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Grohl und Co. rocken London und veröffentlichen Interview über „Sonic Highways“

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foo fighters_interviewDie Foo Fighters geben weitere Einblicke in ihr kommendes Album SONIC HIGHWAYS und die von ihnen selbst produzierte, gleichnamige TV-Serie.

Gerade erst absolvierten die Foo Fighters drei geheime Clubshows unter dem Pseudonym „The Holy Shits“ sowie einen Headliner-Auftritt bei der gestrigen Abschlussfeier der Invictus Games im Londoner Olympic Park. Die internationale Sportveranstaltung für verwundete Soldaten wurde von Prince Harry ins Leben gerufen. Bei seiner Abschlussrede verkündete der: „Ich liebe Dave Grohl.“

Seht hier Prince Harrys gestrige Liebeserklärung an Dave Grohl und einen kurzen Ausschnitt der Foo Fighters-Show (ab 0:52):

In einem neu veröffentlichten Interview stellen alle Mitglieder der Band das Konzept ihres kommenden Albums SONIC HIGHWAYS vor.

Seht hier den neuen Trailer:

Ramones: Road To Ruin

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Sie sahen aus wie eine eingeschworene Bruderschaft, doch hinter ihren Haarvorhängen wurden die Ramones von Traumata, Krankheiten und gegenseitigem Mobbing geplagt – vom Anfang bis zum bitteren Ende.

Es ist der 5. Juli 1976 und das markante Schwarzweißfoto vom Cover des kürzlich erschienenen Ramones-Debütalbums ist gerade zum Leben er­­wacht. Vier Typen in vorschriftsmäßigen Lederjacken, T-Shirts, zerrissenen Jeans und Turnschuhen haben sich vor der Dingwalls Dancehall in Camden, London, eingefunden. Sie sehen aus wie eine nicht wirklich zusammenpassende Bikergang aus dem Weltall, die bei Alpha Centauri einmal falsch abgebogen ist und sich auf die Erde verirrt hat.

Die Ramones sind vor wenigen Minuten nach ihrem ersten Headliner-Auftritt auf britischem Boden von der Bühne gekommen und ich soll diese Freaks aus New York für das Magazin „ZigZag“ in­­terviewen. Seit der Veröffentlichung ihres Erstlings im April ist der Hype um sie gewachsen und um uns herum finden sich diverse Schlüsselfiguren aus der gerade entstehenden Londoner Punkszene. Der unverwechselbare Johnny Rotten schleicht an uns vorbei, die vor Kurzem gegründeten Damned toben in ein paar Metern Entfernung lautstark herum. Ein Stück weiter bahnt sich gerade eine Auseinandersetzung zwischen Stranglers-Bassist Jean-Jacques Burnel und Paul Simonon von The Clash an, die am Vorabend ihrerseits zum ersten Mal aufgetreten sind, als Vorgruppe der Sex Pistols in einem Pub in Sheffield. Man spürt, dass sie alle von diesen exotischen Besuchern wahrgenommen werden wollen.

Doch was sich hier abspielt, ist ziemlich zahm im Vergleich zu ihrer Heimat an der Bowery in New York, also nehmen die Amerikaner keinerlei Notiz davon. Der freundliche Schlagzeuger Tommy Ramone – natürlich mit Sonnenbrille – bezeichnet sich als der „Sprecher und Business-Typ“ der Band und setzt sich rechts neben mich. Zu meiner Linken erklärt Gitarrist Johnny Ramone mit seinem Topfhaarschnitt seine Liebe zu Horrorfilmen und John Denver, während der offenbar ständig unter Strom stehende Bassist Dee Dee Ramone sich angeregt mit ein paar Fans unterhält. Vor mir, wankend von Fuß zu Fuß und mit einem seltsamen Lächeln im Gesicht, türmen sich dagen die kompletten zwei Meter Joey Ramone auf. Diese schlaksige zukünftige Ikone aus einer anderen Dimension wird während unseres Gesprächs allerdings nur einen einzigen, sorgfältig geplanten Satz von sich geben.

