0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Start Blog Seite 1166

Ozzy Osbourne – PRINCE OF DARKNESS

ozzy-prince-of-darkness-5Abrakadabra und dreimal schwarzer Kater: Ozzys Solokarriere im Aufriss.

Aus alt mach neu: 2005 feierte die 4-CD-Box PRINCE OF DARKNESS schon einmal Premiere. Seinerzeit sonnte sich der ewige Klassenclown des Hartmetall noch in den Nachwehen neu aufgeflammter weltweiter Popularität durch die MTV-Show THE OSBOURNES – ein geschickt 2002 von Gattin Sharon (Tochter des berüchtigten Managers Don Arden!) eingefädelter Schachzug, um den britischen Pionier auch jüngeren Zielgruppen schmackhaft zu machen. PRINCE OF DARKNESS setzt Mr. Osbournes solistischem Werdegang ein Denkmal. Disc 1 und 2 koppeln auf 29 Tracks einen Querschnitt der Soloalben von BLIZZARD OF OZZ bis DOWN TO EARTH mit Klassikern wie ›Mr. Crowley‹, ›Diary Of A Madman‹ und ›No More Tears‹. Hinzu gesellen sich entbehrliche Konzertmitschnitte sowie sieben nicht uninteressante Demoaufnahmen. CD Nummer drei bedient sich bei eigenartigen Kombinationen und Kollaborationen: Auf ›Iron Man‹ gastieren Therapy?, bei ›N.I.B.‹ gesellen sich Primus hinzu. Type O-Negative übernehmen die Rolle des Begleiters in Status Quos ›Pictures Of Matchstick Men‹. In Steppenwolfs ›Born To Be Wild‹ gastiert Miss Piggy. Dweezil Zappa gibt sich die Ehre auf ›Stayin’ Alive‹ von den Bee Gees. Außerdem laden Motörhead, Slash, Tony Iommi, Wu-Tang Clan, Infectious Grooves, Was (Not Was), The Crystal Method, DMX, ‘Ol Dirty Bastard und Fuzzbubble zum Stelldichein. CD vier blättert ungeniert im Poesiebüchlein vergangener Tage, um zehn mehr oder minder gelungene Coverversionen zu offerieren: King Crimsons ›21st Century Schizoid Man‹ reibt sich an Crazy World Of Arthur Browns ›Fire‹. ›Sympathy For The Devil‹ von den Rolling Stones kollidiert mit ›In My Life‹ von den Beatles und John Lennons ›Working Class Hero‹. Außerdem trifft Mountains ›Mississippi Queen‹ auf Mott The Hooples ›All The Young Dudes‹, Buffalo Springfields ›For What It’s Worth‹ auf ›Good Times‹ von Eric Burdon & The Animals. Angeblich Osbournes Songfavoriten. Und Töchterchen Kelly darf auf einem Remake von ›Changes‹ mitpiepsen. Ungeteiltes Lob verdienen das 60-seitige Booklet mit zahllosen Fotos sowie die geschmackvolle Verpackung.

Judas Priest – THE COMPLETE ALBUMS COLLECTION

judas priestTodgeil auf Leder: das (fast) komplette Vermächtnis der NWOBHM-Speerspitze.

13 cm x 13 cm x 8 cm misst die handlich quadratische Box mit sämtlichen Alben der 1970 in Birmingham von Gitarrist K.K. Downing und Bassist Ian Hill auf den Weg gebrachten Band. Ein ganzes Künstlerleben findet sich da fein säuberlich chronologisch abgepackt auf wenig Platz. Nein, nicht ganz. Im Reigen aus 14 Studioalben und drei Konzertmitschnitten fehlt jenes Material, als Sänger Rob Halford eine Auszeit nahm und Ersatz Tim „Ripper“ Owens den Platz überließ. Doch der Reihe nach: Experimentell und erfrischend unfertig oszilliert das von Rodger Bain (u.a. Black Sabbath) produzierte Debüt ROCKA ROLLA von Art bis Hard Rock mit den überlangen ›Run Of The Mill‹ und ›Winter‹ als Glanzstücken – zu diesem Zeitpunkt ist die Besetzung mit den Neuzugängen Rob Halford, Gitarrist Glenn Tipton und Schlagzeuger John Hinch erst wenige Monate alt. Nach ganz ähnlichem Strickmuster funktioniert zwei Jahre später SAD WINGS OF DESTINY mit der atypischen Crooner-Ballade ›Epitaph‹, aber auch Black Sabbath nachgeeiferten Krachern wie ›Tyrant‹, ›The Ripper‹ und ›Victim Of Changes‹. Bewegung kommt in die internationale Karriere, als Judas Priest das Management und von Gull Records zu Columbia wechseln. SIN AFTER SIN platziert sich mit der kristallklaren Produktion von Roger Glover auf Rang 23 der UK Charts. ›Sinner‹ eignet sich zur Blaupause späterer Hymnen. Mit ›Diamond And Rust‹ von Joan Baez glückt die erste von einer Reihe weiterer eigenwilliger Coverversionen. 1978 erfolgt die Wende: Was STAINED GLASS mit ›Exciter‹, ›Invader‹ und Spooky Tooths ›Better By You, Better Than Me‹ anstrebt, führt das noch stromlinienförmigere KILLING MACHINE (US-Titel: HELL BENT FOR LEATHER) mit ›Take On The World‹, ›Rock Forever‹ und Fleetwood Macs ›The Green Manalishi (With The Two-Pronged Crown)‹ konsequent fort. Nach künstlerischem Aus von Deep Purple und Black Sabbath etablieren sich Judas Priest in Europa als hartmetallische Runderneuerer. Der Durchbruch in Großbritannien erfolgt 1979 mit dem Konzertmitschnitt UNLEASHED IN THE EAST, zementiert wird er ein Jahr später von BRITISH STEEL: Subversiv Provokantes (›Breaking The Law‹) wechselt mit Splatterhorror (›Grinder‹), Parodistischem (›Metal Gods‹) und Zweideutigem (›Living After Midnight‹). Mit dem allmählichen Durchbruch in den USA geraten die Alben von nun an radiofreundlich hitverdächtig bis formelhaft kommerziell. POINT OF ENTRY(’81), SCREAMING FOR VENGEANCE (’82), DEFENDERS OF THE FAITH (’84) und TURBO (’86) gehen als Platinjahre in die Bandvita ein, werfen in souveräner Routine jeweils Hits wie ›Heading Out To The Highway‹, ›You’ve Got Another Thing Comin’‹ und ›Locked In‹ ab und vergessen auch nicht die obligatorische Ballade. Mit Doppelplatin in den USA und fünf Millionen Kopien weltweit bleibt SCREAMING FOR VENGEANCE bis heute unangefochtener Klassenprimus. PRIEST… LIVE! liefert eine weitere Konzertvisitenkarte mit US-Aufnahmen von 1986. RAM IT DOWN hämmert sich per Drum Machine (Schlagzeuger Dave Holland kränkelt!) 1988 in Lichtgeschwindigkeit wie eine Parodie auf Spinal Tap durch Plattitüden wie ›Heavy Metal‹, ›Monsters Of Rock‹, ›Hard As Iron‹ und Chuck Berrys ›Johnny B. Goode‹. Das Konzeptwerk um einen Messias, eine stilistische Neuorientierung und Schlagzeugneuzugang Scott Travis stecken hinter PAINKILLER von 1990, Ausflüge ins Genre Speed Metal inklusive – das seit Jahren beste Werk. Rob Halford geht 1992, wird auf zwei Alben von Tim „Ripper“ Owens ersetzt, kehrt erst 2005 für das nostalgische und handwerklich grundsolide ANGEL OF RETRIBUTION zurück. Hierzulande platzieren sich sowohl das Wiedervereinigungswerk als auch dessen mit symphonischer Orchestrierung, Keyboardeinsatz und Chorpassagen ambitionierter 2-CD-Nachfolger NOSTRADAMUS (’08) zu recht jeweils auf Platz fünf der Charts. Konzertmischmasch der Jahre 2005 bis 2008 offeriert A TOUCH OF EVIL: LIVE – danach verlässt Gründer K.K. Downing seinen Posten.

Dr. Feelgood – TAKING NO PRISONERS (WITH GYPIE 1977 – 1981)

dr. feelgoodZwar ohne Wilko, aber mit Gypie: finaler Teil der EMI-Werkschau.

