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Grateful Dead – SPRING 1990: SO GLAD YOU MADE IT

GratefulDeadSpring1990Kompakter Querschnitt aus 18-CD-Box, verteilt auf zwei Silberlinge.

›Let The Good Times Roll‹, im Original von Soullegende Sam Cooke, shuffeln die Dankbaren Toten lässig zum Auftakt mehrstimmig und der Titel ist Programm: SPRING 1990: SO GLAD YOU MADE IT – ein weiterer Live-Höhepunkt an der mit Konzert-mitschnitten definitiv nicht armen Hinter-lassenschaft der psychedelischen Westküsten-pioniere aus San Franciscos ehemaligem Hippieepizentrum Haight-Ashbury. Aufgezeichnet bei insgesamt 16 auf sechs Städte verteilten Shows einer US-Tour, die am 14. März im Capital Centre, Landover, Maryland startete und am 3. April in Omni, Atlanta endete, gewähren die 20 Tracks auf zwei CDs einen Einblick in den Status Quo des Sextetts im Frühjahr 1990. Ein wenig die typisch blecherne Aufnahmetechnik und der Klang der Tasteninstrumente jener Ära macht sich breit, beeinträchtigt aber den Hörgenuss nur marginal. Als unumstrittener Bandfokus fungiert einmal mehr der 1995 verstorbene Jerry Garcia (Sologitarre, Gesang) mit den Kollegen Bob Weir (Rhythmusgitarre, Gesang), Phil Lesh (Bass), Brent Mydland (Keyboards) sowie das unschlagbare Schlagzeugduo Mickey Hart und Bill Kreutzmann stets auf Augenhöhe. Saftige Eigengewächse in typischer Laid-Back-Non-chalance wie ›Loser‹, ›Feel Like A Stranger‹ und ›Playing In The Band‹ kontrastieren sich mit den trefflich interpretierten Coverversionen ›The Last Time‹ von den Rolling Stones, Bobby Womacks ›It’s All Over Now‹, Tim Roses ›Morning Dew‹ und Buddy Hollys ›Not Fade Away‹. Eine Zeile aus der famosen Version von ›Gimme Some Lovin’‹, Klassiker der Spencer Davis Group, gab den Titel der von Bandarchivar David Lemieux kompilierten Zusammenstellung, lediglich ein Auszug aus der umfangreichen 18-CD-Box SPRING 1990. Richtig schön ins Improvisieren kommt das blendend eingespielte Team auch: ›Bird Song‹, ›Blow Away‹, ›Scarlet Begonias‹, ›Estimated Prophet‹ und ›Eyes Of The World‹ liegen sämtlich jenseits von 10 Minuten. Zwei uralte Traditionals, ›Jack-A-Roe‹ und ›Samson And Deliah‹, runden den Querschnitt ab.

Peter Gabriel – SO 25th ANNIVERSARY DELUXE EDITION

Gabriel, PeterWenn die Spielzeuglok um den eigenen Kopf braust…

Nach der Trennung von Genesis findet Peter Gabriel rasch ein Ventil für sein bis heute ungebrochenes Kreativpotenzial: Vier identisch betitelte Alben präsentieren ab 1977 einen von allen Gruppenzwängen losgelösten Musikus mit Hang zum Experiment und einem Händchen für den einen oder anderen Hit. Zum globalen Superstar steigt der kauzige Gabriel aber erst 1986 auf, als er sich nach einer ersten Kollaboration im Soundtrack Birdy mit dem Kanadier Daniel Lanois als Studiokatalysator an eine zweite gemeinsame Zusammenarbeit wagt. Gabriel haucht SO zumindest in Teilen massenkompatible Anziehungskraft ein: ›Sledgehammer‹, bis heute der meistgespielte Videoclip auf MTV, entwickelt sich zum weltweiten Evergreen, der in seiner Mixtur aus Soul, Weltmusik und Elektro Pop noch heute fasziniert. Ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben sich auch die Yuppie-Persiflage ›Big Time‹, das elegische Duett ›Don’t Give Up‹ mit Kate Bush sowie Avantgardistin Laurie Andersons co-komponierter Duo-Beitrag ›This Is The Picture (Excellent Birds)‹. Beindruckend auch die ellenlange Gästeliste mit u.a. Stewart Copeland, Jim Kerr, Youssou N’Dour, Bill Laswell und Nile Rodgers. Die SO 25th ANNIVERSARY EDITION kommt gleich in mehreren Formaten: Die Standard Edition beinhaltet das „2012 Remaster“, auf der um zwei weitere CDs ergänzten Special Edition findet sich das unveröffentlichte Konzert „Live In Athens 1987“. Bei der Deluxe Edition mit 60-seitigem Buch gibt’s zusätzlich noch die Raritäten-CD „So Dann“, eine Doppel-DVD mit Michael Chapmans Konzertfilm „Live In Athens 1987“, der Doku „So Classic Album“, der Vinyl-LP in Half-Speed-Master-Optimierung sowie eine Doppel-A-Seiten-Maxi im 12-Inch-Format mit unveröffentlichten Songs (›Courage‹, ›Sagrada‹) und ›Don’t Give Up‹ in alternativer
Piano-Version.

