In unserem „Video der Woche“ gedenken wir John Lennon mit seinem Song ›Oh My Love‹.
Heute hätte John Lennon seinen 75. Geburtstag. Zur Feier des großartigen Beatles, der 1980 in New York erschossen wurde, zeigt ihn unser „Video der Woche“ bei den Studio-Sessions für ›Oh My Love‹, ein Stück auf dem 1971er Album IMAGINE. An der Gitarre, im Video auch zu sehen, ist der leider ebenfalls bereits verstorbene George Harrison zu hören.
Seht hier Lennon und Harrison bei den Aufnahmen zu ›Oh My Love‹:
Seit den Veröffentlichungen von CABIN FEVER (2012) und COUNTERFEIT BLUES (2014) ist viel in Corb Lunds Karriere passiert: Hochgelobt von New York Times und Washington Post, eröffnete Corb mehrere Stadion-Shows für Country-Superstar Miranda Lambert und ihren Co-Headliner Dierks Bentley. Lambert, die als großer Fan Lunds gilt, gab dem gebürtigen Kanadier zusätzlich die Chance, als Special Guest für sie und ihren Ex-Mann Blake Shelton zu spielen. Hervorragende Vorzeichen also, um mit THINGS THAT CAN’T BE UNDONE die USA endgültig zu erobern. Das in Nashville von Produzent Dave Cobb (u.a. Sturgill Simpson, Jason Isbell) im hauseigenen Low Country Sound Studio aufgenommene neunte Album des begnadeten Singer-/Songwriters ist in einer Art „Drei-Staaten-Eck“ zwischen legeren Americana-Sounds, Townes Van Zandt’scher Melancholie und 60s-Brit-Rock der Marke Yardbirds angesiedelt. In nur zwei Wochen überarbeitete das Team Lund/Cobb die bereits fertigen Arrangements, experimentierte mit den Stücken und setzte sie, aufs Wesentliche reduziert, in Szene. Leider lag zur Zeit der Rezension noch nicht das finale Deluxe CD/DVD Package vor. Es beinhaltet neben THINGS THAT CAN’T BE UNDONE die Mini-Doku „Undone“ und einen sechs Stücke umfassenden Akustikgig.
Corb Lund
THINGS THAT CAN‘T BE UNDONE
NEW WEST/PIAS
7/10
Im letzten Teil der Trilogie übertrifft sich der „Tiger“ noch einmal selbst.
Über weite Strecken seiner 1963 gestarteten Karriere tummelte sich der stets auf Sexappeal getrimmte Waliser entweder im seichten Pop-Bereich oder auf der Las-Vegas-Showtreppe. Doch 2010 überraschte er mit PRAISE AND BLAME, dem ersten Teil einer erdig produzierten Roots-Trilogie in Sachen Blues, Soul, Folk, Country und Rock’n’Roll, 2012 folgte das ebenfalls von Ethan Johns (u.a. Kings Of Leon) produzierte SPIRIT IN THE ROOM. Mit dem finalen LONG LOST SUITCASE fährt der „Tiger“ einmal mehr seine nach wie vor scharfen Krallen aus, zeitgleich mit der Autobiografie „Over The Top And Back“ veröffentlicht, tragen die Songs dieselben Titel wie die Kapitel in den Lebenserinnerungen. Die Hommage an seine frühen Karrieretage startet ganz gemächlich im akustischen Country-Modus mit ›Opportunity To Cry‹ und ›Honey, Honey‹. Mit antikem Analog-Equipment aufgenommen, klingen knackige R’n’B-Kracher wie Billy Boy Arnolds ›I Wish You Would‹, Albert Kings ›’Til My Back Ain’t Got No Bone‹ sowie ›Bring It On Home‹ von Sonny Boy Williamson II, als würde man noch immer 1963 schreiben. An Jones’ Jugendidol, späteren Freund und Weggefährten richtet sich die gespenstische Gospel-Hommage ›Elvis Presley Blues‹, gebettet in nichts als eine verzerrte Reverb-Gitarre. Rustikaler Southern-Country mit Slide-Gitarre dominiert sowohl das Traditional ›He Was A Friend Of Mine‹ als auch das zusätzlich mit Fiddle verzierte ›Factory Girl‹, ursprünglich ein Folk-Original aus den Appalachen, das Jagger/Richards 1968 auf BEGGARS BANQUET als Eigenkomposition notiert hatten. Silberrücken Tom Jones lässt das Album enden, wie er es begonnen hat, indem er mit Hank Williams‘ ›Why Don’t You Love Me Like You Used To Do?‹, Lonnie Johnsons ›Tomorrow Night‹ und Buster Browns ›Raise The Ruckus‹ noch einmal trefflich die Country-Roots beschwört.