Quo vadis?“, fragen sich die restlichen drei Mitglieder von Dr. Feelgood 1977 ratlos, als ausgerechnet zur Geburtsstunde des britischen Punk Gitarrist Wilko Johnson, der nicht nur als Komponist, sondern auch als Bandmotor und charismatischer Frontmann für den Karriereauftrieb verantwortlich gezeichnet hatte, die Scheidung einreicht. Der Grund: Dauerquerelen mit Sänger Lee Brilleaux. Nach längerem Hin und Her findet sich Ersatz in Person des ebenfalls talentierten John „Gypie“ Mayo. Doch Mayo besitzt weder die dämonische Ausstrahlung, noch das exquisite Hithändchen Johnsons. Nichtsdestotrotz macht Groß-britanniens Pub-Rock-Speerspitze aus Canvey Island unverdrossen weiter. Aber nicht nur der Gitarristenwechsel schafft Dr. Feelgood Probleme. Englands Punkelite prescht gerade mit drei Akkorden, jeder Menge Wut im Bauch und plakativen Slogans in jenes Feld vor, das bislang Lee Brilleaux und Co. vorbehalten war: Kantiger Roots Rock und R & B. Dennoch gelingt der Anschluss, wie die 97 Tracks auf der 4-CD-Box TAKING NO PRISONERS (WITH GYPIE 1977 – 1981) untermauern. John „Gypie“ Mayo gibt seinen Einstand auf Nick Lowes Produktion BE SEEING YOU. Nicht nur der von einer Catchphrase bestimmte Albumtitel, auch der einheitliche Look der Band in schwarzen Sakkos demonstriert zumindest für Eingeweihte die Quelle der Inspiration: die britische TV-Kultserie „The Prisoner“. Musikalisch setzt die Zwölf-Song-Mixtur aus Selbstverfasstem und Coverversionen (u.a. von Johnny „Guitar“ Watson, Wilson Pickett) von BE SEEING YOU dort an, wo der Vorgänger SNEAKIN’ SUSPICION endete. Mit ›She’s A Wind Up‹ gelingt gar ein moderater Hit. Noch besser fährt 1978 das von Richard Gottehrer beaufsichtigte PRIVATE PRACTICE mit dem Top-10-Chartrenner ›Milk And Alcohol‹. Zu Nebenschauplätzen geraten die weiteren Alben mit John „Gypie“ Mayo: AS IT HAPPENS von 1979 wie auch ON THE JOB von 1981 können als Konzertmitschnitte nicht an das noch mit Johnson eingespielte Live-Debüt STUPIDITY. LET IT ROLL anknüpfen. A CASE OF THE SHAKES, abermals mit Nick Lowe an den Klangreglern und 1980 das letzte Studiowerk für EMI, läuft wie gewohnt auf Hochtouren – jedoch ohne nennenswerte Signifikanz. Schlicht fabelhaft ist allerdings die randvoll gefüllte DVD mit Videoraritäten: BBC-Mitschnitte, Promoclips und Interviews informieren unterhaltsam über den Werdegang der einst so hoffnungsvoll gestarteten Doktoren.

Dio – MAGICA DELUXE EDITION

dioMeilenstein mit Kultstatus, technisch aufgefrischt.

Als Ronnie James Dio am 16. Mai 2010 an Magenkrebs stirbt, hinterlässt er nicht nur Trauer über den Verlust einer der besten Stimmen in den Segmenten Hard Rock und Metal, sondern auch die leider unvollendet gebliebene Fortsetzung der Trilogie MAGICA, deren erster Teil zur Jahrtausendwende erschienen war. Für das 2-CD-Set MAGICA DELUXE EDITION reihen sich jetzt an die 13 Tracks des technisch aufgefrischten Originals auch der einzig fertiggestellte Song für die geplante Fortsetzung: ›Electra‹. Darüber hinaus kommen auch noch Raritäten wie der japanische CD-Bonus ›Annica‹ sowie Konzertmitschnitte von MAGICA in Form von ›Feed My Head‹, ›Fever Dreams‹, ›Lord Of The Last Day‹, ›As Long As It’s Not About Love‹ und ›Losing My Insanity‹ zum Einsatz. Doch das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf den ursprünglichen Songs von MAGICA, ein in majestätischer Wucht produziertes Konzeptalbum mit deutlich hörbaren Reminiszenzen an das Frühwerk von Rainbow. Mit dabei bei den Aufnahmen im kalifornischen Studio Total Access waren seinerzeit der gerade wieder in den Bandschoß zurückgekehrte Gitarrist Craig Goldy, Langzeitwegbegleiter Jimmy Bain am Bass sowie Schlagzeuger Simon Wright und Keyboarder Scott Warren. Zum Einstieg ›Discovery‹ mit einer Überblendung ins ›Magica Theme‹ gibt’s eine unheimliche Geräuschkulisse: Als träfe der Kinokultklassiker ALIEN auf King Crimsons epischen Titelsong von IN THE COURT OF THE CRIMSON KING und Led Zeppelins ›Kashmir‹ . Dramatische Wendungen, opulent Großorchestriertes, verwegen Mittelalterliches, elegante Gitarrenriffs, ätherische Engelschoräle und natürlich Ronnie James Dios makellose Stimme beherrschen das wie aus einem Guss geratene MAGICA, das bei der Premiere kommerziell nicht unbedingt abräumte, aber mittlerweile Kultstatus genießt.

Big Country – AT THE BBC

big countryTantchen BBC räumt die Archive: Power Folk Pop aus den Highlands.

Tja, die Schotten: Stets traditionsbewusst und doch der Innovation nicht abgeneigt. Auch die 1981 von Sänger, Gitarrist und Komponist Stuart Adamson mit Sologitarrist Bruce Watson, Bassist Tony Butler und Schlagzeuger Mark Brzezicki in Dunfermline aus der Taufe gehobenen Big Country zählen zum illustren Kreis der Schottenrocker – mag die letzte Notierung in den UK- Top-Ten auch 1988 das vierte Album PEACE IN OUR TIME gewesen sein, der letzte Singlehit ›Look Away‹ sogar schon 28 Jahre zurückliegen. Auf der 3-CD-Box AT THE BBC mitsamt DVD leben die Glanzmomente einer Band auf, die mit dem wiedererkennbaren Klangbild ihres Debüts THE CROSSING (’83) den britischen Folk Pop jener Ära auf Hochglanz polierte. Es war die große Zeit dieser von Höhen und Tiefen gebeutelten Band, die bis zur Jahrtausendwende existierte, eine kurzfristige Wiedervereinigung sieben Jahre später hinbekam und seit 2010 erneut auf der Matte steht. Mit Vokalist Mike Peters, ehemaliger Frontmann von The Alarm, der den 2001 freiwillig aus dem Leben geschiedenen Adamson ersetzt. Aus den Archiven des Öffentlich Rechtlichen der Briten ließen sich Studiosessions und Konzertimpressionen zutage fördern. Vier Songs entstanden bei David Jansen, vier weitere bei Radiolegende John Peel, dazu gibt’s zahllose Konzertmitschnitte der Jahre 1983 (Hammersmith Palais, Reading Festival), 1984 (Wembley Stadium), 1988 (Soviet Embassy) und 1989 (Hammersmith Odeon). Darunter selbstverständlich die Ohrwürmer ›Wonderland‹, ›In A Big Country‹ und ›Fields Of Fire (400 Miles)‹. Als Clou fungiert die DVD mit sämtlichen TV-Auftritten bei Top Of The Pops, The Old Grey Whistle Test und The Oxford Road Show. Ein Interview mit Stuart Adamson, geführt von seinem ehemaligen Bandkollegen Richard Jobson, gesellt sich ebenso hinzu wie Konzerte beim Pop Carnival im Sefton Park 1983, im Edinburgher Playhouse ein Jahr später sowie im Reading Hexagon 1986. Als Gimmicks liegen ein 32-seitiges Buch mit Liner Notes von Tim Barr, Fotos von Paul Cox, ein Poster plus vier Postkarten bei.

The Allman Brothers – BROTHERS AND SISTERS SUPER DELUXE EDITION

AllmanLord I was born a ramblin’ man: Überleben nach der Katastrophe.

Auf der Fronthülle tummelt sich Vaylor Trucks in herbstlicher Idylle, der kleine Sohn von Schlagzeuger Butch Trucks. Die Rückseite ziert Brittany Oakley, Tochter von Bassist Berry Oakley. Im Innencover des aufklappbaren Vinyloriginals posiert vor ländlich rustikalem Holzhaus eine große, glücklich Familie: Musiker, Manager, Roadies, Ehefrauen, Freundinnen, Kinder und Haustiere. Weitergehen muss das Leben, wollen die freundlich in die Kamera gerichteten Gesichter sagen. Gleich zwei Katastrophen binnen eines Jahres ereilte das 1969 in Macon, Georgia von den Brüdern Duane und Greg Allman gegründete Southern Rock Ensemble: Duane Allman stirbt bei einem Motorradunfall Ende Oktober 1971, Berry Oakley kommt ebenfalls bei einem Motorradunfall im November 1972 ums Leben – beide wurden 24 Jahre alt. Ausgerechnet mit BROTHERS AND SISTERS, im August 1973 erschienen und das erste Album nach der Doppelkatastrophe, gelingt der nunmehr mit Bassist Lamar Williams und Keyboarder Chuck Leavell neu zusammen gewürfelten Formation ein Superlativ. Ihr erstes und einziges Nummer-1-Werk in den USA wirft auch noch zwei weltweit erfolgreiche Singles ab: Das signifikante Instrumental ›Jessica‹ sowie die gemütliche Country-Rock-Studie ›Ramblin’ Man‹ – für beide zeichnet sich Gründungsmitglied und Gitarrist Richard „Dickey“ Betts verantwortlich, der vier von insgesamt sieben Titeln verfasst und Duane Allmans Rolle als kreativer Kopf der Band übernommen hat. Greg Allmans verrockter Auftaktsong ›Wasted Words‹ und der angejazzte ›Come And Go Blues‹ zeugen von erstklassigem Potenzial für ein künstlerisches Gegengewicht zu Betts. Für rhythmisches Rückgrat sorgt die Doppelschlagzeugbesetzung mit Jaimoe und Butch Trucks im Zusammenspiel mit Lamar Williams. Doch vor allem Neuzugang Chuck Leavell, heutzutage in Lohn und Brot bei den Rolling Stones, setzt Akzente. Lediglich als Gastgitarristen fungieren Tommy Talton und Les Dudek. Zum 40. Jubiläum wurden für die SUPER DELUXE EDITION von BROTHERS AND SISTERS weder Kosten noch Mühen gescheut: Auf vier CDs finden sich das digital optimierte Original, neun Archivraritäten aus Outtakes, Jam Sessions und Proben sowie ein kompletter Konzertmitschnitt mit 17 Songs aus dem Winterland Ballroom in San Francisco von 1973.

Orchid & Free Fall: München, Backstage Halle

0

IMG_5568Doom vs. Rock’n’Roll

Eigentlich war eine doppelte Portion Doom Metal für diesen Abend geplant. Doch Witchcraft, die ursprünglich als Headliner vorgesehen waren, mussten ihre gemeinsame Tour mit den Freedom-Rockern von Free Fall und ihren kalifornischen Doom-Kollegen von Orchid absagen. Dafür rückten die beiden letztgenannten Bands eine Position nach oben, als Support durften nun Troubled Horse fungieren.

Nach deren Aufwärm-Show in der trotz der Line-up-Änderung sehr gut gefüllten Halle stellen sich nun Free Fall vor. Während die Band bislang nur einem kleinen Kreis von Rockfans ein Begriff sein dürfte, sind einige ihrer Mitglieder alte Bekannte in der Schwed’n’Roll-Szene, schließlich wurden Free Fall gemeinsam von Schlagzeuger Ludwig Dahlberg (ehemals The International Noise Conspiracy), dessen Spiel an diesem Abend aus einer Mischung von Charlie Watts und John Bonham erinnert, und Ex-The-Soundtrack-Of-Our-Lives-Gitarrist Mattias Bärjed, der mit seiner Windmühlentechnik Pete Townshend ins Leben gerufen. Am Ende ihres rund einstündigen Sets ist es aber vor allem Sänger Kim Fransson, der mehr als einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben dürfte. Mit seiner kreischenden, doch kraftvollen und dynamischen Stimme erinnert Fransson, der einige Zeit des Auftritts auf dem Bühnenboden kniend und liegend verbringt, beinahe an Bon Scott. Zusätzlich verfügt er aber über eine ganz individuelle Stimmfärbung. Gemeinsam geben Free Fall ein (Klang-)Bild ab, das ausgesprochen groß wirkt und dem Publikum das Wort ROCK’N’ROLL in großen Lettern auf die Stirn stempelt. Trotz einiger The-Who-, Led-Zeppelin-, UFO- und AC/DC-Anleihen zeigen Free Fall eine großes Maß an Originalität und Kreativität, das auch in minutenlangen Jam-Parts zum Ausdruck kommt.

