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Start Blog Seite 1377

Danzig – DETH RED SABAOTH

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DanzigDie Schwarte kracht endlich wieder höllisch hymnisch.

Im Fall von David Bowies beiden letzten Veröffentlichungen bemühten die Experten gerne die Einschätzung, dies sei jeweils Bowies beste Platte seit SCARY MONSTES AND SUPER CREEPS. Was das bitteschön – bis auf den Horror-Hauch im Albumtitel – mit Danzig zu tun hat? Ganz einfach: Für DETH RED SABAOTH lässt sich eine analoge Behauptung aufstellen. Denn das neunte Studioalbum des bösen Elvis ist tatsächlich sein bestes nach DANZIG IV von 1994. Zwar nicht von Rick Rubin, sondern von Chef Glenn höchstpersönlich Hand-am-Schritt-produziert, sitzen melodiöses Muskelspiel, das markante, tiefe Gruft-Geheul und die Finster-Stimmung fast wieder so stramm wie einst. Das Gitarrenspiel von Prongs Tommy Victor glänzt im metallischen Mondlicht, und die Rhythmusfraktion aus dem zum Bass konvertierten Steven Zing (Samhain) und Schlagzeuger Johnny Kelly (Type O Negative) macht dämonischen Druck.

Noch viel schöner aber ist, dass Danzig hier endlich wieder durchgängig die Hymnen-Hantel schwingt. Egal ob breitbeinig balladesk wie beim grandiosen, in der Strophe an ›Sweet Dreams (Are Made of This)‹ erinnernden ›Rebel Spirits‹ oder beim harten Eröffnungs-Rocker ›Hammer Of The Gods‹ – nahezu jeder Song strotzt vor fetten Fleischerhaken-Hooks. Wie sein Schöpfer ein kleines teuflisches Meisterwerk.

Anathema – WE’RE HERE BECAUSE WE’RE HERE

1293979444Die Briten bleiben sich und ihrem Stilwechsel treu.

Mit ihren ehemaligen Mit-Wegbereitern der britischen Death/Doom- und Gothic Metal-Bewegung, My Dying Bride und Paradise Lost, hat Anathemas Sound schon lange nicht mehr viel gemein. Nunmehr im Progressive Rock-Ambiente angesiedelt, heißen die Referenzen eher Pink Floyd, Jeff Buckley und vielleicht sogar Coldplay. Melancholisch träumerische Pop-Harmonien, Piano-Tupfer und unbrüchig fragile Flächigkeit finden sich somit auch auf Anathemas achtem Album.

Mit einem Mix von Porcupine Trees Steven Wilson zur klanglichen Königsklasse veredelt, beweist WE’RE HERE BECAUSE WE’RE HERE, dass sich das ewig lange Warten auf den Nachfolger des genialen A NATURAL DISASTER aus dem Jahre 2003 gelohnt hat. Vincent Cavanaghs Gesang harmoniert durchgehend herzergreifend mit dem von Sängerin Lee Douglas, das stimmungsvolle Songwriting schmiegt sich behutsam, aber eindringlich ins Ohr, und auch atmosphärisch ziehen Anathema die richtigen emotionalen Register. Ein Album wie gemacht für den Strandspaziergang im warmen Schauer eines verregneten Urlaubstages.

Nevermore – THE OBSIDIAN CONSPIRACY

NevermoreEine Herausforderung für Nachwuchsmusiker: Wer diese Songs nachspielen kann, bekommt sein Diplom!

Die Schaffenspause von Nevermore, aus der die zwei exzellenten Soloalben von Sänger Warrel Dane und Gitarrist Jeff Loomis hervorgegangen sind, hat der Band offenkundig nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: Während Loomis endlich seine technische Versiertheit in voller Pracht ausleben – und Dane sich als Sänger und Songschreiber nachhaltig profilieren durfte, konzentrieren sie sich nun wieder frei von jeglichen Eifersüchteleien auf den vielschichtigen Progressive Metal ihrer Hauptgeldquelle.

