0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Start Blog Seite 1198

Patti Smith – OUTSIDE SOCIETY

smith, pattiDas Beste von Frau Schmidt.

Man fragt sich: Ist Patti Smith nicht schon im­­mer eine Aus­­nahmekünstlerin gewesen, eine radikale Quer­­denkerin mit bizarren An­­sichten über Gott, Sexualität, Schmerz, Sünde, Spiritualität, Ehe und Nachwuchs? Eine sur­­reale Hohepriesterin und Gos­­senpoetin voll gespenstischer Rituale, der schon allein deshalb Hochachtung gebührt, weil sie den Mut aufbrachte, dem alles verschlingenden Mo­­­­loch Rock’n’Roll bewusst – zumindest für eine längere Spanne –den Rücken zu kehren? In Zei­­ten angepasster Reißbrett­­künstler eine wahre Heldentat. Doch die Tracklist der Best-­­Of stimmt verwunderlich. Gerade mal 18 chronologisch kompilierte Songs illustrieren Smiths bewegte Karriere seit 1975: Thems ›Gloria‹ mit Smiths le­­gendärem Spoken-Word-Intro „Jesus died for somebody’s sins, but not mine“ stammt ebenso vom Debüt HORSES wie das exaltierte ›Free Mo­­ney‹. Mit der Taktik „zwei Lie­­der pro Album“ fährt der Quer­­schnitt fort: ›Ain’t It Strange‹ und ›Pissing In A River‹ dienen als Konzentrat aus RADIO ETHI­­OPIA, das mit Springsteen co-verfasste ›Because The Night‹ und das wüste ›Rock’n’Roll Nig­­ger‹ stammen aus EASTER. Er­­staunlichweise gleich drei Titel, ›Frederick‹, ›So You Wanna Be A Rock­­’n’Roll Star‹ und ›Dan­­cing Barefoot‹, liefert das für immerhin neun Jahre vorerst letzte Werk WAVE. Nicht ganz so stark wie sie abtrat, machte sie 1988 mit DREAM OF LIFE weiter: ›People Have The Po­­wer‹ und ›Up There Down There‹ können das Niveau der ersten vier Werke nicht halten. Wei­­tere acht Jahre vergingen, bis Smith sich mit GONE AGAIN wieder aus der Reserve locken ließ: ›Beneath The Southern Cross‹ und ›Summer Canni­­bals‹ künden von neugewonnener Kreativität, der ein Jahr später ebenso kraftvoll ›1959‹ von PEACE AND NOISE sowie zur Jahrtausendwende ›Lo And Beholden‹ und ›Glitter In Their Eyes‹ von GUNG HO folgen sollten. Smiths famose Ver­­sion von Nirvanas ›Smells Like Teen Spirit‹ aus TWELVE klingt ähnlich leidenschaftlich wie das Tra­­ditional ›Trampin’‹ aus dem selben Werk von 2004.

Paul Simon – PAUL SIMON / THERE GOES RHYMIN’ SIMON / PAUL SIMON IN CONCERT: LIVE RHYMIN’ / STILL CRAZY AFTER ALL THESE YEARS / ONE TRICK PONY

simon, paul - paul simonRhymin’ Simon: verrückt, auch nach all den Jahren.