Beim Stichwort Originalität fällt der Übergang zum Hauptact leider leicht. Denn während Orchid eigentlich eine musikalisch hochwertige und anständige Doom-Metal-Show abliefern, geht ihre mimische und gestische Heldenverehrung doch fast zu weit. Nach einigen Minuten fallen einem erstmals vereinzelte Ähnlichkeiten zwischen dem Nachwuchs aus San Francisco und Black Sabbath auf. Song für Song werden diese eindeutiger, bis das Gehabe von Orchid letztlich vom eigentlichen Songmaterial abzulenken vermag: Sänger Theo Mindell hält sich doch tatsächlich wie der Prince of Darkness persönlich beidarmig mit gebeugtem Rücken an seinem Mikrofonständer fest und versucht zudem, Ozzys arhythmisches Kopfwippen und Klatschen zu imitieren. Mark Thomas Baker schmückt sich mit einer weinroten Gibson SG, die nicht nur so aussieht wie Tony Iommis Lieblingsgitarre, sondern auch so klingt. Hoffentlich hat sich der Arme aus Perfektionismus nicht auch noch zwei Fingerkuppen abgeschnitten! Auch Bassist Keith Nickel war ein aufmerksamer Bewunderer und beherrscht Geezer Butlers Fingertechnik beinahe perfekt!

Großer Vorteil für Orchid: Der anständige Doomer headbangt möglichst ohne Pause und so spielt die Optik dank Langhaarvorhang kaum eine Rolle. Was übrig bleibt, ist eine ausgezeichnet klingende Band.

Errorhead: München, Garage Deluxe

0

Bandfoto Errorhead, 13.11.2011 Foto: Monique WuestenhagenProfis bei der Arbeit

Seit 1998 stehen Errorhead in allererster Linie für Musikalität in höchstem Maße. Leitfigur der Modern-Hippie-Rocker, wie sie sich selbst bezeichnen, ist Ausnahmegitarrist Marcus Deml, der nicht nur als Bandleader seiner eigenen Gruppe bekannt ist. Deml ist ein fester Bestandteil der Musikwelt, hat er doch schon so unterschiedlichen Musikern wie Saga, Nena, dem Rödelheim Hartreim Projekt, Kingdome Come oder Simon Collins seine Künste zur Verfügung gestellt. Mit ORGANIC PILL, dem aktuellen und bereits vierten Studioalbum von Errorhead, hat Deml seiner Band, die bislang vorwiegend durch Instrumentalmusik geprägt war, mit Sänger Andrew Gräser eine starke Stimme verliehen.

An diesem Abend gastieren Errorhead in der überschaubaren, dafür aber vollen Garage Deluxe in München. Was Gräser und Deml gemeinsam mit dem extrem versierten Schlagzeuger Zacky Tsoukas und Bassist Frank Itt in dem leider recht exklusiven Rahmen von rund 150 Musikfeinschmeckern bieten, ist beste Live-Arbeit. Rund 90 Minuten lang überzeugen die vier mit bemerkenswerter Präzision, Gefühl und spielerischer Kraft. Der Live-Event Errorhead sorgt beim Publikum für Bewunderung, Staunen und vereinzelt auch Ausdruckstänzen.

Stilistisch bewegen sich Errorhead – stets angepeitscht vom sich in der Musik zu verlieren scheinenden Deml – zwischen Soul, Blues, Rock, Funk und Fusion. Dieses Konzert ist keinesfalls die Selbstbeweihräucherung eines Gitarrenvirtuosen. Errorhead bilden ein gut funktionierendes und homogenes Bandgefüge, in dem sowohl Deml als auch der Rest der Gruppe sein Instrument geschmackvoll einsetzt und auf spielerisch technische Angebereien – zu denen jeder von ihnen zweifelsohne fähig wäre verzichtet.

Leider muss die Veranstaltung bereits um 22:00 Uhr beendet sein. Die Nacht hat gerade erst begonnen, doch da verlassen Errorhead bereits die Bühne. Schade!