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Start Blog Seite 1376

Grand Magus – HAMMER OF THE NORTH

1000x1000Der alte Heavy Metal und seine neuen Helden.

Viel treffender könnte ein Albumtitel wohl kaum sein: Das fünfte Album des sympathischen Schweden-Trios ist, bei Thor, tatsächlich ein furioser Heavy Metal-Hammer. Keine andere Band schlägt so treffsicher die Kutten-Brücke zwischen Tradition und Moderne, Doom und klassisch-harten Werten. Mit ihrem von Entombed-Bassist Nico Elgstrand produzierten fünften Album reihen sich Grand Magus endgültig in die heiligen Reihen ihrer großen Helden ein.

Die Referenzpalette dieses nordischen Götteralbums reicht dabei von Black Sabbath, Deep Purple über Dio bis hin zu Judas Priest – und noch darüber hinaus! Der Hymnen-Faktor ist einfach überwältigend: Der Opener ›I, The Jury‹ brodelt, ›Black Sails‹ tönt heroisch, der Titeltrack episch, während sich ›The Lord Of Lies‹ finster dahinschleppt.

Gezielt einzelne Höhepunkte herauszupicken ist schier unmöglich, denn das gesamte Album ist ein einziger Hit-Ritt. Fehlt eigentlich nur noch ein Warn-Aufkleber: HAMMER OF THE NORTH lässt jedes Metal-Herz vor Begeisterung schneller schlagen und verursacht Muskelkater – und das nicht nur im Nackenbereich. Denn wer fast 50 Minuten lang zwischen gereckter Faust und Pommesgabel wechseln muss, der braucht auch starke Arme.

Breed 77 – INSECTS

303Mehr Stahl als Flamenco.

Von Extravaganz-Befürwortern verehrt, von der Masse missachtet: Die Ethno-Metaller Breed 77 leben in Boden- oder Wolkennähe, aber nie dazwischen. Dreieinhalb Jahre Wartezeit nach dem komplexen dritten Werk IN MY BLOOD haben das Hass-Zuneigungs-Verhältnis nicht unbedingt verbessert.

Das soll INSECTS ändern: Arabisch-spanische Wurzeln formen aus Akustikgitarren und feuriger Percussion einen exotischen Rahmen, verdrängen dieses Mal aber nicht die Liebe zu progressivem (Thrash-)Metal und Alternative Rock. Auch Paul Isola weiß nach 14 Jahren genau, ob er Passagen melodisch streicheln oder zur Explosion brüllen muss. Letzteres geschieht als logische Antwort auf geradere Strukturen, mehr Härte und Rasanz viel häufiger als zuletzt.

Schade: Durchschnitts-Stampfer (›New Disease‹), ein leidlich spannendes Instrumental (›In The Temple Of Ram‹) und das zu nah am Original gehaltene Cranberries-Cover ›Zombie‹ locken weder Tote noch Untote aus der Kiste.

Deftones – DIAMOND EYES

PrintDie tauben Töne im zweiten Frühling.

Ihre letzten Alben waren eher zwiespältig – was das Quintett aus Sacramento jetzt mit DIAMOND EYES ebenso nachdrücklich wie eindrucksvoll korrigiert. Denn: Die elf Stücke zählen mit zum Besten, was die Truppe um Sänger/Gitarrist Chino Moreno jemals abgeliefert hat. Nämlich eine Mischung aus der Wut ihrer Anfangstage (›Adrenaline‹, ›Around The Fur‹), gepaart mit der Harmoniesucht ihres 2000er-Meilensteins WHITE PONY. Was für ein spannendes Wechselspiel aus frontalen Gitarrensalven und einer sphärischen Wall Of Noise, aus wütendem Geschrei und schmeichlerischem Gesäusel, brutaler Härte und gesteigerter Melodiesucht sorgt – und das nicht selten in ein und demselben Song.

Wobei der Auslöser für die künstlerische Selbstfindung leider Gottes ein sehr trauriger ist: der schwere Autounfall von Bassist Chi Cheng, der seit Ende 2008 im Wachkoma liegt und zum Pflegefall geworden ist. Ihn ersetzen Sergio Vega (Ex-Quicksand) – und eine Menge Power. Merke: Manchmal kann selbst aus einer Tragödie doch etwas wirklich Gutes entstehen.

