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Start Blog Seite 1154

David Bowie – REALITY

Bowie, DavidZurück in der Realität: Bowies formidables Spätwerk.

David Bowie hat im Laufe von 50 Karrierejahren schon unzählige Rollen gespielt. Ab der zweiten Hälfte der 90er Jahre konnte der Meister der tausend Maskeraden und Stile zumindest weite Teile seiner einstmals unantastbaren Reputation zurück erobern, die er seit Kommerzliebäugeleien in Kreativniederungen wie LET’S DANCE, TONIGHT und NEVER LET ME DOWN so schmählich vernachlässigt hatte. Auf REALITY, letztes kreatives Lebenszeichen vor der durch Herzinfarkt induzierten Zwangspause von immerhin zehn Jahren (bis sich 2013 mit THE NEXT DAY überraschend doch noch ein Comeback-Werk anschloss!), vereint Bowie in Co-Produktion mit Langzeitweggefährte Tony Visconti seine Tugenden: knappe, nicht am Trend, sondern an facettenreicher Persönlichkeit und Eklektizismus ausgerichtete Song-Vignetten. Luftig produziert zwischen Pop, Rock, Club und Experiment mit beeindruckendem Aplomb. Ausgestattet mit satirischer Selbstironie, etwa im Auftakt ›New Killer Star‹, aber auch in ›The Loneliest Guy‹, ›Never Get Old‹ und dem verrockten Titelsong. Vergessen der hohle Pomp, der es in den 80er Jahren der puristischen Fangemeinde so schwer machte die Pop-Ikone noch wertzuschätzen. Bowies und Viscontis Intention beweist sich auch noch elf Jahre später: Sämtliche elf Tracks demonstrieren lässig Zeitlosigkeit. Selbst die Coverversionen, ›Pablo Picasso‹ von The Modern Lovers, das allerdings von John Cales Version übertrumpft wird, und George Harrisons Dreivierteltakter ›Try Some, Buy Some‹, entstanden als Hommage an den ein Jahr zuvor verstorbenen Ex-Beatle, bilden da keine Ausnahme. Mit finalem ›Bring Me The Disco King‹, einer Komposition, deren Ursprünge bis weit in die 70er Jahre zurück reicht, liefert Bowie im reduzierten Arrangement mit Pianist Mike Garson und Schlagzeuger Matt Chamberlain eine knapp achtminütige Studie in Sachen feinem Cocktail-Jazz. Zuletzt in ähnlich intensiver Weise zu hören auf ›Lady Grinning Soul‹ und im Titelsong von ALADDIN SANE aus dem Jahre 1973.

AC/DC – STIFF UPPER LIP

ACDCErinnerungen an die Frühzeit.

Zurück zu den Wurzeln lautete die Devise vor 14 Jahren für Australiens Rock-Export Nummer eins. Mit denkbar simplem Konzept knüpft STIFF UPPER LIP, 14. australischer und 13. internationaler Longplayer von AC/DC, an die Frühzeit um 1975/76 an, als noch Ausnahmevokalist Bon Scott den charismatischen Frontmann gab: Gitarrenfinger Angus Youngs hypnotische Blues-Riffs, Brian Johnsons kehlige Kopfstimme und dieser unnachahmlich kompakte Viervierteltakt des Rhythmusgespanns Phil Rudd (Schlagzeug), Cliff Williams (Bass) und Malcolm Young (Gitarre) durchzieht ohne Ausnahme das runde Songdutzend. Im immerhin 27. Karrierejahr gelingt AC/DC ein Werk wie aus einem Guss. Ob ›Meltdown‹, ›Safe In New York City‹ oder der Titelsong, ob ›House Of Jazz‹, ›Hold Me Back‹ oder ›Can’t Stand Still‹ – jeder der kantigen Muntermacher erweist sich als Teil einer von Mentor George Young, ehemaliges Mitglied der Sixties-Rock-Legende The Easybeats sowie älterer Bruder von Angus und Malcolm, stramm auf den Punkt produzierten Musterkollektion. ›Can’t Stop Rock’n’Roll‹ lautet die Losung, sich aus dem kreativen Sumpfloch zu ziehen, in das sich die Truppe selbst mit diversen Alben manövriert hatte, bevor Rick Rubin sie mit dem Vorgängerwerk BALLBREAKER (’95) an die eigene Identität erinnerte. ›Damned‹ knurrt Johnson, der lange bevor er Scotts Nachfolge antrat schon in der schottischen Formation Geordie als famoser Frontmann fungierte, ebenso intensiv wie er einem teuflischen Voodoo-Ritus gleich den ›Satellite Blues‹, ›All Screwed Up‹, ›Come And Get It‹ und das finale ›Give It Up‹ beschwört.

