Titelstory: Guns N’ Roses – The Most Dangerous Reunion In The World

-

Titelstory: Guns N’ Roses – The Most Dangerous Reunion In The World

Parallel dazu haben es mittlerweile auch der kommende Text-Exzentriker und die Blues-Seele von Guns N’ Roses, namentlich W. Axl Rose und Izzy Stradlin, nach Los Angeles geschafft. Nachdem sein früherer Freund Jeffrey Isbell die gemeinsame Heimat Lafayette, Indiana, bereits 1979 nach seinem Highschool-Abschluss verlassen hatte, folgt ihm im Dezember 1982 auch William Bruce Bailey nach Kalifornien. Als W. Axl Rose schließt er sich mit dem Gitarristen Isbell, der ab jetzt Izzy Stradlin heißt, in der Band Rose zusammen. Zuvor vergehen allerdings mehrere Monate, bis Axl seinen alten Freund vom Lande in der großen Stadt überhaupt findet, doch im Januar 1984 kann das gemeinsame Musizieren beginnen. Nach einigen Besetzungswechseln und der Lokal-Kolorierung des Bandnamens – man heißt jetzt Hollywood Rose – übernehmen tatsächlich schon nach vier Monaten Slash und Steven die Positionen an Gitarre und Schlagzeug.

Damit sind bereits vier Fünftel der kommenden Band vereint, doch das wäre natürlich viel zu einfach – ganz besonders für Guns N’ Roses: Axl, Slash, Steven und Izzy, gemeinsam mit Steve Darrow am Bass, halten es gerade einmal eine Woche zusammen aus. Izzy verlässt die Gruppe, die nun New Hollywood Rose heißt. Kurz darauf legen auch Slash und Steven einen Abgang hin, weil sie ihre Roadcrew wieder beleben wollen. Verstärkt werden die beiden neuerdings von der kürzlich zugezogenen und letzten noch fehlenden Personalie Michael McKagan, der aus seiner Heimat Seattle nicht nur den Namen Duff und die bunt gefärbten, kurzen Haare mitbringt, sondern auch eine für den Sound von Guns N’ Roses entscheidende Punk-Attitüde.

Während diese Dreier-Konstellation zusammen gefunden hat, nimmt Slash gegen Ende 1984 an einem Vorspielen bei Poison teil, die damals zu den erfolgreichsten Clubbands in Hollywood zählen. Es sind wohl hauptsächlich optische Gründe, die ihm das En­­ga­gement verwehren, das schließlich C.C. DeVille bekommt. „An meinem zweiten Tag sah ich einen von den anderen [Bewerbern (Anm. d. Red.)]: platinblondes Haar, glitzernd-weiße Lederjacke, Make-up bis hin zu grellpink angemalten Lippen. Ich brauchte ihn nur kurz auf dem Weg nach draußen zu sehen und wusste, er würde den Job bekommen“, erinnert sich Slash in seiner Autobiografie. Der zu Unglamouröse spielt stattdessen bis Mai 1985 bei Black Sheep, einer der führenden L.A.-Bands, die kurz vor der Unterzeichnung eines Plattenvertrags steht, jedoch aufgrund ihrer Heavy-Metal-Ausrichtung nicht ganz Slashs Classic-Rock-Geschmack entspricht. In der Zwischenzeit hat sich das Besetzungsrad in den Bands[!] von Axl munter weitergedreht. Nach New Hollywood Rose, bei denen Steven noch Mitglied war, kamen die L.A. Guns, angeführt von den beiden Frontmännern Axl und Tracii Guns an der Gitarre und unterstützt von Rob Gardner am Schlagzeug sowie Ole Beich am Bass. Im Januar 1985 stößt Izzy hinzu, und man einigt sich auf den naheliegenden wie wirkungsvollen Namen Guns N’ Roses.

Als dann Duff McKagan in der zweiten Inkarnation von Guns N’ Roses den Bassisten Ole Beich ersetzt, kommt es zum alles entscheidenden Knackpunkt, der die Rockgeschichte nachhaltig beeinflussen soll. Duff, nur das Beste für seine neue Band im Sinn, organisiert unter Mühen einige Gigs entlang der Westküste in Oregon bis hinauf in seine Heimatstadt Seattle. Leider sind nicht alle von den Plänen be­­geistert: „Izzy, Axl und ich meinten nur: ‘ Yeah, das machen wir! Ab auf die Straße. Packen wir es an.’ Tracii Guns und Rob Gardner hatten allerdings Bedenken, wo wir denn übernachten und wie wir denn dorthin kommen würden. Sie haben im letzten Moment kalte Füße bekommen. Als sie einen Rückzieher machten, fragten wir Slash und Steven“, so Duff.

Auch Steven erinnert sich an die spontane Entscheidung: „Slash rief mich an und meinte: ‘Wir können zwei Shows spielen, willst du das machen? Davor ist noch eine im Troubadour und für die anderen fahren wir dann nach Oregon und Seattle.’ Und ich sagte: ‘Fuck ja, na klar.’“ Und so beginnt man den einzigen Probentag, der noch geblieben ist. „Das war wirklich so etwas wie eine Synergie zwischen uns, als hätten wir schon seit Jahren zusammen ge­­spielt“, erklärt Slash. „Für uns fünf war das vermutlich der wichtigste Tag in unserem Leben als Musiker“, denkt Duff andächtig zurück.

Jetzt stehen sie also auf der Bühne des Troubadour und Axl verkündet während des Songs ›Anything Goes‹, der zuerst ›My Way, Your Way‹ hieß: „An der Gitarre hier, Mr. Izzy Stradlin; am Bass, Mr. Duff Rose [Duffs früher Künstlername bei GN’R (Anm. d. Red.)]; am Schlagzeug, Mr. Steven Adler und an der Lead-Gitarre, Slash. Wir sind Guns N’ Roses, Ladies and Gentlemen!“

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

CLASSIC ROCK Adventskalender: Türchen Nummer 5

Heute gibt es in unserem CLASSIC ROCK ADVENTAKALENDER das 2022 erschienene Album ZERO AND BELOW von Crowbar einmal im...

Titelstory: Frank Zappa – Der fabelhaft freigeistige Freak-Bruder!

Ein Außenseiter ohne Interesse an Rock'n'Roll, ein Freiheitsverfechter, der seine Band wie ein Diktator führte, ein ausgewiesener Gegenpol zur...

CLASSIC ROCK Adventskalender: Türchen Nummer 4

Am zweiten Adventssonntag versteckt sich heute dreimal Vinyl in unserem Adventskalender. Abräumen kann man heute einmal ein Bundle aus...

Video der Woche: Ozzy Osbourne ›Bark At The Moon‹

Wir gratulieren Ozzy Osbourne zum 74. Geburtstag! Dafür springen wir in die Vergangenheit und widmen ihm das Video zu...

CLASSIC ROCK Adventskalender: Türchen Nummer 3

Heute gibt es einmal dieses schöne Set aus LP und CD von Cold Years GOODBYE-TO-MISERY-Album bei unserem Adventskalender-Gewinnspiel zu...

Black Star Riders: Neues Video zur Single ›Riding Out The Storm‹

Vom kommenden Album WRONG SIDE OF PARADISE haben die Black Star Riders eine weitere Single mit dem Titel ›Riding...

Pflichtlektüre

Alice Cooper: Nita Strauss verlässt die Band

Seit 2014 war Nita Strauss alias "Hurricane Nita" ein...

Status Quo: Oberhausen, König Pilsener-Arena

Aufforderung zum letzten Tanz Ein befreundeter Promoter erinnert sich: „Quo-Fans...

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen