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Start Blog Seite 1351

Curved Air – RETROSPECTIVE (ANTHOLOGY 1970 – 2009)

CurvedAirRetrospectiveAnthologyRepertoire Zwischen den Stilen: Großbritanniens Prog Rock-Hoffnung der siebziger Jahre.

Wenn heutzutage der Name Curved Air fällt, dann meist nur als Fußnote der Popgeschichte: Startete in einer der späteren Besetzungen der britischen Formation doch Police-Drummer Stewart Copeland seine Karriere. Dabei galt die Formation um Sängerin Sonja Kristina, E-Violinist Darryl Way und Multi-Instrumentalist Francis Monkman mal als Großbritanniens große Prog-Rock-Hoffnung, die auch noch hochwertige Chart-Hits der Sorte ›Back Street Luv‹ lieferte.

Trotz hoher Mitglieder-Fluktuation und zeitweiliger Trennung blieb die Kreativität des Quintetts stets auf hohem Niveau, wie das Doppel-CD-Set RETROSPECTIVE (ANTHO-LOGY 1970 – 2009) mit seinen 28 Tracks illustriert. Herrlich versponnen verbinden die 2008 reformierten Curved Air Klassik, Elektronik, Pop, Rock und Celtic Folk mit ganz eigener Note –auch wenn der Vergleich der einst als Sexsymbol der Hippies geltenden Sonja Kristina mit Jefferson Airplanes Grace Slick immer wieder bemüht wurde.

Paul Butterfield Band – ROCKPALAST: BLUES ROCK LEGENDS VOL.2 SPV

PaulButterfieldBandEin Mann brennt ausschließlich für den Blues – und verglüht.

In die Lehre ging der Mundharmonikaspieler und Sänger bei Blues-Legenden wie Muddy Waters, Howlin’ Wolf, Little Walter und James Cotton. Bei seinem Auftritt in der dritten ARD Rocknacht am 15. September 1978 galt Paul Butterfield schon beinahe selbst als Blues-Legende – wenn auch eine, die den kreativen Zenit bereits überschritten hatte.

Butterfield, der sich 1965 selbständig gemacht hatte und im gleichen Jahr beim Newport Folk Festival einen Eklat provozierte, als er elektrisch verstärkt auftrat und Teile seiner Band Bob Dylan begleiteten, liefert mit den neun rasanten Tracks von ROCKPALAST: BLUES ROCK LEGENDS VOL. 2 dennoch ansprechende Leistungen. Mit dem Doppel-Gitarrengespann Buzzy Feiten und Peter Atanasoff an seiner Seite zündete der 1987 verstorbene Frontmann, dessen Stimme ein wenig an Neil Young erinnert, ein beseeltes Blues-Feuerwerk. ›One More Heartache‹, ›New Walking Blues‹ und ›Be Good To Yourself‹ zehren ebenso vom Chicago-City-Blues wie vom Manic-Funk eines James Brown. Geradezu puristisch hingegen klingen ›Fool In Love‹, ›Goin’ Down‹ und ›Born Under A Bad Sign‹.

Black Oak Arkansas – 10 YR OVERNIGHT SUCCESS

1976-10YearOvernightSuccessWenn Erfolg zehn Jahre auf sich warten lässt.

Der Titel sprach Bände: Mit dem Album 10 YR OVERNIGHT SUCCESS spielte die Southern-Rock-Band Black Oak Arkansas 1977 auf den Frust an, der sich mit jeder neuen Veröffentlichung einstellte: Die Hoffnung, der ihnen vor Jahren vorausgesagte Er- folg möge sich doch nun endlich einstellen, war nämlich stets vergeblich. Auch das in nahezu komplett ausgetauschtem Line-up eingespielte neunte Studiowerk brachte nicht den erhofften Durchbruch in die Oberliga.

Dabei besaßen Black Oak Arkansas mit Jim „Dandy“ Mangrum einen Frontmann, der die energetischeitle Aura von Van Halens David Lee Roth und Skid Rows Sebastian Bach um Jahre vorwegnahm. Doch der allzu gefällige Mainstream-Rock, den die Südstaaten-Jungs nach erklecklichen Anfängen mit dann schnöde vom Publikum übersehenen Werken wie KEEP THE FAITH, HIGH ON THE HOG und STREET PARTY servierten, war nicht dazu angetan, echte Breitenwirkung zu entfalten. Im Gegensatz zu REO Speedwagon, Styx und Journey gewannen Black Oak Arkansas nach Punk und New Wave keinen Blumentopf mehr.

Dickey Betts & Great Southern – 30 YEARS OF SOUTHERN ROCK (1978-2008)

DickeyBettsGreatSouthernLord, I Was Born A Ramblin’ Man – Southern Rock in Bestform.

Wie ein dunkler und übermächtiger Schatten liegt der 1971 allzu früh verstorbene Gitarrenvirtuose Duane Allman auch noch nach rund 40 Jahren über Dickey Betts’ Talent. Als gleichwertiger Spar-ringpartner Duanes bei den Allman Brothers schrieb Gitarrist und Sänger Betts immerhin die noch heute populären Classic-Rock-Hymnen ›In Memory Of Elizabeth Reed‹, ›Ramblin’ Man‹ und ›Jessica‹. Es war Betts’ Idee, die melodischen Sologitarren in langen Instrumentalpassagen exakt mehrstimmig zu doppeln, aber auch kantige Riffs gegen Allmans elegantes Slide-Spiel zu setzen. Dickey Betts’ 1976 aus der Taufe gehobene Nachfolge-Formation Great Southern schneidet denn auch keinen Deut schlechter ab.

Für die Doppel-CD 30 YEARS OF SOUTHERN ROCK (1978 – 2008) koppeln sich zwei Konzertmitschnitte im Abstand von exakt 30 Jahren: Als wahre Sternstunden des Southern Rock erweisen sich die sieben Tracks der Rockpalast-Nacht vom 4. März 1978. Doch auch das Bonner Konzert mit weiteren neun Live-Impressionen aus dem Jahre 2008 hält den hohen Standard.

Allman-Brothers-Klassiker versus Great-Southern-Originale – eine Schlacht, die stets unentschieden ausgeht.

John Mayall – SO MANY ROADS: AN ANTHOLOGY 1964 – 1974

JohnMayallSoManyRoadsAll Is Blues: Ein Prophet, der auf vielen Straßen unterwegs ist.

Als britischer „Godfather Of Blues“ wird er gerne apostro-phiert, obwohl er sich das Prä-dikat gerechterweise mit Mentor Alexis Korner teilen müsste: John Mayall, der eiserne Purist, leidenschaftliche En- thusiast, aber auch neugierige Innova-tor und notorische Fremdgeher. Mit 40-seitigem Booklet und 74 Tracks auf vier CDs gibt das Box-Set SO MANY ROADS: AN ANTHOLOGY 1964 – 1974 einen ausführlichen Einblick über die ersten zehn Jahre von Mayalls Karriere, die auch qualitativ seine besten waren. Obwohl der mittlerweile 76 Jahre alte Sänger, Gitarrist, Mundharmonika-spieler und Komponist auch noch im Rentenalter für manch Überraschung gut ist. Mayall beeindruckt auf SO MANY ROADS mit Experimenten wie einer Blues-Suite (BARE WIRES), lobpreist seine zeitweilige Zweit-Hei-mat Kalifornien (BLUES FROM LAU-REL CANYON) und erforscht auf aku-stischer Basis die Grenzgebiete zwi-schen Jazz und Blues (THE TURNING POINT).

Unterstützung erhielt der Missionar auf seinem Kreuzzug durch viel versprechende Virtuosen, die Mayalls mitunter harte Blues-Schule durchliefen, um wenig später außergewöhnliche eigene Karrieren zu starten: Eric Clapton, Peter Green, Jack Bruce, Mick Fleetwood oder John McVie begleiteten ihren Förderer jeweils ein kleines Stück des Weges auf jener kontinuierlichen Reise, die bis heute anhält und fasziniert.

Peter Frampton

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Peter Frampton 2Der Ex-Humble Pie-Gitarrist mit neuem Soloalbum.

Peter Frampton hat Humor. Wenn er in Hotels eincheckt, dann benutzt er oft den Namen eines bekannten Sportlers als Pseudonym. Die Parallelen zwischen Frampton und seinem Alter Ego sind nämlich verblüffend: Beide sind in jungen Jahren von einer Welle der Teenie-Hysterie überrollt worden. Nur dass es im Fall von Peter Frampton schon eine Weile her ist, seit er mit Humble Pie die Mädchenherzen eroberte. Und mit nackter Brust fürs Cover des Magazins „Rolling Stone“ posierte. Ein Fehler, wie er heute weiß. Denn spätestens seit dem Beginn seiner Solokarriere im Jahr 1976 hatte der Gitarrist seine liebe Mühe damit, die Hörer von seinen spieltechnischen Fähigkeiten zu überzeugen – so fixiert waren die meisten auf sein Image als Teenieschwarm.

Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Frampton ist inzwischen 60 Jahre alt und begeistert die Fans vorwiegend mit Musik – und zwar aktuell mit seinem neuen Album THANK YOU, MR. CHURCHILL.

Peter, der Albumtitel klingt patriotisch…
Nun, das ist in der Tat auch beabsichtigt. Ich bedanke mich mit der Platte quasi nachträglich bei den Alliierten, dass sie den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben. Wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke, dann bin ich froh, dass es so gekommen ist. Denn wenn nicht, wäre ich wohl gar nicht auf der Welt… Zudem habe ich auf der Platte viele persönliche Erinnerungen verewigt. In ›Vaudeville Nanna And The Banjolele‹ etwa. Als Siebenjähriger wurde ich auf den Dachboden geschickt wurde, um die Koffer für unseren Sommerurlaub herunterzuholen. Dabei fand ich eine Banjolele, die meine Großmutter meinem Vater geschenkt hatte. Er zeigte mir daraufhin, wie man sie spielt – als erstes Stück lernte ich ›Hang Down Your HeadTom Dooley‹.

Inzwischen hast du erfolgreich Karriere gemacht und insgesamt 14 Soloalben veröffentlicht. Warum sollen die Fans also dein neues Werk kaufen?
Weil es symbolisiert, für was ich heute stehe. Ich bin nun seit über sieben Jahren clean – das ist auch der Grund dafür, warum ich mich mental verändert habe. Zwar kann man als Abhängiger nie sagen, dass man es endgültig geschafft hat, denn man lebt immer nur von einem Tag zum nächsten, aber die lange Phase der Abstinenz hat mir ein gewisses Gefühl der Sicherheit verschafft.

Wie gehst du damit um, dass du schon in deinen Sechzigern bist?
Na ja, ich bin ja gerade erst in diese Phase eingetreten. Bislang geht es mir gut damit. In meinem Innersten bin ich ohnehin immer noch der 18-Jährige, der bei Humble Pie spielt.

Du hast angeblich gesagt, dass du froh über deine Glatze bist, weil dich die Mädchen nicht mehr anhimmeln. Stimmt das?
Ich wollte als guter Musiker wahrgenommen werden, nicht als Pin-up-Rocker. 1980 kam mal jemand nach meiner Show zu mir und sagte: „Hey, ich wusste gar nicht, dass du Gitarre spielen kannst.“ Das war eine krasse Erkenntnis für mich. Als ich meine Haare verloren habe, war mir klar, dass nun nur die wahren Fans übrig bleiben würden. Richtig deutlich wurde das aber erst mit dem 2007er-Grammy für FINGERPRINTS.

 

Black Sabbath Erfolgsparanoia

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Bill at Drums 01Im September 1970 wurde eines der wichtigsten Alben der Rockhistorie veröffentlicht: PARANOID von Black Sabbath. Nun gibt es eine DVD, auf der die Band die Entstehungsgeschichte der Platte Revue passieren lässt. Und Schlagzeuger Bill Ward erinnert sich für CLASSIC ROCK persönlich an die aufregendste Zeit seiner Musikerlaufbahn zurück.

Handelte es sich etwa um einen geschickt platzierten Geniestreich? Oder um puren Zufall? Vielleicht schlicht um eine Verkettung glücklicher Umstände? Wohl alles zusammen! Es sind jene legendären Tage im Juni 1970, in denen Black Sabbath quasi ein neues Genre erfanden – die Veröffentlichung ihres Klassikers PARANOID gilt nämlich als die Geburtsstunde des Heavy Me-tal. Insbesondere der Titeltrack ist ein grandioses Bindeglied zwischen revolutionärem Underground und massenkompatibler Pop-Kultur.