Ähnlich wie beim Vorgänger THIS GODLESS ENDEAVOR (2005) zaubern Nevermore auch auf THE OBSIDIAN CONSPIRACY höchst unterschiedliche Stimmungen aus dem Hut: Mal klingt die Scheibe nach Rush, um schon im nächsten Track derbe Thrash-Attacken zu Tage zu fördern. An Komplexität ist diese Band ohnehin kaum zu übertreffen, erstaunlicherweise schaffen es Nevermore dennoch, den roten Faden des jeweiligen Tracks niemals aus den Augen zu verlieren.

John Norum – PLAY YARD BLUES

JohnNorumMit seinem neuen Soloalbum verneigt sich der Europe-Gitarrist vor dem Bluesrock der siebziger Jahre.

Mittlerweile beginnt man zu verstehen, warum John Norum einst den schwedischen Dukatenesel Europe in dessen kommerziell erfolgreichster Pfase verließ, um sich künstlerisch anderweitig zu orientieren: 1986 waren Europe eine jener austauschbaren Hairspray-Bands im Windschatten von Bon Jovi, deren zwar eingängiger, aber immer auch ein wenig simpler Hard Rock die Massen bewegte. Während also Europe-Sänger Joey Tempest die Gunst der Stunde nutzte und den Rahm seines ›Final Countdown‹-Geniestreiches abschöpfte, entwickelte sich Norum als Solokünstler zu einem der weltbesten Bluesrock-Musiker mit einer glänzenden Reputation in Fachkreisen.

Dies dokumentiert er nachhaltig auch auf seinem jüngsten Soloalbum PLAY YARD BLUES, auf dem er sich stilistisch an seinen Idolen orientiert, ohne sich jedoch an ihnen künstlerisch zu vergehen. Voller Inbrunst latscht Norum auf Wahwah- und Fuzz-Pedal, reanimiert die farbenfrohen Siebziger, wirkt dabei aber weder angestaubt noch ewig gestrig. Ganz im Gegenteil: Joe Bonamassa, Gov’t Mule und Konsorten sei Dank, dass diese in den frühen Siebzigern von der britischen Bluesrock-Szene um Free dominierte Musikgattung zurzeit eine neue Blüte erlebt.

Vor diesem Hintergrund demonstriert der schwedische Vollblutmusiker, dass er nicht nur Songs von Thin Lizzy (›It’s Only Money‹), Mahogany Rush (›Ditch Queen‹) und dem Mountain-Protagonisten Felix Pappalardi (›Travel In The Dark‹) mit eigenem Drive und persönlicher Attitüde zu neuem Leben erwecken kann, sondern in deren Geiste auch eigene Kompositionen scheinbar mühelos aus dem Ärmel schüttelt. Erstaunlich sein profundes Songwriting, noch lobenswerter seine dunkle Stimme, die wie eine Mischung aus Gary Moore, Phil Lynott und Glenn Hughes klingt.

Against Me! – WHITE CROSSES

AgainstMeWCcoverVerzockt!

Schlagzeuger Warren Oakes ist kurz vor Beginn der Aufnahmen zum fünften Against Me!-Album ausgestiegen, um ein mexikanisches Restaurant zu starten. Im Nachhinein muss man sagen: eine weise Entscheidung. Denn von der Klasse des Vorgängers NEW WAVE (2007) ist das Quartett aus Gainsville, Florida, inzwischen Lichtjahre entfernt. Nicht etwa, weil Mastermind Tom Gabel seinen beißenden politischen Zynismus und seinen Hang zu großen, hymnischen Melodien verloren hätte. Sondern weil die Produktion, für die kein Geringerer als Altmeister Butch Vig (Nirvana, Smashing Pumpkins) verantwortlich zeichnet, schlichtweg zu glatt geraten ist. Die Folge: Einige der Stücke erinnern eher an Bon Jovi denn an The Clash – und stehen somit im krassen Gegensatz zum engagierten Inhalt.

Was sich auf der Bühne vielleicht mit einer Extraportion Power und Spielwitz kompensieren lässt. Auf Tonträger aber nur einen Schluss zulässt: Die Band hat hier aufs falsche (Produzenten-) Pferd gesetzt – und sich gewaltig verzockt.

Jonny Lang – LIVE AT THE RYMAN

Jonny+Lang+-+Live+At+The+Ryman+(Front)Soul-Pop-Gospel-Blues, perfekt inszeniert. Zu perfekt.