The Faces – STAY WITH ME – THE FACES ANTHOLOGY

facesPurer Rock-Hedonismus: wehe, wenn sie losgelassen…

In ihrer knapp sechsjährigen Existenz stellen sich die 1969 aus den Ruinen der Small Faces und der Jeff Beck Group hervorgegangenen Faces öfter mal selbst ein Bein: In volltrunkenem Zustand absolvierte Shows, chronische Unpünktlichkeit, spontan abgesagte Konzerte und die 1971 weltweit voll erblühte Solokarriere von Frontmann Rod Stewart hemmen zwar den Aufstieg in die damalige Rock-Oberliga, nicht aber den Mythos, der von derlei Rock-Hedonismus zehrt. Bevor die vier Studioalben des mit Gitarrist Ron Wood, Bassist Ronnie Lane, Keyboarder Ian McLagan und Schlagzeuger Kenny Jones komplettierten Quintetts endlich in den seit Jahren angekündigten Deluxe-Editionen in den Handel kommen, macht das 2-CD-Set STAY WITH ME – THE FACES ANTHOLOGY schon mal den Mund ordentlich wässrig. In nicht chronologischer Reihenfolge kompilieren sich drei bislang unveröffentlicht gebliebene Live-Aufnahmen (u.a. ›Too Much Woman‹) mit 33 Tracks der Jahre 1969 bis 1975: Schwerer Blues-Rock mit Rod Stewarts Vokalakrobatik und Ron Woods um Silde-Exzesse erweiterte Riff-Orgien kennzeichnen Muntermacher der Alben First Step und Long Player: ›Had Me A Real Good Time‹, ›Around The Plynth‹ und ›Three Buttons Hand Me Down‹ rocken vehement, ohne Patina angesetzt zu haben. Schlicht magisch, wie die Truppe aus Bob Dylans ›Wicked Messenger‹ eine wüste Prog-Rock-Orgie oder aus Paul McCartneys ›Maybe I’m Amazed‹ ganz großes Balladenkino zaubert, ›Flying‹ nimmt indes Stewarts Händchen für harmonische Gassenhauer vorweg. Mit ihrem drittem Werk A Nod Is As Good As A Wink… To A Blind Horse befinden sich die Faces 1971 auf dem Höhepunkt ihrer Kunst: Sowohl das ausgekoppelte ›Stay With Me‹, als auch ›You’re So Rude‹, ›That’s All You Need‹ und ›Miss Judy’s Farm‹ atmen Stadionrockqualität. Stewarts finanziell lukrative Soloexkursionen fördern die Entfremdung von den Kumpels: Oh La La, 1973 das finale vierte Werk, baut vornehmlich auf das semiakustische Folk-Rock-Konzept von Ronnie Lane, der zuvor schon mit den Balladen ›Richmond‹ und ›Debris‹ Feingeistiges lieferte. ›Cindy Incidentally‹ rockt moderat, der Titelsong schwelgt ländlich rustikal im Brit-Folk. Als Stewart öffentlich über Oh La La meckert, streicht Lane die Segel. Mit Ex-Free-Bassist Tetsu Yamauchi entstehen noch die Singles ›Pool Hall Richard‹ und ›You Can Make Me Dance, Sing Or Anything‹ – dann ziehen die Faces endgültige lange Gesichter.

The Doors – LIVE AT THE BOWL ‘68

DoorsEndlich komplett: The Doors live in Los Angeles.

