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Start Blog Seite 1153

Pontus Snibb – Große Liebe

Pontus SnibbVictoriateatern MalmöDer Mann ist höchst aktiv, zum einen röhrt er ins Mikro der schwedischen Bluesrocker Bonafide, zum anderen gerbt er die Felle der Country-Rock-Legende Jason & The Scorchers. Außerdem ist er ein erfolgreicher Songwriter, der Lieder für andere Interpreten verfasst. Als sei das nicht genug, geht Pontus Snibb daneben auch noch als Solo-Act auf die Straße und veröffentlicht in diesen Tagen seinen zweiten Alleinritt WRECK OF BLUES. Snibb ist ein Kenner, in den liner notes des Albums zitiert er etwa Albert King, auf den der Begriff „Blues Power“ zurückgeht. Im Song ›No Peace Of Mind‹ erwähnt der langmähnige Charismatiker auch Freddie King. Einen Titel weiter spielt er dann ›Boogie Man‹, das einst ein Hit für eben diesen Freddie King war, geschrieben von Chuck Blackwell und Leon Russell. Dazu gibt es einen Track von Otis Rush (›Keep On Loving Me, Baby‹) sowie ›One’s Too Many‹ von Kim Wilson und Nick Lowe. Die restlichen acht Stücke hat Snibb selbst verfasst – sie sind keineswegs schlechter als die Coversongs.
Gefragt nach seinen Vorbildern, antwortet Pontus: „Wenn’s ums Rocken geht, sind das Bon Scott, Paul Rodgers, Steve Marriott, Robert Plant, aber ich verehre auch B.B. King, Freddie King, Otis Redding, Aretha Franklin, Frank Sinatra, Paul McCartney und John Lennon…“ Über seine Art des Songwriting sagt er: „Ich habe sehr klare Vorstellungen von dem, was ich von einem Song erwarte. Das auf einem Demotape festzuhalten, ist für mich kein Problem, weil ich als Drummer angefangen habe.“ Apropos Drums: Am Schlagzeug sitzt für WRECK OF BLUES ein gewisser Håkan Nyberg, der Vater von Pontus Snibb. Mit ihm spielt er zusammen, seit Snibb 17 Jahre alt war, über zweitausend Shows haben sie absolviert. Der Blues ist ihre gemeinsame Leidenschaft. „Ich habe den Blues geliebt, seit ich als Kind begann, mich für Musik zu interessieren. Und ich glaube, die letzten Töne, die ich in meinem Leben spiele, werden einige dunkelblaue Licks sein…“ Übrigens: Für alle Bonafide-Fans am Schluss noch eine gute Nachricht aus dem Mund von Pontus: „Bonafide ist meine Hauptband und wird es immer bleiben.“

Her Name Is Calla – Am Ende einer Reise

6„I was on the back of a nightingale“, singt Tom Morris im gleichnamigen Opener von NAVIGATOR. Was so märchenhaft-poetisch klingt, birgt eine bittere Wahrheit: Die Zeit des Träumens ist vorbei, irgendwann kommt der Punkt, an dem wir einsehen müssen, doch nicht Peter Pan zu sein. Doch nicht auf Nachtigallen durch die Lüfte zu segeln. „Irgendwann zu merken, dass auch ich älter werde und noch längst nicht alle Ziele erreicht habe, die ich mir gesteckt hatte, war ein ziemlicher Schock“, gesteht Tom. Erkenntnisse wie diese befeuern die bittersüße Melancholie, die sich wie ein roter Faden durch den Hybrid aus Post-Rock, Electronica, Prog und orchestraler Klangcollage windet. Das macht NAVIGATOR einerseits zum erwachsensten Album der Briten, andererseits zu einem einnehmenden Werk, das Hoffnung und Schmerz zu gleichen Teilen Raum gewährt. „Die Jahre seit dem letzten Album waren nicht allzu gut zu uns. Es gab Krankheiten, Scheidungen, Heimatlosigkeit. Die Liebe und Freundschaft, die uns in dieser Zeit widerfuhr, spielte aber eine ebenso große Rolle und findet sich deswegen ebenso auf dem Album wieder.“
Das eine geht eben nicht ohne das andere. Noch so eine Lektion des Lebens. Tom gewöhnt sich übrigens gerade an das Älterwerden. „Im Grunde spricht doch nichts dagegen. Wir schreiben mittlerweile immerhin viel bessere Songs als früher“, meint er lakonisch. Wenn der Sänger hier im Plural spricht, macht er das übrigens ganz bewusst. Lange war Her Name Is Calla im Grunde sein alleiniges Projekt, er schrieb und mixte alle Stücke. „Nicht, dass ich das gewollt hätte, doch es ging damals eben nicht anders. Jetzt gehen wir als Band an die Sache heran. Und das macht deutlich mehr Spaß als früher.“ Spaß ist eben, wenn man trotzdem lacht, denn breit grinsende Gesichter kann man sich bei zerbrechlichen Pianostücken wie ›Ragman Roll‹ oder den einsam verhallenden Akustikgitarren in ›I Was Flood‹ nicht vorstellen. Es wird aber immerhin klar, wohin die Reise gehen soll: Gestärkt als Band, gestärkt durch das Band der Freundschaft, erhoffen sich Her Name Is Calla nach Jahren der Dunkelheit jetzt wieder einen Silberstreif am Horizont. „Das drückt auch der Albumtitel aus“, so der Sänger. „NAVIGATOR bezieht sich auf die Reise zurück zu einem festen Bandgefüge. Deswegen pausierten wir vor den Arbeiten an diesem dritten Album auch eine Weile, um erst mal herauszufinden, warum zur Hölle wir das alles überhaupt tun.“ Scheint funk­tioniert zu haben.

Love – DA CAPO

love-dacaLoves Zweite – Bahnbrechendes in 19 Minuten und sechs kleine Meisterwerke.

Gesetze sind dazu da, dass man sie bricht. Zumal, wenn es sich um die bis dahin geltenden Gepflogenheiten des internationalen Tonträgermarktes handelt. Im Jahr 1966 jedenfalls tauchten plötzlich Alben mit regelrechten Songmonumenten auf, die der gewohnten Drei-Minuten-Komposition den Mittelfinger zeigten: Bob Dylan kredenzte ›Sad-Eyed Lady Of The Lowlands‹, die Rolling Stones steuerten ›Goin’ Home‹ bei, die Mothers Of Invention flunkerten über ›The Return Of The Son Of Magnet Monster‹ und The Seeds beschworen episch ›Up In Her Room‹. Auch Love, seit selbstbetiteltem Debüt vom Frühjahr gleichen Jahres eine fixe Größe in der auf Experimente geeichten Bandszene von Los Angeles und noch ein Album vom Meilenstein FOREVER CHANGES entfernt, wollten da nicht nachstehen. Und konterten mit einem auf 19 Minuten gestreckten, zwischen R & B, Jazz und Klassik oszillierenden Jam namens ›Revelation‹. Der Gigant nahm die gesamte B-Seite von DA CAPO ein, eröffnete mit Partita No. 1 BWV 825 von Johann Sebastian Bach, betitelte sich ursprünglich ›John Lee Hooker‹ und wies auch gewisse Ähnlichkeiten zum ›Goin’ Home‹ der Steine auf. Doch wie sehr sich die von Vokalist, Multiinstrumentalist und Komponist Arthur Lee geführte Formation auf kreativem Höhenflug befand, illustrierten vor allem die sechs Songs auf der A-Seite: ›Stephanie Knows Who‹ empfahl sich mit Cembalo als purer Barock’n’Roll. Klassische Querflötenklänge, Latin-Jazz-Rhythmik und Folk-Gitarren umfloren die lieblichen Vignetten ›Orange Skies‹ und ›¡Que Vida!‹. Als temporeicher Proto-Garagen-Punk blieb ›7 And 7 Is‹ die einzige erfolgreich in den Billboard- Charts notierende Single-Auskopplung von Love überhaupt. Akustik-Folk mit keltischen Wurzeln und einmal mehr Barock-Inspiration manifestierte sich in ›The Castle‹. ›She Comes In Colors‹ schließlich, abermals mit Cembalo und Flöten untermalt, diente den Rolling Stones zur Retourkutsche: ›She’s A Rainbow‹ von THEIR SATANIC MAJESTIES REQUEST entstand wohl nach allzu intensivem Hörgenuss dieses Songs.

Mos Generator – Serve The Song

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Mos Generator 3Seit 14 Jahren erweisen sich die Amis Mos Generator als überaus geschmackvolle Rock-Gourmets. Mit Zutaten aus Heavy-, Doom- und Stoner-Rock braut das Trio sein eigenes Süppchen, das auch im Falle des neuen Longplayers ELECTRIC MOUNTAIN MAJESTY wieder ansprechend mundet.
„Wir bevorzugen die Bezeichnung Heavy-Rock“, lässt uns Sänger/Gitarrist Tony Reed im Interview wissen und führt Black Sabbath als größten Einfluss an. „Keiner anderen Band ist es jemals gelungen, Härte und Schönheit wie sie zu vereinen.“ Saxon und Blue Öyster Cult inspirierten Mos Generator ebenfalls, auch eine gemeinsame Tour mit Saint Vitus hat Spuren hinterlassen. ELECTRIC MOUNTAIN MAJESTY ist das sechste Studioalbum der Formation. Im Vergleich zu vorigen Releases klingt es eingängiger, heavier sowie bisweilen schleppender – aber vor allem sehr spontan, denn Mos Generator verlieren sich bei Aufnahmen nicht in übertriebenem Perfektionismus. „Es gibt sogar ein paar Demos auf dem Album“, verrät Tony. „Sie klangen gut, so dass wir nur noch ein paar Verbesserungen vorgenommen haben und sie verwendeten.“ Wichtig sei eben der Song an sich. Als Bandmotto ruft er „Serve The Song“ aus. Auf ELECTRIC MOUNTAIN MAJESTY klingt nichts überproduziert, man hat das Gefühl, die Band spiele direkt vor dem Hörer in einem Raum. „Wir hatten 2013 ein Live-Album veröffentlicht und die übereinstimmende Reaktion war, dass unsere Songs in diesem Kontext viel energischer und rauer klingen. Deswegen haben wir nun den Großteil der Tracks live zusammen aufgenommen, so als würden wir auf der Bühne stehen“, bestätigt Reed. Derzeit boomen Bands mit 70s-Bezug regelrecht. Auch Mos Generator haben ein starkes Retro-Feeling in ihrer Musik. Zufall? „Für mich ist der Sound der 70er sehr räumlich, vielfältig und erkundungsfreudig“, begründet Tony. „Damals war die Rockmusik noch jung, hungrig und ehrlich. Wir brauchen wieder mehr Ehrlichkeit in der Musik! Daher versuchen wir, diese Zeit zu neuem Leben zu erwecken!“ Offensichtlich mit Erfolg…

Kansas – POINT OF KNOW RETURN

KansasBittere Erkenntnis: Wir sind nichts als Staub im Wind.

Ein Dreimaster kippt in blitzblaue Meeresfluten an harter Abgrundkante in unbekannte Tiefen – gerade so, als ob Planet Erde frei nach mittelalterlichem Weltbild doch eine Scheibe sei. Sollte der einst mächtige Klerus doch Recht behalten haben? Mitunter geben idyllisch gemalte Covergrafiken tatsächlich Einblick in den Inhalt eines Albums – und auch in die Köpfe der zuständigen Musikanten. Im Falle des fünften Werks der Prog-Rock-Formation aus dem amerikanischen Mittelwesten gesellt sich noch ein flott doppelsinniges Wortspiel im Titel mit hinzu. Ein cleverer Schachzug. Möchte man im Rest der Welt doch nicht als Hinterwäldler erscheinen. Tatsächlich erweist sich POINT OF KNOW RETURN im Punk-Revolutionsjahr 1977 als rechter Anachronismus – auch im Abstand von fast vier Dekaden. Aber einer, der sich für das Sextett um Vokalist Steve Walsh und Gitarrist Kerry Livgren als nahezu ebenso lukrativ erwies wie der Multiplatin-Vorgänger LEFTOVERTURE, Durchbruchswerk dank flottem Charthit ›Carry On Wayward Son‹. Jetzt agiert die Truppe noch eine Spur akademischer mit konstantem Blick auf klassische Vorbilder. So erinnern nicht nur die mit üppigen Arrangements ausgestatteten und in Überlange produzierten Epen ›Closet Chronicles‹ (gewidmet Multimillionär Howar Hughes!) oder ›Hopelessly Human‹ an eine amerikanische Überblendung aus den britischen Gegenstücken Yes, Genesis und Emerson, Lake & Palmer. Da konkurrieren Orgel, Synthesizer, Geige, E-Gitarre, Bass und Schlagzeug permanent um Dominanz. Perfekt eingebettet im zackigen 15/4-Takt tönen die mehrstimmigen Gesangspassagen des Titelsongs. Was her macht auch die Albert-Einstein-Reminiszenz ›Portrait (He Knew)‹. Alles in allem eine qualitativ hochwertige Studiomillimeterarbeit von echten Könnern, keine Frage. Aber eben kein Original, sondern eine handwerklich grundsolide Blaupause musikalischer Innovationen um 1969/70. Und dann auch noch das: Ausgerechnet das einzige Ausreißerstück der Scheibe, die mit sparsamen Streichern verzierte Akustikballade ›Dust In The Wind‹, ursprünglich Gelenkigkeitsübung für Gitarrist Livgrens Fingerpicking, verpasst Kansas als Auskopplung die bis heute höchste Notierung in den Billboard-Charts.

Kim Fowley – I’M BAD / INTERNATIONAL HEROES

Fowley, KimDas bestgehütete Geheimnis der Pop-Historie: zwei verkannte Meilensteine vom Meister der Rock-Satire.

Auf wie vielen Tonträgern Kim Fowley seit seinem Karrierestart 1959 mitwirkte, weiß der 74 Jahre alte amerikanische Pionier selbst nicht so genau. Auch nicht, bei wie vielen Plattenfirmen er mal irgendwann unter Vertrag stand. Im kollektiven Rock-Gedächtnis vor allem als Mentor und Produzent der All-Girl-Formation The Runaways haften geblieben, lieferte der Sohn von Hollywood-Mime Douglas Fowley über Dekaden kontinuierlich ausgezeichnete Alben abseits des Mainstreams. Nach den visionären Longplayern BORN TO BE WILD, OUTRAGEOUS und GOOD CLEAN FUN für das Label Imperial mit stilidentischem Stoff wie ihn in etwa zeitgleich auch MC5 und The Stooges propagierten, setzt der Exzentriker seine bizarren Rock-Delikatessen 1972 mit eindeutig betiteltem I’M BAD fort: Ein definitiver Flop bei Erstveröffentlichung, der wenige Monate nach Erscheinen als Cut Out in Wühltischen landete – gut erhaltene Originale erzielen heutzutage auf Börsen recht stolze Summen. Völlig zu Recht! Derbe knurrt, schreit, flucht und rotzt sich der Sänger, Komponist, Texter und Produzent durch spartanisch inszenierten und enorm zeitlosen Rock-Nihilismus mit so verheißungsvollen B-Movie-Titeln wie ›Queen Of Stars‹, ›Forbidden Love‹, ›Human Being Blues‹ und ›California Gypsy Man‹. Vergisst auch nicht völlig unpatriotisch und absichtlich provokant eine frevelhafte Hymne über ›Red China‹ zu lancieren. Mit dem finalen Blues-Boogie ›Let It Loose‹ – nicht identisch mit gleichnamiger Stones-Nummer – inszeniert er sich als Rockstar-Hybride aus Iggy Pop, Mick Jagger und Alice Cooper. Ein ganzes Stück ruhiger und harmonischer geht es ein Jahr später auf INTERNATIONAL HEROES zu. Fowley liefert seine urige Version von Glam Rock mit hitverdächtigen Ohrwürmern wie ›King Of Love‹ und ›Dancing All Night‹. Im hymnischen Titelsong setzt sich Fowley zwischen Bowie und Jobriath. Esoterisch im Transzendentalen fischt ›E.S.P. Reader‹. Ländlich rustikal im Country-Zuschnitt mit Banjo-Geklimper erzählt er unglaubliche ›Ugly Stories About Rock Stars And The War‹. Als prophetische Liebeserklärung, die das lyrische Potenzial des Punk vorweg nimmt, versteht sich das balladeske ›I Hate You‹. ›Something New‹ schließlich parodiert schlicht exzellent Bob Dylans Manierismen.

Dead Kennedys – ORIGINAL SINGLES COLLECTION

32967California über alles: Die subversive Welt der Toten Kennedys.

Einmal Aktivist, immer Aktivist: Wenn Jello Biafra heutzutage als Chef von The Guantanamo School Of Medicine irgendwo auf dem Erdball eine Bühne im Sturm nimmt, dann hagelt es nach wie vor Politisches. Gleiches gilt auch für seine ehemaligen Bandkollegen, die nach einer Zäsur zwischen 1986 und 2001 wieder als Dead Kennedys unterwegs sind. Doch war es der 21-jährige Agitator Biafra mit Vibrato in den Stimmbändern , der mit einer ordentlichen Portion Sendungsbewusstsein die Formation 1978 ins Rollen brachte. Ein Jahr später schon überraschten die Dead Kennedys mit ihrer ersten Single: ›California über alles‹ – ein überdeutliches Nein zur Demokratiefassade USA, die, laut Jello Biafra, wie auch der Rest der westlichen Hemisphäre, nichts weiter sei als eine gnadenlose Gelddiktatur. Bis zur Trennung 1986 lieferten die seither leider heillos zerstrittenen Parteien insgesamt sieben Singles mit eindeutig vom damaligen Polit-Mainstream wie heutigen Tugendterror abweichenden Ansichten: ›California über alles‹, ›Holiday In Cambodia‹, ›Kill The Poor‹, ›Nazi Punks Fuck Off‹, ›Bleed For Me‹ und ›Halloween‹, erschienen zwischen 1979 und 1982, waren in ursprünglicher Vinyl-Form seit Dekaden nicht mehr erhältlich. ORIGINAL SINGLES COLLECTION vereint sämtliche sieben der begehrten Sammelobjekte inklusive B-Seiten, die auf Börsen und im Internet Höchstpreise erzielen, in praktischer Box. Klangtechnisch remastert, verpacken sich die sagenhaften Sieben in den ursprünglich von Jello Biafra konzipierten Do-It-Yourself-Originalhüllen. Ein zwölfseitiges Booklet mit Liner Notes und Bandinterviews findet sich beigefügt.

Booker T & The MG’s – GREEN ONIONS / SOUL DRESSING

Booker TDelikate Grüne Zwiebeln, pikant aufbereitet mit Seelen-Vinaigrette.

Zum respektablen US-Hit mauserte sich im Frühherbst 1962 ein instrumentaler Ohrwurm mit dem seltsamen Titel ›Green Onions‹. Ein vermeintlicher Zufallstreffer der Studiomusiker Booker T. Jones (Keyboards), Steve Cropper (Gitarre), Lewie Steinberg (Bass) und Al Jackson Jr. (Schlagzeug), aufgezeichnet in einer Sessionpause, als für Sun Records Aufnahmen mit Billy Lee Riley anstanden. Einen Augenblick später eilt das elektrisierende Dreiminutenstück einmal rund um die Welt – besonders in Großbritannien zeigen sich die Vertreter der auf italienische Anzüge, pelzverzierte Parka und mintfarbene Vespas abonnierte Jugendbewegung Mods, die sich jedes Weekend mit ihren Erzfeinden Teddy Boys gigantische Schlachten im Seebad Brighton liefern, angetan von den rhythmisch hypnotischen „Grünen Zwiebeln“. Croppers lässige Gitarren-Licks gepaart mit Jones‘ laszivem Hammondorgel-Schwelen und spartanischer Rhythmussektion bewirkt einen Instrumental-Boom, dient aber auch als Fundament für die spätere britische Northern-Soul-Welle. Bis heute findet ›Green Onions‹ multimedialen Einsatz in Form von TV-Spots bis hin zu Kinofilmen. Ironischerweise sollte ursprünglich ›Behave Yourself‹ auf die A-Seite. Beide Songs, das Sequel ›Mo’ Onions‹ sowie neun Coverversionen zieren wenig später das LP-Debüt GREEN ONIONS – exklusiver Zweitkarrierestart jener Hauscombo um die Soul-Protagonisten Otis Redding, Wilson Pickett, Carla Thomas und Sam & Dave der gerade gegründeten Plattenmarke Stax, die der Welt das Sub-Genre Memphis Soul als Bereicherung hinterlassen wird. 1965 lassen Booker T. & The MG’s dem famosen Debüt das recht ähnlich gestrickte SOUL DRESSING folgen – ein unmittelbarer Renner in Diskotheken und auf Partys. Elf im Kollektiv komponierte Titel mit abermals Tanzbarem: ›Tic-Tac-Toe‹, ›Home Grown‹, ›Plum Nellie‹, ›Jellybread‹, ›Chinese Checkers‹ sowie Don Covays ›Mercy Mercy‹ bringen selbst Tanz-Legastheniker auf Hochtouren.