The Birds Of Satan – Der wilde Vogel Hawk

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HawkTaylor Hawkins hat ein hauptberuflich nicht nur beneidenswertes Los gezogen: Abend für Abend spielt er in einem anderen Stadion sein Schlagzeug. Jedoch sitzt er dabei hinter Dave Grohl. Dem Dave Grohl, dem Nirvana-Drummer. Zusammen bilden er und Dave die Haupt-Show-Achse der Foo Fighters. Bevor diese erneut ins Studio gingen, nutzte Taylor die Pause, um ein ganz eigenes, neues Nebenprojekt zu gründen. Wie schon bei seiner letzten Band, den Coattail Riders, übernimmt Hawkins bei den Birds Of Satan Gesang und Drums in Personalunion. Im Interview mit CLASSIC ROCK spricht der aufgedrehte Sunnyboy sympathisch offen über sein Leben zwischen Faulheit und Dave Grohl.

Taylor, deine neue Gruppe nennt sich The Birds Of Satan. Was ist aus den Coattail Riders geworden?
Nach dem letzten Foo-Fighters-Album begann ich direkt am Soundtrack zu Daves Film SOUND CITY mitzuarbeiten. Außerdem habe ich zwei Kinder und die brauchen mich schließlich auch. Die Coattail Riders in kurzer Zeit zusammenzubringen, wäre nicht möglich gewesen. Tatsächlich hatte ich nur eine Woche, um ins Studio zu gehen und eine Platte zu machen. Und weil ich ja auch noch eine Coverband namens Chevy Metal habe, die inzwischen richtig gut zusammenspielt, entschied ich mich, mit diesen beiden Jungs die Platte aufzunehmen.
Das wirkt so, als hättest du mit deiner neuen Soloplatte auf keinen Fall bis nach der nächsten Foo-Fighters-Veröffentlichung warten können.
Oh nein, nein, nein. Das wäre nicht gegangen! Ich muss zwischen allen Foo-Fighters-Werken mein eigenes Ding machen. Das mache ich einfach nur für mich. Punkt. Na ja, und natürlich für die anderen Jungs in der Band.

Ich muss gestehen, dass das Album – zumindest beim ersten Hören – nicht gerade leicht zugänglich war. Allein die Eröffnung ist ein aus mehreren Liedern zusammengebautes neun-Minuten-Werk.
Ich weiß. Bis ganz zum Schluss sollte ›The Ballad Of The Birds Of Satan‹ auch nicht der Opener werden. Aber dann sagte ich: „Scheiß drauf! Packen wir die Nummer auf die Eins, dann vergraulen wir gleich am Anfang die Leute, die die Platte sowieso nicht mögen werden.“ (lacht)

Das ist natürlich ein Statement!
Ach weißt du, fuck it! Ich habe so ein gesegnetes Leben. Ich bin bei den Foo Fighters! Ich muss mir null Gedanken über das machen, was ich nebenher so tue. Ich muss mich nur selbst mit meinen Projekten zufrieden stellen. Ich glaube, man nennt das Genusssucht. Was das angeht, bin ich schuldig im Sinne der Anklage.
Gibt es ein Lied auf dem Album, das dich besonders glücklich macht?
In ›Pieces Of The Puzzle‹ geht es um die Art von Beziehung, die für dich zu deiner Heimat wird. Im Sinne von: „Ich weiß, ich bin schrecklich und auch du machst mich manchmal fertig, aber am Ende eines jeden Tages fühlt es sich gut an, zusammen mit dir einzuschlafen.“ Das ist Heimat.

