevanz seiner einstigen Schützlinge auch nur ansatzweise gerecht geworden wäre. Offiziell unveröffentlicht blieben bis heute auf Bootleg in Hülle und Fülle erhältliche Outtakes, nur wenig besser erging es dem ab 1970 erschienenen Material auf Rolling Stones Records: Digital optimiert liegen STICKY FINGERS, GOAT’S HEAD SOUP und SOME GIRLS zwar mittlerweile vor, doch Alternativ-Takes, Demos und sonstige Raritäten suchen die Sammler meist vergeblich.

Im Zuge der Neuaufbereitung ließ der Meilenstein EXILE ON MAIN STREET reichlich lange auf sich warten. Entstanden ist das Werk in einer kritischen Phase, als sich die Band – auf der Flucht vor dem britischen Fiskus – nach Südfrankreich absetzte, um nicht Bankrott zu gehen. Unglaubliche Mythen ranken sich um den Entstehungsprozess des Doppelalbums, wahr davon sind die wenigsten.

Eher verhalten reagierte die Welt seinerzeit auf die 18 zwischen 1968 und 1972 entstandenen Tracks. Auch wenn die meisten Stücke nur Überbleibsel aus den Alben BEGGARS BANQUET, LET IT BLEED und STICKY FINGERS waren, reflektierten die zwischen Rock, Blues, Gospel, Soul, Folk und Country changierenden Klassiker ›Rocks Off‹, ›Loving Cup‹, ›Let It Loose‹ oder ›Shine A Light‹ den Zeitgeist von 1972 dennoch perfekt. Geschuldet ist der Aus-einem-Guss-Effekt vor allem Mick Jaggers Post-Produktion im Gespann mit dem Keyboarder Billy Preston.

Erhältlich ist die Neuauflage in mehreren Formaten: Für den kleineren Geldbeutel gibt’s die Originalversion. Auf der Deluxe Edition kommen zehn erst kürzlich entdeckte Bonustracks hinzu, darunter die Outtakes ›Plundered My Soul‹, ›Dancing In The Light‹, ›Following The River‹ und ›Pass The Wine‹ sowie zwei Alternativ-Versionen.

Das enorm aufwändig gestaltete Super Deluxe Package definiert einen gänzlich neuen Standard: Im Paket enthalten sind eine Vinyl-Replika-Ausgabe, eine 30-minütige DVD-Dokumentation mit Ausschnitten der Kinofilme ›Cocksucker Blues‹, ›Ladies and Gentlemen… The Rolling Stones‹ und ›Stones In Exile‹ sowie ein 50-seitiges Buch mit kaum bekanntem Fotomaterial.

Delaney, Bonnie & Friends – ON TOUR WITH ERIC CLAPTON

8123NYpmXVL._SL1175_Der allzu kurze Höhenflug eines talentierten Duos.

Als das in der amerikanischen Studioszene zwar hoch angesehene, dem Publikum aber nur leidlich bekannte Ehepaar Delaney Bramlett und Bonnie Lynn O’Farrell 1969 das Vorprogramm der britischen Supergroup Blind Faith bestritt, war es um Eric Clapton geschehen: Er heuerte nach Blind Faiths vorschnellem Ende umgehend bei Delaney, Bonnie & Friends an und tourte mit ihnen als Begleitmusiker im zweiten Glied durch Europa. Nach einem Auftritt in der Londoner Royal Albert Hall schloss sich dem Treck sogar noch der von den Beatles zunehmend frustrierte George Harrison an.

Während der Reise durch Europa wurde ON TOUR WITH ERIC CLAPTON mitgeschnitten – ein wahres Evangelium für jeden, der Southern Rock am liebsten ge­mischt mit Soul, Gospel und Rhythm’n’Blues genießt. ›That’s What My Man Is For‹ mündet im Mississippi Delta Blues, ›I Don’t Want To Discuss It‹ swingt hypnotisch, ›Comin’ Home‹ lässt Südstaaten-Rocker jubeln und ›Poor Elijah (Tribute To Robert Johnson)‹ preist den Blues-Veteranen und auch den Herrn.

Allzu lange existierte das hochkarätige Ensemble allerdings nicht: Eric Clapton griff sich Bobby Whitlock, Jim Gordon und Carl Radle, um Derek And The Dominoes zu gründen. Bobby Keys und Jim Price wechselten als Bläsergruppe zu den Rolling Stones. Joe Cocker rekrutierte für seine MAD DOGS & ENGLISH­MEN-Tournee Rita Coolidge und Leon Russell. Von diesem dreisten Raubzug allzu gieriger Engländer konnte sich das Südstaatenpärchen Delaney und Bonnie dann leider nicht mehr erholen.