Das liegt auch an den magischen Worten von Sänger Ozzy Osbourne, dem Fürsten der Finsternis, dessen elegische Stimme im Song ›Paranoid‹ um Hilfe fleht, nur um zeitgleich festzustellen, dass die Liebe für ihn immer etwas Unerfüllbares bleiben wird: „Finished with my woman, ‘cause she couldn’t help me with my mind, people think I’m insane, because I am frowning all the time.“ In der zweiten Strophe heißt es dann: „All day long I think of things, but nothing seems to satisfy, think I’ll lose my mind, if I don’t find something to pacify.“ Das Klagen in Osbournes Stimme, die treibende Hookline von Riffmeister Tony Iommi: Hier verschmelzen sie zu einem der wohl magischsten Momente der Musikgeschichte.

Veröffentlicht wird das Album wenig später, am 18. September 1970 – nur knapp ein halbes Jahr nach dem Debüt BLACK SABBATH. Es katapultiert Black Sabbath in nahezu sämtliche Pop-Charts der westlichen Hemisphäre. Der Titeltrack ist der Schlüssel zur Platte, und zwar einer, der einem genialen Geistesblitz, einer Laune der Kreativität entsprungen ist. „Unsere beiden Produzenten Rodger Bain und Tom Allom eröffneten uns unmittelbar vor dem Ende der Studiosession, dass eigentlich noch ein Stück fürs Album fehlte“, erinnert sich Schlagzeuger Bill Ward an die Tage in den Londoner Regent Sound- und Island Studios. „Wir hatten jedoch all unsere halbwegs ausgearbeiteten Ideen bereits verwendet, mehr gab es nicht.“

Doch die Zeit drängt, deshalb bleiben Bain und Allom hartnäckig. Kurzentschlossen schicken sie die vier Musiker Osbourne, Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward zum Mittagessen in ein Pub auf der gegenüberliegenden Straßenseite, verbunden mit einem konkreten Auftrag: „Rodger sagte: ,Macht mal ’ne kurze Pause und denkt über neue Songideen nach. Anschließend starten wir ein paar Versuche!‘ Wir saßen also beim Essen in diesem Pub, diskutierten diverse Möglichkeiten und überlegten uns Alternativen, falls nichts Brauchbares dabei herauskommen würde, als Tony meinte: ,Es gibt da noch ein Riff, das mir seit einigen Tagen im Kopf herumgeistert. Ich gehe schon mal rüber ins Studio und probiere es aus.‘“

Als Osbourne, Butler und Ward nur wenig später ihrem Gitarristen folgen, stehen bereits die Fundamente von ›Paranoid‹. „Es war unglaublich! Tony hatte das Eröffnungsriff vollständig ausgearbeitet, auch die Strophe und der Rhythmus waren schon vorbereitet“, so Ward auch heute noch euphorisch. Kurzentschlossen schreibt Geezer Butler den legendären Text dazu – ohne eigentlich genau zu wissen, was „paranoid“ überhaupt ist. Ihm ist dieser Begriff nur deswegen vertraut, weil es sein eigener Spitzname ist, den ihm Freunde Jahre zuvor verliehen haben. „Es dauerte keine 20 Minuten, da war ›Paranoid‹ im Kasten“, staunt Ward noch heute. „Am nächsten Tag machte Tony nur noch ein paar Gitarren-Overdubs, und fertig war die Sache.“

20 Minuten, die zunächst nur den Albumtitel verändern – aus dem ursprünglich geplanten WAR PIGS wird PARANOID, für ein neues Cover-Motiv bleibt aber keine Zeit mehr. Doch diese kurze Zeitspanne wird das komplette Leben der Musiker über den Haufen werfen. In England und Deutschland klettert das Werk auf Platz eins beziehungsweise Platz zwei und hält sich wochenlang in den Charts. In Amerika landet die Scheibe im Februar 1971 auf Rang zwölf – das ist der internationale Durchbruch. „Auf eine solche Resonanz waren wir überhaupt nicht vorbereitet“, gesteht Ward. „Wir waren jung, wollten unseren Spaß haben und freuten uns, zum ersten Mal etwas Geld in die Hand zu bekommen. Doch nach der Veröffentlichung von PARANOID brachen alle Dämme.“