Wann klingt der Blues immer am besten? Wenn er rau ist, unperfekt, emotional. Die Emotionalität darf man Jonny Lang nicht absprechen, die Virtuosität ohnehin nicht, doch LIVE AT THE RYMAN fehlt bei aller musikalischen Kompetenz etwas Entscheidendes: der Mut, auf instrumentale Brillanz und große Gesten auch einmal zu verzichten, um der Musik jenes Quentchen Spontaneität und Ruppigkeit zu lassen, das sie verdient hat.

Langs Rhythmusgruppe, die Backgroundsänger und vor allem Organist Tommy Barbarella bieten großes Handwerk, von Gitarrist Lang ganz zu schweigen – auch wenn sein Gesang bisweilen ein wenig arg an Tina Turner erinnert. Nur hat man eben immer wieder das Gefühl, dass jedes Feedback, jeder Schlenker und jeder Ausbruch zigmal geprobt wurden. Das gebietet die Muckerehre, schon klar, Lang will seinen Konzertbesuchern saubere Arbeit liefern, und das gelingt ihm zweifellos. Das Gute daran: Ein Mainstream-Publikum, das den Blues ansonsten für eine verstaubte Musik alter Männer hält, kommt dank Jonny Lang vielleicht doch noch auf den Geschmack. Nur hält es diese aufbereitete Version womöglich für das Original – und dann nimmt das Missverständnis prompt seinen Lauf, denn Blues und Perfektion passen eben leider so optimal zusammen wie Hardcore-Punk und Mitgliedschaft im Polizeiorchester.

Weshalb man diesem Live-Mitschnitt der Fairness halber eigentlich zwei Wertungen zukommen lassen müsste, eine für ein Rock-Publikum mit Affinität zu bodenständigen, aber bitteschön kultivierten Klängen – und eine weitere für Blues-Puristen, denen beseelt intonierende Backgroundsängerinnen ziemlich schnuppe sind. Aus dem Mittelwert ergibt sich dann: 7/10.

Vince Neil – TATTOOS & TEQUILA

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VinceNeilDer Crüe-Sänger macht noch immer eine ganz gute Figur.

Vince Neils Solowerk sieht zunächst wie eine Farce aus – es beinhaltet nämlich fast ausschließlich Cover-Songs. Neu ist der Titeltrack, ein Mötley-Rocker, leicht überproduziert und auf modern getrimmt. Tut nicht weh, aber auch nicht Not. Weiter geht’s dann mit dem Cover-Kabarett: Von The Sweets ›AC/DC‹ bis zu ZZ Tops ›Beer Drinkers And Hell Raisers‹ lieffert Neil Vorhersehbares, aber auch ein paar Überraschungen – ›Long Cool Woman‹ von den Hollies etwa, oder CCRs ›Who’ll Stop The Rain‹. Alles exzellent umgesetzt von den Slaughter-Kollegen Dana Strum und Jeff Blando sowie Drummer Zoltan Chaney. Mittendrin streut Neil einen weiteren neuen Track ein: ›Another Bad Day‹, eine echte Achtziger-Schmuse-Ballade. Ganz gediegen, das alles. Aber gibt es eigentlich jemanden, der Cover-Alben mehrere Male am Stück hört?

Melvins – THE BRIDE SCREAMED MURDER

MelvinsHässliche Perfektion: Melvins bleiben Besorgnis erregend.

Sie sind die dicke Fischgräte in der Kehle des Rockbusiness, die auch nach 25 Jahren noch quer steckt. Was nicht immer an ihrer Qualität liegt, sondern am Element des Schreckens, weiß man doch nie, was man bekommt – La Montanara-Chöre (wie hier in ›PG X 3‹), Metal mit Trompete oder Porno-Soundtracks im Kakerlaken-Kostüm.

Auch das neue Album schlägt also Haken, als gelte es das Leben – und ist dabei tight und unangreifbar. Auf ›The Water Glass‹ lebt Buzz seine Lust an Marines-Stammesgesängen mit Ruf und Antwort aus, die auch Jello Biafra begeistern, in Melvins-Hand aber noch perfider wirken. Sehr hübsch: Das genörgelte Who-Zitat am Ende von ›I’ll Finish You Off‹, das ein Doom-Cover von ›My Generation‹ ankündigt, während ›Evil New War God‹ und ›Hospital Up‹ an STAG-Zeiten erinnern.