Ist es für dich eine Befreiung, mal nichts mit den Foo Fighters zu machen?
Nun, mein Job bei den Foo Fighters ist es, Dave das zu geben, was in seinem Kopf ist. Ich würde nicht sagen, dass es unbedingt das musikalisch befreiteste Gebiet auf Erden ist. (lacht)

THE BIRDS OF SATANS wird mit Bands wie Van Halen und Queen verglichen. Wie sehr beeinflussen dich deine Idole?
Zu einhundert Prozent! Ich werde dich nicht anlügen. Mir geht voll einer ab, wenn etwas von mir wie jemand anderer klingt. „Das klingt wie die Beatles!“ „Das klingt wie Van Halen!“ oder „Das klingt wie fucking ›Shout At The Devil‹!“ Das liebe ich.

Es scheint unvermeidbar, dass Dave Grohl und Pat Smear auch bei deinem neuen Album mitgewirkt haben. Wie viel Foo Fighters steckt auf THE BIRDS OF SATAN?
Dave hat mir beim Schreiben von drei Liedern geholfen. Von ihm stammen auch die ersten beiden Parts von ›The Ballad Of The Birds Of Satan‹. Wenn seine Gitarre einsetzt, gibt es keinen Zweifel, wer das ist. Dängdädängdädängdäng! Ich fordere jeden Gitarristen der Welt heraus, eine bessere Rhythmus-Gitarre zu spielen als Dave! Der einzige, der da mithalten kann, ist James Hetfield. Ich meine, allein die Tatsache, dass er zu Lars spielen kann … (lacht) Nein Quatsch, ich liebe Lars, aber es ist manchmal schwer, ihm zu folgen. Ha.

Normalerweise ist die Frage nach dem Bandnamen ein großes No-Go. Hier also ein Tabubruch: Stimmt es, dass „The Birds Of Satan“ aus dem Buch von Anthony Kiedis stammt?
Ja, das stimmt. Ich liebe Rock-Biografien. Ich lese sie alle, das ist mir scheißegal. Irgendwann hatte ich auch SCAR TISSUE von Anthony gelesen. Ich erinnerte mich an eine Geschichte aus seinen Party-Zeiten. Damals nahm er einige Sachen, die ihn die ganze Nacht lang wach hielten. Ich rede nicht von Kaffee. Er versuchte verzweifelt einzuschlafen, bevor die „Vögel Satans“ anfingen zu singen. Ich kenne dieses fürchterliche Gefühl, wenn du die Leute zur Arbeit gehen siehst, draußen geht das Gezwitscher los und du denkst dir nur: „Fuck, ich hab’s schon wieder getan!“

Drogen sind ein großes Thema auf THE BIRDS OF SATAN. Warum beschäftigt dich das Ganze noch immer so sehr?
Wenn ich Texte schreibe, erinnere ich mich an vergangene Phasen in meinem Leben. Ausgerechnet in der Woche, als das Album entstand, dachte ich viel über mein Leben mit 21 nach. Damals hing ich in Laguna Beach ab, fragte mich, was ich mit meinem Leben anstellen sollte und ging ständig auf Partys. Alle waren damals schwer auf Koks. Das ist schon komisch. Also, nicht die Drogenabhängigkeit, aber das Leben ist es schon.

Vielleicht kannst du heute so empfinden, weil es für dich vorbei ist?
Ja, daran liegt es sicher auch. Manchmal blicke ich auf mich zurück und denke mir, was für ein totaler Vollidiot ich war. Aber wir hatten auch unseren Spaß. Deshalb sehe ich das ganze Leben mit Humor. Ich darf mich nicht beschweren, weil ich so ein privilegiertes Leben habe. Doch auch ich muss traurige Dinge durchstehen. Trotzdem sollte man immer versuchen, sich durchs Leben zu lachen, denn wenn du dir nur Sorgen machst, wirst du an Krebs erkranken.

Gibt es schon Neues vom geplanten Foo-Fighters-Album zu erzählen?
Also, die Songs haben wir schon mal. Dave fängt gerade an, die Texte zu schreiben. Diese Platte wird sehr nach einer Band klingen, die zusammen in einem Raum spielt. Denn so werden wir das machen! Was das musikalische Level angeht, sind die Foo Fighters auf ihrem absoluten Höhepunkt angekommen. Ich weiß das, denn ich bin der fucking Motor und ich höre jeden Einzelnen.