Die Fähigkeit der Doors auf der Bühne zu faszinieren, wurde zu Lebzeiten Jim Morrisons lediglich auf einem Konzertmitschnitt dokumentiert: Absolutely Live, ein von Produzent Paul A. Rothchild (O-Ton: „Da sind rund 2000 Einzelstückelungen drauf!“) in akribischer Detailarbeit aus unzähligen Aufnahmen zusammengestoppeltes Doppelalbum, befriedigte die weltweite Fangemeinde im Juli 1970 aber nur bedingt. 42 Jahre später lässt LIVE AT THE BOWL ’68 die Live-Magie der Doors endlich ohne künstliche Hilfe wieder auferstehen. Erhältlich als CD, Vinyl und Download sowie als Video-DVD und Blu-ray, erfährt die einzige komplett erhaltene Performance der Doors ihre offizielle Erst-veröffentlichung. Der Gig aus der Hollywood Bowl vom 5. Juli 1968 wurde von Bruce Botnick digital optimiert, startet mit einem spannungsgeladenen ›When The Music’s Over‹ und präsentiert jede Menge Alben-Keytracks: ›Alabama Song‹, ›Back Door Man‹, ›Five To One‹, ›Moonlight Drive‹, ›Horse Latitudes‹, ›Spanish Caravan‹ und ›Unknown Soldier‹ kommen ebenso wie die Singlehits ›Hello, I Love You‹ und das ungekürzte ›Light My Fire‹ auf den Punkt. ›A Little Game‹, ›The Hill Dweller‹ und ›Wake Up!‹, Einzelteile der Morrison’schen Collagen-Suite ›Celebration Of The Lizard King‹, sind noch in der Urform enthalten. Drei Jahre vor der offiziellen Premiere auf L.A. Woman ist ›The WASP (Texas Radio And The Big Beat)‹ zu hören. Knappe 18 Minuten dauert schließlich das fernöstlich angehauchte Psychedelik-Mantra ›The End‹ – und ist keine Sekunde zu lang.

Tommy Bolin – TEASER DEFINITIVE COLLECTOR’S EDITION

Bolin, Tommy5-CD-Box erinnert an einen wahren Virtuosen.

Als der in europäischen Breitengraden damals relative unbekannte US-Gitarrist Tommy Bolin (zuvor bei Zephyr und der James Gang) bei Deep Purple den Job des abtrünnigen Ritchie Blackmore übernimmt, ist die Verblüffung groß. Ein einziges Album spielt Bolin mit Coverdale, Hughes, Lord und Paice ein: Come Taste The Band, ein auf Black Music geeichtes vorläufiges Finale bis zur Purple-Reunion 1984. Parallel erscheint Bolins Solowerk TEASER: Atemberaubend virtuos und mit illustren Gästen wie Keyboarder Jan Hammer, Saxofonist David Sanborn, Schlagzeuger Jeff Porcaro und Bassist Stanley Sheldon wechseln Jazz-Fusion mit Funk, Soul, Latin, Reggae, Hard Rock und Rhythm’n’Blues. Mittendrin ein Evergreen zwischen traumhaftem Karibik-Gefühl und mondäner Cocktail-Eleganz: ›People, People‹. Ein weiteres Werk, Private Eyes, spielte Bolin noch ein, dann stirbt er im Dezember 1976 mit gerade mal 25 Jahren an einer Überdosis Heroin. Üppig geraten ist TEASER DEFINITIVE COLLECTOR’S EDITION mit fünf CDs: Da ist das digital aufbereitete Original mit Ausnahmenummern wie ›The Grind‹, ›Marching Powder‹ und ›Teaser‹. Gleich zwei CDs liefern feine Outtakes und Alternative Versions. Auf zwei weiteren Scheiben versammeln sich Koryphäen wie John Scofield, Sonny Landreth, Steve Morse, Peter Frampton, Steve Lukather, Joe Bonamassa und Derek Trucks, um unter Anleitung der Produzenten Greg Hampton und Warren Haynes mit Tommy Bolins Gesangs- und Gitarrenspuren zu spielen. Nicht immer geglückt, aber dennoch ein interessantes Experiment.

SIMPLE MINDS: Hanau, Amphitheater

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headsIch reise…

Schon im Vorfeld des aktuellen Tourneeprogramms „5×5“ hatte die schottische Forma­tion Simple Minds demonstrativ verkünden lassen: Hits wie ›Belfast Child‹, ›Alive & Kicking‹ oder ›Don’t You (Forget About Me)‹ würden außen vor bleiben. Stattdessen erwartet die Fangemeinde ein handverlesenes Repertoire. Jeweils fünf Songs der ersten fünf Alben der Jahre 1979 bis 1982 – also ganz im Sinne der „5×5“-Box, die im Februar dieses Jahres erschien. Sänger Jim Kerr und Gitarrist Charlie Burchill, die beiden letzten Originalmitglieder der 1978 aus der Taufe gehobenen Band aus dem schottischen Glasgow, halten sich mit ihren drei Kollegen im Hanauer Amphitheater stoisch an die Prämisse und dulden keine Ausnahmen.

Unmengen an Trockeneisnebel und das Intro von ›I Travel‹ eröffnen den Rückblick in Vergangenes der späteren Stadionrockinstitution, die von 1984 an Experimentiergeist mehr und mehr ignorierte, um fortan Hits nach Schema F in Serie zu produzieren. Frontmann Jim Kerr, noch immer ausgesprochen gut bei Stimme mit seinen mittlerweile 53 Jahren, obliegt die Aufgabe des Entertainers. Mit verspielten Gesten und tänzerischen Posen untermalt er die nicht chronologisch gehaltene Werkschau: Auf ›Thirty Frames A Second‹, düstere Post-Wave-Reminiszenz vom dritten Album EMPIRE AND DANCE, folgt das naive ›Life In A Day‹, Titelsong des Debüts.