Aber es ist nicht nur der gigantische Titeltrack, der das Album zu einer der einflussreichsten Veröffentlichungen der Rockmusik macht. Es sind auch die anderen Nummern der Scheibe, die Publikum wie Presse gleicher-maßen faszinieren. Das böse ›War Pigs‹ zum Beispiel, ein frontaler Angriff gegen das Militär und seine menschenverachtenden Methoden. Zudem das melancholische ›Iron Man‹ und der selbstkritische Track ›Hand Of Doom‹, quasi eine weitere Steilvorlage für eine neue Musikrichtung: Doom Metal.

Für die vier Musiker von Black Sabbath bedeutet der riesige Erfolg zu-nächst eine Neuorientierung. Ihr im Frühjahr 1970 erschienenes Debüt hat sie zwar überregional bekannt, aber beileibe nicht weltweit berühmt ge-macht. Durch PARANOID werden aus den Beteiligten Superstars, deren Erwartungshaltung an die eigene Zielsetzung sofort ins Unermessliche steigt: „Wir dachten, natürlich, dass wir unbedingt weitere Single-Hits schreiben müssten“, gibt Ward zu. „Damals waren wir gerade mal Anfang 20, hatten keine Ahnung vom Musikbusiness und glaubten, dass die Zu­kunft der Band nur aus Chart-Singles bestehen würde. Zum Glück zeigte uns MASTER OF REALITY sofort, dass Black Sabbath auch ohne einen alles überragenden Song fortbestehen konnten.“

Denn trotz der Lobeshymnen für PARANOID, den kommerziellen Erfolgen und umjubelten Konzerten kehrt die Band 1971 wieder zu ihrem eigentlichen Anliegen zurück: „Für MASTER OF REALITY galt das, was im Grunde für alle Scheiben dieser Band zutrifft: Wir schrieben nur Songs, die uns selbst gefielen. Keine Nummer in der Geschichte von Black Sabbath wurde mit irgendeinem Kalkül komponiert, weder ›Paranoid‹ noch irgendein anderer Track auf den späteren Veröffentlichungen. Die Songs mussten uns gefallen, andere Kriterien gab’s nie.“

Ob allen Musikern von Black Sabbath ihr größter Hit wohl auch heute noch gefällt, obgleich es in 40 Jahren kaum ein Konzert mit einem der beteiligten Musiker gegeben haben dürfte, bei dem ›Paranoid‹ nicht gespielt wurde? Schlagzeuger Bill Ward jedenfalls kann dem Stück immer noch viel Freude abgewinnen: „Ich spiele es ja ständig anders, niemals gleich. Mal ist ein Break anders, mal wird das Tempo variiert. Deshalb bringt ›Paranoid‹ immer noch Spaß, aber das trifft letztendlich auf alle Lieder des Albums zu.“

 

Black Country Communion – Die Zangengeburt

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Black Country Communion 2010 @ Robert Knight 3Der Start hätte durchaus problemloser ausfallen können: Ein Streit um die Namensrechte sowie Unstimmigkeiten zwischen den Musikern haben das Projekt von Glenn Hughes, Joe Bonamassa, Jason Bonham und Derek Sherinian anfangs stark belastet. Manch einer befürchtete, und das nicht zu Unrecht, dass das Debütalbum vielleicht nie in die Läden kommen würde. Doch einige reinigende Verbalgewitter und Rechtsanwaltbesuche später ist es nun soweit: Black Country Communion bringen am 17. September ihr erstes Werk auf den Markt.