Stimmt es, dass ihr die Lieder in Studios überall auf der Welt aufnehmen wollt?
Nun, das ist eine von Daves großen Ideen. Was auch immer es dann sein wird, es wird eine riesige Multimedia-Idee. Du kannst Dave nicht mehr mit dieser Album-Tour-Album-Tour-Routine einschränken. Sein Hirn läuft 1000 Meilen pro Stunde. Ich im Gegensatz dazu bin ein echt fauler Sack. Ich liebe es, auch mal nichts zu machen!

Frank Zappa – UNCLE MEAT

81DTBqysmrL._SL1184_Auf vier LP-Seiten verteilte Absurditäten:
Have you had your UNCLE MEAT today?

Mit anarchisch wüstem Doppelalbum FREAK OUT! zündete Frank Zappa mit The Mothers Of Inventions 1966 schon die nächste Stufe – derweil das Establishment noch Elvis Presleys lasziven Hüftschwung und die Renitenz der British Beat Invasion verdaute. Wie wirkte da seinerzeit auf konservative Gemüter wohl das drei Jahre später veröffentlichte LP-Doppelwerk UNCLE MEAT? Von der fiktiven Kunstfigur Suzy Creamcheese, die erstmals schon auf FREAK OUT! auftauchte, eingeführt, dürfte der Schock über den in weiten Teilen recht unzugänglichen „Onkel Fleisch“ noch weit größer gewesen sein. Zumal ja auch die Songtitel der zwischen Jazz, Rock, Pop und Klassik oszillierenden Avantgarde schon eine allzu deutliche Sprache sprechen: ›Nine Types Of Industrial Pollution‹, ›We Can Shoot You‹ oder ›Dog Breath, In The Year Of The Plague‹ unterstreichen einmal mehr Zappas Bürgerschreck-Image. Ursprünglich angedacht als Soundtrack für einen Science-Fiction-Film, dessen Testmaterial Frank Zappa allerdings erst Jahre später freigeben sollte, finalisiert die Toncollage UNCLE MEAT das vierteilige Experiment ›No Commercial Potential‹. Parallel fungiert das sperrige Werk als erstes Produkt für den neuen Vertriebspartner Reprise. Nach den beiden Vorgängern, der Beatles-Satire WE’RE ONLY IN IT FOR THE MONEY und der Fifties-Hommage CRUISING WITH RUBEN & THE JETS (beide ’68), fischt Zappa zumindest gelegentlich im atonalen Jazz wie auf dem Solodebüt LUMPY GRAVY. ›Electric Aunt Jemima‹ und ›The Air‹ persiflieren Doo Wop, in Zeitlupe zerdehnen sich ›Mr. Green Genes‹ und ›Cruisin’ For Burgers‹. Untergemischt sind Konzertmitschnitte aus der Londoner Royal Albert Hall, dem Whiskey A Go Go in Los Angeles, vom Miami Pop Festival und aus Kopenhagen. Ausgezeichnete Aufnahmequalität, absurde Collagentechnik in der Prä-Sampling-Ära sowie Ruth Underwoods brillante Einlagen auf Marimba und Vibraphon machen UNCLE MEAT zum uneingeschränkt empfehlenswerten Hörgenuss für alle, die Absurdes und Abgründiges zu schätzen wissen.

Vibravoid – Purer Idealismus

Vibravoid_promo_2014_1Ihr fantastisches 2011er Album MINDDRUGS wird  jetzt auch auf CD inklusive Bonusmaterial veröffentlicht.  VIBRAVOID–Boss CHRISTIAN KOCH kann seine Bedenken gegen digitale Tonträger dennoch nicht vollends ausräumen.

Unter normalen Umständen kann man mit Christian Koch kaum in Streit geraten. Der Düsseldorfer Sänger und Gitarrist ist ein positiver und überaus ausgeglichener Mensch, der andere Meinungen akzeptiert und sogar dem, was er den „Wahnsinn der Welt“ nennt, zumindest einigermaßen tolerant gegenübersteht. Wenn man sich allerdings unbedingt mit Christian Koch streiten möchte, gibt es da einen kleinen Trick: Man verlegt einfach den Psychedelic Rock als substantiellen Kulturbestandteil in die 70er und erklärt Black Sabbath zu den wichtigsten Protagonisten dieser Musik- und Lebenseinstellung. Wenn man all dies tut, dann geht Christian Koch entgegen seines eigentlichen Naturells sofort an die Decke. Denn für ihn haben Psychedelic mit den 70ern und mit Black Sabbath rein gar nichts zu tun. Mehr noch: „Black Sabbath haben sich explizit als Anti-Hippies bezeichnet. Das muss man doch einfach mal zur Kenntnis nehmen.“ Und dann kramt Koch weitere schlagende Argumente für seine Theorie hervor, dass diese Musikrichtung ausschließlich in den 60ern stattgefunden hat und mit frühen Pink Floyd, The Byrds oder Jimi Hendrix seine herausragenden Vertreter besaß. „MEDDLE war lange nicht mehr so stark wie THE PIPER AT THE GATES OF DAWN“, vergleicht er zwei der unbestrittenen Floyd‘schen Meisterwerke und zieht ein nicht nur musikalisches, sondern auch gesamtgesellschaftliches Resümee: „Psychedelia ist eine Bewegung, die besagt: Macht endlich Schluss mit dem Wahnsinn.“ Der bis in die Gegenwart hineinreichende Wahnsinn begann für Koch schon vor rund 45 Jahren: „Die goldenen Jahre waren zwischen 1965 und 1970, danach war der Ofen aus. Woodstock fand ja auch nicht in den 70ern statt, das verwechseln die Leute immer nur. In den 70ern haben die Leute Bomben geworfen, so lautet leider die bittere Wahrheit.“
Eigentlich könnte es Koch egal sein, ob man nun die 60er und 70er miteinander verwechselt, ob man Retro-, Space- und Psychedelic-Rock in einen Topf wirft. Doch der 43-Jährige ist der kreative Kopf hinter dem Düsseldorfer Trio Vibravoid, das erst vor wenigen Tagen sein aktuelles Album MINDDRUGS in remasterter Version auf CD wiederveröffentlicht hat. MINDDRUGS bietet mit voller Absicht ausschließlich lupenreinen Psychedelic Rock der 60er, daran lässt Koch keine Zweifel. Da blubbert‘s und zischt‘s, da wird man an ›2000 Light Years From Home‹ und ›She‘s The Rainbow‹ vom Rolling-Stones-Album THEIR SATANIC MAJESTIES REQUEST ebenso erinnert wie an ›Silver Maschine‹ von Hawkwind und ›Interstellar Overdrive‹ von Pink Floyd. Diese wunderbar sphärische Stimmung, der mit langen Hallfahnen versetzte Gesang, die abgefahrenen Gitarrensounds, das laszive Flair der Melodien. „Dabei sind die eigentlichen Songstrukturen im Grunde genommen total simpel: Hookline, Strophe, Refrain, mehr nicht“, verrät Koch. „Wer sich nur ein bisschen mit Rock-. und Popmusik auskennt, hat diese Songs sofort verstanden. Irgendwelche Geheimnisse dahinter existieren nicht.“
Höchstens noch dieses eine: Woher bekommt ein 43-Jähriger, der – man kann dies leicht ausrechnen – 1971 geboren wurde, eigentlich ein Faible für die Rockmusik einer lang zurückliegenden Epoche? „Ich habe meine komplette Kindheit vor dem Plattenspieler verbracht“, erzählt Koch. „Meine Eltern hatten schnell gemerkt, dass sie mich einfach nur vor diesen weißen Schneewittchensarg (so nannte man aufgrund seiner transparenten Abdeckung den Plattenspieler Phonosuper SK4 der Firma Braun) meiner Oma setzen und eine Vinylschiebe auflegen mussten, um sofort komplett von mir befreit zu sein. Die Musik von Hendrix oder den Byrds habe ich quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Meine Eltern merkten, dass ihr Kind mit diesen Songs nichts kaputtmachen kann.“
Übrigens darf man in der Aufzählung des Düsseldorfers nicht die wichtigsten Protagonisten des Krautrocks vergessen, die ebenfalls als Blaupausen des Vibravoid-Sounds Pate standen. „Can waren für mich immer schon eine ganz große Nummer, ihren Hit ›Spoon‹ finde ich auch heute noch grandios. An Kraftwerk kam ich allein deshalb nicht vorbei, weil sie ja auch aus Düsseldorf stammen. Und Neu! sind schlicht und ergreifend überfantastisch.“ Keinen Zugang fand Koch dagegen zu experimentell ausgerichteten Formationen wie Cluster: „Zu wenig Musik, zu viel Geräusche“, findet er, „für mich braucht es in der Musik Beats und Grooves, zu denen man tanzen kann.“
Tanzen kann man zur Musik von Vibravoid in der Tat hervorragend. Die meisten Songs breiten sich geradezu hypnotisch über einen stoischen Rhythmus aus, der sich in eine Trance-artige Stimmung hochsteigert. „Wir versuchen einfach hochgradig individuell zu sein. Für uns existiert nur unsere eigene Welt, zeitgemäße Einflüsse kennen Vibravoid nicht und würden sie auch nicht zulassen.“ Und überhaupt: Wirklich echt klingt MINDDRUGS ausschließlich auf Vinyl, behauptet Koch: „Für mich gibt es nur Schallplatten, CDs finde ich einfach ganz scheiße. Deswegen landen ja viele Leute überhaupt erst bei uns, weil wir diesbezüglich keinerlei Kompromisse eingehen.“
Kurzer Einwand: Warum dann die Wiederveröffentlichung von MINDDRUGS auf CD? „Ganz einfach: Weil natürlich jeder seine Musik auf dem Medium bekommen soll, das er bevorzugt. Und wenn jemand Vibravoid unbedingt auf CD hören will, bitteschön, ich habe nichts dagegen. Ich selbst würde mir Musik aber immer nur auf Vinyl anhören, für mich existiert kein anderes Medium.“
Also auch keine Downloads? Immerhin ein Medium, das bei jüngeren Konsumenten bereits längst der CD den Rang abgelaufen hat. Meister Koch muss nur ganz kurz überlegen: „Nun, sagen wir es mal so: Was die Leute haben wollen, sollen sie bekommen. Und wenn heute ein 18-Jähriger unbedingt die Black Eyed Peas als Download haben möchte, kann ich nur sagen: Recht so, dann wird für diese künstlerische Umweltverschmutzung wenigstens nicht auch noch kostbarer Rohstoff verschwendet.“ Klare Haltung, klare Ansage, aber kein Streit deswegen. Besserwisserisch ist Koch mitnichten, nur halt überzeugt von seiner Mission.

Lou Reed – A NIGHT WITH LOU REED

61gm3HN+5RL._SL1024_Recht lieblose Präsentation eines großen Konzerts.

Lou Reed hatte zeitlebens eine sehr tiefe Verbindung zu New York. In Brooklyn geboren und aufgewachsen, begann er seine musikalische Karriere mit Velvet Underground in Greenwich Village. 1983 kehrte er mit seiner Soloband in den New Yorker Club The Bottom Line zurück. Die Einheimischen empfingen ihn mit offenen Armen, das Konzert war restlos ausverkauft. Jetzt erscheint die DVD-Aufzeichnung erneut in der eV-Classics-Serie.

Der Auftritt selbst gleicht wirklich einer Heimkehr. Lou Reed und seine Band (Gitarrist Robert Quine, Bassist Fernando Saunders und Schlagzeuger Fred Maher) machen auf der Bühne eine sehr gute Figur, haben offensichtlich Spaß an der Performance, sind spielerisch gut drauf. Auch die intime Clubatmosphäre mit ihrer düsteren Beleuchtung (blaues Licht trifft auf rotes) und dem völligen Verzicht auf unpassende visuelle Effekte wird authentisch eingefangen. Reed spielt Stücke aus seiner Velvet-Underground-Ära (›I’m Waiting For My Man‹, ›Sweet Jane‹) über frühe Hits aus seiner Solokarriere (›Satellite Of Love‹, ›Walk On The Wild Side‹) bis hin zu Songs aus seinen damals gerade aktuellen Werken THE BLUE MASK und LEGENDARY HEARTS. Leider trübt die schlechte Tonqualität das Vergnügen ganz beträchtlich. Die Gitarren stehen oft ziemlich penetrant im Vordergrund, was auf einen nachlässigen Toningenieur hindeutet, bisweilen wirkt es so, als würde der Ton sogar ganz aussetzen. Mit einer Spielzeit von knappen 60 Minuten und keinerlei Extras ist das Angebot auf dieser DVD auch eher mau. Schade, denn aus diesem Clubgig hätte man sicher mehr rausholen können.

Brian May & Kerry Ellis – THE CANDLELIGHT CONCERTS

61+JIyf4PlL._SL1024_Etwas anders, aber gut.

Queen-Legende Brian May tritt gerne mit den unterschiedlichsten Künstlern auf. Im Rahmen der Candlelight Concerts 2013 des Montreux Jazz Festivals tat sich der Ausnahmegitarrist mit Kerry Ellis zusammen, die vor allem für ihre Inszenierungen unterschiedlichster Stücke und Musicals im Londoner West End Theatre bekannt ist. Zusammen interpretieren sie (wirklich umgeben von Kerzen) Unplugged-Versionen bekannter Rock- und Pop-Klassiker wie etwa ›Dust In The Wind‹ von Kansas, ›Somebody To Love‹ von Jefferson Airplane, ›The Way We Were‹ von Barbara Streisand und natürlich auch Queen-Hits wie ›Love Of My Life‹, das May mit Ellis im Duett singt, ›We Will Rock You‹, bei dem Brian die E-Gitarre zückt und das Publikum den unverwechselbaren Rhythmus intonieren lässt, sowie ›Crazy Little Thing Called Love‹. Das Konzept des Konzerts ist sehr speziell und wird mit Sicherheit nicht allen Queen-Fans gefallen. Etwas Besonderes ist es aber auf jeden Fall. Als Bonus gibt es noch ein kleines Live-Video zum Song ›Nothing Really Has Changed‹, aufgenommen im Shamwari Tierreservat, das beide im Zuge ihrer Tierschutzaktivitäten besuchten. Mit im Paket befindet sich auch noch eine Live-CD, die während ihrer gemeinsamen Born-Free-Tour aufgenommen wurde.

Little Feat – LIVE IN HOLLAND 1976

71JLygUQigL._SL1000_Pink Pop-Auftritt 1976 erstmals auf DVD und CD.

Lowell George begann seine Karriere in Frank Zappas Mothers Of Invention. Eine von vielen Legenden erzählt, dass George Zappa damals seinen Song ›Willin’‹ vorspielte, vorauf Zappa ihn rauswarf. Der Grund: Zappa hielt ihn für viel zu talentiert, um „nur“ in der Band eines anderen zu spielen. Er solle losziehen und selbst eine Gruppe auf die Beine stellen. Gesagt, getan. 1969 gründete er in Los Angeles zusammen mit Keyboarder Bill Payne, den er durch ein Vorspielen bei den Mothers Of Invention kennengelernt hatte, Little Feat. Durch ihren enormen und qualitativ hohen Output in den 70er Jahren, machte sich die Band schnell weltweit einen Namen. LIVE IN HOLLAND 1976 veröffentlicht erstmals den Auftritt der Band auf dem Pink Pop Festival 1976 und präsentiert sie inmitten ihrer kreativen Hochphase. 1979 starb Lowell George überraschend an den Folgen eines Herzfehlers.
Auf der Bühne gehen die sechs Musiker fast unter. Sie sind umzingelt von Dutzenden Verstärkern. Es ist helllichter Tag, es gibt also keine Lightshow. Am Ende der Bühne dienen Stangen als Absperrung, so dass die Band ein wenig eingepfecht wirkt. Doch weder Little Feat noch die Besucher des Festivals scheint das zu stören. Die Stimmung ist gut, die Band spielerisch in Höchstform. Auch die Sound- und Bildqualität ist überraschend hochwertig für eine derart alte Aufnahme. Zwar enthält die DVD leider keine Extras, doch da LIVE IN HOLLAND als CD-DVD-Paket erscheint, kann man darüber getrost hinwegsehen.