Im Duo Simon & Garfunkel zähl­­te der New Yor­­ker in den protestbewegten Sixties zur Speerspitze der am­­erikanischen Folk-Rock-Bewe­­gung. Doch die Zweisamkeit mit Art Garfunkel engte Paul Simon trotz immer wieder mal inszenierter Reunions zu sehr ein. Als Solist liefert der Sän­­ger, Gitarrist und Komponist bis heute kontinuierlich Hoch­­wertiges ab. Sein Katalog wird ab sofort Stück für Stück neu aufgelegt, Bonus-Tracks inklusive. Den Anfang macht das PAUL SIMON von 1971. Prin­­zipiell macht es da weiter, wo das Duo ein Jahr zuvor mit BRIDGE OVER TROUBLED WATER aufhörte. Auf der Ballade ›Duncan‹ kommen erneut die Panflöten von Los Incas, die schon auf ›El Condor Pasa‹ zu hören waren, zum Einsatz. Für den Reggae ›Mo­­ther And Child Reunion‹ leistete sich Simon die gleichen jamaikanischen Sessionmusi­­ker, die schon auf Jimmy Cliffs ›Vietnam‹ wirkten. Airto Mo­­reira spielt Percussion auf dem deutlich südamerikanisch inspirierten ›Me And Julio Down By The Schoolyard‹. Tief im Mississippi-Delta-Blues wurzeln ›Peace Like A River‹ und ›Paranoia Blues‹. Django Rein­­hardt wiederum steht Pate für ›Hobo’s Blues‹. Auf THERE GOES RHYMIN’ SIMON von 1973 liefert Simon seinen eigenen Beitrag zur damaligen Nostalgiewelle: ›Kodachrome‹ blickt ebenso zurück wie die New-Orleans-Hommage ›Take Me To The Mardi Gras‹, der Südstaaten-Gospel ›Loves Me Like A Rock‹, der Woody-Guthrie-Folk ›Learn How To Fall‹ und das jazzige ›St. Judy’s Comet‹. PAUL SIMON IN CON­­CERT: LIVE RHYMIN’, ein Sou­­venir der Tour 73/74, vereint in Ausschnitten Solistisches (unter anderem ›American Tune‹) mit sechs Klassikern von Simon & Garfunkel und ei­­nem Gospel der Jessy Dixon Singers: ›Jesus Is The Answer‹. Unglaublich relaxt präsentiert sich 1975 STILL CRAZY AFTER ALL THESE YEARS – ein stiller Begleiter für die Zeit zwischen Mitternacht und Morgen­­grau­­en: ›50 Ways To Leave Your Lover‹, ›Have A Good Time‹ und der Titelsong gehen wie gewohnt sofort ins Ohr. Auf mehr Tempo setzt lediglich ›Gone At Last‹, abermals mit den Jessy Dixon Singers. ONE TRICK PONY ist irgendwie Soundtrack des gleichnamigen Films, dann aber wieder doch nicht – es gibt Unterschiede in Bezug auf die Song-Varianten und auch Lieder, die exklusiv für eines der beiden Projekte bestimmt sind. Als Hit des Album kristallisiert sich ›Late In The Evening‹ heraus. ›Ace In The Hole‹ und ›One Trick Pony‹ sind Konzertmitschnitte aus Cleveland, Ohio, vom Sep­­tember 1979 – der Rest ist im Studio entstanden.

PAUL SIMON: 9
THERE GOES RHYMIN’ SIMON: 9
PAUL SIMON IN CONCERT: LIVE RHYMIN’: 6
STILL CRAZY AFTER ALL THESE YEARS: 9
ONE TRICK PONY: 7

Lou Reed – ORIGINAL ALBUM CLASSICS

reed, louBitte einmal mehr öffentlich erwachsen werden: Lou Reed, die Dritte.