Gogol Bordello – TRANS-CONTINENTAL HUSTLE

GogolBordelloEs fing alles so gut an. Und jetzt das: killed by Madonna!

Als Eugene Hütz in der internationalen Musikszene auftauchte, war der Exil-Ukrainer mit Wohnsitz NYC eine echte Sensation: Mit seinem neunköpfigen Kollektiv servierte er einen wilden Mix aus osteuropäischer Folklore und westlichem Punk. Was die Medienlandschaft zum Fantasiebegriff „Gypsy Punk“ verleitete – und Promis wie Madonna auf den Plan rief, die sich nun ganz ungeniert mit dem ach so hippen Multikulti-Sound schmückten.

Doch inzwischen ist der Hype großer Ernüchterung gewichen. Denn: Gogol Bordello haben nichts Neues zu bieten. Sie kochen nur bekannte Ideen auf, gefallen sich in der Rolle der romantisch-rebellischen Underdogs und thematisieren Abenteuer, Freiheit und Liebe. Wobei – und das verwundert – Hütz kaum Impressionen seines jüngsten Aufenthalts in Sao Paulo einfließen lässt (außer ›Uma Menina Uma Cigana‹) und über die Dauer von 13 Stücken erschreckend gleichförmig klingt. Was sich offensichtlich in enttäuschenden Verkäufen im UK und in den USA manifestiert. Für ein Major-Debüt, zumal unter der Regie von Rick Rubin, eine Riesenenttäuschung.

Bonaparte – MY HORSE LIKES YOU

BonaparteDie Berliner Multikulti-Band sorgt für schweißtreibende Moshpit-Action.

Viel mehr Rock’n’Roll-Zirkus geht nicht: Go-Go-Girls, eine boxende Ziege, tanzende Skelette und strippende Würste: Die Live-Auftritte von Bonaparte sind zweifellos eine Mischung aus Freakshow, Cabaret und Rockkonzert. In den vergangenen drei Jahren war die Gruppe rund um den Schweizer Frontmann Tobias Jundt mit den Songs ihres Debüts TOO MUCH permanent auf Tour. Nun legt das mehrköpfige Kollektiv, dessen Mitglieder im Schmelztiegel Berlin zusammenfanden, sein zweites Werk vor. Darauf gibt es erneut durchgeknallten Highspeed-Rock’n’Roll zu hören, bei dem knarzige Elektro-Beats auf punkige Gitar renriffs prallen.

Das titelgebende ›My Horse Likes You‹ gibt den Takt vor. Die erste Single-Auskopplung, ›Computer In Love‹, sowie das peitschende ›Fly A Plane Into Me‹ steigern das Tempo, bevor es mit der Burleske ›Rave Rave Rave‹ wieder etwas entspannter zugeht. Die größtenteils sehr hektischen, leicht hysterischen Songs sind für den heimischen Hörgenuss beinahe zu überdreht, doch wer Bonaparte wirklich verstehen will, der muss die Band ohnehin einmal live erlebt haben.

The Dead Weather – SEA OF COWARDS

DeadWeatherDer White Stripes-Chef mit widerspenstigem Blues- und Garagen-Rock, der gerade nicht auf den Dancefloor will.

Ein beachtliches Tempo legen die Herrschaften vor: Album Nummer zwei nur knapp zehn Monate nach dem Release des Debüts. Aber was soll man machen, wenn die Ideen sprudeln und die White Stripes wie auch die Queens Of The Stone Age bald ins Studio gehen, die nächstmögliche Veröffentlichung der jetzt aktuellen Songs sich folglich um zwei Jahre verschoben hätte? Eben, drum: auf den Markt damit.

