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Start Blog Seite 1165

Spacemen 3 – SOUND OF CONFUSION / THE PERFECT PRESCRIPTION

71lpm+n9ZmL._SL1000_Dröhn Baby Dröhn: Zweiakkordmagie in desolater Zeitlupenmonotonie.

Rugby, Warwickshire: Englische Provinz, die in Margaret Thatchers Privatisierungs- und Reform-erklauen zu Anfang der 80er Jahre Heranwachsenden nichts zu bieten hat außer einem geschlossenen Jugendzentrum und der Öde permanenten Nichtstuns. Mit der musikalischen Entsprechung, in zerdehnter Zeitlupe zelebrierter Langeweile, versucht sich das multiinstrumentale Duo Peter Kember und Jason Pierce vom Rest damaliger Britenbands abzuheben, die allesamt in New Romantic und Elektro Pop schwelgen. Aufgewachsen mit einer täglichen Diät aus MC5, 13th Floor Elevators, The Stooges, The Velvet Underground und Suicide, erfolgt der Urknall von Spacemen 3 im Jahr 1986 mit dem trefflich betitelten Debüt SOUND OF CONFUSION. Desolate Leere, schiere Verzweiflung und pure Teenage Angst treffen auf die Monotonie übersteuerter Instrumente und teilnahmsloser Vokalbeiträge. Im Eifer des Gefechts mischen sich selbstgezüchtete Abgrundhymnen wie ›Losing Touch With My Mind‹ und ›O.D. Catastrophe‹ mit den eigenwillig inszenierten Interpretationen ›Little Doll‹ von den Stooges, ›Mary Anne‹ von Juicy Lucy und ›Rollercoaster‹ von Roky Ericksons 13 Floor Elevators. Noch konsequenter gebärdet sich ein Jahr später der Nachfolger THE PERFECT PRESRIPTON mit lediglich einer Coverversion: ›Transparent Radiation (Flashback)‹ von Red Krayolas gerne mal übersehenem 67er-Meilenstein PARABLE OF ARABLE LAND. Kember, Pierce und Co. inszenieren einen akustischen Drogentrip vom dynamischen Auftakt ›Take Me To The Other Side‹ bis hin zum Hilferuf ›Call The Doctor‹. Schwermetallisches Dröhnen wechselt mit akustisch Besinnlichem und der Erkenntnis: ›Things’ll Never Be The Same‹. Zwischendurch tönt es in ›Soul 1‹ nach den Rolling Stones um STICKY FINGERS herum. Am Ende lautet die Botschaft dann aber doch ›That’s Just Fine‹.

Mother Love Bone – MOTHER LOVE BONE

MLB_StardogcompPearl Jams Wurzeln: Was hätte sein können, wenn…!

Manchmal enden Dinge tragisch, bevor sie richtig begonnen haben. Was wohl mit der 1988 aus der Taufe gehobenen Formation aus Seattle passiert wäre, wenn Frontmann Andrew Wood sich nicht zwei Jahre später eine tödliche Dosis Heroin verabreicht hätte? Schlicht müßig eine Antwort zu finden. Gitarrist Stone Gossard und Bassist Jeff Ament jedenfalls ziehen 1990 gemeinsam mit Sänger Eddie Vedder und zwei weiteren Mitstreitern in der Nachfolgeformation Pearl Jam das große Los. Hinterlassen haben Mother Love Bone die EP SHINE und die LP APPLE – beide vereinen sich auf dem Doppelalbum MOTHER LOVE BONE. Als erste Band aus der Seattle-Szene, die wenig später dank Nirvana und Soundgarden zum Rock-Mekka der Stunde ausgerufen wird, landet das Quintett einen Major-Vertrag. Mit deutlich von Led Zeppelin inspiriertem Stil, Talent für kompakte Kompositionen und Woods signifikanter Stimme gelingt ein explosiver Cocktail aus dynamischen Rockern und besinnlichen Balladen, der auch mit dem Abstand von mehr als zwei Dekaden jene Qualität aufweist, die sich jede Band beim Debütalbum wünscht: Zeitlosigkeit. Mag auch das Eröffnungsstück ›This Is Shangrila‹ wie ein Outtake von Guns’ N Roses’ APPETITE FOR DESTRUCTION tönen, der Rest leistet Überzeugungsarbeit. Verschleppt raffiniert funktionieren ›Stardog Champion‹ und ›Gentle Groove‹, vor Kraft strotzen ›Heartshine‹, ›Holly Roller‹, ›Captain Hi-Top‹ und ›Capricorn Sister‹. Verspielt (halb)akustisch loten ›Bone China‹, ›Stargazer‹ und ›Crown Of Thorns‹ weitere Facetten von Mother Love Bone aus. ›Man Of Golden Words‹ schließlich, einmal mehr eine eindrucksvoll melancholische Akustikballade am seelischen Abgrund, dient mit Woods Zeile „Seems I’ve been living in the temple of the dog“ 1991 als Namensgeber für ein ebenfalls beeindruckendes gleichnamiges Projekt aus Teilen von Soundgarden (Chris Cornell, Matt Cameron) und den gerade gegründeten Pearl Jam (Jeff Ament, Stone Gossard, Mike McCready, Eddie Vedder).

Jon Lord – CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA

JonLord_Concerto_CoverVon Moderato – Allegro bis Vivace – Presto: Jon Lords Meilenstein in Studioneuauflage.

Rockgeschichte schreiben Deep Purple am 24. September 1969: Als erste Band weltweit kombiniert das britische Quintett mit Jon Lords dreiteiliger Suite CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA zeitgenössischen Rock mit großem Orchester. Für Lord, 2012 im Alter von 71 Jahren einem Krebsleiden erlegen, erfüllt sich kurz vor seinem Tod noch ein sehnlicher Wunsch: Sein CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA in einer Studioversion zu realisieren. Wenige Tage, bevor Lord das Zeitliche segnet, gibt er noch sein ausdrückliches Okay für das in den Abbey Road Studios gefertigte Final Master. Für sein Epitaph engagiert Lord, der abermals die Tasteninstrumente übernimmt, The Royal Liverpool Philharmonic Orchestra mit Dirigent Paul Mann. Für jedes der drei Movements zeichnet sich ein jeweils anderer Gitarrensolist verantwortlich: Darin Vasilev (1st Movement, Moderato – Allegro), Joe Bonamassa (2nd Movement, Andante) sowie Steve Morse (3rd Movement, Vivace – Presto) – sich auf einen der Virtuosen zu beschränken, wäre möglicherweise besser gewesen. Es muss ja nicht unbedingt Ritchie Blackmore sein, wie es sich viele Altfans in den Meckerforen des Internets so sehnlichst wünschen. Anstatt abermals auf den versierten Ian Gillan als Vokalisten zurückzugreifen, ergänzen sich der Eiserne Jungferich Bruce Dickinson und der Waliser Steve Balsamo mit der Polin Kasia Łaska – auch hier wäre die Konzentration auf einen Sänger wünschenswert gewesen. Als Rhythmusgespann fungieren Schlagzeuger Brett Morgan und Bassist Guy Pratt. Interessieren dürften sich für die in Teilen auch mit aktuellen Kompositionen aufgepeppte Neuauflage all jene, die schon bei der Urversion frenetisch jubelten. Doch einen erneuten Crossover-Boom wie 1969 wird das Konzert für Gruppe und Orchester wohl nicht mehr auslösen.

Fleetwood Mac – MR. WONDERFUL

fleetwood_mac_-_1968_mr_wonderfulLondons Wunderkinder, kurz vor dem internationalen Karrieredurchbruch.

Gemessen an heutigen Standards mit mehrjährigen Intervallen zwischen zwei Albumproduktionen, werkeln sich Interpreten und Bands vor Dekaden mit Leichtigkeit durch recht enge Veröffentlichungspläne. Nur wenige Monate liegen zwischen Fleetwood Macs selbstbetiteltem Debüt im Februar 1968, dem Nachfolger MR. WONDERFUL im September und dem Nummer-eins-Hit ›Albatross‹ im November gleichen Jahres. Als nach wie vor eingefleischte Bluespuristen erwählt das zu drei Vierteln aus ehemaligen Mitgliedern von John Mayall’s Blues-breakers hervorgegangene Londoner Quartett abermals Unverfälschtes vom Mississippidelta als Basis der zwölf Songs. Mit dem Unterschied, dass Schlagzeuger Mick Fleetwood, Bassist John McVie sowie Peter Green und Jeremy Spencer an Gitarren und Mikrofon sämtliche Titel als Studiokonzert einspielen. Außerdem kommen erstmals eine Blech-bläsersektion sowie Christine Perfect am Piano und Duster Bennet an der Mundharmonika zum Einsatz. Mögen Eigenkompositionen wie der Chicago-Blues ›Stop Mess Around‹, der lässige Shuffle ›Rollin’ Man‹ und der tieftraurige Moll Blues ›Love That Burns‹ auch stark von amerikanischen Ikonen der Vergangenheit inspiriert sein – Fleetwood Macs schiere Virtuosität und elektrisierende Intensität zieht selbst Skeptiker in Bann. Fleetwood Macs künstlerische Turboentwicklung und gestiegenes Selbstwertgefühl spiegelt sich auf MR. WONDERFUL wider: Bis auf Robert Johnsons ›Dust My Broom‹, Elmore James’ ›Coming Home‹ und Buster Browns ›Doctor Brown‹ findet sich nur Selbstgestricktes. Besonders der finale Country-Blues ›Tryin’ So Hard To Forget‹ sowie der flotte ›Lazy Poker Blues‹ leisten Überzeugungsarbeit. Und wer bitteschön stört sich heutzutage noch an der Tatsache, dass Jeremy Spencer gleich vier der Titel mit recht identischen Slide-Gitarren-Intros ausstattete?

Jeff Beck – TRUTH/BECK-OLA

jeffbeck-truth1Wie Jeff Beck und Co. Led Zeppelin den Weg weisen.

Knietief im Blues-Rock steckt Jeff Beck im Sommer 1968. Hinter sich gelassen hat der hitzköpfige Gitarrenvirtuose die Yardbirds sowie ein kurzes Intermezzo als Popsolist. Geblieben ist Mentor und Produzent Mickie Most, der die Zeichen der Zeit erkennt: Eine amtliche Band muss her für seinen Schützling. Vokalist Rod Stewart, Bassist Ron Wood und Micky Waller am Schlagzeug passen wie die Faust aufs Auge. Anstatt wie bisher auf Psychedelic Pop, setzen Beck und Most auf eine Mischung aus elektrifiziertem Blues, Rock und Folk. TRUTH trumpft im August 1968 mit in etwa der gleichen Mixtur auf, die Monate später Ex-Kollege Jimmy Page seinem von New Yardbirds auf Led Zeppelin umgetauften Flaggschiff verordnet: Bluesoriginale steuern Willi Dixon und Muddy Waters (›You Shook Me‹) sowie Howlin’ Wolf (›I Ain’t Superstitious‹) bei. Drei weitere bearbeitet das Komponistenteam Jeffrey Rod, Pseudonym von Beck und Stewart, so intensiv, bis sie mühelos als Eigenkomposition durchgehen: B.B. Kings ›Rock Me Baby‹ verwandelt sich in ›Rock My Plimsoul‹, aus ›Gambler’s Blues‹ schlüpft ›Blues Deluxe‹. Bei Buddy Guys ›Let Me Love You‹ bleibt sogar der Titel identisch. Mit im Angebot befinden sich auch noch Bonnie Dobsons ›Morning Dew‹, Jerome Kerns Musicalklassiker ›’Ol Man River‹, das Traditional ›Greensleaves‹ sowie der im Tempo auf Zeitlupe gedrosselte Yardbirds-Hit ›Shapes Of Things‹. Nicht zu vergessen, das schon Monate vorher mit Jimmy Page, John Paul Jones und Keith Moon aufgezeichnete Instrumental ›Beck’s Bolero‹. Auf nahezu gleichem Qualitätslevel zieht im Juni 1969 BECK-OLA mit Tony Newman am Schlagzeug und Nicky Hopkins am Piano nach. Im Arrangement bis zur Unkenntlichkeit umgearbeitet, stammen ›All Shook Up‹ und ›Jailhouse Rock‹ aus Elvis Presleys Repertoire. Im fast achtminütigen Gitarrenfeuerwerk ›Rice Pudding‹ nimmt Beck schon mal ein wenig seine Fusion-Jazz-Phase vorweg. Mit den knackigen Gruppenkompositionen ›Spanish Boots‹, ›The Hangman’s Knee‹ und ›Plynth (Water Down The Drain)‹ geben die kurz nach Erscheinen ausgeschiedenen Spezies Rod Stewart und Ron Wood schon mal einen Ausblick auf ihr nächstes Projekt Faces.

ZZ Top THE STUDIO ALBUMS 1970 – 1990

zz topWarten auf den Bus oder wie man sich zu übergroßen Comic-Figuren stilisiert.

Die Texaner halten Rückschau. Nicht auf ihre Gesamtkarriere, jedoch auf jene essenzielle Phase, als die begnadet rustikalen Handwerker zu millionenschweren Entertainern aufstiegen. Zehn Alben sammelt THE STUDIO ALBUMS 1970 – 1990 in rechteckiger Box. Mag Bassist Dusty Hill, Schlagzeuger Frank Beard sowie Sänger und Gitarrist Billy Gibbons auch stets der Vorwurf gemacht werden, sie würden bis heute statisch in der Entwicklung ihres Debüts verharren: ZZ TOP’S FIRST ALBUM empfiehlt sich 1971 als handwerklich solide Zehn-Song-Affäre auf der Suche nach der korrekten Rezeptur aus erdigem Texas Blues (›Brown Sugar‹), Boogie Rock (›Back Door Love Affair‹), einer gehörigen Portion Nostalgie und Reminiszenzen an Peter Greens Fleetwood Mac. RIO GRANDE MUD operiert 1972 im gleichen Territorium mit verrockter Liebeserklärung ›Francine‹, dem manischen Bluespurismus ›Mushmouth Shoutin’‹ und der epischen Ballade ›Sure Got Cold After The Rain Fell‹. Ein erster Quantensprung gelingt 1973 mit TRES HOMBRES, das erstmals die US Top Ten knackt und Gold erwirtschaftet – sämtliche Zutaten konsolidieren sich auf den Punkt: Vom infektiösen ›Waitin’ For The Bus‹ mit Überblendung in ›Jesus Just Left Chicago‹ über Radiofavoriten wie ›Beer Drinkers & Hell Raisers‹ bis hin zur temporeichen Hurenhausode ›La Grange‹, eine Hommage auf John Lee Hooker. Einen Hybriden aus Konzertmitschnitt und Studioproduktion serviert zwei Jahre später FANDANGO!. Eine etwas ambivalente Mischung, die aber in jener Ära mit ihrer Live-Alben-Hörigkeit viel Wohlwollen erntet. Voluminös produziert, liefert vor allem das Studiomaterial mit den Granaten ›Nasty Dogs And Funky Kings‹, ›Heard It On The X‹, ›Tush‹ sowie der einmal mehr an Peter Green erinnernden Trauerode ›Blue Jean Blues‹ eine 1A-Visitenkarte ab. Außerdem halten Cowboyhüte, Vollbart und Anzüge von Rodeoschneider Nudie’s Einzug. Mit TEJAS verwässert sich 1976 die ursprüngliche Essenz in Richtung Rock-Hauptstrom. Ausnahmen in Form der Singlesauskopplung ›It’s Only Love / Arrested For Driving While Blind‹, ›Enjoy And Get It On‹ und ›Avalon Hideaway‹ bestätigen die Regel. Drei Jahre Auszeit nimmt sich das Triumvirat, um 1979 unter geänderten Vorzeichen und mit lang gewucherten Rauschebärten der beiden Frontmänner neu zu starten: Nach Wechsel von London Records zu Warner Brothers gelingt mit DEGÜELLO der weltweite Durchbruch. Strom-linienförmige Rockkracher (›I’m Bad, I’m Nationwide‹), Boogie mit Blechbläsersektion (›She Loves My Automobile‹), vom New Wave Inspiriertes (›Manic Mechanic‹) sowie Robert Johnsons ›Dust My Broom‹ und Sam & Daves ›I Thank You‹ erringen Platin in den USA, Gold in Deutschland und ZZ Top einen denkwürdigen Auftritt in der Rockpalastnacht des WDR. EL LOCO von 1981, eher belanglos, aber erstmals mit Synthesizer, ist mit Unscheinbarem wie ›Pearl Necklace‹ und ›Tube Snake Boogie‹ sowie dem Totalausfall ›Leila‹ die Ruhe vor dem Sturm. Endgültig durch die Decke gehen ZZ Top 1983 mit ELIMINATOR. Rund um die Uhr rotieren bei MTV die Clips von ›Legs‹, ›TV Dinners‹, ›Sharp Dressed Man‹, ›Got Me Under Pressure‹ und ›Gimme All Your Lovin’‹. Mit dem noch vehementer auf Elektronikkurs gebrachten AFTERBURNER übertrumpfen die Superstars 1985 zumindest nach Verkaufszahlen den Vorgänger: ›Stages‹, ›Delirious‹, ›Sleeping Bag‹, ›Velcro Fly‹, ›Rough Boy‹, ›Can’t Stop Rockin’‹ und ›Woke Up With Wood‹ helfen als allseits präsentes Chartfutter bei der gezielten Vermarktung. RECYCLER nennt sich 1990 zweideutig das finale Warner-Werk. Einmal mehr wird das Erfolgskonzept abgemolken. Insgesamt aber wieder mehr Gewicht auf Handgemachtes gelegt. Als Anspieltipps dienen ›My Head’s In Mississippi‹, ›Concrete And Steel‹ und ›Penthouse Eyes‹.

Various Artists – THE SUN ROCK BOX

v.a. - sun rock boxPrachtausgabe: Sam Phillips’ Rockaufnahmen der Jahre 1954 bis 1959.

Classic Rock? Der beginnt genau hier: In den Sun-Studios von Sam Phillips in Memphis, in denen Pioniere wie Elvis Presley, Carl Perkins, Jerry Lee Lewis und andere mehr den Rock’n’Roll auf den Weg brachten. THE SUN ROCK BOX versammelt 127 Tracks auf acht CDs, darunter nicht nur die Klassiker der großen Namen, sondern auch jede Menge Raritäten von Künstlern, die heute nur noch ausgewiesenen Experten ein Begriff sein dürften – etwa Tracy Pendarvis, Vernon Taylor, Gene Simmons – natürlich nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Kiss-Bassisten – oder auch Hannah Fay. Für Spurensucher, Wurzelforscher, Teddyboys, Ducktails und Rockabilly-Liebhaber ein wahres Füllhorn klanglich aufgearbeiteter Raritäten. Zumal Bear Family Records der wunderbaren Tradition treu bleibt, derlei CD-Boxen im LP-Format ein fundiert geschriebenes und reichhaltig illustriertes Begleitbuch beizulegen. Das in diesem Falle 224 Seiten stark ausgefallen ist und nun wirklich keinerlei Wünsche mehr unbefriedigt lässt. So eine Prachtausgabe ist naturgemäß nicht zum Schnäppchenpreis zu haben, doch für Fans des Genres ist jeder Cent gut angelegtes Geld. Besser kann man eine derartige Rückschau nicht realisieren. Beispielhaft!

Tom Robinson Band – ANTHOLOGY 1977 – 79

tom-robinson-band-anthology-1977-1979Rundes Porträt eines Pop-Aktivisten: (Sing If You’re) Glad To Be Gay!

Hemmungslose Feierlaune gepaart mit politischem Aktivismus, sozialem Engagement und humanistischem Bewusstsein ergänzen sich in der Unterhaltungsbranche normalerweise eher widerwillig. Tom Robinson nutzt die Gunst der Stunde, als er sich 1976 nach einem erfolglosen Intermezzo in der von Kinks-Chef Ray Davies geförderten Band Café Society unter eigenem Namen selbständig macht: Robinsons wunderbar widerborstiger Ohrwurm ›2-4-6-8 Motorway‹, vor allem aber sein hymnisches, schwules Selbstbekenntnis ›(Sing If You’re) Glad To Be Gay‹ im Cockney Slang passen nahtlos ins Aufbruchstimmungschaos der sich gerade manifestierenden Punk-Revolution. Dass er schwul ist und für sich die gleichen Rechte fordert, hatte bis dato noch kein Popsänger derart auf den Punkt gebracht. Rasch gewinnt die Tom Robinson Band mit eingängiger Mixtur aus Rock, Folk und New Wave auch in den einschlägigen Clubs in Großbritannien an Renommee. Selbst das europäische Ausland nimmt Notiz. Binnen eines Jahres folgen die Alben POWER IN THE DARKNESS und TRB TWO sowie weitere agitatorische Singles wie ›Up Against The Wall‹, ›Too Good To Be True‹ und ›Bully For You‹. ANTHOLOGY 1977 – 79 kompiliert auf drei CDs die beiden Alben, sämtliche Singles und EPs, Raritäten, Unveröffentlichtes, John Peel Sessions sowie diverse BBC-Mitschnitte der Reihe „In Concert“. Auf beiliegender DVD finden sich zwei TV-Auftritte bei Janet Street-Porters „Lunchtime Show“, eine Dokumentation, drei Videoclips und ein Konzertmitschnitt – aufgezeichnet kurz bevor die Formation unvorhergesehen und unter großer Anteilnahme der Fangemeinde 1979 allzu früh implodiert.