Schon zweimal befasste sich die Reihe ORI­­GINAL AL­­BUM CLASSICS mit Lou Reeds Werk. Erst reihten sich LOU REED, TRANS­­FOR­­MER, BERLIN, SALLY CAN’T DANCE und CONEY ISLAND BABY, dann THE BLUE MASK, LEGENDARY HEARTS, NEW SENSATIONS, MISTRIAL und LIVE IN ITALY jeweils in einer schma­­len Pappbox aneinander. Im dritten Schub werden die Alben aus der Phase da­­zwischen zusammengefasst, also Reeds Kreativ-Output in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre. Obwohl auch das nur die halbe Wahrheit ist: Fehlen doch das Rückkopp­­lungsexperiment METAL MA­­CHINE MUSIC, LIVE: TAKE NO PRISONERS sowie LOU REED LIVE, letzteres ein weiterer Auszug des Konzert­mit­schnitts vom 21. Dezember ’73 aus der Academy Of Music in New York, dessen Pendant ROCK’N’ROLL ANIMAL jetzt aber immerhin vorliegt. Und auch wenn manche Reed-Fans schwören, die Phase mit Gi­­tar­­rist Robert Quine sei seine in­­ter­­essanteste: Den mörderischen Hardrock des Saiten­­duos Dick Wagner und Steve Hun­­ter in ausgewalzten Ver­­sio­­nen der Velvet Under­­ground-Klas­­siker ›Sweet Jane‹, ›Heroin‹, ›White Light/White Heat‹ und ›Rock And Roll‹ sollte man keineswegs unterschätzen. Alice Cooper schnappte sich, sehr zu Reeds Verdruss, wenig später die gesamte Crew, als er zum Album Welcome To My Nightmare ansetzte (mehr dazu auf S. 40 u. 68). 1976, der Deal mit RCA ist ausgelaufen, steht Reed vor der Insol­­venz. In die Bresche springt Medienmogul Clive Davis mit seiner neuen Plattenfirma Ar­­i­­s­­ta. ROCK’N’ROLL HEART, das selbstproduzierte Label-Debüt, klingt jedoch seltsam gedrosselt.

›Banging On My Drum‹, ›Vicious Circle‹ und ›Tem­­po­­rary Thing‹ sind aber immerhin so innovativ, dass die Lon­­doner Punk-Szene anerkennend nickt. Zwei Jahre später erprobt sich Reed auf STREET HASSLE im so genannten „Bin­­aural Recording Verfahren“, einer deutschen Erfindung namens „Kunstkopf“: Halb New Yorker Studioaufnahmen, halb Konzertmitschnitte aus München, Wiesbaden und Ludwigshafen, findet er zurück zur gewohnten Form. ›Gimme Some Good Times‹, ›I Wanna Be Black‹,›Leave Me Alone‹ und das noch aus der Velvet-Ära stammende ›Real Good Time Together‹ rocken gewaltig. Mittels „Kunstkopf“ veredelt, präsentiert sich 1979 auch THE BELLS. Ein experimenteller Hybrid aus Free Jazz, Funk, Rock und Disco, der sich am No Wave orientiert und als Gast die Jazztrom­­peter-Legende Don Cherry auffährt. Im Gedächtnis haften bleibt neben dem suitenhaften Titelsong ausgerechnet der hypnotische Tanzflächenfüller ›Disco Mystic‹. Weniger als Songsammlung und mehr als Tagebuch über Reeds körperlichen Verfall durch Speed und Alkohol versteht sich GRO­­WING UP IN PUBLIC. Weniges ragt heraus. Erinnerungs­­würdig bleibt allein die selbstironische Hymne ›The Power Of Positive Drinking‹.

ROCK’N’ROLL ANIMAL: 10
ROCK’N’ROLL HEART: 5
STREET HASSLE: 8
THE BELLS: 7
GROWING UP IN PUBLIC: 4

Queen – THE WORKS / A KIND OF MAGIC / THE MIRACLE / INNUENDO / MADE IN HEAVEN / DEEP CUTS VOL. 3

The MiracleDritte und finale Album-Retrospektive der königlichen Rock-Hoheit.