Danke dafür, denn SEA OF COWARDS rumpelt so rotzfrech und verquer daher, dass das Ohropax qualmt und sich kräuselt. Ultimative Hits aka Tanzflächenfüller? Fehlanzeige. Jedoch begeht genau jener einen Fehler, der nach ihnen sucht. Schließlich ist nicht überall, wo Jack White draufsteht, eine ›Seven Nation Army‹ drin (vor allem wenn dieser „nur“ am Drumset sitzt). Bei den falschen Erwartungen an den Erstling, HOREHOUND, lag dieser Hund bereits begraben. Aber The Dead Weather sind viel mehr als die dritte Band des White-Stripes-Chefs und Bond-Song-Schreibers. Das Licht der übrigen Mitglieder der Nashviller Garagen-Rock-Formation wurde dadurch unter den Scheffel gestellt. Auf SEA OF COWARDS kristallisiert sich nun heraus, dass der hauptamtlich bei den Queen Of The Stone Age beschäftigte Gitarrist Dean Fertita den größten Input liefert (ohne der The-Kills-Frontfrau ­Alison Mosshart und Raconteurs-Basser Jack Lawrence damit zu nahe treten zu wollen). Vieles erinnert an die letzte Queens Of The Stone Age-Platte, auch an Them Crooked Vultures und Led Zeppelin.

Im Gegensatz zu jenen Blues-Rock-Ikonen, die gerne mal voll aufs Gaspedal drücken und unverhohlen gerade Kopfnicker-Riffs raushauen, bleibt es bei The Dead Weather im verspielten Bereich. Licks beherrschen weitgehend das Geschehen, hier und da sorgen elektronische Sperenzchen für etwas Abwechslung. Etwas mehr Song-Orientierung und vielleicht mal ein unwiderstehlicher Refrain wären nicht verkehrt. Aber da sind sie schon wieder: die falschen Erwartungen.

Godsmack – THE ORACLE

Review_Godsmack_The_Oracle_Front_1200x1200„Here we go“: Zeitreise zurück in die Hochzeit des New Metal.

Unglaublich, aber wahr: Godsmack haben sich neu erfunden. Die Bostonians spielen mittlerweile eine explosive Mischung aus treibendem Calypso-Electro, ausuferndem Psychedelic Metal à la The Mars Volta und individualistischem Singer/Songwriter-Rock aus dem Hause Okkervil River. Zu abwegig? Zu schön, um wahr zu sein? Und deshalb: frei erfunden?

Genau! Bei den Mannen um Sully Erna tendiert der Innovationsdrang nun mal traditionell gegen Null. Vier Jahre Auszeit bedeuten nicht automatisch ein Überdenken des bisher so gut funktionierenden Erfolgsschemas. Und so alternativ-rockt der Vierer weiter unbeirrt durch die Landschaft, als spielte er anno 2001 zusammen mit Papa Roach und Tool auf einer Bühne bei „Rock im Park“. Alice-In-Chains-, Disturbed-, Creed-, James-Hetfield-Zitate und Phrasengedresche („Love, hate, sex, pain/it’s complicating me sometimes“) inklusive.

Macht aber irgendwie sogar Laune. Unglaublich, aber wahr. Überraschungen allerdings sehen anders aus.

Norman Palm – SHORE TO SHORE

PalmNormanRoots Music, modern interpretiert: der Folk-Wunderknabe der Stunde.

Norman Palm verzaubert die Indie-Kids von London bis Tokio mit seinem federleichten Songwriting. Vor zwei Jahren veröffentlichte er sein schlicht SONGS betiteltes Debüt. Der Clou: In einem 200-seitigen Buch wurden die Stücke in Bildern festgehalten. Da der Kunststudent damals kein Label fand, weil das Projekt sehr teuer war – „und die Musikindustrie sehr pleite“ –, brachte er das ambitionierte Werk auf dem eigenen Label Ratio Records heraus.

Für sein zweites Album, SHORE TO SHORE, hat der knapp 30-Jährige, der zwischen Berlin und Mexico City pendelt, auf opulente Beigaben verzichtet. Zehn Songs, 40 Minuten, mehr braucht es nicht, um ein Grinsen ins Gesicht des Zuhörers zu zaubern. Die Stücke zeichnen sich durch scheppernde Mini-Beats, melancholische Melodien und elektronische Spielereien aus. Lediglich Palms markante, leicht nasale Stimme ist auf Dauer etwas anstrengend. Dennoch: ein wunderschönes, sehr modernes Folk-Album.