Auch ohne Millionenhits im Gepäck weiß das durch Schlagzeuger Mel Gaynor, Keyboarder Andy Gilles­pie und Bassist Ged Grimes komplettierte Quintett die Fangemeinde zu faszinieren: ›Love Song‹, ›The American‹, ›In Trance As Mission‹ und ›70 Cities As Love Brings The Fall‹ vom famosen Doppelkonzeptwerk SONS AND FASCINATION/SISTER FEELINGS CALL ziehen ebenso in den Bann wie die Clubhymne ›Celebrate‹ oder die sperrige Wave-Ode ›Changeling‹. Zum Finale servieren die Schotten das Instrumentalstück ›Theme For Great Cities‹, die Frühwerke ›Someone‹ und ›Chelsea Girls‹ sowie die stark synthetischen Popschmeicheleien ›Glittering Prize‹ und ›New Gold Dream‹. Kerr und seine Mitstreiter haben nicht zu viel versprochen: Dieser Abend war wirklich etwas ganz Besonderes, der auch ohne ihre großen Hits mehr als gut funktionierte. Ein unglaubliches Erlebnis, dass sie hoffentlich mit einer weiteren Albenkonstellation wiederholen werden.

 

Brian Setzer Orchestra: Los Angeles, Hollywood Bowl

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Brian_Salzburg_2006Feuer! Geigen! Rawk’n’Roll!

Eigentlich hat der 53-Jährige alles durch: Er war Kopf der Stray Cats, Solokünstler, Leader einer imposanten Big Band, eines klassischen Rock’n’Roll-Trios… Da bleibt nur noch eins: einfach noch einen draufsetzen. Nämlich das eigene, 21-köpfige BSO, kombiniert mit dem 80-köpfigen Orchester der legendären Hollywood Bowl unter Leitung von Thomas Wilkins. Was vergleichbar mit einem doppelten Big Mac ist. Sprich: Es ist kein wirklicher Genuss. Denn gerade bei dynamischen Stücken wie ›Jumpin Jive An‘ Wail‹ oder ›Fishnet Stockings‹, in denen Setzer zudem noch einen Upright-Bass und ein Schlagzeug auffährt, wirkt der Sound komplett überladen. Die drei Elemente kämpfen regelrecht gegeneinander, und das Sinfonieorchester hat gegen Bläser und Rockabil­ly-Power nicht den Hauch einer Chance. Der Funke springt nur über, wenn Setzer all den Streichern, Hörnern und Pauken auch den nötigen Raum lässt – wie beim ›Stray Cat Strut‹ oder ›The Dirty Boogie‹. Da ist die Kombi sogar richtig großes Kino. Vor allem wenn zum Finale mit ›Rock This Town‹ und ›Brand New Cadillac‹ noch ein gigantisches Feuerwerk abgebrannt wird. Mal sehen, was als Nächstes kommt!

 

Wovenhand: Frankfurt, Zoom

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David_Eugene_Edwards_live_20040525Neu angedacht

Auf Veränderung stehen die Zeichen. Gleich zwei Neuzugänge gilt es bei Wovenhand im gut gefüllten Frankfurter Zoom zu verzeichnen: Statt Peter van Laerhoven greift Chuck French in die Gitarrensaiten, Bassist Gregory Garcia Jr. ersetzt Pascal Humbert. Lediglich Schlagzeuger Ordy Garrison hat das Reset von David Eugene Edwards unbeschadet überstanden. Einmal mehr hat sich auch die stilistische Ausrichtung modifiziert. Eine radikale Kehrtwende bringt das just erschienene siebte Studioalbum THE LAUGHING STALK mit sich. In Kollaboration entstanden mit Alexander Hacke, deutscher Filmkomponist und Mitglied bei Einstürzende Neubauten und Crime And The City Solution, türmen sich vor den Zuhörern meterhohe metallische Klangwände im schonungslosen Lautstärkepegel, durchzogen von indianischen Rhythmen. Massive Attacken auf Gehör und Sinne, in die David Eugene Edwards mit kehligem Timbre alttestamentarische Texte einbettet – geprägt durch eine abenteuerliche Kindheit, als er mit seinem Großvater, einem Wanderprediger, durch die Lande zog. Stilistisch lässt sich Edwards in kein Korsett zwängen: Aus Post-Rock, Industrial und Native American formen Wovenhand unter Beimengung von Country, Folk und Bluegrass und Veredelung durch Gothic und Industrial etwas völlig Eigenständiges.