Kaum liegen die beiden ersten Tei­­le der kompletten Queen-Neu­­auf­­lage bei ihrem neuen Vertragspartner Island/Universal vor, folgt bereits der letzte Streich: die Jahre 1984-1995. Für Queen-Fans der ersten Stunde war die­­se letzten Karrierephase keine leichte Zeit – aber in den von pompösem Produktionsstil ge­­zeichneten Achtzigern gab es zahllose Künstlerkollegen, die wie das Londoner Quartett in den Sechzigern gestartet wa­­ren und die nun ebenso orien­tie­­rungslos herumeierten. An­­statt wie zuvor auf „No Syn­­the­­sizers“ zu pochen, setzte die Königin Digitales oft derart ve­­hement ein, dass einem noch heute ganz schwindelig wird. THE WORKS von 1984 darf mit zünftigen Reißern wie ›It’s A Hard Life‹, ›Radio Ga Ga‹, ›Is This The World We Created?‹ oder ›I Want To Break Free‹ noch als gemäßigtes Über­­gangs­­werk erachtet werden. Kri­­tischer wird es mit A KIND OF MAGIC, nach FLASH GOR­­DON Queens zweiter Sound­track für einen Kinofilm: Merk­­würdigerweise unterscheiden sich die Lichtspiel­­ver­­sionen von denen auf dem fertigen Album in weiten Tei­­len. Als Key-Tracks fungieren ›One Vi­­sion‹, ›Friends Will Be Friends‹, ›Who Wants To Live Forever‹ und der Titelsong, dazwischen gibt’s jede Menge Leerlauf. Wirklich übel auf die Elektro-Kacke hauen Queen 1989 mit THE MIRACLE. Lichtblicke gibt es dennoch: ›Kashoggi’s Ship‹, ›I Want It All‹, ›The Invisible Man‹ und ›Breakthru‹ stehen zur Ehrenrettung parat. Zurück zu den Wurzeln finden Queen kurz vor Freddie Mercurys Tod im November 1991 mit INNU­­ENDO: Majestätisch schön der Titelsong zum Auftakt, perfekt arrangiert als mehrteilige Suite inklusive spanischem Akustikgitarren­­inter­­mezzo mit Yes-Mann Steve Howe als Gast. Versponnen wie zu besten Zeiten ist das von Noel Coward inspirierte ›I’m Going Slightly Mad‹. Auf den Punkt kommen die Hard­rock-Hämmer ›Headlong‹ und ›Hitman‹. Balladesk bescheiden tönt ›These Are The Days Of Our Lives‹, wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wirkt das finale ›The Show Must Go On‹. Posthume Ehrung erfährt Mercury 1995 mit MADE IN HEAVEN, einer Archivaus­­wer­­tung bislang unveröffentlichten Materials wie ›Let Me Live‹, ›I Was Born To Love You‹ und ›Heaven For Everyone‹. Abermals abseits üblicher Best-Ofs funktioniert DEEP CUTS VOL. 3 mit unbekannteren Songs aus den fünf letzten Studiowerken.

THE WORKS: 6
A KIND OF MAGIC: 5
THE MIRACLE: 3
INNUENDO: 8
MADE IN HEAVEN: 6
DEEP CUTS VOL. 3: 7

Robert Johnson – THE CENTENNIAL COLLECTION

Johnson, RobertGrundstein der Rock-Kultur: das Phantom des Delta Blues.

Am 8. Mai hät­­te Robert John­­son womöglich seinen 100. Ge­­burtstag feiern können. Doch das bleibt eine ebenso vage Vermutung wie vieles andere im Leben des ominösen Phantoms, das als „King Of The Delta Blues“ den Grundstein für die Rock-Kultur legte. Mit ROBERT JOHNSON: THE CENTENNIAL COLLEC­­TION liegen jene 42 Aufnah­­men noch einmal digital aufgefrischt vor, die er bei seinem bis heute ungeklärten Tod 1938 hinterließ. Seine definitive Kol­­lektion (29 Originale, davon gut die Hälfte in leicht abweichenden Zweitversionen) kam 1990 als Doppel-CD klanglich hörbar restauriert auf den Markt. Bis zu jenem Zeitpunkt waren Klassiker wie ›Ramblin’ On My Mind‹, ›Come On In My Kitchen‹, ›Cross Road Blues‹, ›Love In Vain‹, ›Traveling Ri­­ver­­side Blues‹ und ›Stop Breakin’ Down Blues‹, die erst in den Sechzigern durch den British Blues Boom global ein Begriff wurden, auf dem lange Zeit ein­­zigen Album oder lieblos zu­­sammengeschusterten Samp­­lern nur auszugsweise erhältlich. Die insgesamt zwölf 78er-Scheiben Johnsons (eine er­­schien posthum), waren bis dato, wie alle Schellack-Pro­­duktionen jener Ära, einem re­­la­­tiv starken Rauschpegel un­­terworfen. Eine weitere superb entstaubte Fassung der exzellenten 2-CD-Box erschien ei­­ni­­ge Zeit später, war aber nur als 24-Karat-Gold-Edition er­­hältlich, für die immense Sum­­men abgelatzt werden mussten. Mit ROBERT JOHNSON: THE CENTENNIAL COLLEC­­TION liegt nun eine klanglich nochmals optimierte Version jener Klassiker vor, die zu den Favoriten von Keith Richards, John Mayall oder Jimmy Page zählen. Als Bonbon gibt’s zwei kurze Fragmente: Eines, wo Johnson beim Gitarreüben zu hören ist, ein weiteres, wo er zu einem Toningenieur (vermutlich Don Law) sagt: „I wanna go on with our next one myself“. Muss man haben!