Eine Stunde zuvor hatte das Quartett einen Auftritt abgeliefert, der weniger eine Sammlung von Songs war als vielmehr ein Frontalangriff auf alle Sinne. Johnny riffte wie eine Kreissäge, Joey klammerte sich am Mikroständer fest, während Dee Dee mit seinem Fender-Precision-Bass um­­hertollte und vor jeder dieser hochoktanigen Soundgranaten sein unsterbliches Intro „one-two-three-four“ bellte. ›Blitzkrieg Bop‹, ›Beat On The Brat‹ und ›Now I Wanna Sniff Some Glue‹ flogen mit solch atemberaubender Geschwindigkeit vorbei, dass es gegen Ende keine Lücken mehr zwischen ihnen gab – außer wenn Dee Dee kurz aussetzte, um eine Bierflasche, die er soeben leergetrunken hatte, über seine Schulter zu werfen. Die komplette Show dauerte 30 Minuten, und wenn es so etwas wie den Ground Zero des britischen Punk gab, war es genau diese halbe Stunde.

40 Jahre, nachdem sie mit ihrem Debüt die Welt veränderten, ist der Status der Ramones als eine der einzigartigsten und einflussreichsten Bands aller Zeiten unbestritten. Sie waren die Ersten, die dem Rock sagten, dass er fett, aufgeblasen und langweilig geworden war und präsentierten dann eine explosive neue Blaupause, um ihn zu ersetzen. Ihre Geheimwaffe dabei war es, der Vergangenheit Tribut zu zollen, statt sie zerstören zu wollen. Dazu tauchten sie in das Pop-Vermächtnis ihrer Heimat New York ein, reduzierten es auf das Wesentliche, beschleunigten es und transportierten das alles dann in eine Zeichentrickwelt, die von ausgelachten Nazis, Schwachköpfen, Perversen und Punkerinnen namens Sheena und Judy bevölkert war. Sie waren die ultimative Rock‘n‘Roll-Gang – die originalen „Bros“.

Nur, dass das eben nicht wirklich wahr ist. Wie ich herausfand, als ich sie in den 70ern auf Tour begleitete, steckte hinter den Ramones weit mehr als ein lärmender Blitzkrieg, mit dem uns diese vier liebenswerten Comicfiguren mit demselben Nachnamen attackierten, und nicht alles davon war angenehm. Hinter der Albernheit und den fesselnden Konzerten versteckten sich kaputte Beziehungen untereinander, psychologische Trümmerfelder und lebenslange Traumata.

Das Image der starken Einheit war schlicht und einfach eine Lüge. „Nach außen hin bildeten sie diese gemeinsame Front, die niemals durchbrochen wurde, doch tatsächlich gingen sie als Individuen getrennte Wege“, sagt Mick Houghton, ihr erster Pressesprecher für den britischen Markt. „Sie wa­­ren völlig unterschiedliche Menschen.“

Rock in der Krise (Teil 4): Der Tod des Albums

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© Naki Kouyioumtzis.Steven Wilson, on location, oxfordshire.„Zu sagen, das Album werde verschwinden, ist wie zu sagen, dass Romanautoren ab sofort nur noch Kurzgeschichten schreiben und Regisseure nur noch Popvideos drehen werden.“

(Steven Wilson)

Zeitschriften, Magazine und sogar Rockstars wie Ian Astbury von The Cult haben den Tod des Albums proklamiert. Aber ist der Longplayer wirklich derart dem Untergang geweiht, wie es den Anschein hat?

Darf ich mal kurz in Erinnerungen schwelgen? Im September 1975, in der goldenen Ära des Albums, sparte ich mir ein bisschen Taschengeld zusammen, um ganz aufgeregt am Tag des Erscheinens WISH YOU WERE HERE von Pink Floyd zu kaufen. Als ich dann feststellen musste, dass Electrip Records (schon längst bankrott: welch Vorahnung!) ein paar Cent mehr dafür verlangte, war ich mächtig enttäuscht. Natürlich schwollen diese Preise mit dem Fortschreiten des Album-Zeitalters weiter an und verharrten dann jahrelang auf einem ähnlichen Niveau.
Im 21. Jahrhundert jedoch hat sich ein drastischer Wandel ergeben, mit vielen Vorteilen und Verwerfungen. Die meisten Alben können heute für weniger als zehn Euro heruntergeladen werden, und wenn man nicht alles haben will, stellt man sich einfach die besten Tracks für je 99 Cent oder weniger zusammen. Das ist das neue – Achtung, verhasster Klischeebegriff – Geschäftsmodell. Hätte mich der Manager von Electrip Records doch nur drei Viertel von WISH YOU WERE HERE kaufen lassen, ich wäre nicht untröstlich nach Hause gegangen und hätte beim heißen Thema der Schulhofdiskussionen am nächsten Montag mitreden können.
Vier Jahrzehnte später ist „der Tod des Albums“ das heiße Thema all der Spielplatzdiskussionen des Mediendiskurses. Kostenlose mp3s, Filesharing, Tracks, die auf Soundcloud debütieren, Crowdfunding, Spotify – sie alle setzen dem Album, wie wir es kannten, zu.
1948 führte Columbia Records die 33rpm-Langspielplatte ein, die mit ein paar Modifikationen (z.B. Stereoklang) unangefochten dominierte, bis 1982 die CD auf den Plan trat. Die Zeitspanne von den frühen 60ern bis Mitte der 00er Jahre gilt heute als die „Albumära“, in der Künstler ihre Vision erkunden und ihr Vokabular erweitern konnten. Das ist jetzt also amtlich, „die Albumära“: ein offizieller historischer Begriff. Das Album als Artefakt einer vergangenen Epoche. Alben gaben uns ein kontinuierliches, immersives musikalisches Erlebnis. Sie waren nicht nur ein Tonträgersystem, sondern ein neues Medium.
„Die Reihenfolge der Stücke auf einem Album ist ein sehr wichtiger Subtext in der Rockmusik“, sagt Peter Hammill, zeitweise Mitglied bei Van der Graaf Generator. „Sie war immer extrem relevant. Für mich muss das einen Fluss haben. Wie eine seltsame Reise, die durch das gesamte Werk führt.“

Rush – Die Rhythmus-Methode

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Opener Rush

Denker, Theoretiker, introvertiert, weit gereist, belesen, eingefleischter Freiheitsverfechter… an Rush-Schlagzeuger Neil Peart ist weit mehr dran als Paradiddles, Polyrhythmen und labyrinthinische Texte.

Neil Peart gibt nur selten Interviews. Der Rush-Schlagzeuger hat 39 seiner 60 Jahre in einer der größten Rockbands der Welt verbracht und ist als ihr Texter genauso die Stimme der Gruppe wie der Mann, der seine Worte singt, Geddy Lee. Doch Peart, Spitzname „der Professor“, hat sich noch nie dabei wohlgefühlt, in der Öffentlichkeit zu stehen. Außerhalb von Rush ist er ein sehr zurückgezogener Mensch geblieben, was sich in den späten 90ern nach dem Tod seiner Tochter Selena bei einem Autounfall und dem seiner Frau Jacqueline durch Krebs noch verstärkte. Damals teilte er Lee und Rush-Gitarrist Alex Lifeson mit, dass er sich zur Ruhe gesetzt habe. Seitdem hat Peart sein Leben und seine Karriere wieder aufgebaut. 2000 heiratete er die Fotografin Carrie Nuttall und bekam mit ihr eine Tochter, Olivia. Seit er 2001 wieder zu Rush zurückkehrte, hat die Band zu neuer Stärke gefunden.

Als Peart dem Interview mit CLASSIC ROCK zustimmt, tut er das unter der Bedingung, keine Fragen zu seinem Privatleben gestellt zu bekommen. Dafür spricht er offen und ausführlich über seine Arbeit, seine Werte und seinen Lebenskodex. Er strahlt eine ruhige Intensität aus, aber mit einem ironischen, ich-bewussten Humor. Hochintelligent und absolut ehrlich – Neil Peart ist ein äußerst ungewöhnlicher Rockmusiker. „Es war für mich eine sehr interessante Reise“, sagt er.

Sie sind in Kanada auf dem Land aufgewachsen und fingen als Teenager an, Schlagzeug zu spielen. Wie hat die Musik Sie als Mensch verändert?
Ich war eher akademisch orientiert, bis ich die Drums entdeckte. Dann war ich absolut besessen vom Schlagzeugspielen. Ich war körperlich eher im Nachteil. Meine Knöchel waren schwach, also konnte ich keinen Sport machen. Ich konnte nicht schlittschuhlaufen und somit kein Eishockey spielen, was in Kanada denselben Stellenwert hat wie Fußball in Europa. Als Junge macht einen das zum Außenseiter.

Die Rockstars des Toronto International Film Festivals

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Neil Young

Noch bis Sonntag findet das Toronto International Film Festival (TIFF) statt und bot dieses Jahr auch Schätze für Classic Rock-Fans.

 

„Human Highway“ –  von und mit Neil Young

Neil Youngs apokalyptische Kömodie „Human Highway“ aus dem Jahr 1982 hat eine Rundumerneuerung genossen und feierte am Mittwoch Prämiere beim TIFF. Sie wird das New York Film Forum im Januar eröffnen, danach soll „Human Highway: The Director’s Cut“ weltweit in die Kinos kommen.

Der 80-minütige Streifen, gedreht in Kalifornien, wurde größtenteils von Young selbst finanziert, da sie einfach keine Geldgeber für dieses Projekt finden konnten. „Die Handlung ist schwer zu erklären und wir hatten damals kein Drehbuch, dass wir hätten vorzeigen können, um zu sagen ‚Hey, dieser Film ist es wert, hunderte wenn nicht sogar tausende von Dollars zu investieren‘. Also nahmen wir alles selbst in die Hand“, erzählte Young nach dem Screening in Toronto.

„Human Highway“ handelt von einer Gruppe skurriler Kleinstädtler, die in einer Tankstelle/Diner in Linear Valley arbeiten – nicht weit entfernt von einem Atomkraftwerk. Man findet dort rot glühende Fliegen, radioaktive Müllmänner (verkörpert von Devo), taucht in absurde Traumsequenzen ein und begegnet einer singenden Kellnerin.

Neil Young spielte nicht nur selbst eine Rolle (er mimt den etwas blöden Mechaniker Lionel Switch), er schrieb auch den größten Teil des Drehbuchs, führte Regie und kümmerte sich um die musikalische Untermalung. Neben seinen Songs ›We R In Control‹, ›Sample And Hold‹, ›Transformer Man‹, ›Computer Boy‹ und ›Mr. Soul‹ (alle aus seinem 1982er Album TRANS) und ›Hey Hey My My (Into The Black)‹ (zusammen mit Devo und Booji Boy) gibt es eine neue Version von Bob Dylans ›Blowing In The Wind‹ gesungen von Booji Boy.

Seht hier den Trailer zu „Human Highway“:

Human Highway (Director’s Cut) Trailer from Shakey Pictures on Vimeo.

 

„Love & Mercy“ – Biopic über Brian Wilson

149315_F5_011Auch das Biopic „Love & Mercy“ über Brian Wilson begeisterte am Mittwoch. Der Film wirft einen einfühlsamen und intimen Blick auf den Beach Boys-Chef, der bei der Umsetzung seiner musikalischen Visionen im Studio regelrecht seinen Verstand verlor und danach über mehrere Jahrzehnte mit Drogen, Alkohol, psychischen Problemen und Übergewicht zu kämpfen hatte.

Regie führte Bill Pohlad. Der Multimillionär fungierte schon als Produzent von Filmen wie „The Tree Of Life“ und „12 Years A Slave“.

„Love & Mercy“ befasst sich mit zwei Lebensphasen Wilsons, zum einen mit der Zeit Mitte der Sechziger, in der er an seinen Meisterwerken PET SOUNDS und SMILE arbeitete und schließlich am Druck der Plattenfirma und Bandkollegen und seinen eigenen Ambitionen zerbrach. Die andere Ebene zeigt ihn als psychisches und körperliches Wrack Mitte der Achtziger.

Verkörpert wird der Beach Boy dabei von zwei Schauspielern. Paul Ano (u.a. bekannt aus „There Will Be Blood“) mimt den jungen Wilson in den 60ern, während ihn John Cusack  (u.a. „Con Air“) in den 80ern spielt.

Wann der Film in Deutschland veröffentlicht wird, ist leider noch nicht bekannt. Ein Trailer soll bald folgen.

 

 

Ab heute im Plattenladen

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slash-world-on-fireAuch heute gibt es neue Musik auf die Ohren. Diese vier Veröffentlichungen wollen wir euch empfehlen.

Hier hört ihr ›I Don’t See It Your Way‹ von Christopher Cross aus seinem neuen Album SECRET LADDER hören:

Hier findet ihr unsere Review zu SECRET LADDER …

Seht hier den Teaser zu Slashs neuer Platte WORLD ON FIRE:

Hier findet ihr unsere Review zu WORLD ON FIRE …

FEEL THE NOISE heißt das Album von Paul Collins, das heute erscheint. Hört daraus den Song ›I Need My Rock N‘ Roll‹:

Hier findet ihr unsere Review zu FEEL THE NOISE …

Hört hier einen Ausschnitt aus dem Konzert, das Status Quo 1976 im Hordern Pavillion in Sydney gegeben haben, das ein Teil des 4-CD-Box-Sets LIVE ’74-’76 ist, das ab heute zu haben ist:

Hier findet ihr unsere Review zu LIVE ’74-’76 LIMITED EDITION…

Christopher Cross – SECRET LADDER

cross, christopherScheiden tut gut.

13 Jahre hatte es überhaupt kein neues Material von ihm zu hören gegeben, bis er 2011 mit DOCTOR FAITH sein Schweigen brach. Nun vergingen keine drei Jahre bis zum Nachfolger. „Seit meiner letzten Scheidung 2007 kann ich mich ganz auf die Musik konzentrieren“, erklärte er das kürzlich mit einem Hauch von Zynis-mus in der Stimme. Uns soll’s recht sein – Christopher Cross ist nämlich nicht nur einer der großen Songwriter der 80er, die man endlich wieder cool finden darf, sondern auch noch in einer Weise gereift, die man nicht unbedingt erwartet hätte. Klar, größtenteils finden sich auf SECRET LADDER immer noch kuschelweiche Adult-Pop-Balladen, und seine Säusel-stimme wird nie auch nur in die Nähe des Begriffs „Aggression“ kommen. Doch erstaunt ist man schon, wenn gleich der Opener ›Reverend Blowhard‹ ein bisschen zackigen Blues ins Spiel bringt und textlich die Krallen gegen Amerikas TV-Prediger ausfährt. An einer anderen Stelle fällt gar das Wort „ass“, was ein bisschen so ist, wie die eigenen Großeltern beim Sex zu überraschen. Aber Spaß beiseite: Mit ›Experiment‹, ›Island Of Anger‹ und dem herzerwärmenden ›Letter To My Children‹ präsentiert der Softrock-Maestro einige seiner besten Kompositionen seit 30 Jahren. Bitte mehr davon!

Slash feat. Myles Kennedy And The Conspirators – WORLD ON FIRE

slashDie rockistische Vollbedienung.

Es gibt Dinge, die man von Slash einfach nicht erwarten darf. Wie eine komplette musikalische Neuorientierung, wildes Experimentieren oder Songs, die nicht im Blues- bzw. Hardrock verwurzelt sind. Dafür ist der Mann mit dem Zylinder zu sehr Relikt der goldenen 80er und der damit verbundenen Mischung aus Punk, Glam und klassischem Rock. Aus diesem Schatten kann und will der 49-Jährige nicht hervortreten, und wer damit nicht klarkommt, soll sich halt die Ergüsse von grünschnäbeligen Pseudo-Junkies aus gutem Hause anhören. Für alle anderen jedoch ist der gebürtige Brite das Original, das Maß aller Dinge und eine zuverlässige Größe. Einer, der sich und seinem Sound treu bleibt, der einen nicht verwirrt oder gar enttäuscht und der dabei nie alt, müde oder gar unglaubwürdig wirkt. Im Gegenteil: Slash ist eine Macht. Und das unterstreicht er mit seinem dritten Alleingang, der nicht weniger als 17 Songs birgt. Sprich: Das Ganze ist im Grunde ein Doppelalbum und bietet Masse wie Klasse – ohne Durchhänger, ohne Füllmaterial, ohne Aussetzer. WORLD ON FIRE ist ein Manifest in Sachen Blues-getränktem Powerrock, das auf starke Gitarren-Riffs, noch stärkere Soli, polternde Drums, knalligen Groove und geballte Dynamik setzt, weder Schnickschnack noch Schnörkel aufweist und etwas von einer unaufhaltsamen Dampfwalze hat. Gleichzeitig – und das ist bemerkenswert – birgt es aber auch Überraschungen. Sei es mit akustischen, schwer psychedelischen Momenten, einer Ballade wie ›Battleground‹, einer Country-Persiflage namens ›The Dissident‹ oder einem Instrumental à la ›Safari Inn‹. Wobei Sänger Myles Kennedy, sonst bei Alter Bridge, eine ebenso gute Figur abgibt wie sein Chef: Der Gesang ist vielseitig und variabel, während die Texte Ecken, Kanten und Humor aufweisen und mit amüsanten Weisheiten aus allen Lebenslagen glänzen. Etwa Selbstfindung, Freiheit und Abenteuer, aber auch leichte Mädels, scharfe Drinks und schwere Maschinen – eben typische Männerthemen. Zudem vergisst Slash nie seine Wurzeln: ›30 Years To Life‹ weist starke Anleihen bei ›Paradise City‹, ›Welcome To The Jungle‹ sowie ›Sweet Child O’Mine‹ auf, und auch in anderen Nummern lassen sich eindeutige Referenzen ausmachen. Nur: Im Gegensatz zu anderen Künstlern und Bands ist das keineswegs peinlich. Mehr noch: Es muss sogar so sein. Einfach, weil es dem Hörer ein gutes, ein vertrautes Gefühl gibt. Und weil es schlichtweg rockt. Fazit: WORLD ON FIRE ist die ultimative Vollbedienung und kommt mit dem besten Albumcover des Jahres.