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Start Blog Seite 1375

Pretty Maids – PANDEMONIUM

pretty maidsTrotz Krise und Beinahe-Pleite sind die dänischen Melodic Metaller musikalisch in bester Stimmung.

Es ist kein Zufall, dass Sänger Ronnie Atkins in Interviews immer wieder eine Affinität zwischen ihrem neuen Album PANDEMONIUM und dem Klassiker FUTURE WORLD (1987) herausstellt. Es sind nämlich die gleichen Zutaten, die gleiche Intensität und die gleiche Begeisterung, die beide Werke auszeichnen.

Vergessen sind die harten Jahre, in denen die Maids durch die Pleite ihres Managements um etliche Konzerteinnahmen gebracht wurden und kurz vor dem Ruin standen. Die Dänen konnten die wirtschaftlichen Dinge neu sortieren und haben jetzt offenkundig den Rücken wieder frei, um genau so zu rocken, wie es sich die Fans wünschen. Wichtigster Impulsgeber ist dabei die fast gleichberechtigte Koalition aus Gitarre, Gesang und Keyboards, die einst FUTURE WORLD zu Rasse und Klasse verhalf und auch jetzt wieder für eitel Sonnenschein sorgt.

Tom Petty & The Heartbreakers – MOJO

TomPettyReif und souverän: Tom Petty und die Herzensbrecher, Ausgabe 2010.

Die Heartbreakers haben ihre Wurzeln in Gainesville, Florida, also im Norden des Sonnenstaats, wo das Leben mehr von Georgia, Alabama und der musikalischen Tradition des klassischen Südens geprägt ist als von der karibischen Leichtigkeit der Keys. Man tut gut daran, sich dies in Erinnerung zu rufen, wenn man MOJO verstehen will. Und noch etwas: MOJO ist kein Soloalbum, sondern das Produkt der Interaktion von sechs gleichberechtigten Musikern. Und die – das klingt in jeder einzelnen Note von MOJO durch – müssen rein gar nichts mehr beweisen. Singles, Hits, Radioplay – so what?

Stattdessen traten die Heartbreakers in ihrem Rehearsal Studio in Los Angeles, wo das Album weitgehend live und in ersten Takes eingespielt wurde, eine Reise durch die unterschiedlichsten Landschaften des klassischen Southern Rock an: Der psychedelische Blues von ›First Flash Of Freedom‹ erinnert an die Allman Brothers und Jerry Garcias verspielte Gitarren-Exkursionen, der swingende Swamp Boogie von ›Candy‹ grüßt Altmeister J. J. Cale – und der rustikale Drive von ›I Should Have Known It‹ bedient sich bei Lynyrd Skynyrd und deren mächtigen Riff-Gewittern. Weiter reicht die Palette vom archaischem Country-Blues (›U.S. 41‹) und leichtfüßigem Swing (›Let Yourself Go‹) bis hin zum lyrischen Lullaby ›Something Good Coming‹.

Wer kein neues ›Free Fallin’‹ oder ›American Girl‹ erwartet, wird auf MOJO über­reich belohnt – und zwar mit anspruchsvollen, durchdachten Songs und der in Jahrzehnten gereiften souveränen Musikalität einer Band, die ihren Job noch immer mit jeder Menge Lust und Freude verrichtet.

Korn – KORN III – REMEMBER WHO YOU ARE

korn1Einmal „Reset“ gedrückt und das Betriebssystem von 1996 installiert.

Ein Korn-Album alter Schule sollte KORN III – REMEMBER WHO YOU ARE werden, sagte Jonathan Davis, und gleichzeitig eine Reflexion sämtlicher Bandphasen seit 1993. Was sich ja nun auf den ersten Blick eher gegenseitig ausschließt. Aber seien wir ehrlich: Im Grunde wiederholten sich die Bakersfielder auf jeder ihrer bisherigen Platten von Neuem. Es kann also nicht so furchtbar schwer gewesen sein, die Synthese aller Bandphasen zu entwickeln.

Keine Frage: Gelungen ist es jedenfalls. Und es schwingt dabei auch der Geist von Frühwerken wie LIFE IS PEACHY und ISSUES mit, was wohl auch dadurch erklärbar ist, dass sich Korn zusammen mit Ross Robinson (Förderer und Produzent der ersten beiden Longplayer) in ein spartanisch eingerichtetes Studio verzogen und mit einem analogen Mehrspurrekorder statt mit den unvermeidlichen  Pro Tools aufgenommen haben. Im Gegensatz zu jüngeren Alben gibt es auf KORN III auch keine Keyboard-Sounds. All das hat den New-Metallern ohrenscheinlich gut getan: Das neunte Studioalbum dröhnt wunderbar ungefiltert und roh. Erfrischend.

Mike Patton – MONDO CANE

PrintWie üblich spinnt Mike Patton aus Stroh Gold.

Einfach unglaublich. Alles, was Mike Patton musikalisch antestet, funktioniert. Er kann den krankesten Noise-Kram zu einer Kultplatte formen, und er kann sich, wie bei Peeping Tom, am Mainstream-Sound versuchen – man nimmt ihm einfach jeden Ton ab. In Sachen Glaubwürdigkeit ist der Faith No More-Fronter also ganz vorne.

Nun aber wagt er sich selbst für seine Verhältnisse weit über seinen bisherigen stilistischen Horizont hinaus. Er nimmt sich italienischer Schlager der Fünfziger und Sechziger an, und zwar mit allem Drum und Dran: Band, Orchester und Chor. Dazu gibt Patton über weite Teile des Album den Crooner, kann sich zwischenzeitlich aber ein kleines Keifen und Kreischen nicht verkneifen. Die vorherrschende Stimmung ist jedoch ein entspanntes, mediterranes Flair, wenngleich immer mit einem leicht zynischen Unterton.

Das passt zu Mike Patton wie die Faust aufs Auge, schließlich hat er italienische Vorfahren und spricht auch die Sprache fließend. Und seine Heißblütigkeit kann man ihm ohnehin nicht absprechen. Außerdem muss selbst derjenige, der die Mischung aus Klassik, Italo-Pop, Spaghetti-Western und Soundtrack-Atmo für kitschig hält, zugeben, dass hier ein Mann am Werk ist, der all seine Liebe und Leidenschaft für Musik nach außen kehrt – und das offener und ehrlicher als die meisten seiner Kollegen. Wem das nicht zumindest etwas Respekt abnötigt, der hat definitiv kein Herz.

H.E.A.T. – FREEDOM ROCK

H.E.A.T - FREEDOM_ROCK - HIGHRES COVERKraftvoll und melodisch: AOR aus Schweden.

Speziell im AOR sind bekanntlich kompositorische Fertigkeiten, hohes spieltechnisches Vermögen und ein ausdrucksstarker Gesang vonnöten. Weil es nicht allzu viele Bands gibt, die all das wirklich drauf haben (weil die große Zeit des AOR bereits eine Weile her ist und das Genre mittlerweile fast schon in den Untergrund gewandert ist), nehmen Fans talentierte Genre-Vertreter umso dankbarer an. Ein Beispiel sind die 2007 aus der Asche der beiden Gruppen Dream und Trading Fate formierten Schweden H.E.A.T., die bereits 2008 mit ihrem viel beachteten Debüt für Furore sorgen konnten. Auftritte in England, Spanien, Deutschland, Frankreich, natürlich Schweden und sogar Japan untermauerten ihren Status.

Mit FREEDOM ROCK bestätigen H.E.A.T. nun den hervorragenden Eindruck mit einem Sack voller top produzierter, leichtfüßig inszenierter Songs. Sänger Kenny Leckremo führt sicher und souverän, Dave Dalone und Eric Rivers schwingen gekonnt die Gitarren und auch Tastenmann Jona Tee weiß sein Instrument geschickt einzusetzen. Für ›Black Night‹ stattete sogar Tobias Sammet von Avantasia und Edguy dem Sextett einen Besuch ab. Eine willkommene Angelegenheit für Freunde melodisch-rockiger Klänge.

Kju: – NEON LIGHTS CARVE SHADOWS

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31fjg-lyk7LAlternative Rock, ganz wunderbarer Natur.

Das vierte Album der über Hamburg, Hannover und Berlin verteilten Band bietet abermals mehr als anständigen Alternative Rock aus deutschen Landen. Songs wie der rasende Opener ›A Motorway Escape‹ oder auch das folgende ›The Art Of Gracious Living‹ kombinieren gefällig (Billy) Talent mit anderen moderat-modernen Rockformen und können dabei vor allem durch tolle, eingängige Refrains punkten.

Sänger Tobias Hartwig zeigt auch im weiteren Album-Verlauf, dass er sein Mundwerk gut beherrscht: vom hochemotionalen Ausbruch bis zu gemäßigten Passagen reicht sein Spektrum. Dazu gibt sich die Instrumental-Fraktion zwischen rockig und verspielt, ohne allzu aufdringlich bereits breitgetretenen Song-Schemata zu folgen.

Sollte der Albumtitel tatsächlich einen folgenreichen Wochenend-Streifzug durch die drei erwähnten Großstädte der Republik suggerieren, dann liefern Kju: in der Tat den optimalen Soundtrack dazu ab: abzappeln in angesagten Berliner und Hamburger Alternative-Clubs, bei Sonnenaufgang einen letzten verträumten Blick auf den Hafen werfen – und dann den Sonntag entspannt im heimeligen Hannover auf dem Sofa surfen. Wunderbare Sache.

The Parlotones – STARDUST GALAXIES

parlotonesDie größte Rockband Südafrikas – bei uns noch ein Geheimtipp.

In ihrer Heimat füllt die Gruppe um den Mastermind Kahn Morbee Stadien und hat sowohl Werbeverträge mit einem Laptop-Hersteller wie mit einer Fastfood-Kette, die in ihren Filialen sogar „das Parlotones-Menü” anbietet. Und wer den inzwischen vierten Tonträger der Formation aus Johannesburg hört, kann erahnen, warum: Weil dieses Quartett in eine ähnliche Kerbe schlägt wie die UK-Kollegen von Coldplay, Keane oder Travis. Eben gefühlvoller, sphärischer Pop-Rock mit tollen Melodien, großen Orchester-Arrangements und viel Gefühl.

Wobei die Afrikaner ihrer Konkurrenz zumindest eines voraus haben: Ihre Texte sind ironischer und bissiger. So glänzen vermeintlich kleine Fluchten wie ›Fly To The Moon‹, ›Fireworks And Waterfalls‹ oder das Titelstück mit der überraschenden Erkenntnis, dass es eigentlich nichts Schöneres gibt, als mit beiden Beinen im Hier und Jetzt zu stehen – und dass man auch zu Hause eine Menge Spaß haben kann. Sei es mit der eigenen Freundin oder beim Pokerabend mit den Kumpels. Das ist mehr Rock’n’Roll, als es Chris Martin je sein wird.

The Kings Of Nuthin’ – OLD HABITS DIE HARD

KingsOfNuthinSoundtrack für ein Halleluja.

OLD HABITS DIE HARD erinnert an ein imaginäres Wildwest-Treffen zwischen Little Richard, den Blues Brothers, Terence Hill und Bud Spencer. Das Album dient also als Klangkulisse für nur anhand von Schweiß-, Alkohol-, Blut- und Urinflecken rekonstruierbare Nächte: Mit Tor Skoogs dreckiger Stimme, Punk-/Rock’n’Roll-Schnodder, Surf-Gitarren, ausgelassenen Bläsereinsätzen, einem klimpernden Saloon-Klavier sowie s(ch)wingendem Waschbrett- und Kontrabass-Rockabilly zünden Bostons The Kings Of Nuthin’ eine Stimmungskanone nach der anderen. Vorwiegend mit festem Tritt aufs Gaspedal, doch auch Ausnahmen wie das melancholische Titelstück und der Pogues-Fahnen schwenkende Klavier-/Streicher-Rausschmeißer ›Congratulations‹ lassen keine Kehle austrocknen.

Gesellige notieren sieben, Einzelhörer fünf Punkte, denn im falschen Sozialrahmen funktionieren die 18 Songs nur so eingeschränkt wie Terence Hill ohne Bud Spencer.