Jane – THE BEST OF JANE

2753538_DP.inddZank und Streit zum Trotz: Jane gibt es seit 40 Jahren.

Einem derartigen Monu­­men­­talwerk, wie es THE BEST OF JANE ist, kann muss man mit ge­­­wisser Melan­­cholie begegnen, denn Hybris und Intrigen haben eine der far­­benfrohesten deutschen Rock­­bands der Siebziger mittlerweile nahezu in Schutt und Asche gelegt. Zurzeit existieren drei Formationen, von de­­nen jede für sich die legitime Nachlassverwaltung in An­­spruch nimmt. Wirklich erfolgreich war die Band allerdings nur in den Jahren 1971-1979, als vor allem Gitarrist Klaus Hess und der mittlerweile verstorbene Schlagzeuger Peter Panka mit wechselnden Or­­ganisten (der Beste: Manfred Wieczorke) und Bassisten (vor allem Martin Hesse) die Ge­­schicke der Gruppe lenkten. Viele der insgesamt 43 Stücke, die aus dieser Zeit stammen und die man hier in Bild und Ton präsentiert bekommt, sind zum Sterben schön: ›Waiting For The Sunshine‹, ›Fire, Wa­­ter, Earth And Air‹, ›Out In The Rain‹, ›Hangman‹, ›Age Of Mad­­ness‹ – allesamt krautig, aber mit Flair und Mystik ausgestattet. THE BEST OF JANE erscheint als Dreier-CD plus optionaler Bonus-DVD, randvoll mit Orgel-getränktem Rock – von schwermütig bis las­­ziv. Das radebrechende Eng­­lisch der Band gehört dabei mit zum Kult, den diese Band umgibt. Dass einige im Archiv lagernden Outtakes und De­­mos diesem Werk vorenthalten bleiben, liegt an der nach wie vor hinter den Kulissen herrschenden Rangelei um Kompetenzen und Namens­­rechte. Ergo: Hörenswert, hät­­te aber noch deutlich wertiger ausfallen können.

Dana Gillespie – ANDY WARHOL

0000615695_500Mit Straps und Federboa: Dana spielt die erste Geige.