Tom Jones
LONG LOST SUITCASE
CAROLINE/UNIVERSAL
9/10
Es sind die kleinen Momente, die herausragende von guten Alben unterscheiden. Bei ›Willow‹, dem ersten Stück des neuen Albums von Israel Nash, nutzt die Band die psychedelische Stimmung zunächst ganz entspannt, dann blendet der Song langsam aus. Übrig bleibt das Mellotron, ein einsamer Wächter über die Harmonien. Überirdisch schön. Der ›Parlour Song‹ im Anschluss beginnt mit einem bedrohlichen Marsch, als zöge eine kriechende Legion giftiger Schlangen durch die Wüste. Die düstere Parade zieht vorbei, dann gibt Israel Nash den Nachtwächter – und sehr schnell spielt sich dieser Song ins Gedächtnis. Dorthin, wo sich die besten Songs von Neil Young und The Band verankert haben. Die Messlatte für ISRAEL NASH’S SILVER SEASON lag sehr hoch, der Vorgänger ISRAEL NASH’S RAIN PLANS hatte die Gemeinde verzückt. Doch die neue Platte hält nicht nur das Niveau, sondern setzt hier und da noch einen drauf. Bei ›The Fire & The Flood‹ schillern die melancholischen Momente der Beach Boys durch, plötzlich singt Israel Nash sogar wie Brian Wilson. Das Stück zeigt: Ihn als reinen Neil-Young-Tributekünstler zu bezeichnen, greift viel zu kurz. Der Songwriter und seine grandiose Band ziehen mit größter Sorgfalt und innerer Ruhe durch die riesige Soundlandschaft der Americana. ›A Coat Of Many Colors‹ heißt einer der besten Songs, ein wunderbares Leitmotiv für das Album. Zweifelt noch jemand? Dann bitte ›LA Lately‹ hören, geschrieben, als Nash und seine Gruppe Los Angeles nach einem Gig wieder verließen. Die Slidegitarre weint zum Abschied leise Servus, der Bus ist längst auf dem Highway, das Stück zum Erliegen gekommen – da weckt Israel Nash es noch einmal auf, für magische 1:30 Minuten: das bestmögliche Farewell.
Israel Nash
ISRAEL NASH’S SILVER SEASON
LOOSE/ROUGH TRADE
8/10
Ab sofort kann jeder darüber abstimmen, welche Künstler 2016 in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen werden sollen. Hier seht ihr, welche Kandidaten zur Auswahl stehen.
Unter den Nominierten für die Ehrung im nächsten Frühjahr befinden sich Deep Purple, Nine Inch Nails, Yes und Cheap Trick. Außerdem haben es The Cars, Steve Miller, Chicago, Los Lobos, The Smiths, Chic, the J.B.’s sowie The Spinners – und ja, auch Chaka Khan, Janet Jackson und NWA – in die Vorauswahl geschafft.
Die fünf erfolgreichsten Kandidaten der Online-Abstimmung bekommen eine zusätzliche Stimme, die der Bewertung eines Experten-Gremiums hinzugerechnet wird.
Um eine Chance auf einen Platz in der Rock Hall zu haben, muss die erste Veröffentlichung (Single oder Album) eines Künstlers mindestens 25 Jahre zurückliegen.
Deep Purple-Frontmann Ian Gillan sagte bereits im Februar zu einer möglichen Nominierung: „Ich habe mein ganzes Leben lang darum gekämpft, mich nicht institutionalisieren zu lassen, also fühlt sich das für mich natürlich wie ein riesiger Erfolg an. Und natürlich meine ich das ironisch.“
Begleitet von ersten Standing Ovations, betreten David Crosby, Graham Nash und Stephen Stills zusammen mit einer fünf Mann starken Band die Bühne. Auch wenn bei einem bestuhlten Konzert leere Plätze direkt ins Auge fallen, ist die knapp 7.000 Zuschauer fassende Porsche Arena so gut wie ausverkauft. Und das zu Recht!