Aller Anfang ist schwer – das gilt für Supergroups ganz besonders. Denn wenn renommierte Rocker wie Glenn Hughes, Joe Bonamassa, Jason Bonham und Derek Sherinian ein gemeinsames Projekt ankündigen, dann schlägt das natürlich Wellen in der Szene. Und: Der Druck auf die Beteiligten steigt. Joe Bonamassa, einer der Protagonisten von Black Country Communion, versucht auf seine ganz eigene Art und Weise, damit klarzukommen: „Natürlich haben die Menschen hohe Erwartungen, wenn sich vier etablierte Musiker zusammentun. Aber wenn ich von mir ausgehe, dann kann ich nur sagen: Es ist mir egal, wer in der Band spielt, für mich zählt die Qualität der Songs. Und wenn die nicht stimmt, hilft auch alles andere nichts!“

Ziemlich bodenständige Einstellung, insbesondere für jemanden, der momentan zu den angesagtesten jungen Bluesrock-Talenten zählt. Im Grunde könnte er sich denken, dass das alles keine Rolle spielt. Die Leute greifen schon zu, wenn sie die vier Namen auf dem CD-Sticker sehen. Doch das ist Bonamassa zu wenig, geht ihm gegen den Strich. Er will mehr: „Ich möchte ein herausragendes Album mit Black Country Communion machen“, betont er. „Alles andere wäre nur Verarsche. Wir wollen uns doch nicht wie Pferde vor einen Promokarren spannen lassen.“
Der Gitarrist glaubt an das Potenzial der Band, wie er schon im Interview in CLASSIC ROCK #1 betont hat. Die Songs stehen für ihn im Mittelpunkt, und die sind nach Bonamassas Auffassung „sehr, sehr gut“ geworden.

Der Bluesrocker beweist damit nicht nur, dass er mit Herz und Leidenschaft bei der Sache ist, sondern erweist auch seinen Kollegen Respekt. Sänger Glenn Hughes kennt er seit drei Jahren – und spätestens seit einem gemeinsamen Jam im House Of Blues-Club im letzten November schwärmen sie gegenseitig vom jeweiligen Genius des anderen. Bei besagter Show ist nicht nur deutlich geworden, dass die beiden auch musikalisch harmonieren, sondern zugleich auch den Grundstein für die Entstehung von Black Country Communion legten. Produzent Kevin Shirley, der ebenfalls vor Ort war, schlug damals schon vor, dass die beiden ein gemeinsames Projekt starten sollten. Und zwar am besten mit Jason Bonham und Derek Sherinian. So einfach kann es manchmal sein – zumindest am Anfang.

Hughes jedenfalls war sofort begeistert von der Idee und wollte direkt loslegen. Die besondere Konstellation der Band hatte es ihm angetan, denn insbesondere mit Jason Bonham verbindet ihn eine langjährige Freundschaft, die bis in Bonhams früheste Kindheit zurückreicht. „Ich kannte Jasons Vater John sehr gut, denn er kam oft vorbei, um mit meiner damaligen Band Trapeze zu jammen“, erinnert sich Hughes, der später bei Deep Purple einstieg. „Eines Tages besuchte ich Bonham zu Hause. Als ich reinkam, saß John gerade mit dem damals vierjährigen Jason vor dem Drumkit und brachte ihm einige Tricks bei. Und jetzt spielt er gemeinsam mit mir in einer Band. Für mich ist das eine Ehre – denn es gibt nicht viele Menschen, die schon mit beiden Bonhams zusammengespielt haben. Auch mit Derek verbindet mich eine langjährige Beziehung. Ich kenne ihn seit über 20 Jahren. Er ist wirklich ein grandioser Keyboarder!“

Die Rahmenbedingungen könnten also perfekter nicht sein. Alle Beteiligten verstehen sind und schätzen einander, ein Produzent steht auch schon bereit. Könnte also sofort losgehen. Doch dann tauchen die ersten Probleme auf. Der Wunsch-name für das Projekt ist schon vergeben – eine Band namens Black Country meldet ihre Rechte an, als sie erfährt, dass sich Hughes, Bonamassa, Bonham und Sherinian so nennen wollen. Um einen langwierigen und teuren Prozess zu vermeiden, einigen sich die Parteien. Aus Black Country werden Black Country Communion.

Doch damit nicht genug. Parallel zum Hickhack über den Projektnamen meldet sich Kevin Shirley via Facebook zu Wort. Er schäumt vor Wut – und wirft den Musikern und deren Managern Habgier und Geltungssucht vor, lediglich Joe Bonamassa spart er in seiner Tirade aus. Hintergrund der Attacke: Wie so häufig bei Supergroups wollen alle Beteiligten (und insbesondere die dahinterstehenden Geschäftspartner) ein großes Stück vom Riff-Kuchen abhaben. Ein Hauen und Stechen setzt ein, das Shirley zur Weiß-glut treibt. „Die Sache wird wohl nicht wieder ins Reine kommen“, sagt er den Kollegen vom britischen CLASSIC ROCK-Magazin. „Es ist wirklich eine Schande, denn die Songs sind viel zu gut, um einfach so auf einer Festplatte zu versauern. Doch die Idee, die dahinterstand, ist in dieser Form einfach nicht umzusetzen. Black Country Communion sollten von den unterschiedlichen Talenten der beteiligten Musiker leben, Einflüsse von Deep Purple und Led Zeppelin in sich vereinen und das Ganze auf ein neues, anderes Niveau hieven. Doch der Teamgeist und die Kameradschaft, die im Studio noch zu spüren war, ist nun vollständig verschwunden. Die Gier hat sie vernichtet.“

So emotional und sicherlich auch etwas naiv diese öffentliche Wortmeldung von Kevin Shirley auch war – sie hat tatsächlich dazu geführt, dass die vier Musiker ihre Haltung neu überdenken wollten. Endlich brachten sie alle Probleme auf den Tisch – und arbeiteten gemeinsam an einer Lösung. Ein Silberstreif am Horizont.

„Nun, Kevins Posting hat uns dabei geholfen, die Dinge wieder etwas objektiver zu betrachten. Jedem von uns war klar, dass nun etwas passieren musste. Also schnappten wir uns ein Telefon, riefen uns gegenseitig an und besprachen die nächsten Schritte. Jeder durfte seine Bedenken klar und deutlich äußern, und das war wichtig“, sagt Bonamassa rückblickend. „Manche Dinge ließen sich relativ schnell aus der Welt schaffen, bei anderen dauerte es eine Weile. Jeder von uns steht beispielsweise bei einem anderen Management, Label oder Tourveranstalter unter Vertrag. Die Leute dort haben natürlich Angst, dass ihnen Black Country Communion in der Quere kommen, wenn sich Konzerte oder Veröffentlichungstermine überschneiden. Daher mussten wir eine Weile hin- und herüberlegen und etliche Zugeständnisse machen, doch am Ende ist alles gut ausgegangen. Jeder ist zufrieden. Das Wichtigste an der ganzen Geschichte war für mich die Erkenntnis, dass die Freundschaft zwischen Glenn, Jason, Derek und mir an erster Stelle stehen muss – danach erst kommt alles andere!“

Das sieht auch Glenn Hughes so, mit dem Shirley alles andere als zimperlich umgesprungen ist. Doch der 59-Jährige, der seit über vier Jahrzehnten im Rock-Geschäft vorne mitspielt, gibt sich inzwischen geläutert. Er weiß, dass Fehler passieren – und speziell im Musikbusiness sind die Geier selten weit. Obwohl er sich der Tatsache bewusst ist, dass es – zumindest auf Dauer – nicht einfach sein wird, das Projekt Black Country Communion als konstant tourende Band am Laufen zu halten, freut er sich darüber, dass zumin-dest für die ersten Schritte eine Lösung gefunden werden konnte. „Es gab heftige Geburtswehen, um es vorsichtig zu formulieren“, setzt Hughes an. „Das will ich auch gar nicht bestreiten. Aber im Grunde ist das gar nicht mal so schlecht. Rock’n’Roll ist nicht schön. Die Musik packt man nicht einfach in eine schicke gelbe Box, bindet ein Schleife drumherum und bringt sie zum Nachmittagstee mit. Rock’n’Roll muss immer unberechenbar und schmutzig sein. Anfangs ist bei Black Country Communion ein bisschen dreckige Wäsche gewaschen worden – und wenn schon…

Das gehört jetzt der Vergangenheit an! Ich zumindest freue mich auf die neuen Herausforderung. Seit Jahren war ich kein Teil einer Band mehr. Jetzt kann ich mich wieder voll ausleben. Und das ohne den ganzen Kram von früher, die Drogen, den Alkohol und all das Zeug. Die Leute fragen mich immer, wieso ich glaube, dass ich heute besser singe als mit 25. Die Antwort ist ganz simpel: Weil ich nicht auf Crack bin. Und weil es Gott gut mit mir gemeint hat, indem er dafür sorgte, dass ich meine Stimme trotz der höllischen Drogenphasen nicht ruiniert habe. Jetzt kann ich wieder mit einer Band rocken, und zwar auf großen Bühnen und in einem angemessenen Rahmen. Das ist großartig!“

Eine erste Kostprobe ihres Könnens haben Black Country Communion bereits abgeliefert. Im März, während Bonamassas US-Tourstopp im kalifornischen Riverside, gab der frisch formierte Vierer sein Live-Debüt. Joe Bonamassa verzichtete dafür auf seinen Solo-Zugabenblock und holte seine drei Kollegen zu sich auf die Bühne. Dort spielten sie das Cover ›Mistreated‹ sowie die erste, von den Fans bejubelte Eigenkomposition ›One Last Soul‹.

Mitte September bekommt die Welt nun das komplette Album zu hören – mehr zu den einzelnen Songs ist im Rezensionsteil dieser CLASSIC ROCK-Ausgabe nachzulesen. Glenn Hughes selbst beschreibt die Scheibe als „traditionelles Rockalbum, das aber durchaus den Maßstäben der heutigen Zeit gerecht wird. Und, das ist mir ganz wichtig, wir sprechen hier über Rock. Von Trendanbiederung ist hier also weit und breit nichts zu hören. Wir wollten lediglich das ausdrücken, was wir selbst fühlen – und es sollte so klingen, dass wir diese Atmosphäre auch live wiedergeben können. Das ist uns definitiv gelungen.“

Bleibt nur die Frage, ob der Supergroup-Stempel für Black Country Communion nun auf lange Sicht eher Fluch oder Segen sein wird. In Sachen Starthilfe ist er natürlich un-schlagbar, doch die Aktion könnte auch einige Rückstöße zur Folge haben. Ein nicht ganz unberechtigter Einwand, mit dem sich auch Joe Bonamassa schon beschäftigt hat: „Ich hoffe, dass wir mit Black Country Communion Menschen erreichen, die sich für die Songs interessieren, nicht nur für die Musiker, die dahinter stehen.“ Das sieht auch Glenn Hughes ähnlich. Er wäre sogar gerne bereit, die Stücke für sich allein sprechen zu lassen. Das Etikett „Supergroup“ haben Black Country Communion seiner Ansicht nach gar nicht nötig. „Es gibt immer Vor- und Nachteile, wenn man mit diesen Vorschusslorbeeren ins Rennen geht. Das hat man bei Chickenfoot und Them Crooked Vultures deutlich gesehen“, so der Sänger. „Aber um es in aller Deutlichkeit zu sagen – es waren nicht wir, die sich das Wort ,Supergroup‘ ausgedacht haben. Mir wäre es auch lieber, wenn uns die Leute als ,die neue Band‘ oder eben Black Country Communion bezeichnen würden. Aber es ist nun einmal so, dass die Menschen den Schlagzeilen und den großen Namen hinterherhecheln und ihnen mehr Bedeutung zumessen, daher werden solche Begriffe erfunden. Und die können für einen Act gut und schlecht zugleich sein.“

Doch egal was die Zukunft für Black Country Communion bereit hält – jetzt ist für die Musiker erst einmal die Zeit gekommen, die ersten Früchte ihrer Arbeit zu ernten. Sie bewerben die Platte – und freuen sich auch jetzt noch über die großartige Zeit, die sie gemeinsam im Studio verbracht haben. „Wir haben hart gearbeitet, darauf kann jeder von uns wirklich stolz sein“, betont Bonamassa. „Daher hätte es mich wirklich traurig gemacht, wenn dieses Album wegen der Streitigkeiten nie erschienen wäre. Manche Momente während der Aufnahmen waren einfach magisch. Ich konnte oft kaum glauben, wie sich Jason und Glenn gegenseitig angestachelt haben. Und dann kam auch noch Derek dazu, und das Ganze verband sich zu einem unglaublich dichten, intensiven Soundgewebe. Anfangs hat es zwar noch ein wenig im Getriebe geknirscht, doch als alles geölt war, lief der Motor auf Hochtouren – und zwar mit einer Kraft, die sich gewaschen hatte!“