Als David Bo­­wie nach zehn langen Jahren 1972 endlich der internationale Durch­­bruch in der
Rolle des androgynen Außerir­­di­­schen ZIGGY STARDUST ge­­lang, startete er parallel dazu mit seiner Managementfirma Mainman und seiner rechten Hand, Gitarrist und Arrangeur Mick Ronson, eine ausgeklügelte Künstler-Nachwuchs­­förderung. Auch die Britin Dana Gillespie, die Bowie schon seit gemeinsamen Teenagertagen kannte, zählte zu den Aus­­erwählten. Wie im Fall der Bo­­wie-Protegées Lulu, Lou Reed, The Stooges und Mott The Hoople hatte auch die Sän­­gerin und Schauspielerin zuvor schon einige Singles und Al­­ben veröffentlicht, die trotz de­­fini­­tiver Klasse jedoch ziemlich un­­beachtet geblieben waren. Zumindest in Teilen mit Bo­­wies und Ronsons Hilfe fertiggestellt, wurde 1973 WEREN’T BORN A MAN veröffentlicht, das Madame Gillespie in Reiz­­wäsche, Straps und Federboa präsentierte. Auf der Kompila­­tion ANDY WARHOL ist es aus­­zugsweise ebenso enthalten wie das Nachfolgwerk AIN’T GONNA PLAY NO SECOND FIDDLE. Mit rauchigem Tim­­bre singt sich die damals 24-Jäh­­rige durch ein meist selbstverfasstes Repertoire aus Blues, Folk, Soul und Rock, das noch heute so zeitlos klingt, wie es 1973/74 befremdlich wirkte: Bowies ursprünglich für Gil­­le­­spie komponiertes ›Andy War­­hol‹ ist zwar im Vergleich zur Akustikversion des Urhebers leicht überproduziert, doch Ohrwürmer wie z.B. ›Weren’t Born A Man‹, ›Backed A Loser‹, ›Dizzy Heights‹ und das großorchestrierte ›Stardom Road Parts 1 & 2‹ erinnern verblüffend an heutige Retro-Soul-Di­­ven wie Amy Winehouse, Duffy und Adele. Archiv­­novi­­täten für das Sammlerherz sind auch an Bord: die unveröffentlichten Stücke ›Lavender Hill‹ sowie ›Never Knew‹.

Marvin Gaye – WHAT’S GOING ON 40TH ANNIVERSARY EDITION

gaye, marvinMarvin Gayes Soul-Visionen von einer besseren Welt.

In regelmäßigen Abständen taucht Marvin Gayes Mei­­len­­stein WHAT’S GOING ON in den Top 500 der „Besten Alben aller Zeiten“ auf. Die 1971 erschienene Me­­lange aus Soul, Jazz und Funk wurde jetzt zum Jubiläum als Doppel-CD plus LP neu aufgelegt – von den 28 Bonus-Tracks waren 16 bislang unveröffentlicht, die Vinyl-Scheibe enthält noch dazu den ursprünglichen „Detroit Mix“. Entstanden in einer politisch hochbrisanten Zeit, begriff Gaye die neun selbstproduzierten Songs von WHAT’S GOING ON aber auch als Tage­­buch. Auch wenn man­­ches aus heutiger Sicht naiv klingt, seine Reflektionen zur Lage der Schwarzen in den Ghettos, politische De­­mon­­strationen und den US-Krieg fern der Heimat, seine Kom­­mentare zu gesellschaftlichen Veränderungen, Drogensucht und Armut sind auch anno 2011 noch relevant. Dabei wä­­ren Gayes Visionen von einer besseren Welt beinahe nicht ver­­öffentlicht worden: Nach dem plötzlichen Tod seiner Duettpartnerin Tammi Terrell äußerte der Sänger, Kompo­­nist und Gelegenheits­­schau­­spieler Selbstmordgedanken (allerdings nicht zum ersten Mal), erging sich in übermäßigem Alkohol- und Kokain­­kon­­sum. Ein Jahr tauchte er unter, destillierte Ideen für einen ra­­di­­kalen Stil- und Imagewech­­sel. Die Klausur half: In nur zehn Ta­­gen mit den Studio­­assen The Funk Brothers, dem Detroit Symphony Orchestra und dem Arrangeur David Van De­Pitte fertig gestellt, sollte WHAT’S GOING ON als erstes Motown-Album mit Klapp­­cover, abgedruckten Texten und ineinander übergehenden Songs erscheinen. Doch schon im Vorfeld stellte sich sein allmächtiger Schwiegervater, der Mo­­town-Chef Berry Gordy, quer. Er versuchte, den Release der Single ›What’s Going On‹ zu stoppen – wegen allzu brisanter politischer In­­halte. Doch der damals 32-jäh­­rige Gaye setzte sich letztendlich durch. Das Kon­­zeptwerk erreichte Rang 6 der Billboard Charts, die Single-Auskopp­­lungen ›Mercy, Mercy Me‹, ›In­­ner City Blues‹ und ›What’s Going On‹ kamen jeweils in den Top Ten unter.