Schon mit dem Opener ›Carry On/Questions‹ wird allen Anwesenden klar: das wird groß. Selten habe ich so eine gute Akustik in so einer großen Halle erlebt. Der Sound ist vom Start weg brillant und der Dreigesang sowie sämtliche Instrumente sind perfekt zu hören. ›Marrakesh Express‹ folgt und man kann kaum glauben, dass diese Songs bereits über 45 Jahre alt sind. Natürlich klingt es nicht mehr ganz so frisch und knackig wie auf den live Aufnahmen von 1974, aber was hier musikalisch geboten wird ist ein Traum und was die drei Herren mit 70 (!), 73 (!!) und 74 (!!!) Jahren stimmlich noch zu bieten haben, ist beeindruckend. Mal ohne, mal wechselnd mit Akustik- oder E-Gitarre, werden sie grandios von Hammond Orgel, Piano, Drums, Gitarre und Bass unterstützt.
Mit weiteren Highlights wie ›Long Time Gone‹, dem traumhaft schönen ›Just A Song Before I Go‹, einem magischen ›Cathedral‹ und jammigen ›Deja Vu‹ vergehen die ersten 60 Minuten der Show wie im Flug. Mit dem Hinweis: „Don’t go away“ verabschiedet man sich in eine 20-minütige Pause. Im zweiten Set darf jeder der drei gleich mal mit einer neuen Solo-Nummer glänzen. Widmet Nash seinen Song ›Myself At Last‹ seiner anwesenden Freundin, ist Crosbys Stück ›Somebody Home‹ direkt an alle Frauen gerichtet und Stephen Stills besticht auch in ›Virtual World‹ mit seinem grandiosen Gitarrenspiel. Danach folgt das unfassbar gut gesungene ›Guinnevere‹, das rockige ›Chicago‹, ›Almost Cut My Hair‹ und ›Wooden Chip‹ – haben CS&N eigentlich einen Song der kein Klassiker ist?
Spätestens bei den Zugaben hält es dann keinen mehr im Innenraum auf den Sitzen, um bei den Hits ›Teach Your Children‹ und ›Love The One You With‹ in der ersten Reihe zu stehen! Nach bereits mehr als 120 Minuten Spielzeit ziehen sie zum Finale mit ›Suite: Judy Blue Eyes‹ noch mal alle Register!
Beseelt ziehen die Fans von dannen. Der einzige betrübende Gedanke, der nach so einer famosen musikalischen Darbietung bleibt, ist, dass man so etwas wenn überhaupt für wohl lange Zeit nicht mehr sehen wird.
C.W.
Seht hier Crosby, Stills & Nash mit ›Chicago‹ live in Stuttgart:
Hört nur hier Van Morrison mit einer bislang unveröffentlichten Version seines Songs ›Give Me A Kiss‹ aus dem Album HIS BAND AND THE STREET CHOIR.
Neben einer Neufassung des frühen Albums ASTRAL WEEKS erscheint am 30. Oktober auch eine remasterte Expanded-Edition von Van Morrisons Album aus dem Jahre 1970, das seinen Sound damals in Richtung funkign Grooves, zügige Boogie-Rhythmen und Blues revolutionierte: HIS BAND AND THE STREET CHOIR.
Auf der neuen Edition sind neben den 12 originalen, remasterten Tracks auch fünf zusätzliche, bisher unveröffentlichte Takes enthält. CLASSIC ROCK präsentiert euch daraus exklusiv ›Give Me A Kiss‹ in einer wunderbar rauen Version ohne Piano, Bläser und Backing Vocals.
Tracklist HIS BAND AND THE STREET CHOIR EXPANDED EDITION:
1. Domino
2. Crazy Face
3. Give Me A Kiss
4. I’ve Been Working
5. Call Me Up In Dreamland
6. I’ll Be Your Lover, Too
7. Blue Money
8. Virgo Clowns
9. Gypsy Queen
10. Sweet Jannie
11. If I Ever Needed Someone
12. Street Choir
13. Call Me Up In Dreamland (Take 10)
14. Give Me A Kiss (Take 3)
15. Gypsy Queen (Take 3)
16. I’ve Been Working (Alternate Version)
17. I’ll Be Your Lover, Too (Alternate Version)
Hört hier exklusiv Van Morrison mit ›Give Me A Kiss‹: